Mittwoch, 30. Oktober 2013

Selbstbestimmung. Oder: Der Finger am Abzug des Gewehrs

Ich finde, 
dass Frauen selbst über 
ihren Körper 
entscheiden 
können sollten 
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– mit allen Konsequenzen ...
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... also sprach die Journalistin Lara Katharina Fritzsche und spendet die mit dem Medienpreis der Deutschen Bischofskonferenz im Bereich Printmedien überreichten 5.000 Euro dem Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung. Der Satz läßt kaum Zweifel zu, daß sich die Preisträgerin klar auf der Seite derer verortet, die für ein "Recht" auf Abtreibung streiten - mit allen Konsequenzen. Zu denen, nur am Rande, auch eine durch dieses Bündnis geförderte Streitkultur zählt, deren schamlos zelebrierte Primitivität schwer zu unterbieten sein dürfte. 
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Dies aber muß eine Frau, deren Spezialität (man google ein wenig herum) "betroffene" und teils rührselige Geschichtchen sind, nicht bekümmern. Das Leiden der Anderen läßt die Profitquelle der Medien stets verläßlich sprudeln. Mit dem Leiden der Anderen läßt sich die Auflage steigern, mit dem Leiden der Anderen lassen sich alsdann Anzeigen besser verkaufen und aus dem Leiden der Anderen kann das Medienvolk jenen Honig saugen, der - kalt gerührt und klug berechnet - unter der Hand zu bittersüßer Druckerschwärze gerinnt, die im Bestfall sogar einen Preis einbringt. Vielleicht war dem auch so im Fall von Lara Katharina Fritzsche, deren Beitrag Das Leben nach dem Tod in Utøya im Zeit-Magazin besagten Medienpreis eingetragen hat. Vielleicht auch nicht.
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Ach ja ... das Leben nach dem Tod in Utøya! Da hat auch einer über seinen Körper entschieden, genauer: über minimale Fingerbewegungen am Abzug seines Gewehrs. Mit allen Konsequenzen kostete dies 67 ausgewachsene Kinder das noch junge Leben. Lara Katharina Fritzsche hat aus den Wunden und Narben der Hinterbliebenen eine Geschichte gemacht, Geld damit verdient und einen Preis gewonnen.
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Wer dann das Preisgeld an Organisationen spendet, die dafür eintreten, daß Frauen selbst über ihren Körper entscheiden und mit allen Konsequenzen das noch junge Leben von heranwachsenden Kindern bereits im Mutterschoß töten können, ist in meinen Augen verlogen und ehrlos. Was sollen uns die publizistisch so wirksamen dahingedruckten Tränen über den Tod in Utøya, wenn man im gleichen Atemzug die dort ermordeten Jugendlichen schon vor der Geburt prinzipiell "zum Abschuß" freigegeben sehen möchte?

Diese Ehrlosigkeit, diese Verlogenheit übertrifft überdies jene, einen Preis entgegen zu nehmen und sich von einer Institution feiern zu lassen, deren zentrale Anliegen man nicht nur nicht teilt, sondern obendrein bekämpft.
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Dennoch: Ich bin Lara Katharina Fritzsche in gewisser Weise sehr dankbar, daß sie diesen Preis angenommen und vorgeführt hat. Vielleicht lernen unsere Bischöfe irgendwann einmal daraus, statt per sæcula sæculorum in der Schleimspur vor den Medien zu kriechen.

Montag, 28. Oktober 2013

Christi Herrschaft - mehr als nur Eschatologie

Das Christkönigsfest wurde im Zuge der Liturgiereform nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil auf den letzten Sonntag des Kirchenjahres verschoben - dabei hatte man den ursprünglichen Festgedanken beschnitten und ihn auf seine eschatologische Komponente reduziert: Christus ist König als der kommende Kyrios. Sämtliche Motive, die an das soziale Königtum Christi gemahnen, wurden strikt eliminiert, entsprechende Strophen etwa im Vesperhymnus Te sæculorum Principem eliminiert. Seither ist in diesem Text zum Beispiel keine Rede mehr von der "ruchlosen Masse", welche sich dem Königtum Christi verweigert ("Wir wollen nicht, daß dieser herrscht"), und auch nicht davon, daß alles, bis hin zu Wissenschaft und Kunst, unmittelbar oder mittelbar in Christi Dienst stehe.
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Man mag die entsprechenden Formulierungen als überholt oder übertrieben betrachten. Aber beschreibt ein Satz vom Schlage "Wir wollen nicht, daß dieser herrscht" nicht Phänomene, die, zumindest in der westlichen Hemisphäre, mehr und mehr zum "guten Ton" gehören? Denken wir an die aktuelle französische Kirchenpolitik, die anstelle des Christentums einen radikalen Laizismus propagiert! Denken wir an die Medienkampagnen hierzulande, die zwischenzeitlich jedes Augenmaß vermissen lassen und quasi jährlich hochgekocht werden! Denken wir an den Hass in den Kommentarspalten, der sich allzu gerne und allzu oft von Ahnungslosigkeit befruchten lässt und weitere Ahnungslose infiziert!
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Freilich ... wo sich die Kirche nur als NGO auf sozialem beziehungsweise caritativem Terrain betätigt, da "darf" sie im Rahmen einer pluralistischen Gesellschaft dann auch ein bisschen Sinn "stiften" (wenn's sein muß und solange sich das in Grenzen hält). Wo sie aber ihrem eigentlichen Auftrag nachkommt, das Reich Gottes in der Welt heraufzuführen, dort brandet ihr zunehmend Ablehnung entgegen. Und doch ist genau das die Sendung der Kirche: Das Evangelium zu verkünden und so am Reich Christi zu bauen. Alles andere drumherum (Suppenküchen, Kleiderkammern, Kindergärten, Krankenhäuser und so weiter) ist nur die Folge - im Sinne konsequenten Handels - dieses Auftrages, aber nicht die Sendung selbst.
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Mit dem Verzicht auf die Proklamation des sozialen Königtums Christi gibt die Kirche unnötig ein zentrales Leitbild preis, dessen wir in den Wirren dieser Zeit und unter der Knute der Diktatur des Relativismus dringend bedürften.

Sonntag, 27. Oktober 2013

Das Königreich für Gott

Christus der Allherrscher - Erzbischöfliches Ordinariat Freiburg
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Wann wird in der außerordentlichen Form des Römischen Ritus das Hochfest Christkönig gefeiert? Am letzten Sonntag im Oktober (mithin heute), so lautet die gängige Antwort - freilich nur die halbe Wahrheit. In der Enzyklika Quas primas, mit welcher Pius XI. 1925 das Fest in das Kirchenjahr einführte, wird der Termin etwas genauer umrissen:
Es soll jedes Jahr am letzten Sonntag im Oktober, also an dem Sonntag, der dem Fest Allerheiligen unmittelbar vorausgeht, auf der ganzen Erde begangen werden.
Der Bezug zum Allerheiligenfest rührt nicht von ungefähr. Die Texte der Messe und des Stundengebetes reden nicht nur von Christus als dem König, sondern auch von seinem Reich, das unter anderem als das Reich jener bestimmt wird, die den Heiligen zuzuzählen sind - und hierzu zählt jeder Christ im Stand der heiligmachenden Gnade.
Ihr mögt mit Freude dem Vater Dank sagen, der uns befähigt hat, am Erbe der Heiligen im Lichte teilzunehmen! (Kol 1, 12 - in der Lesung der Festmesse).
Er machte uns zu einem Königreich für Gott, seinen Vater, der Erstgeborene von den Toten, der Herrscher über die Könige der Erde. Alleluja! (Antiphon zum Benedictus in den Laudes).

Das BamS!

... dem Wasser des Jakobsbrunnens gleich ...


Samstag, 26. Oktober 2013

Wir kleinen Leute ...

Es gibt Einlassungen, die zu kostbar sind, als daß man sie nur unter ferner liefen in einer Kommentarspalte besehen und belassen möchte. Ich erlaube mir daher, auf Nepomuks Seite (hier) ein Wort von Hans Urs von Balthasar zu stibitzen, welches Jürgen (hier) angelegentlich dort beigesteuert hatte ... 
... Wenn ein Geschlecht keine echten religiösen Bilder für die Kirche zu schaffen vermag, soll es nicht sagen, leere Wände konzentrieren den Geist wirksamer auf das Wesentliche. Wenn wir kleine Leute geworden sind, sollten wir das Mysterium, das wir feiern, nicht auf unser Format zu reduzieren suchen. Und wenn wir weithin würdelos geworden sind, sollten wir durch unser Glaubensbekenntnis immerhin soviel Sinn für die Majestät Gottes behalten haben, daß wir dort, wo wir ihr begegnen, den Abstand noch fühlen - größere Zeitalter mögen ihn stärker gefühlt haben - und uns Gott gegenüber echt benehmen ... (aus: Die Würde der Liturgie).

Donnerstag, 24. Oktober 2013

Lieber keine Messe als so eine?

Jede Seelsorgeeinheit hat bis 2020 einen oder mehrere „außergewöhnliche“ Ort/e oder Format/e für alle Interessierten, die zu „erhebenden“ (Glaubens)-Erfahrungen führt/führen.
So lautet ein Entschluß der Freiburger Diözesanversammlung unter dem Themenlabel Intensive Zeiten - Profilierte Orte vom April (hier). 
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Nun wird für die Feier der Heiligen Messe in der außerordentlichen Form des römischen Ritus in Freiburg (hier) seit geraumer Zeit eine andere Kirche gesucht; zwei ohnehin wenig genutzte Filialkirchen in zwei Seelsorgeeinheiten wurden hierzu in Betracht gezogen. Wie mir - zugegeben gerüchtehalber - zu Ohren kam, verweigert in der einen Seelsorgeeinheit der Pfarrer, in der anderen der Pfarrgemeinderat die Nutzung. Dahinter könnte man das Motto "lieber keine Messe als so eine" vermuten. Oder "erhebende" (Glaubens)- Erfahrungen gerne, aber nur solche nach unserer Pfeife.
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Ein Armutszeugnis. Aber vielleicht ändern sich die Meinungen ja noch ... bis 2020.

Dienstag, 22. Oktober 2013

Ideologische Christen? Oder: Glaube statt Trotz

Streng genommen dürfte ich diesen Eintrag nicht online stellen, da ich selbst von Zeit zu Zeit meine Rappeltage habe und den Verbalprügel aus dem Sack ziehe, um auf reformversoffene Zeitgeister einzuschlagen. Ich fürchte, ich neige dann zu einem nicht allseits bekömmlichen Sarkasmus und kann mir wüste Beschimpfungen nur mit Mühe verkneifen. Freilich läuft es in der Blogozese nicht viel anders als in unseren heißgeliebten Medien: Je mehr Krawall, desto mehr Leser - die einen haben ihre Auflage, unsereiner die Zugriffszahlen. Das aber ist nicht immer der edelste Ansporn.
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Andererseits fällt mir manchmal die Kinnlade runter, wenn ich lese, was andere auf frommen blogs und frömmeren Portalen und allerfrömmsten Kommentarspalten in die Welt setzen. Gerade vorhin zum Beispiel: Ich schaute auf einer unserer katholischen Underground-Nachrichtenseiten vorbei - es ging um eine Frau, die gerne einen Mann heiraten würde, der wiederum auch sie gerne ehelichen möchte, alldieweil beide schon lange Zeit zusammenleben und eine Hochzeit wäre unzweifelhaft eine wunderbare Sache, wäre der Mann nicht zwischenzeitlich ins Wachkoma gefallen und eine Eheschließung gerichtlich untersagt worden, obschon beider Ehewille offenkundig dokumentiert sei ... und so weiter und so fort und also tat sich auch die Kommentarspalte auf ... die erste "fromme" Einschätzung, derer ich dort gewahr wurde, begann mit den Worten "Selbst schuld!"
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Sehr mitfühlend! Mir kamen die "ideologischen Christen" in den Sinn, von denen Papst Franziskus jüngst sprach, aber das mag wieder eine andere Baustelle sein. Oder auch nicht. Aber wie meinte noch der heilige Augustinus ... die Sünde hassen und den Sünder obendrein? Wäre das Zitat so korrekt, es würde vor allem eines bedeuten: Daß wir uns selbst - Hand aufs Herz! - von morgens bis abends ziemlich oft hassen müßten. Tun wir natürlich nicht, und das mit gutem Grund. Nur - was uns frommt, sollte auch für andere gelten.
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Die Reaktionen des Kyrios Christus auf uns Sünder und unser Los lauten jedenfalls nicht "Selbst schuld!", sondern bestehen in Erbarmen und Liebe und in der (sehr ernsten!) Ermunterung zum Neustart. Ehe wir nun andere bekehren, müssen wir also zuerst uns selbst bekehren. Ehe wir andere in die Hölle versetzt sehen, müssen wir zuerst darauf achten, daß nicht wir ob fortgesetzter Lieblosigkeit dort landen. Ehe wir anderen ihren mangelnden Glauben zum Vorwurf machen, müssen wir uns zuerst fragen, wie ernst wir es mit dem Glauben bei uns nehmen: ob er in uns wirklich lebendig sei oder nur aus einem quasi mechanischen Vollzug diverser Regeln und Gebote bestehe? 
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Es nützt auch nichts, um nochmals auf ein Wort von Papst Franziskus zurück zu kommen, wenn wir am laufenden Meter Gebete hersagen, sofern unser Herz dabei finster ist und verkrampft in Selbstgerechtigkeit und Besserwisserei, sofern wir von Unzufriedenheit zerfressen werden und uns dabei auch noch für die besseren Christen halten.
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Der Glaube - nämlich und aber - kommt mit der Hoffnung und der Liebe daher, und wo trotz aller Unbill der Zeit und einer aus den Fugen geratenden Welt die Hoffnung fehlt und die Liebe kalt ist, da besteht Gefahr: Gefahr, daß es auch mit dem Glauben nicht weit her sein mag. Der Glaube nämlich ist keine genuine Trotzhaltung, aber so manche Trotzhaltung bringt uns in Gefahr, diese für Glauben zu halten und in fruchtlosem Trotz zu verharren, wo wir doch im Glauben gerufen sind, die Welt zu verwandeln, um sie selbst zu überwinden und ihr im gleichen Atemzug zu helfen, sich selbst hinter sich zu lassen: "Alles, was aus Gott geboren ist, überwindet die Welt, und der Sieg, der die Welt überwindet, ist unser Glaube!" (1 Joh 5, 4).
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Diese Welt nun sollen wir keineswegs durch die rosarote Brille betrachten, sondern durch diesen Glauben ermessen. Wohlgemerkt: Ermessen! Nicht bemessen! Das Bemessen dieses Aions ist allein Gott vorbehalten, den wir als gerechten und barmherzigen Gott bekennen. Gottes Gerechtigkeit aber können wir ebenso wenig berechnen wie seine Barmherzigkeit ausloten, weder für die Sünder noch für die Frommen, weder für uns noch für die anderen. Alles andere wäre vermessen! Nicht wir sprechen jenes Urteil, das allein ihm vorbehalten ist.
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Wenn wir aber - und das kann uns rasch widerfahren - in Versuchung geraten, uns über andere erhoben zu wähnen, weil wir es ja schließlich seien, welche um Gottes Wort wissen und Gottes Gebote zu erfüllen trachten täten, derweil andere im Sündenschlamm der Hölle entgegen kreuchten, dann sollten wir uns vor Augen halten, daß auch wir nur unnütze Knechte sind, die versucht haben, ihre Schuldigkeit zu tun (vgl. Lk 17, 10). Den Rest dürfen wir getrost Gott überlassen.

Montag, 21. Oktober 2013

Die Herrlichkeit durch die Mysterien

Die heilige Ursula - in der Ursulakapelle
zu St. Peter im Schwarzwald
Intende, qæsumus, Domine,
munera altaribus tuis
pro sanctarum Virginum et Martyrum
Ursulæ et Sociarum ejus festivitate
proposita:
ut, sicut per hæc beata mysteria
illis gloriam contulisti,
ita nobis indulgentiam largiaris.
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Wende dich, so bitten wir, Herr,
den Gaben zu, 
die der Jungfrau und Martyrin
Ursula und deren heiliger Gefährtinnen zur Feier
auf deine Altäre 
gelegt worden sind:
Wie du durch die reichen Mysterien
jenen Herrlichkeit geschenkt hast,
so überschütte nun uns mit Verzeihung.
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Gebet über die Opfergaben am Fest der hl. Ursula

Sonntag, 20. Oktober 2013

Das BamS!

Zusätzlich zum Dienst in St. Anton wurde ich angefragt, ob ich heute in Etzgen die Orgel schlagen könnte, wo der Priester, der in Basel um 11.30 Uhr das hohe Amt feiert, bereits um 9 Uhr eine Messe zelebriert. Gefragt, getan. Leider kann man - im Gegensatz mit der Grande Dame von St. Anton (etwa hier) - mit der Orgel von Etzgen schwerlich angeben. Es handelt sich um ein leidlich gepflegtes, namenloses Truhenpositv mit vier Registern. Wenn ich also sage, das Bild zeigt die Orgel von Etzgen, das zeigt es auch schon so ziemlich alles, was in Etzgen als Orgel steht:
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Samstag, 19. Oktober 2013

¶ Sententiæ XLI

Wie viele Menschen behaupten doch, sie hingen an der Ordnung, und verteidigen dabei nur Gewohnheiten, manchmal sogar nur einen bloßen Wortvorrat, dessen Begriffe vom Gebrauch so schön abgeschliffen und abgenutzt sind, daß sie alles rechtfertigen und niemals irgend etwas in Frage stellen!
Georges Bernanos: Tagebuch eines Landpfarrers. München (4) 1947. S. 47.

Donnerstag, 17. Oktober 2013

Die verborgene Glut

Odo Casel OSB
... Aber der Glaube wird gehaßt, weil er das Kreuzessiegel an sich trägt, das Zeichen der Demut und des Gehorsams, der Erniedrigung und der Geduld. Umso mehr müssen wir den Glauben lieben und im Glauben das Mysterium feiern. 
Dann geht uns aus dem Dunkel der Welt, aus der Nacht der Verfolgung, aus dem Winter des Hasses das Licht, der Tag, der Frühling des Gottesadventes auf. Gott ist schon jetzt in unserer Mitte, umhüllt von dem Dunkel des Glaubens und dennoch aus diesem Dunkel heraus leuchtend, verborgen im Mysterium und glühend im Mysterium ... 
Odo Casel OSB in einer Ansprache unter dem Titel Es naht eure Erlösung am ersten Adventssonntag 1935. In: Mysterium des Kommenden. Paderborn o.J. [nach 1952]. S. 99.
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Beim Wort vom "Dunkel des Glaubens" stockte ich zuerst. Wir reden immer vom "Licht des Glaubens" - aber ich denke, beides ist berechtigt. Im Blick auf Gott ist der Glaube eher dunkel und Gott leuchtet, wie Casel schreibt, "aus diesem Dunkel heraus". Im Blick auf die Welt und auf uns selbst ist uns der Glaube freilich Licht ...

Mittwoch, 16. Oktober 2013

Die ultimative Rabattschlacht

Hallo, liebe Mitblogger und Leser!
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Die Zeiten sind schwierig, Strom wird wieder teurer, Mieten steigen, nächstes Jahr schlägt bei mir die Müllabfuhr mit einer Erhöhung auf, obwohl man in Freiburg ohnehin schon kräftig dafür löhnt. Die kleinen Nutella-Gläser lassen sich kaum noch, es sei denn bei Angeboten, für unter zwei Euro abgreifen. Sogar das zwielichte Hühnerfleisch, das Discounter üppig verkaufen, hat preislich zugelegt - womöglich sind ja die Federvieh-Antibiotika ebenfalls im Preis gestiegen, wer weiß? Selbst die Bild kostet schon wieder zehn Cent mehr.
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Aber es gibt auch gute Nachrichten!
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Reise geplant? Fernweh? Condor-Flüge kann man aktuell in allen Klassen (!) satte 2o Prozent billiger bekommen! 20 Prozent Nachlass lassen sich auch bei Center Parks ergattern! Immerhin 10 Prozent gibts bei Meiers Weltreisen oder Dertour oder ADAC Reisen. Und wenn Koffer und Reisetasche aus dem Leim gehen? Dann rasch zu biaggi: Jedes Teil ein Viertel billiger!
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Andere Baustelle ... Karre gerade zu Schrott gefahren? Wie wärs mit einem neuen Volkswagen15 Prozent Rabatt gibts hier auf ein Grundmodell, dazu 30 Prozent Rabatt auf Sonderausstattung. Und derzeit zusätzlich bis zu 1000 Euro Rabatt auf Sonderausstattung. Und wenn die Wolfsburger Karre nicht wummt ... dann ab zu Mercedes oder BMW: 15 Prozent auf Neuwagen, 1o Prozent auf Gebrauchte zudem bei den Münchnern! Oder lieber einen neuen Audi? 15 Prozent! Rabatt zu mau? Opel bietet "20 Prozent Rabatt auf Neuwagen - auch für Sonderausstattung. Finanzierung und Leasing möglich". Porsche und Jaguar lassen übrigens auch mit sich reden, nur wird der Nachlass nach individueller Absprache gewährt, dürfte aber satter ausfallen als beim Angebot des Händlers vor Ort.
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Mehr Rabatte gefällig? 25 Prozent bei Apollo Optik vielleicht, damit man keinen Rabatt übersieht? Bis zu 10 Euro weniger Monatsbeitrag bei Fitness First? 15 Prozent auf Mode von Lands End? 20 Prozent auf Skier und Zubehör von Völkl? Manches wächst sogar gratis rüber! Einen Tag im Europa Park zum Beispiel, Begleitperson inbegriffen. Oder Minigolf am Kurhaus in Ruhpolding.
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Was lernen wir? Die Welt kann weit billiger sein, als wir denken. Man muß nur wissen, wer seinen Kram zur Zeit günstiger anbietet oder gleich ganz auf Knete verzichtet. Und man muß mit einem Presseausweis wedeln können (ins Reich der medienbetretenen Vergünstigungen kann man alsdann hier abtauchen).
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Man muß zumeist nicht einmal etwas über die widerfahrene Wohltat schreiben. Die meisten Medienvertreter würden, unter uns gesagt, über die Umstände der Wohltat ohnehin nur ungern schreiben wollen. Das könnte schließlich nach Bestechung, Vorteilsnahme, Parteilichkeit oder sonstwas stinken. Deswegen nehmen Journalisten die sogenannten Journalistenrabatte selbstverständlich nie und nimmer in Kauf und schon garnicht an, sondern lesen nur, das aber zuhauf, die entsprechenden Newsletter, um im Rahmen des aktuellen Zeitgeschehens und des journalistischen Durchblicks à jour zu bleiben.
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Anstelle niederträchtiger Unterstellungen also lieber noch einen Schlusstipp: Autobauer bieten mehrtägige Autotests für Journalisten an, unter Umständen mit Flug etwa auf die Balearen, Testkarre zur freien Verfügung und Unterbringung in Nobelherbergen, sozusagen all inclusive. Gibts in der Regel jedoch nicht für alle. Will man die Regel umgehen, kann es helfen, nebst einem Presseausweis in der Tasche einen Autojournalisten im Bekanntenkreis zu haben, der dann eben "einen Vertreter" hinschickt (weil er selbst womöglich für die Konkurrenz gerade eine Karosse auf der Nachbarinsel testet).
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Warum aber schreibe ich das alles?
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Weil ich heute irgendwo die saudumme und tendenziöse Schlagzeile gelesen habe, "deutsche Bischöfe" nähmen "gerne Annehmlichkeiten" an. Das schreibt mir gerade das rechte P...

Bandscheibe und Haltung

Aktuell macht mir die Bandscheibe ein wenig zu schaffen. Das ist nicht lustig, war früher aber schon mal schlimmer und erinnert generell daran, daß man ein Rückgrat hat. 
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Ich wünschte freilich, ich hätte manchmal mehr davon - auch wenn das zuweilen zwackt oder schmerzt.
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Aber - wohl eher eine Frage der Haltung, weniger eine des Wunschs ...

Dienstag, 15. Oktober 2013

Einige Gedanken zum Video von der Inquisitionssafari

Das umstrittene Video (hier) mit der Aussage über seinen Upgrade-Flug von Bischof Tebartz-van Elst läßt mich, sagen wir einmal, etwas ratlos zurück. Ratlos nicht jener mutmaßlichen oder vermeintlichen oder tatsächlichen Falschaussage wegen, sondern ob des Gesprächsverlaufs. 
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Auf die konkrete Frage, ob er First Class geflogen sei, antwortet Tebartz-van Elst zuerst einmal: 
Business Class sind wir geflogen.
Nun macht bekanntlich der Ton die Musik, und in meinen Ohren klingt die Antwort eher affirmativ als abwiegelnd. Der Eindruck ist nicht von der Hand zu weisen, als ob sich der Bischof in diesem Moment nicht hinlänglich bewußt war, daß es zwischen Business Class und First Class einen Unterschied gibt. 
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Danach sagt er kurz etwas, was nicht recht verständlich ist, um dann zu betonen: 
Wir kamen um 3.30 Uhr dort an und ich hatte um halb Sieben die Messe dort mit den Schwestern. 
Klingt das nun nicht wie eine Rechtfertigung - mithin wie eine Bestätigung! - für den Wechsel in die höhere Klasse? In jene Klasse, die der Spiegel First Class nennt und die vom Bischof womöglich - im Eifer des Gefechts meinetwegen - mit der Business Class identifiziert wird? 
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Ist das nun eine überspitze Interpretation von Wortlaut und Tonfall? Vielleicht - doch andererseits: Die Bahn zum Beispiel quartiert ihre First Class Passagiere bekanntermaßen gerne in ausgesuchten Bahnhöfen in sogenannten Business Lounges ein. Ich selbst - zugegeben ganz ohne Flugerfahrung - habe lange Zeit gedacht, Business und First Class seien ein und dieselbe Sache. Beide Begriffe können also durcheinander geraten, zumal, wenn man von einem Spiegel-Team überrumpelt wird, bei dem man bereits ahnt und fürchten muß, daß es sich auf Inquisitionssafari befindet.

Daß Tebartz van-Elst später - soweit er sich noch an Einzelheiten dieses Interviews "zwischen Tür und Angel" und Domglocken erinnern konnte - alsdann guten Glaubens war, den Reportern eine wahrheitsgemäße Auskunft erteilt zu haben, scheint mir keinesfalls ausgeschlossen. Damit ist das Gegenteil natürlich längst nicht widerlegt, aber auf der erreichten Eskalationsstufe scheint es mir höchste Zeit, einen alten Rechtsgrundsatz erneut in Erinnerung zu rufen: In dubio pro reo - im Zweifel für den Angeklagten. Es wäre nicht das erste Mal, daß sich ein unglücklich agierender, aber schuldloser "Beschuldigte" allein auf diesen Satz noch stützen kann.
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Notabene: Ein kleiner Dank an Tiberius, der mich durch einen Hinweis auf einen Beitrag von Andreas Püttmann (hier) bewogen hat, diese Gedanken hier ein- und gegebenenfalls zur Diskussion zu stellen.

Protz und Prunk ... Gespensterstunde

... im Erzbischöflichen Ordinariat zu Freiburg (Nörbersaal)

Montag, 14. Oktober 2013

Protz und Prunk ... nachts um elf

... in der Pfarrkirche St. Remigius, Merdingen im Breisgau

Protz und Prunk ... nachts um zehn

... in der Pfarrkirche St. Benedikt zu Eisenbach im Schwarzwald

Protz und Prunk ... abends um neun

... in der Pfarr- und Wallfahrtskirche zu Ehrenkirchen-Kirchhofen

Protz und Prunk ... abends um acht

... in der Klosterkirche St. Trudpert im Münstertal

Protz und Prunk ... abends um sieben

... im Dom zu St. Blasien im Schwarzwald

Protz und Prunk ... abends um sechs

... im ehemaligen Priorat St. Ulrich im Schwarzwald

Protz und Prunk ... nachmittags um fünf

... in der Pfarr- und Wallfahrtskirche Mariä Krönung, Oberried

Protz und Prunk ... Interludium III

Wenn sich ein fragwürdiger "Geist des Konzils" als Wahn entpuppt und dieser Wahn über Kirchenbauten früherer Zeiten hereinbricht ... oder:
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Welche Summen dürften - etwa ab 1965 bis in die Gegenwart hinein - hier und da in die rücksichtslose Umgestaltung von Kirchen "im Geist des Konzils" geflossen sein ... Umgestaltungen, deren Radikalität mitunter eine solche Unwirtlichkeit elaborierte, daß man kaum eine Generation später erneut Geld in die Hand nehmen mußte, um die ärgsten Exzesse wieder zurückzubauen?

Protz und Prunk ... nachmittags um vier

... im Münster St. Fridolin zu Bad Säckingen

Protz und Prunk ... nachmittags um drei

... in der Pfarrkirche St. Johannes Baptist, Oberrotweil

Protz und Prunk ... mittags um zwei

... in der Pfarrkirche St. Alexius, Herbolzheim

Protz und Prunk ... Interludium II

Wenn eine Stadt zwar über ein reiches Angebot an Konferenz- und Tagungssälen (manche sogar in kirchlicher Trägerschaft) verfügt, man aber unbedingt die Würzburger Synode nachspielen möchte ... oder:
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Was könnte der temporäre Umbau der Freiburger Martinskirche zum Tagungszentrum für die jüngste Freiburger Diözesanversammlung gekostet haben, etwa Ausbau, Abtransport, Lagerung, Rückführung und Einbau sämtlicher Kirchenbänke ... oder die zeitweilige Installation professioneller Tagungstechnik ... und all das für knapp vier Tage Eiertanz in einem konsekrierten Gotteshaus?

Protz und Prunk ... mittags um eins

... im Augustiner-Museum, Freiburg

Protz und Prunk ... mittags um zwölf

... in der ehemaligen Abteikirche St. Peter im Schwarzwald

Protz, but no Prunk ... um fünf vor zwölf

... in der Maria-Magdalena-Kirche, Freiburg-Rieselfeld

Protz und Prunk ... vormittags um elf

... im Münster St. Fridolin zu Bad Säckingen

Protz und Prunk ... vormittags um zehn

... in der ehemaligen Abteikirche St. Marien, Gengenbach

Protz und Prunk ... vormittags um neun

... in der Abteikirche St. Martin, Beuron

Protz und Prunk ... Interludium I

Wenn die Kirche Aushöhlung und Verhöhnung des Glaubens finanziert ... oder:
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Welchen bleibenden Wert dürften die 300.000 Euro generieren, die das Erzbistum Freiburg in seinem aktuellen Haushalt für den "Dialogprozeß" eingestellt hat ...? 

Protz und Prunk ... morgens um acht

... in der Pfarrkirche St. Johannes Baptist, Breitnau im Schwarzwald

Protz und Prunk ... morgens um sieben

... Prozessionskreuz im Augustiner-Museum, Freiburg

Protz und Prunk ... morgens um sechs

... in der Pfarrkirche St. Peter, Endingen am Kaiserstuhl

Protz und Prunk ... morgens um fünf

... in der Wallfahrtskirche zu Ehrenstetten-Kirchofen

Protz und Prunk ... morgens um vier

... in der Kirche St. Johannes Baptist, Ringsheim

Protz und Prunk ... nachts um drei

... in der Kirche St. Johannes Baptist, Laufenburg (CH)

Protz und Prunk ... nachts um zwei

... im Dom zu Sankt Blasien

Protz und Prunk ... nachts um eins

... in der Pfarrkirche St. Gallus, Ebringen

Protz und Prunk ... zur Mitternacht

... in der Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Märgen im Schwarzwald

Sonntag, 13. Oktober 2013

Prunk und Protz - jetzt erst recht!

Ab Mitternacht gibts hier stündlich (fast ausnahmslos) katholischen Prunk und Protz im Rahmen eines Prunk- und Protztages zum Auftakt der Prunk- und Protzwochen! Mit bestem Dank an die Damen und Herren im Beiboot für die Idee (hier)!

Das BamS!

In Sankt Anton findet nicht nur die außerordentliche Form des römischen Ritus ihre Zuflucht, sondern auch eine recht quirlige tamilische Gemeinde. Offenbar zur heutigen Feier der Weihe der Welt an das Unbefleckte Herz Unserer Lieben Frau stellten die Tamilen einen Marien-Schrein auf. Die lichtleinumkränzte Plastikmadonna ist vielleicht nicht jedermanns Geschmack und Freude, aber vielleicht können wir uns alle auf einen "klassischen" Flehruf einigen:
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O Maria, hilf!
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Notabene: Da die Mädelschola heute anderweitig zu tun hatte, ich mich aber unzureichend bei Stimme sah, gab es ausnahmsweise mal eine Messe "mit Schubert-Liedern" ... (was das heißt, dürfte klar sein). Nur löst sowas gerne - wie heute - eine mir nicht ganz geheuerliche Begeisterung bei einigen Gläubigen aus, die ihr "Entzücken" (ja, ja ... "freudig pocht das Herz") dem Organisten danach brühwarm auftischen ... (eine Messe "mit Schubert-Liedern" scheint mir die choraleske Aufbauarbeit mindestens eines Jahres zu ruinieren ... *seufz*).

Freitag, 11. Oktober 2013

Die "Kunst" der Trittbrettfahrer

Ein "Künstler"?!? Erbärmlich wie die Zeit, in der wir leben ...
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Screenshot: spiegel online
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Ein "Düsseldorfer Lichtkünstler" namens Oliver B. "projizierte" laut Bildunterschrift "den Schriftzug Du sollst nicht stehlen und eine Karikatur des Limburger Bischofs über das Portal des Doms zu Limburg".
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So wird man zwar nicht König für einen Tag und auch nicht Künstler für wenigstens einen Augenblick, aber immerhin reichts zur Schweinebacke Hamsterbacke für einen Mausklick ... suhlt euch wohl!

Mittwoch, 9. Oktober 2013

Die (falsche) Theologie im Meßbuch

Heute und hierzulande zählt zu den zentralsten Erkenntnisprozessen im Bereich von Glauben und Kirche das "Fühlen". Frage aber bitte niemand, wie ich mich angesichts der aktuellen erzdiözesken Hundstage fühle, bei denen man sich für sein Heimatbistum nur fremdschämen kann! Ehe ich jetzt fortgesetzt gegen das Gebot der Nächstenliebe verstoße (vielleicht wäre Feindesliebe der zunehmend treffende Begriff), übergehe ich den jüngsten Dokumentendurchfall dieser (schon länger "gefühlt") führungslosen Erzdiözese.
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Gönnen wir uns lieber den Spaß und fühlen uns in das Protokoll ein, das memorandenfreudige Priester kürzlich nach einem Treffen in Offenburg (vgl. hier) erstellt haben. Was les' ich da übers Meßbuch?
Bisheriges MB enthält (falsche) Theologie (Opfertheologie). Ähnliche Befürchtung für das neue MB.
Ohne auf die weiteren Implikationen dieser Aussagen einzugehen, will ich hier nur dazu ermuntern,  selbige einmal ohne die in Klammern gesetzten Begriffe zu lesen ... Clownalarm!!!

Dienstag, 8. Oktober 2013

Zur Erinnerung an Erik Folkerts

Von Zeit zu Zeit wollte ich ihm schreiben, vor allem der Sportartikel wegen, die er immer wieder auf seiner Seite veröffentlichte. Einen Floh wollte ich ihm ins Ohr setzen, den Gedanken, sich stilistisch weiter zu entfalten, weg vom Bild- und dpa-Stakkato, hin zu einer etwas mehr an Features und Essays orientierten Schreibe. Ich denke, daß er mir diese "Kritik" nicht übel genommen, sondern sich vielmehr über die Teilnahme an seiner Arbeit - und seiner Leidenschaft - gefreut hätte.
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Hätte. Hätte ich es denn getan. Nun ist die Zeit dafür vorüber gegangen; für Erik, unseren Mitblogger, ist die Ewigkeit angebrochen, wie ich auf mancher Seite der Blogozöse lese. Wir sind uns auf dem Freiburger Bloggertreffen im vergangenen Jahr begegnet, seither habe ich immer wieder einmal einen Blick auf seinen Blog Über Gott und die Welt geworfen. Im September noch war er in Norwegen unterwegs, schrieb danach von seiner Firmung vor zwanzig Jahren ... und über Fortuna Düsseldorf. Manches habe ich mir größerem Interesse gelesen, anderes mit geringerem überflogen; nun ist die Seite verwaist, diese Stimme verstummt, unvermutet und plötzlich ist Erik vor Gott - möge Er den kleinen Kerl hüten und in seiner Liebe aufrichten: Pax tecum Erice!
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Montag, 7. Oktober 2013

Der Rosenkranz - Annäherung an das Heute der Erlösung

Rosenkranzbild am Marienaltar der Pfarrkirche
St. Remigius, Merdingen am Tuniberg
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Ein schöner Gedanke aus einem Apostolischen Schreiben des sel. Johannes Paul II. über den Rosenkranz Unserer Lieben Frau, der sozusagen einen Brückenschlag zwischen liturgischem Vollzug und Rosenkranzgebet versucht - nicht zuletzt beachtenswert, da zuweilen auch heute noch ein unguter Gegensatz zwischen Liturgie und Rosenkranz behauptet wird ...
Das Betrachten Mariens ist in erster Linie ein Erinnern. Es ist jedoch notwendig, dieses Wort im biblischen Sinn von Gedächtnis (zakar) zu begreifen, das die Werke, die Gott in der Heilsgeschichte erfüllt hat, wieder gegenwärtig setzt. Die Bibel ist eine Erzählung von Heilsereignissen, die ihren Höhepunkt in Christus selbst finden. Diese Ereignisse sind nicht nur ein "Gestern"; zugleich sind sie das "Heute" der Erlösung. Diese Aktualisierung verwirklicht sich vor allem in der Liturgie: das, was Gott vor Zeiten vollbracht hat, betrifft nicht nur die unmittelbaren Zeugen der Ereignisse, sondern erreicht mit dem Geschenk der Gnade Menschen zu jeder Zeit. Das gilt in gewisser Weise auch für jede andere fromme Annäherung an jene Ereignisse: sich in der Haltung des Glaubens und der Liebe daran "erinnern", heißt, sich der Gnade öffnen, die Christus uns in den Geheimnissen seines Lebens, seines Todes und seiner Auferstehung erworben hat.
Rosarium Virginis Mariæ - Apostolisches Schreiben von Johannes Paul II. Nr. 13 - online hier.

Sonntag, 6. Oktober 2013

Das BamS!

Heute: "Arbeitsplatz" am Sonntag - der Spieltisch der Orgel von Sankt Antonius ... wenn ich das mit dem Harmonium vergleiche, an dem ich vor Zeiten meine ersten "alten Messen" betreten und betönt habe, dann kann ich nur sagen: Deo gratias!
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Die Wahl des Motivs wurde übrigens auch durch das erschütternde erste Photo hier mit beeinflußt ...

Samstag, 5. Oktober 2013

Gebet vor der Nutzung des Internets

Phil hat bei Father Z ein lateinisches "Gebet vor der Nutzung des Internets" gefunden (hier), fand aber die deutsche Übersetzung nicht besonders glücklich. Ich habe mich an einer deutschen Fassung versucht ... lateinkundige Leser werden die ein oder andere Freiheit bemerken, die ich mir dabei genommen habe (vor allem im zweiten Relativsatz der Prädikation, bei dem ich in die Bezüge ein wenig eingegriffen habe) ... aber wir können ja einen Liturgieausschuß gründen, sollte ein tiefer schürfender Diskussionsbedarf bestehen ... ;-)
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Omni­potens æterne Deus, 
qui secundum imaginem tuam nos plasmasti 
et omnia bona, vera, et pulchra, 
praesertim in divi­na persona 
Unigeniti Fi­lii Tui Domini nostri Iesu Christi, 
quærere iussi­sti, 
præsta, quæsumus, 
ut, per intercessionem Sancti Isidori, 
Epi­scopi et Doctoris, 
in peregrinationibus per interrete, 
et manus oculosque 
ad quæ tibi sunt placita intendamus 
et omnes quos conveni­mus 
cum caritate ac patientia accipiamus. 
Per Christum Dominum nostrum. 
Amen.
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Allmächtiger, ewiger Gott!
Du hast uns nach deinem Bild geschaffen
und uns geboten,
nach allem zu suchen, was gut ist, schön und wahr,
vor allem aber nach deinem eingeborenen Sohn,
unseren Kyrios Jesus Christus.
Im Vertrauen auf die Fürsprache des 
heiligen Bischofs und Kirchenlehrers Isidor
bitten wir dich:
Lenke, wenn wir in der Netzwelt unterwegs sind,
unsere Eingaben und Blicke auf das, 
was dir wohl gefällt,
und laß uns allen Menschen und Meinungen, 
auf welche wir treffen,
mit Liebe und Geduld begegnen:
durch ihn, Christus, unseren Herrn.

Freitag, 4. Oktober 2013

Die "Transsubstantiation" des Alten Testaments

Vor einiger Zeit hatte ich mit der Lektüre des Buches Psalmengebet im Lichte des Neuen Testamentes der Hersteller Benediktinerin und vom dortigen Spiritual Odo Casel OSB geprägten (vgl. hier) Sr. Synkletika Grün OSB begonnen. Für eine Weile ist es aus meinem Blickfeld geraten; zwischenzeitlich lese ich darin weiter - und sehe mich durch die dabei immer mehr ermuntert, das Alte Testament konsequent und radikal auf Christus hin zu lesen ...
Von Pascha, dem Urquell der christlichen Liturgie, erhält das pneumatische Verständnis des Alten Testamentes seinen stärksten Antrieb. Pascha gibt in ausgezeichneter Weise der Schriftauffassung der Kirche "stets junge Blüte, Frische und Vielseitigkeit" (Odo Casel); denn im Vollzug dieses Festes tritt das, was von der Verwendung des Alten Testamentes in der Kirche schlechthin gilt, eindringlicher als sonst hervor; unmittelbarer empfindet man, wie das Schriftwort, das aus dem jüdischen Tempelkult in den christlichen Gottesdienst verpflanzt wurde, mit dem neuen "Sitz im Leben" auch eine neue Eigenständigkeit erhalten hat. Treffend hat das Friedrich Heiler gekennzeichnet, indem er ausführt: 
"Das Alte Testament ist in der katholischen Kirche immer ein Glied im großen Organismus des kirchlichen Gesamtlebens gewesen. Seine Stellung und Bedeutung ist durch den lebendigen Christus bestimmt ... Die Wertung der Schriften des Alten Bundes ist ... ebenso frei von Überschätzung wie von Unterschätzung und zeigt jene Harmonie und Balance, welche die Eigenart der katholischen Geisteshaltung ausmacht". Die Texte haben alles zeitgeschichtlich begrenzte, alles bloß und eng 'Jüdische' "abgestreift, indem sie in das Licht des Neuen Testaments gerückt sind, dienen vielmehr der Veranschaulichung des jeweiligen heilsgeschichtlichen Geheimnisses ... So schwindet in der Liturgie der katholischen Kirche der Abstand, der das Alte und das Neue Testament trennt ... Alle sinnfällige Gottesbegegnung der alttestamentlichen Väter schließen sich zu einer inneren Einheit und werden zu Antizipationen des großen neutestamentlichen Heilsgeschehens ... So steht das alttestamentliche Schriftwort ganz im Dienst der neutestamentlichen Glaubensverkündigung, wird von ihr bestimmt, beleuchtet, ja verwandelt, transponiert, transformiert, transsubstantiiert" (Das AT in der abendl.-kath. Liturgie; Eine hl. Kirche 16 (1934) S. 113-116).
Stärker kann man die völlig veränderte Rolle des Alten Testamentes in der Kirche wohl kaum ausdrücken. Die drei Verben, die mit der hinüberziehenden Gewalt des "trans" geladen sind, machen es förmlich greifbar, wie das alte Schriftwort in die neue Substanz des Christusmysteriums hineingezogen und ihr angeglichen sind. Der sakramental unter uns handelnde Christus selbst wirkt diese Verwandlung.
Synkletika Grün OSB: Psalmengebet im Lichte des Neuen Testamentes. Regensburg 1959. S. 62 f. Bisherige Auszüge aus diesem Buch hierhier und hier.

Neulich im Videotext ...



Womöglich Infos, wie man den Papst dazu kriegen kann, daß er auch bei mir mal durchklingelt? Auf Tafel 707? Wahrlich ... heiße Sache!

Donnerstag, 3. Oktober 2013

Sich-offen-halten, vermufften Zuckerguß abkratzen und angelegentlich Danke sagen

Die hl. Theresia von Lisieux -
Pfarrkirche St. Stephan, Freiburg-
Munzingen
Aufs Geradewohl habe ich vorher in der Selbstbiographie der hl. Theresia von Lisieux herumgeblättert und bin auf eine, denke ich, bedenkenswerte Stelle gestoßen. Es geht um den Empfang der Kommunion. Zeitweilig konnte die Heilige den Leib des Herrn, entgegen damaliger Gepflogenheit, täglich empfangen, und diese - für uns so selbstverständliche, vielleicht zu selbstverständliche - Möglichkeit sei für sie, so Theresia, ein "unsagbarer Trost" gewesen. Schön, könnten wir nun sagen und uns wünschen, daß uns dies doch auch immer tiefer zuteil werde.
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Und während wir uns mit dieser frommen Erwägung begnügen mögen, unterläuft Theresia, nur eine Seite weitergeblättert, genau das, wenn sie plötzlich schreibt:
Ich kann nicht sagen, daß ich bei meinen Danksagungen oft Tröstungen erhielt, es ist vielleicht der Augenblick, da ich ihrer am wenigsten habe.
Das erscheint mir ganz natürlich, denn ich bot mich Jesus an nicht wie jemand, der seinen Besuch zum eigenen Trost empfangen möchte, sondern vielmehr um der Freude Dessen willen, der sich mir schenkt. - Ich stelle mir meine Seele als einen freien Platz vor und bitte die Seligste Jungfrau, allen Schutt fortzuräumen, der verhindern könnte, daß er wirklich frei sei; dann flehe ich sie an, ein großes, des Himmels würdiges Zelt aufzurichten, es mit ihrem eigenen Schmuck zu zieren, und dann lade ich alle Heiligen und Engel ein, zu kommen und ein wunderbares Konzert zu geben. Wenn dann Jesus in mein Herz herabsteigt, so ist er, glaube ich, zufrieden, so wohl empfangen zu werden, und ich bin es dann auch ... 
Therese vom Kinde Jesu: Selbstbiographische Schriften. Einsiedeln (5) 1964. S. 175 f.
Kein Leistungsdenken, kein verbissenes Sich-Hinein-Knien in die Gegenwart des Kyrios, sondern zuerst ein Sich-offen-halten für das, was Gott - was er selbst oder was er durch Maria und die Engel und die Heiligen - in uns wirken könnte, wirken möchte. Auch das kann ein Trost und gewissermaßen ein Ansporn sein, geistlich fortzukommen, auch wenn uns unsere Unzulänglichkeit und unsere Sünden lähmen möchten.
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Noch eine ganz andere Bemerkung zum heutigen Fest der hl. Theresia. Ich hatte oder habe mit dieser Heiligen meine Schwierigkeiten. Auf den ersten Blick schmeckt so vieles um sie herum nach vermufftem Zuckerguß, überfrömmelt irgendwie - andererseits faszinierte mich das Phänomen "Theresia" trotzdem, denn irgendetwas mußte (jenseits aller potentiellen Bigotterie) an der Intensität der Verehrung, die der "kleinen heiligen Theresia" zuteil wird, ja dran sein. Hans-Urs von Balthasar redet im Vorwort zum oben benannten Band von einem "wahren Grab von Schminke", aus dem die Züge der Heiligen zu heben waren: "... als die entstellten Schichten wegfielen, trat, wie nicht anders zu erwarten war, das Gnadenwunder von Lisieux mit dem ganzen Glanz und der schlichten Evidenz des Ursprünglichen zutage". 
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Bereits bevor mir diese Worte unter die Augen kamen, nahm ich (gerade meiner Vorbehalte wegen) Theresia in eine kleine persönliche Litanei einiger Heiliger auf, um deren Hilfe ich täglich bitte. Vielleicht hat sie mich dafür, wer weiß, ein wenig belohnt? Gerade heute - an ihrem Fest - wurde mir ein lang gehegter Wunsch erfüllt und ich bekam das Lexikon für Theologie und Kirche ... geschenkt (Danke!).

Mittwoch, 2. Oktober 2013

Noch ein Heiliges Grab

Der Kollege von Deo et Patria hat ein Heiliges Grab aufgetan (hier) und weiß einige interessante Dinge über dieses österliche Brauchtum zu berichten. Vor der Restaurierung der Osternacht in den 1950er-Jahren waren diese Aufbauten vor allem auf dem Land sehr beliebt; manche boten Dank ausgeklügelter Mechanismen ein reizendes Spektakel mit einer aus dem Grab aufsteigenden Christusfigur während der vormals üblichen (und populären) außerliturgischen Auferstehungsfeiern am Karsamstag, auf welche in manchen älteren Diözesangesangbüchern noch Hinweise zu finden sind. 
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Die Pfarrkirche St. Bartholomäus im badischen Ettenheim verfügt noch heute über ein solches Heiliges Grab aus dem Barock, das von Zeit zu Zeit zudem aufgestellt wird. Eine Beschreibung mit einigen schönen Bildern kann hier heruntergeladen werden.