Sonntag, 30. August 2015

Das Bams (voll ohne Bikini)!

Seit diesem Jahr steht fest, daß es auch blogozesane Sommerlöcher gibt: Rumsdiebums beömmeln sich urplötzlich die Blogozesanen ob beinahe benackedeiender Bikini-Beatricen, die auf einem blog dahin und daher biestern, bei dem man noch nicht mal recht Bescheid weiß, ob er nun der Blogozese zublökt oder nur bemogelnd beigeordnet ward. Die Mädels, by the way, waren ja ganz nett anzuschauen - aber die echt scharfen top models gibts natürlich nur hier, knackig und frisch vom Alten Friedhof:
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Samstag, 29. August 2015

Maria und der Schwarze Gürtel

 Unsere Liebe Frau vom Trost - Freiburg, St. Martin 
Wenige Stufen führen vom linken Seitenschiff der Martinskirche zu Freiburg in eine kleine Marienkapelle hinauf, auf deren Altar ein reizvolles, mit Schmuckwerk besetztes Marienbíld zu finden ist: Unsere Liebe Frau vom Trost. Es gelangte wahrscheinlich mit den Augustiner-Eremiten nach Sankt Martin; nach der Auflösung des Konvents der Franziskaner 1785 übernahmen deren Mönche die Seelsorge.
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Maria trägt auf dem Bild einen schwarzen Gürtel; eben einen solchen hält das Kind auf ihrem Arm in der Hand. Unter den Augustinern wurde die Verehrung der "schwarzgürtelspendenden Madonna" besonders gepflegt - nicht zuletzt in Maria-Trost-Bruderschaften, deren Mitglieder alle den schwarzen Gürtel trugen. Das rührt gewiß vom Ordensgewand der Augustiner-Eremiten, welches nach einer Legende der hl. Monika von Maria selbst übergeben wurde und zu dessen Bestandteilen ein schwarzer Gürtel zählte. Laien, die sich dem Orden anschließen wollten, wurden zuerst mit dem schwarzen Gürtel umkleidet. Später übernahm man dies auch für die Bruderschaft. Was aber bedeutet dieser Gürtelbrauch?
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Einerseits steht er in der Tradition ähnlicher "Spenden" Mariens, etwa des Rosenkranzes oder des Skapuliers: Der Andachtsgegenstand bezeichnet und beglaubigt hierbei einen besonderen Bund, den der gläubige Christ und Maria miteinander eingehen. Die Frömmigkeit des Mittelalters kannte freilich noch eine sozusagen verschärfte Form: die sogenannte "Heiligenknechtschaft", die durch das Tragen einer Kette besonders sinnfällig gemacht wurde. Womöglich soll auch der Gürtel eine ganz besondere Hingabe, ein sich Ausliefern an Maria bezeichnen, deren Führung man sich voll und ganz überlassen möchte (vgl. Joh 21, 18).
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Dem heutigen Tag ist das Gedenken Unserer Lieben Frau vom Trost eingewoben: Sie wende Ihre Augen uns zu und zeige uns Jesus, die gebenedeite Frucht ihres Leibes - Mutter der Barmherzigkeit und Trösterin der Betrübten: ora pro nobis!

Vom Tod des Täufers

Woran uns das Gedenken der Enthauptung des heiligen Johannes des Täufers, welches die Ekklesia heute begeht, aktuell auch erinnert, muß ich nicht weiter ausführen. Der Tag mag uns wie ein Splitter in die Haut fahren, wann immer wir in Gefahr geraten, uns der grauenvollen Bilder zu gewöhnen, von denen wir in diesen Tagen zu oft zu viele sehen müssen. Darüber hinaus mag man - anderes Thema, nicht minder aktuell - daran denken, daß Herodes den Täufer inhaftieren und töten ließ, nachdem dieser seine Zweitehe mit der Frau seines Halbbruders kritisiert hatte. 
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Der Schweizerische Maler Numa Donzé gestaltete 1919 das Brunnenhaus des Basler Spalenbergbrunnens mit Szenen aus dem Leben des Täufers:
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 Szenen aus dem Leben Johannes des Täufers - Numa Donzé, Spalenbergbrunnen, Basel 

Freitag, 28. August 2015

Was ist näher Deinem Ohr?

St. Augustinus - Lahr, St. Peter und Paul 
Meiner blogroll scheint aktuell ganz augustinisch zumute zu sein - zumindest deucht die Häufung diverser Beiträge, die heute zu seinem Fest des heiligen Augustinus erinnern, bemerkenswert. Andere Kirchenväter kommen da weit weniger üppig weg - dabei ist Augustinus ein Schwergewicht in Wort und Lehre: kaum zu überschauen die Zahl seiner Werke, vom theologischen Gewicht ganz abgesehen, welches des Bischof von Hippo in die Waagschale wirft, wenn Fragen von der Gnade, der Bestimmung des Menschen oder dem Sinn aller Geschichte zur Debatte stehen. Die wenigsten, die sich des Gedankens an diesen Heiligen befleißigen, mich eingeschlossen, werden sagen können, sie vermöchten auch nur eine Kelle aus diesem Strom zu schöpfen, um brennenden Herzens davon kundig und berufen zu schreiben.
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Die Faszination scheint anderswo zu liegen. Wie kein anderer Kirchenvater ist uns Augustinus gegenwärtig. Man muß kein Augustinus-Experte sein, muß sich nicht durch tausende von Seiten gelesen haben, nein: Bereits einige wenige Zitate scheinen zu reichen, um als Christ auf der Wanderschaft durch dieses Leben eine innere Verwandtschaft mit Augustinus erspüren zu können, die ohne Not den zeitlichen Abstand von bald 1.600 Jahren überspringt: Das Wort etwa vom unruhigen Herzen, welches erst in Gott seine Ruhe finde ... eine Grunderfahrung, die wohl alle teilen, die um Gott und den Glauben ringen in dieser Welt und in ihrem Leben. 
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Oder jenes dictum, in welchem Gott uns als die "spät" geliebte Schönheit begegnet; es gemahnt uns an all jene Momente des Lebens, in denen wir allerhand anderem den Vorzug geben, ehe wir uns "später" wieder Gott zuwenden - welcher ehrliche Christ muß sich nicht jeden Abend, wenn er auf den Tag zurückblickt, eingestehen, er habe Gott "spät" geliebt? Ein drittes Beispiel noch: "Liebe und tu, was du willst" ... da strahlt am Horizont unseres Lebens die Vision auf, unverstellt und unverhärmt lieben zu können abseits aller Sorge, dabei irgendetwas falsch zu machen, weder enttäuscht zu werden noch andere zu enttäuschen. 
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Der Schatz solcher Zitate ließe sich weiter vermehren. Wichtiger aber für unseren Blick auf Augustinus ist das Wissen, daß diese Worte allsamt durch das Leben beglaubigt sind, weil sie einem Leben abgerungen wurden, das über viele Jahre keineswegs geradlinig verlief: Wir erfahren von alledem vor allem in der ungeschönten Darstellung, die Augustinus in seinen Confessiones davon gibt. Und er tut dies nicht ohne Grund:
Aber wem erzähle ich das? Nicht Dir, mein Gott; ich erzähle es in Deiner Gegenwart meinesgleichen (...), wie klein auch das Häufchen sein mag, das einst an dieses mein Buch geraten wird. Und wozu erzähle ich es? Damit ich und jeder, der es liest, bedenke, daß man aus jeder Tiefe, und sei sie noch so gewaltig, zu Dir rufen soll. Denn was ist näher Deinem Ohr als ein bekennendes Herz und ein Leben aus dem Glauben? (Conf. 2, 3).
Das Wandbild mit der Darstellung des hl. Augustinus ist in der Kirche St. Peter und Paul zu Lahr im Schwarzwald zu finden.

Dienstag, 25. August 2015

Tagessplitter

Heute rutschte mir - das Thema ist auf dieser Seite nicht ganz neu - wieder irgendwo ein Bild unter die Augen, das mich an die "Höhe" kirchlicher Kunst nach Das Konzil erinnerte. Wir erinnern uns: Damals lag Bronzekunst schwer im trend, wobei menschliches Kunstschaffen im echten Holozän bereits weiter gediehen schien als bei dessen Epigonen ein paar tausend Jahre später. Nach Das Konzil mochte man denken, es könne nichts eckig, ungelenk und klumpig genug geraten, um sich das "Prädikat" (von "Adel" ganz zu schweigen) sakraler Kunst zu erwerben.
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Das alttestamentarische Bilderverbot leuchtet jedenfalls unvermittelt wieder ein, denn welcher Gott will sich schon als einfallslos kubistische Fresse im Quadrat dargestellt sehen? Daß uns Gott in Christus mit menschlichem Angesicht begegnet, ist den Bronze-Zombies jener Zeit jedenfalls kaum abzuspüren - so bleibt am Ende vielleicht die Frage, ob sich nun jede Kunst ihre Häresie oder jede Häresie ihre Kunst schaffe?

Sonntag, 23. August 2015

Das BamS (echt Silber ...)!

Da jüngst von der sehr gut erhaltenen Orgel des Straßburger Meisters Johann Andreas Silbermann in Ettenheimmünster die Rede war (zuweilen findet man ja auch "Silbermann-Orgeln", an denen sehr originell nichts original ist), sei der Erwähnung ein Bild nachgereicht ... (die Silbermänner zählten schließlich zu den besten Orgelbauern ihrer Zeit):
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 Silbermannorgel - Ettenheimmünster. St. Landelin 

Samstag, 22. August 2015

Die Schwarze Madonna von Tennenbach

 Schwarze Madonna von Tennenbach 
In der kleinen gotischen Kapelle zu Tennenbach, markantester Überrest und Erinnerungsort an das einstige Zisterzienserkoster nächst der badischen Kreisstadt Emmendingen, befindet sich ein von Feuer stark gezeichnetes Bild Unserer Lieben Frau: die sogenannte "Schwarze Madonna" von Tennenbach. Die sitzende Gottesmutter mit dem Kind auf ihrem Schoß rührt wohl von der Ausstattung des zur Mitte des 18. Jahrhunderts barock neu errichteten Klostertraktes. Nach Aufhebung der Abtei gelangte das Bild in private Hände, später in den Besitz der Emmendinger Pfarrgemeinde St. Bonifatius, die es nach Tennenbach heimkehren ließ. 1987 sollte die barocke Madonna gerade neu gefasst werden, als in der Werkstatt des beauftragten Künstlers ein Feuer ausbrach; die Flammen fraßen sich so tief in das Lindenholz, daß an eine Wiederherstellung nicht zu denken war. Nach Jahren konservierte man den verheerten Zustand und brachte die Madonna in die Kapelle zurück.
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Die Wunden der Vergangenheit finden im Bild ihren Spiegel: Nicht nur die während der Säkularisation aufgehobene Abtei, deren Mönche nach einer 650 Jahre währenden Geschichte aus dem stillen Tal vertrieben wurden ... oder die romanische Klosterkirche, aus deren Steinen und nach deren Vorbild die erste protestantische Kirche in Freiburg errichtet wurde, um im Bomben- und Feuersturm des Zweiten Weltkriegs zugrunde zu gehen ... allen Glauben und alle Hoffnung, aber auch alle Tränen und allen Zweifel, der vor dieses Marienbild getragen wurde ... all das schließt es in seinem verwundeten Herzen.
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Vielleicht können wir im versehrten Holz sogar noch etwas anderes entdecken, können dieses Holz gegen die Verwüstungen der Zeit lesen? Der hl. Bernhardin von Siena spricht in einer Predigt davon, welche die Ekklesia heute zum Fest des Unbefleckten Herzens im Stundengebet liest: Welcher Schatz, so frage der Heilige, sei "besser, als jene göttliche Liebe, durch welche das Herz der Jungfrau wie ein Feuerbrand entflammt war?" Auch davon mag uns die "Schwarze Madonna" von Tennenbach erzählen.
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Donnerstag, 20. August 2015

Die Spur der Toten

 Ettenheimmünster - Alter Friedhof der Abtei 
Auf den ersten Blick deutet heute wenig darauf hin, daß die Kirche des heiligen Landelin im Ettenbachtal einst kein Solitär gewesen, sondern im Kontext der stattlichen Abtei Ettenheimmünster gesehen werden muß.
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Nur wenige Spuren bezeugen noch das um 763 vom Straßburger Bischof Etto gegründete Kloster, welches 1803 der Säkularisation zum Opfer fiel: die Wallfahrtskirche gewiß, die darin weitestgehend original erhaltene Orgel des Meisters Johann Andreas Silbermann von 1769, die aus der Klosterkirche in das Gotteshaus des hl. Landelin gerettet wurde ... und der alte Klosterfriedhof, der heute eine neugotische Kapelle umschließt, in welcher Anton Arbogast Heisler, der letzte Abt von Ettenheimmünster, zu Grab gebettet wurde und in welche man die Gebeine all jener Mönche verbrachte, welche vormals in der Gruft der alsbald ruinierten Kirche der Abtei ihre Ruhstatt gefunden hatten.
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Ich saß eine ganze Weile auf diesem stillen Gottesacker und wollte längst darüber etwas geschrieben haben - doch der gewonnene Eindruck schien mir Tag um Tag ferner und diesem Plan verloren. Ein wenig gewann ich ihn mir nun durch Verse von Reinhold Schneider zurück ...
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Die Spur der Toten
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Der Spur der Toten bin ich nachgegangen;
So hab ich mich und meinen Pfad gefunden
Und leise Kühle auf verborgnen Wunden
Und oft der Schwermut brennendes Verlangen.
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Denn Großem nur vermocht ich anzuhangen,
Und alles Große war dahingeschwunden:
So lebt ich der Entrückung flüchtige Stunden
Und schwerer Jahre unverwindlich Bangen.
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Die Dichter führten mich verschlungne Pfade,
Und Helden winkten mir; ich stand in Träumen
Am Weg der Könige, die nicht wiederkommen;
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Dann zogen Heilige mich ins Reich der Gnade,
Und wo sie starben, in geweihten Räumen,
Hab ich das Kreuz erschaudernd angenommen.
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Reinhold Schneider: Die Sonette von Leben und Zeit, dem Glauben und der Geschichte. Köln und Olten 1954. S. 60.

Montag, 17. August 2015

Sententiæ XCIX

Alsbald, so versammelten sich die Ratgeber, Rates zu pflegen, und schliefen manche Stunde; und nachher, da sie aufgewacht, gerieten sie untereinander in Streit: denn da redeten die einen, gut hätten es alle nur in der langvergangenen alten Zeit gehabt; und somit müßte man die alte Zeit jetzo aus ihrem Grabe ans Tageslicht hervorziehen, und es sollten alle zu leben beginnen, wie man es vor alters gehalten, in jenen vergangenen Zeiten der Großväter und der Urgroßväter, als noch der Schnee brannte und man den Brand mit Stroh löschte. Andere aber waren der Ansicht, daß es auch in jener vergangenen alten Zeit längst nicht alle gleichmäßig gut gehabt hätten; und daß nur in der Zukunft, meinten sie, es alle gleich besser und erfreulicher haben würden. Und so sei es nicht notwendig, sich über den heutigen Tag allzusehr zu bekümmern ...
Nikolai Lesskow: Die Stunde nach Gottes Gebot

Sonntag, 16. August 2015

Das BamS (Wir zünden froh die Kerzen an)!

Vor einigen Tagen kam ich auch in der Stadtpfarrkirche St. Peter und Paul zu Lahr vorbei - und entdeckte diese wunderbare Lösung für Opferkerzen zu Füßen Unserer Lieben Frau:
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 Madonna - Lahr, St. Peter und Paul
Wir zünden froh die Kerzen an,
daß sie sich still verbrennen
und lösen diesen dunklen Bann,
daß wir Dein Bild erkennen.
Du Mutter und Du Königin,
der alles hingegeben,
das Ende und der Anbeginn,
die Liebe und das Leben!
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Laß Deine Lichter hell und gut
an allen Straßen brennen!
Gib allen Herzen rechten Mut,
daß sie ihr Ziel erkennen!
Und führe uns in aller Zeit
mit Deinen guten Händen,
um Gottes große Herrlichkeit
in Demut zu vollenden!
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(dritte und vierte Strophe des Altenberger Wallfahrtsliedes)

Samstag, 15. August 2015

... von Augen, die ein fernes Land geschaut: Assumptio

 Aufnahme Unserer Lieben Frau in den Himmel - Rheinfelden AG, Stadtkirche St. Martin 
Assumptio
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Am Himmel flammt ein nie gesehnes Licht,
von unbekannten Händen aufgezündet.
Und wo der Aether auf die Erde mündet,
stehn ewige Räume noch in klarer Sicht.
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Der Erde lastend schweres Bleigewicht,
sonst wie des Hermon Zedern fest gegründet,
hat einer Lerche Schwingen sich verbündet,
die höher heut in helle Bläue bricht.
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Ein Quell sprang auf im Sand. Die Wasser feuchten
ein Rosenmeer. Und junge Kelche raunen
von Wundern, die kein Tag noch aufgebaut.
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Und um ein duftend leeres Grab das Staunen
ergrauter Köpfe und ein wissend Leuchten
von Augen, die ein fernes Land geschaut ...
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(Karl Borromäus Frank)
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 Das Sonett des österreichischen Priesters Karl Borromäus Frank (nicht zu verwechseln mit dem sozialistischen Publizisten gleichen Namens) ist entnommen: Christoph Wieprecht / Wolfgang Wallisfurth (Hrsg.): Die katholische Anthologie. Lyrik der Zeit. Essen 1929. S. 118. - Das Bild zeigt die Erhebung Unserer Lieben Frau in den Himmel - Deckenfresko von Franz Fidel Bröchin in der Kirche St. Martin zu Rheinfelden AG.

Freitag, 14. August 2015

An den Quellen des heiligen Martyrers Landelin

 Am Quellbrunnen - Ettenheimmünster, St. Landelin 
Der Augenblick war glücklich gewählt, als ich vor wenigen Tagen im frühen Nachmittag vor dem Brunnenhaus stand, das der Wallfahrtskirche des heiligen Landelin zu Ettenheimmünster vorgesetzt ist: denn niemand sonst schien sich für den vierfachen Quell zu interessieren, der, so erzählt die Legende, an jenem Punkt entsprungen sei, an dem der Heilige unter den Hieben seines Mörders starb. In Kreuzesform sollen sich die Wasser nach vollendeter Marter ergossen haben: gen Osten beim abgeschlagenen Haupt Landelins, gen Westen zu Füßen des Leichnams, nach Süden und Norden dort, wo die Hände des Einsiedlers zur Erde sanken.
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Die Zeit, zu der die "Quell zum Haupt / wovon man pflegt zu trincken / nur mit einem eichenen Kasten gefaßt war  / drauß man daß Wasser heraus schöpffete", wie es ein altes Wallfahrsbüchlein beschreibt, sind vorbei; eine Cuppa aus Sandstein hütet die Quellen, die kräftig von vier Rohren aus deren Seiten sprudeln. Früher rieb man sich die Augen obendrein und die Haut mit dem Wasser, auf dessen Heilkraft die Menschen vertrauten. Unsere Zeit scheint weniger an der weiland beschworenen Hilfe interessiert. Vom Wasser aber kann sie dennoch nicht lassen - man brühe einen "wunderbaren" Tee oder Kaffee damit auf, lese ich - vielleicht ist das der Antrieb jener, die bis heute mit Wasserkisten und Kanistern das Brunnenhaus aufsuchen? Es sind derer, wie ich später sah, allemal nicht wenige. Die wenigsten finden aber den Weg durch die nahe Pforte in Landelins Gotteshaus und beugen das Knie vor dem, durch den Erde und Himmel geschaffen und die Wasser vom Land geschieden.
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Wer dennoch eintritt, dem öffnet sich ein heiliger Festsaal voll barocker Freude. Fast alles erzählt von Landelin, der zu Beginn des siebten Jahrhunderts aus dem fernen Irland in das Ettenbachtal kam. Schaut man zur Decke, so sieht man allen legendarischen Schmuck ausgebreitet und angemalt, der dem unbekannten Einsiedler Gestalt und Erscheinung gibt: Wie er seine Adelswürde niederlegt, Abschied nimmt, bald den Rhein hinauf fährt, sich eine Klause baut. Die Tiere trauen ihm, ein Hirsch sitzt neben der armen Hütte und beim frommen Mann darin: Sicut cervus desiderat fontes aquarum: Die Wasserquellen, nach denen der Hirsch lechzt, sollen und - der Mörder naht von der Höhe der heidnischen Gieseburg, wie zuvor schon Kranz und Palme in den Wolken erschienen - die Wasserquellen werden sprudeln, vierfach in alle Himmelsrichtungen. 
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Aperiatur terra et germinet Salvatorem - die Erde tut sich auf, doch die Quellen springen nicht zuerst für die dürstenden Kehlen, ob der schwielen Haut oder trüber Augen wegen, sie strömen über für die Seelen, die des Heilands bedürfen, sei es nun, daß sie dessen ahnen, sei es, daß sie alle Ahnung davon in anderen Fluten zu ersäufen suchen.
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Donnerstag, 13. August 2015

Schaut und erwägt!

Von einem Spaziergang durch den Mooswald ...
Schaut auf die Lilien des Feldes und erwägt, wie sie wachsen: Weder arbeiten sie, noch weben sie. Aber ich sage euch - Salomon, in all seiner Herrlichkeit! Er war nicht gewandet wie auch nur eine von ihnen! (Mt 6, 28)





Sonntag, 9. August 2015

Das Bams (teils irrlichternd)!

Unversehens sieht man sich dann und wann von unpässlichen Gedanken beschlichen und angefallen ... so fiel mir in Anlehnung an eine verblichene Fernsehserie bei diesem Bildstock auf dem Saalenberg zuerst einmal der Titel Hinter Gittern - Der Liebfrauenknast ein. Freilich gilt: die Gitter mag man sich sparen mögen, den Mantel aber haben wir allzeit nötig:
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Patronin voller Güte: uns allezeit behüte!
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Samstag, 8. August 2015

Der bittere Eifer (der Frommen)

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Vor einigen Tagen landete das Mitteilungsblatt der Priesterbruderschaft St. Pius X. als Kostprobe in meinem Briefkasten. Unter dem Titel Wahrer und bitterer Eifer fand ich darin eine Ansprache von Erzbischof Marcel Lefebvre an die Seminaristen von Ecône aus dem Jahr 1977 dokumentiert. Die Einleitung vermerkt hierzu, das Seminar habe sich "am Vorabend einer schweren Krise" befunden, "die vor allem vom Fortgang des Lehrkörpers geprägt" gewesen sei - alles in allem, wie ich vermuten würde, ein Teil der Turbulenzen, deren sich die Piusbruderschaft ab Mitte der 1970er-Jahre ausgesetzt sah.
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Die Ausführungen über den sogenannten "bitteren Eifer" haben meines Ermessens nichts an Aktualität eingebüßt; was der Erzbischof damals seinen künftigen Priestern einzuschärfen suchte, können sich - angesichts manch aktueller Debattenfledderei, der man das Wort Diskussionskultur kaum zugestehen mag - heute nicht zuletzt auch Laien zu Herzen nehmen ... ich denke da zum Beispiel an das Bild, das manche "eifrige" Katholiken zuweilen auf blogs oder in diversen Kommentarspalten abgeben: Die lieb- und empathielose Kaltherzigkeit, die dabei an den Tag treten kann, verstört und stößt ab. Was nun sagt Lefebvre?
... Aber schauen Sie auch auf die Liebe des Herrn zu seinen Aposteln! Und glauben Sie denn wirklich, dass diese Apostel alle vollkommen waren? Manchmal hatte auch der Herr gewisse Gedanken, er sagte auch: "Wie lange muss ich euch ertragen?" ... Und, Achtung, das war der Herr! Aber der Herr war mitfühlend, er war geduldig, er war nachgiebig mit ihnen, er hat sie wieder angenommen, aber auf eine liebenswürdige Weise, geduldig, mild, aber zugleich auch fest!
Nun, anders zu handeln, immer hart zu handeln, immer zu fordern ... nochmals, ich habe es Ihnen ja schon gesagt, das ist bitterer Eifer. Das nennt man bitteren Eifer. (...) Dieser bittere Eifer ... hat seinen Ursprung nicht in der Liebe zu Gott und zum Nächsten, sondern im Hochmut. Alles, was nicht mit ihren Idealvorstellungen zusammenpasst, wird verurteilt. Alles wollen sie so haben, wie sie es sehen, wie sie handeln. Daher kommen die Spaltungen. Und dieser Eifer endet letztlich im Hass.
Und in diesem übertriebenen Eifer, immer angespannt, immer unruhig, zerquält, erregt, ist nichts jemals vollkommen genug für jene Seelen, die von diesem Feuer besessen sind. Sie wollen, dass alle Welt vollkommen sei. Aber, mein Gott, alle Welt - das sind nun einmal keine vollkommenen Menschen. Sollen sie doch zunächst einmal bei sich selbst anfangen ...Der wahre Eifer ist ganz anders als der bittere Eifer, ganz anders! Und ich meine auch, es wäre das Beste für die, welche eine Neigung dazu [zum bitteren Eifer] haben, nachzudenken und danach zu streben, in ihrem Umfeld wirklich barmherzig zu sein, um Menschen anzuziehen, Seelen anzuziehen und sie nicht abzustoßen.
Wenn sie das nicht tun, was wird ihnen dann geschehen, wenn sie ihren Dienst ausüben? Zehn oder zwölf Leute werden sie bewundern, Leute, die diesen Priester loben, und das war es dann. Ein Dutzend Leute wird um ihn herum sein, und dann ist Schluß, sein Dienst hört dann auf, denn er wird alle anderen verjagt haben ...
¶ Der Volltext kann im Rahmen der MB-Ausgabe hier heruntergeladen werden.

Donnerstag, 6. August 2015

Auf dem Saalenberg

 Saalenbergkapelle 
Eine kleine Kuppe wölbt sich oberhalb von Sölden, der Saalenberg. Wo ehemals die Alemannen, noch ehe das Wort Christi das Land erreichte, ihre Toten - ein Grabfeld soll im 18. Jahrhundert auf der Höhe entdeckt worden sein - in die Erde senkten und zu ihren Göttern riefen, damit dem Land aus der Erde Gedeih und Segen wachse, steht heute eine kleine, der Schmerzhaften Gottesmutter geweihte Kapelle. Auch sie erinnert auf ihre Weise an die Toten, denn ehe die fromme Bäuerin Fides Franz vom Schwabenhof das kleine Gotteshaus 1875 erbauen ließ, hielt der Tod in ihrem Haus Erntetag über sieben Jahre: Zwölf Leichenzüge gingen in dieser Zeit vom zeitlichen auf den ewigen Acker, bis Fides als die letzte ihres Geschlechts alle ihre Kinder, ihre Geschwister und zuletzt ihren Mann begraben hatte.
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Wer der Hitze des Tages aus dem Weg gehen möchte, muß sich morgens auf den Weg machen. Nach sechs Uhr ging ich über den schmalen Weg durch die Weiden den Saalenberg von hinten an, wach schien nur das Vieh an den Seiten des Pfades, ein paar Schafe, Ziegen und Kühe, die sich bereits durch das trockene Gras fraßen. Eine knappe halbe Stunde hernach saß ich neben der Kapelle, die Sonne war noch nicht über die Berge in meinem Rücken gestiegen, sah das Land unterhalb der Kuppe sich streckend aus der Nacht im verhaltenen Licht neuen Morgens und den noch blassen blauen Himmel über mir, vor mir die Laudes vom Fest der Verklärung Christi, das Buch, dessen Seiten zuweilen ein Windstoß verblätterte, aufgeschlagen:
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... et duxit eos in montem excelsum ... et transfiguratus est ante eos ... Dominus regnat, maiestatem indutus est ... Firma est sedes tua ab ævo, ab æterno tu es ... potens in excelsis est Dominus ... Resplenduit facies eius sicut sol ... Te sitit anima mea, ut terra arida, sine aqua. Sic in sanctuario contemplor te, ut videam potentiam tuam et gloriam tuam - 
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... der Lobpreis, Psalmen, Hymnen, laut über das Land gesprochen, still in der Seele gesungen ... das mannigfache Benedicite der Jünglinge Anania, Azaria, Misael: Benedicite Domino im Klang mit den Himmeln, den Gestirnen, den Bergen und Hügeln, im Einklang mit allem, was aus der Erde wächst und entspringt, den Quellen und Meeren und Flüssen, den Tieren und Menschen: Benedicite, laudate et superexaltate: Benedictus es, Domine, in firmamento cæli; et laudabilis et superexaltatus in sæcula ... Domine, bonum est nos hic esse: Es ist gut, hier zu sein.
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Funkelndes Wort, senke auf uns Deine Hände

 Verklärung Christi - Biblia Pauperum - Fenster im Münster zu Straßburg 
Funkelndes
Wort,
brennende Macht, 
Du,
Der Du das Viele knetest,
um ihm Dein Leben einzuhauchen,
senke, 
ich bitte Dich, auf uns
Deine mächtigen Hände,
Deine zuvorkommenden Hände,
Deine allgegenwärtigen Hände herab,
diese Hände,
die nicht hier oder dort berühren,
die vielmehr in die Tiefe 
und in die gegenwärtige
und vergangene Universalität der Dinge
sich hineinbegeben
und uns gleichzeitig durch all das erreichen,
was es in uns
und um uns herum
an Umfassendstem und Innerlichstem gibt.
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Pierre Teilhard de Chardin SJ: Die Messe über die Welt
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Bild: Verklärung Christi - Glasfenster (Ausschnitt) im Münster Unserer Lieben Frau zu Straßburg.

Mittwoch, 5. August 2015

Der Schnee vom Esquilin

Das Schneewunder zu Rom - Bild von Matthias Grünewald im Augustiner Museum, Freiburg
Schnee sei in der Nacht zum 5. August auf dem Esquilin gefallen und habe die Stelle bezeichnet, an welcher der römische Patrizier Johannes und dessen Frau der Gottesmutter eine Kirche errichten sollten; dies habe Maria dem Stifter zuvor in einem Traum angekündigt. Diese Kirche ist jedem Katholiken ein Begriff - wir kennen sie heute als eine der sieben Hauptkirchen der Ewigen Stadt: Santa Maria Maggiore. Mit einem Fest gedenkt die Ekklesia heute der wundersamen Gründung dieses Gotteshauses, bei dessen goldstrahlenden Mosaikarbeiten und Paneelen sich der Kulturhistoriker und Romkenner Reinhard Raffalt an "das Gold des salomonischen Tempels" erinnert sah, an ...
... das Widerleuchten der alttestamentarischen Schätze an diesen Wänden. Wir spüren das rote Feuer aus den Schatztruhen der Heiligen Drei Könige, wir ahnen die goldgewirkte Herrlichkeit byzantinischer Kaiser und das Glühen der Goldhimmel aus tausend russischen Klöstern. Und wir werden überwältigt von dem Hauch des brennenden Dornbusches, von dem smaragdenen Goldlaub der Wurzel Jesse, wir sehen vor unsere Augen gestellt den Strahlenschein der himmlischen Städte Jerusalem und Bethlehem, die als zinnenbewehrte Burgen von den Ansätzen des Triumphbogens herunterleuchten.
Am Anfang dieser Pracht, so sagt es die Legende, liegt also Schnee. Auch morgen, am Fest der Verklärung Christi, ist von Schnee die Rede. Über den sich in Herrlichkeit offenbarenden Kyrios schreibt Matthäus: "Sein Angesicht leuchtete wie die Sonne und seine Gewänder wurden weiß wie Schnee" (Mt 17, 2 Vulg.). "Bei dieser Verklärung", so betont der hl. Papst Leo der Große, "geht es in erster Linie darum, aus den Herzen der Jünger das Ärgernis zu entfernen", das die anwesenden Jünger Jesu später "an seinem Kreuz" nehmen würden (51. Predigt: Über die Verklärung).
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Alle Pracht, alle Herrlichkeit, sei sie nun gott-gewirkt oder gott-geschenkt, läßt den Blick über alle Ärgernisse hinweg emporschauen auf Gott selbst, der das Schöne im Urbild ist und sich unseren Augen zeigt: Unmittelbar in seinem verklärten Sohn, mittelbar in den Schönheiten seiner Schöpfung, treten diese nun als Natur oder als Kultur in den gläubigen Blick. 
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Der reine Schnee aber, der auf jenem Hügel niederging, der die Kirche der heiligen Jungfrau und Gottesmutter tragen sollte, ist das Zeichen, daß die Ekklesia, in Maria vorgebildet, des erhöhten Kyrios fleckenlose Braut ist - aller menschlicher Unzuträglichkeit und Sünde zum Trotz, die ihre Erscheinung, aber niemals ihr Wesen besudeln können. Mögen wir auch zuweilen Ärgernis an ihr nehmen - ihre Gründung ist licht und weiß, ihr Lebensprinzip unerreichbar aller menschlichen Niedertracht und Schande. Christus, der Kyrios, wird seine Ekklesia heimführen in Herrlichkeit, in eine Pracht, die das Gold Salomons weit überstrahlt.
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Bild: Papst Liberius gründet das Fundament von Santa Maria Maggiore an der durch Schnee bezeichneten Stelle, im Hintergrund das Stifterpaar (Ausschnitt) - gemalt von Matthias Grünewald; Augustiner Museum zu Freiburg. Das Zitat über diese Kirche ist entnommen aus: Reinhard Raffalt: Fantasia Romana. Leben mit Rom. München 1962. S. 339.

Montag, 3. August 2015

Gedanken am Teich

Vor einigen Tagen setzte ich mich auf dem Hauptfriedhof eine Weile an einen Teich, der teils mit Algen verwuchert war, und hing einigen Gedanken nach. Dabei ist dann auch das folgende Photo entstanden:
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Die Seele scheint mir in einem ähnlichen Bild auf: Wo sie klar ist und licht geworden wie reines Wasser, kann sie uns und vielleicht ja auch unseren Mitmenschen den Himmel spiegeln. Sobald sie aber verschmutzt wird und trübe, da verliert sich diese Eigenschaft in zunehmendem Maß, bis nur noch dreckige Brühe, aber kein Himmel mehr dem Betrachter ins Auge springt. "Ein herrliches Paradies", so schrieb Odo Casel, herrsche ...
... und blüht dort, wo der Mensch wahrhaft Gott abspiegelt und im Nächsten Gottes Spiegelbild schaut und so selbst ein Ebenbild Gottes ist und wird "Werdet Nachahmer Gottes als geliebte Kinder, und wandelt in der Agape!" (Eph 5, 1).).
Ein anderer Gedanke, der freilich damit zusammenhängt, kreist um die Wahrheit über uns selbst und unseren Willen, diese anzunehmen. Gewiß kann hier die Gefahr bestehen, die Würde der Gotteskindschaft aus dem Blick zu verlieren und an sich selbst zu verzweifeln, aber allermeist neigen wir eher dazu, einige kosmetische Retuschen vorzunehmen und alles so zu lassen, wie es ist: Nur nicht zu genau hinsehen ... nochmals Casel:
Der Mensch muß mit klarem, nicht sich selbst betrügendem Auge in den Gottesspiegel schauen, muß seine eigene Häßlichkeit erkennen und sie dann unbeschönigt bekennen. (Vom Spiegel als Symbol).
In einer Schrift von Romano Guardini fand ich vor Jahren zwei Strophen aus dem Gedicht Margareta von Eduard Mörike erwähnt, die sich seither immer wieder in Erinnerung rufen. Dabei geht es nicht zuletzt um die Wahrnehmung, die Annahme seiner selbst - um den Blick auf die Wasser unserer Seele:
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Könnt ich, o Seele, wie du bist,
Dich in den reinsten Spiegel fassen,
Was all dir einzig eigen ist,
Als Fremdes dir begegnen lassen!
Ja, fiele nur aus diesem Aug ein Blick,
Wie er uns traf, ins eigne Herz zurück:
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Von selgen Schauern angeweht,
Scheu nahtest du dem namenlosen Bilde,
Wie einem Rätsel, das um Lösung fleht,
Daß eins im andern sich auf ewig stillte;
Doch ach, kaum hast du halb dich selbst erkannt,
Verkennst du dich, und hast dich abgewandt!

Sonntag, 2. August 2015

Das Bams (mit grünem Gewölbe)!

Nicht aus Dresden, sondern aus der evangelischen Germanus-Kirche zu Lörrach-Brombach ... da wartete heute ein Engel mit Saitenspiel auf:
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