Sonntag, 29. April 2012

Unterwegs ... zu Unserer Lieben Frau vom Guten Rat

Am vergangenen Donnerstag, den 26. April, feierte die Erzdiözese Freiburg das Fest des hl. Trudpert, Bote des Glaubens im Breisgau. Auf diesen Tag fällt zudem das Mariengedächtnis Unserer Lieben Frau vom Guten Rat. Der hl. Trudpert ist nicht nur der Schutzheilige des nach ihm benannten Klosters, worüber ich hier schon mal was geschrieben hatte, sondern auch Patron der Berghauser Kapelle auf dem Schönberg, einem Schwarzwald-Vorgebirge südwestlich von Freiburg. Damit das Marienfest am 26. April nicht unter den Tisch falle, stellten die Altvorderen in dieser Kapelle auch eine Nachbildung des Gnadenbildes Unserer Lieben Frau vom Guten Rat auf, womit sich auch bald eine Wallfahrt verband. Alles in allem gestern Grund genug, um mal vorbeizuschauen.
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Zur kleinen Kirche gehörte ursprünglich ein längst abgegangenes Dorf, dessen Höfe um die Kapelle verstreut lagen. Nach diversen Kriegsverheerungen zogen die Bewohner zum Ende des Mittelalters vor allem zum nahe gelegenen Ebringen. 1526 wurden die beiden Pfarreien zusammengelegt, die Kirche wollte man aber nicht aufgeben - vielmehr ersetzten 1627 und 1784 Neubauten jeweils den Vorgängerbau. Heute wird die Kapelle von den sogenannten Berghauser Matten umgeben, Streuobstwiesen, die zum Naturschutzgebiet erklärt wurden.
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"Die Schöpfung ist ein Buch. / Wer's weislich lesen kann, / Dem wird darin gar fein / Der Schöpfer kund gethan" (Angelus Silesius). Also wenn die Schöpfung "ein Buch" ist, dann dürfte der literaturgeschichtliche Topos locus amoenus für diese Ecke nicht ganz unpassend sein.
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Obwohl die Kirche "ohne Dorf" ihrer eigentlichen Funktion bar war, ist die Ausstattung bemerkenswert, was der Wallfahrt geschuldet sein dürfte. Den Hochaltar dominiert ein Bild des heiligen Trudpert, die Seitenaltäre zeigen die heilige Ursula und das Bild Unserer Lieben Frau vom Guten Rat - beides Arbeiten des Freiburger Kunstmalers Dominik Weber aus dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts. Bei Restaurierungsarbeiten entdeckte man rückseitig von Webers Marienbild Spuren des ursprünglichen Wallfahrtsbildes.
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Mehrmals stand die Existenz des Gotteshauses auf der Kippe. Die Ebringer retteten die Kapelle zuerst vor dem Zugriff des Josephinismus, der gegen Ende des 17. Jahrhunderts im Zeichen der Aufklärung radikal gegen Wallfahrten, Bruderschaften und dergleichen zu Felde zog und dem nicht wenige Kirchen in der Region zum Opfer fielen, sofern diese keine pfarrlichen Funktionen hatten. Nachdem bald darauf 1806 durch die Säkularisierung die St. Gallische Klosterherrschaft von Ebringen (mitsamt der Kapelle) an das Großherzogtum Baden überging, plante man, diesmal in Karlsruhe, erneut einen Abbruch, was nur verhindert werden konnte, indem die (politische) Gemeinde Ebringen die Kirche erwarb und erhielt - bis 1921 war die das Gotteshaus sozusagen eine "kommunale" Einrichtung, danach erst ging es in den Besitz der Kirche über. Neue Gefahren zogen auf, nachdem die Deutsche Wehrmacht von 1938 bis 1940 Stück um Stück Land auf den Berghauser Matten erwarb, um dort einen Truppenübungsplatz einzurichten. Dem Einsatz des Ebringer Pfarrers ist es zu verdanken, daß die Kapelle auch dieses Ansinnen heil überstand.
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Was hat es eigentlich mit diesem Fest Unserer Lieben Frau vom Guten Rat auf sich? Ein paar Worte dazu:
Die Uranfänge der Verehrung der lieben Gottesmutter unter dem Titel "Maria vom Guten Rat" gehen auf eine Legende zurück. Danach soll das Bild unserer Lieben Frau von Genazzano, unweit von Palestrina, auf wunderbare Weise von Albanien nach Italien versetzt worden sein. Zwei Christen, die das Bild vor dem Zugriff der Muselmanen retten wollten, nahmen es mit über das Adritatische Meer und ließen es in einer Augustinerkirche zurück. Dies soll im Jahre 1467 geschehen sein.
Geschichtlich steht folgendes fest: Dieses Bild wurde 1682 vom Kapitel der vatikanischen Basilika gekrönt, und auch der Titel: Unsere Liebe Frau vom Guten Rat ist bereits im 17. Jahrhundert bekannt. Pius VI. gestattete dieses Marienfest im Jahre 1789 dem ganzen Augustinerorden und setzte den 26. April als Festtag ein. Seither gewann dieses Fest immer mehr an Beliebtheit und wird heute in verschiedenen Diözesen gefeiert.
Leo XIII., der aus der weiteren Umgebung von Genazzano stammt, gab diesem Marienfest eine besondere Bedeutung, indem er die Anrufung "Mutter vom Guten Rat" in die Lauretanische Litanei aufnahm.
Carl Feckes: So feiert dich die Kirche. Maria im Kranz ihrer Feste. Kaldenkirchen 1957, 39. 
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Wenn ich das Bild näher betrachte, habe ich so meine eigene These, wie man auf diesen Titel kommen könnte. Auf dem Original - wie auf allen Nachahmungen - schmiegt sich das Jesusknabe besonders eng an die Wange Mariens. Es braucht nur wenig Phantasie, um sich vorzustellen, wie das Kind, bittet jemand Maria um Rat und Hilfe, der Mutter schnell den passenden Tipp ins Ohr flüstert. Diese Vorstellung finde ich, ich sag's mal so: irgendwie sympathisch.
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Zum traditionell katholischen Andachtsschatz zählt das folgende schöne Gebet, das mir ein in der Kapelle ausliegendes Andachtsbild wieder in Erinnerung rief:
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Mutter mit dem Jesuskinde, 
Mutter du vom Guten Rat,
wenn ich keinen Ausweg finde,
zeig' du mir den rechten Pfad.
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Wohl in den verschied'nen Lagen
meines Lebens steh' mir bei,
dann vermag ich stets zu sagen,
daß ich gut beraten sei.
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Doch vernimm jetzt meinen Willen,
den ich zeige durch die Tat:
Immer möge ich erfüllen,
Mutter, deinen guten Rat.
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Auf dem Rückweg entdeckte ich dann weitere Schönheiten aus Flora und Fauna. Eines muß ich ja sagen: Ich war gut beraten, diese kleine Tour zu unternehmen ...
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Samstag, 28. April 2012

Das Kind im Mann

Früher hatten wir eine Modelleisenbahn. Eine schöne kleine Landschaft mit Bahnhof, Häuschen, Kirche, Straßen, Brücke und Tunnel - dann natürlich Geleise und Weichen ... eine kleine Dampflok mit einigen Wagen war mit im Spiel, eine Diesellok samt D-Zug-Wagen brachte mir irgendwann das Christkind zusätzlich vorbei. Alles von Märklin - bis auf die alte Fleischmann-Lok, die sowieso defekt war und darob dekorativ auf einem Nebengleis stand. Der ganze Zauber ward immer nur zur Weihnachtszeit aufgestellt und für den Rest des Jahres hochkant in einem fest verschraubten Verschlag im Keller verwahrt. Das scheint mir heute kaum noch üblich: Spielzeug, an das man nur zu bestimmten Zeiten rangelassen wurde. 
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Trotz der Rationierung verschwand das Interesse mit zunehmendem Alter, wenngleich schleichend, zumal ich irgendwann (ich Depp!) die Bahn demontiert hatte, um sie prächtiger, schöner, größer wieder aufzubauen - und daran kläglich scheiterte. Zurück blieb ein Torso, an dem ich die Lust verlor.
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Nachdem mein Vater in den Zwangsruhestand abgeschoben wurde, nahm er sich der Sache nochmals an, kaufte zusätzliche Schienen, einen ICE, weitere neue Wagen, eine größere Dampflok und baute die Bahn wieder auf. Als seine Augen aber immer schlechter wurden, verkaufte er alles, keine Ahnung, warum genau. Als ich es mitbekommen hatte, war die Sache schon über die Bühne; da half auch der Protest nicht weiter, daß zumindest die Diesellok und die D-Zug-Wagen mir gehörten, schließlich hatte ich sie ja einst zu Weihnachten bekommen.
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Das alles ist jetzt auch schon wieder Jahre her. Neulich entdeckte ich bei Ebay ein als Dachbodenfund deklariertes Angebot. Just zur Tagesschau klingte es vorher an der Tür; seltsam, zu welchen Zeiten Pakete noch gebracht werden. Und drin war das:
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Wie früher: Geleise und Weichen ... und eine kleine Dampflok mit einigen Wagen ist mit im Spiel. Ich weiß nicht, ob ihr das nachvollziehen könnt, aber ich freu mich wie ein Honigkuchenpferd!

Ein Stück vom Paradies ...

... schien mir heute vor Augen geraten ... mit Schafen ... im Wald ... und emsigen Bienen und anderem mehr. Wo mag es gelegen haben? Mehr dazu heute oder in den nächsten Tagen!
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Montag, 23. April 2012

Das elfte Gebot

Früher war eben auch nicht alles besser! Erinnern wir uns: Da veranstaltete Gott weiland einen riesen Bohei am Berg Sinai, um ein paar ultimative Gebote an den Mann zu bringen:
Und Gott redete all diese Worte; er sprach: Ich bin der Herr, dein Gott, der dich aus dem Ägypterland, aus dem Frönerhaus, führte. / Hab keine andern Götter neben mir! Mach dir kein Bild noch Abform dessen, was im Himmel droben oder auf Erden unten oder im unterirdischen Wasser ist! / Wirf dich nicht davor nieder! / Diene ihnen nicht ... usw. Und alles Volk ward inne der Donnerschläge, der Blitze, des Posaunenschalls und des rauchenden Berges (Ex 20, 1 - 18).
Was passierte da genau? Gott zählte bis zehn, rundete die Szene mit einer prickelnden Show ab und vergaß - das elfte Gebot! Das ist so, wie wenn Angela Merkel ihre Weihnachtsansprache hielte, brennende Kerzen am Baum, dazu die aufmunternd deprimentöse Mimik unserer Bundeskanzlerin ... und am Ende vergäße sie, uns - alle Jahre wieder - darauf einzuschwören, daß alles zwar irgendwie immer schwieriger, aber deswegen auch immer schöner werden würde. 
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Gott sei Dank gibt es neben Gott, Angela Merkel und dem evangelikalen Infodienst Medrum aber noch die evangelische Kirchengemeinde Köln, Bezirk Luther-Süd, und David Berger. Letztere helfen aus der Patsche und reichen das elfte Gebot in Kürze nach. Hierzu tut sich Berger bei einem "Festival für Multipolarkultur" mit dem Musiker Mave O'Rick zusammen. Hier einige leckerer Häppchen von der Homepage des Festivals:
Kompromisslos deckt David Berger die Widersprüche der erzkonservativen katholischen Kirchenpolitik auf. Mit seinem Outing und dem folgenden Bestseller „Der Heilige Schein“ avanciert er zum „andersartigen“ Vordenker des Widerstandes gegen die Regeln der katholischen Kirche.
Mave O’Rick präsentiert extra arrangierte Albumsongs, und David Berger liest Textpassagen aus seinem Buch und erzählt Anekdoten aus seinem Leben im erzkonservativem katholischen Milieu. Das Ziel der Veranstaltung: die Erkenntnis des fehlenden 11. Gebots „Du sollst frei sein.“
Textpassagen aus dem Buch und Anekdoten aus dem Leben? Na wenigstens zeigt er keine selbstgebastelten Nacktbilder. Laut Medrum - wo die diese Info ausgegraben haben, kann ich allerdings nicht recht nachvollziehen - mündet die Veranstaltung übrigens in "eine Afterparty supported by Silberschwein" - was mich an eine mittelalterliche Bildtradition erinnert, die den Herrn der dreißig Silberlinge mit hervorquellendem Gedärm an einem Baum sieht, an welchem sich dieser freiwillig aufgehangen ...

Sonntag, 22. April 2012

Des Organisten Müh' und Plag' 1

Im außerordentlichen römischen Ritus herrscht die Gepflogenheit, die sog. Responsorien bei der Feier der Heiligen Messe mit der Orgel zu begleiten. Meines Ermessens unterstützt man damit häufig eine gewisse "Faulheit" der Gläubigen, auf die liturgischen Grußformeln anständig zu antworten. Allerdings ist das nur die eine Seite der Münze. Denn wenn der Zelebrant sich in seinen Part mehr hineinsummt anstatt ihn markant, klar und kräftig zu singen, dann fallen auch die Antworten entsprechend verschwommen aus. Der Gruß Dominus vobiscum zeigt, um es an einem Beispiel deutlich zu machen, in seiner feierlichen Version ein eigenes rhythmisches und melodisches Gefüge - die Antwort Et cum spiritu tuo nicht minder. Erfasst dies der Priester, der immerhin erst einmal den "Takt" vorgibt, nicht, dann wird das Volk in der Regel schlampig antworten, weil es im Gesang des Zelebranten kaum Orientierung findet. Anders gesagt: Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es zurück ... 
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Der Organist kann hier eingreifen. Seit geraumer Zeit versuche ich unsere Gemeinde zu trainieren, indem ich einerseits zwischen Priesterruf und Volksantwort einen kleinen Tick länger warte, als man das sonst tun mag. Die hierdurch entstehende - überschaubare - Irritation erscheint mir produktiv, da die Leute ja sowieso warten, bis die Orgel losdöppert. Wenn der "Startschuss" fällt, sich das entstandene Quentchen Spannung löst, stimmt die Gemeinde in gewisser Weise "präsenter" in die Antwort ein.
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"Hätt-ich-gern-Orgel" - St. Fridolinsmünster, Bad Säckingen
Der zweite Kniff ist streng genommen nicht neu, sondern gehört zum Rüstzeug des Organisten, der sich von den Unsitten der Gemeinde tunlichst nicht beeinflussen lassen sollte. Soll heißen: Die Antwort wird radikal durchbegleitet, ohne Rücksicht auf Nachzügler (die es trotz des oben beschriebenen Verfahrens immer geben wird) und Schnecken (also jene, die Viertelnoten grundsätzlich als Halbe betrachten und nur so singen wollen). Das setzt eine gewisse Durchsetzungsfähigkeit der Orgel voraus, in der Regel heißt das: Prinzipalplenum mit Mixtur. Damit habe ich zuletzt die besten Erfahrungen gemacht. Einem Geistlichen war das aber jetzt leider zuviel des Guten.  Mhhh.
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Damit wären wir eigentlich schon am nächsten Thema dran ... einige klagen manchmal, ich würde zu laut begleiten. Da kann sogar was dran sein, denn ich registriere gerne kräftig. Aber auch das hat Gründe - demnächst vielleicht mehr dazu.

Gut-Hirt-Sonntag

In diesen so wunderschönen vierzig Tagen nach Ostern, in denen uns in dem Mysterium der Liturgie, so wie einst seinen Jüngern, der Herr erscheint, um mit uns "über das Reich Gottes zu sprechen" (Apg 1,3), dürfen wir, nachdem das aufregende, blutige Drama von Golgotha vorüber gegangen ist, tiefer hineinschauen in das Geheimnis des Opfers Christi.
Im Abendmahlssaal und auf Golgotha hat es sich erfüllt, was der Heiland, kurz bevor er den Leidensweg antrat, sagte: "Ich bin der gute Hirt". Die Hirtenliebe des Herrn, deren Frucht wir in der Kommunion genießen, muß wegen dieser unserer intimsten Angleichung an ihn in der Kommunion auch in uns, die wir Christi Leben leben und Christi Opfer darbringen, Hirtenliebe bewirken und mehren.
Der gute Hirte - Glasmalerei von
Fritz Geiges, Pfarrkirche St. Johann, Freiburg
Es wird ein sicheres Kennzeichen dafür sein, daß wir die tägliche Kommunion nicht bloß äußerlich, sondern im Glauben, im Geist und in der Wahrheit empfangen haben, wenn es auch uns drängt, uns zu opfern, uns dahinzugeben, auf daß wir unseren Brüdern und Schwestern nützen und das Reich Gottes wachse. Wir nützen aber unseren Brüdern und Schwestern und helfen mit am Aufbau des Reiches Gottes durch jede Tat der Liebe.
Ist etwas vom guten Hirten in uns? Fragen wir uns in allem Ernst! Das war wohl der erste "Gute-Hirten-Sonntag", der im Reiche Gottes gefeiert wurde, als der Auferstandene dem Petrus sagte: "Weide meine Lämmer! Weide meine Schafe!" (Joh 21, 15-17). Das ist die Frucht des Opfers Christi, daß wir fähig werden, zu "weiden", Hirten zu werden (Wolfgang Czernin OSB).
 Carl Maier (Hg.): Das Gnadenjahr. Freiburg 1962. S. 268f.

Samstag, 21. April 2012

Schöpfungspsalm

Des Herren Namen sollen sie lobpreisen! Denn er gebot, da waren sie geschaffen.
Er läßt sie stehen für alle Zeiten, macht's zum Gesetz, das nimmer kraftlos wird.
Lobpreist den Herrn, die ihr auf Erden weilt, ihr Meerestiere, all ihr Meeresfluten!
Du Feuer, Hagel, Schnee und Regen, du Sturmwind, seines Winks gewärtig.
Ihr Bergeshöhen, all ihr Hügel, ihr Fruchtbäume, ihr Zedern all!
Du Wild und all ihr zahmen Tiere, Gewürm und ihr beschwingten Vögel!
Ihr Erdenkönige, ihr Völker all, ihr Fürsten alle und ihr Erdenrichter!
Ihr Jünglinge, ihr Jungfrauen, ihr Greise und ihr Jungen!
Lobpreisen sollen sie des Herren Namen! Denn einzig hoch erhaben ist sein Name und seine Majestät geht über Erd und Himmel.
 Psalm 148, 5 - 13

Donnerstag, 19. April 2012

Österliches ... ein himmlisches Volk

Dieses Wasser empfange die Kraft, heilig zu machen, und aus dem makellosen Mutterschoß des göttlichen Brunnens steige empor ein himmlisches Volk, zu neuen Geschöpfen geboren.
Und seien sie auch verschieden nach Geschlecht und Alter, zu gleicher Kindheit gebäre als Mutter sie alle die Gnade.
¶ aus den Gebeten zur Weihe des Taufwassers in der Osternacht

Montag, 16. April 2012

Du bist Petrus - für uns Fels!

Der hl. Petrus - Pfarrkirche St. Stephan, Oberwinden im Elztal

Papst Benedikt XVI. feiert heute seinen 85. Geburtstag. 

Der Herr schenke ihm Kraft und Stärke 
und nehme sein Opfer an, 
zum Segen für uns 
und Seine ganze heilige Kirche! 

Samstag, 14. April 2012

My weekly Wochenschau ... mit Weiberschelte

Manchmal ist's schon zum Weinen. Aber Männer sollen so was ja nicht. Und wenn's die Frauen tun, dann haben zumindest bayerische Barockprediger keine allzu hohe Meinung davon:
Was sage ich von vergeblichen Weiberzähren? Wie oft weinen die Weiber um eine eitle Larifari-Sach, ja wohl um ein unvernünftiges Vieh? Also hat die Kaiserin Poppea einen toten Papagei, Octavia eine Nachtigall, Aemilia einen Affen, Sabina ein Polsterhündlein, Leandra eine Hauskatz, Fabiola ein verrecktes Schaf ganz bitterlich beweinet! (Pater Ignatius Ertl, 1645 - 1713)
Weil wir gerade dabei sind - Poppea! Die kommt auch in Agrippina vor, der am Mittwoch erworbenen Oper von Händel. Und da herrscht eingangs gleichfalls Katzenjammer, aber bei Agrippina höchstselbst; "Weiberzähren" halt, nachdem ihr die Nachricht vom (vermeintlichen) Tod ihres kaiserlichen Gatten Claudius überbracht ward. Dazu sinnet sie im gleichen Atemzug, wie ihrem Sohnemann Nero der Thron zu sichern sei. Der, so ihr Rat, soll sich beim Volk schon mal beliebt machen gehen und Almosen verteilen, um Stimmen zu sammeln. Und dann hat Agrippina diesen Wahnsinns-Tipp auf Lager:
... se vuoi regnar, i tuoi desir correggi, / che al desio di regnar cedon le leggi.
... wenn du regieren willst, verbessere deine Wünsche, / weil dein Wunsch zu regieren oberstes Gesetz sein muß. 
Eigene "Wünsche verbessern" .... die Alte hat aber auch einen an der Klatsche. Die Damen Merkel, Roth, Leutheuser und Schnarrenberger würden da eher raten, die Wünsche des Volkes zu verbessern! So funktioniert Politik! Zugegeben, Agrippina standen noch keine öffentlich-rechtlichen Medien zur Wunschkorrektur zu Gebot ...
Daß ein Weibsbild weine ist nichts Seltsames anzusehen. Was ist blöder von Kopf und schwächer vom Herzen als ein Weib? (Pater Ignatius Ertl).
Wenn das stimmt, dann dürfte dieses Plakat, welches ich nicht erst diese Woche, sondern bereits vor Ostern in einer Kirche gesichtet hatte, von einem "Weib" gemalt worden sein:
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Ei, was haben wir denn da? Ein kuscheliges Motto (wie sagte noch Pater Ignatius ... "schwächer vom Herzen"?) und einen fulminanten Schreibfehler (... "blöder von Kopf"?).
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Wenden wir uns zuerst der Orthographie zu! Diese dürfte dem hiesigen Dialekt geschuldet sein; im Badischen fällt das "n" in "Kommunion" nämlich flach. Und da das "io" zu einem eindeutigen "j" verschmolzen wird, gehen wir in Baden nicht zur heiligen Kommunion, sondern zur heiligen Kommujon. Dieses orthographische Minenfeld könnte man umgehen, indem man gleich "Heiligesbrot 2012" schreibt, was auch besser zum Motto passt.
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Einander Brot sein! Wenn dies der Kerngedanke des Weißen Sonntags sein sollte, dann könnte man Weihnachten auch auf den Austausch selbstgebastelter Geschenke (manufactum anstatt sacrum commercium!) und Pfingsten auf die Verbreitung des Zeitgeistes reduzieren. Bei der Gelegenheit: Der "Tag des deutschen Butterbrots" fällt dieses Jahr auf den 28. September. Falls niemandem ein passendes Motto dazu einfällt: Einander Brot sein!
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Kommuionkind 1: Hamm.
Kommuionkind 2: Aua! Frau Rita-Waschbüüüsch ...
Kommuionmama: Dorothea, was ist denn?
Kommuionkind 2: Noah-Emmanuel hat mich gebissen.
Kommuionkind 1: Die Dorothea ist nicht ganz gebacken!
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War sonst noch was? Ach ja, Pfarrer Schüller von der Pfarrer-Initiative hat Ostern zu diesem verschnarchten Die-Sache-Jesu-geht-weiter-Sülz "runtergeerdet"; Gähn-Exegese aus den Siebzigern. Denen fällt auch nie was Neues ein, so wie bei den "Reformen" eben, immer dieselbe ausgelutschte Leier. Vielleicht geh ich jetzt doch weinen ...?!?

Freitag, 13. April 2012

Na bitte, geht doch ...

... sich einen aufgeräumten Volksaltar in die Kirche zu stellen, der überdies nicht nach Ikea oder Legoland aussieht ...
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Pfarrkirche St. Leonhard
Niederwinden / Elztal

Donnerstag, 12. April 2012

Was der Osterhase nun brachte ...

Vorab: Das ist kein "hasenfreies" blog. Ich bin zwar auch kein Freund von zu "Hasenfesten" umdekorierten Ostertagen, aber weder soll das Kind mit dem Bad ausgeschüttet noch zum großen Halali (was man ohnehin nur beim Hirschen tut) geblasen werden. Denn immerhin ...
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... sehen die Kirchenväter im Hasen jenen Menschen, der gejagt wird (Tertullian) und der vor den Verfolgern im Felsen - also in Christus, der Kirche, dem Glauben - Zuflucht sucht (Hieronymus, Augustinus u.a.), weswegen der Hase auch eine Karriere als Bild für Taufbewerber gestartet hat. Klemens von Alexandrien wittert bei unserem zugegebenermaßen recht fortpflanzungsfrohen Rammler allerdings auch Unkeuschheit. Der Physiologus weist auf die Hinterläufe des Hasen hin, die länger sind als die Vorderpfoten. Daher könne er sich vor einem Hund retten, indem er einen Berg hinauf springe, würde aber bergab hüpfend das Rennen verlieren - der Berg ist Christus, der Rest versteht sich von selbst. Er sei hier zu Ehren gebracht: Der Osterhase!
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Die Frage gestern lautete, was er mir beschert habe - und Bellfrell hatte schon bald die richtige Lösung parat ...
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Agrippina, Händels erster großer Opernerfolg, uraufgeführt am 2. Weihnachtstag 1709 im venezianischen Teatro San Giovanni Crisostomo.
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Indirekt auf die Idee zum Kauf brachte mich Stanislaus, der sich gerade Israel in Egypt zugelegt hat - ein opus, das mir eigentlich auch noch fehlt. Doch kann ich mich für dieses Oratorium nicht recht erwärmen, seit ich einst am Theater Basel eine szenische Realisierung gesehen habe. Herbert Wernicke zeichnete dafür verantwortlich und ist mittendrin, drauf und drüber gestorben. Irgendwie hat man das Werk dennoch auf die Bühne bugsiert; das Ableben des Regisseurs schien mir dann zusehends verständlich. Auch musikalisch hat mich der Abend nicht vom Sockel gerissen - und so kam der Osterhase schlußendlich eben mit Agrippina dahergehüpft.

Mittwoch, 11. April 2012

Auf Erkundung ... die Bruderklausenkapelle zu Etzgen

Von der Osternacht in der Bruderklausenkapelle in Etzgen hatte ich bereits geschrieben. Zur Kapelle selbst will ich nun noch einige "Denkwürdigkeiten" nachreichen, denn dieses Gotteshaus beschreibt auch ein Stück Zeitgeschichte. Mit ihm wurde ein Gelöbnis eingelöst. 
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Etzgen ist eine Grenzgemeinde, nach Deutschland ist es -  rasch über den (Hoch-) Rhein - fast ein Katzensprung. Von der Erhebung, auf der die Kapelle errichtet wurde, hat man einen schönen Blick auf Lüttingen; mithin rüber ins Deutsche.
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Entsprechend war die Anspannung in der Region nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs 1939. Die Schweizer Armee marschierte im Grenzland auf und die Furcht, deutsche Truppen könnten zu einer Invasion auch in der Schweiz ansetzen, war gewaltig. Orte wie Etzgen wären davon als erste betroffen gewesen. Unter diesen Vorzeichen gelobten die Etzger dem seligen Bruder Klaus, ihm zu Ehren eine Kapelle zu bauen, "wenn unser Land auf Deine Fürbitte hin vom Kriege verschont bleibt", wie es in der Gelöbnisformel heißt. Ende August 1949, zehn Jahre nach Beginn der Krieges, wurden Glocken und Kapelle geweiht.
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Der Innenraum empfängt seine Prägung vor allem durch ein großes Wandbild hinter dem Altar: "Bruder Klaus als Fürsprecher des Volkes beim Gekreuzigten". Ausgeführt wurde es durch den Kirchenmaler und Grafiker Augustin Meinrad Bächtiger (1888 - 1971; nähere Informationen zu diesem Maler hier).
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Ein wenig erinnert mich dieses Bild an "sozialistischen Realismus"- quasi ein katholisches Pendant dazu. Die Inszenierung samt volkstümlichem Einschlag kommt recht pathetisch, aber keineswegs kitschig daher. Ich meinesteils würde dieses Bild - angesichts anverwandter Werke jener Zeit, die mir bislang unter die Augen gekommen sind - sogar den gelungensten Arbeiten jener Epoche zuzählen. Besonders interessant fand ich ein Detail in der rechten Bildhälfte:
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Das Motiv ist hin und wieder in schweizerischen Kirchen zu finden. Der Soldat auf Wache, in diesem Fall wohl ein Angehöriger jener Einheit, die damals am Rhein stand und deren Standarte in der Kapelle gleichfalls aufbewahrt wird. Die Kapelle ist also auch militärhistorisch interessant. Bei genauerem Hinsehen ist der "Aktivdienstler" (so ein damaliger Begriff für die zur Wehr gerufenen Soldaten) ...
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... mit einem Karabiner bewaffnet (wahrscheinlich ein K98) und blickt über den Rhein auf jenen Ort, der ...
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... oben im Bild bereits zu sehen war: Unschwer ist der Turm der auf deutscher Seite gelegenen Lüttinger Kirche auszumachen. Hinter dem Berg erleuchten Flakscheinwerfer einen düster umwölkten Himmel.
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Man könnte jetzt lange und gelehrte Theorien über nationale Mythenbildung anstellen oder die üblichen Theorien über die Schweiz im Zweiten Weltkrieg bilden. Dabei übersieht man aber allzu rasch die Not und Furcht der Menschen vor dem Krieg und die Dankbarkeit, nachdem dessen Verheerungen abgewandt waren. Auch das sind alles "Steine", mit denen diese Kapelle erbaut worden ist. Und man übersieht die Aktualität der Botschaft des hl. Bruder Klaus ...
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bruderklausen.ch  

Kleines Ratespiel


Na, was könnte mir der Osterhase heute wohl beschert haben? Zwei kleine Tipps: Teatro San Giovanni Crisostomo. Und: Der Schöpfer habe, so die ein oder andere spätere Deutung, zwischen den Zeilen auch den päpstlichen Hof aufs Korn genommen.

Sonntag, 8. April 2012

Wochenendschau ... Ostergottesdienste, Orgeln und Örgelchen

Ostersonntagabend, zwei wunderbare Ostergottesdienste habe ich hinter mir, einen noch vor mir. Ostern hat für mich gestern in Etzgen, einem kleinen Weiler an der deutsch-schweizerischen Grenze, begonnen. Dort feiert die Priesterbruderschaft St. Petrus in der Bruderklausenkapelle regelmäßig die Heilige Messe; für die Osternacht war ich als Organist angefragt und ... 
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... na ja, Truhenorgeln mit vier Registern (Gedackt 8', Rohrflöte 4', Prinzipal 2' und Larigot 1 1/3')  sind normalerweise nicht so mein Ding, vor allem, wenn man zum Gloria der Osternacht eingangs festlichst präludieren soll, aber ich habe dem Örgelchen, hoffe ich mal, einige passende Töne entlocken können (Gedackt und Rohrflöte hatten zum Glück eine recht satte Klangfülle, was bei diesen Platzsparorgeln nicht unbedingt selbstverständlich ist).
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Als ich ankam, knisterte nebst der Kapelle bereits das Osterfeuer ...
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Vier verschiedene Gewandungen benötigt der Priester für eine Osternachtsfeier im außerordentlich-römischen Ritus: einen violetten Rauchmantel für die Zurüstung der Osterkerze, eine weiße Dalmatik für die Prozession und das Osterlob, einen weißen Rauchmantel für die Erneuerung der Taufgelübde und eine weiße Kasel für das eucharistische Opfer. Hier war schon mal ein Teil vorbereitet; die Grillzange - rechts oben im Bild - hatte allerdings keine liturgische Funktion.
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Und wenn das nächste Bild etwas prickelnder geraten wäre, könnte man P. Dieter Biffart FSSP beim Singen des Exsultet auch erkennen.
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Einige verwegene Damen unserer Basler Schola haben sich dann schwer ins Zeug gelegt und so ziemlich alles gesungen, was zu singen ist; die Cantica nach den Lesungen, den Tractus Sicut cervus desiderat ad fontes, den Tractus der Messe und natürlich die österlichen Laudes, dazu noch die erste Choralmesse.
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Die Bruderklausenkapelle hat im guten Sinn ein wenig den Charme eines Diaspora-Kirchleins - das hat aber auch den Vorteil, daß man bei allem "ganz nah dran" sein kann (es sei denn, man ist Organist und hütet hinten das Örgelchen).
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Heute dann Osterhochamt in St. Antonius in Basel, wie immer an Hochfesten konnten wir die große Orgel mit drei Manualen nutzen, für den Organisten natürlich eine ganz besondere Osterfreude, die weitlich ausgeschlachtet wurde. 
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Bei der Ostersequenz konnte ich es mir im Fortgang nicht verkneifen, von einer gewöhnlichen Begleitung zu eine Art Improvisation überzugehen. Glücklicherweise war sich die Schola ihres Parts so sicher, daß dies für keine Irritationen sorgte. Die hallige Kirchenakustik hat diesen verhalten impressionistischen Flöten- und Streicherklängen sehr gut getan; ich liebe es! Proprium, erste Choralmesse, erstes Choralcredo, ein paar zünftige Osterlieder und vorab eine Runde Vidi aquam ... was will man mehr? Morgen geht's nach Laufenburg; da steht dann eine schöne Metzler-Orgel - Laudate Dominum ... laudate eum in chordis et organo!
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Fürchtet euch nicht - Ostersonntag

Frohe und gesegnete Ostern!
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Christus ersteht aus dem Grab
Deckenbild in der Pfarrkirche St. Stephan, Freiburg-Munzingen
Das Evangelium berichtet: "Siehe, Jesus begegnete den Frauen und sprach: Seid gegrüßt! Sie aber traten hinzu und hielten ihn an den Füßen". (Mt 28, 9) Sie hielten ihn, damit erfüllt würde das Wort: "Ich hielt ihn, und nicht werde ich ihn lassen". Schwach zwar war der Leib der Frau, doch stark war ihre Seele. Nicht löschte viel Wasser ihre Liebe aus, und Ströme überfluteten sie nicht. Tot war der, den sie suchten; aber doch nicht war die Hoffnung auf seine Auferstehung erloschen. Der Engel sagt zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Nicht sage ich zu den Soldaten: Fürchtet euch nicht, sondern zu euch. Die Soldaten sollen sich nur fürchten, damit die Erfahrung sie belehre und sie bezeugen: "Wahrhaft, er war Gottes Sohn" (Mt 27, 54). Ihr aber dürft euch nicht fürchten, denn "vollkommene Liebe vertreibt die Furcht" (1 Joh 4,18).
St. Cyrill von Jerusalem - 14. Katechese an die Täuflinge 

Samstag, 7. April 2012

Den grünen Daumen ...

... habe ich ja nicht gerade, weswegen bei mir zuhause kaum eine Grünpflanze die Unwägbarkeiten meiner Haushaltsführung übersteht. Aber nachdem mein Schwesterherz, aus gutem Grund dafür zuständig, unser Familiengrab bereits vor einer Weile frühlingsmäßig hergerichtet hatte, ich aber zum Osterfest noch irgendwas dazu tun wollte, habe ich mir im Baumarkt etwas Grünzeug und eine Schale besorgt. Rausgekommen ist das da:
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Allerdings habe ich keinen blassen Schimmer, was man in so einer Schale zusammenwürfeln kann. Deswegen habe ich mich nur an zwei Maßgaben orientiert ... was, erstens, im Freibereich feil gehalten wird, ist auch potentiell friedhofstauglich, und zweitens sollten die Pflänzlein hinreichend Knospen haben, denn dies läßt darauf schließen, daß demnächst überhaupt irgendwas blüht (ein wenig sieht man ja schon) und die große Sause überdies noch nicht gelaufen ist. Mal sehen, was draus wird ...
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Und möge dies nicht die einzige Osterfreude sein, die denen zuteil wird, die dort ruhen!

Eine Ahnung "vom Glück der Schuld" - Karsamstag

Die Kirche hat sich am Grabe niedergelassen, um zu weinen. Sie schaut, wohin man ihren Herrn gelegt hat, wohin das Weib den Adam gebettet hat, wohin es den Menschen vergraben, wohin es den Mann durch seinen Rat gestürzt hat (vgl. Petrus Chrysologus, Serm. 80). Sie sieht es und weint.
Sie weint am Grabe des Herrn, wie der Herr am Grabe des Lazarus geweint hat: über den Tod des Menschen, über das Grab des Lebens, über die Sünde, die den Urheber des Lebens getötet hat. 
Jesus wird ins Grab gebettet -
Kreuzwegstation in der Kirche St. Blasius, Glottertal
Aber ihre Tränen fließen sanft und ruhig. Es ist nicht mehr die schmerzliche Klage des Sonntags Septuagesima, die sie erschüttert. Der Tod Adams hat am Grabe Christi seine Schrecken verloren. Der Tod des Gehorsams hat die Sünde gelöscht. Nicht mehr stürzt die "massa damnata" von Sünde zu Sünde, von Tod zu Tod hinab, sondern der Leib des Gehorsamen ruht in der Hoffnung. Eine Ahnung vom "Glück der Schuld", die "eines solchen und so großen Erlösers wert erfunden ward"... macht die Schauende (die Kirche und die Seele) ruhig und hoffnungsvoll.
Aemiliana Löhr OSB: Das Herrenjahr. Das Mysterium Christi im Jahreskreis der Kirche. 2. Band der vierten Auflage. Regensburg 1942. 63f.

Freitag, 6. April 2012

Marienklage

O Traurigkeit, o Herzeleid! Ist das denn nicht zu klagen?
Gott des Vaters einig's Kind wird zu Grab getragen.---

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O heiße Zähr', fließ immer mehr! Wen sollt' dies nicht bewegen,
weil sich über Christi Tod auch die Felsen regen!
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Wie große Pein, Maria rein, mußt leiden ohne Maßen,
denn du bist von jedermann ganz und gar verlassen!
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Beweinung Christi - Kirche St. Trudpert, Münstertal
  Dichtung von Friedrich von Spee

... sie umzubrennen in deine große und läuternde Liebe - Karfreitag

O unser Gott, wir bitten dich, mach auf unsere Herzen, mach auf unsere Augen, mach auf unsere Ohren für das, was du uns bereitest und was wir nicht verstehen.
O Gott, mach auf unsere Herzen, mach auf unsere Augen, mach auf unsere Ohren für die unendliche Weite und Länge und Größe und Tiefe deiner Erbarmungen. Denn du bist wahrlich nicht ein Gott des wilden Gerichtes, du bist wahrlich nicht ein Gott des grausamen Zornes, sondern du bist der Gott des Herzens.
Du bist der Gott des Herzens bis dazu, daß du selbst das Herz sein willst, das geöffnet ist, alle Ströme des Leides, alle Ströme der Qual, alle Ströme der Verlassenheit in sich einzutrinken. Du bist das geöffnete Herz, das nach unserm Leid, nach unserer Qual, nach unserer Not begehrt, sie in sich aufzunehmen und sie umzuformen, sie umzubrennen in deine große und läuternde Liebe.
O Gott des Herzens, o Gott des heiligsten Herzens, o Gott des durchbohrten Herzens:
Nimm unsere armen, schwachen, versagenden, stöhnenden Herzen in dich auf! Nimm uns ganz hinein in deine Liebe, nimm uns ganz hinein in diese Heimat, in diese heilige Heimat deiner Liebe.
O laß unser altes Beten, unser altes Singen eigentlichst wahr werden: Jesus, dir leb' ich, Jesus, dir sterb' ich, Jesus, dein bin ich im Leben und im Tod. Amen.
Erich Przywara SJ

Donnerstag, 5. April 2012

Steh auf und iß - Gründonnerstag

Elias ging ...
... in die Wüste eine Tagereise weit. Er kam und setzte sich unter einen Ginsterbusch. Da wünschte er zu sterben. Er sprach: "Es ist genug. Nimm, Herr, jetzt mein Leben! Denn ich bin nicht mehr wert als meine Väter".
Dann legte er sich hin und schlief unter einem Ginsterbusch. Da berührte ihn ein Engel und sprach zu ihm: Steh auf und iß! Er schaute. 
Pfarrkirche St. Cosmas und Damian,
Jechtingen am Kaiserstuhl
Da war zu seinen Häupten ein gerösteter Kuchen und ein Krug mit Wasser. Er aß und trank und legte sich wieder hin. 
Da kam des Herrn Engel zum zweiten Mal, berührte ihn und sprach: "Steh auf und iß! Sonst ist der Weg für dich zu weit".
Da stand er auf, aß und trank, und ging in der Kraft dieser Speise vierzig Tage und vierzig Nächte bis zum Gottesberg Horeb (1 Kön 19, 4-8).
Wir kennen sicher alle diese Erzählung, die gerne eucharistisch gedeutet wird. Und wir finden uns in den geschilderten Ereignissen irgendwie wieder. Wir schauen in die Welt und sind desillusioniert, wie Elias. Wir spüren unsere eigene Unzulänglichkeit und die der Menschen, die um uns sind. Wie oft möchten wir die Flinte ins Korn werfen ...
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Christus aber, am Abend vor seinem Leiden, das ist heute, am selben Abend, in dem er angsterfüllt im Garten Gethsemane nach dem Vater rufen wird, am Abend, da der Verräter naht, am Abend der Gefangennahme, der Geißelung, der Verleugnung, an einem Abend, an dem wir die Flinte ins Korn werfen würden, ...
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... an einem solchen Abend spricht Christus: "Nehmt und esst alle davon, das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird".
Da kam des Herrn Engel zum zweiten Mal, berührte ihn und sprach: "Steh auf und iß! Sonst ist der Weg für dich zu weit".
Unser Weg ist weit. Aber nicht mehr zu weit. Und jene Strecke des Weges, die wir nicht gehen können, wird Christus für uns gehen.

Mittwoch, 4. April 2012

Auf Erkundung ... bei Ottilia, Martin und Johannes

Da hat man mal ein paar Tage rund ums Osterwochenende frei, und schon wabert eine Regenfront durch die Gegend. Sei's drum. Heute morgen habe ich mich dennoch in einen dieser Landbusse gesetzt, die Dörfer rund um Freiburg abklappern, um einige Kirchen in Augenschein zu nehmen. Erste Station war Bremgarten. Bis Ende 1992 operierte von dort aus das Aufklärungsgeschwader 51, die sogenannten "Immelmänner". Heute erweckt das Dorf einen ziemlich verschnarchten Eindruck, die Kirche St. Stephan war dicht, woran auch eine Sperrholzinstallation auf dem Kirchhof mit der Aufforderung "Kommt und seht" nichts änderte.
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Zwanzig Minuten später saß ich wieder im Bus, nächstes Ziel: Hartheim am Rhein mit der Kirche St. Peter und Paul. Auch diese ... verriegelt und verammelt. Zu Fuß gings dann im Nieselregen nach Feldkirch, da ich keinen Bock drauf hatte, eine Dreiviertelstunde auf den nächsten Bus zu warten. Und was stand da nächst dem Friedhof am Ortseingang? Und war sogar zugänglich? Eine Ottilienkapelle ...
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Feldkirch im Breisgau, Ottilienkapelle--
Die heilige Ottilia (auch: Odilia) gründete um 690 das später nach ihr benannte Kloster auf dem Odilienberg im Elsaß, bis heute ein beliebter Wallfahrtsort am Oberrhein. Der Legende nach wollte Herzog Eticho, ihr Vater, die blind geborene Ottilia töten lassen. Ottilias Mutter Bethsvinda konnte dies verhindern und gab das Mädchen in ein Kloster.
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Bei ihrer Taufe sei Ottilia sehend geworden, weswegen Sie in der Regel mit einem Kelch oder einem Buch, auf dem zwei Augen ruhen, dargestellt und bei Augenleiden angerufen wird. 
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Die Pfarrkirche von Feldkirch ist dem hl. Martin geweiht. Während das benachbarte Hartheim bereits 772 im Lorscher Codex erwähnt wird, taucht "Veltkilcha" erst um 1160 in Dokumenten auf. Die Kirche dürfte zumindest zu Teilen aus dieser Zeit stammen, die unteren zwei Drittel des sehr starkwandigen Turms, der annähernd so breit ist wie das Kirchenschiff, verfügen zum Beispiel über einen ausgesprochenen Wehrturmcharakter.
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Feldkirch, Pfarrkirche St. Martin
Innen bekommt man es mit einem schönen ländlichen Kirchenraum zu tun; das Presbyterium verfügt über eine auffällige Tiefe; die nachkonziliare Zusatzmöblierung mit der überbreiten Zelebrationstheke stört natürlich die Raumwirkung gewaltig. Die links zu sehende Seitenempore hinterläuft den Chorbogen und setzt sich im Altarraum fort, ursprünglich vielleicht als "Loge" für den Landadel eines nahegelegenen Schlosses konzipiert. 
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Der verhältnismäßig fein ausgearbeitete Hochaltar steht in einem starken künstlerischen Kontrast zu den eher rustikal Seitenaltären. Es handelt sich um einen Josephsaltar - das gehaltvolle Altarblatt zeigt den Tod des hl. Joseph: Dieser stirbt in den Armen Jesu, der mit der Hand zum Himmel weist, und betrauert von Maria. Im oberen Bereich der Darstellung schwebt der Heilige Geist in Gestalt einer Taube; das Szenario wird - auch trinitarisch - vollendet im Auszug des Altars mit der Darstellung von Gott-Vater. Im Übergang zum Auszug verrät eine Roncaille den Sinn des Geschehens: Mors porta vitae - "Der Tod ist die Pforte des Lebens" (wie immer: zum Vergrößern auf die Bilder klicken). 
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Aufgrund der durchkomponierten und für eine Martinskirche als Hochaltar eher ungewöhnlichen Altarthematik und weil ich einen sehr ähnlichen Altar schon in einer anderen Kirche der Region gesehen habe, welcher entweder, so recht weiß ich das nicht mehr, im Zuge der Säkularisation aus einem Freiburger Kloster verfrachtet wurde oder in Folge der Entbarockisierung des Freiburger Münsters seinen Standort wechselte, nehme ich mal an, daß dieser Altar auf ähnlichem Weg nach Feldkirch gekommen ist. Interessant am Rande, daß das Allerheiligste heute bereits entfernt und der Altar entblößt war. Auf das nahende österliche Triduum verwies im Kirchenschiff auch diese Heilig-Land-Grünanlage, bei der ich unwillkürlich an Harald Schmidt und dessen Playmobilfiguren denken mußte ...
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Gethsemane, Stadttor, Kreuzweg, Golgotha, Grab
Das letzte Gotteshaus auf der heutigen Tour was St. Johannes Baptist in Hausen an der Möhlin, einer der wenigen Kirchen mit Zwiebelturm hierzulande. Die Kirche wurde 1791 konsekriert und bietet, was man von außen nicht unbedingt erwarten würde, innen einen weitläufig erscheinenden und lichten Kirchenraum.
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Hausen an der Möhlin, Pfarrkirche St. Johannes
Nun ja, wie nennt man sowas? Sparbarock? Der Aufbau rund um das Altarblatt ist jedenfalls, wie unschwer zu erkennen, nur aufgemalt, erzielt aber eine ganz eigene reizvolle Wirkung. Was wirklich Not tut, wäre eine ordnende (und vorzugsweise entrümpelnde) Hand angesichts von Stuhlreihen und jeder Menge Grünzeug im Chorraum.
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Abschließend noch ein Gruß an den bzw. vom Kirchenpatron, das Patrozinium soll übrigens vom Umstand herrühren, daß die Möhlin früher unmittelbar an der Kirche vorbei gluckerte ...
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