Donnerstag, 30. April 2015

Betäubtes (2)

 "Die Sanftmut" im Emblem - Klosterkirche St. Trudpert 
Auf der Suche nach einer täubischen Darstellung für den gestrigen Eintrag stieg aus dem Photoarchiv auch obige Taube auf - sie gehört zu einem Bilderzyklus über die acht Seligpreisungen in der Klosterkirche zu St. Trudpert und ist der Darstellung der Sanftmut beigeordnet. Jede Seligpreisung wurde durch den Barockmaler Francesco Antonio Giorgioli mittel zweier Fresken illustriert: durch eine recht rasch verständliche Allegorie und - darüber liegend - ein Emblem. Bei letzterem handelt es sich um eine vor allem im Barock sehr beliebte Komposition aus Bild und Vers, beides zu einer Art "Meditationsbild" vereint. Mehr noch als den Menschen damals sind uns heute diese Embleme oft rätselhaft. Einige Anmerkungen mögen helfen, es ein Stück weit zu entschlüsseln ...
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Zu sehen ist eine aufsteigende Taube mit einem Zweig im Schnabel - wir kennen sie aus der Erzählung vom Ende der Sintflut (Gen 8, 11): Sie zeigt nicht nur an, daß über den alles verheerenden Wassern wieder Erde, Land und Frucht zu finden sei, sondern vor allem, daß sich Gottes Zorn über das verderbte Menschengeschlecht gelegt habe. Gott wird mit Noë einen Bund schließen: "Es soll niemals wieder alles Leben von den Wassern der Flut ausgerottet werden" (Gen 9, 11). Die Taube wurde mithin Symbol des abgewendeten Zornes - oder, positiv formuliert: der Sanftmut.
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Zudem glaubte man in der Antike, Tauben verfügten über keine Galle - darauf bezieht sich der Vers viscera felle carent: "den Innereien ermangelt die Galle" und deren Saft, welcher im Menschen Verbitterung auslöse und der Sanftmut zuwider ströme.
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Als letzter kleiner Schlüssel zum obigen Emblem diene ein Zitat aus einer Leich- und Ehren-Predig des Jesuiten P. Andrea Sax, gehalten anlässlich der Exequien für Kaiser Leopold I. (1705), in welcher der Taube mit jenem Vers dann jene Bedeutung zugemessen wird, die wir in der Ikonographie vor allem mit ihr verbinden:
... Achtens Mansuetudo, die Sanfftmuth / welche Leopoldus der Grosse hieß zum höchsten Gipffel erstiegen; da sich seine Majestät nicht geweigert in der Schuel deß Sohns GOttes zu erlehrnen die haubtsächliche Lection, so der höchste Magister, und Praeceptor Christus Matth. 11 gelehret: Discite a me, quia mitis sum, lehrnet von mir / dann ich bin sanftmüthig; ja Er hat sich nicht geschämet die christliche Demuth zubegreiffen: & humilis corde: und von Hertzen demüthig; da Er sich in selber prächtigen Bildsaul / die Er zu Wienn auf den Graben zur Ehr der Allerheiligsten Dreyfaltigkeit auffgerichtet / nicht anders unterschrieben / als: humilis servus tuus Leopoldus: dein demüthiger Diener Leopoldus. Oder aber hat Er mit dem heiligen Geist der gantzen Welt in Gestalt eines Täubels erscheinen wollen / dem billich beygesetzet wird der Vers: nescia sunt fellis viscera, felle carent. Wie sanfftmüthig das Täubel ohne Gall / so war beschaffen der Gottseelige Käyser in allem Fall.
Mag nun jeder, denn das ist das Anliegen eines Emblem, bei sich bedenken, was ihm das Bild oben bedeuten möchte ...

Mittwoch, 29. April 2015

Betäubtes (1)

Das Thema Tauben kommt mir gerade in zwiefacher Variation angeflattert; erwähnt sei heute eine Stelle beim heiligen Augustinus, deren Kontext hier nichts weiter zur Sache tut, weil die vorgestellte Möglichkeit schon wunderbar absurd genug ist, daß ich mich darob gestern in den Schlaf gekichert habe:
... Der Grund jedoch, warum der Heilige Geist nicht aus einer Taube geboren wurde so wie Christus aus dem Weibe, ist der, daß er nicht kam, um Tauben zu erlösen ...
Ich hätte dem Heiligen Geist davon auch abgeraten! Hat sich hier schon mal jemand ein Tauben-"nest" in natura angeschaut? Schlimmer als jede Krippe! Mehr Betäubendes alsdann morgen ...
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Im Bild zwei Turteltäublein vom Hochalter der Pfarrkirche Mariä Heimsuchung zu Suggental. Das Zitat stammt aus St. Augustinus' Schrift De agone christiano (Der christliche Kampf) XXII, 24.

Dienstag, 28. April 2015

Tagessplitter

Nach einer kleinen Weile belletristischer Lektüre über Das Konzil, welches in ein Dorf hereingefallen, komme ich zum vorläufigen Ergebnis, daß man die damit verbundenen Reformen mit allerhand in Verbindung bringen könnte, sie jedoch mit Rauchen in Verbindung bringen muß. 
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Gefühlt auf jeder zweiten, gewiß aber jede dritte Seite zündet sich in diesem Schmöcker irgendwer eine Zigarre an oder setzt eine Pfeife in Brand oder zieht an einer Kippe, derweil dem romancierenden Pfaffen beim Schreiben darob offenkundig die Phantasie durchgegangen ist: Da wird der Rauch auch mal "kultisch-verspielt" in die Luft geblasen. Oder es muß, alldieweil sich der neugeschaffene "Laienrat" zusammenrottet, auch eigens betont werden, daß dessen sämtliche Mitglieder, eine Dame ausgenommen, Raucher seien. Zuweilen wäre man geneigt, den Verfasser von Das Konzil kommt in ein Dorf ob dieser nikotinösen Obsessionen zu Prof. Freud auf die Chaiselongue zu wünschen.
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Wozu nun könnte solche Lektüre nutzen und frommen? Einerseits scheint mir das Buch für Alte-Messe-Molche und sonstiges Tradi-Volk zur Raucherentwöhnung zu taugen; fernerhin beschleicht einem der Verdacht, daß rund um Das Konzil doch vieles schal ist und Rauch ...

Montag, 27. April 2015

Tagessplitter

Ich habe keinen blassen Schimmer, wer in diesen Tagen die Jesuitenkirche St. Michael im üchtländischen Freiburg "zur Feier vorkonziliärer Messen" nutzt (die üblich verdächtigen Priesterbruderschaften schon mal nicht), aber wenn das aktuell auf konzilsblog.ch behauptet wird, so will ich's gerne glauben - nicht zuletzt des Treppenwitzes wegen, der zum heutigen Fest des hl. Petrus Canisius gleich mitgeliefert wird:
Die Kirche St. Michael in Freiburg mit seinem Grab ist heute meistens nicht zugänglich und dient den Anhängern des tridentinischen Ritus zur Feier vorkonziliärer Messen. Ob der kirchentreue Petrus Canisius daran Freude hätte? Wohl kaum.
Mag ja sein. An eurer theologisch verseiften, gefühlsverschmierten und vor Gott und den Menschen verantwortungslosen Zeitgeisthechelei hätte "der kirchentreue Petrus Canisius" zweifelsohne Freude ohne Unterlass.
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Kurze Notiz am Rande: Während man jüngst den Reformen von Das Konzil mit fliegenden Fahnen entgegen eilte, stieß die Kirchenreform des Trienter Konzils auf manigfaltige Widerstände - wobei im Wechselspiel von Not und Erforderung Persönlichkeiten wie der hl. Petrus Canisius reiften. Das könnte zu denken geben - derweil wir nicht nur über den Heiligen in seinem Grab sinnieren, sondern auf seine Fürsprache trauen wollen ... ora pro nobis!

Sonntag, 26. April 2015

Das Bams (mit einem guten Rat)!

Als Unsere Liebe Frau vom guten Rat ehrt die Ekklesia heute Maria. Einen guten Rat hält die Gottesmutter auf einem Wallfahrtsbild der Berghauser Kapelle bei Ebringen im Breisgau bereit ...
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... Was er euch sagen wird das thut ...

Samstag, 25. April 2015

Das Kreuz als Tor zum Leben beim Vater - Die selige Pentekoste (4)

Odo Casel OSB
Die Pentekoste, d. h. die Fünfzig-Tage-Zeit zwischen Pascha und "Pfingsten", galt in der alten Kirche als das Osterfest. Zwar begann man bald auch den Ostersonntag Pascha zu nennen; aber die Grundidee der alten Pentekoste besteht auch heute noch; denn sie ist auf der Schrift und der Überlieferung der Kirche begründet.
Schrift und Tradition kennen zwei Arten, die Heilstaten des Herrn zu betrachten und demgemäß zu feiern. Beide sind wesenhaft christlich und ergänzen einander. Die eine Art ist mehr metaphysisch und pneumatisch; sie überschaut mit einem Blicke die Heilstat Gottes in ihrem ewigen Plan; diese Art wird im Neuen Testament vor allem durch Paulus und Johannes vertreten. Die andere Art betrachtet mehr den historischen Verlauf der Heilsereignisse, schaut diese also mehr vom Menschen aus; sie kann etwa durch Lukas charakterisiert werden. Ambrosius sagt darüber in seinem Lukaskommentar:
"Johannes scheint mir, da er Apostel war, das Größere und Höhere berührt zu haben, Lukas aber die geschichtliche Reihenfolge und die menschliche Seite; Lukas schreibt gemäß der historischen Entwicklung, Johannes aber hat die Zusammenschau. An Johannes dürfen wir nicht zweifeln; denn er legt Zeugnis von dem ab, wobei er selbst zugegen war, und sein Zeugnis ist wahr. Ebenso müssen wir aber auch von Lukas, der Evangelist geworden ist, den Vorwurf der Nachlässigkeit oder der Lüge abwehren. Beide also halten wir für Künder der Wahrheit" (In Luc. X, 171).
Wir sind heute daran gewöhnt, zuerst das Leiden des Herrn betrachtend zu feiern, dann seine Auferstehung, schließlich am 40. Tage seine Himmelfahrt und am 50. die Sendung des Heiligen Geistes. Die älteste Kirche sah alles mehr mit dem einen Blick der Beschauung. Auch heute noch kann uns die johanneische Art zur tieferen Erkenntnis der Pentekoste und damit des Osterfestes helfen; sie läßt uns das Mysterium der Erlösung in seiner grandiosen Einheit schauen, so wie es seit Ewigkeit vor den Augen Gottes stand, wie es sich dann aber in unserer Zeitlichkeit allmählich vollzog und entfaltete.
Odo Casel: Mysterium des Kreuzes. Paderborn o.J. [n. 1954]. S. 227 f.

Donnerstag, 23. April 2015

Sankt Jürg und das Kirchenlied

 hl. Georg - Münster Unserer Lieben Frau, Freiburg 
Zur Zeit des Dritten Reiches erschien unter dem Namen Kirchenlied eine kleine - so der Untertitel - Auslese geistlicher Lieder. Seinen Ursprung nahm das Büchlein in Kreisen katholischer Jugendverbände jener Tage. Als überdiözesane Sammlung mag man es einen Vorläufer des Gotteslob nennen. Zudem wagte es auch den ein oder anderen ökumenischen Brückenschlag - erstmals fand eine größere Anzahl protestantischer Choräle (etwa heutige "Klassiker" wie Macht hoch die Tür oder Lobe den Herren) Aufnahme in ein katholisches Gesangbuch. Nicht zuletzt ist es vor allem ein Spiegel seiner Zeit: Singend sollten Kraft und Mut gebündelt werden, um den zunehmenden Übergriffen des nationalsozialistischen Staates auf die katholische Jugend widerstehen zu können. 
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Besonders deutlich wird dies zum Beispiel an einem Lied zum hl. Georg, gedichtet von Georg Thurmair und vertont von Adolf Lohmann im Jahr 1934. Zum heutigen Gedächtnis des Heiligen sei es erinnert:
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Wir stehn im Kampfe und im Streit
mit dieser bösen Weltenzeit,
die über uns gekommen.
Sankt Jürg, du treuer Gottesmann,
wir rufen deinen Namen an,
weil unser Mut beklommen.
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Das Böse überkommt Gewalt,
und keiner sagt dem Satan Halt;
wir sind in argen Nöten.
Sankt Jürg, du bist allzeit gerecht,
schaff Urteil über Gut und Schlecht,
du kannst die Drachen töten.
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Die Lüge ist gar frech und schreit
und hat ein Maul so höllenweit,
die Wahrheit zu verschlingen.
Sankt Jürg, behüte diesen Hort,
bewahr die Sprache und das Wort,
du kannst die Lüge zwingen.
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Die böse List zerbrach den Bann
und fiel so manche Menschen an
und hat den Mut zerschlagen.
Sankt Jürg, du bist der Heldenmut,
der Ritter stolz, der Adel gut,
du kannst den Trug verjagen.
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Erhebe dich, besteig dein Pferd,
nimm Lanzenschaft und Schild und Schwert,
dann hilf uns tapfer kriegen!
Sankt Jürg, du unser Schutzpatron,
befreie uns und brich die Fron,
daß wir im Glauben siegen.
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Man braucht wenig Phantasie, um zwischen den Zeilen heraus zu lesen, wer und was als das Böse chiffriert wird, was oder wer gemeint ist, wenn etwa von der "Lüge" und deren "Maul so höllenweit" die Rede ist.
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Die Sprache dieses Liedes mag uns altertümelnd dünken und der Wehrgedanke nicht in unsere Zeit passen. Je nachdem, wie wir heute - in Zeiten subtilerer Anfechtungen - zwischen den Zeilen lesen, ist das Lied aber nach wie vor aktuell. Das Böse hat heute viele Masken; zumeist schmeicheln sie uns mehr, als daß sie offen angeriffen - Sankt Jürg reiße sie allsamt herunter, damit wir die Fratzen dahinter sehen und uns mit seinem Beistand ihrer erwehren ... ora pro nobis!
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Bild: Der heilige Georg im Themenfenster "Fortitudo" von Fritz Geiges im Münster Unserer Lieben Frau zu Freiburg.

Mittwoch, 22. April 2015

Priez pour nous ...

Sehen wir davon ab, daß die Zelebrationstheke dieser ehrwürdigen Kirche ein erstaunlich häßliches Trumm ist und ich in der Regel kein Freund von landesprachlichen Liturgiefeiern bin ... aber dem musikalischen Reiz dieser in einem spätlateinischen Volksdialekt mit stetig ansteigendem melodischen Gestus gesungenen Allerheiligenlitanei (novi ordinisab 1:40:30) kann ich mich nicht ganz verschließen ...
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Das ewige Ostern

Vor rund zweieinhalb Wochen feierten wir die Auferstehung des Kyrios ... nach der Messe am Ostermontag bei den Benediktinerinnen von der hl. Lioba hier in Freiburg hörte ich die Mutter Priorin zu einer Besucherin sagen: "Und jetzt jubeln wir sieben Wochen!". Sieben Wochen jubeln ... tun wir das? Oder ist die Osterfreude nicht bereits wieder in den Alltag abgesunken, mehr und mehr überwuchert vom Einerlei der Zeit?
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"Die Pentekoste ... die Fünfzig-Tage-Zeit zwischen Pascha und Pfingsten", schreibt Odo Casel, "galt in der alten Kirche als das Osterfest". Und: "Die Grundidee der alten Pentekoste besteht auch heute noch; denn sie ist auf der Schrift und der Tradition der Kirche begründet". Und weiter:
Die heilige Pentekoste, die aus dem Pascha, dem Kreuze hervorblüht, ist für immer das Kultmysterium der Erlösung und Erhöhung ... es ist eine Zeit beständigen Jubels und heiliger Freude, ein ununterbrochenes Alleluja. Die Pentekoste ist das liturgische Symbol der Vollendung der Kirche im Reiche Christi, ihrer ewigen Ruhe in Gott, die dann vollkommen ist, wenn alle Auserwählten durch das Kreuz hindurch sich zum Leben in Gott durchgekämpft haben werden. Im Mysterium ist die Pentekoste schon der dem Volke Gottes versprochene Sabbat, die Verklärung in der ewigen Agape, wenn die ganze erlöste Gottesgemeinde ein Opfer für Gott geworden ist und, von aller Sünde gereinigt, ... ewig in den Armen des Vaters ruht ...
Wissen wir noch davon, jetzt, zweieinhalb Wochen nach Ostern? Zudem mag man darauf hinweisen, daß wir uns in der Quadragesima womöglich intensiv auf das Pascha vorbereitet haben, die Pentekoste nunmehr aber durcheilen wie jede andere Zeit im Jahr. Also nochmals gefragt: Wie sehr prägt die österliche Freude jetzt unsere Tage?
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Auch ist bereits angeklungen, daß wir die Pentekoste in diesem Aion wesentlich als Kultmysterium in der Feier der Leiturgía begehen, verborgen unter den Zeichen dieser Schöpfung, ehe sie offenbar wird im kommenden Aion als die ewige Leiturgía des Himmels: Von der "Woche der Zukunft" singt das Stundengebet der Orientalischen Kirche und deutet damit auf die Osterwoche, die mithin nicht diesem Aion zugehörig geschaut, sondern dem kommenden zugerechnet wird, eine unserer Zeitlichkeit quasi enthobene Spanne, ein Einströmen der Ewigkeit in die Zeit. Daher wird der Sonntag nach Ostern, bezogen auf den gewärtigen Aion, zum "ersten" Tag üblicher Zählung:
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Der erste, der König der Tage, ist dieser lichtbringende Tag.
So ziemet es sich, daß juble an ihm das neue, heilige Volk.
Denn zitternd trägt er auch der Ewigkeit Zeichen,
da er vollendet die Woche der Zukunft.
Der Väter und unser erhabener Gott,
gepriesen bist du.
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Aus der siebten Ode des Kanon des Johannes Monachus (Johannes von Damaskus), Morgengebet am Neuen Sonntag (Sonntag des hl. Thomas).
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Wir haben also allen Grund, im siebenfältigen Wochenkreis der seligen Pentekoste zu jubilieren und die Osterfreude nicht vom Alltag und seinen Geschäften überstimmen zu lassen, denn sie ist der Vorklang des großen Festes kommender Herrlichkeit. Origenes sagt hierüber:
Jedes wahre Fest des Kyrios - und ein solches ist das Pascha - wird nicht in diesem Aion, noch auf der Erde, sondern im kommenden Aion im Himmel, wenn das Himmelreich hereinbricht, voll gefeiert werden - Symbole sind dies der großen Festfeier, die in der künftigen Welt hinterlegt ist (Hom. 12 in Jer,).
Die Auferstehung zu ewigem Leben, die wir in diesen Tagen unter heiligen Zeichen im Glauben feiern, schenke uns der Kyrios Jesus Christus im Pascha zu kommender Herrlichkeit: Ehre sei ihm!
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 Casels Ausführungen sind entnommen dem Text Das Kreuz als Tor zum Leben beim Vater - Die selige Pentekoste in: Odo Casel: Mysterium des Kreuzes. Paderborn o.J. [nach 1954]. S. 227 und 232; das Zitat aus dem orientalischen Stundengebet dem Band von Kilian Kirchhoff OFM: Osterjubel der Ostkirche. Erster Teil des Pentekostarion. Münster o.J. [nach 1940]. S. 49.

Dienstag, 21. April 2015

Sententiæ XC

Aber wir haben einen unwiderstehlichen Hang, die gegenwärtige in Europa entstandene Kultur mit dem Christentum zu identifizieren und dies nicht nur, weil uns noch ein vages Bild vom Mittelalter vorschwebt, als einer Zeit, in der der Sauerteig des Glaubens die abendländische res publica christiana wirklich durchdrungen hatte, sondern vor allem, weil die im Verfall begriffene moderne Kultur, an die wir schicksalhaft gebunden sind, sich an die christliche Religion, von der sie das Heil erhofft, wie ein Schmarotzer anklammert, ohne jedoch ihre Forderungen annehmen zu wollen, und weil das Christentum seinerseits an den Zusammenbruch seiner wurmstichtig gewordenen traditionellen Stützen nur mit Furcht denkt.
Marcel de Corte: Das Ende einer Kultur (1949)

Montag, 20. April 2015

Tagessplitter*

In den Alltag steigt man zuweilen rein wie in einen Scheißhaufen. Ist mir heute passiert: Der erste Mensch, der heute morgen näherhin meinen Weg gekreuzt hat, war eine Bäckereiverkäuferin. Nur kam mir diese nicht schnell genug hinter die Theke, derweil ich im Geist bereits alle Straßenbahnen der Welt davonfahren und sämtliche Anschlüsse in Ewigkeit verpasst sah. Alsdann blafft man seine Mitmenschen im Kasernenhofton schon mal harsch und häßlich an. War damit etwas gewonnen? Nein. Ich habe mich geärgert (erst über sie, dann über mich) und sie wird sich gegrämt haben. Wenn ich sie demnächst sehe, werde ich mich entschuldigen ...
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* Könnte man auch einen Anwendungsfall von Eph 4, 26 nennen.

Sonntag, 19. April 2015

Restlos kopflos ...

... ist zwischenzeiltlich eines der beiden Lämmer; man muß ja vorkosten. Und was soll ich sagen? Ich bin sehr zufrieden. Von außen vielleicht etwas knusprig, aber drinnen recht rührkuchig. Das andere Lamm harrt der Verzierung; irgendwie wird die Kuvertüre nicht hart, die ich darauf gestrichen habe. Hinzu sollten eigentlich ein Alpha und ein Omega und das Christusmonogram und am liebsten noch der Satz Pascha nostrum Christus est kommen, aber nach den ersten Versuchen mit einem Zuckerstift auf schmieriger Unterlage sei dahingestellt, ob ich es nicht besser bei Mund und Augen belassen sollte ...?
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Gebacken ist das Osterlamm, / bald ...

... hab' ich noch mehr Kilogramm! / Alleluja! Alleluja! 
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Die erste pastose Prognose: Vom Ofen aus roch es wie frische Waffeln. Ich habe zum Ende der empfohlenen Zeit reingestupft und es blieb kein Teig an der Nadel hängen. Das Versprechen des Backformherstellers ("leicht entformbar") wurde voll und ganz erfüllt. Ein Lämmlein werde ich heute Abend noch festlich zu verzieren suchen ... aber jetzt ist erst mal noch ein Hackbraten in der Röhre ...

Eine gewisse Skepsis ...

... kann ich mir nicht verkneifen. Den Teig fand ich etwas sehr zähflüssig. Vielleicht hätte ich mich doch ganz strikt an das Rezept auf der Packung halten (vorsichtshalber habe ich zuletzt noch Rum nachgekippt) und beim ersten Mal nicht gleich zwei Lämmer veranstalten sollen? Mal sehen, was aus dem Ofen kommt ... hoffentlich keine Knusperhexe!
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Das Bams!

Ein Grabmal auf dem Stadtfriedhof von Waldshut am Hochrhein ...
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Samstag, 18. April 2015

Besinnungslos bedingungslos

So ganz uneingeschränkt "bedingungslos", wie einige Weichmacher des Euangélion zuweilen glauben machen, scheint mir die Barmherzigkeit Gottes dann doch nicht zu sein. Der folgende Vers aus dem Magnificat legt zumindest etwas anderes nahe:
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Et misericordia eius a progenie in progenies *
timentibus eum.
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Seine Barmherzigkeit währt von Geschlecht zu Geschlecht *
über denen, die Ehrfurcht ihm bezeigen.
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Zumindest auf Dauer scheint sie an gewisse Bedingungen geknüpft ... 
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Nun mag sich mancher wundern, warum ich in letzter Zeit wiederholt so finster und hölzern auf dem Thema Barmherzigkeit herumreite und mich dabei an der Behauptung einer "bedingungslosen Barmherzigkeit" abzuarbeiten scheine ... das liegt vielleicht ein wenig daran, weil sich dieses Gewäsch heute einerseits allzu oft restlos unhinterfragt durch die Verkündigung zieht, ich andererseits unterstelle, daß sich mancher "Seelsorger" damit bequem das Problem vom Leib hält, sich pastoral der Sünde und dem Sünder ehrlich zu stellen, und ich - nicht zuletzt sei das gesagt - eine Barmherzigkeit ohnehin nicht leichtfertig "bedingungslos" nennen kann, derentwegen jemand am Kreuz gestorben ist.

Das Kreuz als Tor zum Leben beim Vater - Die selige Pentekoste (3)

Odo Casel OSB
Schon diese wenigen Texte der Schrift machen uns klar, was die heilige Pentekoste ist. Wenn Pascha der Übergang ist von diesem Aion zum kommenden, wenn es das Kreuz, die Ertötung des sündigen Lebens oder vielmehr des Todes ist, so ist die Pentekoste, die unmittelbar aus dem Kreuze, aus dem Pascha erblüht, das Leben in Gott im neuen, ewigen Aion Christi, in der Reinheit und Gerechtigkeit Gottes. Durch das Tor des Pascha, durch das Kreuz treten wir also ein in das Fest der Christen, die Feier der Erhöhung des Herrn, von dem Paulus sagt, daß Gott ihn, den Erniedrigten, den Gehorsamen, "gar hoch erhob und ihm den Namen gab, der über alle Namen ist, auf daß im Namen Jesu sich alle Knie beugen, der Himmlischen, Irdischen und Unterirdischen, und jede Zunge bekenne: Kyrios ist Jesus Christus in der Glorie Gottes des Vaters (Phil 2, 9).
Dieser neue Name Jesu ist "Kyrios"; er bedeutet, daß Jesus nun auch seiner menschlichen Natur nach an der offenbaren Glorie Gottes teilhat, d. h. Jesus, der seine Herrlichkeit als Sohn Gottes bis dahin verborgen hatte, ist nun auch seiner Menschheit nach der König aller Schöpfung geworden und thront in seinem verklärten Fleische zur Rechten der Majestät in der Höhe. "Qui crucifixus erat, Deus ecce per omnia regnat - Der da am Kreuze hing, herrscht nun als göttlicher König" singt Venantius Fortunatus.
Odo Casel: Mysterium des Kreuzes. Paderborn o.J. [nach 1954]. S. 227.

Freitag, 17. April 2015

Tagessplitter

So ruhe er denn in Mahnfried.
Michael Klonovsky über das jüngst verblichene Gewissen Deutschlands. 
Also das mit dem Schnauzbart, die Pfeife und dem leicht überschätzten Œuvre ...

Donnerstag, 16. April 2015

Benedikt und das Maschinengewehr

So recht helfen kann ich mir nicht ... aber wann immer wieder irgendein Trachtenverein vor dem Kloster Mater Ecclesiæ aufmarschiert, kommt mir der Musikantenstadl in den Sinn. Einerseits will ich glauben, daß Benedikt XVI. an solchen Abordnungen seine helle Freude hat; diese sei ihm von Herzen gegönnt und das nicht nur heute - andererseits haben diese folkloristischen Auftritte immer etwas Drollig-Pittoreskes, was mir samt Bier, Brezn und Weißwurst mit der Würde selbst des abgelegten Amtes nicht ganz vereinbar scheint. Sei's drum und über den Schatten gesprungen: Gottes Segen ad multos annos zum Geburtstag, Benedikt!
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Wenn wir aber schon bei Geburtstagen sind ... da hätte ich heute gar einen Hundertsten auf Lager, wenngleich man dem Jubilar nicht mehr einen frohen Ruhestand auf viele Jahre, sondern eher Requiem æternam wünschen wird. Er selbst komme hier nochmals zu Wort:
... Wer nicht täglich mit Gott ringt, der wird seinen suchenden Brüdern nichts mehr sagen können. Denn mit Gott kann man nicht religiös flirten, sondern man muß mit ihm ringen, wie Jakob mit dem Engel ... Sonst gibt es den sattsam bekannten katholischen Krachmacher, der auf der Plattform eines katholischen Vereins seine natürlichen Fähigkeiten abreagiert. Er wird zum routinierten religiösen Funktionär, der morgen auch in jeder anderen "Richtung" aktiv sein kann. Aber er enttäuscht bald ...
Das stammt aus einem Beitrag mit dem Titel Christus und die Super-Aktivisten, der wiederum dem Buch Christus auf der Reeperbahn entnommen ist. Der Verfasser, der heute 100 Jahre alt geworden wäre, wurde zuweilen als "das Maschinengewehr Gottes" apostrophiert:
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Tagessplitter

Es hat durchaus Unterhaltungswert, wenn sich die linke Kulturschickeria deutscher Zunge ins Gehege kommt ... wenn etwa (wie jüngst in der Zeit getan) Claus Peymann, nicht nur als Intendant am Berliner Ensemble ein Grandseigneur des hiesigen Gegenwarts- und Vergangenheitstheaters, keine geringere Grande Dame der Kunst als die lituraturnobelpreisige Elfriede Jelinek anpflaumt, sie beteilige sich an der "Zerstörung ... der Theater", produziere zwischenzeitlich ausnahmslos "Textflächen" und "schüttet nur noch den Sprachmüll der Zeit auf der Bühne aus".
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Ob dem so sei ... interessiert hier nicht weiter. Ich meinesteils würde ohnehin vermuten, der Peymann und die Jelinek steckten in Sachen "Zerstörung .... der Theater" so oder so und sowieso unter einer Decke.
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Die von Peymann vor allem beklagte Event-Isierung der Bühnen (die Rolle des Buhmanns in residence gedenkt der Theatermann dabei dem Berliner Kulturstaatssekretär Tim "Lebenszwerg" Renner zu) scheint mir zuweilen nichts anderes als der Versuch, das in der Breite bei Peymanns geistigen und finanziell minder bemittelten Epigonen und Erben wegbleibende - oder vielleicht auch wegsterbende - Publikum mit manch Firlefanz wieder vor die Bühne zu locken. Irgendwie erinnert das an Narrenmessen, wobei man im Gegensatz dazu Peymanns Pöbeleien à la Rumpelstilzchen echten Unterhaltungswert nicht absprechen mag.

Das Kreuz als Tor zum Leben beim Vater - Die selige Pentekoste (2)

Odo Casel OSB
Pascha ist demnach das glorreiche Eingangstor zum Leben bei Gott und in Gott. Christus ist dabei unser Führer und unser Modell, unser Wegweiser und zugleich unsere Kraftquelle: "So rechnet auch ihr, daß ihr seid: tot für die Sünde, lebend aber für Gott in Christus Jesus" (Röm 6, 11). Das Pascha des Herrn wird zu unserem Pascha, und das ewige Leben des auferstandenen Herrn wird unser Leben. Durch den Glauben schreiten wir hinein in die Mysterien Christi, und durch die Teilnahme an diesen nehmen wir als Christi Glieder auch teil an allem, was unser Herr unseretwegen erlitt und erlebte. Deshalb sagt der heilige Gaudentius von Brescia in seiner Osterpredigt (Tractatus paschalis III, 7): 
"Wenn ich Ostern den Geburtstag der erneuerten Welt nenne, so meine ich damit unseren Geburtstag; denn wir sind in Christus wiedergeboren, wir, die wir vorher für die Sünde lebten, für die Gerechtigkeit aber tot waren. Jetzt aber sind wir der Bosheit der früheren Sünden gestorben und leben für Gott, da wir gleichgestaltet wurden zuerst dem Tode, dann der Auferstehung Christi. Mitbegraben wurden wir ja mit ihm durch die Taufe im Tode, damit, wie Christus von den Toten auferstand, so auch wir in der Neuheit des Lebens wandelten, indem wir das Fest feiern und uns rühmen im Kreuze des Herrn Jesus Christus".
Auf der Gnade des Herrn also, auf der Teilnahme am Leben des Verklärten baut unser neues Leben in Heiligkeit und Gerechtigkeit sich auf, in einer Gerechtigkeit, die wir selbst uns nicht gegeben haben, die ein Gnadengeschenk Gottes ist, die sich aber in uns lebendig betätigen will. So ist das neue Leben Christi in uns reine Gottesgabe und zugleich unser Eigentum: "Feget den alten Sauerteig aus, damit ihr ein neuer Teig seiet, wie ihr ja auch ungesäuert seid; denn unser Pascha wurde geschlachtet: Christus. Deshalb wollen wir feiern, nicht im alten Sauerteig, nicht im Sauerteig der Bosheit und Schlechtigkeit, sondern in dem Ungesäuerten der Reinheit und Wahrheit" (1 Kor 5, 7 f.).
Odo Casel: Mysterium des Kreuzes. Paderborn o.J. [nach 1954]. S. 226.

Mittwoch, 15. April 2015

Tagessplitter

Ich werfe mal den Namen Bernard Huijbers in den Ring. Klingelts? Ja? Nein? Irgendwie? Irgendwo ist der Name vielleicht schon in den Blick geraten ... zumindest, wenn man sich von Zeit zu Zeit die Angaben zu Verfassern und Komponisten im Gotteslob (ob alt oder neu) zu Gemüt führt - da kommt Huijbers vor: im Doppelpack mit Huub Oosterhuis.
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Ja, genau: mit dem NGL-Ex-Jesuiten-Ex-Priester Oosterhuis, dem Huijbers Melodien geliefert hat, so für die Litanei von der Gegenwart Gottes oder etwa zum Lied Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr. Vor Einführung des neuen Gotteslob brach, wie wir wissen, blankes Entsetzen über Konzilsgeistkatholen herein, alldieweil ruchbar wurde, der Vatikan würde das Oosterhuis'sche Erbe aus dem Buch gebieten und exorzieren wollen. Nun war da nichts dran; mit diesen Liedern kann ich meinesteils auch ganz gut leben. Mir ist zum Beispiel Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr noch allemal lieber als der folgende im traditionsfrohen Lager leider (Leise sinkt der Abend nieder) mitunter sehr beliebte Mist:
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Traulich still vorm Tabernakel
hält die ew'ge Lampe Wacht
und die Engel singen leise:
lieber Heiland, gute Nacht.

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Man kann die Größe und Erhabenheit Gottes und seiner Engel auch mit frömmelnder Rührseligkeit schmälern! Gewiß: Wir singen und beten beständig in Bildern, die dem Angebeteten und Besungenen nicht das Wasser reichen können. Aber es ist eins, zu wagen, was man kann, jedoch ein anderes, sich billiger Banalitäten zu bedienen, welche man beinahe blasphemisch nennen möchte: Gute Nacht, aber echt ...
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Doch zurück zu Oosterhuis, oder besser: zu Huijbers. Der sank heute vor 12 Jahren ins Grab, weswegen ich auf ihn aufmerksam wurde. Und leider gibt es nun doch einen Grund, warum ich zwischenzeitlich absolut dagegen bin, die genannten und sonstige Lieder dieses Duos weiterhin zu singen - zumindest in den Vertonungen von Huijbers. Auch er nämlich hat - weiland Jesuit wie Oosterhuis - seinen Orden verlassen, sein Priestertum aufgegeben und geheiratet. Im Gegensatz zu Oosterhuis (der bis heute gläubiger Christ geblieben) fiel Huijbers (womöglich in den Spuren von Teilhard de Chardin?) nachmals in die totale Apostasie; ein Zitat aus der Wikipedia sagt hierzu mehr als genug: Der spätere ...
... Huijbers konnte sich weder in Texten als Du und Gott noch in biblischen Texten wiederfinden; seine untheistische und unchristliche Spiritualität war von da an geprägt vom All, von der Gänze, dem Sternstaub und dem Bestehen, das alles Leben auf der Erde umfasst. Mit seiner Frau zog er sich nach Südfrankreich zurück, auf einen Bauernhof, den sie Contre l'Église ("Gegen die Kirche") nannten ...
Wir müssen und wollen hoffen, daß Huijbers - Gott allein sieht in die Herzen seiner Kinder und weiß um unser aller zuweilen sehr verworrene Pfade - im Sterben einen gnädigen und liebenden Gott gefunden hat. Aber Hand aufs Herz: Seine Melodien haben angesichts dieser Biographie in einem katholischen Gesangbuch schlicht nichts verloren, wie beliebt sie auch sein mögen. Es sollte fürwahr genug Kirchenmusiker geben, die, wenn's denn sein muß, Oosterhuisens Texte neu vertonen können. Zur Not könnte man auch den Geistbraus (und siehe da) drum bitten ...

Sententiæ LXXXIX

Wo aber Königtum nicht möglich ist, kann Adel nicht sein. Alle Ritterschaft weist auf den unbedingten Herrn: der König ist sein Zeichen auf Erden. Die Menschen erkennen den zeichenhaft personalen Herrn nicht mehr, weil sie nicht Person sein können. Denn nur dies fordert den Herrn und sein Bild. Sie versinken im Bergwerk der anonymen Macht; Königtum und Adel wenden sich ins Innere, kehren sich um: der Erhöhte ist der Geschändete. Aber das bedeutet nur den Heimfall des großen Wertes vor die Füße des gekreuzigten Herrn, der gekreuzigten Macht.
Reinhold Schneider: Verhüllter Tag

Dienstag, 14. April 2015

Bevor Das Konzil in ein Dorf kam ...

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Und eine Weile danach:
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Das Kreuz als Tor zum Leben beim Vater - Die selige Pentekoste (1)

Odo Casel OSB
Das heilige Pascha im Sinne der ältesten christlichen Liturgie, d. h. die Osternachtwache ist ein "Übergang": "est enim Phase, id est transitus Domini" (Ex 12, 11). Nach dem hebräischen Urtext war es das Vorübergehen des Engels des Herrn, der die Erstgeburt der Ägypter schlug, an dem mit dem Blute des Lammes bestrichenen Türpfosten der Israeliten. Indem dieses "Vorübergehen" dem Passafest der Juden den Namen gab, bezeichnete Pascha den Übergang aus dem Lande der Knechtschaft, Ägypten, ins Gelobte Land Gottes, der Freiheit und des Gottesbundes. Der Evangelist Johannes gab dem Worte seinen neutestamentlichen Sinn, indem er schrieb: "Vor dem Paschafeste, da Jesus wußte, daß seine Stunde gekommen war, daß er von dieser Welt zum Vater hinübergehe, da zeigte er, der die Seinigen, die in der Welt sind, mit Agape umfing, ihnen seine Agape bis zum Letzten" (Joh 13, 1).
Das christliche Pascha ist also das Hinübergehen von dieser Welt, diesem Aion, diesem Ort der Finsternis und Sünde, zum Vater, d. h. zum Leben Gottes, zum ewigen Leben, zunächst für den Herrn selbst, dann aber auch für alle, die ihm nachfolgen. Pascha ist das Kreuz.
Denn das Kreuz ist die große Wegscheide, die nach zwei Seiten blickt: nach der Tötung des Fleisches der Sünde und nach dem Triumph des göttlichen Lebens. Ziel des Überganges ist das Leben beim Vater. Paulus sagt dasselbe mit anderen Worten: "Wir wissen, daß der von den Toten erweckte Christus nicht mehr stirbt, der Tod keine Herrschaft mehr über ihn hat. Denn wenn er starb, so starb er ein für allemal der Sünde; wenn er aber lebt, lebt er für Gott" (Röm 6, 9 ff.). Das Wort "ein für allemal" bezeichnet den Grenzübertritt des Pascha, das Hinübergehen aus dem Reich der Sünde durch den Kreuzestod zum wahren Leben.
Odo Casel: Mysterium des Kreuzes. Paderborn o.J. [nach 1954]. S. 225.

Montag, 13. April 2015

Des Lammes Gespielen

 Das Lamm Gottes - Kappel, St. Peter und Paul 
Von 1922 bis zu seinem Tod am Ostermorgen 1948 war Odo Casel OSB Spiritual der Benediktinerinnen-Abtei Herstelle. Die geistliche Leitung Casels schlug sich auch in einer Reihe von Büchern wieder, welche die Schwestern während dieser Zeit publizierten - in Bezug darauf spricht man heute zuweilen vom "Hersteller Schrifttum". Am bekanntesten sind hierbei die Arbeiten von Sr. Aemiliana Löhr, deren zweibändiges Werk Das Herrenjahr bis heute eine lohnenswert zu lesende Führung in den pneumatischen Gehalt der sonntäglichen propria alter Ordnung bietet. 
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Zuweilen stößt man unvermutet auf kleinere Kostbarkeiten jener Zeit - wie zum Beispiel auf das folgende Gedicht Weißer Sonntag - Verse über die übliche "Erstkommunion" sollte man dahinter jedoch nicht vermuten. Das Verständnis erschließt sich eher aus der letzten Zusammenkunft der Neugetauften in ihren weißen Taufgewändern, aus dem Vesperhymnus Ad cœnam Agni providi und auf dem Hintergrund des Introitus-Gesangs Quasimodo geniti infantes der Messe dieses Tages.
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Weißer Sonntag
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Nun kommt ihr Kleinen, nun nehmt von den Broten
und trinkt von der Milch, die Helden ernährt!
Den Lebenden Nahrung, das Siegel der Toten -
Empfanget das Heiltum, das Gott uns gewährt!
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Er gab uns die Mutter, sie schenkt uns das Leben -
Die heilige Kirche - sie bringt ihm den Dank;
Er hat ihr sein Blut bis zur Neige gegeben,
Sie wandelt in Milch es, den Kleinen zum Trank.
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Die kindliche Nahrung - o, trinket mit Lust hier!
Die Milch von dem Lamme, sie bringt euch das Licht,
Das himmlische Leben - o, hängt an der Brust ihr,
Umdränget die Mutter und lasset sie nicht!
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In schimmernden Kleidern, des Lammes Gespielen,
Mit Kronen und Lichtern in blendendem Weiß!
Ihr kommt erst vom Brunnen, die Wasser fielen,
Ihr kindlichen Lämmer, ihr spielet im Kreis.
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Im Wasser geboren, im Blute entsündigt,
Genährt von dem Lamme - so werdet ihr sein!
Das Alleluja habt ihr verkündigt -
Nun wachset in Christus und bleibet ihm rein!
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Aemiliana Löhr OSB
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Das Gedicht ist entnommen aus: Johannes Cramer (Hg.): Das Jahr des Heils im deutschen Gedicht. Leipzig 1955. S. 137. Im Bild: Agnus Dei - Deckenmalerei im Chorraum von St. Peter und Paul zu Freiburg-Kappel.

Sonntag, 12. April 2015

Welchen ihr die Sünden behaltet ...

Wenn wir am Oktavtag des Osterfestes das Euangélion (Joh 20, 19-31) hören, dann richtet sich unsere Aufmerksamkeit im überwiegenden Fall auf das Geschehen rund um den Apostel Thomas. Zweifel und Unglaube des Apostels rühren schließlich unmittelbar an, denn auch wir könnten zuweilen fester glauben und froher hoffen, zeigte sich uns der Kyrios in der Herrlichkeit der Auferstehung und hätten wir die Möglichkeit, unsere Hand in seine Seite zu legen.
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Das alles geschah am achten Tag. Auf dem Hintergrund aktueller Debatten rund um die Barmherzigkeit Jesu scheint mir aber auch sehr aktuell, was zuvor berichtet wird (zunächst nämlich schildert das Euangélion dieses Herrentages eine Begebenheit vom Abend des Auferstehungstages):
Nun sprach Jesus zu ihnen abermals: Friede mit euch! Wie der Vater mich gesandt hat, so sende auch ich euch. Und als er das gesprochen, hauchte er sie an und sagte zu ihnen: Empfangt heiliges Pneuma! Welchen ihr die Sünden nachlaßt, denen sind sie nachgelassen; welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten (Joh 20 21-23).
Mit diesen Worten setzt der Kyrios das heilige Mysterium des Bekenntnisses und der Umkehr ein: die sakramentale Beichte. Er überantwortet der Ekklesia die Vollmacht, Sünden zu vergeben, wie er selbst in der Zeit seines öffentlichen Wirkens den Menschen Sünden vergeben hatte - eine hohe Verantwortung!
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Dem aufmerksamen Leser fällt aber auf, daß es nicht nur eine Vollmacht ist, Sünden zu vergeben, sondern auch eine, Sünden zu behalten - also: nicht zu vergeben. Diese "doppelte" Vollmacht stellt der Kyrios zudem unmittelbar in Kontinuität zu seiner eigenen Sendung, die er vom Vater empfangen hat; besiegelt aber wird der Auftrag durch die Hauchung des heiligen Pneuma. Eingeleitet wird all das durch den (im Kontext wiederholten und damit besonders hervorgehobenen) Zuspruch des Friedens, der mithin über aller Weisung des Kyrios liegt.
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Die wenigen Zeilen, in denen diese Episode geradezu lapidar von Johannes überliefert wird, dürfen uns nicht darüber hinwegtäuschen, daß es sich um einen hoch bedeutenden Moment der Heilsgeschichte handelt - denn Heilsgeschichte ist im Kontext des Neuen Testaments zuerst unmittelbare Zuwendung Gottes zum Einzelnen; das Reich Gottes wächst alsdann aus der Summe seiner Teile.
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Der Kyrios betont also die Kontinuität dieser Aussendung zu seiner eigenen Sendung. Wir können daraus rückschließen, daß sich Jesus Christus in der Zeit seines irdischen Lebens die Möglichkeit vorbehalten hat, Sünden nicht zu vergeben, und von dieser Möglichkeit, nicht weniges spricht dafür, auch Gebrauch machte. Auf jeden Fall scheint eine Notwendigkeit bestanden zu haben, die Jünger explizit auch mit einer Vollmacht auszustatten, Sünden nicht zu vergeben. Womöglich sah Jesus voraus, wie rasch seine Verkündigung eines liebenden und barmherzigen Gottes einer Laissez-faire-Haltung Vorschub leisten kann - so wie er in das Innere jener Menschen sah, denen er - nur vordergründig "bedingunslos" - die Sünden vergeben hatte. Man lese etwa unter dem Aspekt "bedingungsloser" Vergebung einmal das erstaunlich ausführlich geschilderte Gespräch mit der Samariterin am Jakobsbrunnen (Joh 4, 7-25 und ff.), übrigens auch ein Bericht über eine Ehebrecherin!
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So gilt es, Vorsicht walten zu lassen, wenn leichtfertig die "bedingungslose Vergebung" Jesu behauptet oder die Ekklesia gar der Unbarmherzigkeit gescholten wird, weil sie nicht jedem Sünder (ob nun faktisch oder habituell "bedingungslos") die Absolution erteilt. Denn hierzu hat sie sowohl Auftrag als auch Vollmacht des Kyrios und handelt in seinem Namen und gemäß seines Willens.

Das BamS!

Ein Altarbild in der Pfarrkirche St. Johannes Baptist zu Ringsheim ...
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Samstag, 11. April 2015

Tagessplitter

Es gibt Klappentexte, welche dem Leser - nicht zuletzt bei retrospektiver Lektüre - mehr verraten, als weiland den Verfassern schwanen mochte. Etwa hier beim letzten Satz ... "durch und durch katholisch", Obacht!
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Das Gesagte führt zu einem Musterbeispiel jüngerer Tendenzbelletristik aus dem kirchlichen Bereich; nach 30 Seiten mag ich dem Werk einen gewissen Unterhaltungswert nicht absprechen, selbst wenn dem Ganzen ein Wort des ehemaligen Jesuitengenerals Arrupe als Motto vorangestellt ist. So recht froh wird man über der Lektüre trotz all' gaudium et spes jedoch keineswegs; mehr noch zwischen als in den Zeilen glaubt man aber einiges über die Zeit vor 50 Jahren und deren Geist zu erfahren:
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Freitag, 10. April 2015

Die Freude der Schöpfung im heiligen Pascha

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Bereits über das Osterwochenende war das Wetter hier am Oberrhein besser, als man zuvor der Vorhersagen wegen auch nur zu hoffen wagte. Seit einigen Tagen bricht sich der Frühling nun richtig Bahn - was auch immer wieder an einen wunderbaren Osterhymnus von Venantius Fortunatus erinnert, der die Freude der Schöpfung im heiligen Pascha anstimmt:
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Salve festa dies, toto venerabilis ævo,
Qua deus infernum vicit et astra tenet.
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Gruß dir, festlicher Tag, verehrungswürdig alle Zeit,
an dem Gott die Hölle besiegt und aufsteigt zum Sternenzelt.
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Ecce renascentis testatur gratia mundi
omnia cum domino dona redisse suo.
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Schaut, die wiedergeborene Welt bezeugt in Pracht,
wie alle Gaben mit ihrem Kyrios heimkehren.
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Namque triumphanti post tristia tartara Christo
undique fronde nemus, gramina flore favent.
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Denn da Christus das elendige Totenreich übersiegte,
grünt nun auf jeder Hain, schmückt sich blühend die Flur.
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Legibus inferni oppressis super astra meantem
laudant rite Deum lux, polus, arva, fretum.
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Da er die Gesetze der Unterwelt zerbrach, nun über Sternen wandelt,
preisen zurecht ihren Gott das Licht und die Luft, Erde und Meer.
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Qui crucifixus erat, Deus ecce per omnia regnat,
dantque creatori cuncta creata precem.
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Der am Kreuze hing, seht! Als Gott herrscht er durch alles
und bittend schaut all' Kreatur zu ihrem Schöpfer empor.
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 Hier auch zu hören.

Mittwoch, 8. April 2015

Tagessplitter

Weil ich gerade am Telefon von anderer Seite etwas unerwartet darin bestärkt worden bin, sei es von der Leber weg genennet und bekannt:
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Ich kann mit dem anstehenden "Barmherzigkeitssonntag" nichts anfangen. Gewiß bin ich auf Gedeih und Verderb der Barmherzigkeit Gottes anverwiesen. Doch darf es in dieser vom höchsten Fest gestimmten Woche und am Tag der Osteroktav überhaupt etwas anderes geben, auf das man allen frommen Jubel und jede Bitte wendet, als das heilige Pascha? Mit seiner motivischen Engführung geht mir dieser event, der die hohen österlichen Mysterien immer mehr in den Hintergrund zu drängen und selbst bei Alte-Messe-Molchen die Feier des Weißen Sonntags zu überlagern beginnt, ziemlich gegen den Strich ...

Sententiæ LXXXVIII

Nur der Himmel ist das Brot der Erde; nur Gott ist das Leben der Seele; nur die Innerlichkeit ist das Organ, mit der das Lebensbrot der Ewigkeit aufgenommen werden kann.
Herman Schell: Christus. Das Evangelium und seine weltgeschichtliche Bedeutung.

Dienstag, 7. April 2015

Von der Hand in den Mund

Daß meinereiner ein erklärter Gegner der Handkommunion ist, brauche ich wahrscheinlich nicht näher zu erläutern. Es geht mir dabei noch nicht einmal so sehr um irgendwelche Partikel des Leibes Christi, die auf den Boden fallen oder an der Hand haften und weiß Gott wohin geschmiert werden könnten: Der Kyrios ist Mensch geworden und hat sich dem ganzen damit auch verbundenen Dreck ohnehin schon ausgesetzt  ... ganz zu schweigen von einer "formal" zwar geordneten, dennoch unwürdigen Anteilnahme am eucharistischen Mysterium: Angesichts erinnerter Umstände scheint mir die oft heiß umstrittene Partikelfrage mithin geradezu nachrangig (wenn auch nicht ganz egal).
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Mehr wurmt mich, daß der Augenblick heute oft jedweder Signifikanz beraubt ist und der Empfang eher an den Ablauf einer Schluckimpfung als an einen Moment erinnert, in welchem der Heilige in das Leben des Einzelnen - sich schenkend - einbricht: Ein Geschenk empfängt man! Und das nicht unbedingt, indem man sich in einer Schlange nach vorn schiebt, um die Hostie geradezu to go zu bekommen - ein Innehalten ist hierbei kaum möglich, die Sache läuft im wahrsten Sinn des Wortes von der Hand in den Mund, wobei einem die Parole "Weggetreten" mit all jenen im Nacken sitzt, die danach in der Schlange stehen.
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Ist aber eine hinreichend breite Kommunionbank vorhanden ... ja - kniet man sich womöglich auch noch hinein ... ja - nutzt man den kurzen Augenblick des Wartens, um gerade im Knien in sich Stand zu finden ... ja - verleibt man sich die Kommunion nicht per Zugriff gleich einer gewöhnlichen Speise, sondern wird man gespeist: Dann wird doch ein wenig mehr deutlich, was der hl. Thomas von Aquin in einer seiner Hymnen singt: panis angelicus fit panis hominum: Das Brot der Engel wird zum Brot der Menschen.
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Gewiß kann der Einzelne, der den Herrenleib nach soeben beklagten Gepflogenheiten in die Hand empfängt, geltend machen, er empfange das höchste Gut mit aller Andacht und in gutem Glauben: Wer wollte es bestreiten? Der Niedergang in Glaube und in der Verehrung angesichts der eucharistischen Gabe, allenthalben zu beobachten, legt aber den Schluß nahe, daß nicht alles, was einem Menschen ehrlich frommt, allen anderen gleichermaßen zupass kommt.

Montag, 6. April 2015

Auch eine Erkenntnis aus Emmaus

Selbst wenn das Bild von den Kirchenvätern rührt: Man sollte es mit der Dichotomie vom "Tisch des Wortes" und dem "Tisch des Brotes" nicht übertreiben oder beides gar gleich erachten. Auf dem Weg nach Emmaus bekamen die Jünger die Schrift und deren Auslegung vom kundigsten Exegeten überhaupt erklärt und haben in Unverstand und Trägherzigkeit trotzdem nichts geschmeckt. Erst im Mahl mit dem Kyrios wurden ihnen die Augen erschlossen; sie erkannten den Auferstandenen: Gewiß schenkt sich Gott in seinem Wort - mehr aber noch, wenn er uns das Brot bricht.

Tagessplitter

Zuweilen fühle ich mich fortgesetzten Aprilscherzen ausgesetzt, sobald ich die Nase in jüngere liturgiewissenschaftliche Publikationen halte; gerade vorher wieder ... da kam mir online ein Vorwort unserer Tage zu einer Studienausgabe von Pius Parschens Werk Das Jahr des Heiles unter, vor Das Konzil ein sehr verbreitetes Werk zur Erläuterung des Kirchenjahres und seiner Meßtexte. Das Vorwort kommt, wenig verwunderlich, nicht umhin, das Lob der Liturgierumform anzustimmen:
Dennoch hat die Liturgiereform auch beim Kirchenjahr Strukturbereinigungen vorgenommen, die eine zuvor ungeahnte Klarheit geschaffen haben. Die wöchentliche und jährliche Feier des Paschamysteriums Christi steht nun wieder tatsächlich im Zentrum der Liturgie ...
... und wird, so möchte man ergänzen, nur durch allerhand Sonntage mit Sonderthemen und special events verdunkelt, deren Inflation (Familie, Medien, Weltmission, Caritas und was immer sonst noch gerne abgefeiert wird) die zuletzt vor Das Konzil vorhandene Überlagerung eines Sonntags durch ein Herren- und Heiligenfest locker in den Schatten stellen kann. Die zentrale Stellung des Paschamysteriums ist mir heute (Ostermontag) beim Besuch der verneuerten leiturgía wieder nachhaltig deutlich geworden: Keine Ostersequenz mehr, auch das Credo ist gestrichen.
Der Kalender wurde nicht nur durch die Vereinfachung des komplizierten Regelwerks zur Bewältigung der Hierarchie liturgischer Tage in der vorkonziliaren Liturgie, sondern auch durch die Abschaffung von Kommemorationen entlastet, vor allem aber durch die Erstellung einer Rangordnung, welche den Sonntag als "Ur-Feiertag" (SC 106) schützen und die Priorität der "eigentlichen Heils-Mysterien"gegenüber den Heiligenfeiern zurückdrängen ...
... bla bla bla. Die hochgelobte neue "Rangordnung" führte mich weiland etwa bei der musikalischen Vorbereitung eines Antwortpsalms dahin, daß der Zelebrant kurz vor der Messe mit einer ganz anderen Option, einem anderen Meßformular, einer fakultativen Lesung oder schlicht einem selbstgereimten Furz daherkam. Gott sei Dank habe ich als Organist mit der verneuerten Form zwischenzeitlich kaum noch etwas zu schaffen und bin des Chaos ledig.
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Was nun aber die Priorität der "eigentlichen Heilsmysterien" betrifft: Selten so gelacht bei vielen ohne zelebratös besonders antrainiertem Mummenschanz (vor das Beten scheint mir mitunter die praktische Rhetorik getreten) oft flach und geschwätzig wirkenden Gottesdiensten. Meine traditionsfrohen Mit-Molche schieben Odo Casel ja gerne eine Mitschuld an der Liturgierumform in die Schuhe. Ich meinesteils kann zwischenzeitlich sagen, daß ich die "ordentlicheform" (Benedikt XVI. hat unzweifelhaft einen sehr feinen Humor!) je weniger leiden und ausstehen kann, ja mehr ich in die Gedankenwelt Casels vorstoße.

Sonntag, 5. April 2015

Das BamS (mit Beutezug)

Den Beutezug Christi formuliert fein ein alter lutherischer Choral:
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Erschienen ist der herrlich Tag.
Dran sich niemand gnug freuen mag;
Christ, unser Herr, heut triumphiert,
All seine Feind gefangen führt.
Halleluja!

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Mein Beutezug fiel heute nicht zuletzt kaloriensatt aus ... nebst einer Einladung zum Mittagessen führte ich hernach Marmelade, ein Häschen und jede Menge Ostereier gefangen nach Hause ... die Osterkerze aber kaufte ich den Ministranten von St. Anton ab; sie gestalten jedes Jahr kleine Kerzen, die der großen Osterkerze in der Kirche nachempfunden wurden - so bleibt man auch daheim mit seiner "Heimatkirche" verbunden (und irgendwie ist St. Anton, wo man dem "Alten Ritus" großzügig Gastrecht gewährt, auch meine Pfarrkirche geworden)!
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Ein Dank allen Spendern!

Werden wir Christus!

 Christus der Auferstandene - Kirche St. Mansuetus, Biederbach 
Mit Worten aus einer Predigt des hl. Gregor von Nazianz wünsche 
ich allen, die das hier lesen, die Freude und den Frieden des 
auferstandenen Kyrios Jesus Christus!
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Er schenke uns heute bereits Anteil an seinem Leben,
damit wir das österliche Mysterium erfassen
und zu dem werden, was er für uns geworden ist!
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Werden wir Christus,
da auch Christus wie wir geworden ist!
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Werden wir seinetwegen Götter,
da er unseretwegen Mensch geworden ist!
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Das Geringere nahm er an,
um uns das Bessere zu geben.
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Er wurde arm,
damit wir durch seine Armut reich werden.
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Er nahm die Gestalt eines Sklaven an,
damit wir die Freiheit erlangen.
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Er stiegt hinab,
damit wir erhöht werden.
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Er wurde versucht,
damit wir siegen.
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Er wurde entehrt,
um uns zu ehren.
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Er starb,
um uns zu retten.
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Er stieg (aus der Unterwelt) empor,
um die mit sich heraufzuziehen,
die durch den Sündenfall dort unten lagen.
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Alles gebe man ihm,
alles bringe man dem zur Gabe,
der sich selbst für uns
als Lösegeld und zum Tausch hingegeben hat.
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Doch keine Gabe ist so wertvoll
wie die eigene Person,
die das Mysterium erfaßt hat
und um Christi willen alles geworden ist,
was er unseretwegen wurde.
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 Das Zitat aus der Predigt des hl. Gregor von Nazianz (Predigt zum Osterfest, 1. Predigt, 1, 5) ist entnommen aus: Lothar Heiser: Jesus Christus - Das Licht aus der Höhe. Verkündigung, Glaube, Feier des Herren-Mysteriums in der Orthodoxen Kirche. St. Ottilien 1988. S. 651. Im Bild eine Darstellung des auferstandenen Kyrios aus der Pfarrkirche St. Mansuetus zu Biederbach im Schwarzwald.