Sonntag, 16. April 2017

Ostern in der Zeit und auf die Ewigkeit hin

Auferstehung Christi - Glasfenster in der Abendmahlskapelle des Freiburger Münsters
Die kleinen Scheiben mit Passions- und Ostermotiven, die seit einigen Jahren in der Abendmahlskapelle des Freiburger Münsters wieder zu sehen sind, galten eigentlich als verloren; derweil nämlich die mittelalterlichen Fenster während des Zweiten Weltkriegs in Sicherheit gebracht wurden, beließ man sie, Zeugnisse der Kunst der 19. Jahrhunderts, an Ort und Stelle. Der Druck der um das Münster 1944 niedergegangenen Bomben zerfetzte die Motive; doch las jemand die Scherben zusammen und bewahrte sie auf. Jahrzehnte später wurden sie neu gefügt und restauriert; die Narben jener Nacht im November sieht man bis heute.

Auch das ist Ostern - unser Ostern, das noch bis auf diese Stunde vom Weltgeschehen überschattet ist: Ostern mit Narben. Ostern zum Beispiel bei den koptischen Christen in Ägypten. Ostern etwa mit dem Mann, der heute morgen auf den Straßenbahngleisen lag. Ostern der angefochtenen Seelen. Doch die Zeit dieser Welt läuft ab - für jeden von uns und für die Geschichte, in der wir uns bewegen. Das Leben ist unaufhaltsam. 

Bomben, die in Kirchen - oder wo immer sonst - gezündet werden, sprechen nicht gegen das Leben, können sich nicht gegen das Alleluja dieser Tage wenden. Sie sprechen von den Narben dieses Aions. Denn gerade auf dem Hintergrund der Verheißung und Entfaltung des Lebens, des ewigen Lebens, in das der Kyrios Christus uns voran schreitet, treten die Narben der Zeit deutlicher als sonst zu Tage - das soll uns nicht irritieren.

Vor deinem Licht, das emporsteigt, ist alles Wüste! (Paul Claudel)

Gesegnete und frohe Ostern!

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