Samstag, 25. März 2017

Jetzt steckt Gott mittendrin in der Welt

Verkündigung - Tafel eines siebenteiligen Flügelaltars, oberrheinisch um 1460 - Augustiner Museum Freiburg
Gestern las ich in einer Predigt des Bischofs Abraham von Ephesus (ein Heiliger aus dem 6. Jahrhundert) folgenden Satz:
Der einst aus Erde Adam formte,
bekleidet sich heute mit seiner Schöpfung.
Deus incarnatus est - Gott fleischt sich ein, nimmt einen Leib von dieser Erde, steigt in seine Schöpfung so weit und tief hinab, daß er in Jesus von Nazareth ein Teil von ihr wird. Er schaut nicht "von oben" auf seine Schöpfung, auf seine Geschöpfe, sondern er steckt mittendrin in dieser Welt.

Nun kam mir heute noch ein Wort des Jesuiten Alfred Delp unter die Augen. Es beschreibt eine Versuchung, der kirchentreue Katholiken meines Dafürhaltens gern zuweilen unterliegen:
Man distanziert die übernatürliche Wirklichkeit des Christentums zu weit weg von den Tatsachen der Schöpfung, so daß diese beinahe nicht mehr gewertet werden. Die Geschichte wird nicht mehr zum Ort des Reiches Gottes, sie ist beinahe vom Übel. Es wird plötzlich ein Mißtrauen gegen die natürlichen Fähigkeiten des Menschen laut. Die Erde wird gleichsam freiwillig geräumt.
Man könnte das auch die Häresie der Dekarnation nennen. Wir reißen Christus sozusagen das Fleisch vom Leibe, das Sich-Einlassen auf den Menschen und auf dessen Welt, in der so viel schief läuft. Gerade in unseren traditionsverbundenen Kreisen existiert eine gewisse Mentalität, für die alles, was nicht nach Weihrauch riecht, im Zweifelsfall von Übel ist. Wir kennen doch diese Versuchung, angesichts des Affentanzes der Moderne so vieles und so viele Seele für "verloren" zu erklären, oder? Von irgendeiner "guten alten Zeit" zu träumen (wobei man drauf wetten mag, daß die Altvorderen jener "guten alten Zeit" ihrerseits von noch viel älteren und besseren Zeiten träumten)? 

Man glaubt, sich den Möglichkeiten dieser Welt verweigern zu sollen und vergisst, daß jedes Feld, welches wir räumen oder überhaupt nicht bebauen, im Zweifelsfall von einem anderen besetzt und beackert wird. Natürlich ist der Jammer groß, den wir anstimmen, sobald wir durch die Pfützen unserer Zivilisation waten müssen, durch die Städte wandern, die Illustrierten aufblättern und die Bildschirme beglotzen: alles Dreck da draußen, Schmutz, Schund, Porno, Müll und Sünde - zugegeben, ich spitze jetzt etwas zu. 

Aber oft sind nicht die Pfützen das Problem, nicht die Städte, der Buchdruck oder irgendwelche Medien, sondern die Inhalte. Andere setzen diese gemäß ihrer Agenda von Profit oder Ideologie und machen publik, was die Kasse füllt oder die Menschen verdirbt, während wir unsere Wunden lecken, ein wenig im Gebetbuch schnuffeln, fallweise womöglich "sühnend" auf den Knien rutschen, vielleicht auch den wohligen Schauer der Katastrophe genießen und dabei alles vor die Hunde gehen lassen.

Dafür ist Christus nicht Mensch geworden. Dazu hat die allheilige Jungfrau nicht Ja gesagt.

Pater Delp SJ - zu seiner Zeit alles andere als ein (falsch) verweltlichter Kirchenfunktionär, sondern ein Mann von Gebet und Tat, kurz vor Ende des Dritten Reiches hingerichtet, weil er gegen jenes "Reich" für das Reich Gottes arbeitete - schreibt weiter:
Der gegenwärtige Christ muß ein Christ des vollen Besitzes sein. Wir müssen in jeder Zeit stehen mit dem Bewußtsein, daß jede echte Wirklichkeit uns gehört, vom Herrn und Vater her, als Besitz und Auftrag.
 Bild: Verkündigung (Ausschnitt) - Tafel eines siebenteiligen Flügelaltars, oberrheinisch um 1490; einst im Dominikanerinnenkloster Adelhausen, heute im Augstiner Museum Freiburg.

Montag, 20. März 2017

Te Joseph celebrent ... zurück in der Blogozese

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In den vergangenen Wochen war er etwas sehr ruhig auf dieser Seite; das nun sollte sich allmählich wieder ändern, hat aber auch etwas mit einigen Umtrieben auf Facebook zu tun. Wer immer dort ebenfalls unterwegs ist, den möchte ich zum Liken - und nach Lust und Laune Teilen - ermuntern, denn einerseits wurde dort jüngst eine Seite zur Messe im überlieferten Ritus, wie wir sie jeden Sonntag in der Basler Pfarrkirche St. Antonius feiern, aufgeschlagen (hier) - und andererseits gibt es in der Fastenzeit täglich einen Impuls von Odo Casel OSB (hier). Schaut einfach mal vorbei ...

Allen ein gesegnetes Fest der heiligen Joseph: Er schütze die Kirche in dieser Zeit, erhalte uns die Kardinäle Burke, Sarah, Caffara samt einigen anderen viri probati in fide und erwirke durch seine Fürsprache dem Heiligen Vater Papst Franziskus Segen und Einsicht!

Freitag, 6. Januar 2017

Wir sind die Spiegel Seines Lichtes - Epiphanie

Weihnachtskrippe - Pfarrkirche St. Michael, Freiburg-Haslach
Denn wir müssen ... über das Gegenwärtige hinausblicken auf das Ende ... die Geheime Offenbarung schildert uns das Ende mit den Bildern des Epiphaniefestes: Das neue Jerusalem steigt vom Himmel herab, eine bräutlich geschmückte Stadt, die weder Sonne noch Mond braucht, weil das Lamm ihre Leuchte ist. Und die Könige und Völker der Erde ziehen ein durch die nie geschlossenen Tore und bringen ihre Herrlichkeit und ihren Ruhm in die erhellte Stadt.
Gut biblisch also haben unsere Vorfahren gedacht, als sie vom "Dreikönigsfest" sprachen. Die Weisen des Evangeliums sind tatsächlich die Spitze des Zuges, in dem einst alle Könige der Erde zur Huldigung ziehen werden. Dann wird auch alle Herrlichkeit der Schöpfung, Leben, Macht, Schönheit, Weisheit zu Gott heimkehren, verwandelt, aber nicht ausgelöscht.
Es ist wahr, daß für jetzt der Mensch immer noch seine Selbstherrlichkeit suchen kann, von der die Schrift sagt, daß sie wie Gras dahinwelkt. Aber alles, was sich Gott zuwendet, kehrt auch heim. Und es kommt die Vollendung, die ungetrübte Epiphanie, der Durchbruch der Lichtherrlichkeit Gottes.
Bis dahin aber wird kein Stern mehr zu dem König führen, sondern das Licht des Herrn - soweit es widerstrahlt in Seiner Kirche und in unserem Leben. Für jetzt, sagt der Apostel, schauen wir noch wie durch Spiegel. Dann aber heißt Christsein: Wir sind die Spiegel Seines Lichtes für alle, die Ihn suchen.
Und weniger dürfen wir nicht von uns fordern! Denn der Christ ist kein Versteck und keine Zuflucht, wo sich Christus vor der bösen Welt verbirgt. Er ist das Tor, durch das der König der Herrlichkeit einziehen will. Er ist die Straße des Königs in diese unsere heutige Welt. Er ist der Herold für die Ankunft Seiner unverhüllten Herrlichkeit.
Alfred Kardinal Bengsch: In Erwartung der Wiederkunft. Berlin 1966. S. 142 f. - Bild: Weihnachtskrippe in meiner Pfarrkirche St. Michael, Freiburg-Haslach.

Donnerstag, 29. Dezember 2016

Ich steh' an deiner Krippe hier ...

Früher war mehr Lametta ... oder in diesem Fall: mehr Moos, mehr Detailfreude, mehr bespielte Fläche, mehr action rund um Bethlehems Stall. Trotzdem habe ich mich gefreut, heute - nach nicht wenigen Jahren - wieder einmal die Krippe in der Pfarrkirche Heilige Familie besucht zu haben; sie gilt, obschon im Vergleich zu früher weniger ausladend, noch immer als Freiburgs größte Weihnachtskrippe. Und sie erinnerte mich an eine liebe und herzensgute Frau, von der ich früher bereits einmal geschrieben hatte, Frau Magda Sennerich. Sie, schon so lange verstorben, daß ich ihr Grab vor Zeiten bereits nicht mehr fand, zählte zu den hilfreichen Geistern der Pfarrei und gehörte zu jenen Persönlichkeiten im Gesichtskreis eines kleinen Buben, die den Glauben hegten und wachsen ließen: Gott vergelte es ihr! Sie führte mich einst an diese Krippe ...

Freiburg - Pfarrkirche Heilige Familie - Weihnachtskrippe 
Freiburg - Pfarrkirche Heilige Familie - Weihnachtskrippe
Weihnachtskrippe
Freiburg - Pfarrkirche Heilige Familie - Chorraum