Donnerstag, 15. September 2016

Sententiæ CXVI

... Man müßte auch einmal den 'jugendbewegten' Begriff von "Einfachheit" und "Armut" rücksichtslos unter die Lupe nehmen - als welcher mir immer komplexer und mehrdeutiger erscheinen will, seltsam gemischt aus sehr lauteren und sehr fragwürdigen Motiven:
Was steckt da nicht alles drin! Echte "franziskanische" Ergriffenheit; - pures proletarisch-marxistisches Ressentiment gegen Besitz und Genuß - der anderen; gegen einen Lebensstil, der einem selbst unerreichbar ist, also schlicht saure Trauben; echter Wille zur Einfachheit aus vornehmer Ablehnung bourgeoiser Protzigkeit und Spießigkeit; ebenso spießige, ja barbarische "Flucht ins Primitive" im Spenglerschen Sinn, weil aus Kulturfremdheit und Kleinzügigkeit die Anstrengung von Besitz und Repräsentation gescheut wird; sehr viel Puritanismus und schlechtes Gewissen; sehr viel bequeme Bohème-Pose, in welcher es leichter ist, apart, originell, revolutionär und dergleichen zu wirken als in der Anpassung an die eigenen Umwelten; katholische "Sühne"-Einstellung - und vermutlich noch einiges mehr.
Ida Friederike Görres: Nocturnen (1949)

Die auch von diesem toten Leib ihre Liebe nicht lösen konnte - Gedächtnis der Sieben Schmerzen Unserer Lieben Frau

Schmerzhafte Gottesmutter - Mater dolorosa - Glasfenster in St. Peter und Paul, Waltershofen
"Simeon segnete sie und sagte zu Maria, seiner Mutter: Siehe, dieser ist gesetzt zum Fall und zur Auferstehung vieler in Israel und zum Zeichen, dem widersprochen wird. Und auch deine Seele wird ein Schmerz durchdringen - damit aus vielen Herzen die Gedanken offenbar werden" (Lk 2, 34 f.).
Dem lichten Bild, das in herrlicher Weise die zukünftige Größe des Kindes gezeigt hat, wird hier ein dunkler Schatten eingezeichnet. Die Erlösung und ihre Annahme vollzieht sich nicht geradlinig, sondern über das Kreuz; der Glaube hat stets neben sich den Unglauben; das Heil bedingt auch die Möglichkeit des Ärgernisses, und die Gnade kann zum Gericht werden ...
Der hl. Bernhard sagt, Maria habe unter dem Kreuze noch gelitten, als ihr Sohn schon ausgelitten hatte, weil der Speer seine Seele nicht mehr erreichen konnte, da sie bereits den Leib verlassen hatte, wohl aber noch die ihre durchbohrte, die auch von diesem toten Leib ihre Liebe nicht lösen konnte. So wird man im Hinblick auf das in dieser Stunde in die Seele Mariens gesenkte Wort sagen dürfen, daß damit in ihrem Herzen auch schon das Kreuz Wurzel schlug und zu wachsen begann, noch bevor die Menschheit Christi es zu erdulden hatte. Das Wort zeigt, wie eng die Mutter mit dem Erlöserschicksal ihres Sohnes verbunden ist von Anfang an.
Eugen Walter: Maria - Mutter der Glaubenden. Freiburg (2) 1957. S. 66 f. - Bild: Schmerzensreiche Gottesmutter; Darstellung in einem Fenster der Kirche St. Peter und Paul zu Freiburg-Waltershofen.

Mittwoch, 14. September 2016

Heiliges Feuer im Holz des Kreuzes - zum Fest Kreuzerhöhung


Jenes Feuer, das 
einer Säule glich, und das Feuer, das durch den Dornstrauch schlug,
ist ein Symbol heiligen Feuers,
das aus der Erde schlägt und wieder zum Himmel emporloht
durch das Holz hindurch,
durch das uns das geistige Sehen geschenkt worden ist.

(St. Klemens von Alexandreia, Stromateis I 164, 4)



Bild: Nach romanischem Vorbild gestaltetes Triumphkreuz in der Pfarrkirche St, Gallus zu Merzhausen.

Dienstag, 13. September 2016

Tagessplitter

Die homiletisch beliebte Frage, was ein bestimmtes Fest "uns heute noch sagen kann" oder "für uns heute bedeutet" (zuweilen das Einfallstor für allerhand, sagen wir's mal nett: un-orthodoxe Um-Deutungen), stellt sich natürlich auch mit Blick auf das gestrige Fest Mariä Namen und dessen historischer Veranlassung - 333 Jahre nach der Schlacht am Kahlenberg, welche unter Anrufung Unserer Lieben Frauen Namen die Zweite Wiener Türkenbelagerung beendete ... und nein: die Antwort lautet zuerst einmal nicht, auch heute möglichst konsequent jenen Islam wieder loszuwerden, der sich in Europa zunehmend breit macht.

Gewiß, dessen Ausbreitung ist nicht zu unterschätzen! Erinnert sei in diesem Zusammenhang etwa nur an Tayyip Erdoğan, der, von der Muse des Dichters Ziya Gökalp geküsst, sich bekanntlich so vernehmen ließ: "Die Demokratie ist nur der Zug, auf den wir aufsteigen, bis wir am Ziel sind. Die Moscheen sind unsere Kasernen, die Minarette unsere Bajonette, die Kuppeln unsere Helme und die Gläubigen unsere Soldaten" ... ok, das war 1998 und damit schon eine Weile her; aber Hand auf's Herz: glaubt wirklich jemand, dieser zweifelsohne lupenreine Demokrat sieht das heute wesentlich anders?

Das sollte man im Hinterkopf behalten und allzeit wehrhaft sein. Im Blick auf die Frage, was uns das Mariä-Namen-Fest heute angeht, existiert aber eine all dem vorausliegende Antwort: Es gilt, sich auch die geistige und geistliche Haltung zu erobern, die den Sieg vom 12. September 1683 errungen hat: Maria hilf!

Montag, 12. September 2016

Maria heißt ihr Name

Auf ihrem Haupt trägt sie ein Kron
Von Gold und Edelsteinen,
Von Silber ist gemacht ihr Thron,
Auf dem thut sie erscheinen,
Jesus, der wahre Gottessohn
In ihren Armen wohnet,
Die Seel, die ihm und ihr thut schön,
Bleibt wohl nicht unbelohnet.
An ihr ist nichts denn Heiligkeit
Und majestätisch Leben,
Ganz englisch ist ihr Reinigkeit,
Demüthig doch darneben,
Ihr Ursprung ist sehr adelig,
Von königlichem Stamme,
Ich darf sie nennen öffentlich,
Maria heißt ihr Name.
 Verse aus Des Knaben Wunderhorn auf ein Gnadenbild Unserer Lieben Frau, Verse 3 und 4 (Procopii Mariale Festivale I, S. 9). Bild: Madonna in der Pfarrkirche St. Leodegar zu Schliengen im Markgräflerland.

 Madonna - Schliengen, Pfa