Montag, 31. März 2014

Hunger - und man wird nicht satt

Der Prophet Amos - Pfarrkirche St.
Georg, Ehrenstetten
Die Gedächtnistage der Propheten des Alten Bundes spielen im Kirchenjahr keine besonders große Rolle. Meist gehen diese Tage unbemerkt vorüber. Ein Blick in ein etwas ausführlicheres Kalendarium hat mich nun doch darauf aufmerksam gemacht, daß heute des Propheten Amos erinnert wird. 
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Das Buch Amos ist nicht leicht zu verdauen; Strafgerichte, Drohreden, Klagen und bedrohliche Gesichte gegen ein treuloses Gottesvolk prägen die Predigt dieses frühen Propheten, ehe die Schrift im neunten und letzten Kapitel den Geläuterten Heil in Aussicht stellt. So manches Wort, das der Prophet dem Volk Israel mahnend entgegen schleudert, könnte auch auf unsere Zeit verdächtig konkret zutreffen - unser Leben direkt tangieren.
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Eine Stelle möchte ich aufgreifen, weil sie nicht unsere gängige Ansicht stützen mag, wir könnten tun und treiben, was immer wir wollten, denn hinter der nächsten Ecke warte ja sofort und stets der liebevolle Gott und schütte über alles Verständnis und Erbarmen und Vergebung. Es liegt auf der Hand, daß ich Gottes Liebe nicht beschneiden möchte - aber er kann uns auch zappeln lassen, sich von uns zurückziehen. Er ist nicht einfach verfügbar, nur weil wir plötzlich die Grenzen unseres Mensch-Seins gewahren und uns nun zeitweilig ambitioniert fühlen, Frömmigkeit an den Tag zu legen; vielleicht haben wir ja alle schon einmal dieses - auf seine Weise fast schon wieder beredte - Schweigen Gottes erfahren ...
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Ich wandle eure Feste um in Trauer,
in Totenklage alle eure Lieder
und gürte um alle Hüften Bußgewänder,
mach kahl geschoren jedes Haupt,
mach's so, wie bei der Trauer um den Lieblingssohn.
Und alles endet, wie ein bittrer Tag.
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Fürwahr, es kommen Tage,
Spruch des Herrn, des Herrn,
wo ich ins Land will Hunger senden,
doch Hunger nicht nach Brot,
nicht Durst nach Wasser,
vielmehr danach, das Wort des Herrn zu hören.
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Sie wandern dann von Süden bis nach Westen,
von Mitternacht bis Sonnenaufgang hin.
So irren sie umher, ein Herrenwort zu suchen;
sie finden keines.
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(Amos 8, 10-12).

Sonntag, 30. März 2014

Lætare Jerusalem!

Gott möge kommen! Er baue auf dieses Weib, das die Gehilfin Christi ist. Nicht als ob Christus der Hilfe bedürfe! Aber wir wünschen, durch die Kirche zur Gnade Christi zu gelangen. Der Bau ist jetzt im Gange, er wird jetzt gebildet. Jetzt wird das Weib geformt, jetzt gestaltet und jetzt geschaffen. Deshalb braucht die Schrift das neuartige Wort, daß wir auferbaut werden auf dem Fundament der Apostel und Propheten. Jetzt ersteht das pneumatische Haus zu einer heiligen Priesterschaft. Komm, Herr und Gott, baue dieses Weib, baue diese Stadt! Es komme auch dein Knecht! Denn ich glaube dir, wenn du versicherst: "Er wird mir meine Stadt erbauen" (Is 45, 13). Siehe dieses Weib, die Mutter aller! Siehe das pneumatische Haus, siehe die Stadt, die ewig lebt, weil sie den Tod nicht kennt! Sie ist nämlich die Stadt Jerusalem, die jetzt auf Erden sichtbar ist, die aber entrafft werden wird herrlicher als Elias - Elias war ja nur einer -, die entrückt werden wird herrlicher als Henoch, der nicht gestorben ist. Denn dieser wurde entrafft, damit die Bosheit sein Herz nicht verkehre. Jene aber wird von Christus geliebt als die Herrliche, die Heilige, die Makellose ohne Runzel ... Sie wird gänzlich entrafft werden, auf- und hinweggenommen werden in den Himmel ... Christus allein erbaut sie ...
St. Ambrosius: Expositio in Lucam II, 87 - zitiert nach: Odo Casel OSB: Mysterium der Ekklesia. Von der Gemeinschaft aller Erlösten in Christus Jesus. Mainz 1961. S. 289 f.

Das BamS!

Javeneseräffchen, gestern auf dem Mundenhof ... 
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Donnerstag, 27. März 2014

Vom Affentanz

Nach der (vorläufigen) "Lösung" für Bischof Tebartz-van Elst beschäftigt sich die Blogozese hie und da mit jenem heraufgeschriebenen, herbeigefunkten und abgesendeten Affentanz, zu dem die Medien in den vergangenen Monaten kräftig aufgespielt haben. Mir fällt heute Abend nichts ein, was man da noch hinzufügen möchte - bis auf ein etwas längeres Bonmot von Michael Klonovsky, welches man gewissermaßen ebenso auf den ehemaligen Limburger Bischof anwenden mag, wie die ganze chose la plus infernale natürlich nicht nur öffentlich-rechtliche Medien betrifft ...
Wenn man die deutschen demokratischen Öffentlichkeitsarbeiter bei ihrer vom guten Gewissen befeuerten, völlig außer Rand und Band geratenen Hatz auf vermeintliche Rechtsabweichler vom Schlage der Heit-, Mölle-, Hoh- oder Herman(n) beobachtet, dämmert düster die Frage heran: Ob ihnen eines Tages der pure Rufmord nicht mehr genügt?

Mittwoch, 26. März 2014

Schmerzfrei

Marienfenster - Kirche St.
Martin, Freiburg
Im Anschluss an den vorletzten Beitrag kam über einen Kommentar die Frage herein, wie weit es denn "verbrieft" sei, daß Maria unseren Kyrios Jesus Christus ohne Schmerzen geboren habe.
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Gute Frage! Für so etwas gibt es schließlich die sogenannten "theologischen Gewißheitsgrade", die zum Beispiel Auskunft geben, ob ein Glaubenssatz angenommen werden muß (wie etwa "dogmatische" Aussagen), oder ob ein Satz vielleicht nur Ergebnis theologischen Nachdenkens einiger Gottesgelehrter, aber nicht zwingend verbindlich ist. 
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Ich mußte tatsächlich eine Weile rumblättern, bis mir das Lehrbuch der Dogmatik von Joseph Pohle (zweiter Band, Paderborn (3) 1907) verriet, es sei ...
... der sichere Satz festzustellen, daß die Gottesmutter von Wehen und Schmerzen der Geburt verschont blieb (S. 286).
"Sicher" dürfte hierbei im Sinne einer sententia theologice certa zu verstehen sein, was bedeutet, daß es sich um eine Lehre handelt, über die sich das kirchliche Lehramt zwar noch nicht endgültig geäußert habe, deren Wahrheit aber durch einen inneren Zusammenhang mit der Offenbarungslehre verbürgt sei.
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Der Glaube, Maria habe Christus ohne Schmerzen geboren, ergibt sich aus dem Glaubenssatz, daß Maria während der Geburt Christi eine unverletzte Jungfrau geblieben ist (virginitas in partu) und stützt sich einerseits auf entsprechende Zeugnisse der Kirchenväter und auf eine entsprechende Argumentation des hl. Thomas von Aquin.

Dienstag, 25. März 2014

Herausgerufen

"Nimm auf das Wort, Jungfrau Maria" - Verkündigungsszene
in der Stadtkapelle von Waldkirch im Elztal
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Das im vorgängigen Eintrag vorgestellte Responsorium Suscipe verbum aus dem Breviarium Romanum lohnt, daß man ein wenig dabei verweile.
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Man könnte verschiedene Aspekte näher betrachten, etwa das hintergründige Spiel mit Bedeutungen, welches sich in diesem Text aus der Verwendung der Worte paries - "du wirst gebären", non patieris - "du wirst nicht leiden" und zudem pariter - "in gleicher Weise" ergeben mag, sofern man hinter das je unmittelbar Ausgesagte blicken möchte.
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Oder man verweilt etwas bei der Doppeldeutigkeit der Wendung Suscipe verbum - "Nimm auf das Wort", in der nicht nur die Aufforderung steckt, dem Wort Gottes, das der Engelbote überbringt, das Ohr zu leihen, sondern bereits die Bitte herausgehört werden kann, Maria möge den Logos Gottes selbst aufnehmen, auf daß er durch sie Mensch werde.
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Besonders bemerkenswert finde ich den mehrfach wiederholten Vers Ut benedicta dicaris inter omnes mulieres - man denkt dabei zuerst an jene Zeile des englischen Grußes Benedicta tu in mulieribus - "Gesegnet bist du unter den Frauen" (Lk 1, 28 Vulg.), mit der wir Tag für Tag Unsere Liebe Frau grüßen. Die betende Ekklesia übernimmt nun nicht einfach diese biblische Wendung, sondern erweitert sie: Ut benedicta dicaris inter omnes mulieres - "auf daß du Gesegnete genannt seist unter allen Frauen". Nun steckt in benedicere bereits das Ausgesagte und das Sagen selbst darin: die benedicta ist jene Frau, über welche "gut" (bene) "gesprochen" (dicta) ist, was wir gemeinhin mit "Gesegnete" übersetzen. Benedicta dicaris ist also eine Doppelung, eine die angesprochene Jungfrau geradezu drängende Intensivierung, weshalb ich den Vers mit "Auf daß als Gesegnete du hervorgerufen seist unter allen Frauen" zu übersetzen versucht habe.
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Als ganz besonders Herausgerufene erweist die Liturgie Maria an dieser Stelle, als die Jungfrau, die hören und das Wort Gottes, den Logos aufnehmen soll: Suscipe Verbum, Virgo Maria!
Eva, die ihr Ohr der Botschaft der Schlange lieh, der Einflüsterung des Feindes lauschte und in ihrem Urteil von der Verlockung lügenhafter und trügerischer Lust bezaubert wurde, empfängt als Strafe Trauer und Plage, wird den Schmerzen der Geburt unterworfen, wird mit Adam zum Tod verurteilt und in die Tiefe des Hades verbannt.
Doch die wahrhaft allselige Maria, die dem Worte Gottes ihr Ohr neigte, die von der Kraft des Pneumas erfüllt wurde, die durch eines Erzengels Vermittlung das Wohlwollen des Vaters erfuhr, die die Person des göttlichen Logos, die das All erfüllt, ohne Lust und Beischlaf empfing und ohne die daraus erwachsenden Schmerzen gebar, die ganz mit Gott verbunden war, wie sollte der Tod sie verschlingen? (...) 
Wahrhaft selig bist du, Allerseligste! 
(aus der zweiten Predigt auf die Entschlafung Mariens des hl. Johannes von Damaskus).

Montag, 24. März 2014

Am Vorabend

Suscipe verbum, Virgo Maria, 
quod tibi a Domino
per Angelum transmissum est:
Concipies et paries
Deum pariter et hominum,
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Ut benedicta dicaris inter omnes mulieres.
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Paries quidem filium,
et virginitatis non patieris detrimentum:
efficieris gravida,
ut eris mater semper intacta.
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Ut benedicta dicaris inter omnes mulieres.
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Gloria Patri et Filio et Spiritui Sancto.
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Ut benedicta dicaris inter omnes mulieres.
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Nimm auf das Wort, Jungfrau Maria,
das dir vom Herrn
durch den Engel übersandt worden ist:
Empfangen sollst du, zu gebären,
der Gott ist und Mensch zugleich.
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Auf daß als Gesegnete du hervorgerufen seist unter allen Frauen.
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Einen Sohn ja wirst du gebären,
doch nicht Schaden leiden der Jungfräulichkeit,
gesegneten Leibes wirst du sein,
Mutter zu werden - stets unversehrt.
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Auf daß als Gesegnete du hervorgerufen seist unter allen Frauen.
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Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist.
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Auf daß als Gesegnete du hervorgerufen seist unter allen Frauen. 
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 Breviarium Romanum am Hochfest der Verkündigung an Maria, drittes Responsorium der Matutin.

Sonntag, 23. März 2014

Das BamS!

In Ermangelung passender Bilder eines sein Heim gefunden habenden Spatzes oder einer ihre Jungschar benistenden Turteltaube ... ein sein Gitter beknabbernder anderer Vogel halt:
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Samstag, 22. März 2014

Sententiæ XLVIII

Wo Mysterium ist, da wird Gott gegenwärtig, um an der Gemeinde und zusammen mit ihr zu handeln. 
Odo Casel OSB

Freitag, 21. März 2014

Von den Vätern zum Vater

Der heilige Benedikt im Kreis seiner Mönche - aus der
Pfarrkirche St. Benedikt, Eisenbach im Schwarzwald
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Die Frömmigkeit habe Moses erhöht, Abraham habe seine Nachkommenschaft ausgezeichnet und Isaak die Schönheit der Braut und die ernsten Weisungen des Vaters: Sie alle aber schließe in ihren Vorzügen der hl. Benedikt in sein Herz - so singt der Hymnus zur Matutin des Breviarium Monasticum am heutigen Fest (des Heimgangs) des hl. Benedikt: Issac, Moyses, Abraham sub uno / Pectore clausit
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In der Tat ist seine an Nachkommen zahllose und durch die Weisungen seiner Regel erfolgreiche Ordensfamilie ein leuchtendes Bild der bräutlichen Ekklesia - und daß dies auch in Zukunft so bleibe, dazu helfe Sankt Benedikt durch seine Fürsprache ... ora pro nobis!

Zum Welttag der Poesie

Heute stehe, das Radio hat es mir vorhin verraten, der Welttag der Poesie auf dem Programm. Das erinnert mich an ein Sonett von William Shakespeare: Tired with all these, for restful death I cry. Es ist mir dieser Tage auf den Seiten von Michael Klonovsky unter die Augen gekommen, der es in einer Nachdichtung von Günter Zehm zitiert; daß Zehms Variante seinem "Augenblicksgefühl", wie Klonovsky schreibt, sehr nahe komme, kann ich bestens nachvollziehen ...
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... dennoch greife ich mal ins eigene Regal und damit zu einer Nachdichtung von Karl Kraus:
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Den Tod ersehn' ich, müd, es anzusehn:
wie sich Verdienst verhüllt im Bettlerkleide
und hohles Nichts sich darf im Prunke blähn
und Treue wird verkauft durch falsche Eide,
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wie Würde trägt der ausgepichte Wicht
und keusche Sittlichkeit verfällt in Schande
und echte Ehre lebt im Gunstverzicht
und Majestät im schlotternden Gewande,
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wie Kunst verstummen muß vor Büttels Macht
und Geist entsagt für die gelehrten Narren
und Wahrheit wird als Torheit ausgelacht
und Güte muß des Winks der Bosheit harren.
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All dessen müd, hielt' ich den Tod für Glück,
blieb' meine Liebe einsam nicht zurück.
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Die Zehm'sche Nachdichtung mag man hier lesen (ggf. bis zum Eintrag vom 18. März scrollen).

Der "liebe" Gott

Wie könne man bei so viel Not und Elend unter den Menschen vom "lieben" Gott reden? Vielleicht so: In seiner Liebe gibt Gott uns Menschen erstens Potentiale und zweitens Talente mit auf den Weg, füreinander einzustehen und einander in allem Leid zu helfen; seine Weisung mahnt uns drittens immer wieder, selbige zu nutzen. Gewiß läßt sich mit dem Verweis auf diese drei Punkte nicht alles Leid einfach aus der Welt erklären; trotzdem stünde es uns Menschen in vielen Fällen gut an, zuerst einmal gegen uns selbst Klage zu führen, ehe wir es gegen Gott tun.

Mittwoch, 19. März 2014

Sankt Joseph


Ein kleiner Infekt verhindert an diesem hohen Fest den ein oder anderen Gedanken über Joseph, den Gerechten - wenigstens ein Bild soll ihn heute ehren; seine Fürsprache begleite uns alle Tage ... ora pro nobis!

Montag, 17. März 2014

Der Dolch im Gewande

Vor einiger Zeit hatte ich mir überlegt, auf polemische Streitereien angesichts aktueller Kirchenthemen weitestgehend zu verzichten. Die Gefahr, sich dabei im Ton zu vergreifen, ist nicht von der Hand zu weisen. 
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Unser Glaube soll voller Hoffnung und in Liebe auf Christus, den Kyrios, zuschreiten und sich nicht vom Hickhack rechts und links dieses Weges ablenken lassen – soweit die Theorie. Praktische Erfahrungen schlagen mir aber zeitweilig auf den Magen, denn was am Wegesrand wächst und wuchert, lässt sich nicht einfach ausblenden – vor allem, wenn es bereits in den Weg hineinwächst. Ständig gilt es aufzupassen, daß man nicht darüber stolpere und zu Fall komme; vom wachsenden Verdruß über diese (ich sage jetzt doch einmal:) Sumpfblüten ganz zu schweigen.
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Am Wochenende ist mir erneut der Fehler unterlaufen, einige "katholische" blogs in Augenschein zu nehmen, die nicht auf meiner Leseliste stehen (oder die ich zwischenzeitlich wegen deutlicher Sympathie für Ansichten, die sich gegen den katholischen Glauben wenden, entfernt habe).
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Was auf solchen Seite auffällt: Es ist häufig die Rede von Liebe und Achtsamkeit und Respekt und Dialog und vom befreienden und zärtlichen Handeln, das Jesus an den Tag gelegt haben mag ...
  • Dazu passt allerdings nicht die Häme, mit der "Dunkelkatholiken" immer wieder überzogen werden. 
  • Dazu passt nicht, dass konservative katholische Blogger in "die intelligenteren" und den Rest unterschieden werden (wobei selbst das Zuerkennen einer gewissen Intelligenz noch abwertend klingt). 
  • Dazu passt nicht das ausdauernde Psychologisieren und Pathologisieren der anderen Seite.
  • Dazu passt nicht, wenn Dinge plötzlich beschworen werden, die man selbst fortgesetzt ignoriert – etwa das Kirchenrecht. 
  • Dazu passt nicht das eigene rhetorische Austeilen und Rumkeulen, während man sehr empfindlich reagiert, fühlt man sich unangemessen angegriffen. 
  • Dazu passt nicht, dass man der Gegenseite auf eine zumeist nicht offene, sondern sublim verpackte Weise authentisches und verantwortetes Christsein abspricht, indem man sich selbst in die Nachfolge des Jesus von Nazareth (dar-) stellt, während man der Gegenseite zu verstehen gibt, sie habe sich in hinfälligen, historisch gewachsenen Strukturen verfangen und versteinert und den Anschluss an diesen Jesus längst verloren. 
Um ehrlich zu sein – mir sind "Dunkelkatholiken", auch wenn sie hier und da schimpfen mögen und in allem freimütigen Wort daneben hauen, weitaus lieber als diese aus dem Hinterhalt und mit Arglist agierenden Kirchenreformer. 
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Zumal man nicht vergessen sollte: Es sind nicht die "Dunkelkatholiken", die regelmäßig Verwirrung, Unruhe, Rebellion und Spaltung in die Ekklesia hineintragen. Wenn alsdann gekämpft werden muss, dann aber ist in Sprache, Satz und Ton das offen gezogene Schwert ehrlicher als der gezückte Dolch im Gewande.

Sonntag, 16. März 2014

Das BamS!

Heute aus St. Peter zu Badenweiler ...
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Da hoben sie ihre Augen, aber niemand sahen sie - nur ihn, Jesus, allein. Als sie vom Berg niederstiegen, gab ihnen Jesus Weisung und sagte: Zu niemand dürft ihr von dem Gesehenen sprechen - bis der Menschensohn von den Toten erweckt ist (Mt 17, 8f.).

Donnerstag, 13. März 2014

Die Schönheit der kanaanäischen Frau

Das Evangelium am Donnerstag nach dem ersten Fastensonntag (Mt 15, 21-28berichtet, daß sich der Kyrios vor einigen Nachstellungen der Pharisäer und Schriftgelehrten gen Tyros und Sidon zurückzog:
Und da! Eine kanaanäische Frau kam aus jenem Gebiet gelaufen, schrie und sagte: Sohn Davids! Meine Tochter wird von einem Abergeist übel besessen. Er aber antwortete ihr kein Wort. Da traten seine Jünger heran, baten ihn und sagten: Entlaß sie, sie schreit ja nur hinter uns her! Er aber hob an und sprach: Gesandt bin ich nur zu den zugrunde gegangenen Schafen des Hauses Israel. Sie aber kam heran, verneigte sich tief vor ihm und sagte: Herr, hilf mir! Er aber hob an und sprach: Es ist nicht recht, das Brot der Kinder wegzunehmen und es den Hündlein hinzuwerfen. Sie sprach: Ja doch, Herr! Denn auch die Hündlein essen von den Bröseln, die von den Tischen ihrer Herren fallen. Darauf hin hob Jesus an und sprach zu ihr: O Frau, groß ist dein Glaube! Es geschehe dir, wie die willst. Und geheilt war ihre Tochter seit jener Stunde.
Dazu habe ich heute einige schöne Überlegungen von Aemiliana Löhr OSB gelesen; die Hersteller Benediktinerin nimmt darin Bezug auf den Introitus der heutigen Fastenmesse, welcher - zur Eucharistia hielt man statio in St. Laurentius in Paneperna - mit dem Introitus der Festmesse vom hl. Laurentius identisch ist. Darin wird von "Demut" (confessio) und "Schönheit" (pulchritudo) gesungen, die sich vor dem Angesicht Gottes zeigen ...
Man muß sich frühmittelalterliche Miniaturen dieser evangelischen Begebenheit vergegenwärtigen, um ihre Bedeutung ganz zu erfassen - die vor Christus hingeworfene, nach ihm sich ausstreckende Frau, die nur von der Inbrunst des christlichen gläubigen Herzens ganz nachzufühlende Linie des gebeugten Rückens: "Venit et adoravit eum - sie kam und huldigte ihm". Sie macht sich völlig zunichte, sie setzt sich den Hunden gleich. Sie erkennt und bekennt sich als Heidin, als dem erwählten Judenvolke weit nachstehend; sie erkennt diese Gnadenordnung Gottes ohne Murren an, obwohl sie dabei die Benachteiligte ist. Sie versucht weder sich in die Gnadenrechte anderer einzudrängen, noch pocht sie auf das natürliche Recht aller Menschen und auf natürliche Vorzüge der Heiden.
Sie sieht nur zweierlei: Gott, der seinen Messias zuerst den Juden gesandt hat, und sich, die Heidin, die dennoch an dem Heile Anteil zu erhalten hofft; nicht, weil sie irgend etwas zu ihren Gunsten anführen könnte, nein einfach, weil sie der Agape Gottes in ihrer allumfassenden Weite glaubt.
Wie schön ist dieses Weib in seiner Demut und in seinem Glauben - wahrhaft "confessio" und "pulchritudo" vor dem Antlitz Gottes! Ihr Glaube rettet sie und sonst nichts: "O Weib, dein Glaube ist groß: dir geschehe nach deinem Verlangen!" Die Armut, die sich der Agape Gottes hinwirft, gewinnt Anteil am Reichtum dieser Liebe, und sie, die sich ganz hingab, wird Erfüllerin ihrer eigenen Wünsche: "Es geschehe dir, wie du willst!" (...)
Jetzt gilt es, mit der Kanaanäerin, mit dem heiligen Martyrer [Laurentius], mit Christus, dem Urmartyrer, der auf den bekennenden Lippen dieser beiden ist, die "confessio", den Lobpreis der Liebe und das Bekenntnis des eigenen Nichts, demütig auszusprechen. Auszusprechen weniger mit Worten als durch dieses inbrünstige Sichhineinwerfen vor Gott, durch das Einmündenlassen unseres Fastenopfers (...) in das große Christusopfer, damit wir durch dieses gemeinsame Opfer und Bekenntnis heil werden, damit auch unsere "confessio" mit der des heiligen Martyrers in der "pulchritudo" des ewigen Lebens ende, damit auch wir - die Ekklesia - das Wort des Herrn vernehmen: "O Weib, dein Glaube ist groß: dir geschehe nach deinem Verlangen".
Aemiliana Löhr OSB: Das Herrenjahr. Das Mysterium Christi im Jahreskreis der Kirche. Erster Band. Regensburg (4) 1941. S. 240 f.

Mittwoch, 12. März 2014

Von den Sakramenten der Toten und der Lebenden

Zur Frage, ob geschiedene und wiederverheiratete Menschen die hl. Kommunion empfangen können, streunt in diesen Tagen vermehrt ein Argument herum und sucht, ob's nicht einer schlucken möchte. Gesagt wird, die Eucharistie sei ja auch ein Heilmittel für die Seele und dürfe gerade deswegen den Betroffenen nicht verweigert werden.
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Eine Gefahr dieser Aussage liegt darin, daß sie grundsätzlich nicht falsch ist. Schließlich ist jedes Sakrament generell mit dem Geschenk der heiligmachenden Gnade (gratia sanctificans) verbunden, welche den Menschen der Gewalt des Bösen entreißt und zu einem wahren Kind Gottes erhebt. Die Sakramente werden hierbei jedoch in zwei Gruppen unterschieden: Die Sakramente der einen Gruppe verleihen diese Gnade, jene der anderen vermehren sie. 
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Zur ersteren Gruppe zählen Taufe und Buße, weswegen die Ekklesia diese beiden Sakramente auch die "Sakramente der Toten" (sacramenta mortuorum) nennt - denn in der Taufe wird die heiligmachende Gnade zum ersten Mal überhaupt verliehen und im Bußsakrament nach einem möglichen Verlust durch eine schwere Sünde wieder restituiert.
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Zur zweiten Gruppe zählen alle anderen Sakramente, denn deren Empfang setzt den Gnadenstand (der durch die Taufe begründet und die Buße ggf. wiederhergestellt wird) voraus und vermehrt auf dieser Grundlage die bereits vorhandene heiligmachende Gnade. Deswegen spricht die Ekklesia hier von den "Sakramenten der Lebenden" (sacramenta vivorum). 
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Statt von Sakramenten der Toten und der Lebenden könnte man auch von Sakramenten der Heilung und solchen der Heiligung reden. Ist von der Eucharistie als "Heilmittel" oder auch "Arzei für die Seelen" die Rede, so sollte man diese Unterscheidung im Hinterkopf behalten. Nebenbei bemerkt: Mit dem Empfang eines jeden Sakramentes können auch nicht-schwere, also die sogenannten "lässlichen" Sünden vergeben werden. Schwere Sünden können hingegen nur durch die Beichte - das Bußsakrament - getilgt werden.
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Lebt aber ein Getaufter im Zustand der schweren Sünde, und dies womöglich fortgesetzt, so kann er - pneumatisch gesehen ein "Toter" - zwar die "Sakramente der Lebenden" empfangen, die an ihm auch gültig vollzogen werden, er empfängt aber nicht die mit den Sakramenten verknüpften Gnaden, denn es wird weder jene Gnade mitgeteilt, die dem jeweiligen Sakrament spezifisch verbunden ist, noch wird die oben erwähnte heiligmachende Gnade generell vermehrt. Das gilt auch für die Eucharistie - deren Empfang bleibt in diesem Fall fruchtlos, das "Heilmittel" unwirksam; denn wo die heiligmachende Gnade nicht vorhanden ist, läßt sie sich auch nicht vermehren. Das einzige Sakrament, welches dieser Getaufte fruchtbringend empfangen kann, ist das Bußsakrament - verbunden mit der Reue und dem festen Willen, sich künftig von der (schweren) Sünde abzukehren.

Montag, 10. März 2014

Vier Bedeutungen

Was mag wohl Bischof Vitus Huonder von Chur aktuell in seinem Fastenhirtenbrief schreiben? Diese Frage kam mir heute irgendwann in den Sinn. Nun denn - leider nichts, da die Schweizer Bischöfe in diesem Jahr ein gemeinsames Hirtenwort veröffentlicht haben. Dafür kam mir unter dem Titel Was erbittest du von der Kirche Gottes? ein Hirtenbrief Huonders zur Fastenzeit 2013 auf den Schirm, ein Wort über das Mysterium der Taufe. Der Text kommt fast wie eine kleine mystagogische Katechese daher, welche ich nunmehr - mangels Alternativen - aktuell einfach als Fastenhirtenwort hernehme ...
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Aus diesem Schreiben hier einige Erwägungen über den Glauben:
Der Ausdruck glauben hat für uns Christen mehrere Nuancen. Ich möchte hier auf vier Bedeutungen aufmerksam machen. 
Glauben heißt zunächst, Gottes Existenz bejahen. Durch die Vernunft geleitet, kann der Mensch Gott als den Schöpfer der Welt und den Herrn über alles Sein erkennen und ihm in Ehrfurcht begegnen: "Seit Erschaffung der Welt wird seine unsichtbare Wirklichkeit an den Werken der Schöpfung mit der Vernunft wahrgenommen, seine ewige Macht und Gottheit" (Röm 1, 20). 
Bischof Vitus Huonder von Chur
Glauben bedeutet alsdann, die Offenbarung Gottes annehmen, sich auf die Offenbarung Gottes einlassen. In der (...) Lesung aus dem Brief an die Römer sagt es der heilige Paulus zusammenfassend so: "Das Wort ist dir nahe, es ist in deinem Mund und in deinem Herzen. Gemeint ist das Wort des Glaubens, das wir verkündigen; denn wenn du mit deinem Mund bekennst: 'Jesus ist der Herr' und in deinem Herzen glaubst 'Gott hat ihn von den Toten auferweckt', so wirst du gerettet werden" (Röm 10, 8-9). Gott hat sich immer wieder offenbart, in Jesus Christus aber hat er sich endgültig offenbart. In Jesus Christus erreicht Gottes Offenbarung ihren Höhepunkt.
Die ganze Weite und Breite von Gottes Offenbarung, das heißt des Glaubensreichtums der Kirche, ist uns im Wort Gottes der Heiligen Schrift und der Heiligen Überlieferung erhalten: "Die Heilige Überlieferung und die Heilige Schrift bilden den einen der Kirche überlassenen Schatz des Wortes Gottes" (Dogmatische Konstitution über die göttliche Offenbarung Dei Verbum 10), lehrt uns das Zweite Vatikanum und bestätigt damit, was die Kirche schon immer lehrte. Der Taufkandidat möchte diesen Glauben empfangen, in diesem Glauben unterwiesen und auf diesen Glauben getauft werden. Er möchte in den Glaubensreichtum von Gottes Offenbarung eingeführt werden und davon leben. Dies ist sein Wunsch, dies ist sein Recht. 
Glauben bedeutet weiter, auf Gott vertrauen. Gerade dieser Aspekt des Glaubens ist für unser Leben im Alltag wichtig. Ohne Gottvertrauen wird das Leben schwer, oft unerträglich. Gottes Handeln in der Heilsgeschichte und Jesu Wirken in seinem irdischen Leben festigen uns in diesem Vertrauen. Viele Worte aus der Heiligen Schrift bestärken uns darin, auch das Wort der (...) Lesung aus dem Buch Deuteronomium: "Die Ägypter behandelten uns schlecht, machten uns rechtlos und legten uns harte Fronarbeit auf. Wir schrien zum Herrn, dem Gott unserer Väter, und der Herr hörte unser Schreien und sah unsere Rechtlosigkeit, unsere Arbeitslast und unsere Bedrängnis" (Dtn 26, 6-7).
Schließlich bedeutet glauben, sein Leben mit Blick auf Gott gestalten, gläubig leben. Das Leben eines Getauften muss immer ein Glaubenszeugnis sein: ein Glaubenszeugnis gegenüber allen, die nicht oder noch nicht an Christus glauben, ein Glaubenszeugnis der Eltern gegenüber den Kindern, ein Glaubenszeugnis der Erzieher gegenüber den jungen Menschen, ein Glaubenszeugnis der politisch verantwortlichen Christen gegenüber dem Volk. Dieses Glaubenszeugnis kann so weit reichen, dass wir für den Glauben auch den Blutzoll bezahlen würden und nicht vor dem Martyrium zurückweichen dürfen. 
Was diesbezüglich bei uns Gesprächs- und Schreibstoff darstellt, ist in vielen Ländern der Welt Wirklichkeit. Das Konzil sagt dazu: "Wenn es auch wenigen gegeben wird, so müssen doch alle bereit sein, Christus vor den Menschen zu bekennen und ihm in den Verfolgungen, die der Kirche nie fehlen, auf dem Weg des Kreuzes zu folgen" (Lumen gentium 42).
Der ganze Text ist hier zu finden.

Sonntag, 9. März 2014

Erstaunen ob Büchern und Busch

Immer wieder erstaunlich, was man alles nicht mitbekommt: In Frankreich regiert aktuell der Bourbone Heinrich der Glückliche. Bereits seit dem 11. August 1999. Soll Nostradamus gemeint haben. Ist auf dem Rückumschlag eines 1977 erschienenen Buches zu lesen.
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Nicht minder erstaunlich, wie rasch Gedanken fremd gehen können, wenn man arglos einen Zettel im Gesangbuch findet: Ein Schelm, der Arges dabei denkt. Oder an Alice Schwarzer.
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Immer wieder neu erstaunlich, wie Winterstürme dem Wonnemond weichen. In mildem Licht der Lenz leuchtet. Und auf linden Lüften leicht und lieblich Wunder webend er sich wiegt.
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Das BamS!

Einst tappten wir, die Diestedder Choralschola auf Romfahrt, in der stockdunklen Krypta der Kirche Santa Francesca Romana herum, bis endlich einer den Lichtschalter fand und sich andere, als das Licht anging, am Schrein mit den Gebeinen der Heiligen beinahe die Nase platt drückten: Geisterbahn auf Katholisch sozusagen. Aber seither ist mir die heilige Franziska von Rom irgendwie ans Herz gewachsen: Gott hat manchmal interessante Tricks, um seine Heiligen nachhaltig in Szene zu setzen. Daher hat es mich gefreut, sie auch hier in der Gegend zur Ehre eines Altares hoch erhoben zu finden - in der Pfarrkirche St. Cosmas und Damian zu Jechtingen am Kaiserstuhl. Ihr Fest fällt heute ganz dem Sonntag zum Opfer - doch in der Oratio ihrer Festmesse ist immerhin die Rede vom "vertrauten Umgang" mit einem Engel, den Gott ihr gewährte. 
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Mithin scheint sogar der Teufel im Evangelium dieses Sonntags dies zu bezeugen, wenn er Psalm 90 zitiert: "Um deinetwillen gibt er seinen Engeln das Gebot, auf allen deinen Wegen dich zu hüten. Auf Händen sollen sie dich tragen, daß nicht dein Fuß an Steine stoße" ... ;-)
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Nachtrag ... Auf der Seite von Sacerdos Viennensis habe ich zwischenzeitlich gelesen, daß die Kirche offiziell den Namen Santa Maria Nova trägt, und obendrein einige wundervolle Bilder dieses Gotteshauses und seiner Umgebung entdeckt: hier.

Samstag, 8. März 2014

Wirklich nur "die Heiden"?

In den Lesungen der Matutin, heute einer Homilie Bedas des Ehrwürdigen zum Gang Christi über das Wasser (Mk 6, 47 f.) entnommen, ist mir wieder ein Satz besonders aufgefallen ... 
Ubi bene dicitur, quia navis erat in medio mari, et ipse solus in terra: quia nonnumquam Ecclesia tantis gentilium pressuris non solum afflicta, sed et fœdata est, ut, si fieri posset, Redemptor ipsius eam prorsus deseruisse ad tempus videretur.
Die Übersetzung von Athanasius Wintersig OSB:
Daher heißt es mit Recht, das Schiff sei mitten auf dem Meere und Er [scil. Christus] allein an Land. Denn zuweilen wird die Kirche durch große Quälereien der Heiden nicht nur geplagt, sondern geradezu besudelt, daß es scheinen möchte - wenn das möglich wäre - als habe ihr Erlöser sie für eine Zeitlang gänzlich verlassen (Die Väterlesungen des Breviers II, Freiburg 1928, S. 16).
Ich habe mich zuerst gefragt, warum Beda den geschilderten Unflat schlicht den "Heiden" in die Schuhe schiebe, und danach einen Blick in den lateinischen Text geworfen, wo von "tantis gentilium pressuris" die Rede ist. Nun rührt gentilium vom Adjektiv gentilis, was im Ausgang der klassischen Latinität "zur selben Sippe / zum selben Stamm gehörend" meint, später auf den Sinn "nicht römisch / barbarisch" (sozusagen: zur Sippe der Gegenseite gehörend) verengt und bei Kirchenschriftstellern dann im Sinn von "heidnisch" verwendet wird. Gegen Wintersigs Verdeutschung wird man daher wenig einwenden können.
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Ich fürchte freilich, daß eine Übersetzung unter der Verwendung der urspünglich Bedeutung von gentilis die Sache eher treffen könnte, denn die "Heiden" können die Ekklesia gewiß plagen, aber wohl kaum und auch nicht "geradezu" besudeln ("beflecken" oder "verdunkeln" wären weitere mögliche Übersetzungen für fœdo > fœdata). Da können wir uns schön selber an den Ohren ziehen - wenngleich dies für uns, die wir durch die Taufe zu Stamm und Sippe Christi zählen, wenig schmeichelhaft ist.

Freitag, 7. März 2014

Unnütze Knechte

Zwei Sätze sind mir gestern Abend beim hl. Hieronymus in den Lesungen der Matutin zum heutigen Tag aufgefallen. Einmal ...
Viele werten die Gebote Gottes nach ihrer eigenen Schwäche, nicht nach der Kraft der Heiligen, und halten das Befohlene für unmöglich.
Und das hier:
Nicht also die Tugend, sondern der Beweggrund der Tugend wird von Gott belohnt.
Athanasius Wintersig OSB, der die Edition dieser Lektionen verantwortet, in die ich aktuell vor dem Wegschlummern (eine Art geistliches Betthupferl) einen Blick werfe, weist in einer Anmerkung darauf hin, mit besagter "Kraft der Heiligen" sei die "Kraft, die man als Heiliger, d. i. als Getaufter hat" (Die Väterlesungen des Breviers II, Freiburg 1928, S. 13) gemeint. 
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Beim ersten Satz mußte ich prompt an unseren deutschen "Reform"-Katholizismus denken, und das ist sicher nicht falsch, aber irgendwie doch zu kurz gesprungen. Denn daß mich dieser Satz ganz konkret auch selbst betreffen könnte, kam mir erst viel später in den Sinn, obgleich auch ich dazu neige, mir Gottes Gebote gerne mal nach eigenem Gutdünken zurecht zu biegen. Wenigstens hat mich dann der zweite Satz recht rasch auf den Boden des unmittelbar Tatsächlichen zurückgeholt: Wie mag es um die (eigene) "Tugend" bestellt sein, legt man sie vornehmlich als Maßstab an "die Anderen" an? 
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Und: Sollte man sich - auf frischer Tat ertappt - nicht viel eher fragen, wie viel Eitelkeit und Selbstverliebtheit aktuell in einem steckt? Gerade auch, wenn man über das schreibt, was einem wichtig ist im Glauben und was man mit anderen teilen und wofür man andere begeistern möchte? Die Gefahr, dabei auf mannigfache Art zum Pharisäer zu werden, läßt sich offenkundig nicht immer von der Hand weisen ...
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Vielleicht kann man sich an diesem Punkt mit dem ersten Satz des heiligen Hieronymus geradezu trösten - denn in der Feststellung des Kirchenvaters steckt ja auch die Zuversicht, daß Gott uns als Getauften aufhilft und seine Kraft schenkt, seine Gebote zu halten: Auch jenes, unseren Glauben nicht hartherzig und selbstbezogen vor uns her zu tragen ... sondern authentisch und mit Freude deutlich Zeugnis von ihm zu geben, stets im Wissen auch um unsere Grenzen: "Wir sind armselige Knechte und haben nur unsere Schuldigkeit getan" (Lk 17, 10).

Donnerstag, 6. März 2014

Die Blickrichtung

Sankt Fridolin - Fridolinsmünster, Bad Säckingen
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In den vergangenen Tagen hatte ich hin und her erwogen, ob dieser Seite während der Fastenzeit eine Art Bildverbot auferlegt werden sollte ... 
der heilige Fridolin, Glaubensbote am Hochrhein (die Altvorderen väterlicherseits stammen aus dem dortigen Hotzenwald), hat das quasi gegenteilig entschieden. Denn könnte es am heutigen Fridolinsfest ein passenderes Bild für Tag 2 der Fastenzeit geben als diese Darstellung, bei welcher der Heilige unverwandt nach Kreuz und Himmel schaut? 
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So helfe uns also Sankt Fridolin durch seine Fürsprache, daß auch wir unseren Blick dahin orientieren ... ora pro nobis!

Kostet und seht

Vor noch nicht langer Zeit hörten wir in der Epistel am Sonntag Septuagesima, die Kinder Israels hätten auf ihrer Wanderschaft durch die Wüste "alle denselben pneumatischen Trank gekostet - sie tranken nämlich von dem pneumatischen Felsen, der sie begleitete", ein Felsen, von dem der hl. Paulus sagt: "der Felsen aber war Christus" (1 Kor 10, 3).
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In einer wunderbaren eucharistischen præfatio für den Beginn der Fastenzeit (in der Sprache des Missale Gothicum, dem der Text entnommen ist: Immolatio Missæ in initium Quadragesimæstellt uns die betende Ekklesia vor Augen, wie bereits Moses erstarkte und in Herrlichkeit gesetzt wurde durch Christus, den Logos des Vaters, der sich auch uns heute im eucharistischen Opfermysterium schenkt und uns nährt. Vielleicht kann uns der Text ein wenig anstecken, des Reichtums der vor uns liegenden Zeit gewahr zu werden ... "Kostet und seht, wie gut der Herr" (Ps 33, 9).

Vere dignum et iustum
Wahrhaft würdig ist es und recht,
est, æquum et salutare 
angemessen und heilsam,
nos tibi gratias agere
daß wir dir Dank sagen,
Domine,
Herr,
sancte Pater,
heiliger Vater,
omnipotens æterne Deus
allmächtiger, ewiger Gott:
per Christum Dominum nostrum.
Durch Christus, unseren Kyrios.
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Qui est filius tuus unigenitus,
Er ist dein eingeborener Sohn,
manens in gloria tua,
der in deiner Lichtherrlichkeit west,
in quo ieiunantium
in ihm wird der Fastenden
fides alitur,
Glaube genährt,
spes provehitur,
Hoffnung beflügelt
caritas roboratur.
Liebe stark gemacht.
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Ipse est enim panis vivus et verus,
Er ist das lebendige und wahre Brot,
qui de cælo descendit,
das vom Himmel hernieder stieg
et habitat semper in cælo;
und immer im Himmel wohnt.
qui est substantia æternitatis
Er ist die Nahrung zu ewigem Leben
et esca virtutis.
und die Speise aller Kraft.
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Verbum enim tuum, per quod facta est omnia,
Denn dein Logos, durch den alles erschaffen worden,
non solum humanarum mentium,
ist nicht nur der menschlichen Herzen,
sed ipsorum quoque panis est angelorum.
sondern selbst der Engel Brot.
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Huius panis alimento
Von diesem Brot genährt,
Moyses tuus famulus quadraginta diebus et noctibus
fastete dein Diener Moses vierzig Tage und Nächte,
legem suscipiens ieiunavit
während er das Gesetz empfing.
et a carnalibus cibis,
Er enthielt sich fleischlicher Speise,
ut tuæ suavitatis capacior esset, abstinuit
damit er umso mehr deine Lieblichkeit verkoste,
de verbo tuo vivens.
da aus deinem Logos er lebte,
Cuius et dulcedinem videbat in spiritu,
dessen Schönheit er im Geiste schaute
et lucem accipiebat in vultu,
und dessen Licht ihm aufstrahlte im Antlitz.
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Unde nec famen corporis sensit,
So empfand er keinen leiblichen Hunger
et terrenarum est oblitus escarum,
und vergaß der irdischen Speise:
quia illum et gloriæ tuæ clarificabat aspectus et,
Denn die Schau deiner Herrlichkeit übergoß ihn mit Lichtglanz
influente Spiritu,
und im einströmenden Pneuma
Dei sermo pascebat.
nährte ihn das Wort Gottes.
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Hunc panem, 
Dieses Brot reiche uns,
Domine,
Herr,
nobis per hos quadraginta dies,
während der vierzig Tage,
in quibus hodie
in die heute wir eintreten,
quadragesimalis macerationem abstinentiæ inchoantes
und beginnen, uns in fastender Enthaltung aufzubrechen.
ingredimur, ministrare digneris,
Dieses Brot reiche uns, nach dem du
quem ut sitiamus indesinenter hortaris.
uns unablässig zu begehren mahnst.
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Cuius carne a te ipso sanctificata dum pascimur,
Essen wir von seinem Fleisch, das du geheiligt hast,
roboramur
so werden wir stark,
et sanguine, dum hausto sitienter potamur,
und in seinem Blut, das wir dürstend trinken,
abluimur.
werden wir rein.
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Der lateinische Text und die deutsche Übertragung von Sr. Sophronia Feldhohn OSB sind - mit leichten Änderungen und Retuschen - entnommen aus: Vom heiligen Pascha. Ein Osterbuch. Herausgegeben von der Abtei vom Heiligen Kreuz Herstelle. Paderborn 1950. S. 28 ff.

Mittwoch, 5. März 2014

Asche, die wir empfangen

Woher rührt die Asche? Sie ist der klägliche Rest jener Zweige, mit denen wir den Kyrios am Palmsonntag gefeiert haben, als wir ihn im Mysterium der heiligen Liturgie in Jerusalem einziehen sahen. Die Palmzweige bedeuten den Sieg, welcher "über den Fürsten des Todes errungen werden sollte", wie es ein altes Segensgebet weiß.
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Diesen Sieg hat der Kyrios errungen: Das einstmals dürre Kreuzholz zeugt davon, welches als Baum des Lebens seither grüne Zweige trägt. Die Palmzweige hingegen, die wir geschwungen haben, wurden welk in unseren Händen und der reinigenden Kraft des Feuers übergeben; mit deren Asche reihen wir uns heute erneut ein in den Chor der Büßer.
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Es ist ein passender Ritus (aber auch ein bedrückendes Bild), wenn - als Asche - zum Zeugen schuldhafter Verstrickung wird und zum Zeichen unserer Buße, was einst Symbol der Herrlichkeit und Ehre Gottes war, geschwungen im Jubel beim Einzug des Kyrios Jesus Christus. Denn irgendwann kam der Augenblick, in dem wir diese Zweige haben verdorren lassen, da wir uns von Gott ab- und der Welt zugewandt und die Angebote dieser Welt an die Stelle Gottes gesetzt und die Reden dieser Welt über die Gebote Gottes gestellt haben. 
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Wenn es nun hierbei eine Konsequenz aus unserer Sünde gibt, die Gott wirklich etwas angehen könnte, dann doch wohl die Tatsache, daß eine jede dieser unserer Sünden das Wachstum des Gottesreiches hemmt und hierdurch Gott nicht jene Ehre zuteil werden kann und wird, die ihm in der Herrlichkeit dieses Reiches zukommt und gebührt.
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Während sie nun die Reste der verbrannten Huldigungszweige - diese Asche unseres Versagens - den Bußfertigen auf die Häupter streut, ruft deswegen die betende Ekklesia in einem Responsorium um Erlösung aus Sünde und Schuld, weil dies vor allem eine Frage der Ehre von Gottes Namen ist. Denn Ehre und Herrlichkeit Gottes, die sich in seinem Namen manifestieren, sind unmittelbar betroffen und gemindert, wenn der Mensch - Gottes Geschöpf und Ebenbild - der Sünde verfällt:
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Adiuva nos, Deus salutaris noster:
et propter honorem nominis tui, Domine,
libera nos!
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Hilf uns, Gott, unser Erretter,
und um der Ehre deines Namens willen
befreie uns!
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Diese Worte werden später während der Messfeier im Tractus wiederholt und zusätzlich intensiviert - ein Zwischengesang, den die Ekklesia danach in jeder Fastenwoche dreimal beten wird, stets montags, mittwochs und freitags, und der mit eben jenen hoch drängenden Worten endet, bei denen die Ekklesia Priester und Gläubige niederzuknien heißt - wie sie es immer tut, wenn ihr ein Anliegen besonders wichtig ist:
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Adiuva nos, Deus salutaris noster:
et propter honorem nominis tui, Domine,
libera nos,
et propitius esto peccatis nostris
propter nomen tuum!
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Hilf uns, Gott, unser Erretter,
und um der Ehre deines Namens willen
befreie uns
und sei nachsichtig mit unseren Sünden
deines Namens wegen!
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Die Asche, die wir heute empfangen, ist aber nicht nur Zeichen unserer Rückkehr zu Gott und unseres Anerkennens, daß er der Heilige ist und wir Sünder sind vor ihm, unserem Schöpfer, dessen Ehre immer wieder durch uns eingetrübt wird. Die Asche ist auch segensreich und stärkt für den einzuschlagenden Weg der Bekehrung, wenn wir uns denn stärken lassen wollen und den Ritus lauteren Herzens vollziehen; denn im Namen Gottes soll sie uns Arznei (remedium) sein, wie die Ekklesia im ersten Segensgebet über die Asche bittet:
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So werde sie 
eine heilige Arznei 
für alle, 
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die deinen heiligen Namen in Demut anrufen
und im Bewußtsein ihrer Sünden sich anklagen,
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die vor dem Angesicht deiner göttlichen Sanftmut
ihre Vergehen beweinen,
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die deine so huldreiche Vatergüte
demütig und in beharrlichem Eifer anflehen:
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Gewähre,
da wir deinen heiligen Namen anrufen,
daß alle, die mit dieser Asche
zur Befreiung von ihren Sünden bestreut werden,
Gesundheit des Leibes
und Schutz für die Seele empfangen.

Dienstag, 4. März 2014

An der Schwelle zu den Fasten

Manducaverunt et saturati sunt nimis
et desiderium eorum attulit eis Dominus:
Non sunt fraudati a desiderio suo.
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Sie aßen und reich wurden sie gesättigt 
und ihren Hunger stillte ihnen der Kyrios:
Nicht wurden Sie enttäuscht in ihrem Verlangen.
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 Worte aus Psalm 77 - Kommuniongesang am Sonntag Quinquagesima

Montag, 3. März 2014

Da nerv ich mal die Blogozese mit ...

Erstens ...
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... frage ich mich zuweilen (spätestens beim verzweifelten Versuch, irgendwo meinen Senf zu hinterlassen) in all meiner unerleuchteten Nichtverständigkeit, warum sich diese allertumbsten Kommentar-Captchas ("0815007 Mampfelkrampf" usw.) in der Blogozese so großer Beliebtheit erfreuen, sofern die Kommentare vor Veröffentlichung ohnehin in die Moderation weitergereicht werden ...?!?
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Je nach Güte des Bildschirms, Laune des Systems und Machart dieser Stolperfallen sind die Dinger schlicht nervig. Günstig: Man kann diesen virtuellen Mumpitz deaktivieren und muß im übelsten Falle gelegentlich den Spamordner ausmisten. Das nennt man dann "Leserservice" ... ;-)

Und zweitens ...
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... frage ich mich, was eigentlich aus manchen Blogs und Bloggern geworden ist, bei denen ich früher sehr gerne vorbeigeschaut habe. Konkret fallen mir ein:
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Simplicius und das entschwundene Sakramentar (hier)
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Sarah und ihre nunmehr seit Jahresfrist schweigenden Gewissenfragen (hier)
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Theresia mit den Weihnachtswünschen von vor drei Jahren auf Pange lingua (hier)
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Und der nach Australien ausgewanderte Medienschaffende mit der zwischenzeitlich versiegelten Seite Breviarium Pauli (hier)

Sonntag, 2. März 2014

Das BamS! ... zu Ehren von Pius XII.

Zum 75. Mal jährt sich heute der Wahltag des ehrwürdigen Dieners Gottes Pius XII. zum Papst - das Bild am Sonntag! soll daher an diesen großen, heiligmäßigen und wahren Sohn der Kirche erinnern ...
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1929 weilte Pacelli nach einem Besuch des Freiburger Katholikentages im Schwarzwaldstädtchen Lenzkirch - noch heute erinnert das abgebildete Gedenkblatt in der Pfarrkirche St. Nikolaus an den hohen Gast. Am Altar des hl. Joseph ist der Papst zudem zu sehen, wie er das umstürmte Schiff der Ekklesia deren Schutzherrn in Gebet und Bitte anbefiehlt.
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In Erinnerung an unseren Besuch im lieben Lenzkirch 
erteilen Wir dem Pfarrer und der Pfarrgemeinde, 
als Unterpfand der Gnade Gottes und Zeichen väterlicher Liebe,
den Apostolischen Segen. 
Aus dem Vatikan, 9. März 1940
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Pius PP. XII
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Soweit die Zuwidmung. Überdies habe ich soeben noch bei et nunc (hier) entdeckt, daß der 2. März zugleich der Geburtstag von Eugenio Pacelli ist; heute vor 138 Jahren kam er zur Welt. Und wer auf Facebook unterwegs ist, kann sich hier einer Unterstützergruppe für die Seligsprechung von Pius XII. anschließen.
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Die Fürsprache von Pius XII. begleite das Schiff der Ekklesia auch durch die Stürme dieser Zeit ... ora pro nobis!