Donnerstag, 28. Februar 2013

Sein Vermächtnis - unser Auftrag

Der dreifaltige Gott - Deckenbild in der Pfarrkirche
St. Johannes Baptist, Oberrotweil am Kaiserstuhl
... Die Sendung der Kirche kommt ja vom Geheimnis des Dreieinigen Gottes her, dem Geheimnis seiner schöpferischen Liebe. Und die Liebe ist nicht nur irgendwie in Gott, er selbst ist sie, ist vom Wesen her die Liebe. Und die göttliche Liebe will nicht nur für sich sein, sie will sich ihrem Wesen nach verströmen. 
Sie ist in der Menschwerdung und Hingabe des Sohnes Gottes in besonderer Weise auf die Menschheit, auf uns zugekommen, und zwar so, daß Christus, der Sohn Gottes, gleichsam aus dem Rahmen seines Gottseins herausgetreten ist, Fleisch angenommen hat, Mensch geworden ist, nicht nur, um die Welt in ihrer Weltlichkeit zu bestätigen und ihr Gefährte zu sein, der sie so läßt, wie sie ist, sondern um sie zu verwandeln. 
Zum Christusgeschehen gehört das Unfaßbare, daß es – wie die Kirchenväter sagen – ein "sacrum commercium", einen Tausch zwischen Gott und den Menschen gibt. Die Väter legen es so aus: Wir haben Gott nichts zu geben, wir haben ihm nur unsere Sünde hinzuhalten. Und er nimmt sie an und macht sie sich zu eigen, gibt uns dafür sich selbst und seine Herrlichkeit. (...) 
Die Kirche verdankt sich ganz diesem ungleichen Tausch. Sie hat nichts aus Eigenem gegenüber dem, der sie gestiftet hat, so daß sie sagen könnte: Dies haben wir großartig gemacht! Ihr Sinn besteht darin, Werkzeug der Erlösung zu sein, sich von Gott her mit seinem Wort durchdringen zu lassen und die Welt in die Einheit der Liebe mit Gott hineinzutragen. (...)
In der geschichtlichen Ausformung der Kirche zeigt sich jedoch auch eine gegenläufige Tendenz, daß die Kirche zufrieden wird mit sich selbst, sich in dieser Welt einrichtet, selbstgenügsam ist und sich den Maßstäben der Welt angleicht. Sie gibt nicht selten Organisation und Institutionalisierung größeres Gewicht als ihrer Berufung zu der Offenheit auf Gott hin, zur Öffnung der Welt auf den Anderen hin.  
Um ihrem eigentlichen Auftrag zu genügen, muß die Kirche immer wieder die Anstrengung unternehmen, sich von dieser ihrer Verweltlichung zu lösen und wieder offen auf Gott hin zu werden. Sie folgt damit den Worten Jesu: „Sie sind nicht von der Welt, wie auch ich nicht von der Welt bin“ (Joh 17,16), und gerade so gibt er sich der Welt ...
Benedikt XVI. in seiner Ansprache im Freiburger Konzerthaus am 25. September 2011

Danke, Heiliger Vater!

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Um es mit den Worten der (noch) blinden Jünger zu sagen:
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Mane nobiscum, quoniam advesperascit,
et inclinata est iam dies.
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Du hast meinen Glauben gestärkt.
Danke, Heiliger Vater!
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Te Deum laudamus!
Te Dominum confitemur!

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Acht Jahre - neun Worte: 2013

"Heute ist euch ... der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr" (Lk 2,11). Liebe Freunde, dieser Abschnitt richtet sich "heute" auch an uns. (...) Schließlich sagt es uns, daß jeder Augenblick zu einem für unsere Umkehr günstigen "Heute" werden kann. Jeder Tag ("kathēmeran") kann zum heilbringenden Heute werden, da das Heil Geschichte ist, die sich durch die Kirche und durch jeden Jünger Christi fortsetzt. Das ist der christliche Sinn des "carpe diem": Erfasse das Heute, in dem Gott dich ruft, um dir das Heil zu schenken!
 Benedikt XVI. beim Angelus-Gebet am 27. Januar 2013

Acht Jahre - neun Worte: 2012

Ich stehe vor der letzten Wegstrecke meines Lebens und weiß nicht, was mir verhängt sein wird. Aber ich weiß, daß das Licht Gottes da ist, daß er auferstanden ist, daß sein Licht stärker ist als alles Dunkel; daß Gottes Güte stärker ist als alles Böse dieser Welt. Und das läßt mich in Gewißheit weitergehen. Das läßt uns weitergehen, und allen, die dieses "Ja" Gottes immer wieder durch ihren Glauben auch mir gewiß machen, danke ich von ganzem Herzen in dieser Stunde.
Benedikt XVI. in einer Predigt während der Heiligen Messe am Tag des 85. Geburtstages, dem 16. April 2012

Acht Jahre - neun Worte: 2011

Die Kirche in Deutschland wird für die weltweite katholische Gemeinschaft weiterhin ein Segen sein, wenn sie treu mit den Nachfolgern des heiligen Petrus und der Apostel verbunden bleibt, die Zusammenarbeit mit den Missionsländern in vielfältiger Weise pflegt und sich dabei auch von der Glaubensfreude der jungen Kirchen anstecken läßt.
¶ Benedikt XVI. in seiner Predigt bei der Heiligen Messe in Freiburg im Breisgau am 25. September 2011

Acht Jahre - neun Worte: 2010

Es ist ein im Naturrecht verankerter Grundsatz des christlichen Glaubens, daß die menschliche Person gerade in der Situation der Schwäche zu schützen ist. Der Mensch hat immer Vorrang gegenüber anderen Zwecken. Die neuen Möglichkeiten von Biotechnologie und Medizin führen uns hier oft in komplexe Situationen, die einer Wanderung auf schmalem Grat gleichen. (...) Wenn man einmal damit beginnt, und oft geschieht dies schon im Mutterleib, zwischen lebenswertem und lebensunwertem Leben zu unterscheiden, wird keine andere Lebensphase ausgespart bleiben, gerade auch Alter und Krankheit nicht.
¶ Benedikt XVI. in der Ansprache an den deutschen Botschafter beim Heiligen Stuhl am 13. September 2010

Acht Jahre - neun Worte: 2009

Freunde, wie schön und tröstlich ist doch die Gemeinschaft der Heiligen! Sie ist eine Wirklichkeit, die unserem Leben eine neue Dimension verleiht. Wir sind nie allein! Wir sind Teil einer geistlichen "Gesellschaft", in der tiefe Solidarität herrscht: das Wohl eines jeden einzelnen gereicht allen zum Vorteil, und umgekehrt strahlt das gemeinsame Glück auf die einzelnen aus.
¶ Benedikt XVI. beim Angelus-Gebet am 1. November 2009

Acht Jahre - neun Worte: 2008

Nur die "Liebe bis ans Ende", nur die sich ganz für die Menschen an Gott verschenkende Liebe ist der wahre Kult, ist das wahre Opfer. Anbeten im Geist und in der Wahrheit bedeutet anbeten in der Gemeinschaft mit ihm, der die Wahrheit ist; anbeten in der Gemeinschaft mit seinem Leib, zu dem uns der Heilige Geist zusammenführt. 
¶ Benedikt XVI. in seiner Predigt am Palmsonntag, den 16. März 2008

Acht Jahre - neun Worte: 2007

Eine Kirche, die ganz von der Liebe Christi, des aus Liebe geopferten Lammes, beseelt und bewegt ist, ist das historische Bild des himmlischen Jerusalem, Vorwegnahme der Heiligen Stadt, die von der Herrlichkeit Gottes erstrahlt. Sie strömt eine unwiderstehliche missionarische Kraft aus, die die Kraft der Heiligkeit ist.
¶ Benedikt XVI. in seiner Predigt in Aparecida (Brasilien) am 13. Mai 2007

Acht Jahre - neun Worte: 2006

Der Glaube an Jesus, den Sohn des lebendigen Gottes, ist das Mittel, durch das wir immer wieder von neuem die Hand Jesu ergreifen und durch das er unsere Hände ergreift und führt. Eines meiner Lieblingsgebete ist die Bitte, die uns die Liturgie vor der Kommunion auf die Lippen legt: "laß nicht zu, daß ich je von dir getrennt werde" ...
Benedikt XVI. in der Predigt bei einer Priesterweihe am 13. April 2006

Acht Jahre - neun Worte: 2005

Gott ist einer von uns geworden, damit wir mit ihm sein, ihm ähnlich werden können. Er hat das Kind in der Krippe zu seinem Zeichen gewählt: So ist er. So lernen wir ihn kennen. Und über jedem Kind steht etwas ... von der göttlichen Nähe, die wir lieben und der wir uns beugen sollen - über jedem Kind, auch über dem ungeborenen.
¶ Benedikt XVI. in seiner Predigt zur Christmette 2005

Mittwoch, 27. Februar 2013

Youtube-Geläute mit Autoplay einbauen (ohne Garantie ;-)

Keine Gewähr, daß es klappt ... der Testlauf war jedoch erfolgreich. Wer ein Youtube-Geläute auf seinem Blog einbauen will, das beim Öffnen der Seite sofort startet, dem könnte mit einem kleinen Eingriff in den Einbettungscode geholfen sein. Dieser muß an passender Stelle mit &autoplay=1 modifiziert werden.
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Beispiel: Geläute von St. Antonius in Basel
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Der normale Einbettungscode:
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<iframe width="560" height="315" src="http://www.youtube.com/embed/-sYBeRS4Zzk?
rel=0" frameborder="0" allowfullscreen></iframe>

Der modifizierte Einbettungscode: 
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<iframe width="560" height="315" src="http://www.youtube.com/embed/-sYBeRS4Zzk?
rel=0&autoplay=1" frameborder="0" allowfullscreen></iframe>
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Bereits beim Aktivieren der Vorschau-Funktion zum Beitrag sollte das jeweilige Geläute sogleich loslegen.
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Keine Ahnung, ob das Freiburger Münster den Rücktritt unseres Heiligen Vaters real mit Geläute begleiten wird; zumindest hier auf der Seite soll das aber der Fall sein - wenn die Technik mitspielt. Zuvor gibt es ab 6.30 Uhr alle anderthalb Stunden aus jedem Jahr seines Pontifikats ein Zitat von Benedikt XVI.

Dienstag, 26. Februar 2013

Dreck

Eine "Blütenlese" wird man die folgende Ansammlung einiger Zitate aus einer DRadio Kultur-Reportage (hier), die heute über den Äther schwappte, nicht gerade nennen wollen:
Die Verkündigung des Amtsverzichts sorgte schlagartig für neues Interesse bei den Bürgern. Und für Wohlwollen: Dem Papst, der keiner zum Anfassen war, schlug mit einem Mal eine Welle von Sympathie entgegen, an der es acht lange Jahre gefehlt hatte.
Die katholische Kirche scheint nach acht Ratzingerjahren geschwächt, zerstritten, von Skandalen erschüttert und erschrocken ...
Viele Beobachter sprechen von einer Zeitenwende in der Katholischen Kirche, die nach acht langen Jahren die Chance hat, die konservative Politik des Vatikans, die der Kirche viele Gläubige, und viel Nachwuchs bei Priestern und Nonnen gekostet hat, zu erneuern ...
Die endlose Skandalgeschichte um die vatikanischen Finanzen war auch einer der Gründe für das Ende von Joseph Ratzinger ...
Daraus ziehen Beobachter den Schluss, hohe Prälaten im Vatikan würden wegen homosexueller Verfehlungen und illegaler Geldgeschäfte erpresst. Einer der Hauptgründe für den Rücktritt des jetzigen Papstes. Der Vatikan ist außer Kontrolle geraten ...
Nur darin sind sich die allermeisten einig: Schnell muss es gehen. Jeder neue Tag ohne klare Führung könnte neue peinliche Enthüllungen über die Missstände im Vatikan bringen ...
Der Report ist geradezu ein Musterbeispiel dafür, 
wie aus 
Geschichtsklitterung plus 
geschickter Kombination von
Tatsachen, 
Unterstellungen, 
Halbwahrheiten und 
kompletten Fehlinformationen,
unter Anwendung 
rhetorischer Taschenspielertricks 
und entsprechend eingespielter Schlußfolgerungen 
ein Bild der Kirche 
gezeichnet werden kann, das vor allem eines ist: 
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Eine Lüge. 
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Das nennt sich heute in Deutschland "Journalismus". Ich nenne es Dreck.

Montag, 25. Februar 2013

Soirée: Besuch vom Komtur


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Il Commendatore
Dammi la mano in pegno!
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Don Giovanni
Eccola! Ohimè!
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Il Commendatore
Cos'hai?
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Don Giovanni
Che gelo è questo mai?
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Il Commendatore
Pentiti, cangia vita:
È l'ultimo momento!
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Don Giovanni
No no, ch'io non mi pento
Vanne lontan da me ...
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Der Komtur
Gib mir die Hand zum Pfand!
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Don Giovanni
Da hast du sie! Ha!
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Der Komtur
Was hast du?
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Don Giovanni
Wie eisig ist mir nur?
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Der Komtur
Bereue, ändere dein Leben:
Es ist der letzte Augenblick!
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Don Giovanni
Nein! Nein! Ich bereue nichts,
gehe fort von mir ...
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(ab 5:20)

Von unten oder von oben?

Kreuz im Chorbogen
Wallfahrtskirche St. Ulrich / Schwarzwald
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Ihr stammt von unten, ich stamme von oben; ihr seid von dieser Welt, ich bin nicht von dieser Welt ... Wenn ihr den Menschensohn erhöht habt, werdet ihr erkennen, daß ich es bin, und daß ich nichts aus mir selbst tue, daß ich vielmehr so rede, wie der Vater mich gelehrt hat. Der mich gesandt hat, ist mit mir (Joh 8, 23, 28-29 - aus dem Evangelium der Messe am heutigen Montag nach dem zweiten Fastensonntag).
Ohne diese Herrenworte unangemessen instrumentalisieren zu wollen ... aber manchmal stellt man sich schon die Frage, wie sich eine Gruppe freiwillig "Kirche von unten" nennen kann? Die haben doch echt einen an der Klatsche ...

Sonntag, 24. Februar 2013

Die Mysterien der Freiheit und des Lebens

Deshalb geht die Kirche in der Quadragesima hinter dem Kreuz des Herrn, der Feuersäule, her uns schaut voll Grausen zurück auf das Meer, dem sie entronnen ist.
Aber noch mehr schaut sie vor sich auf ihr Ziel, das gelobte Land, das Land der Freiheit. Sie wandert Pascha entgegen, den Ostermysterien, die in alter Liturgie einmal genannt werden: die "mysteria nostræ libertatis et vitæ - die Mysterien unserer Freiheit und unseres Lebens".
Das ist die Seelenhaltung der Kirche auf dieser Wanderung durch die Wüste; Furcht und Vorsicht, aber auch heilige Hoffnung und freudige Sehnsucht. "Dienet dem Herrn mit Furcht" (Ps 2, 11), singt die Liturgie am Anfang der Quadragesima; aber daneben steht das Wort: "Dienet dem Herrn in Freude!" (Ps 99, 2). Lætare Jerusalem, klingt es mitten in die ernsten Quadragesimagesänge hinein: Freue dich in der Hoffnung auf noch größere Freude!
Odo Casel OSB: Mysterium der Ekklesia. Von der Gemeinschaft aller Erlösten in Christus Jesus. Aus Schriften und Vorträgen. Mainz 1961. S. 288 - hier der vorgängige Teil dieser Passage. Der gesamte Beitrag, gedruckt unter dem Titel Am Beginn der Quadragesima - Die Wanderung durch die Wüste, hier in Abfolge: 1 ~ 2 ~ 3 ~ 4 ~ 5

Neuer Blog: Simplicius' Sakramentar

Heute wurden - für die dahinter waltende Mühe mag ein Dankeswort angelegentlich angebracht sein - hier wieder einige neue Blogs vorgestellt. Eine weitere Seite ist mir gestern noch unter die Augen gekommen, die sehr vielversprechend aussieht; mag nun sein, daß bereits an anderer Stelle darauf aufmerksam gemacht wurde ... meinerseits jedenfalls:
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Grüß Gott und Willkommen in der Blogozese: Simplicius' Sakramentar
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Wie schreibt der Herr Alipius immer so schön? "Geht mal rüber und sagt Hallo"! Als mutmaßlicher Stummelform von Hallelu... paßt Hallo vielleicht nicht ganz in die Quadragima, aber wer dennoch einen Gruß setzen will, der sehe sich ermuntert ... :-)

Samstag, 23. Februar 2013

Im Feuerofen

"Nach den 62 Wochen wird Christus getötet
werden" - Prophetie des Daniel (Dan 9, 26) -
Pfarrkirche St. Georg, Ehrenstetten
In der Prophetie des Daniel hören wir von den drei Jünglingen im Feuerofen (Kap. 3, von Sidrach, Misach und Abdenago, die sich weigerten, ein goldenes Götzenbild zu verehren, wie es von König Nebukadnezar befohlen ward.
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Sie wurden in einen Feuerofen geworfen, doch die Flammen krümmten ihnen kein Haar. In den Flammen stimmten die Jünglinge ein Loblied an, das im Breviarium Romanum fester Bestandteil der österlich geprägten Laudes am Sonntag ist. Überdies zählt dieser Bericht zu den Lesungen aller vier samstäglichen Quatembermessen; gerade in der Quadragesima spricht dieser Text - so auch heute - besonders reich zu uns, denn er deutet auf das heilige Pascha, auf Sterben und Aufstehung des Kyrios. Des Herren Engel nämlich stieg in den Ofen, die Feuerflamme ...
... aus dem Ofen jagend, und machte des Ofens Innenraum so kühl wie einen frischen Wind beim Morgentau, daß sie das Feuer nicht berührte und nicht belästigte, noch ihnen wehe tat. Da lobten diese Dreie wie aus einem Munde Gott, verherrlichten und priesen ihn im Ofen, also sprechend: Gepriesen bist du, Herr, Gott unserer Väter, gelobt, verherrlicht und erhöht in Ewigkeit. Gepriesen sei der heilige Name deiner Herrlichkeit, gelobt, erhöht in alle Ewigkeit ... (Dan 3, 49 f.).
Für den hl. Hieronymus stellt dieser Engel ...
... im Typos unseren Kyrios Jesus Christus dar, der in den Feuerofen der Unterwelt, wo die Seelen der Sünder und der Gerechten verschlossen gehalten wurden, hinabstieg, um ohne Verbrennung und ohne Schaden die dort Gefangenen von allen Fesseln zu befreien (In Danielem Prophetam; Migne PL 643).
Descendit ad inferos - als den, der "hinabgestiegen ist in die Tiefe", in den, wie es Hieronymus formuliert, Feuerofen der Unterwelt zu den der Erlösung harrenden Vätern, als den dorthin Herabsteigenden also bekennen wir den Kyrios in seinem Pascha; dieses Hinabsteigen zu den Vätern hat seinen Ort nach alter Überlieferung zwischen dem Tod und der Auferstehung Christi - ein zutiefst österliches Geschehen.
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Der Gedanke mag zudem weiterschreiten zu all den Seelen, die nach ihrem Tod in der Läuterung der vollen Gemeinschaft mit Gott sich entgegensehnen - im Memento der Verstorbenen betet die Kirche im Canon Romanus, Gott möge ihnen gewähren den locum refrigerii, den Ort der Erfrischung quasi angesichts des "Feuerofens" der Reinigung, jenen "Wind im Morgentau", von dem Daniel spricht, gemäß Gottes Verheißung, des Herren Wort, von dem selbst es heißt, es sei "ein Silber, gut geläutert, und von der Erde siebenfach gereinigt" (Ps 11, 7).
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Doch müssen wir nur an die Anderen denken? Ist nicht auch diese Weltzeit ein Feuerofen, dessen Flammen uns immer wieder zu verschlingen drohen? Tun wir nicht gut daran, die Augen stets auf den in Kreuz und Auferstehung triumphierenden Kyrios zu richten und selbst einzutreten in dessen Pascha? Er steht an unserer Seite, wenn die Flammen der Welt draußen und der Welt in uns drinnen uns verzehren wollen. Er hat unser Fleisch angenommen und sich selbst dem Feuerofen ausgesetzt, um uns nahe zu sein, damit wir singen können:
Er hat uns ja der Unterwelt entrissen und heil aus Todeshänden uns entlassen. Er hat uns aus der Flammenloh gerettet und mitten aus dem Feuer uns befreit. 
O dankt dem Herrn! Denn er ist gut. Es währet sein Erbarmen ewiglich (Dan 3, 89).

Adoptiere einen Kardinal!

Eine Fußnote bei Braut des Lammes (hier) hat mich auf diese nette Idee aufmerksam gemacht: Adopt-a-cardinal (hier) weist einen Kardinal zu, für den man im Vorfeld des kommenden Konklaves betet. Bei mir ist es Giovanni Battista Kardinal Re (Wikipedia):
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                                                                             Screenshot: adoptacardinal.org
Gott segne und lasse Sie eine gute Wahl treffen, Eminenz!

Gewinner bitte melden

Der Gewinner des Stundenbuches (Michael - vgl. hier und hier) möge sich bitte bis morgen (Sonntag-) Abend um 18 Uhr melden (Adresse einfach als Kommentar hinterlassen, wird natürlich nicht veröffentlicht), ansonsten wird neu ausgelost ... 

Freitag, 22. Februar 2013

Auf dem Stuhl der Älteren soll man ihn loben

Petrus heilt am Tor des Tempels einen von Geburt
an Gelähmten (vgl. Apg 3, 1 f.) - Deckenbild in der
Pfarrkirche St. Peter zu Endingen am Kaiserstuhl
Die traditionellen deutschen Festtitel des heutigen Tages fand ich stets etwas sonderlich - "Thronfest des hl. Apostels Petrus" ... mitunter findet sich auch das Wort von der "Stuhlfeier", was ebenso tiefstapelnd klingt wie ersterer etwas hochgestochen. Gemeint ist die Cathedra, die der heilige Petrus zuerst zu Antiochia und später in Rom bestiegen hatte; ein Zeichen der Berufung, für die Kirche Sorge zu tragen in Wort und Tat, damit sie wachse im Glauben, in der Hoffnung und in der Liebe: 
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"Du bist Petrus. Auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen" (Mt 16, 18), so beglaubigt Christus das Bekenntnis des Apostels, daß der Kyrios der Sohn des lebendigen Gottes sei. Danach, im Angesicht der Passion, weiß Jesus zwar, daß Petrus ihn verleugnen wird, und dennoch ist es Petrus, dem die Sorge für die Jüngerschaft anvertraut wird: "Ich habe für dich gebetet, daß dein Glaube nicht wanke. Wenn du zu mir zurückgekehrt sein wirst, dann stärke deine Brüder!" (Lk 22, 32). Der auferstandene Kyrios faßt zuletzt Berufung und Auftrag des Petrus prägnant zusammen: "Weide meine Schafe!" (Joh 21, 17).
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Wir sehen also ein Fundament gelegt, auf dem die Kirche gebaut ist und ruht, und wir sehen einen Hirten, den der Herr bestellt, damit er die Herde durch die Zeit seiner Abwesenheit führe und sie hege und stärke: Petrus. Dieses Fundament muß tragen und wird tragen, bis der Kyrios wiederkommt, wie er es versprochen hat. Denn versprochen ist auch: "Die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen" (Mt 16, 18).
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Im Bild der Cathedra des Petrus nehmen diese Verheißungen Gestalt an. Von daher feiern wir heute nicht in erster Linie das Gedächtnis einer "Thronbesteigung" oder gar die Existenz eines "Heiligen Stuhls", sondern wir feiern das Mysterium der Kirche unter dem besonderen Blick auf die Berufung des Petrus, der die Herde Christi durch die Zeit führt, lehrt und heiligt. Von daher verstehen sich auch die Worte des hl. Augustinus in den Lesungen der zweiten Nachtstunde im Verlauf der Matutin:
Den Petrus also ernannte der Herr zum Fundament der Kirche; und deshalb ehrt die Kirche dieses Fundament mit Recht, über dem sich die Höhe des Kirchenbaues erhebt. Deshalb sagt ganz passend der Psalm, der gelesen worden ist: "Man soll ihn rühmen da, wo sich das Volk versammelt, und auf dem Stuhl der Älteren soll man ihn loben". Gepriesen sei Gott, der es angeordnet hat, daß der heilige Petrus gerühmt wird da, wo Volk versammelt ist; denn es gehört sich, daß ein solches Fundament in der Kirche geehrt wird, durch das uns der Aufstieg zum Himmel ermöglicht wird.
Wenn also heute das Fest des Thrones begangen wird, wird dadurch das priesterliche Amt geehrt.
Diese Tage legen es nahe, daß wir in Dankbarkeit für Benedikt XVI. beten und für jenen Nachfolger, an den die Berufung des Petrus als nächsten ergehen wird; die heiligen Apostel Petrus und Paulus mögen mit ihrer Fürsprache dieses Gebet vor den Kyrios der Kirche tragen helfen.

Donnerstag, 21. Februar 2013

Drohbotschaft!

"Rauchen in der Schwangerschaft schadet ihrem Kind" ... nun mag durchaus zutreffen, wovor die Eurokraten warnen, welche entsprechende Hinweise auf die Kippen haben drucken lassen. Meinereiner Mannbarkeit mag solch Hinweis ziemlich schnurz sein; denn selbst wenn ich mich "gendermäßig" zur Frau um- und hinschnippeln lassen wollte, schwanger würde ich dennoch nie und nimmer. Zudem ist mir ohnehin noch nie, aber das nur am Rande, eine Frau untergekommen, die zu Reval ohne gegriffen hätte, ob nun schwanger oder nicht (aber das scheint sowieso geradezu eine Pointe auf der Packung zu sein).
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Bemerkenswerter scheint mir ohnehin der Umstand, daß "frau" in der Schwangerschaft zwar nicht rauchen, aber abtreiben dürfen soll ...

Mittwoch, 20. Februar 2013

Dem Symbol der Freiheit folgen

... solange wir noch auf Erden, im Tale der Prüfung leben, ist unsere Rettung noch nicht endgültig gesichert. Hier ist noch die Zeit des Kampfes, des Ringens, des Erwerbens; darüber erst können wir ohne jegliche Furcht in Freuden das Heil genießen. Selbst Paulus sagt: "Ich bin mir nichts bewußt; deshalb bin ich aber noch nicht gerechtfertigt; der mich richtet, ist der Herr" (1 Kor 4, 4). Wieviel mehr müssen wir arme Anfänger voll Furcht sein; wieviel mehr müssen wir auf der Hut sein vor den Sklavenketten der Welt, der Sünde und des eigenen Ich!
Jeden Augenblick können wir zurücksinken in die Knechtschaft des Bösen; und kein Tyrann ist schlimmer als der Teufel und das eigene selbstsüchtige Ich.
Deshalb heißt die Losung: Fliehen! Sich retten! Unserem Herzog und Heiland folgen, der uns mit dem Kreuz, dem Symbol der Freiheit und des Sieges, vorangeht! Nur in diesem Zeichen ist uns das Heil gegeben.
Deshalb geht die Kirche in der Quadragesima hinter dem Kreuz des Herrn, der Feuersäule, her uns schaut voll Grausen zurück auf das Meer, dem sie entronnen ist.
Odo Casel OSB: Mysterium der Ekklesia. Von der Gemeinschaft aller Erlösten in Christus Jesus. Aus Schriften und Vorträgen. Mainz 1961. S. 287 f. - hier der vorgängige Teil dieser Passage.

Dienstag, 19. Februar 2013

Aus den Scherben eine Schale

In te speravi, Domine;
dixi:
Tu es Deus meus,
in manibus tuis tempora mea.
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Gehofft, Herr, habe ich auf dich
und gesprochen:
Du bist mein Gott,
in deinen Händen ruht meine Zeit!
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¶ Antiphona ad Offertorium (Ps 30, 15 f.)
Dienstag nach dem ersten Fastensonntag
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Jeder hat seine Lieblings-Schriftverse; ich etwa mag diesen Vers in der Lesart der Vulgata besonders: in des Herren Händen ruht meine Zeit! Oft wird das Wort von der Zeit mit "Leben" oder "Schicksal" übersetzt, was den Kontext dieses Psalmverses unzweifelhaft geschickter auffängt, und dennoch trifft bei mir das Wort "Zeit" ins Schwarze. Vielleicht mag es daran liegen, daß mir das Wort vom "Leben" zu selbstverständlich scheint (was es sicher nicht ist) und das vom "Schicksal" zu ungreifbar. 
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"Zeit" aber nehmen wir wahr, gerade auch, wenn die eigene Zeit spürbar zu verrinnen beginnt, etwa, weil man zu viele liebe Menschen bereits zu Grab geleitet hat, um nicht zu wissen, daß die Zeit eingrenzt und selbst begrenzt ist: "Du Tor, noch diese Nacht wird man deine Seele von dir fordern" schilt Christus den nur diesseitig umtriebigen Menschen (Lk 12, 10). Nicht, daß dieser Mensch die Zeit nicht wahrgenommen hätte, denn im Eifer, die Scheunen zu füllen, dürfte sie ihm allzu bewußt gewesen sein - die Frage lautet also: Wozu hat er sie wahrgenommen?
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Eine Frage, die sich auch mir immer wieder stellt - oder stellen sollte. Was hast du mit deiner Zeit angestellt? Es ist schön, wenn wir dem Herrn unsere Zeit schenken können, und es ist zugleich ein Trost, daß wir auch verlorene und vertane Zeit in Gottes Hand legen dürfen, sofern wir ihm immer wieder die Unzulänglichkeiten unserer Tage entgegenhalten. 
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Gerade auch, indem wir - woran uns diese Antiphon bei der Zurüstung der eucharistischen Opferfeier erinnert - all diese Zeit, die glückliche, die unglückliche, die verunglückte, auf den Altar legen, damit Gott aus den Scherben doch noch ein Schale bilde, die seinen Leib - mit und für uns - zu bergen vermag ... als Stärkung bis zu jenem Tag, an dem diese Zeit ein Ende hat. Wir stehen in diesem Leben, unsere Zeit aber mag in Gott ruhen.
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Gehofft, Herr, habe ich auf dich
und gesprochen:
Du bist mein Gott,
in deinen Händen ruht meine Zeit!

Dort und hier

"Vergiß deine Heimat und deines Vaters Haus; denn der König trägt Verlangen nach deiner Schönheit" (Ps 44, 11 f.). Ja, es ist leicht, in der Liebe des Bräutigams, im Prunke seines Schlosses das Elend Babylons zu vergessen. Im Himmelssaal - mitlebend in der ewigen Liebe - noch an das Elend der Verbannung zurückzudenken, wäre Unrecht gegen den Retter und Heiland. Nur ewiger Dank quillt von den Lippen der Seligen, daß der Herr sie aus dem Staube, aus dem Schmutz erlöst und sie den Fürsten, den Fürsten seines Volkes, zugesellt hat.
"Mein Pneuma frohlockt in Gott, meinem Heiland; denn er sah hinab auf die Niedrigkeit seiner Magd" (Lk 1, 47 f.). So singt und dankt die auf ewig befreite Kirche im Himmel. Wie die Wundmale die Glorie des Herrn nur erhöhen, so leuchtet die Kirche umso mehr, je mehr sie - von ferne an die üblen Tage der Sünde und des Sündenelends zurückdenkend - dem Erlöser dankt.
Anders ist es, solange die Kirche noch auf Erden wandelt; auch wir sind erlöst, befreit, gerettet. Es wäre Unrecht, sich dessen nicht dankbar bewußt zu sein; es wäre undankbar, immer nur der Sünde und des Gerichtes zu gedenken, nur zu zittern vor der Strafgerechtigkeit Gottes. Wir haben den Heiland und in ihm das Heil gefunden; wir sind gereinigt und geheiligt durch das Blut des Lammes. Aber solange wir noch auf Erden, im Tale der Prüfung leben, ist unsere Rettung noch nicht endgültig gesichert. Hier ist noch die Zeit des Kampfes, des Ringens ...
¶ Odo Casel OSB: Mysterium der Ekklesia. Von der Gemeinschaft aller Erlösten in Christus Jesus. Aus Schriften und Vorträgen. Mainz 1961. S. 287 - hier der vorgängige Teil dieser Passage.

Montag, 18. Februar 2013

Und gewonnen hat das Stundenbuch ...

Herzlichen Glückwunsch vorneweg - Gottes Segen begleite das Buch, begleite jenen, in dessen Hände es nun kommen wird, und alle, die sich an der kleinen Aktion beteiligt haben!
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Das Los ist gefallen: Michael hat gewonnen.
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Man teile bitte die Adresse als Kommentar mit (der natürlich nicht öffentlich gemacht werden wird). Ich werde das Buch in den kommenden Tagen auf die Post bringen.

¶ Sententiæ XXIII

Darauf beruht ja die härteste Unmöglichkeit menschlicher Verständigung, daß den Glauben nur versteht, wer glaubt - daß wir erst glauben lernen, wenn wir beten, und doch nur beten können, wenn wir glauben. Christus hat nicht geschrieben und nicht zu schreiben befohlen. Er hat nicht "gedacht". Er hat gelebt; er ist lebendes Wort. Und auch heute redet das Buch (Schneider meint die Heilige Schrift) nur, weil er lebt und weil wir im Lichte des über die Welt gesandten Geistes das Licht sehn.
¶ Reinhold Schneider: Verhüllter Tag. Köln und Olten (4) 1956. S. 131. - das Zitat schließt unmittelbar an die Passage hier an.

Sonntag, 17. Februar 2013

Kleine Verlosung - Stundenbuch zu gewinnen

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Vor einiger Zeit hatte ich im Lieblings-Diakonie-Laden ein Kleines Stundenbuch (genauer: alle drei Bände) entdeckt und flugs meiner Bibliothek einverleibt. Vom zweiten Band habe ich nun nochmals ein Exemplar aus einer Wühlkiste geklaubt; da ich den Band natürlich nicht zweifach benötige und für mein Bücherregal das etwas zerzaustere Exemplar vollkommen reicht, dachte ich mir sogleich, den überzähligen Band "Fasten- und Osterzeit" ja verlosen zu können, passt ja ohnehin gerade. Sahnehäubchen-Alarm: Das Buch deucht neuwertig und unbenutzt; die Lesebändchen sind noch in die Seiten eingeschlagen.
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Natürlich gibt es eine sauschwer ausgeheckte Preisfrage, die da lautet:
Wie heißt der auf dieser Seite meistzitierte Benediktiner?
Wer die Antwort weiß und Interesse an dem Büchlein hat, schreibe die Lösung bitte in den Kommentarbereich. Wer ahnungslos ist, aber das Stundenbuch dennoch gerne hätte, der schreibe einfach auch was. Am Ende werde ich sämtliche Namen auf kleine Zettel schreiben und den Gewinner ermitteln, einen Notar werde ich dazu nicht bemühen, der Rechtsweg bleibt trotzdem ausgeschlossen und überhaupt wünsche ich allen einen gesegneten ersten Fastensonntag!
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Teilnahmeschluß ist am morgigen Montag um 20 Uhr; der Gewinner wird bis spätestens Dienstagabend bekannt gegeben (und sollte mir dann freilich seine Adresse zukommen lassen); eine Gebrauchsanleitung zum Buch bietet übrigens der Bändelblog.

Samstag, 16. Februar 2013

Frau Mayer braucht Geld

Maria im Chor der Heiligen -
Monumentalfresko über das
Jüngste Gericht (Detail)
von Martin Lochner im
Stephans-Münster zu Breisach
Auch wenn das Thema in der Quadragesima nicht von allererster Ordnung zu sein scheint ... aber stellen wir uns einfach vor, jemand, nehmen wir mal Frau Mayer, benötigt, vielleicht sogar dringend, 100.000 Euro. Leider kann sie sich das Geld nicht aus dem Ärmel schütteln. Schlimmer: Sie ahnt, daß sie diese Summe nie und nimmer allein wird aufbringen können.
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Jetzt hört Frau Mayer von einem großen und unsagbar reichen Wohltäter, von dem man sagt, er verschenke, wenn man ihn darum bittet und er sich die Sachlage kurz angeschaut hat, Geld, ohne sich dabei lumpen zu lassen. So manche Not habe dieser gute Herr auf diesem Wege schon dauerhaft lindern, ja ... beheben können! 
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Frau Mayer informiert sich: Man müsse zuerst einmal das Anliegen vortragen. Dann prüft der freundliche Spender, ob man das Geld wirklich benötige und ob es für den Bittenden insgesamt förderlich sei, ihm auf einen Schlag den heiß ersuchten Betrag in die Hand zu drücken und so ihn seiner Sorge zu entledigen. Denn der Spender ist nicht nur ausnehmend begütert, sondern obendrein ein großer Menschenkenner und unterscheidet mit schier traumwandlerischer Gewißheit, in welchem Fall die Unterstützung wirklich weiterhilft. 
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Nicht jeder bekommt also das Erbetene. Doch heißt es von jenen, die - vordergründig - mit leeren Händen entlassen wurden, es sei auch ihnen Gutes widerfahren, sofern sie sich die Worte jenes Herrn zu Herzen genommen hätten. Denn ohne Rat, eine Ermunterung, eine Stärkung müsse kein Bittender von dannen ziehen. Frau Mayer schiebt natürlich etwas Muffe, mit ihrer Bitte vor einen offenbar so hohen Herren zu treten, aber sie bemüht sich um einen Termin.
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Dies aber scheint nicht so einfach ... und die Zeit läuft. Zum Glück fällt ihr ein, daß sie - mehr oder minder flüchtig - jemanden kennt, der zu dem großzügigen Geber ein besonders enges Verhältnis pflegt. Dieser Jemand lebte früher unter ganz ähnlichen Verhältnissen wie Frau Mayer ... und sollte darob, denkt sich unsere Bittstellerin, besonders mitfühlen können, wie ihr zumute sei. Mehr noch! Man sagt, dieser Jemand zähle zu jener großen Schar von Menschen, die unser Spender bereits überreich beschenkt habe, und dürfe sich obendrein zu den Freunden des großzügigen Spenders allzugleich rechnen! Da könnte es doch sein, daß er ein gutes Wort für sie einlegte. Frau Mayer greift zum Telefon.
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Natürlich weiß Frau Mayer, daß besagter Jemand ihre Bitte selbst nicht erfüllen kann (obgleich ihr diese Vorstellung natürlich auch sehr sympathisch wäre). Aber ein gutes Wort bei jenem hohen Herrn kann nicht schaden, und, wer weiß? Vielleicht freut sich dieser hohe und offenkundig sehr menschenfreundliche Herr auch, wenn sie einem seiner besten Freunde ebenfalls Vertrauen entgegenbringt ...
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Hier endet der Vergleich, der, wie alle Vergleiche, gewiß ein Hinkebein hat, aber vielleicht das Eigentliche nicht ganz verfehlt. Um auf die Quadragesima zurück zu kommen - mögen uns die Heiligen mit ihrem Beispiel durch diese Zeit leiten und durch ihre Fürsprache unterstützen!

Aus dem Schmutze heraus

"Er kam in sein Eigentum, und die Seinigen nahmen ihn nicht auf" (Joh 1, 11). Sie liebten die Finsternis mehr als das Licht. Die Menschheit war nicht wie eine Braut, die des Geliebten harrt, die ihm mit brennender Lampe entgegengeht, voll Verlangen, sein Licht aufzunehmen. Nein, sie verschloß ihre Tür vor dem Bräutigam; sie war, wie der Prophet Ezechiel so gewaltig schildert (vgl. Ez 16, 1 ff.) zur Sklavin fremder Herren, zur Buhlerin geworden. Sie ging ihre eigenen bösen Wege. Sie lag im Staube der Landstraße, beschmutzt und geschändet. Da ging der Herr vorüber.
Der Blick seiner Liebe fiel auf die Jammergestalt, und was wir im Märchen oft lesen, aber nicht recht glauben können, das wurde hier Wirklichkeit: der königliche Prinz nahm die Bettlerin aus dem Schmutze heraus, hob sie auf sein Pferd und brachte sie auf sein Schloß. Und er kämpfte um sie mit dem Widersacher, der sie entführte, verspritzte sein Blut für sie und starb für sie. Dann stand er glorreich auf und machte sie, die nun endgültig Befreite und Gereinigte, zu seiner Braut. "Christus gewann die Kirche lieb und opferte sich selbst für sie, damit er sie heilige und reinige durch das Bad des Wassers im Worte, damit er sich die Kirche herrlich hinstelle, ohne Makel und Runzel ..., damit sie vielmehr heilig sei und fleckenlos" (Eph 5, 25 ff.).
So wurde aus dem Bettelkind die Königsbraut, die nun einherschreitet im Prachtgewand der Heiligkeit statt in den schmutzigen Lumpen der Sünde. "Vergiß deine Heimat und deines Vaters Haus; denn der König trägt Verlangen nach deiner Schönheit" (Ps 44, 11 f.).
¶ Odo Casel OSB: Mysterium der Ekklesia. Von der Gemeinschaft aller Erlösten in Christus Jesus. Aus Schriften und Vorträgen. Mainz 1961. S. 286 f. - hier der vorgängige Teil dieser Passage.

Freitag, 15. Februar 2013

Eine Frage der Einstellung ...

Non itaque virtus, sed causa virtutis apud Deum mercedem habet.
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Es hat also nicht das Tugendhafte als solches, sondern der Beweggrund zum Tugendhaften bei Gott seinen Lohn.
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Wort des hl. Hieronymus in den Lesungen der heutigen Matutin.

Nicht enttäuscht

Manducaverunt
et saturati sunt nimis,
et desiderium eorum attulit eis Dominus:
non sunt fraudati a desiderio suo.
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Sie haben gegessen
und wurden reich gesättigt,
ihr Verlangen hat der Herr gestillt.
Sie wurden nicht enttäuscht in ihrem Verlangen. 
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Das Manna in der Wüste
Hochaltar St. Martin zu Freiburg
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Ein Blick nochmals zurück in die Vorfastenzeit und auf die Antiphona ad Communionem (Ps 77, 29-30 Vulg.des Sonntags Quinquagesima - inhaltlich und musikalisch, wie ich meine, ein wunderbarer Kommuniongesang
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Der Text verweist auf den 77. Psalm, der einerseits das Mysterium der hl. Eucharistie vorausdeutet, indem er an die die Speisung Israels mit dem Manna in der Wüste erinnert, von der im Buch Exodus berichtet wird: 
Die Israeliten sahen es und sprachen zueinander: "Was ist das?" Denn sie wußten nicht, was es war. Da sprach Moses zu ihnen: "Dies ist das Brot, das euch der Herr zu essen gibt" (Ex 15, 16).
Was wir im Bild schauen, das erfüllt sich in der Verheißung des Herrn, der von sich sagt, er sei das lebendige Brot, das ... 
... vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot ißt, wird in Ewigkeit leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch für das Leben der Welt (Joh 6, 51).
Zugleich kann dieser Psalm ein Begleiter sein durch die Quadragesima auf Ostern zu, schildert er doch das Urbild des Pascha, den Auszug aus Ägypten, und die vierzig Jahre der Wanderung des Volkes Israel durch die Wüste bis hin zur Begründung Jerusalems als der heiligen Stadt. Über zwei Nocturnen verteilt betet die Kirche diesen Psalm in der Matutin an den Freitagen des Jahres im Breviarium Romanum; den letzten Abschnitt umrahmt eine Antiphon mit den Worten "Es gründete Gott seine Feste der Heiligung auf der Erde" (Ædificavit Deus santificium suum in terra): die Kirche - die uns nun durch die vierzig Tage der Fastenzeit und damit in und durch das große Pascha des Kyrios führt.
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Gerade in den Wüstenpassagen unserer Pilgerschaft, die uns in der Quadragesima besonders gegenwärtig gesetzt werden und denen wir uns aussetzen sollen, stärkt uns der Herr und will - trotz unserer Widerspenstigkeit - sein Heilswerk an uns vollenden. Trifft das Volk Israel auch immer wieder die strafende Hand des Herrn, so bleibt sie umso mehr in allem stets deutlich helfend ausgestreckt, da das "Land der Verheißung" nunmehr weit über eine bloß in der Zeit verwurzelte und mithin irdische Realität hinausreicht. Vielmehr geht es für uns sozusagen "ums Ganze", um eine - die Ewigkeit umfassende - Vollendung von Mensch und aller anderen Schöpfung, die zu erreichen der Mensch immer wieder angewiesen auf das Erbarmen und die Hilfe Gottes.
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Dessen Heilszusage hat sich im Kyrios Christus unabänderlich entäußert! Für jene, die ihn suchen, gilt das Wort non sunt fraudati a desiderio suo: Sie wurden und werden nicht enttäuscht in ihrem Verlangen.

Donnerstag, 14. Februar 2013

Soirée ... garstige Töne

Soul
But hark! upon my sense
Comes a fierce hubbub, which would make me fear,
Could I be frighted.
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Angel
We are now arrived
Close on the judgment-court; that sullen howl
Is from the demons who assemble there.
It is the middle region, where the old
Satan appeared among the sons of God,
To cast his jibes and scoffs at holy Job.
So now his legions thron the vestibule,
Hungry and wild, to claim their property
And gather souls for hell. Hist to their cry.
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Soul
How sour and how uncouth a dissonance!
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Demons
Low-born clods
Of brute earth,
They aspire
To become gods ...
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Die Seele
Horch, welch grauser Lärm
Dringt auf mich ein und weckte Schreck in mir,
Könnt ich erschrecken!
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Der Engel
Dem Gerichtshof sind
Wir nahe nun; das düstere Geheul
Rührt von Dämonen, die sich sammeln dort.
In dieser mittleren Region erschien
Unter den Söhnen Gottes Satan einst,
Zu überschütten Job mit Hohn und Spott.
Den Vorhof füllen seine Horden jetzt,
Hungrig und wild nach ihrem Eigentum,
Den Seelen für die Hölle. Hör sie schrein!
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Die Seele
Welch ekelhafter Mißklang, roh und schrill!
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Dämonen
Niedrig Gezücht,
Aus Erde gemacht,
Streben sie,
Götter zu sein ...
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¶ John Henry Card. Newman: The Dream of Gerontius IV

Einwurf ... Online-Kommentare

Der Vorteil der üblich-gehässigen Online-Kommentare in den Medien: Man läßt sich eigentlich lieber einer "mittelalterlichen Sekte"zurechnen, die zugleich die "größte Verbrecherorganisation aller Zeiten" sein soll (und an ein "Märchenbuch" glaubt und "lächerliche Zeremonien" pflegt usw.), als daß man sich diesen Kommentatoren zugezählt sehen will.
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Während überdies ein Großteil der angeschleppten "Argumente" kaum dazu taugt, den Glauben zu erschüttern, so ist der "Stil" derselben doch überraschend geeignet, den eigenen Glauben zu stärken. Zumal man zuweilen unweigerlich von einer melancholischen Stimmung ergriffen wird, die irgendwo zwischen Mitleid und Fremdschämen behaust ist...

Sie liebten die Finsternis ...

Wieder beginnt die heilige Kirche ihre großen Exerzitien, die sie jedes Jahr ihren Kindern hält: die heilige Quadragesima, das "sacratissimum ieiunium", die heiligen Wochen der Fasten. Es ist eine hochheilige Zeit, geheiligt durch die Mysterien Christi, geheiligt durch die Vorbereitung auf das höchste Mysterium unserer Heiligung: Pascha.
Schon die erste Zeit des Kirchenjahres - Adventus und Epiphania Domini - ist solch eine heilige Zeit; denn in ihr feiern wir die heiligende Ankunft des heiligen Gottes. Der aber kam, die Welt mit dem Duft seiner Heiligkeit zu erfüllen, fand sie nicht nur unkonsekriert, aber doch wenigstens voll der Erwartung und Hingabe, nein, sie war der Heiligkeit feindlich gesinnt. "Er kam in sein Eigentum, und die Seinigen nahmen ihn nicht auf" (Joh 1, 11). Sie liebten die Finsternis mehr als das Licht ...
Odo Casel OSB: Mysterium der Ekklesia. Von der Gemeinschaft aller Erlösten in Christus Jesus. Aus Schriften und Vorträgen. Mainz 1961. S. 286.

Mittwoch, 13. Februar 2013

Einäscherung als Faßnachtspossen

Putto an der Kanzel - Wallfahrtskirche St. Ulrich
Zwar hat der Herr Alipius seinen für den Leser ohnehin der Gewöhnung bedürftigen Vorsatz, die Fastenzeit debloggierend zuzubringen, zwischenzeitlich abgeblasen, aber seine Seite und alle Putten darauf und darinnen mit violettester Farbe übertüncht. Deswegen gibts hier erstmal eine Ersatzputte, und alldieweil uns heute vorgelesen wurde, man solle beim Fasten nicht verdrossen aus der Wäsche schauen (vgl. Mt 6, 16 f.), eine fromme Mahnung zu nützlichem Ergötzen. Aus einer Predigt des Augustiners Ignatius Ertl (1645-1713):
Höre denn auf die zwei traurigen Geschichten eine lächerliche Histori! Ein alter, zu Bett liegender prodagraischer Herr Pfarrer sprach seinen Mesner an, er solle für ihn am Aschermittwoch die Leut einäschern. Er darf solches schon tun, weiln die Einäscherung nur eine bloße Ceremonie und kein Sakrament seie. Es schicke sich auch die Einäscherung für seine Person, weiln er ohnedas neben dem Mesneramt die Stelle eines Totengräbers vertrete. Der einfältige Mesner laßt sich überreden, fragt allein um die Weise und Form der Worten, die er bei der Einäscherung gebrauchen solle.
Merke es wohl, sprach der Pfarrer, wann du den Aschen auf den Kopf streuest, so sage diese Worte dabei: gedenke, Mensch, du seiest Staub und wirst zu Staub werden. Sage es nur also Teutsch, Lateinisch kannst du es doch nicht vorbringen, sonst möchten die Bauren meinen, du wolltest wetzen.
Ist schon recht, antwortet der Mesner, will alles fleißig merken und verrichten. Er gehet hierauf hin, spintisiert und phantasiert die ganze Nacht über diese Wort. Am Aschermittwoch in der Früh hat er sie vergessen und laufet daher abermals zum Pfarrer hin und fraget ihn über die Form der Worten, worüber der gute Herr Pfarrer auch in seinen großen Podagraschmerzen herzlich lachen mußte: gehe hin, sprach er zum Mesner, es ist halt wahr, du bist ein Narr und bleibst ein Narr. Wohl, wohl, antwortet der Mesner, jetzt hab ich schon alles gefasset, laufet mithin der Kirchen zu, nimmt seinen Chorrock und das Teller mit den schon geweihten Aschen, gehet herum und streuet den da knieenden Bauren und Bäurinnen den Aschen mit diesen Worten auf den Kopf: du bist ein Narr und bleibst ein Narr, du bist eine Närrin und bleibst eine Närrin. 
Die Bauren reißen über diese Worte die Augen angelweit auf, wissen nicht, was das bedeute, daß ihnen der Mesner samt den ausgestreuten Aschen die Narrenkappe wolle aufsetzen. Ist also aus dieser unformlichen Einäscherung ein lächerlicher Faßnachtspossen worden.
Schaue, o Sünder und Sünderin, de te fabula narratur. Ob nicht dein Beichtvater und Pfarrer zu dieser österlichen Zeit einen gleichen Ausspruch von dir tun könne und gleichermaßen sprechen: du bist ein Sünder und bleibst ein Sünder, der alte Wucherer und Geizhals, Fresser und Saufer, Fleischpengel und Ehebrecher etc, der du zuvor gewesen bist? Pfui der Schand!
Notabene: Vielleicht sollte man als weitere Nutzanwendung zudem den übergebührlichen Einsatz von Laien in der Liturgie kritisch betrachten ...
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 Georg Lohmeier: Geistliches Donnerwetter. Bayerische Barockpredigten. München 1967. S. 68 f.

Die Queste der vierzig Tage - Aschermittwoch. Oder: Gottes Reich ist in euch!

Die Vertreibung aus der Paradies
Glasfenster in der Pfarrkirche Christkönig, Titisee-Neustadt
 
Dann sprach der Herr Gott: Ja, der Mensch ist jetzt wie unser einer im Erkennen von Gut und Bös. Daß er nicht seine Hand ausstrecke und gar esse vom Lebensbaume, und ewig lebe! So trieb ihn der Herr Gott aus Edens Garten, damit er den Erdboden bebaue, daraus er genommen ist. So verstieß er den Menschen und lagerte östlich von Edens Garten Cherube und die zuckende Schwertflamme, den Weg zum Lebensbaum zu bewachen (Gen 3, 22-24).
Johannes predigt in der Wüste: Tut Buße, denn das Himmelreich hat sich genaht! Von den Tagen Johannes des Täufers an leidet das Himmelreich Gewalt, und nur die Gewalt anwenden, reißen es an sich. Das Flammenschwert, der Hüter des Paradieses, ist durch Christi Blut ausgelöscht worden; er hat die Pforten, welche die Wache stehenden Cherubim verschlossen hielten, wieder geöffnet ... wir alle, die wir zwar im Fleische, aber nicht nach dem Fleische leben, haben Bürgerrecht im Himmel. Gilt ja selbst für die noch auf Erden Wallenden das Wort: Gottes Reich ist in euch! (aus einem Brief des hl. Hieronymus).
... vierzig Tage, das Reich Gottes "in uns" neu herauszuschälen.

Dienstag, 12. Februar 2013

Kleine Rätselfrage zum Fasnetsende

Es geht um Dekostümierung! Was kommt bei raus, wenn man dem ach so gern beschworenen Konzilsgeist die Regenbogenboogiestola von der Rübe zieht und ihm die Mantelalbe klaut?

Einwurf ... heute im "Tempel der Vernunft"

Einige Damen glauben hier, den Rücktritt von Papst Benedikt XVI. halbnackt in der Pariser Kathedrale Notre Dame feiern zu müssen. Offenkundig ist der "Tempel der Vernunft" auch nach 220 Jahren noch ein anziehender Ort für kleine Schändlichkeiten. Hoffen wir - nicht zuletzt im Interesse der dämlichen Aktivistinnen - allerdings, daß die Revolution nicht wieder beginnt, irgendwann ihre eigenen Kinder zu fressen ... ähh, Moment ... welche Kinder eigentlich?

Einige Fragen und Anmerkungen ...

... gehen mir zum Ende des Tages hin aktuell besonders nach, nachdem ich heute eine ganze Reihe unterschiedlicher Stellungnahmen und Positionen zum Rücktritt des Heiligen Vaters gelesen hatte.
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Bei einigen Beiträgen, Artikel, Kommentaren, Bemerkungen schwingt - hie mehr, da minder - Enttäuschung mit über diesen Schritt, eine Gefühlslage, die ich gut verstehen kann, da mir die Botschaft ebenfalls bitter ist. Unverrückbar aber steht fest, daß man auch einem Papst zugestehen muß, von einer Möglichkeit, die das Kirchenrecht eröffnet, Gebrauch zu machen, wenn er es für angebracht hält. Diese Entscheidung kann nur er allein treffen, nicht wir entscheiden für oder gar über ihn.
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Wer - unter den "Verletzten" sozusagen - bislang hohe Dinge auf Benedikt XVI. gehalten hat, den bitte ich, jetzt keinen Deut niedriger von ihm zu denken. Hätte er dies wirklich nach jahrzehntelanger aufreibender Arbeit im Dienst der Kirche Gottes verdient? Würden wir diesem großen geistlichen Lehrer und diesem tiefen Mann des Gebetes und der heiligen Liturgie damit gerecht? Sollte dies unser Dank nun sein? Diese Fragen möchte ich in den Raum stellen. Und weil er all das als Priester und als Bischof, als Kardinal und - ganz zuletzt nun - als Papst war, darum bin ich mir in einem Punkt sicher: Dieser unser Heiliger Vater, dem wir so vieles verdanken, hat sich diese Entscheidung nicht leicht gemacht und sie um der Kirche willen getroffen. Was könnten wir ihn schelten? Wer sind wir, daß wir ihn schelten dürften?
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Es ist auch der Vergleich mit seinem Vorgänger zur Sprache gekommen, der sein Amt bis zum tatsächlich bitteren Ende behielt, und es wurde im ein oder anderen Fall mit der Frage verbunden, ob es nicht angemessener sei, diesem Beispiel zu folgen?
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Benedikt selbst hat diese letzte Phase im Pontifikat des sel. Johannes Paul II. aus großer Nähe miterlebt - und gesehen, wie das Leitungsamt des Papstes - in seiner Gänze - zuletzt brach lag. In einer Fernsehrunde vorher war die Rede vom "Mehltau", der sich damals auf die letzten zwei, drei Jahren jenes Pontifikat gelegt habe. Natürlich funktionierte das halbwegs gut geschmierte Räderwerk der Kurie weiter und es kann eine solche Zeit überbrücken, aber all das bildet eben nicht mehr die Fülle und den eigentlichen Dienst der Nachfolge Petri ab. Ein Papst sollte sich in der Lage sehen, sein Amt körperlich und geistig auszufüllen. Glaubt er, diesem Anspruch nicht mehr Genüge leisten zu können, dann ist ein Rücktritt zumindest erwägenswert.
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Der sel. Johannes Paul II. hatte für sich grundsätzlich anders entschieden als sein Nachfolger und konnte die Kirche in gewisser Weise trotzdem "führen", aber kaum mehr administrativ, sondern durch das Beispiel seines Leidens. Dieses Charisma war ein Geschenk Gottes an die Kirche, das nicht beliebig abrufbar ist und auch nicht die Regel sein sollte.
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Benedikt XVI. glaubt, der Kirche künftig einen größeren Dienst erweisen zu können, wenn er sich für die Kirche betend zurückzieht und das Schifflein Petri einem Nachfolger anvertraut. Auch dieses Charisma wird der Kirche zugute kommen.
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Führen wir nun den Blick hinauf zu Christus, dem Kyrios, und rufen wir zu ihm um Heil und Segen für die Kirche, seine Braut. Vertrauen wir auf die Fürsprache Unserer Lieben Frau, des hl. Joseph als Schutzherrn der Kirche und der hl. Apostel Petrus und Paulus und aller Heiligen, daß diese Zeit des Umbruchs die Kirche stärke und unser aller Glauben erneuere, die Hoffnung stärke und die Liebe entfache!

Montag, 11. Februar 2013

In diesen Tagen

Christus Kyrios
Münster Unserer Lieben Frau, Villingen
"Bleibe bei uns; denn es will Abend werden, und der Tag sich schon geneigt" (Lk 24,29).
Bleibe bei uns, Herr, begleite uns, obwohl wir dich nicht immer zu erkennen vermochten. Bleibe bei uns, denn um uns herum verdichten sich die Schatten, und du bist das Licht; Entmutigung schleicht sich in unsere Herzen ein, aber du läßt sie durch die Gewißheit von Ostern brennen. Wir sind müde vom Weg, aber du bestärkst uns durch das Brechen des Brotes, unseren Brüdern zu verkünden, daß du wirklich auferstanden bist und uns mit der Sendung betraut hast, Zeugen deiner Auferstehung zu sein.
Bleibe bei uns, Herr, wenn rund um unseren katholischen Glauben die Nebel des Zweifels, der Müdigkeit oder der Schwierigkeiten aufziehen: Du, der du als Offenbarer des Vaters die Wahrheit selbst bist, erleuchte unseren Geist durch dein Wort; hilf uns, die Schönheit des Glaubens an dich zu empfinden.
Bleibe in unseren Familien, erleuchte sie in ihren Zweifeln, hilf ihnen in ihren Schwierigkeiten, tröste sie in ihren Leiden und in der tagtäglichen Mühe, wenn sich um sie herum Schatten zusammenziehen, die ihre Einheit und ihre natürliche Identität bedrohen. Du, der du das Leben bist, bleibe in unseren Häusern und Wohnungen, damit sie weiterhin Stätten sind, wo das menschliche Leben selbstlos geboren wird, wo man das Leben empfängt, liebt und es von der Empfängnis bis zu seinem natürlichen Ende respektiert.
Bleibe, Herr, bei denen, die in unseren Gesellschaften am verwundbarsten sind; bleib bei den Armen und Geringen. (...) Bleib, Herr, bei unseren Kindern und unseren Jugendlichen, die die Hoffnung und der Reichtum unseres Kontinents sind, bewahre sie vor den großen Bedrohungen, die ihre Unschuld und ihre berechtigten Hoffnungen gefährden. O Guter Hirt, bleib bei unseren alten Menschen und bei unseren Kranken. 
Stärke alle im Glauben, damit sie deine Jünger und Missionare sind!
 Gebet von Benedikt XVI. im Heiligtum von Aparecida am 13. Mai 2007