Samstag, 30. November 2013

Höllenbilder und eine tröstliche Vermutung - Gedanken zu einem Text des Requiems

Das jüngste Gericht (Detail: die Höllenfahrt der 
Verdammten) - Augustiner Museum, Freiburg
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Der sehr alte und ehrwürdige Gesang Domine Jesu Christe zum Opfergang innerhalb der Totenmesse ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert: Einmal, weil er seit der Liturgiereform des Zweiten Vatikanums aus dem Missale Romanum verschwunden ist, dann der responsorialen Form wegen, nicht zuletzt aber auch, weil sein Gedankengang im Kontext der Seelenmesse ungewöhnlich ist. Denn nimmt man den Text ernst, so lesen wir keine Bitten um die Erlösung aus dem Purgatorium, sondern hören ein Flehen, die Seele(n) vor der Verdammnis zu bewahren. Dieser letzte Themenkreis wird zwar auch in anderen Texten des Requiems angesprochen, vor allem in der weit jüngeren Sequenz Dies iræ; dort aber liegt der Schwerpunkt eher darauf, das (allgemeine) Gericht im Rahmen einer meditatio mortis den Betenden vor Augen zu führen. Das Domine Jesu Christe hingegen verknüpft die Bitten mit der Bewahrung vor den "Strafen der Hölle" unmittelbar mit Bitten um die Erlösung jener Seelen, "derer wir heute gedenken":
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Domine Jesu Christe, Rex gloriæ,
Kyrios Jesus Christus, König der Herrlichkeit,
libera animas omnium fidelium defunctorum
befreie die Seelen all der verstorbenenGläubigen
de pœnis inferni et de profundo lacu:
von den Strafen der Hölle und aus dem tiefen Abgrund:
libera eas de ore leonis,
errette sie aus dem Rachen des Löwen,
ne absorbeat eas tartarus,
damit das Totenreich sie nicht in sich zwinge,
ne cadant in obscurum.
und sie nicht fallen ins Zwielicht der Schattenwelt.
Sed signifer, sanctus Michael,
Dein Bannerträger aber, der heilige Michael,
repr
æsentet eas in lucem sanctam:
führe sie auf in das heilige Licht:

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Quam olim Abrah
æ promisisti et semini eius.
Das Du einst Abraham verheißen hast und seinen Nachkommen.
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Hostias et preces tibi, Domine, laudis offerimus:
Opfergaben und Bitten bringen wir Dir, Herr, unter Lobgesang:
Tu suscipe pro animabus illis,
Nimm Du sie an für jene Seelen,
quarum hodie memorium facimus:
derer wir heute gedenken:
fac eas, Domine, de morte transire ad vitam.
Lasse sie, Herr, vom Tode hinübergehen in das Leben.
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Quam olim Abrah
æ promisisti et semini eius.
Das Du einst Abraham verheißen hast und seinen Nachkommen.
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Die beschworenen Bilder von den Höllenstrafen (pœnis inferni), dem tiefen Abgrund (profundo lacu, was in der weitesten noch wörtlichen Bedeutung von profundus einen "bodenlosen See" bezeichnen kann) und vom Rachen des Löwen (ore leonis) laufen mit der Bitte, das Totenreich sauge (oder auch: schlürfe) die Seelen nicht in sich hinein (ne absorbeat eas tartarus), auf einen Höhepunkt zu, der wiederum abklingt im Flehen, die Verstorbenen mögen nicht dem Zwielicht der Schattenwelt anheimfallen (ne cadant in obscurum). Im Gegensatz zum Obskuren steht alsdann das heilige Licht, in das der Erzengel Michael die Seelen aufführen möge (repræsentet eas in lucem sanctam).
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Die aufwühlenden Schreckensbilder wirken kaum noch wie Metaphern für das Fegefeuer, sondern illustrieren die Hölle. Interessant ist in diesem Zusammenhang ein Blick auf das antike römische Gefängniswesen: Man kann sich einen römischen Kerker vermutlich als Anlage mit drei Geschossen vorstellen; die unterste Abteilung, der Unterkerker, bestand aus einem stinkenden, dunklen und unwirtlichen Verließ, in der Regel nur über ein Loch oder eine Falltür in der Decke erreichbar - wer dort hineingeworfen wurde, war unweigerlich dem Tod geweiht. Dieser schier auswegslose Ort hatte diverse Namen und wurde wahlweise barathrum, tullianum oder eben auch infernum oder lacus genannt. Letztere Bezeichnungen begegnen uns wieder im Text des Responsoriums.
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Wir haben also den interessanten Fall, daß die betende Ekklesia mit einem Text, in dem sie um die Erlösung bestimmter Seelen (oder der jeweils einzelnen Seele) betet, die Zurüstung des eucharistischen Mysteriums begleitet, und in eben jenem selben Text auch darum bittet, diese Seele(n) möge(n) vor der Hölle bewahrt bleiben - und dies nach (!) dem Tod, bei dem sich das Schicksal der Seele(n) bereits entschieden hat, die "letzten Dinge" im Kern bereits geregelt sind.
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Womöglich steht dahinter der Glaube, daß dieses heilige Mysterium unserer Zeit enthoben ist, weil es aller Zeit umittelbar ist, und daß Gott ohnehin auch um all jene Gebete bereits weiß, die für einen verstorbenen Menschen von der Ekklesia und ihren Gläubigen noch dargebracht werden - und daß all das wiederum auch eine Rolle spielen könne bei der Rettung einer gefährdeten Seele in hora mortis?
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Es wäre auf jeden Fall ein trostreicher Gedanke. Und der Gesang Domine Jesu Christe wäre, am Rande bemerkt, weit mehr als nur das, was ihm bei der Liturgiereform auch unterstellt wurde: eine Beschwörung diverser Schreckensvisionen, welche einer erneuerten Liturgie, die auf die christliche Hoffnung ihren Schwerpunkt legen möchte, nicht anständen.

Zu Christus

Sankt Andreas - Glasfenster in
St. Johannes Baptist, Forchheim
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Ein Namenstag kann nicht nur an den Namenspatron erinnern, sondern auch an den Tauftag. Denn hierbei spielt der Name, den uns die Eltern bei der Geburt gegeben haben, eine nicht unbedeutenden Rolle; und er wird in einem Atemzug genannt mit dem Namen des dreifaltigen Gottes. Habe ich mir das eigentlich bereits einmal bewußt gemacht ...?
Andreas, ich taufe dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes!
Das Taufmysterium, das ja mehr ist als irgendein Aufnahmeritus in die Kirche, sondern ein Heiliges Pascha, ein Eingehen in der Tod des Kyrios und ein Geborenwerden in dessen Auferstehung, erfüllt an uns und unserem Namen das Wort des Propheten Jesaja, welches der Herr einst Israel zugeschworen hatte:
Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen - du bist mein! (Jes 43, 1).
Die Taufe erwirkt nicht, daß das vorläufige Leben in dieser Zeit zum Zuckerschlecken werde, sondern schenkt ein Leben, auf welches wir uns als unserem eigentlichen Ziel ausrichten, auf das wir nunmehr durch dieses vorläufige Leben zugehen, in das wir bereits jetzt immer tiefer eingehen sollen. An unserer Seite geht der Namenspatron - bei mir der heilige Apostel Andreas. Und so bitte ich, daß er mich und uns alle dahin führe, wohin er einst seinen Bruder Kephas geführt hatte: zu Christus. 
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Durch Ihn ist dem Vater alle Ehre und Verherrlichung im Heiligen Geist. Und uns nimmt er da mit hinein ... seit der Taufe, als in Gottes Namen unser Name gerufen worden ist.

Freitag, 29. November 2013

Novembergedanken

Gegen den Tod ist kein Kraut gewachsen ... Auch nicht gegen den Schmerz des Abschieds von den Unsern. Ist der Sarg aus dem Hause, ist ein Platz am Tische leer, sind Kleider, Bücher, Geräte, die im Leben ein Stück ihrer selbst waren, für immer verlassen und geht unsere Stimme, unser Blick ins Leere, wenn wir sie rufen, sie suchen, dann überfällt uns die Wahrheit: gestorben!
Was man uns zum Troste sagt, ist alles hohl und falsch, das einzige Wirkliche ist der Schmerz, der einzige Helfer ein wahrhaft liebender Mensch, der aus dem Glauben lebt. Er mag schweigen und still für sich sein: genug, daß er da ist und seine wohltätige Kraft aussendet. 
Tage, ja Wochen vergehen, bis wir auf Trostgründe der üblichen Art in den Reden der Menschen uns sammeln können. Sind es Weltlinge, so sind sie bald am Ende mit ihrem Spruch vom unabwendbaren Schicksal oder einem gutgemeinten "Vielleicht, daß es so besser gewesen". Ihnen steht am besten an, wenn sie das natürlich teilnehmende Herz uns fühlen lassen. Sind es aber in Wahrheit religiöse Menschen, so ist ihr Händedruck, ihr Blick, ihr Wort wie Spendung aus einer anderen Welt. Aber ihnen begegnen wir selten; denn auch unter den Frommen sind mehr Berufene als Auserwählte.
So muß das verwundete Herz fast immer in seiner Einsamkeit genesen und den großen Fragen über die letzten Dinge des Menschen aus sich selbst Antwort stehen. Wehe dem, der alsdann zum erstenmal das Haupt in die Hand stützt: Woher? Wohin? Warum das alles und dann der Tod? 
(Joseph Bernhart)
An diesem Vorabend in dankbarem Gedenken an meine verstorbenen Eltern und Großeltern ... und im Vertrauen auf Gottes erbarmende Liebe.

Montag, 25. November 2013

Das Ende (1)

Odo Casel OSB
... Innerhalb der Endzeit steht als die beherrschende Gestalt der Messias, der kommt, um die Welt ihrem Ziele zuzuführen und die Gottesherrschaft aufzurichten. Er ist die persönliche Apokalypse [Offenbarung, pps]; denn in ihm offenbart sich Gott leibhaftig. So ist es denn selbstverständlich, daß das ganze Neue Testament eine Apokalypse ist, nämlich die Apokalypse des Vaters durch den Sohn. Aber auch in dem speziellen Sinne einer Offenbarung der Endzeit ist das Neue Testament apokalyptisch. Sein letztes Buch trägt geradezu den Namen "Apokalypse": "Apokalypse Jesu Christi, die Gott ihm gab, um seinen Knechten zu offenbaren, was in Bälde geschehen soll. Und er sandte seinen Engel und zeigte es durch ihn seinem Knechte Johannes an, der Zeugnis gibt dem Logos Gottes und dem Zeugnis Jesu Christi - allem, was er schaute" (Offb 1, 1 f.).
Wir besitzen also in diesem Buche die Apokalypse Jesu Christi selbst, nicht etwa die des heiligen Johannes. Der Apostel ist nur das Werkzeug dieser Offenbarung, die durch Christus geschieht. Als "der getreue Zeuge, der Erstgeborene der Toten und der Fürst der Könige der Erde" (Offb 1, 5) kann Jesus Christus uns wahrhaft die Gottespläne entschleiern; denn er kann uns mitteilen, was er selbst gesehen hat. Er allein weiß, was der wahre Sinn der Weltgeschichte ist, weil er sie von dort aus betrachtet, wo die irdische Geschichte durch den Tod überwunden ist und das Leben des neuen Aions herrscht.
Was zur Zeit des Propheten Daniel noch fernliegende Zukunft war und deshalb versiegelt worden ist, ist durch die Apokalypse des Vaters in seinem Sohne Jesus Christus Gegenwart geworden. Dort heißt es (12, 4): "Du aber, Daniel, verschließe diese Offenbarungen! Verschließe dieses Buch bis zur Endzeit! Viele werden es durchforschen, und die Erkenntnis wird groß sein". Jetzt ist durch die Erscheinung des Messias, den Daniel voraussagte, das Ende nahe gekommen. Deshalb sagt der Engel in der Apokalypse des Neuen Testamentes dem Seher Johannes: "Diese Wort sind zuverlässig und wahrhaftig, und der Kyrios, der Gott des Pneumas der Propheten, sandte seinen Engel, um seinen Dienern zu zeigen, was in Bälde geschehen soll. Und siehe ich komme bald. Selig, wer die Worte der Prophetie dieses Buches bewahrt ...! Und er spricht zu mir: Versiegle nicht die Wort der Prophetie dieses Buches: die Zeit (der Kairos) ist nahe! Wer Unrecht tut, tue weiter Unrecht, und der Schmutzige beschmutze sich noch weiter, und der Gerechte wirke weiter Gerechtigkeit, und der Heilige heilige sich weiter. Siehe ich komme bald, und mein Lohn ist mit mir, jedem zu geben nach seinen Werken. Ich bin das Alpha und das Omega, der Erste und der Letzte, der Urbeginn und das Ende ... Ich, Jesus, sandte meinen Engel, euch dies zu bezeugen vor den Ekklesien. Ich bin die Wurzel und das Geschlecht Davids, der leuchtende Morgenstern ... Es sagt, der dieses bezeugt: Ja, ich komme bald. Amen, komm, Kyrios Jesus! (Offb 22, 6 ff.).
So ist Jesus Christus in seiner Verklärung und Vollendung der höchste Apokalyptiker, ja die Apokalypse selbst. Aber auch in seinem irdischen Leben hat der Herr uns eine Apokalypse mitgeteilt. Wir lesen sie am letzten Herrentage im Kirchenjahre nach Matthäus ...
Odo Casel OSB: Das Ende. Auszug aus einer Ansprache am letzten Herrentag nach Pfingsten 1939. In: Mysterium des Kommenden. Paderborn o.J. [nach 1952] S. 74 ff.

Wir glauben an Gott - lebenslänglich ... mehr als ... entschieden

Das Freiburger Seelsorgeamt hat sich in letzter Zeit zwar mit der Gunst der Medien und Meinungsmacher, nicht aber mit Ruhm bekleckert. Zum Ausklang des Jahres des Glaubens wurden jedoch einige Hingucker bereitgestellt, die ich für durchaus gelungen halte, um Glaubensthemen in einer Gesellschaft anzureißen, die oft nicht einmal mehr die Sprache des Glaubens versteht. Über einfache Bilder werden diverse Glaubensinhalte leichtfüßig transportiert, teils gewitzt, teils poetisch. Die Motive sind auf der jüngst aufgeschalteten Seite wir-glauben-an-gott.de zu finden. 
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Hinter einige Texte dieser Seite muß jedoch ein Fragezeichen gesetzt werden. "Messopfer" (womit der Opfercharakter der eucharistischen Mysterienfeier gemeint scheint) ist zum Beispiel spätestens seit den Beschlüssen des Konzil von Trient keineswegs nur irgendeiner "der im Laufe der Geschichte unterschiedlichen Namen", welcher eine "wechselnde Interpretation" des Geschehens bezeichne (vgl. hier). Für eine Materialseite, die Katechese und Seelsorge unterstützen möchte, ist mir so eine Formulierung zu unpräzise und mißverständlich, ganz zu schweigen vom Verdacht, daß die Opfertheologie der Eucharistie als zeitlich bedingte Interpretation damit ad acta gelegt werden könnte.
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Nun drei der nicht unsympathisch geratenen Bildmotive - zum Herunterladen hier dargeboten:
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Sonntag, 24. November 2013

Das BamS ... und ein Wort dazu

Selbst auf dem heimischen Friedhof entdeckt man immer wieder Neues im Gewohnten - so gestern einen Grabstein, etwas abseits gelegen ... mit Fenster. Mithin keineswegs von gängiger Gestalt, erhob er sich über einem Grab, dem offenbar schon länger eine pflegende Hand fehlt. Die widersprüchliche Zeichenhaftigkeit fand ich bemerkenswert - einerseits der ausgesucht besondere Stein, andererseits die Vernachlässigung. Welche Geschichte mag dahinter stecken? Mahnt der Stein nur an einen Toten? Oder indirekt an weitere (zwischenzeitlich) Verstorbene, die nicht mehr da sein mögen, das Grab zu pflegen?
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Der zunehmend überwucherte Stein mit dem gläsernen Durchbruch rief mir zudem den Gedanken wieder in Erinnerung, daß wir als Christen berufen sind, Gott in uns durchscheinen zu lassen. Diese Transparenz gibt uns Anteil an der Heiligkeit Gottes, die ihren Weg durch uns in die Schöpfung nehmen möchte. Am Allerheiligentag hatte ich dazu aus einem früheren Buch unseres geliebten Papstes Benedikt XVI. zitiert: 
In der Welt der Heiligen, der wir im Kirchenjahre begegnen, wird gleichsam das einfache, unanschaubare Licht Gottes zerlegt in das Prisma unserer menschlichen Geschichte hinein (vgl. hier).
Verlieren wir diese Berufung aus dem Auge, so scheinen wir vielleicht wie dieser Stein: Das Fenster, durch das Gottes Licht in die Welt fallen möchte, wird immer mehr überwuchert von anderen Dingen, die uns wichtiger scheinen, angenehmer, weniger anstrengend, nützlicher, notwendiger, sinnvoller und so fort. Kein Regen, kein Tau erreicht mehr das Glas, es trübt ein, wird stumpf und verschmutzt. Zuletzt läßt es, ob verwachsen oder nicht, kaum mehr einen Lichtstrahl durch. 
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Im Gericht, an das dieser letzte Sonntag des Kirchenjahres besonders erinnert, werden all die Überwucherungen unseres gnadenhaften Lebens weggeschnitten. Wie sieht es darunter aus? Bitten wir Gott, daß das getrübte Glas dann doch zu etwas mehr tauge, als daß man es nur noch zerbreche und zerstöre, und daß Sein Licht dann neu durch uns strahlen kann und wir Anteil finden "am Erbe der Heiligen im Licht" (Kol 1, 12).
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Samstag, 23. November 2013

Ein Lieblingslied aus dem Gotteslob

Welches Lied singen wir am liebsten, sobald wir zum vertrauten und bald scheidenden Gotteslob greifen - dies möchte Andrea (hier) gerne wissen. Eine Weile habe ich hin und her überlegt - keineswegs einfach, will man sich wirklich auf ein Lied festlegen. Und auch jetzt kann ich mich nicht entscheiden ... vielleicht Die Nacht ist vorgedrungen (GL 111), Jochen Kleppers adventliches Trostlied, in ungetrösteter Zeit gedichtet und wie gemacht für Zeiten, die so trostlos sind wie die unsere? Oder Nun bitten wir den Heiligen Geist (GL 248), gerade der Thurmaier'schen Strophen wegen, welche eine "unerschaffne Glut" anrufen, die in uns beten möge, "wo wir stumm bleiben"? Dann Kommt herbei, singt dem Herrn (GL 270) - erinnert mich an meine Erstkommunion, unter diesen Klängen sind wir in die Kirche eingezogen ... very processional!
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Ich könnte jetzt noch weitere Nummern erwähnen und anreißen, beschränke mich aber vorerst auf die Bemerkungen, daß etwa das blogozesan beliebte Ich will dich lieben, meine Stärke (GL 558) trotz seiner geradezu "bekennenden" Augustinus -Reminiszenzen nicht zu meinen Lieblingsliedern zählt (zu sehr sitzt mir der zerdehnte Gesang dieses Liedes in den Knochen, unter dem ich jahrelang allzu oft schier gelitten habe) und daß unter meinen Lieblingsliedern - für einen traditionsfrohen Alte-Messe-Molch mag das eher ungewöhnlich sein - auch zwei Texte von Huub Oosterhuis ihren Platz gefunden haben.
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Ich habe mich für das folgende Lied entschieden - es steht im hiesigen Anhang, ist aber auch in anderen Diözesen heimisch: Ein Danklied sei dem Herrn für alle seine Gnade (GL Freiburg 832). Die Melodie ist von sanfter Spannung, da sie im Mittelteil in eine andere Tonart moduliert, um sogleich leicht rabiat in den Grundton zurück gezwungen zu werden; komponiert hat sie Joseph Venantius von Wöß, der auch die Noten zu Gelobt seist du, Herr Jesus Christ (GL 560, auch so ein "Lieblingslied") zu Papier brachte; gemeinsam ist beiden Liedern auch der Dichter: Guido Maria Dreves, Jesuit und bedeutender Hymnologe seiner Zeit. 
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Warum dieses Lied? Es mag pathetisch klingen, bringt die Sache aber halbwegs auf den Punkt: Nach vierzig Lebensjahrzehnten hat das Leben bereits genug Freude bereitet und genug Beklemmung ausgelöst, hat sich genug Hoffnung breit gemacht, aber auch schnürende Angst eingefressen, hat man Gutes getan oder Gutes unterlassen und Böses getan oder Scheiße gebaut und mit Gottes Hilfe selbst aus der Scheiße doch noch etwas Gutes gewonnen, daß diese Verse von Dankbarkeit und Gottvertrauen mit ihren mannigfachen Reminiszenzen an Worte der Heiligen Schrift, die uns ohnehin unmittelbar berühren können, ans Herz fassen.
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Was immer geschieht - wir dürfen alle Zeit zu Ihm kommen, mit unserem Glück, mit unserem Elend ... wenn wir uns begünstigt wissen oder zurückgesetzt sehen ... wenn all unsere Pläne und Träume zerbersten und sich der Horizont verfinstert ... wenn unser Glaube schwach war und hohl und schwach ist ... wenn wir in der Versuchung fallen, vielleicht kaum gekämpft haben ... jedes Alleluia und jedes Miserere können wir vor Ihn bringen, unseren Vater im Himmel: Und sei gewiß, er meint es gut ...
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Ein Danklied sei dem Herrn für alle seine Gnade;
er waltet nah und fern, kennt alle unsre Pfade.
Ganz ohne Maß
ist seine Huld
und allbarmherzige Geduld.
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O sei zu seinem Lob nicht träge, meine Seele,
und wie er dich erhob, zu seinem Lob erzähle;
drum sei am Tage
wie zur Nacht
sein Name von dir groß gemacht!
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Er ist's, auf dessen Ruf wir in dies Leben kamen,
und was er rief und schuf, er kennt und nennt mit Namen.
Auf unserm Haupt
ein jedes Haar,
er hat's gezählt, er nimmt sein wahr.
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Er ist es, der uns trägt in Händen und erwählet,
der seine Huld nicht wägt, noch seine Gnade zählet,
der um uns her
die Flügel schlägt
und uns darunter birgt und hegt.
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Der seinen Sohn uns gab, da wir noch Sünder waren,
der läßt von uns nicht ab in Nöten und Gefahren,
schirmt uns vom Kreuz
mit starker Hand
an Seel und Leib, zur See und Land.
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Drum wirf die Sorge weg, laß allen Kummer fahren,
wie enge gleich der Steg, wie viel des Feindes Scharen:
Dein Name steht
in Gottes Hand;
Gott liest und schaut ihn unverwandt.
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Gib dich in seine Hand mit innigem Vertrauen;
sollst statt auf eitel Sand auf echten Felsen bauen,
dich geben ganz
in Gottes Hut,
und sei gewiß, er meint es gut.
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Frommer Eifer? Ein wenig Nestbeschmutzung.

Der vor rund einem Jahrzehnt verstorbene Mitbegründer der Humanistischen Union und Philosoph Gerhard Szczesny war gewiß nicht der größte Freund der Religion, insbesondere der christlichen. 
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Ein Buch aus Szczesnys Feder gelangte mir jüngst in die Finger. Zuvor war es offenkundig in die Hände eines Lesers gefallen, den man gewiß nicht den größten Freund einer atheistischen Weltanschauung nennen will, insbesondere jener Szczesnys ...
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"Der Kerl ist humorlos und amusisch" klärte mich die gegenüber liegende Seite vorsichtshalber auch noch auf. Nun muß ich leider sagen: Wer ein Buch (Inhalt hin oder her) derart "brandmarkt", hat entweder sehr viel Humor oder überhaupt keinen.
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Das erinnert mich wiederum ein wenig an katholische Blogs, die sich - wenngleich eine Minderheit - aktuell vornehmlich bis ausschließlich darauf verlegt zu haben scheinen, unsere Tage zu bekeifen ... ob zu Recht oder nicht, sei offen gelassen ... garstige Töne ohn' Unterlass schreien jedoch zum Himmel.

Freitag, 22. November 2013

Von Cäcilia, der Sache des Liebenden und den Orgeln in den Bäumen

Die hl. Cäcilia - Glasfenster in der ehemaligen
Abteikirche St. Maria zu Gengenbach
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Daß die heilige Cäcilia jemals an einer Orgel gespielt haben könnte, darf als ziemlich ausgeschlossen gelten. Zwar gab es zu Lebzeiten der Heiligen tatsächlich auch Orgeln; diese aber beheulten vor allem Zirkusspiele und Gladiatorenkämpfe - und ein halber Gladiator mußte der Organist mutmaßlich sein, um dem eher störrischen Instrument Töne zu entlocken (noch im Mittelalter wurden die - reichlich breiten - "Tasten" nicht mit dem Finger gedrückt, sondern es wurde mit der Faust drauf gehauen, woher die gängige Rede vom "Orgel schlagen" rührt).
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Es war jener berüchtigte Übersetzungsfehler einer Antiphon aus dem Stundengebet, der die heilige Cäcilia an eine Orgel setzte: Cantantibus organis Cæcilia Domino decantabat: Was eben nicht heißt, daß Cäcilia dem Herrn gesungen hätte, während sie Orgel spielte, sondern daß sie sozusagen gegen das zeitgleiche "Singen" von Instrumenten (Cantantibus organis) dem Herrn mit besonderer Inbrunst gesungen (de-cantabat!) habe. Gemeint sind übrigens jene Instrumente, die bei ihrer nicht gerade freiwilligen Vermählung aufspielten; eine Zirkusorgel dürfte kaum dabei gewesen sein.
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Womöglich hätte die Orgel in der abendländischen Kirche ohnehin niemals reüssiert, wäre dem nicht eine weitere Übersetzungsfinte zu Hilfe gekommen. Hierbei handelt es sich um den zweiten Vers des 136. Psalms (ich sage nur By the rivers of Babylon von Boney M) ... In salicibus in medio eius / suspendimus organa nostra: "An den Weiden in seiner Mitte / hängten wir unsere Instrumente auf" läßt der Psalmist das im babylonischen Bann trauernde Volk Israel seufzen. Was wurde später draus? "An den Weiden in seiner Mitte / hängten wir unsere Orgeln auf" - mir kam dazu auch einmal eine mittelalterliche Illustration unter die Augen, bei der dann kleine Orgeln in den Bäumen hingen. 
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Also alles Schmus mit Cäcilia und der Orgel und der Musik überhaupt? Zur Orgel mag Cäcilia gewiß so schräg wie die sprichwörtliche Jungfrau zum Kind gekommen sein, aber letzteres muß man deswegen eben auch nicht mit dem Bad ausschütten. Vergessen wir nicht: Die betende Ekklesia stellt uns die Heilige als Sängerin vor Augen, wenngleich auch nur mit einem Gesang des Herzens: Cæcilia Domino decantabat ...! Mir fällt dabei das berühmte Zitat des hl. Augustinus ein, "Singen" sei "eine Sache des Liebenden". Die Liebe nun können wir der Jungfrau und Martyrin Cäcilia gewiß nicht ... und den Gesang wollen wir ihr nicht bestreiten. Daß aber auch wir in diesem Geist singen mögen, dazu helfe uns die heilige Cäcilia mit ihrer Fürsprache: ora pro nobis!
"Singt dem Herrn ein neues Lied! Singt dem Herrn, alle Länder!" (Ps 95,1). Was der Psalm "neues Lied" heißt, nennt der Herr "ein neues Gebot" (Joh 13,34). Was bedeutet "neues Lied", wenn nicht "neue Liebe"? Singen ist Sache des Liebenden. Die Stimme des Psalmsängers ist die Glut heiliger Liebe (St. Augustinus, Predigt 336, 1).

Donnerstag, 21. November 2013

¶ Sententiæ XLIII

Der Witz ist von seiner Anlage anarchisch. Wer ihn in das Gatter der politischen Kleinkunst sperrt, endet auf der Ebene von Veranstaltungen wie dem "Satire-Gipfel" oder der ZDF-Schunkelsendung "Neues aus der Anstalt". Mit der Mehrheit gegen die Minderheit zu lachen, zeugt nicht nur von schlechtem Geschmack, es ist auch ein Zeichen zweifelhafter Gesinnung.
Jan Fleischhauer in seiner Kolumne auf Spiegel online (hier).

Dienstag, 19. November 2013

Nur eine Charity-Lady?

Die hl. Elisabeth speist die Hungernden - Glasfenster in der
Pfarrkirche St. Stephan, Oberwinden im Elztal
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Viele Wundergeschichten und Legenden ranken sich um das Leben der hl. Elisabeth von Thüringen. Was daran Hand und Fuß hat oder wo ein innerer Kern das Wesen dieser Heiligen treffend beschreibt, mag man heute kaum ent- oder unterscheiden, es sei denn, man schlösse die Möglichkeit, daß Gott in seinen Heiligen und durch seine Heiligen Wunder tut, von vornherein aus. Zeugnisse aus jüngerer Zeit legen freilich nahe, daß ein solches Ausschließen eher von Unvernunft als von Vernunft zeugt.
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Wunder braucht es jedoch nicht wirklich, um Elisabeth als Vorbild im Glauben zu ehren. Die Radikalität, mit der sie sich als hochgestellte Persönlichkeit den Armen und Leidenden zugewendet hatte, ist allemal bemerkenswert. Unsere frommen Bilder, die stets etwas den Eindruck vermitteln, Elisabeth sei eine Art mittelalterlicher Charity-Lady gewesen, die ihre High-Society-Existenz mit Armenpflege aufgepimpt habe, diese Bilder also (wie auch jenes oben) lassen vielleicht zu wenig von dieser Radikalität ahnen. Womöglich sollte man ein wenig Verständnis für ihren Schwager Heinrich hegen, der sie nach dem Tod des Gatten von der Wartburg und damit aus einem abgesicherten Leben schmiss, ehe sie womöglich zu viel Hab und Gut unters Volk brachte ...
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Diese Radikalität ist gewiß eine heraus gerufener Seelen und damit nicht jedermanns Sache. Elisabeth wird sich dem hl. Franziskus, dessen Armutsideal sie faszinierte und animierte, sehr verbunden gefühlt haben. Wir können uns - wie immer - zumindest eine Scheibe davon abschneiden. Eines aber können wir uns gewiß zu eigen machen: Das Vertrauen auf Gott nicht zu verlieren, auch wenn das Leben aus der Bahn geschmissen wird und alles, worauf wir gebaut hatten, in die Brüche geht. Auch das kann sehr schwer sein ... mit ihrer Fürsprache helfe uns dann Sankt Elisabeth: ora pro nobis!

Sonntag, 17. November 2013

... unsere Waffe ist das Gebet!

Brüder, ich habe festgestellt, daß es das Gebet ist, was mich im Alltag trägt. Ich sage das nicht nur als leere Phrase, sondern als erlebte Erfahrung.
Der Feind versucht uns nieder zu zwingen und uns zu verschlingen. Es ist wahr, was Petrus in seinem ersten Brief schreibt: "Seid nüchtern und wachsam! Euer Widersacher, der Teufel, geht wie ein brüllender Löwe umher und sucht, wen er verschlingen kann". Er ruht nicht, er schläft nicht. Könnte ich nicht wenigstens 'eine Stunde' schlafen, ausruhen oder aufhören zu wachen?
Was für mich der größte Anreiz war, treu im Gebet zu bleiben, ist das Wissen, daß der Feind Gottes nicht ausruht. Wir sind jung, stark und kräftig, bereit für ein Ideal zu kämpfen. Ideal! Das bewegte hauptsächlich Tausende von Jugendlichen in der ganzen Welt in den 1980er Jahren. Sie kämpften, formierten sich, stellten sich dem Feind gegenüber und starben sogar für dieses Ideal (die Befreiung von politischen Diktaturen). Wer erinnert sich nicht an den jungen Studenten, der sich auf dem Platz des Himmlischen Friedens in China vor einen Kriegspanzer warf?
Die Musik dieser Zeit enthielt eine Botschaft, eine Information und eine Form. Und heute, welche Botschaften und Formen haben wir? Ich kann bestätigen, ohne Angst zu haben, dass es "Deformationen" sind. Die Musik und die Medien (die meisten) haben den Jugendlichen ihre Ideale geraubt, sie haben die Jugend deformiert, infolge dessen auch die Familie und die gesamte Menschheit.
Wir sind wie betäubt. Das reicht! Das ist nicht nur eine menschliche Sache, sondern auch eine des Feindes. Erinnert ihr euch? "Euer Widersacher, der Teufel, geht wie ein brüllender Löwe umher und sucht, wen er verschlingen kann".
Lasst uns eine neue Geschichte schreiben! Doch wir wissen, dass wir, um die Welt oder unseren „Quadratmeter“ zu ändern, neue Geschöpfe im Namen Jesu und durch die Kraft des Heiligen Geistes werden müssen. Die Gnade ist in Überfluss ausgegossen worden. Empfange sie!
Unser Ideal ist viel größer als das von früher. Zuvor kämpften wir für politische Freiheit, heute sollten wir dafür kämpfen, die Freiheit von der Sünde beizubehalten, die uns durch Jesus garantiert ist. Wir können unsere Seele nicht dem Feind ausliefern, sondern müssen unser Ideal loslösen, Kräfte (Christen) vereinen und die "Dinge des Höchsten" suchen.
Lasst uns in den Kampf ziehen ohne Angst zu haben, denn unser General garantiert uns, bereits in seinem Namen siegreich zu sein! Er gibt uns die Kraft, die Weisheit, den Mut und die Gnade, aber er erwartet von uns das Bestreben, unseren Teil daran zu leisten. Er ist Jesus - der Siegreiche aus den Kämpfen - "Habt Mut, ich habe die Welt besiegt", sagt er uns, aber er spricht uns auch zu: "Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende!"
So bestätigt auch der heilige Paulus: Wir müssen nicht gegen die Menschen aus Fleisch kämpfen, sondern gegen die Fürsten und Mächte!“ Also, unsere Waffe ist das Gebet! Nimm deine 'Waffe' in die Hand, denn sie vereint uns!
Impuls zur Vorbereitung auf den Weltjugendtag Rio2013 von Emanuel Stênio von der Kommunität Canção Nova (Neues Lied) auf der Seite des Weltjugendtages (hier).

Das BamS!

Zum heutigen Gedenktag der gefallenen Soldaten und Kriegsopfer - eine Tafel vom Kriegerdenkmal auf dem Friedhof von Freiburg-Haslach.
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Samstag, 16. November 2013

¶ Sententiæ XLII

Denn man berichtet überall von uns, wie wir bei euch Aufnahme fanden und wie ihr euch von den Götzen zu Gott bekehrt habt, um dem lebendigen und wahren Gott zu dienen und vom Himmel herab seinen Sohn zu erwarten, den er von den Toten auferweckt hat, Jesus, der uns errettet vom kommenden Zorn.
1 Thes 1, 9 f. - Schlußwort der Lesung am morgigen sechsten nachgefeierten Herrentag nach Epiphanie.

Freitag, 15. November 2013

Der bemühte Heilige

Einem großen Heiligen kann auch die Poesie eines Arbeitszeugnisses nichts anhaben. Also helfe uns der heilige Albert der Große mit seiner Fürsprache, stets die richtigen und unverfänglichen Worte vor unseren Nächsten zu finden, damit es von uns später nicht zu Recht heiße, wir wären nur "eifrig darum bemüht" gewesen ... ;-)
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Der hl. Albert der Große - Pfarrkirche St. Albert,
Freiburg im Breisgau

Mittwoch, 13. November 2013

Von neuen Wegen und ausgetrampelten Pfaden

Derweil sich unser erzbischöflich-apostolischster Diözesanadministrator in Exerzitien befindet, antwortet Robert Eberle, Pressesprecher des Erzbistums Freiburg, auf den Brief der Glaubenskongregation samt deren Aufforderung, die Orientierungshilfe für "geschieden Wiederverheiratete" zurückzuziehen:
Im Erzbistum Freiburg vertrauen Menschen auf Papst Franziskus, der dazu ermutigt, neue Wege zu gehen. 
Also wieder ein Wort zum Fremdschämen (Quelle: hier). An die Wege des Zeitgeistes und des geringsten Widerstandes innerhalb dieses Aions dürfte Papst Franziskus ohnehin kaum denken, denn die mögen alles mögliche sein, aber sicher nicht "neu" (sofern der Papst überhaupt zu dieses nebulösen "neuen" Wegen ermutigen sollte).
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Das Umwidmen ausgetrampelter Pfade zu "neuen Wegen" ist ohnehin suspekt. Wenn sich subalterne Diözesan-Pressesprecher oder Referatsleiter von Seelsorgeämtern solcher Rhethorik bedienen, haben sie allzu oft etwas zu verbergen und objektiv nichts Gutes im Sinn.

Montag, 11. November 2013

Die Versuchung der Kirche

Am Samstagabend sendete DRadio Kultur eine Aufzeichnung der Oper Der Sturz des Antichrist von Viktor Ullmann. Den anthroposophischen Hintergrund dieses 1935 komponierten und erst 1995 uraufgeführten Werkes mag man hintan stellen. Einem Aspekt kann sich der Katholik freilich schwer entziehen:
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Im Zentrum stehen drei Menschen, die durch einen machtgierigen Potentaten versucht werden: Techniker, Priester und Dichter. Der Priester soll ein neues Sakrament stiften und aus Steinen Brot werden lassen, um den leiblichen Hunger der Welt zu stillen. Er läßt sich verführen, scheitert an dieser Aufgabe und wird durch den Potentaten gerichtet. Die eigentliche Tragik liegt aber darin, daß er durch die Verführung letztlich an seiner Berufung gescheitert ist.
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Aus Steinen Brot schaffen: Wir sollten nie vergessen, daß dies nicht Wesen und Ziel der christlichen Boschaft ist, sondern deren Gefährdung. Die Wüste um uns wächst; der Versucher ist stets zur Stelle.

Sonntag, 10. November 2013

Samstag, 9. November 2013

Der Gerichtstag der Gnade

Zuletzt fehlte mir ein wenig Raum und Muse für diese Seite. Beides wird sich nach dieser Woche hoffentlich wieder einstellen ... dieser Tage nun stieß ich auf einen weiteren Text von Reinhold Schneider, zuhause in dieser Zeit, ein Auszug aus einem Brief an einen verschollenen Freund, ein Jahr nach Kriegsende, von 1946:
Aber die Toten sind eins, wenn auch die Ewigkeit unzählige Tore hat ... Wir wollen aller gedenken an diesem Tage, der Freunde wie der Gegner, derer, die mit uns im Glauben verbunden sind, und derer, die unseren Glauben nicht teilten, und selbst derer noch, die von der Fron, die sie leisteten, erst frei wurden durch das Schwert des Gerichts. Wo wäre auch eine Schuld auf Erden, an der wir nicht teilhätten? Allerseelentag ist der Tag aller ganz durchlittenen Menschennot und Schuld; der Tag, an dem alle Wege enden in einer Verheißung, an dem alles Leid sich doch noch zum Wert erheben kann, der Tag, an dem keine Reue zu spät gekommen; der Tag, da eine jene Seele ihren Anspruch meldet auf unser Gebet; der Tag, der alle vereinen will, um alle zu retten ... Allerseelentag ist Gerichtstag und Gnadentag, der Gerichtstag der Gnade.

Dienstag, 5. November 2013

Sonntag, 3. November 2013

Neues von Gott. Oder: Perì tou hydríppou

Aus einem sehr ehrwürdigen Buch von durchaus nicht geringem Einfluß auf die Glaubenswelt unserer Altvorderen ... 
Auch du nun, verständiger Mensch, lasse dein Schifflein fahren gen Osten, das heißt: zur Gemeinde, und verehre das Walroß, nämlich Gott den Herren ...
Das ist natürlich ein wenig tendenziös verkürzt zitiert, zumal man mit Fug und Recht die Übersetzung von Hydríppos mit "Walroß" anfechten mag. Aber alternative Vorschläge wie "Wasserpferd" machen die Sache nicht unbedingt besser ... ;-)

Das BamS!

Es ist schön, in diesen Tagen nach der Dämmerung über den Friedhof zu gehen und die vielen Lichter auf den Gräbern zu sehen. Das Bild habe ich am Allerheiligentag auf dem Friedhof von Freiburg-Haslach am Gedächtnismal für die Kriegsopfer gemacht ...
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Ihr sollte nicht trauern
wie die anderen, die keine Hoffnung haben!
(1 Thess. 4, 13).
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Samstag, 2. November 2013

Die unbestandne Not

Ein Sonett von Reinhold Schneider suchte ich für diesen Eintrag, da mir war, als hätte ich früher bereits eines zum Allerseelentag von diesem Dichter gelesen. Doch fand ich es nicht in meiner Ausgabe. Ein anderes kam mir unter die Augen, beherrscht vom De profundis-Motiv, "Allerseelen" könnte man es ebenfalls nennen. Wir mögen die Toten darin erkennen, die wir in ihrer letzten Läuterung im Gebet begleiten. Aber auch uns werden diese Zeilen betreffen, uns, gebeugt in Unzulänglichkeit, aufgerichtet in Hoffnung ...
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Doch auf dem tiefsten Grunde meiner Tage
Seh' ich mein Bild und seh' es klarer werden:
Mein ruhlos Sein, das war die Not auf Erden
Und meine dunkle Ahnung, die ich trage.
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O Bild, das ich mit heißem Schmerz befrage,
Du trägst die Spur unendlicher Beschwerden,
Erhellt von Krieges hochentflammten Herden,
Vom Blitz des Schwertes und vom Blitz der Waage.
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Denn meiner Seele unbestandne Not
War tief verborgen in verworfner Zeit,
Und all ihr Leid, ich mußte ihm begegnen.
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Groß war der Tag und heilig sein Gebot,
Und mit der Gnade der Wahrhaftigkeit
Wird Gott des Tages letzte Streiter segnen.
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Reinhold Schneider: Die Sonette von Leben und Zeit, dem Glauben und der Geschichte. Köln und Olten 1954. S. 66.

Freitag, 1. November 2013

Der eine Heilige und die vielen Heiligen

Der endlose Chor der Engel und Heiligen - Deckenbild in
der Pfarrkirche St. Blasius, Freiburg-Zähringen
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Eine sehr schöne Beschreibung, was Heilige eigentlich sind und was ihr Wesen letztlich ausmacht, findet man in einer Predigt, die unser Papa emeritus Benedikt XVI. in den 1960er-Jahren auf das Fest des hl. Augustinus gehalten hat:
In der Welt der Heiligen, der wir im Kirchenjahre begegnen, wird gleichsam das einfache, unanschaubare Licht Gottes zerlegt in das Prisma unserer menschlichen Geschichte hinein, so daß wir der ewigen Herrlichkeit und dem Lichte Gottes mitten in unserer menschlichen Welt, in unserem menschlichen Brüdern und Schwestern begegnen können (In: Dogma und Verkündigung. München und Freiburg 1973. S. 421).
Wir sind also nicht heilig, weil wir es aus uns selbst sein könnten, sondern weil wir uns dem Licht Gottes öffnen und es alsdann reflektieren. Eingegossen wird es, so die Lehre der Kirche, durch die heiligmachende Gnade. Je mehr wir ihr Raum geben und unsere Existenz nicht durch die Sünde verschatten, desto mehr haben wir Anteil an dem, der allein der Heilige ist - desto mehr haben wir Anteil an der Heiligkeit Gottes. 
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Dies also macht das Wesen der Heiligen aus - vor allem jener Heiligen, die bereits jetzt zur triumphierenden Ekklesia zählen und die, diesem Aion entrückt, ganz Gott leben. Auf deren Unmittelbarkeit zu Gott gründen wir unser Vertrauen in die Hilfe, die sie uns von Gott mit ihrer Fürsprache erflehen mögen: Omnes Sancti et Sanctæ Dei - intercedite pro nobis!