Dienstag, 31. Juli 2012

Unterwegs: St. Marien in Gengenbach 1

Am Montag hatte ich mir kurzfristig einen Urlaubstag genommen und mich nach Gengenbach aufgemacht. Rund ein Jahrtausend prägte eine Abtei die kleine Stadt in der Ortenau, eine Gründung des hl. Pirmin (gest. 753). Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde dieses ehrwürdige Benediktinerkloster säkularisiert. Die Klosteranlage blieb glücklicherweise erhalten. Die Kirche, ein im Zeitenlauf immer wieder zerstörter, neu aufgebauter und den verschiedenen Stilvorlieben angepaßter, aber bis heute seine romanische Provenienz nicht verleugnender Bau, ging in die Hände der Pfarrei über. Zwischen 1892 und 1906 wurde das Gotteshaus radikal entbarockisiert und in historistischem Geist innen neoromanisch ausgestaltet. In den nächsten Tagen werde ich nach und nach einige Bilder auf die Seite hieven. Fürs erste ein kleiner Appetitanreger ...
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Sonntag, 29. Juli 2012

Die Regel VI

Ad te ergo nunc mihi sermo dirigitur, quisquis abrenuntians propriis voluntatibus, Domino Christo vero regi militaturus, oboedientiae fortissima atque praeclara arma sumis.
An dich nun richte ich meine Rede, wer immer du seiest - wenn du deinem eigenen Willen entsagst und die starken, glänzenden Waffen des Gehorsams ergreifst, um dem wahren König, Christus, dem Herrn, zu dienen (Regula Benedicti, Prolog, 3).
... die starken, glänzenden Waffen des Gehorsams ...
Der Mönch ist ein Soldat, der sich für den Kampf gerüstet hat. Seine starken, glänzenden Waffen sind der Gehorsam. Er ist tatsächlich unbesiegbar. Es mag aussehen, als verliere er alles. Aber im scheinbaren Untergang ist ein Sieg, der Triumph Christi selbst. Denn im Gehorsam kämpfe nicht mehr ich, sondern Christus kämpft in mir, er, der auf ewig gesiegt hat.
Bonum oboedientiæ, der kostbare Schatz der Mönche ist der Gehorsam. Dagegen ist das einzige Übel, das sie fliehen müssen, die Unabhängigkeit, der Eigenwille, das Beherrschtsein von den persönlichen Wünschen. All das sind Anzeichen einer falschen Freiheit ... 
Abt Denis Huerre OSB, Abbaye de la Pierre-qui-Vire (Januar 1965)

Samstag, 28. Juli 2012

Öde auf die Freude, Christl & Co.

In eigener Sache: Wir halten öffentliche und satirische Kritik für lebensnotwendig, so lange tumbe "Reform"-Gruppen schlechte Reime zimmern (hier). Letzteres können wir nämlich auch ...
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Ein Damenkränzchen (leicht bescheuert?)
hat auf der Donau angeheuert
und lieh sich schönen Tags 'nen Kahn
und karrte einen Bischof an.
Der war zwar nicht ganz unumstritten,
doch bei den Weibsen wohl gelitten.
Denn wer aus Gottes Spuren biegt,
der muß halt nehmen, was er kriegt.

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Mit Krummstab und mit krummen Sachen
will der 'ne Handauflegung machen
und "Priesterinnen" ordinieren:
Komödien kann man zelebrieren!
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(Ich fürchte, die Wellen verschlingen
am Ende noch Schiffer und Kahn,
und das hat mit ihrem Singen
die Loreley mal nicht getan ... denn:)
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Nicht ganz so lustig fanden fern
in Rom die Diener es den Herrn.
'Nen Korb gab's und den Rat, den flinken
die Gültigkeit sich abzuschmincken.
Doch etwas blieb zurücke schon:
Der Bann der Exkommunikation.
Die Medien sind hoch empört,
daß man die Frauen so verstört.
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Doch Christl denkt und ihre Schwestern,
man sei ja schließlich nicht gestern
so wie die greisen röm'schen Pfaffen ...
Wir drehn das Ding und werden's schaffen!
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Man zeigt Präsenz, man schreibt ein Buch,
verbreitet seinen Stallgeruch.
Den sollen auch die Römer schmecken,
darum man kriecht aus seinen Ecken
und reist ins hohe, ferne Rom
zu entern nun den Petersdom.
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Zwei Damen, die berufen wähnen
(ach Leute, spendet reichlich Tränen!)
zu "Priesterinnen" sich fürwahr,
zum Dome stacksten, war ja klar.
Die Blusen schmückten röm'sche Kragen
und Lippenstift ward aufgetragen.
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(Die Christl, eine von den beiden,
die fand es noch viel zu bescheiden,
Mit Batikstola aufzutreten
und Peudomessen vorzubeten.
Sie kauft sich auch 'nen Hirtenstock
und karnevalt im Bischofsrock).
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Dort angekommen, so der Plan,
man sich zur Kommunion stellt an.
Das Sakrament sich zu erschleichen,
man nicht will von dem Orte weichen.
Doch ach! Ein Priester tritt herfür
und setzt die Damen vor die Tür.
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Danach begann das große Flennen
als ob man's nicht hätt' ahnen können ...
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Mit besten Dank an Richelieu's Sammelsurium für die Informationen zu diversen Umtrieben von Christl & Co. (hier wie da).

Vom Preis, vom Blog, vom Schönen

Daß man für den Neustart eines Blogs einen Robusta-Sonderpreis bekommen kann, hätte ich mir nicht träumen lassen. Vielen Dank: einmal jenem freundlich gesonnenen Geist, welcher durch seine Nominierung diese Verleihung initiiert hatte, dann aber auch dem Geistlichen, welcher der Blogozese nicht nur diese taffe Nonne, sondern obendrein Preise dazu beschert hat! 
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Dieser Preis aber gehört, denke ich mal, mir nicht allein. Er gehört auch all jenen, die mich damals zum Weitermachen ermuntert hatten, als mir der Sinn des Wozu und für Wen fragwürdig schien. 
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Und am schönsten wäre es, wenn dieser Preis all jenen, denen es jetzt oder irgendwann (mutmaßlich) ähnlich ergeht, als Anstoß dienen könnte. Den ein oder anderen Namen habe ich im Hinterkopf, behalte das aber für mich ...
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Da die Seitenaufrufe gestern Abend irgendwann über die 10.000er-Marke gesprungen sind, was im Vergleich zu anderen Blogs bescheiden sein mag, aber deutlich genug, um die Zuversicht zu nähren, daß man nicht absolut uninteressant ins Blaue bloggt, und ich kürzlich ohnehin eine Nabelschau angekündigt habe, scheint der rechte Augenblick hierfür gekommen. 
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Was will Pro Spe Salutis? Auf dem Freiburger Treffen kam das Gespräch an einer Stelle auch auf die Beweggründe der anwesenden Blogger. Sinngemäß habe ich damals gesagt, mir sei es wichtig, die Schönheit des Glaubens deutlich zu machen. Denn wollte man mich fragen, warum ich eigentlich glaube, mir würde auf Anhieb kaum etwas anderes einfallen als die Antwort: Weil es schön ist. Für den Empiriker klingt das gewiß zweifelhaft, denn das Schöne gilt weithin als eine Geschmacksfrage und mithin als Frucht des subjektiven Urteils. Daran macht man keinen Glauben fest, der das Leben prägt. Oder prägen soll. Sähe ich es dennoch so, dann müßte ich fürwahr um meinen Glauben fürchten, allein schon aus der Erfahrung heraus, daß der Geschmack des Menschen immer wieder der Veränderung unterworfen ist. 
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Wenn ich vom Schönen spreche, dann meine ich das Schöne im Sinn der Transzendentalien: Man kann an Gott glauben, weil er vor allem das höchste Gut(e) sei. Oder die Wahrheit. Oder weil er eben das Schöne ist, von dessen Glanz wir im katholischen Glauben sowie im Buch der Natur und in den Spolien der Kultur mannigfache Spuren finden - und dies, obwohl unser Erkennen getrübt und unser Blick allzu oft verstellt ist.
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Dem trüben Auge zum Trotz - eine Ahnung davon versuche ich mit dieser Seite zu vermitteln: von Gott, vom Schönen also selbst und vom Ringen darum, welches vor allem ein geistliches und geistiges ist. Manchmal will es auch verteidigt sein - der Sprung ins kalte Wasser der uns umlagernden chaotischen Gegenwelt (wobei hier andere meistenfalls schneller sind und zu gut, als daß man noch irgendetwas Erhellendes nachlegen könnte). 
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Diese Seite will zu all dem einen Beitrag leisten und gibt Texten Raum, in denen entweder ich sage, was mir wichtig ist, oder einfach andere sagen lasse, was ich für wichtig und richtig erachte. Sie will eine gewisse Ordnung halten in den Texten und Beiträgen, in den Rubriken und Artikelreihen, davon immer einmal eine hinzukommen und eine andere versanden mag. Und sie will den Glanz des Schönen zeigen in Bildern, die auch ein Stück weit davon erzählen wollen, wie ich den Glauben und die Welt sehe oder zu sehen versuche; weswegen ich nur auf einen beschränkten Fundus zurückgreife, den ich mir auf vielen Wegen, Fahrten und Wanderungen - vor allem durch meine südbadische Heimat - erworben habe und der - wie Vieles bleibt noch zu entdecken! - Gott sei Dank immer wieder wächst.
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Einen herzlichen Glückwunsch auch allen anderen Trägern der Robusta-Sonderpreise 2012! Hier sind sie versammelt.

Freitag, 27. Juli 2012

Sankt Pantaleon - sich aller erbarmend

Sankt Pantaleon mit dem Modell der
Kapelle von Niederrotweil -
Pfarrkirche St. Johann Baptist
Oberrotweil am Kaiserstuhl
Nur als Gedächtnis kennt der außerordentliche römische Ritus die heutige Feier des hl. Blutzeugen Pantaleon. Die Ostkirche hingegen ehrt ihn als "Großmartyrer". Der junge Arzt aus Bithynien bezeugte während der diokletianischen Verfolgung Christus mit seinem eigenen Leben; der Überlieferung nach war der 27. Juli 305 der Tag seines Martyriums: "Lieber sollen meine Hände verdorren, als dass ich sie zum Schwur der heidnischen Götter erhebe" soll Pantaleon bekannt haben, nachdem er, der Notleidende umsonst behandelte, von neidischen Kollegen als Christ angezeigt worden war. Seine Peiniger fesselten ihn darauf hin an einem Olivenbaum und nagelten seine Hände an den Kopf. Die Umstehenden aber haben dabei eine Stimme vom Himmel vernommen: "Du sollst nicht mehr Pantaleon heißen, sondern Panteeleimon, (der sich aller Erbarmende), denn durch dich werden viele Gnade und Barmherzigkeit finden". Nicht nur die Reste seiner Grabeskirche in Izmit (weiland Nikomedia) erzählen von der Verehrung, die Pantaleon im Osten entgegengebracht wurde und wird. Zeugnisse der Verehrung dieses Heiligen in Rom reichen bis in das Jahr 708 zurück; in der Westkirche wurde sie besonders gefördert durch Kaiserin Theophanu, die mit Kaiser Otto II. vermählt war und die nach ihrem Tod 991 in der Kölner Basilika St. Pantaleon bestattet wurde.
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Pantaleon zählt zu den heiligen Vierzehn Nothelfern. In Niederrotweil am Kaiserstuhl steht ihm zu Ehren eine Wallfahrtskapelle; die Ursprünge dieser Wallfahrt liegen im Dunkel der Geschichte, aber bis heute wird der Sonntag nach dem Gedächtnistag des Heiligen als großer Wallfahrtstag begangen.
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O heiliger Pantaleon!
O hilf uns jetzt und allezeit!
O bitt' für uns an Gottes Thron.
Und steh' uns bei im letzten Streit.
Pantaleon, du Gottesmann!
Wir rufen dich um Hilfe an!
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(Niederrotweiler Wallfahrtslied, Schlußstrophe).

Donnerstag, 26. Juli 2012

Gaude, Mater Anna

Sankt Anna
Pfarrkirche St. Georg
Freiburg-St. Georgen
Gaude, Mater Anna,
Gaude, Sancta Mater,
Cum sis parens facta
Genetricis Dei.
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Plaude, tali natæ,
Virgini Mariæ,
Eius genitori
Ioachim congaude.
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In hac nostra terra
Primo benedicta,
Quæ fuit in Eva
Quondam maledicta.
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Ergo summe laudes,
Quas damus ovantes,
Nos ab omni sorde
Tua prece terge.
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Sit laus Deo Patri
Summo Christo decus,
Spiritui Sancto,
Tribus honor unus.
1. Juble, Mutter Anna, / freue dich, heilige Mutter, / da du Mutter wurdest / der Gottesgebärerin. - 2. Freue dich einer solchen Tochter, / der Jungfrau Maria, / freue dich mit / deren Vater Joachim. - 3. Auf unserer Erde / du zuerst Gesegnete, / die einst in Eva / mit schuldig gesprochen war. - 4. Nimm also unser Lob, / welches wir mit Ehrerbietung spenden. / Von aller Schmach / befreie uns deine Fürsprache. - 5. Lob sei Gott, dem Vater, / Ruhm Christus, dem Höchsten, / dem Heiligen Geist: / Ein Lobreis dem Dreieinen.  
alter Stundengebetshymnus zur Matutin, um 1200 - in: Richard Zoosmann: Lobet den Herren. Altchristliche Kirchenlieder und geistliche Gedichte. München 1928. S. 588.

Mittwoch, 25. Juli 2012

Sankt Jakob und der tote Pilger

Sankt Jakobus
Filialkirche St. Michael
Niederrottweil am Kaiserstuhl
Schlägt man sich für Gott mit dem Unbill des Alltags herum, so zeitigt dies, so zumindest die Meinung nicht weniger Mystiker, schönere geistliche Früchte, als wenn man sich in hochfliegenden geistlichen Absichten (oder nur in Absichtserklärungen) ergeht.
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So gesehen paßt jene Erzählung aus der Legenda Aurea von der Wundertätigkeit des hl. Apostels Jakobus des Älteren, dessen Festtag am 25. Juli im Kalender steht, auch ein wenig zu dem, was ich heute bereits zum Gedächtnis des hl. Christopherus schrieb. Über Sankt Jakob wird unter anderem vorgetragen:
Nach einem Bericht des Hubertus von Besançon pilgerten dreißig Männer aus Lothringen um das Jahr 1070 zum heiligen Jakob und versprachen einander - alle bis auf einen - gegenseitige Hilfe. Als einer von ihnen krank wurde, blieben seine Gefährten fünfzehn Tage bei ihm; aber schließlich verließen ihn die übrigen, und nur der eine, der nicht Treue geschworen hatte, kümmerte sich um ihn am Fuße des Berges Sankt Michael. Doch als es Abend wurde, starb der Erkrankte.
Der Überlebende fürchtete sich sehr, denn der Ort war einsam gelegen, der Tote lag noch da, die dunkle Nacht brach herein, und die Bevölkerung dort war wild und barbarisch. Aber da erschien ihm sogleich der heilige Jakob in der Gestalt eines Reiters, tröstete ihn und sagte: "Gib mir diesen Toten und setze dich hinter mich auf das Pferd!" So ritten sie in jener Nacht bis Sonnenaufgang fünfzehn Tagesreisen weit bis zum Berg der Freude, der etwa eine halbe Meile von der Kirche des heiligen Jakob entfernt liegt.
Dort setzte der heilige Jakob beide ab mit der Weisung, die Geistlichen von Sankt Jakob zusammen zu rufen, um den toten Pilger zu bestatten. Seinen Gefährten aber sollte er sagen, daß ihre Wallfahrt nichts wert sei, da sie ihr Wort gebrochen hätten ...
Das Gebot des Augenblicks und die darin verborgene Ewigkeit auf der Wanderschaft zu erkennen, dazu helfe der hl. Jakob - ora pro nobis.

Sankt Christopherus und unsere Sumpflöcher

Sankt Christopherus
Mosaik an der Stirnseite der Sakristei
Pfarrkirche St. Blasius, Glottertal
Viel ist es nicht gerade, was über jenen Mann historisch gesichert ist, der da als Christopherus zu einem der populärsten Heiligen geworden ist. Dennoch hat er im außerordentlichen römischen Ritus seinen festen Platz im Kalender, stets am 25. Juli, als Gedächtnis der Festfeier des hl. Apostels Jakobus des Älteren sozusagen untergeschoben. 
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Vermutlich erlitt Sankt Christopherus um die Mitte des Zweiten Jahrhunderts das Martyrium, wie eine Inschrift in Chalcedon bezeugt, wo man ihm im Fünften Jahrhundert eine Kirche weihte. Alles andere ist fromme Überlieferung, am bekanntesten jene in der Legenda Aurea bewahrte Erzählung, Christopherus habe allein dem mächtigsten und höchsten König der Welt dienen wollen. Bemerkenswerter Weise führt ihn dieser Vorsatz, dem Rat eines Einsiedlers folgend, zuletzt an einen Fluß. Hier hilft er den Menschen bei der Überquerung des tückischen Gewässers, indem er sie, ein Hüne, sicher durch die Fluten trägt. Und hier, an dieser Stelle, offenbart sich der König, den er suchte - als unscheinbares Kind:
Christopherus hob also den Knaben auf seine Schultern, ergriff seinen Stab und stieg in den Fluß, um ihn zu überqueren. Und siehe: Das Wasser im Fluß stieg allmählich immer höher, und der Knabe drückte immer mehr auf Christopherus' Schultern, daß er das Gewicht kaum mehr ertragen konnte. So bekam Christopherus große Angst und fürchtete um sein Leben. Als er nur mit Mühe den Fluß durchquert hatte und wieder herausgestiegen war, setzte er den Knaben am Ufer ab und sagte zu ihm: "Kind, du hast mich in große Gefahr gebracht und bist so schwer gewesen, daß ich wohl kaum ein größeres Gewicht gespürt, selbst wenn ich die ganze Welt auf meinen Schultern getragen hätte". Der Knabe gab ihm zur Antwort: "Wundere dich nicht darüber, Christopherus, denn du hast nicht nur die ganze Welt auf deinen Schultern getragen, sondern auch den, der die Welt erschaffen hat! Denn ich bin Christus, dein König, dem du mit dieser Arbeit dienst".
Vielleicht läßt sich aus dieser Legende eine Lehre ziehen, die womöglich so aussehen könnte: Auch wir wollen geistlich manchmal hoch hinaus, und ein glückliches Wechselspiel zwischen Natur und Gnade macht es uns leicht. 
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Wir wollen dem höchsten König dienen ...
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Gern greifen wir dann zum Meßbuch, zum Rosenkranz, zur Heiligen Schrift, zur geistlichen Lesung, zu was auch immer, solang es nur frommt oder zu frommen dünkt, alldieweil soviel paradisi gloria um uns herum ist oder scheint. Gott bewahre, daß ich dies hier madig machen möchte! Von Zeit zu Zeit wird es gut sein, wenn wir uns auf grünen Auen lagern können und zu stillen Wassern geleitet werden (vgl. Ps 22, 2). Jedoch mag uns rasch eine Selbstüberschätzung einholen, und - wer weiß? - plötzlich rührt unsere Stärke und Zuversicht nicht mehr so ganz und echt von der Freude am Herrn her (vgl. Neh 8, 10). Wir jedenfalls glauben Christus ergriffen zu haben und ihn zu tragen ...
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... bis irgendwann wieder die Zeit hereinbricht, in der wir mehr als knietief durch den Fluß des Alltags waten. 
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Allerdings erwartet er uns oft dort, wo wir ihn weniger vermuten ...
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Gefühlt fern aller himmlischen Heerscharen übrigens und dauernder Gefährdung ausgesetzt. Und der Glaube? Er lastet auf uns, weil er unbequem ist, weil er Dinge fordert, auf die wir im Augenblick eigentlich überhaupt keine Lust haben. 
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Aber sind dies nicht jene Augenblicke, nicht jene Herausforderungen, in welchen wir - trotz des Scheiterns in diesem oder jenem Punkt - wirklich gefragt und gefordert werden und zeigen können, welchem König wir dienen wollen? Wo er auf uns wartet und uns drängt, ihn mit durch die Brühe unserer Gottesvergessenheit zu tragen? Und wo er unsere Erwartungen, die wir sonst hegen, womöglich auch ein wenig zurecht stutzt? Der heilige Christopherus helfe als Fürsprech bei seinem und unserem König, wenn wir einmal mehr in diesen Sumpflöchern herumtappen - ora pro nobis!

Dienstag, 24. Juli 2012

Robusta 2012 - Danke für die Nominierungen

Die Liebe: allegorischer Kanzelputto
Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt
Ehrenkirchen-Kirchhofen 
Ein Blick auf die Nominierungen zur Robusta 2012 hat mir verraten, daß Pro Spe Salutis in zwei Kategorien nominiert worden ist: Einmal in der Kategorie Spiritualität, ein andermal in der Kategorie Augenhonig. Einen herzlichen Dank denen, die bei diesen Kategorien an diese Seite gedacht haben!
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Es freut mich umso mehr, weil es sich hierbei um zwei Bereiche handelt, die mir beim Bloggen sehr wichtig sind: Im Glauben mit anderen teilen zu können, was mich selbst nährt und aufrichtet und trägt, und überdies für die Schönheit dieses Glaubens und seiner zahllosen Facetten einen möglichst bildmächtigen Ausdruck zu finden (weswegen ich auch immer wieder gerne mit mehr oder minder großer fortune samt Kamera über Kirchen und Kapellen herfalle). Ihren letzten Grund findet diese Schönheit, alle irdischen Nachahmung und Ein-Bildung überschreitend und aus dieser letzten Quelle schöpfend, in Gott selbst. Daß dieses "Programm" bislang soweit geglückt scheint, um dieser Seite zwei Nominierungen einzubringen, freut mich natürlich sehr, kommt bereits einem kleinen Preis gleich und ist Ansporn im selben Atemzug. Nochmals: Danke!
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Alle Nominierungen auf einen Blick bietet unser Herr Alipius, der Unermüdliche, auf dieser Seite hier - auch an ihn ein herzhaftes Vergelt's Gott für die ganzen Arbeitsinvestitionen in und für die Blogozese! 

¶ Sententiæ X

"Das Heilige den Heiligen". Heilig ist das aufliegende Opfer, weil der Heilige Geist darauf herabgekommen ist. Heilig seid andererseits ihr, weil ihr des Heiligen Geistes gewürdigt wurdet. Das Heilige gehört also den Heiligen.
Ihr erwidert: "Einer ist heilig, einer der Herr, Jesus Christus". In der Tat ist nur einer heilig, seinem Wesen nach heilig. Zwar sind auch wir heilig, jedoch nicht unserem Wesen nach, sondern infolge der Teilnahme ...
St. Cyrill von Jerusalem

Montag, 23. Juli 2012

Introibo - vom Sinn der Eingangsprozession beim Hohen Amt

Zu seinen Toren ziehet dankend ein (Ps 99, 4).
Prozessionskreuz
St. Remigius, Merdingen am Tuniberg
Das Stufengebet des außerordentlichen römischen Ritus, wie wir es heute kennen, hat sich aus der Praxis entwickelt, daß ehedem der Priester auf dem Weg zum Altar Gott seine Sündhaftigkeit bekannte und um Vergebung bat. Vor dem Ende des 1o. Jahrhunderts findet sich zudem der Brauch, dies mit Psalm 42 zu verbinden: Introibo ad altare Dei - "zum Altar Gottes will ich treten".
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Diese Praxis setzte weiland einen gewissen Weg voraus, der zurückgelegt werden mußte. Daß es nicht darum ging, möglichst rasch von der Sakristeitür zum Altar zu kommen, wird durch die Gebete verdeutlicht, die diesem Weg quasi eine innere Richtung gewiesen haben. Übrig geblieben ist davon heute nur noch eine Eingangsprozession, wie sie hin und wieder an hohen Feiertagen gepflegt wird. Ansonsten ist das Empfinden, daß der Gang zum Altar mehr ist als ein zweckmäßiges Herantreten, meist verloren gegangen. Oft trennen nur wenige Schritte Sakristei und Altar; zumeist nehmen die Priester den kürzesten Weg, zumal die benannten Initialriten zwischenzeitlich an den Stufen des Altares gebetet werden, was ihnen den besagten Namen "Stufengebet" eingebracht hat.
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Ein Verlust, wie ich meine, und ich sehe keinen Grund, der dagegen spräche, nicht nur an besonderen Feiertagen, sondern an jedem Sonntag im wahrsten Sinn des Wortes zur (Haupt-) Feier der Heiligen Messe - zum Hohe Amt - mit einer Eingangsprozession, welcher das Kreuz vorangetragen wird, zu schreiten, sofern die Gegebenheiten dies erlauben.
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Das Hohe Amt ist nicht nur eine fromme Übung oder eine Folge des Sonntagsgebots, sondern der Höhepunkt der Woche. Die Gemeinde sammelt sich um den Altar, um in der Vergegenwärtigung des Kreuzesopfers die heiligen Mysterien des Pascha zu feiern. Das Hohe Amt ist damit nicht nur ein Gedächtnis "unter anderem" des Ostertages, es ist die Erneuerung dieses Tages und graduell nicht weniger bedeutsam als der Ostersonntag an sich. Dies sollte in der Feier, soweit es geht, zum Ausdruck gebracht werden - warum nicht durch ein besonders "feierliches" Hinzutreten zum Altar? Es geht dabei aber keineswegs nur um ein dekoratives Element. 
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Fangen wir mit dem Kreuz an, welches dieser Prozession vorangetragen werden soll; die früheste Weisung hierzu - jedwede Art von Prozession betreffend - rührt übrigens von Kaiser Justinian I. (gest. 565) her. Für die streitende Kirche ist das Kreuz das Feldzeichen dieses Äons, wie es zugleich das Siegeszeichen ihres verklärten Herrn ist (dazu hier einige lesenswerte Gedanken von Odo Casel OSB). Gibt es auch nur einen zwingenden Grund, warum man dieses Feldzeichen allzu oft in der Sakristei weggesperrt hält? Wäre es nicht im geistigen Ringen mit der Zeit sinnvoll, dieses Symbol regelmäßig zu Ehren zu bringen - nicht zuletzt auch zwecks Zurüstung der Gläubigen? Das sozusagen "majestätisch" vorangetragene Kreuz erweitert den Ausdruckskanon dessen, was wir alles mit der Botschaft vom Kreuz verbinden, wie kaum eine andere Darstellung um die Mahnung an die Gläubigen, milites christiani zu sein, Streiter Christi. In hoc signo vinces: "In diesem Zeichen wirst du siegen"! 
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Aber auch die Prozession selbst ist mehr als nur dekorativ. Mittelalterliche Liturgiker sahen in Prozessionen nicht nur ein Bild für die Wanderung der Kirche zur ewigen Heimat des Himmels, sondern auch eine Erinnerung an den Auszug des Volkes Israel aus Äygypten - und hier berührt die Eingangsprozession des Hohen Amtes unmittelbar die tiefe Dimension der sonntäglichen Pascha-Feier.
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Man kann überdies einen tiefen Sinn darin sehen, wenn der Priester nicht einfach aus der Sakristeitür und am Volk vorbei, sondern aus dem Volk heraus an den Altar tritt. Denn er ist der aus dem Volk Gottes "Herausgerufene", jener, der aus den Vielen berufen ist und sich, diesem Ruf folgend, ganz Christus zur Verfügung stellt - Christus, dem Herrn, der durch ihn, durch den Priester, handelt und die österlichen Mysterien in der Feier des Heiligen Opfers vergegenwärtigt. Überdies ist der Priester - quantitativ, nicht qualitativ! - mehr als "nur" ein alter Christus, das heißt: mehr als ein in persona Christi Handelnder. Denn tritt er an den Altar, so tut er es nicht allein als Individuum, sondern er waltet auch als Stellvertreter des Volkes Gottes, aus dem er - nochmal sei es betont - hervorgeht und hervorgerufen ist: In ihm vollendet sich das "königliche Priestertum" des heiligen Volkes Gottes (vgl. Petr 2, 9) in dessen ganzer Fülle.
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Vielleicht läßt es sich auch so sagen: Wie Christus die menschliche Natur geheilt und geheiligt hat, indem er sie an sich zog und sie durch Kreuz, Auferstehung und Verklärung ihrer eigentlichen Bestimmung zurückgab, so trägt auch der Priester seine und der Glieder des Gottesvolkes menschliche Natur an den Altar, um diese dort in der Vereinigung mit Christus ihrer eigentlichen Bestimmung zuzuführen und - unter anderem - auch das Priestertum der Gläubigen zu besiegeln. Wenn der Priester hierzu aus dem Volk zur heiligen Handlung schreitet, so ist dies ein sinnfällige Zeichen dieses Vorgangs.

Samstag, 21. Juli 2012

"Mittelalterliche" Glaskunst


War gestern mal wieder auf Stöberexpedition im Diakonie-Sozialladen und trug danach - unter anderem - für gerade mal zwei Euro obiges Glasbild nach Hause ... das Abendmahl, die Reproduktion eines Fenstersstücks aus der Kathedrale von Chartres. Im Vergleich zum Original farblich etwas blass geraten, aber wer will bei dem Preis schon meckern?
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Ich hab es flugs Zuhause aufgehängt. Nun ja, die Platzwahl vor einer Fensternische ist in etwa so optimal wie beim Intrumentarium darunter, aber direkt am Fenster läßt es sich schlecht anbringen und was Besseres ist mir nicht eingefallen ... jedenfalls freue ich mich über diesen Fund!
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Freitag, 20. Juli 2012

Die Regel V

Ad te ergo nunc mihi sermo dirigitur, quisquis abrenuntians propriis voluntatibus, Domino Christo vero regi militaturus, oboedientiae fortissima atque praeclara arma sumis.
An dich nun richte ich meine Rede, wer immer du seiest - wenn du deinem eigenen Willen entsagst und die starken, glänzenden Waffen des Gehorsams ergreifst, um dem wahren König, Christus, dem Herrn, zu dienen (Regula Benedicti, Prolog, 3).
Dem eigenen Willen entsagen
Benedikt ist realistisch. Wir müssen wirklich kämpfen, den Kampf Christi.
Benedikt spricht zu entschlossenen, mutigen Menschen, wie sich ernsthaft auf den Kampf einlassen wollen. Mit welchen Mitteln?
Mit den Waffen Christi, den starken und glänzenden Waffen des Gehorsams. Die Vorbedingung für den Gehorsam aber ist, gehorchen zu wollen, das heißt, unseren Willen aus Liebe dem Willen eines anderen unterzuordnen. Gehorchen heißt lieben. Lieben heißt, den eigenen Willen dem Willen des Geliebten auszuliefern.
Abt Denis Huerre OSB, Abbaye de la Pierre-qui-Vire (September 1958)

Dienstag, 17. Juli 2012

Einwurf ... FDP

"Too stupid to understand science - try religion!" ... meint also Markus Löning, seines Zeichens "Menschenrechtsbeauftragter" bei der FDP. Wie originell!
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Der Spruch rangiert übrigens, obgleich nicht überbordend gewitzt erfunden, in entsprechenden Charts (Top 50 Atheist Sayings) auf dem vierten Platz. Sofern man jedenfalls dieser Liste folgt, die überdies nahelegt, daß Atheisten nicht durchgängig die intelligenteren oder geistreicheren Zeitgenossen sind.
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Doch zurück zu Löning. Der tumbe Satz? Geschenkt. Von der FDP erwarte ich ohnehin seit geraumer Zeit nichts Besseres. Nicht geschenkt: Die saudumme Rechtfertigung, die Löning hinterhergereicht haben soll - er habe die Toleranz der Glaubenden damit testen wollen ...
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Aber Danke für den Freifahrschein zum Kalauern: FDP ... Fatal Dummes Personal.

Fest der Demut Unserer Lieben Frau

Immaculata - Bildstock bei der Kirche
Mariä Himmelfahrt, Wittnau
Respexit humilitatem ancillæ suæ - "Er hat geschaut auf die Niedrigkeit seiner Magd" singt Maria im Magnificat (Lk 1, 48). Diese "Niedrigkeit", das Sich-ganz-zurücknehmen hat sie zur Mutter des Herrn werden lassen. Die Kirche feiert dies mit einem eigenen Fest, welches regional unter Umständen auch an anderen Tagen, dem Missale Romanum folgend traditionell aber überwiegend am 17. Juli gefeiert wird: Das Fest Humilitatis Beatæ Mariæ Virginis, die Feier der Demut Unserer Lieben Frau. Das Tagesgebet formuliert den Festgedanken:
Deus, qui humilia respicis et alta a longe cognoscis: da famulis tuis humilitatem beatæ Mariæ semper Virginis puro corde sectari; quæ virginitate placuit, humilitate concepit Dominum nostrum Jesum Christum: Qui tecum vivit et regnat ...
Gott, du achtest der Demütigen und siehst nur von fern auf die Stolzen. Laß deine Diener der Demut der seligen und immerwährenden Jungfrau Maria reinen Herzens nacheifern. Ihre Reinheit weckte dein Gefallen und empfangen ließ sie ihre Demut unseren Herrn Jesus Christus, der mit dir lebt und herrscht in der Einheit des Heiligen Geistes: Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Montag, 16. Juli 2012

Blogeintrag 150

Sancta Trinitas
Deckenbild in der Pfarrkirche St. Remigius, Merdingen
Alleluja!
Lobpreist den Herrn in seinem Heiligtum!
Preist ihn in seiner starken Feste!
Lobt ihn ob seiner großen Taten!
Lobt ihn gemäß der Größe seiner Majestät!
Lobpreist ihn mit Posaunenklang!
Lobt ihn mit Zithern und mit Harfen!
Lobt ihn mit Pauken und mit Reigen!
Lobt ihn mit Saitenspiel und Flöten!
Lobt ihn mit leisen Zymbeltönen!
Lobt ihn mit lauten Zymbeltönen!
Ein jeder Atemzug
lobpreis den Herrn!
Alleluja!
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Das war der 150. Psalm und das ist der 150. Eintrag nach dem Neustart von Pro Spe Salutis. Ich freue mich und danke Gott für den Spaß am Bloggen. Und ich danke allen lieben Leserinnen und Lesern, die mich vor einiger Zeit zwecks Weitermachen in den Hintern getreten haben und hier immer mal wieder vorbeischauen. Vielleicht betreibe ich demnächst noch ein wenig Nabelschau ...?!?

Unsere Liebe Frau vom Berg Karmel

Der hl. Simon von England empfängt das Skapulier;
ehem. Abteikirche St. Peter im Schwarzwald
Ein Geheimnis umweht den Berg Karmel. Auf ihm brachte Israels größter Prophet sein berühmtes Opfer dar, das den Baalskult entlarvte und für den wahren Gott entschied. Von ihm aus sah Elias die kleine, regen- und segensschwere Wolke aufsteigen, die ein Symbol Mariens ist. Auf ihm weilte sein größter Schüler, der wundertätige Elisäus. In seinen zahlreichen Kalkhöhlen fanden Einsiedler Gebets- und Gnadenstätten in überreicher Zahl. Deshalb fand auch auf ihm ein ganzer Orden seine Geburtsstätte, der nach ihm sich nennt und der christlichen Welt die größten Lehrer mystischen Betens geschenkt hat. Damit klärt sich auch, warum sie ihn suchten. Fern wollten sie sein dem Getriebe der Welt. Ungestört wollten sie dem Herrn leben und ihm nahe sein. 
Hineinbetrachten wollten sie sich in das Geheimnis des Unfaßbaren, um in geheimnisvoller, allen Unerfahrenen unerklärbarer Weise mit dem Unendlichen vereint zu sein, den sie fühlbar in sich erleben, dessen selige Umarmung sie genießen, für den in seliger Trunkenheit sie sich opfern wollten ...
Carl Feckes: So feiert dich die Kirche. Maria im Kranz ihrer Feste. Kaldenkirchen (2) 1957. S. 108.
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Scapulis suis obumbrabit tibi - "mit seinen Schwingen wird er dich umhüllen" (Ps 90, 4) - Informationen zum Skapulier des Karmel (auch als braunes Skapulier bekannt) finden sich in einem pdf-Dokument hier.

Freitag, 13. Juli 2012

Einwurf ... Evangelisten

Vorhin kreuzte in einem Adobe Connect-Werbefilmchen ein "Product Evangelist" mein Blickfeld; ein Job, für den ich die Mehrzahl der deutschen Theologen kaum geeignet hielte ...

Mittwoch, 11. Juli 2012

Robusta 2012 - meine Nominierungen

War garnicht so einfach. Mit vielleicht wenigen Ausnahmen - um die ich schlicht nicht herumkam - habe ich versucht, die "üblich Verdächtigen" und einige andere, die bereits üppig nominiert wurden, eher zu umschiffen. Nicht, daß diese es nicht verdient hätten, aber ich fand es reizvoller, eher "Seiten von der Seite" aufzustellen.
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Ich würde mir wünschen, daß man wirklich einen wohlwollend prüfenden, also intensiveren Blick darauf wirft. Derowegen habe ich die von mir nominierten Blogs nochmals eigens verlinkt ...
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Qualität - Weil einfach irgendwie immer alles rund ist und schön und in sich stimmig: Braut des Lammes
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Spiritualität - Weil stets aus vielfältigen und sprudelnden katholischen Quellen schöpfend: Frischer Wind
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Papsttreue - Weil nicht nur benediktinisch, sondern auch pianisch: Demut jetzt!
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Politik - Weil so konservativ wie hin und wieder erschreckend politisch unkorrekt: Exsurge Domine
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Dialog - Weil wir darin stets voranschreiten können und ich auf so ziemlich jeden Kommentar dort eine Antwort bekomme, wenngleich ich die nicht immer verstehe: Freiburgbärin
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Augenhonig - Weil er sich immer wieder seine Kamera schnappt und wunderbare Bilder aus Gottes großem Garten präsentiert: Sacerdos Viennensis
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Kultur - Weil Lyrik und gute Bücher auch in der Blogozese eher unterschätzt werden: Morgenländers Notizbuch
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Frische - Weil er sich vom Start weg kontinuierlich weiterentwickelt hat und auch optisch immer wieder Freude macht: Invenimus messiam
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Mauerblümchen - Weil Politik in Österreich so ähnlich grottig zu sein scheint wie hierzulande und es sich sonst auch lohnt, immer wieder vorbei zu schauen: Bellfrell
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Zwerchfell - Weil dieser links-unterschwellige Humor (wenn denn Linke Humor haben) von ganz eigener Art ist und er sich hier über Zeitenläufe und Perspektivwechsel erhalten zu haben scheint: Thermometer
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Cocktail - Weil manchmal nichts interessanter ist als der Alltag, vor allem, wenn geistliche Stammwürze und ein Kater mit im Spiel sind: vorgestellt - nachgedacht
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Trägheit - Weil ich es bedauere, daß eine einst sehr interessante Seite heute nur noch ab und an aus der Versenkung auftaucht: Epistulae Tiberii
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Abseits - Weil sich auch der Nachwuchs eines Blogozesanen eine kleine Anerkennung verdient hat: Die wilden Füchse 
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Sonderpreis - Weil man sich in der Diaspora mit den Strukturen rumschlagen muß, die man vorfindet, und sich nicht so leicht andere suchen kann. Und weil hier darüber geschrieben wird. Und weil beides honoriert gehört: Pulchra ut luna
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Bei Großmaul bin ich noch unentschieden. Entweder fällt mir noch jemand ein, oder jemand, der seine Nominierung schon abgegeben hat, aber gerne noch einen Kandidaten unterbringen möchte, schreibt einen Vorschlag im Kommentarfeld, oder ich reiche meine Liste demnächst ohne diese Kategorie bei unserem Herrn Alipius ein ...

Dienstag, 10. Juli 2012

Bischof Müller und die Jungfrau Maria

Eines vorweg: Angesichts der Tatsache, daß es sich bei Bischof Ludwig Müller - alles in allem - um einen Lichtblick im deutschen Episkopat gehandelt hat, begrüße ich die Berufung des Regensburger Bischofs zum Leiter der Glaubenskongregation und bedauere sie im gleichem Atemzug. Und natürlich wünsche ich Erzbischof Ludwig Müller Gottes Segen für seine neue, große Aufgabe und - die gewonnene Distanz zum Gefechtsstand Zaitzkofen könnte helfen - ein vielleicht etwas größeres Herz für die Anliegen jener Katholiken, die sich dem außerordentlichen römischen Ritus verbunden wissen.
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Madonna
St. Johannes Baptist
Oberrotweil am Kaiserstuhl
In die Lobeshymnen, welche über die Blogozese hin angestimmt wurden, kann ich dennoch nicht ganz einstimmen. Ohne Zweifel muß man gewiß nicht - wie es die Piusbruderschaft veranstaltet - einen als Pressemitteilung getarnten Inquisitionsbericht in die Welt setzen. Doch es stehen Themen im Raum, deren Klärung wünschenswert wäre. Darunter zähle ich die Aussagen Müllers zur Jungfräulichkeit Mariens vor und nach und während der Geburt Christi. Zu letzterem Dogma schreibt Müller in seiner Dogmatik (Katholische Dogmatik für Studium und Praxis. Freiburg (5) 2003):
Es geht nicht um abweichende physiologische Besonderheiten in dem natürlichen Vorgang der Geburt (wie etwas die Nichteröffnung der Geburtswege, die Nichtverletzung des Hymen und der nicht eingetretenen Geburtsschmerzen), sondern um den heilenden und erlösenden Einfluß der Gnade des Erlösers auf die menschliche Natur, die durch die Ursünde "verletzt" worden war. … Der Inhalt der Glaubensaussage bezieht sich also nicht auf physiologisch und empirisch verifizierbare somatische Details (S. 498).
Dem muß entgegengehalten werden: 
Es ist Glaubenssatz: Maria hat ohne männliches Prinzip durch die Kraft des Heiligen Geistes empfangen und ohne Verletzung der leiblichen Unversehrtheit geboren (Schmaus S. 107).  
Es geht also doch - und keineswegs nur am Rande - um "Besonderheiten in dem natürlichen Vorgang der Geburt". Diese "Besonderheiten" führten nach Ansicht mancher Dogmatiker zur klaren Ausdifferenzierung in einem eigenen Glaubenssatz, wie er in der klassischen "Schuldogmatik" dann auch traditionell vorgestellt wurde:
Zweiter Satz. Maria blieb auch während der Geburt Christi unverletzte Jungfrau. De fide (Pohle S. 284).
Denn während ...
... die jungfäuliche Schwangerschaft dem Denken weniger Schwierigkeiten bereitet, verhält es sich wesentlich anders mit der jungfräulichen Geburt, weil die wahre Mutterschaft Marias ein wahres Gebären voraussetzt, welches ohne Verletzung nicht vor sich gehen zu können scheint. Allein gerade deswegen ist die virginitas in partu im kirchlichen Glaubensbewußtsein zu einem von der virginitas in conceptione logisch verschiedenen Dogma geworden ... (Pohle a.a.O.).
Wenn Müller "den heilenden und erlösenden Einfluß der Gnade des Erlösers auf die menschliche Natur" zum Glaubensinhalt der virginitas in partu erklärt, so vermengt er meines Ermessens den tragenden Grund eines anderen Dogmas, nämlich des Glaubenssatzes, welcher die Unbefleckten Empfängnis Unserer Lieben Frau bekennt, mit der Jungfräulichkeit der Mutter Gottes. In der Tat nämlich wurde Maria - Müllers Darlegungen passen hier perfekt - durch "den heilenden und erlösenden Einfluß der Gnade des Erlösers auf die menschliche Natur" vor den Makeln der Ursünde völlig und ganz bewahrt. 
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Nur ist diese sogenannte redemptio anticipata (die im Hinblick auf die Verdienste Christi zur Berufung Mariens "vorweggenommene Erlösung") etwas völlig anderes als die virginitas in partu. Hierbei handelt es sich um zwei unterschiedliche besondere Privilegien Mariens, wobei zweiteres nur insofern vom ersten Privileg abhängt, wie alle Privilegien der Gottesmutter in deren Unbefleckter Empfängnis Wurzel fassen.
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Ich denke (wobei es darauf, zugegeben, am wenigsten ankommt), Bischof Müller hat hier einen Versuch unternommen, einen Glaubenssatz zwischen Orthodoxie und Rationalismus auf einem "dritten Weg" zu begründen, ohne daß dies wirklich gelungen ist. Vielleicht wäre es angebracht, in weiteren Auflagen von Müllers Dogmatik diesen Passus im Sinne des Glaubens der Kirche stillschweigend zu ändern ...?
Das Wesen der leiblichen Unversehrtheit zu kennen, welche von der Offenbarung gemeint ist, steht uns nicht zu. Weil es eine Gegebenheit der Offenbarung ist, nimmt sie Teil am Geheimnis, das die ganze Offenbarung darstellt. Die Theologie vermag das Geheimnis ins Licht zu stellen, es aber nicht völlig zu durchleuchten. In ihm scheint Gottes Macht in neuem Glanze auf.
Die Väter vergleichen die jungfräuliche Geburt Christi mit dem Durchgang des Sonnenstrahls durch das Glas, mit dem Hervorgang Christi aus dem versiegelten Grabe, mit seinem Eintritt durch verschlossene Türen, mit der Entstehung eines Gedankens im menschlichen Geiste. Diese Vergleiche können jedoch bloß die Richtung angeben, in welche wir blicken müssen, um auf das Geheimnis der jungfräulichen Geburt hinzusehen. Würde man in ihnen mehr als ferne Andeutungen sehen, dann würden sie zu einer Gefährdung der Wirklichkeit des Leibes und der Geburt Christi (Schmaus S. 131).
Joseph Pohle: Lehrbuch der Dogmatik. Zweiter Band. Paderborn (3) 1907. - Michael Schmaus: Katholische Dogmatik. Fünfter Band. Mariologie. München 1955.
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Update: Ein anderes Meinungsbild zu diesem Thema findet sich hier auf Invenimus Messiam.

Die Regel IV

Obsculta, o fili, praecepta magistri, et inclina aurem cordis tui, et admonitionem pii patris libenter excipe et efficaciter comple, ut ad eum per oboedientiae laborem redeas, a quo per inoboedientiae desidiam recesseras.
Höre, mein Sohn, auf die Weisung des Meisters und neige das Ohr deines Herzens. Nimm die Hinmahnung eines gütigen Vaters gerne an und vollende sie nachhaltig in der Tat, damit du durch Bemühen im Gehorsam zu dem zurück kehrst, von dem du dich durch die Trägheit des Ungehorsams entfernst hast (Regula Benedicti, Prolog, 1-2).
... durch die Trägheit des Ungehorsams ...
Benedikt nimmt die Gefahr einer gewissen Verweichlichung im monastischen Leben sehr ernst, weil sie sich den Anforderungen des Evangeliums entziehen will. Es handelt sich nicht um ein ausgesprochenes Paktieren mit dem Unrecht, vielmehr um einen Mangel an Wachsamkeit, an Mut und Loyalität in Anschauung und im Tun. Die Regel aber will uns das Evangelium vor Augen führen, uns zu neuer Wertschätzung für den Ernst des Lebens und den Einsatz für die Sache des Herrn anleiten.
Abt Denis Huerre OSB, Abbaye de la Pierre-qui-Vire (September 1967)

Montag, 9. Juli 2012

Fest "Maria, Königin des Friedens"

Ehrenmal für die gefallenen Soldaten der Weltkriege
Gedächtniskapelle in St. Peter im Schwarzwald
Im heiligen Namen Gottes, unseres himmlischen Vaters und Herrn, um des gesegneten Blutes Jesu willen, welches der Preis der menschlichen Erlösung gewesen, beschwören Wir Euch, die Ihr von der göttlichen Vorsehung zur Regierung der kriegsführenden Nationen bestellt seid, diesem fürchterlichen Morden, das nunmehr seit einem Jahr Europa entehrt, endlich ein Ziel zu setzen. 
Es ist Bruderblut, das zu Lande und zur See vergossen wird. Die schönsten Gegenden Europas, dieses Gartens der Welt, sind mit Leichen und Ruinen besät. Ihr tragt vor Gott und den Menschen die entsetzliche Verantwortung für Frieden und Krieg. Höret auf Unsere Bitte, auf die väterliche Stimme des Vikars des ewigen und höchsten Richters, dem Ihr werdet Rechenschaft ablegen müssen. 
Die Fülle der Reichtümer, mit denen Gott der Schöpfer die Euch unterstellten Länder ausgestattet hat, erlauben Euch gewiss die Fortsetzung des Kampfes. Aber um was für einen Preis? Darauf mögen die Tausende junger Menschenleben antworten, die alltäglich auf den Schlachtfeldern erlöschen. 
(Exhortatio von Benedikt XV. am 28. Juli 1915).
Die päpstlichen Mahnungen, gerichtet an die verfeindeten Mächte des Ersten Weltkriegs, fruchteten nichts. Einen der weiteren Versuche, den Frieden zu fördern, unternahm Benedikt XV. am 5. Mai 1917 - diesmal ein Akt geistlicher Natur: Er ließ der Lauretanischen Litanei die Anrufung Regina pacis, ora pro nobis - "Du Königin des Friedens, bitte für uns" hinzufügen. Nun fällt der Friede nicht vom Himmel, und sofern die Definition des hl. Augustinus, der Friede sei die Ruhe in der Ordnung (Pax est tranquillitas ordinis - De Civitate Dei XIX, 15), zutreffen sollte, so mag sich der Europäer selbst Jahrzehnte nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges fragen, wie "friedlich" die Zeiten eigentlich sind, in denen wir heute leben. Der Krieg feiert Urständ nicht nur in Schlachten.
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Seinen Ursprung hat das heutige Fest allerdings andernorts: Als "Königin des Friedens" wurde Maria bereits im 17. Jahrhundert besonders verehrt. In ihrer Pariser Klosterkirche bargen Kapuziner ein Gnadenbild unter diesem Titel, dem einige wundersame Heilungen nachgesagt wurden - die bedeutendste soll am 9. Juli 1657 dem Sonnenkönig höchstselbst, Ludwig XIV. wiederfahren sein, was sich im heutigen Festdatum niederschlägt. Das Bild überdauerte die Französische Revolution und wird heute in der Pariser Kirche der Genossenschaft von den Heiligsten Herzen Jesu und Mariä verehrt.
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Einer Madonna aus dem belgischen Scherpelheuvel ist das Gnadenbild "Maria, König des Friedens" nachgestaltet, welches auf Veranlassung der französischen Königin Maria di Medici dem Kölner Karmel Maria vom Frieden geschenkt wurde. Die Gnade, heißt es, baue auf der Natur auf, und so kann es als Fanal gesehen werden, daß dieses Gnadenbild der Friedenskönigin in einer Bombennacht 1942 mit der Kirche unterging. Nach dem Krieg wurde dem Kloster ein neues Bild geschenkt, welches Pius XII. segnete - es wird bis heute im Kölner Karmel verehrt. Zum heutigen Fest hatte die hl. Teresia Benedicta a Cruce - Edith Stein - übrigens Texte für Messe und Stundengebet entworfen. 

Tagesruf - Nachrichtenformat im Geist des Mittelalters

Wenn einem nach der Tagesschau einmal mehr die Haare zu Berge stehen oder man sich wünscht, man hätte auf dem Zweiten besser nichts gesehen, dann wird es Zeit für außerordentlich altertümelnde Nachrichtenformate ...

¶ Sententiæ IX

Sobald der Mensch entscheidet, daß alle Mittel recht sind, um ein Übel zu bekämpfen, unterscheidet sich die Absicht nicht mehr von dem Übel, das es zu zerstören galt.
Christopher Dawson

Sonntag, 8. Juli 2012

Unterwegs ... Waldshut, Liebfrauen

Auf dem Heimweg von einer Gebetsnacht in Zürich-Seebach, wo ich die Orgel traktiert habe, ließ ich mir am Samstag einen Abstecher nach Waldshut, einer Stadt nicht weit vom Hochrhein, angelegen sein. Klassizistische Kirchengebäude sind in der Region eher spärlich gesät. Am ehesten finden sich Gotteshäuser im sog. "Weinbrenner-Stil", einer vom Karlsruher Baudirektor Friedrich Weinbrenner geschaffenen und von der Badischen Landesregierung in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts bevorzugten Architekturform, die schlicht und kostengünstig (maledicens "einfach billig") zu realisieren war. Eine weitere wichtige Ausnahme bildet überdies das Kloster St. Blasien.
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Von dort rührte auch der Auftrag zum Neubau der Waldshuter Liebfrauenkirche her. Abt Berthold Rottler erteilte ihn 1804, zwei Jahre vor der Säkularisation der Benediktiner-Abtei, und übertrug die Aufgabe an Sebastian Fritschi, den Architekten des Klosters. Nach der Aufhebung des Klosters wurde Fritschi der Badischen Bauaufsicht unterstellt und zu Kostensenkungen verdonnert, worunter auch die Bauausführung gelitten hat. 1808 wurde das Gotteshaus benediziert; die eigentliche Weihe erteilte erst 1833 der Weih- und nachmalige Freiburger Erzbischof Herrmann von Vicari.
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Nicht zuletzt am Hochaltar ist der Einfluß des französischen Klassizimus deutlich, den vor allem Pierre Michel d’Ixnard, der Baumeister des Doms von St. Blasien, in die Region brachte. In dessen Spurten bewegte sich auch noch Fritschi. Die Seitenaltäre sind im Zuge der Säkularisation von St. Blasien nach Waldshut versetzt worden (die jeweiligen Statuen stammen jedoch aus späterer Zeit).
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Leicht jüngeren Datums ist die Taufkapelle in einem Anbau zum Gemeindehaus hin. Das dezent Weiße hinten an der Wand neben dem Grünzeug ist tatsächlich ein in die Wand eingelassenes Tabernakel; da die Halterung fürs Ewige Licht (hinterm Gebüsch) leer war, scheint es aber nicht in Gebrauch. Ansonsten dürfte zumindest den Besuchern des diesjährigen Freiburger Bloggertreffens das Konzept eines zwischen Altar und Lesepult liturgisch bespielbaren Raumes vertraut sein ...
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Apropos "liturgisch bespielbar" ... wenn Liturgen einen gottesdienstlichen Raum in alle möglichen Richtungen feiernd und kommunizierend beschreiten sollen, dann könnte man diesen doch auch wieder "nach oben" hin "bespielen", oder ...!?!
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Die Liebfrauen-Kirche verfügt zudem über ein interessantes Geläute. Nähere Informationen sind hier zu finden.