Mittwoch, 7. Dezember 2016

Advent sieben - Selig auch ihr

Selig aber auch ihr, die ihr gehört und geglaubt habt! Denn jede Seele, die glaubt, empfängt und gebiert den Logos Gottes und schaut seine Werke. In euch allen sei Mariens Seele, um groß zu machen den Herrn; in allen sei Mariens Geist, in Gott zu frohlocken. Und wenn es auch nur eine leibliche Mutter Christi gibt, so ist doch in der Ordnung der Glaubens Christus die Frucht aller.
Der hl. Ambrosius von Mailand in der Expositio in Lucam I, II

Dienstag, 6. Dezember 2016

Advent sechs - Mystagoge der Gnade

Der hl. Nikolaus von Myra - Tympanon am Portal des südlichen Querschiffes, Münster St. Martin, Colmar
Heiliger von Myra,
als Priester hast du dich erwiesen.
Nachdem du, Gottseliger,
das Euangelion Christi erfüllt hattest,
gabst du seine Seele für dein Volk
und hast errettet Unschuldige vom Tod.
So bist du heilig geworden,
großer Mystagoge der Gottesgnade.
Kontakion der morgenländischen Leiturgia zum Gedächtnis des hl. Bischofs Nikolaus
Bild: St. Nikolaus von Myra - Tympanon am Portal des südlichen Querschiffs, Münster St. Martin, Colmar.

Montag, 5. Dezember 2016

Advent fünf - Jetzt ist es Zeit

Es gibt auch eine Frömmigkeit, die Schlaf ist, gefährlicher Schlaf, denn sie hat ein gutes Gewissen. -
Es ist Zeit, sagt Gottes Wort, vom Schlafe aufzustehen! Noch ist Advent - wahrlich nicht kraft unserer glühenden Erwartung! Aber Er, der kommen will, gibt es nicht auf, Er ist wach, Er ist jetzt schon unser Heil und unser Helfer.
Und darum ist noch Zeit (gibt es eine frohere Botschaft?), noch immer Zeit, vom Schlafe aufzustehen -- aber:
Jetzt ist es Zeit.
Alfred Kardinal Bengsch: In Erwartung der Wiederkunft. Berlin 1966. S. 15.

Sonntag, 4. Dezember 2016

Advent vier - In den Garten geworfen

Christus ist der König, weil er ist die Quelle aller Herrschaft! Christus ist das Reich, weil in ihm besteht die ganze Herrlichkeit des Reiches! Christus ist der Mensch, weil die ganze Menschheit erneuert wird in Christo!
Christus ist das Senfkörnlein, an dem die ganze Größe Gottes so klein erscheint in der ganzen Kleinheit des Menschen ... Er warf es in seinen Garten, das heißt in die Ekklesia, seine Braut ... Tief eingelegt wurde es in die Patriarchen, in den Propheten ging es auf, empor trieb es in den Aposteln, zu einem großen Baume wurde es in der Ekklesia, durch seine Gnadengeschenke trieb es viele Zweige.
Der hl. Petrus Chrysologos in einer Predigt über das Gleichnis vom Senfkorn (Lk 13, 18 f.) - Sermo 98

Samstag, 3. Dezember 2016

Tagessplitter

Eine Unterredung kam mir heute in den Sinn, die bereits eine Weile zurückliegt. Sie nahm ihren Ausgang von meiner Klage über die zuweilen höchst zurückhaltende Beteiligung der Gläubigen am gregorianischen Choral. Nun meinte mein Gesprächspartner, die Raumsituation in der Antoniuskirche sei nun einmal problematisch: die (zahlenmäßig überschaubare) Gemeinde verliere sich in diesem nach allen Seiten sehr großen und weiten Raum. Man müsste eigentlich, so die Quintessenz, eine "kleinere" Kirche haben; dies würde die zur Eucharistia versammelte Herde besser zusammenführen, was gewiß auch positive Auswirkungen auf den Gesang nach sich ziehen könnte.

Ich lasse die Tatsache hier beiseite, daß die "verstreute" Gemeinde durchaus kräftig una voce zu singen vermag, wenn nur das Programm "stimmt", wobei die Stimmigkeit allein auf die Beliebtheit bestimmter (und im Grundsatz vertrauter) Gesänge gemünzt ist. Rein praktisch und zweckmäßig gesehen läßt sich gegen das Argument kaum etwas ausrichten. Recht schmecken wollte es mir aber damals trotzdem nicht. Mich irritiert der Ansatz, und das aus mehrfachem Grund.

So steht etwa der Rückzug ins Kleine(re) konträr zur Sendung des Kyrios, zu Auftrag und Sendung - es geht um Ausbreitung und nicht darum, sich der aktuellen Lage im wahrsten Sinn des Wortes "anzubequemen". Die vielen Plätze, die unbesetzt bleiben, der irgendwie etwas "leer" wirkende Raum ... all das kann und soll uns ein Stachel im Fleisch sein. Vielleicht erinnern wir uns an den Abschluss des Gleichnisses vom großen Gastmahl, den Lukas uns überliefert:
"Schnell, geh hinaus auf die Straßen und Gassen der Stadt und führ die Armen und Krüppel und die Blinden und Lahmen hier herein. Dann sprach der Knecht: Herr, es ist geschehen, was du angeordnet hast - aber noch ist Platz. Und der Herr sprach zu seinem Knecht: Geh hinaus, die Wege und Zäune entlang, und nötige hereinzukommen, damit mein Haus gesteckt voll werde. So sage ich euch denn: Keiner von jenen Männern, die geladen waren, wird mein Mahl kosten" (Lk 14, 21-24).
Und weiter: Ist dieser Raum, diese Antoniuskirche - wir reden hier über das Haus Gottes - überhaupt "leer"? Gewiß nicht: die Herrlichkeit des Kyrios erfüllt die Höhen, die Tiefen und die Weiten. Das uns in diesem Aion fast jeglicher sensus fehlt, diese Herrlichkeit wahrzunehmen, steht auf einem anderen Blatt. Doch meistens vergegenwärtigen wir uns die Gegenwart des Höchsten auch nicht hinreichend in Geist und Gemüt. 

Jedenfalls gilt: Es gibt zweifelsohne die Versuchung, es sich in der Reduktion gemütlich oder sich zumindest das Vordergründige gefügig zu machen ... Aber! Es gibt kein zu "großes" Kirchengebäude, zumal alles Menschenwerk hinter dem darin geborgenen Allerheiligsten immer zurückbleibt. Eine Kirche kann überhaupt nicht groß genug sein! Nicht umsonst investierten die Altvorderen nach Möglichkeit stets weit mehr, als praktisch oder zweckmäßig notwendig gewesen wäre, in ihre Gotteshäuser. Wir müssen uns nicht künstlich verkleinern, sondern Sorge tragen, daß Gottes Haus, die Wohnung seiner Herrlichkeit, "gesteckt voll wird".

Zugegeben: Das ist ein höchst anspruchsvolles Programm, das wir ohne den Herrn des Hauses nicht bewältigen können. Ebensowenig werden wir aber etwas erreichen, wenn wir einfach alles so laufen lassen, wie es halt läuft (oder auch nicht). Jedenfalls konnte einst Paulus von Abraham sagen:
Bar der Hoffnung hat er doch voll Hoffnung geglaubt, daß er zum Vater vieler Völker werde (Röm 4, 18).