Dienstag, 23. Februar 2016

Wozu katholisch bloggen? [1]

Warum man - warum ich - einen katholischen blog beschriebe, wurde ich kürzlich innert eines Tags gleich zweifach - voneinander unabhängig - gefragt. Nicht der schlechteste Grund wäre womöglich dieser:
Quo eamus? Et dicitur,
Ad illum locum, ad sanctum locum.
Invicem sibi loquuntur,
et tanquam incensi singillatim
faciunt unam flammam:
et ipsa una flamma facta
ex collocutione sese accendentium
rapit illos ad locum sanctum,
et cogitatio sancta sanctificat eos.
Wohin gehen wir? Es wird gesagt:
Zu jenem Ort, zu heiligem Ort!
Gegenseitig bereden sie sich,
und einzeln entzündet
bilden sie zusammen eine einzige Flamme,
und die Flamme selbst,
entstanden aus dem Wechselgespräch
der sich Entzündenden,
reißt sie hin zum heiligen Orte,
und ein heiliger Gedanke heiligt sie alle.
(Augustinus, Enarrationes in Psalmos 121, 2)
Gebe Gott, daß dem  ... abseits aller Unzulänglichkeit, aller Trägheit, aller frömmelnden Posierlichkeit und aller Eitelkeiten, vor denen man nie gefeit ist, so sei, daß dem immer mehr so werde.

Samstag, 20. Februar 2016

Tagessplitter

Unsere Bischöfe: müssen nur ein Dokument in die Welt setzen und darin erklären, es müsse "gewährleistet sein, daß christliche Flüchtlinge in unserem Land - gerade in Asylbewerberunterkünften - keine Ausgrenzung oder Bedrängung aufgrund ihres Glaubens" (eine Selbstverständlichkeit, wollte man meinen, in eben diesem unserem Land) erführen, und schon staubt sich das Thema vom Tisch. Ja, aber ...  gewiß sei man christlichen Asylbewerbern besonders verbunden, nur scheint dabei die Sorge nicht minder groß, andere könnten sich vor den Kopf gestoßen fühlen, würde man christliche Flüchtlinge "bevorzugen". indem man sie zumindest hierzulande vor dem schützt, wovor sie nicht selten geflohen sind.
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Klar, die christliche Nächstenliebe gilt nicht nur den eigenen Leuten (was außer Frage steht), sondern frage überdies nicht nach "Herkunft und sozialem Stand, Religion und Weltanschauung, Geschlecht und sexueller Orientierung". Nun ja - spätestens mit dem Einbruch dieser politisch kotzkorrekten Floskelei nehme ich den Bischöfen ihre besondere Verbundenheit den christlichen Flüchtlingen gegenüber nicht mehr ab; wer mag dafür noch die Hand ins Feuer zu legen, wenn sich bekundete Verbundenheit und verbischöflichtes Blabla so nah auf der Pelle liegen?
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Ein anderer Bischof:
Et quidem fratres secundum
quod homines sumus,
quanto magis secundum
quod Christiani sumus?
Ad id quod homo es,
unus pater fuit Adam, una mater Eva;
ad id quod Christianus es,
unus pater est Deus,
una mater Ecclesia.
Und freilich sind wir Brüder,
weil wir Menschen sind;
wieviel mehr erst,
da wir Christen sind!
Für dich als Mensch
war der gemeinsame Vater Adam,
die gemeinsame Mutter Eva;
für dich als Christ
ist der gemeinsame Vater Gott,
die gemeinsame Mutter die Ekklesia!
(Augustinus, De disciplina christiana 3)

Donnerstag, 18. Februar 2016

O Frau, groß ist dein Glaube!

Und da!
Eine kananäische Frau aus jenem Gebiet
kam gelaufen, schrie und sagte:
Erbarme dich meiner, Kyrie, Sohn Davids!
Meine Tochter
wird von einem Abergeist übel besessen.
Er aber antwortete ihr kein Wort.
Da traten seine Jünger heran, baten ihn und sagten:
Entlaß sie, sie schreit ja nur hinter uns her!
Er aber hob an und sprach:
Gesandt bin ich nur zu den zugrunde
gegangenen Schafen des Hauses Israel.
Sie aber kam heran,
verneigte sich tief vor ihm und sagte:
Herr, hilf mir!
Er aber hob an und sprach:
Es ist nicht recht, das Brot der Kinder wegzunehmen
und es den Hündlein hinzuwerfen.
Sie sprach: Ja doch, Kyrie!
Denn auch die Hündlein essen
von den Bröseln,
die von den Tischen ihrer Herren fallen.
Daraufhin hob Jesus an und sprach zu ihr:
O Frau, groß ist dein Glaube!
Es geschehe dir, wie du willst.
Und geheilt
war ihre Tochter seit jener Stunde.
Aus einer Predigt des hl. Johannes Chrysostomus zur heutigen Perikope - Euangélion (Mt 15, 22 f.) am Donnerstag der ersten Fastenwoche:
O Frau, groß ist dein Glaube!
Es geschehe dir, wie du willst ...
Der Glaube war groß, das Gefäß war groß;
und die Gnade wurde ausgegossen ...
O Frau, groß ist dein Glaube!
Du hast keine auferweckten Toten,
keine gereinigten Aussätzigen,
keine Wunder von mir gesehen.
Du hast die Propheten nicht gehört,
du hast das Gesetz nicht erwogen,
ja - du bist von mir abgewiesen
und verächtlich gehalten worden,
und dennoch bist du nicht gewichen,
dennoch bist du standhaft geblieben ...
O Frau, groß ist dein Glaube!
Die Frau ist gestorben;
aber noch lebt ihr Ruhm - ein Ruhm,
der sie herrlicher schmückt als der Kranz der Kronen!
Wohin du kommst, hörst du Christus sagen:
O Frau, groß ist dein Glaube!
Gehe in die Kirche der Perser,
so hörst du sagen:
O Frau, groß ist dein Glaube!
Du magst zu den Goten, zu den Barbaren,
den Indianern und den Mohren gehen,
du magst in eine christliche Kirche
auf der Erde kommen, in welche auch immer,
und du wirst dieses Lob hören.
Christus hat nur ein Wort geredet,
und dieses Wort wird nicht verschwiegen:
O Frau, groß ist dein Glaube!
Es geschehe dir, wie du willst ...
 Die deutsche Fassung dieses Auszugs aus der Homilia de Chananæa beruht auf der Übersetzung: Des heiligen Johannes Chrysostomus Predigten und kleinere Schriften. Siebter Band. Prag 1785. S. 141.

Mittwoch, 17. Februar 2016

Die Ekklesia: In der Buße Ninives und in der Pracht einer Königin gesammelt

Ja, wie Jona war:
drei Tage und drei Nächte
im Bauch des Seeungeheuers -
so wird auch der Menschensohn sein:
drei Tage und drei Nächte
im Herzen der Erde.
Ninives Männer werden beim Gericht
mit diesem Geschlecht aufstehen
und werden es verurteilen.
Denn: Sie kehrten um
auf des Jona Verkündigung hin.
Aber da! Mehr denn Jona ist hier.
Des Südlands Königin wird beim Gericht
mit diesem Geschlecht auferweckt werden
und wird es verurteilen.
Denn: Sie kam von den Enden der Erde,
um Salomos Weisheit zu hören.
Aber da! Mehr denn Salomo ist hier.
Diese Worte des Euangélion vom Quatembermittwoch (Mt 12, 38 ff.) deutet uns heute im Stundengebet der heilige Ambrosius anhand des verwandten Textes bei Lukas (Expositio in Lucam 7, 8, 96). Ambrosius sieht das Ecclesiæ mysterium in den erwähnten Personen ausgedrückt:
... diese Stelle bringt deutlich ... jenes Mysterium der Kirche zum Ausdruck, wonach dieselbe in den Bewohnern Ninives auf dem Wege der Buße, in der Königin des Südens im Wissensdurst nach Weisheit von den Enden des ganzen Erdkreises sich sammelt, um die Worte Salomos des Friedfertigen zu vernehmen: ja fürwahr eine Königin, deren Reich ein einiges ist, aus den verschiedenen und entlegenen Völkern zu einem Leib heraufsteigend.
Die Ekklesia sammelt sich nach diesen Worten auf zweifachem Wege: Sie kommt zusammen im Elend der büßenden Bewohner Ninives zum einen, in der Herrlichkeit der nach Weisheit dürstenden Königin des Südens zum anderen. Die Niniviter und die Königin stehen für das doppelte Antlitz der Kirche in diesem Aión: Wir sehen das Bild der pilgernden, streitenden, leidenden Kirche mit all ihren Sündern, wir darunter, sehen aber auch die triumphierende. die heilige Kirche aufstrahlen, die bereits in all ihren Gliedern in Gott geborgen ist und die Weisheit des neuen Salomon, des Kyrios Christus schaut. Was uns der Alte Bund im Bild andeutete, erfüllt sich in diesem Horizont:
... jenes vorausgehende war typischer Art, jetzt aber hat sich das Mysterium in Wahrheit erfüllt. Dort nämlich ist es der vorbildliche Salomo, hier aber der leibhaftige Christus. Aus zwei Typen nun setzt sich die Kirche zusammen: der eine weiß nichts vom Sündigen, der andere läßt ab vom Sündigen; denn die Buße tilgt die Sünde, die Weisheit hingegen verhütet sie.
Bild: Der hl. Ambrosius von Mailand, Relief an der Kanzel der Kirche St. Georg zu Ehrenstetten.

Dienstag, 16. Februar 2016

Außenwirkung

 hl. Paulus - Endingen, St. Peter und Paul, Hochaltar 
Das Phänomen ist einzigartig in der Leiturgía: Alle Gesangstexte der Eucharistía am ersten Fastensonntag sind ausschließlich einer Quelle entnommen, dem 90. Psalm. Im Herzen der Verkündigung, dem Euangélion von der Versuchung Jesu (Mt 4, 1-11), wird er zitiert, von dort aus fließt er in das Lied der Ekklesia über. Das biblische Thema, der Rückzug des Kyrios in die Wüste, sein vierzig Tage währendes Fasten, die dräuende Versuchung ... all das setzt die Schwelle, über welche wir in die Fastenzeit einzutreten geladen sind. Mächtig drängt sich uns der Bericht des Matthäus ins Gemüt, gehen uns die Worte des Psalmisten über die Lippen: "Seine Engel hat Gott über dich entboten: sie sollen dich schützen auf all deinen Wegen. Auf ihren Händen werden sie dich tragen, daß niemals dein Fuß an einem Stein sich stoße" (Ps 90, 11 f. - Graduale).
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So schön das ist, so birgt sich darin auch eine Gefahr: Daß wir die Lesung, entnommen dem 2. Korintherbrief (6, 1-10) ein wenig überhören. Auf den ersten Blick steht sie ohnehin etwas isoliert neben all den anderen Texten; ihre Wahl scheint uns der Emphase der ersten Verse geschuldet, in denen Paulus ein Wort aus dem Propheten Jesaja (49, 8) aufgreift:
Empfangt die Gnade Gottes nicht ins Leere.
Sagt er doch:
Zur willkommenen Stunde habe ich dich erhört.
Am Tag der Rettung habe ich dir geholfen.
Da! Jetzt ist die Zeit, die hoch willkommene.
Da! Jetzt ist der Tag der Rettung (2 Kor 6, 1 f.).
Paulus stellt diesen Gedanken nun aber nicht in den Horizont von Buße und Fasten (diese Themen berührt er nur unter weiteren), sondern setzt einen anderen Akzent:
Keinem - in nichts - geben wir Anstoß,
damit dem Dienst nichts Übles angehängt werde.
Im Gegenteil:
In allem stellen wir uns als Diener Gottes dar
durch großes Ausharren:
in Drangsalen, in Nöten, in Ängsten;
unter Schlägen, in Kerkern, in Krawallen,
unter Mühen, in schlaflosen Nächten,
durch Fasten;
in gottgeweihter Gesinnung,
in Erkenntnis,
in Langmut, in Freundlichkeit,
in heiligem Pneuma,
in Liebe ohne Blenderei,
im Wort der Wahrheit;
in Gottes Kraft ... (2 Kor 3 ff.)
Es geht hier nicht zuletzt um Außenwirkung, freilich nicht um bloße Fassade, sondern um eine Außenwirkung, die sich aus heiligem Pneuma speist, der Kraft Gottes - eine Außenwirkung, in der sich mithin eine innere Ausrichtung authentisch manifestieren kann. Der Apostel weiß um unsere und (Paulus bringt immer wieder seine eigene Biographie ins Spiel, auch hier) seine eigene Schwäche, diesem Ideal nachzukommen - und stellt seiner Aufzählung daher eine intensive Mahnung voran:
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Wir sollen keinen Anstoß geben, niemandem Ärgernis bereiten, damit dem "Dienst" - das meint auch: den Eindruck zu unserem Glauben, den wir bei anderen hinterlassen - nichts Übles angehängt und nachgesagt werden kann. Und so eine Haltung sollen wir auch wahren, wenn es schwerfällt: "In allem stellen wir uns als Diener Gottes dar durch großes Ausharren".
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Mir scheint das ein wichtiger Aspekt auch und gerade für die Fastenzeit zu sein - womöglich bringt uns die Ekklesia gerade deshalb diese Perikope am Anfang der Quadragesima zu Gehör? Denn gewiß kann und soll man das Fasten in dieser und jener Form üben, kann und soll einen Vorsatz fassen, kann und soll Buße tun. Nicht minder tut aber Not, daß wir unsere Lebenshaltung auch in Sachen "Außenwirkung" auf den Prüfstand stellen - sofern diese unserem Nächsten den Zugang zum Glauben in einladender Freundlichkeit erleichtern oder durch abweisende Mißgunst versperren kann. Ich merke das immer wieder an mir selbst: Zu rasch fahre ich zum Beispiel irgendwelcher Lappalien wegen aus der Haut; mal frißt sich der Groll innen fest, mal schlägt er nach draußen durch - im ersten Fall vergiftet man "nur" sich selbst mit der Zeit, im anderen Fall vergiftet man seine Umwelt obendrein. Man mag einwenden: Manch einer unserer Mitmenschen findet immer ein Haar in der Suppe, um sich dem Anspruch Gottes nicht aussetzen zu müssen. Doch sollten nicht wir es sein, die zu diesem Haar noch ein ganzes Büschel hinterher werfen ...
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Wohlgemerkt, weil man das nicht genug betonen kann: Es geht um die Wirkung einer inneren Haltung, nicht um frommen Mummenschanz, sprich: Heuchelei. Es gibt auch eine falsche Außenwirkung - zu dieser wollte der Teufel, und hier kommt das Euangélion von der Versuchung Jesu wieder ins Spiel, den Kyrios verführen: Sichere Dir die Sympathien der Menge, indem du Steine in Brot verwandelst ... wecke den Glauben der Massen, indem dich Engel im Sturz auffangen ... sonne dich in der Herrlichkeit der Welt und ihrer Reiche! ... Führe (um all das auf den Punkt zu bringen) eine billige Imitation des Gottesreiches herauf, ein schein-heiliges Surrogat anstelle echter Heilsgeschichte ... Es ist also nicht das vordergründig Besondere und Außergewöhnliche, in dem wir glänzen sollen: Glaube, Liebe und Hoffnung müssen sich im Alltag bewähren, denn der Alltag ist Heilsgeschichte, zumeist ganz ohne Wunder und Zeichen. Dieser Alltag ist mir oft Herausforderung genug - Gott helfe, daß sich da erweise, was Paulus den Korinthern (6, 11 f.) gewünscht hat:
Unser Mund hat sich aufgetan für euch,
ihr Korinther;
das Herz ist uns weit geworden ...
Werdet auch ihr weitherzig!
Bild: Der hl. Apostel Paulus - Skulptur am Hochaltar in der Pfarrkirche St. Peter zu Endingen am Kaiserstuhl.

Sonntag, 14. Februar 2016

Ausgekocht!

Sage niemand, man könne zur der Fastenzeit nicht auch vom Kochen reden ... im buchstäblichen Sinn ein wenig ausgekocht erläutert der hl. Papst Leo der Große das Ziel dieser Tage und die Mittel, es zu erreichen:
... magna divinæ institutionis
salubritate provisum est, ut
ad reparandam mentium puritatem
quadraginta nobis dierum exercitatio mederetur,
in quibus
aliorum temporum culpas,
et pia opera
redimerent,
et ieiunia casta
decoquerent.
... durch göttliche Wegleitung
ist es extrem heilsam vorgesehen, daß uns
zwecks Neustart einer geläuterten Gesinnung
dieses Vierzig-Tage-Training heile,
in welchem wir
die Schuld vergangener Zeiten
durch fromme Werke
wiedergutmachen
und durch anständiges Fasten
herauskochen!
(Sermo xlii, De Quadragesima iv).

Donnerstag, 11. Februar 2016

Die Quadragesima dieses Lebens

Odo Casel OSB
... So begann der erste Adam ein Leben in Herrlichkeit und endete in Staub und Moder. Nur eines blieb ihm: die Hoffnung auf Gottes Barmherzigkeit und daraus hervorgehend die Buße. Aus dem Fluche machte Adam einen Segen, indem er Leid, Schmerz und Tod in Geduld trug, als Buße in der Hoffnung auf den kommenden Heiland. So wurde sein Leben eine Quadragesima; aber das Pascha war weit in der Zukunft. Nur im Glauben leuchtete es wie eine ferne, vorerst unerreichbare Küste. Das Leben des ersten Adam endigte vorläufig in einem Grabe und im Scheol, der finsteren Unterwelt. Doch stand auf dem Grab der Anker der Hoffnung, und diese Hoffnung leuchtet selbst in das Dunkel der Unterwelt hinein.
Unsichtbar steht auf Adams Grab das Kreuz. 
Nach der alten, tiefsinnigen Legende war Adams Grab auf Golgatha; sein Schädel lag dort, wo später Christi Kreuz stehen sollte; und als das Blut des Heilandes vom Kreuze rann, floß es herab auf den kahlen Schädel Adams, wie die christliche Kunst des Ostens es oft darstellt.
Auch wir müssen in der Quadragesima dieses Lebens den Weg des ersten Adam gehen. Wir stehen unter dem Fluche der Sünde und bleiben es der irdischen Existenz nach, selbst wenn unser Pneuma schon erlöst ist. Denn wir sind Adams Kinder, des irdischen Adams Sprossen, "de peccato procreati", aus der Sünde gezeugt ... Wir müssen daher auch Adams Last tragen. Fassen wir unser Leben immer so auf, und tragen wir die Last im Sinne Adams, das heißt in Bußgesinnung! Suchen wir nicht dem Fluche durch äußere Mittel menschlicher Art zu entrinnen. Alles, was auf Erden hart und rauh ist - Leiden, Krankheit, Beschwerden, Dienstbarkeit, Verfolgung, Hunger, Blöße, Not und Tod -, ist dann für uns Bußmittel, erleuchtet durch die Hoffnung, und damit ist es Weg zu Gott, Rückweg zum Heil "Tribularer si nescirem misericordias tuas, Domine; tu dixisti: nolo mortem peccatoris, sed ut convertatur et vivat: qui vocasti Chananæam et publicanum ad pœnitentiam - Trübsal und Schmerz würden mich befallen, wenn ich nicht deine Barmherzigkeit kennte, o Herr. Du hast ja gesagt: ich will nicht den Tod des Sünders, sondern daß er sich umwandle und lebe, du, der du die Chananiterin und den Zöller zur Buße gerufen hast" (Resp. der Vigil. in der Quadragesima).
Die Quadragesima dieses Lebens ist also ein Kreuzweg und führt zum Grabe mit dem Kreuze; aber mit diesem Kreuze kommt uns der zweite, der letzte Adam entgegen, und sein Kreuz wird uns zum Anker der Hoffnung.
Odo Casel OSB: Christi Kreuz auf Adams Grab (Exerzitienvortrag des Jahres 1942). In: Mysterium des Kreuzes. Paderborn o. J. S. 180 f.

Mittwoch, 10. Februar 2016

Bild vom Tag: Aschermittwoch

 Aschermittwoch 2016 - Basel, Pfarrkirche St. Antonius 
Hohe Messe in der Pfarrkirche St. Antonius zu Basel

Blickt nicht wie die Blender trübselig drein

Wenn ihr fastet,
blickt nicht wie die Blender trübselig drein.
Denn sie machen verhärmte Gesichter,
um vor den Menschen
als Fastende zu erscheinen.
Wahr ists, ich sage euch:
Sie haben ihren Lohn dahin.
Wenn aber du fastest:
Salbe deinen Kopf und dein Gesicht wasche,
damit du nicht den Menschen
fastend erscheinst,
sondern deinem Vater -
dem im Verborgenen.
Und dein Vater, der ins Verborgene blickt,
wird dir vergelten.
Hortet euch nicht Schätze auf Erden,
wo Motte und Wurm sie verzehren,
und wo Diebe durchgraben und stehlen.
Hortet euch doch Schätze im Himmel,
wo weder Motte noch Wurm sie verzehren,
und wo keine Diebe durchgraben und stehlen.
 
Denn:
Wo dein Schatz,
dort ist auch dein Herz
(Mt 6, 16 ff. - Evangelium der Messe zum Aschermittwoch
in der Übersetzung von Fridolin Stier).

Heiligt Kasteiung zu!

Doch auch jetzt
ist Sein Erlauten:
"Kehret um zu mir her
mit all eurem Herzen!" -
mit Kasteiung, mit Weinen, mit Klage.
Zerreißt euer Herz,
nimmer eure Gewänder,
und kehret um zu IHM eurem Gott!
denn gönnend und erbarmend ist er,
langmütig und reich an Huld,
leidsein läßt er sichs des Übels.
Wer weiß, er kehrt um,
läßt sichs leidsein
und übrig läßt er hinter sich Segen:
Hinleitspende und Guß
für IHN euren Gott.
Stoßt in die Posaune auf Zion,
heiligt Kasteiung zu,
rufet Einschließung aus!
Ladet das Volk,
heiligt die Versammlung,
holet die Alten zuhauf,
ladet die Spielkinder noch
und die an den Brüsten saugen,
hervorschreite
aus seiner Kammer der Neuvermählte,
aus ihrem Gemache die Braut!
Zwischen Flursaal und Schlachtstatt
weinen sollen die Priester,
die IHM amtenden,
sie sollen sprechen:
"Schone, DU, dein Volk!
gib dein Eigentum nimmer dem Hohn,
daß ihr Gleichwort darüber die Weltstämme sagen!
Warum soll man unter den Völkern sprechen:
Wo ist ihr Gott?!"
 
Da eiferte ER um sein Land,
da dauerte es ihn seines Volks.
ER antwortete,
er sprach zu seinem Volk:
"Wohlan, ich sende euch
Getreide, Most und Öl,
daß ihr euch dran sättigt.
Nicht gebe ich euch mehr hin
als einen Hohn unter den Stämmen
(Joel 2, 12 ff. - Lesung der Messe zum Aschermittwoch
in der Übersetzung von Martin Buber).

Dienstag, 9. Februar 2016

Sententiæ CVIII

... auch heute
wird dieses Fischernetz ausgeworfen!
Christus ist es, der es füllt -
denn er ruft die Menschen,
die in den Tiefen des Meeres,
also in der Bitternis und
den Wogen der Welt schwimmen,
zur Bekehrung!
(hl. Kyrillos von Alexandrien, Commentarii in Lucam)

Montag, 8. Februar 2016

Tagessplitter

Kennen Sie das? Sie gehen als "mündiger Christ" zum Gottesdienst. Zweifeln Sie übrigens auf keinen Fall daran, so ein "mündiger Christ" zu sein, auch wenn ihre Mündigkeit nicht, wie bei einigen Beruf-Katholiken, per Gehaltsabrechnung monatlich ausgewiesen wird. Womöglich haben Sie als mündiger Christ beim Gottesdienst zuweilen das Gefühl, irgendwo zwischen die Fronten von Telekolleg, Sesamstraße und Liturgiekreis geraten zu sein? Und wissen nun nicht recht, wie Sie sich in und zu der bevorstehenden Feier verhalten sollen? Dann achten Sie bitte auf den Erklär-Bären vorn! Ja, genau ... der im grauen Sack mit der fetten Stola!
.
Oder halten Sie sich an den Pastoralassistenz-Flamingo (m/w) daneben. Letztgenannte(r) handelt natürlich nicht in persona Christi, tut aber so. Erstgenannter sollte in persona Christi handeln, tut aber so, als ob er nicht dran glaubt. Das soll Sie nicht irritieren ... auch nicht jener pädagogisierende Mitmach-Ringelpiez, der Kinder, wachsen sie erst heran, in der Rückblende eher peinlich berührt. Zur eigenen Hochzeit kommen die vielleicht mal wieder in die Kirche. Das passt schon.
.
Ein Gotteslob brauchen Sie nicht, für sowas haben wir Schnellhefter und eine Liturgie, wie sie in keinem Buche steht. Heiliges Brot gibts nur auf die Pfote - damit auch das klar ist! Und bilden Sie sich bloß nicht ein, Ihr "mündiges Christentum" könnte Ihnen auch nur ansatzweise ein Recht zur "Mundkommunion" ohne verzogenen Mundwinkel des Spenders verschaffen; sie wissen ja, "mündig" ist letztlich abgeleitet von der munt und bedeutet "Aufsicht": Als "mündiger Christ" tun sie also einfach, was wir sagen, meinen und für gut befinden, und meiden gefälligst, was wir belästern und lächerlich machen, und das nicht nur zum Karneval. Andernfalls sind Sie eben nicht katholisch.de - aber Ihre Kirchensteuer verprassen wir (hier) natürlich trotzdem gern und froh: Narri Narro!

Vom Tag

Deus, qui
per sanctum Ioannem
ordinem sanctissimæ Trinitatis,
ad redimendum
de potestate Saracenorum captivos,
cælitus instituere dignatus es:
præsta, quæsumus;
ut, eius suffragantibus meritis,
a captivitate corporis et animæ,
te adiuvante, liberemur.
Erhaben waltender Gott,
du hast durch den heiligen Johannes
den Orden von der Allerheiligsten Dreieinigkeit
zur Befreiung der Gefangenen
aus der Gewalt der Muslime
ins Leben gerufen.
Wir bitten dich:
Ob seiner Verdienste und Fürbitte
lass auch uns durch deine Hilfe
aus jeder Gefangenschaft an Leib und Seele
befreit werden.
(Tagesgebet zum heutigen Fest des hl. Johannes von Matha).

Samstag, 6. Februar 2016

... das Feuer herabrufen - Einstimmung auf den Sonntag Quinquagesima


Pater fidei nostræ
Abraham sumus
obtulit holocaustum
super altare pro filio.
Der erhabene Vater unseres Glaubens
Abraham
brachte ein Brandopfer dar
auf dem Altar anstelle seines Sohnes.
(Antiphon zur ersten Vesper am Sonntag Quinquagesima)
... und dabei erinnerte ich mich einiger in dunkler Glut funkelnder Worte von Pierre Teilhard de Chardin SJ. Wir sind ja alle (zwischen Herrlichkeit und Schmerz gespannt) 'Söhne der Erde' und gerufen, uns mit und in der Schöpfung Gott als "Brandopfer" darzubringen, hinein genommen und geeint in Christus, der sich im Herzen der Schöpfung, in seiner reinen und heiligen Menschheit ganz dem Vater dargebracht hat ...
... Ehedem schleppte man in Deinen Tempel die Erstlinge der Ernten und die besten Stücke der Herden. Das Opfer, das Du wirklich erwartest, das Opfer, dessen Du in geheimnisvoller Weise jeden Tag bedarfst, um Deinen Hunger, um Deinen Durst zu stillen, ist nichts weniger als das Wachsen der Welt, die vom universellen Werden mitgerissen wird.
Empfange, Herr, diese totale Hostie, die die von Deiner Anziehung bewegte Schöpfung Dir im neuen Sonnenaufgang darbietet. Dieses Brot unserer Mühen, ist aus sich selbst, ich weiß es, nur ein unermeßlicher Zerfall. Dieser Wein, unser Schmerz, ist erst, leider, nur ein auflösender Trank. Doch in der Tiefe dieser urförmigen Masse hast Du - dessen bin ich sicher, weil ich es fühle - ein unwiderstehliches und heiligendes Verlangen gelegt, das uns alle, vom Ungläubigen bis zum Gläubigen, schreien läßt: "Herr, mache uns eins!"
Weil Du, mein Gott, mir mangels des spirituellen Eifers und der sublimen Reinheit Deiner Heiligen eine unwiderstehliche Zuneigung zu allem gegeben hast, was sich in der dunklen Materie bewegt - weil ich unheilbar in mir stärker als ein Kind des Himmels einen Sohn der Erde erkenne - , werde ich heute morgen in Gedanken zu den hohen Orten emporsteigen, beladen mit den Hoffnungen und dem Elend meiner Mutter; und dort - in der Kraft eines Priestertums, das Du allein, so glaube ich, mir gegeben hast - werde ich auf alles, was im menschlichen Fleisch sich unter der aufgehenden Sonne zu entstehen und vergehen anschickt, das Feuer herabrufen.
Der Text stammt aus dem Kapitel Die Opferung aus der Meditation Die Messe über die Welt; entnommen aus: Pierre Teilhard de Chardin: Lobgesang des Alls. Übersetzt von Karl Schmitz-Moormann. Olten und Freiburg 1964. S. 15 f. - Bild: Das Opfer Abrahams - Ausschnitt aus einem Kirchenfenster im Münster St. Stephan zu Breisach am Rhein.

Donnerstag, 4. Februar 2016

Burger unter Beobachtung

Wohlan: Es gilt, einem finstern Ruf gerecht zu werden, insofern man Teil der "ultrakonservativen christlichen Bloggerszene" sei. Wohlob: Ich habe keine Ahnung, ob die arme Seite hier solchem Club der dunklen Dichter überhaupt zuzurechnen ist (die frommfrotzige Randale hält sich hier, denke ich, doch eher in Grenzen). Wohlaber gilt es einräumen, daß ich mich lieber mit dieser "ultrakonservativen christlichen Bloggerszene" ins Kröpfchen gescholten sehe, als ins Töpfchen gesch(m)issen mit (Obacht, jetzt kommt fast das Unwort!) den Bessermenschen in Sachen Toleranz, Freiheit und Dialog, die dank durchtrainierter Nabelschau kaum noch wahrnehmen, wie intolerant, freiheitsabständig und wenig unterhaltsam sie eigentlich sind. Langer Rede kurzer Sinn: Lamentieren wir also - dem Ruf entsprechend - in drastischer Dunkelblogmanier lustvoll und froh ... nein, nicht über die Lückenpresse, aber über einen Artikel der Badischen Zeitung, dem ich das bereits erwähnte Bloggerverdikt danke.
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Wehe nun! Das Blatt schilt den Freiburger Erzbischof Stephan Burger, weil der dem Forum Deutscher Katholiken einen Vortrag zugesagt hat. Nebst Vorliebe für böse Blogger werfen "Kritiker" dem Forum vor, ...
... gegen Homosexuelle und "Genderwahnsinn" zu wettern und in der Flüchtlingskrise Ängste vor einer Islamisierung des Abendlandes zu schüren. Zudem pflege es eine Nähe zur rechtspopulistischen Pegida-Bewegung ...
Listig ist das Reporterleben! Mit 204 Tastenschlägen, Leerstellen inbegriffen, zum Aufstand der Anständigen geblasen, dabei sich wohlfeil und billig auf die Seite der Wohlgesinnten geschlagen! Dort warten die anderen guten Menschen, eine Frau Monika Schulz-Linkholt zum Beispiel, welche aus Sicht der "Laienorganisation Wir sind Kirche" dem Forum bescheinigt, eine "dezidierte Gegenorganisation des Zentralkomitees der deutschen Katholiken" zu sein. Schlimm! Sowas aber auch! Wo kommen wir denn hin, wenn jetzt jeder seinen eigenen Laienverein veranstaltet?
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Der gemeine Dunkelkatholik mag nun fragen, warum sich Frau Monika Schulz-Linkholt überhaupt in ihrem Verein engagiert ... ich nehme einfach mal an, daß das halbgebenedeite ZdK beim Promoten von allerhand Reformenschmonz incredibile dictu - viel zu lahmarschig sit venia verbo - agiert, zumindest aus Sicht von Frau Monika Schulz-Linkholt. Und darum ist es ebenso legitim, wenn sich Frau Monika Schulz-Linkholt mit Ihresgleichen zusammentut, wie es garnicht legitim ist, wenn sich die Gegenseite (um im Sprachdiskurs auszuharren) zusammenrottet.
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Wohlmehr! Die Badische bringt noch einen echten Theologen ins Spiel: Professor Magnus Striet, der sich an der Universität Freiburg mit Fundamentaltheologie beschäftigt. Dieser bescheinigt dem Erzbischof immerhin, daß ein Auftritt beim Forum der deutschen Katholiken "keine Grenzüberschreitung" darstelle, zumindest nicht aus seiner Sicht. Es ist natürlich aufschlussreich und beredt, daß in diesem Zusammenhang ein Begriff wie "Grenzüberschreitung" überhaupt ins Spiel gebracht wird.
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Was bedeutet das unterschwellig? Womöglich: Der Erzbischof kratzt gerade noch die Kurve, sollte sich aber zukünftig besser hüten und genau hinschauen, wozu und von wem er sich einladen lässt. Denn andere könnten das ganz anders sehen als er, Striet, der im übrigen nun erwartet, daß der Freiburger Erzbischof Organisationen wie der "katholischen Schwangerschaftskonfliktberatung Donum Vitae" eine vergleichbare Dialogbereitschaft entgegenbringe. Sehen wir einmal davon ab, daß Donum Vitae zuweilen auch ein donum mortis und überhaupt keine Veranstaltung der katholischen Kirche ist ... ich hege meinerseits auch so einige Erwartungen: Etwa an manche Theologen, daß sie ehrlicher Weise ihre missio canonica zurückgeben, wenn sie die Lehre der Kirche nicht vertreten wollen oder können, das aber nur am Rand bemerkt.
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Wohlendlich: Zwei Mutmaßungen lassen sich meines Ermessens aus dieser Geschichte ziehen. Erstere ist nicht unsympathisch; offenbar wird das Forum der deutschen Katholiken, obschon es laut Striet "nur ein sehr kleines Segment innerhalb des Katholizismus" vertrete (was vertreten dann eigentlich die WiSiKi-Kaffeefahrten?), offenbar also wird dieses Forum in gewissen Kreisen als zunehmend besorgniserregende Größe wahrgenommen, sonst hätte man sich diesen medialen kleinen Affentanz auch sparen können. Die andere Vermutung betrifft Erzbischof Burger und ist weniger wohlig; eben jener Affentanz legt nahe, wie eine gewisse - wohl überwiegend unterhalb des Radars offizieller Strukturen - agierende Diözesan-Nomenklatura die Aktivitäten Burgers beobachtet und wohl nicht zögert, unter Umständen zu skandalisieren, was ihr nicht passt. Alles natürlich völlig transparent im Geiste Jesu, versteht sich. 
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Es gibt diese reizvolle Anekdote vom heiteren Papst Johannes, der auf die Frage, warum er ein Konzil einberufen, ein paar Fenster aufgerissen habe, damit sich der Mief aus der Kirche verflüchtige. Vielleicht glückt das ja Erzbischof Burger ... oremus pro Antistite nostro Stephano!
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Der Artikel der Badischen Zeitung ist hier zu finden.

Mittwoch, 3. Februar 2016

Vom Blasiussegen

 Der hl. Bischof Blasius - Pfarrkirche St. Blasius, Buchenbach 
Auf zwei Legenden aus dem Leben des heiligen Martyrers und Bischofs Blasius dürfte der Brauch beruhen, den die Ekklesia heute pflegt, wenn sie Gott bittet, er möge seine Gläubigen auf die Fürsprache des Heiligen "von jeder Halskrankheit und von allen anderen Übeln" (so die Bitte bei der Spendung des Segens) befreien. Einerseits wird berichtet, der Bischof von Sebaste habe - seines Glaubens wegen bereits gefangen gesetzt - einen jungen Knaben vor dem Tod gerettet, der an einer Fischgräte im Hals zu ersticken drohte. Und ferner wird erzählt, eine fromme Frau habe ihm täglich Speisen und eine Kerze in den Kerker getragen; kurz vor seinem Tod habe der Heilige sie gebeten, jährlich am Jahrestag seines Todes eine Kerze zu opfern. Gott werde sie vor Übel und Krankheit bewahren und Wohlergehen schenken. Aus beiden Legenden rührt der Segensbrauch.
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Wir täten nicht gut daran, den Blasiussegen als nostalgische Reminiszenz an die Zeit der Altvorderen zu betrachten, über welche Wissenschaft, Forschung und Pharmakonzerne längst hinweg geschritten sind - selbst wenn der Segen nicht den erwarteten Erfolg zeitigt und der Hals schon kurz danach zu kratzen beginnt, wie es mir einmal geschehen. Wie so oft ist bei Gott das konkrete leibliche Anliegen die Schauseite, in die hinein er seine Gnade gießt (und wer mag schon wissen, welch' üble Grippe man sich ohne den Segen geholt hätte?). Doch alle Gesundheit des Leibes ist kein Selbstzweck - sie soll der Heiligung dienen, soll das Heil der Seele befördern um des ganzen Menschen willen, der mit Leib und Seele zur Herrlichkeit berufen ist: Jeder Segen ist in diesen Horizont von Seele und Leib gestellt und entfaltet darin seine Wirkung (auch wenn wir die Zusammenhänge nicht immer erfassen) - damit sich erfülle, was wirklich zählt. Dies verrät uns das Segensgebet über die Blasiuskerzen am Ende:
Heil und froh sollen wir dir in deiner heiligen Ekklesia Dank sagen und deinen glorreichen Namen, der gepriesen sei in Ewigkeit, verherrlichen.
Die Ekklesia aber ist nicht nur der armselige Haufen, den wir in diesem Aión hergeben, sondern die Gemeinschaft aller Heiligen, zu welcher der hl. Blasius vorangegangen ist - seine Fürsprache hüte nicht nur unseren Hals, sondern helfe uns ans Ziel ... ora pro nobis!
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Bild: Darstellung des heiligen Blasius in der ihm geweihten Pfarrkirche zu Buchenbach im Schwarzwald.

Montag, 1. Februar 2016

Das Strahlen des Logos und Vorleuchten des erhöhten Kyrios

Mariä Lichtmess - Pfarrkirche zu St. Märgen im Schwarzwald
Lumen
ad revelationem gentium
et gloriam plebis tuæ Israel!
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Enthüllendes Licht: den Völkern!
Und Herrlichkeit: deinem Volk Israel!
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(Lk 2, 32)
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Mit dem heutigen Tag Mariä Lichtmess, oder, wie früher zuweilen gesagt wurde, Unserer Lieben Frauen Lichtweihe, schließt endgültig die Weihnachtszeit. Ich möchte daher nochmals den hl. Ignatios von Antiochien zu Wort kommen lassen. Der Abschnitt aus dem Brief an die Epheser hat nicht unmittelbar mit diesem Tag zu tun ... doch die Rede von den laut rufenden Geheimnissen, tría mystéria, vollbracht in der Stille Gottes, und vom Stern, der aufstrahlt, markiert auch die Größe und die Not jener Begegnung im Tempel: Nur die in Stille harren können wie Simeon und Hanna, die werden den Stern sehen, Gott im Kinde erkennen und schauen das Strahlen des Logos, das Vorleuchten des erhöhten und verherrlichten Kyrios in seinem Licht, im Glanz neuer Schöpfung ...
Und es blieb dem Fürsten dieser Welt die Jungfrauschaft Marias und ihre Niederkunft verborgen, ebenso auch der Tod des Herrn - drei laut rufende Geheimnisse, die in Gottes Stille vollbracht wurden. Wie wurden sie nun den Äonen offenbar?
Ein Stern erstrahlte am Himmel, heller als alle Sterne, und sein Licht war unaussprechlich und seine Neuheit erregte Befremden; alle übrigen Sterne aber samt Sonne und Mond umgaben den Stern im Reigen, er selbst übertraf durch sein Licht alle ... (Brief an die Epheser 19, 1 f.).
Das Zitat ist entnommen aus: Die Apostolischen Väter. Griechisch und Deutsch. Übertragen und herausgegeben von Joseph A. Fischer. München 1956. S, 156 f. Im Bild: Mariä Reinigung / Darstellung des Herrn - Deckengemälde in der Pfarr- und Wallfahrtskirche zu St. Märgen im Schwarzwald.

Reines Brot aus Gottes Weizen

Heute feiert die Ekklesia das Fest des heiligen Ignatios von Antiochien, des zweiten Bischofs auf der cathedra des hl. Petrus in jener Stadt, die wir heute - in der Türkei gelegen - als Antakya kennen. Sieben Briefe an frühchristliche Gemeinden sind von Ignatios überliefert und geben Kunde von der Entfaltung und der Festigung, aber auch von der Gefährdung des Glaubens in jener Zeit, die sich an die Verkündigung seitens der Apostel unmittelbar anschloss. Erstmals begegnet uns hier das Wort von der "katholischen Kirche", he katholikè ekklesía (Brief an Smyrnäer 8, 2), welche die Gemeinden unter der Leitung der Bischöfe bilden, letztlich angeführt von der Gemeinde Roms, die den Vorsitz hält im Glauben und in der Liebe (Brief an die Römer, Widmung).
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In der leiturgia einzigartig ist die Verwendung eines kurzen Abschnittes aus dem Brief des Heiligen an die Gemeinde zu Rom (4, 1) als Communio-Gesang; diesem Zitat gehen Worte voran, die - über die Sehnsucht nach dem Martyrium hinaus - auch von der glaubenstiefen Glut eines Christen zeugen, der die frohe Botschaft noch von den Aposteln empfangen hatte:
Ich schreibe allen Kirchen und schärfe allen ein, daß ich gerne für Gott sterbe, wenn anders ihr es nicht verhindern werdet. Ich rufe euch zu: Werdet mir nicht unzeitiges Wohlwollen! Lasst mich ein Fraß für Bestien sein, durch die es möglich ist, zu Gott zu gelangen! (Denn:)
Frumentum Christi sum:
dentibus bestiarum molar,
ut panis mundus inveniar.
Weizen Christi bin ich,
der Bestien Zähne sollen mich mahlen,
damit ich als reines Brot erfunden werde.
Oder - in größerer Treue zum griechischen Original:
Weizen Gottes bin ich
und durch die Zähne von Bestien werde ich gemahlen,
damit ich als reines Brot Christi erfunden werde.
"Weizen Gottes" - Das sollen auch wir werden in der Ekklesia, indem wir uns im Vertrauen auf Gottes Gnade in die Opferschale auf den Altar legen, damit alles gemahlen werde im Kreuz des verherrlichten Kyrios, jener großen Mühle der Erlösung. Denn so bringt, um die in der Lehre und im Sterben offenkundige martyria des hl. Ignatios mit einem Wort des hl. Ambrosius ein wenig noch zu beleuchten, ...
... die durch keine Makel befleckte Ekklesia (...), die solchen Weizen mahlt (der vom warmen Strahl der ewigen Sonne ausgereift ist, den der Herr nach seinem Willen kleidete und die Engel von jedem Stäubchen Unrat reinigten), so bringt sie also nur gutes Feinmehl aus dem Inneren des Menschen Gott dar und macht auf diese Weise ihre Opfergaben ihm genehm (Expositio in Lucam 8, 48), ...
... damit auch wir reines Brot Christi werden: Sein Leib. Der hl. Ignatios von Antiochien helfe uns dazu mit seiner Fürsprache ... ora pro nobis!