Donnerstag, 29. Dezember 2016

Ich steh' an deiner Krippe hier ...

Früher war mehr Lametta ... oder in diesem Fall: mehr Moos, mehr Detailfreude, mehr bespielte Fläche, mehr action rund um Bethlehems Stall. Trotzdem habe ich mich gefreut, heute - nach nicht wenigen Jahren - wieder einmal die Krippe in der Pfarrkirche Heilige Familie besucht zu haben; sie gilt, obschon im Vergleich zu früher weniger ausladend, noch immer als Freiburgs größte Weihnachtskrippe. Und sie erinnerte mich an eine liebe und herzensgute Frau, von der ich früher bereits einmal geschrieben hatte, Frau Magda Sennerich. Sie, schon so lange verstorben, daß ich ihr Grab vor Zeiten bereits nicht mehr fand, zählte zu den hilfreichen Geistern der Pfarrei und gehörte zu jenen Persönlichkeiten im Gesichtskreis eines kleinen Buben, die den Glauben hegten und wachsen ließen: Gott vergelte es ihr! Sie führte mich einst an diese Krippe ...

Freiburg - Pfarrkirche Heilige Familie - Weihnachtskrippe 
Freiburg - Pfarrkirche Heilige Familie - Weihnachtskrippe
Weihnachtskrippe
Freiburg - Pfarrkirche Heilige Familie - Chorraum

Samstag, 24. Dezember 2016

Gesegnete Weihnachten!

Verkündigung an die Hirten - aus dem Biblia-Pauperum-Fensterzyklus im Münster Unserer Lieben Frau, Straßburg
Bis zur Wiederkunft Christi werden keine Engel mehr kommen, um die Menschen zu Christus zu führen wie damals die Hirten von Bethlehem. Bis dahin sind wir seine Boten, und dies nicht zuerst mit Worten, sondern mit Taten der Liebe. Wir wollen nicht zuerst fragen, ob der andere auch hört, sondern ob wir durch unser Leben verkünden; nicht zuerst, ob er das Licht von Bethlehem sehen will, sondern zuerst, ob auf unserem Leben ein Abglanz dieses Lichtes ruht.
Alfred Kardinal Bengsch 
Euch allen frohe und gesegnete Weihnachten!

Advent vierundzwanzig - Es bleibt Advent

Aber solange die Erde steht, werden immer wieder die Herbergen dieser Welt für uns geschlossen sein. Zusammen mit den Menschen, die wir vielleicht zu Christus führen konnten, werden wir ausgestoßen sein. Die Spielregeln der bürgerlichen Toleranz ändern höchstens die Methoden, nicht die Sache. Und auch die mildeste Form der Ablehnung ändert nichts daran, daß Christus radikal abgelehnt wird.
Das bleibt so, bis der Herr wiederkommt, um uns heimzuholen. Die Herbergen dieser Erde bleiben geschlossen, damit wir nicht vergessen, wo unsere ewige Heimat ist. Die Kirche bleibt in der Knechtsgestalt, damit sie nicht vergißt, daß ihre Verherrlichung noch aussteht. Es bleibt Advent, weil Christus noch einmal kommen muß, das Werk der Erlösung zu vollenden ...
Wir beobachten das langsame Sterben der Gemeinden, wir hören von Priestermangel und von immer seltenerem Sakramentenempfang. Wir spüren die Ohnmacht unserer christlichen Verkündigung in der Öffentlichkeit. Ach, und noch tausend andere Sorgen drücken uns, nicht zuletzt die um die eigene Unzulänglichkeit.
Es ist ein Trost, zu wissen, daß dies alles Gesetz unserer Pilgerschaft ist, nicht der Anfang vom Ende, oder vielmehr: Es ist der kümmerliche Anfang des herrlichen Endes, es ist die schmerzliche Zeit der Saat für den großen Erntetag. Es macht nichts, wenn man uns auf die Straßen weist. Wer den Herrn trägt, für den führen alle Straßen heimwärts in das ewige Vaterhaus. Und es mögen noch so verlassene Straßen sein: Wir sind niemals allein.
Alfred Kardinal Bengsch: In Erwartung der Wiederkunft. Berlin 1966. S. 45.

Freitag, 23. Dezember 2016

Advent dreiundzwanzig - Advent Mariens

Als der Engel zu ihr trat, war Maria allein, nicht nur zufällig und nicht nur äußerlich, sondern als die aus allen Menschen erwählte einsame Partnerin des Wortes Gottes.
Seit Adams Fall hat der Geist Gottes auf vielfache Weise diese Stunde herbeigeführt, er hat eine Tochter Adams auf diese einsame Höhe geführt, wo nun die Engel des Himmels dem Zwiegespräch lauschen und die Antwort aus dem Munde der Jungfrau vernehmen, die Gottes Geist ermöglicht hat: "Siehe, ich bin die Magd des Herrn. Mir geschehe nach deinem Wort". Dann aber führte der Geist Gottes Maria zu den Menschen, und sie eilt über die Berge.
Jetzt, da sie den Herrn trägt, darf und muß sie heraus aus der einsamen Kammer. 
Es ist fast, als wollte der Heilige Geist nicht abwarten, bis der menschgewordene Sohn selbst die frohe Botschaft den Armen verkündet, nicht einmal, bis die Engel an der Krippe die Botschaft von der Geburt des Heilands verkünden. Er sucht einen Mund, der den Herrn begrüßt noch im Mutterschoße. Darum ist der Advent Mariens beides: Einsamkeit im Heiligen Geist und Gemeinschaft im Heiligen Geist.
Alfred Kardinal Bengsch: In Erwartung der Wiederkunft. Berlin 1966. S. 38.

Donnerstag, 22. Dezember 2016

Advent zweiundzwanzig - Führung und Formung

Maria eilt über das Gebirge zu ihrer Base Elisabeth. Und Elisabeth begrüßt sie als die Mutter des Herrn. Danach singt Maria ihr Magnifikat.
Man kann manches anführen, um sich diese Szene zu erklären ... Aber die Hauptsache bei der Erklärung muß doch wohl ... sein: Die Heilige Schrift sagt, daß Elisabeth vom Heiligen Geiste erfüllt wurde. Nur so erkennt sie in ihrer jungen Verwandten die Mutter des Messias. Und aus diesem Geiste ergänzt sie den Gruß des Engels: "Du bist gebenedeit unter den Weibern, und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes".
Wir verstehen diese Adventsszene erst, wenn wir betrachten, wie der Geist Gottes in ihr wirkt: Alles Nahekommen Gottes wird vorbereitet, bewirkt und fruchtbar gemacht durch den Heiligen Geist. Jeder Advent ist eine Zeit, in der Gottes Geist führt und formt.
Alfred Kardinal Bengsch: In Erwartung der Wiederkunft. Berlin 1966. S. 36 f.

Mittwoch, 21. Dezember 2016

Advent einundzwanzig - Dies ist die Stunde

Von der hl. Elisabeth wird berichtet, sie habe kurz vor ihrem Tode die geheimnisvollen Worte gesprochen: "Dies ist die Stunde, da die Jungfrau gebar". Ein rätselhaftes Wort aus dem Munde einer Sterbenden, aber in ihm ist ... das Geheimnis von Bethlehem so tief erfaßt, daß wir es zunächst garnicht verstehen. Was hat die Sterbende mit Maria zu tun? Welche Ähnlichkeit könnte zwischen der Geburt Christi in Bethlehem und der Sterbestunde der hl. Elisabeth bestehen? ...
Es will sagen: Ich habe mich hingegeben als ein Werkzeug der Liebe Christi. Ich habe sein Wort in mein Herz aufgenommen. Ich habe mich darin verzehrt, die Liebe Christi an die arme Welt zu schenken. Ich habe nach meinen Kräften und in meiner Zeit getan, was ich konnte, damit der Herr kommt.
Nun fühle ich mich der reinen Magd Gottes ganz nahe, die uns den Herrn geschenkt hat. Und mit ihr bin ich dem nahe, der mich heimholen wird: "Dies ist die Stunde, da die Jungfrau gebar".
Alfred Kardinal Bengsch: In Erwartung der Wiederkunft. Berlin 1966. S. 33 ff.

Dienstag, 20. Dezember 2016

Advent zwanzig - Fortfahren

... Mit unserer Nächstenliebe wird es nicht anders sein. Wer ist denn frei von Zuneigung und Abneigung? Und wieviel ist bürokratisierte Pflicht oder oberflächlicher Betrieb oder einfach schmähliche Flucht, mit schönen Phrasen kümmerlich getarnt?
Und so müßten wir fortfahren: Der Reine muß sich von seinem Stolz bekehren, der Gehorsame von seiner Beamtengesinnung, der Demütige von seiner Drückebergerei, der Strebsame von seinem Programm, der Kluge von seinen Problemen.
Denn Reinheit, Gehorsam und Demut sind gut; aber sie stehen noch unter unserer Rechenkunst, und sie müssen unter das Maß der Liebe, die sich in der Krippe gezeigt hat. Das Kind von Bethlehem stellt uns ein hohes Maß ...
Alfred Kardinal Bengsch: In Erwartung der Wiederkunft. Berlin 1966. S. 29 f.

Montag, 19. Dezember 2016

Advent neunzehn - denket um!

Der Bußprediger Johannes begleitet uns durch den ganzen Advent, damit wir nie vergessen, daß wir uns vom Bösen abwenden müssen. Aber je näher wir dem Fest der schenkenden Liebe Gottes kommen, desto mehr begreifen wir, daß auch alles Gute, das wir haben, Stückwerk ist. Weihnachten fordert auch die Buße der Frommen. Wir sparen uns hier den billigen Spott über die Scheinfrommen, über die Pharisäer und Betschwestern; wir meinen den guten Menschen, den gewissenhaften, den begeisterten, den gütigen. Aber auch diesem ist gesagt: "Metanoeite, denket um!" Auf dem Wegweiser nach Bethlehem steht kein anderes Wort.
Denn auch der innerlich Reichste steht vor der Krippe noch mit leeren Händen. Auch wer alles getan hat, bleibt noch ein unnützer Knecht.
Alfred Kardinal Bengsch: In Erwartung der Wiederkunft. Berlin 1966. S. 25.

Sonntag, 18. Dezember 2016

Advent achtzehn - das Gegenbild

Und so gibt es eine stille und demütige Freude, in der sich doch das kommende Reich am herrlichsten bezeugt: die Freude eines Menschen, der sich aufmacht und heimkehrt zu seinem Gott. Wo immer einer umkehrt (und wer von uns brauchte es nicht?), da zeichnet der Herr selbst ein adventliches Gegenbild: den wartenden Vater, der dem verlorenen Sohn entgegengeht mit ausgebreiteten Armen.
Alfred Kardinal Bengsch: In Erwartung der Wiederkunft. Berlin 1966. S. 25.

Samstag, 17. Dezember 2016

Advent siebzehn - Wir lieben in Hoffnung

Nun, es ist Advent. Die Gestalt dieser Welt vergeht, auch die Gestalt der Kirche samt allem Allzumenschlichen und Ärgerlichen und Bürokratischen. Der Herr wird seinen Leib erlösen. Aber: wie wir bei der Kirche glauben, daß sie trotzdem die Braut ist, so müssen wir auch bei dem unsympathischen, dem unmöglichen Mitchristen an die kostbare Möglichkeit glauben, die Gott meint und sie Er sich formen wird.
Wir können sie nicht ahnen, manchmal auch mit der besten Phantasie nicht, und wir wollen es uns auch nicht gewaltsam einreden. Wir lieben in Hoffnung - und gerade dies kann ein Werkzeug Gottes werden, mit dem er jenen Menschen aus seiner Enge und Schwäche befreit.
¶ Alfred Kardinal Bengsch: In Erwartung der Wiederkunft. Berlin 1966. S. 24 f.

Freitag, 16. Dezember 2016

Advent sechzehn - die uns auf die Nerven gehen

Der Herr ist nahe, wo zwei oder drei in Seinem Namen versammelt sind. Es gibt eine Gemeinschaft in Christus, die kein Tod löst. Der Leib Christi bleibt, freilich verwandelt und verherrlicht ...
Seien wir doch ehrlich: Es kann auch ein bedrückender Gedanke sein, daß unsere Gemeinschaft schon das Reich sein soll, das ewig dauert. Ist sie nicht oft so erbärmlich und deutlich von dieser Welt, mit allem Zank und Ärger? Schockiert uns nicht manchmal der Gedanke an die ewige Gemeinschaft mit Menschen, an deren Frömmigkeit wir nicht zweifeln, die uns aber heillos auf die Nerven gehen?
Alfred Kardinal Bengsch: In Erwartung der Wiederkunft. Berlin 1966. S. 24.

Donnerstag, 15. Dezember 2016

Advent fünfzehn - Wo niemand es ahnt

Der Herr ist nahe, denn Seine Gnade ist in uns. Nicht bloß wie eine kostbare Perle, die wir scheu behüten, sondern als die königliche Kraft, die unseren Taten Gültigkeit für morgen gibt. Wir handeln schon in der Vollmacht der Bürger des Gottesreiches ...
Denn nichts, was ein Christ tut, hat nur Sinn und Wirkung für diese Erde, alle seine Werke reichen in die Ewigkeit, wenn sie in der Gnade getan sind. Er hat eine herrscherliche Verfügungsgewalt, die auch das Unbedeutendste wertvoll machen kann vor Gott. Mitten in der Welt und mit dem kümmerlichsten Werkzeug baut er am kommenden Reich, gerade da, wo niemand es ahnt, wo er scheinbar nichts anderes tut als alle andern.
Alfred Kardinal Bengsch: In Erwartung der Wiederkunft. Berlin 1966. S. 22 f.

Mittwoch, 14. Dezember 2016

Advent vierzehn - Tief zugehörig

So tief gehört der Advent in das christliche Leben, und so groß sind die Aufgaben, die er uns stellt: Erstarrtes lösen, falsche Sicherheit und Endgültigkeit durchschauen, die Tore weit machen, daß der König der Herrlichkeit einziehen kann.
Alfred Kardinal Bengsch: In Erwartung der Wiederkunft. Berlin 1966. S. 20 f.

Dienstag, 13. Dezember 2016

Advent dreizehn - Dem König bereitet

Aber auch das Gute, was wir tun, bekommt seinen eigentlichen Wert und seine christliche Schönheit erst im Blick auf den kommenden Herrn. Denn der Christ tut das Gute nicht, um etwa eine vollendete Persönlichkeit zu sein und seinen Tugendbesitz zu genießen, er will reif werden für den, der ihn zu Seinem Reich berief. Er ist nicht arm, um seine Überlegenheit zu demonstrieren; er ist nicht keusch aus natürlichem Stolz; er leidet nicht aus fatalistischer Tapferkeit, sondern in alldem bereitet und bewahrt er sich seinem kommenden König.
Alfred Kardinal Bengsch: In Erwartung der Wiederkunft. Berlin 1966. S. 19 f.

Montag, 12. Dezember 2016

Advent zwölf - Das Höchste nur Anfang

Da sagt ein altes Eucharistiegebet: "O heiliges Gastmahl, in dem Christus empfangen, das Andenken Seines Leidens erneuert und uns ein Unterpfand der künftigen Herrlichkeit gegeben wird".
Die ersten beiden Gedanken finden wir vertraut: Mahl und Opfer. Aber den dritten kennen wir kaum. Und doch gehört er dazu. Um es grob zu sagen: Die heilige Kommunion ist uns nicht zuerst gegeben, damit wir innerlich satt werden, sondern damit wir mehr Hunger haben. Sie ist wohl das Kostbarste, was uns der Herr hinterlassen hat, denn sie ist ja Sein Fleisch und Blut. Aber sie weist über sich hinaus auf jenes Beisammensein mit Christus, das "kein Auge geschaut hat" ...
Wenn so das Höchste nur Anfang ist (freilich: was für ein herrlicher Anfang!), wieviel mehr gilt das von allem anderen! Es kann in unserem christlichen Leben nichts Endgültiges geben, weil wir dem Kommenden immer entgegen reifen müssen.
Alfred Kardinal Bengsch: In Erwartung der Wiederkunft. Berlin 1966. S. 18 f.

Sonntag, 11. Dezember 2016

Advent elf - Freude. Im Herrn.

Nach altem Herkommen steht der dritte Sonntag im Advent im Zeichen der Freude: Gaudete! "Freut euch!" Dieser Aufruf zur Freude geht auf Worte zurück, die der hl. Paulus an die Gemeinde von Philippi schrieb; Paulus befand sich zu jener Zeit in römischer Untersuchungshaft und blickte einer ungewissen Zukunft entgegen ... und schrieb dennoch:
Freut euch im Herrn allezeit! Nochmals will ich es sagen: Freut euch. Eure Freundlichkeit werde allen Menschen bekannt: Der Herr ist nah. Sorgt euch nicht. Nein: In allem sollen durch das Gebet und das Flehen unter Danksagung eure Bitten vor Gott sich bekunden. Und der alles Denken übersteigende Friede Gottes wird in Eins mit dem Messias Jesus eure Herzen und eure Gedanken schirmen (Phil 4, 4-7).
Wenn wir diese Worte heute hören, dann scheint mir eine Wendung deswegen besonders bemerkenswert, weil wir sie in religiöser Routine vielleicht rasch überlesen. Es ist die Rede von der Freude ... im Herrn!

Die Freude des Christen ist kein rein weltlich Ding', keine nur vom zeitverhafteten Grund eines glückvollen Augenblicks abgeleitete Gemütsbewegung. Die Freude des Christen hat immer einen Bezugspunkt, aus dem sie sich speist und zu dem sie zurückkehrt: Christus, den Retter, den Herrn: Freut euch im Herrn allezeit!

Die Freude des Christen steht daher im Gefolge der Tugenden des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe. Sie helfen uns, Gottes in unserem Alltag gewahr zu werden und unser Leben unter seinen Willen zu stellen - im Vertrauen darauf, daß Gott alles zu einem guten Ende führen wird, selbst noch unser Versagen, wenn wir nur von ihm nicht lassen ... "Sattwerden oder hungern, in Fülle leben und darben. Alles verkrafte ich in dem, der mich stärkt" schreibt Paulus einige Verse später an die Christen von Philippi (Phil 4, 12 f.).

Daraus ergibt sich, daß Freude eine Grundhaltung des Christen ist. Sie hilft ihm, sich seine Welt und sein Schicksal zu erschließen und zu gestalten. Als Grundhaltung kann sich diese Freude, und auch dies scheint mir zu bemerken wichtig, sehr unterschiedlich äußern, vom stillen in sich hinein Lächeln bis zum Ausflippen; ein introvertierter Christ kann ebenso von Freude erfüllt sein wie sein extrovertierter Banknachbar.

Wenn nun Paulus schreibt "Eure Freundlichkeit werde allen Menschen bekannt", dann meint er hier die sichtbare Seite unsere Freude: Freundlichkeit unseren Mitmenschen gegenüber. Keine hölzerne Benimmbuch-Etikette, kein dauernd überzogenes Chichi, keine Bussi links, Bussi rechts-Kumpanei, keine Ich-umarm-die-ganze-Welt-Attitüde, sondern ein wohlmeinendes Herz für den Nächsten, das das Gute sieht und das Böse nicht ausblendet, das mit den Frohen froh sein und mit den Trauernden weinen kann, das für die Sünder betet und weiß, daß jeder Mensch ein Kind Gottes ist: Freut euch ... im Herrn ... allezeit!

 Der heutige Beitrag ist Teil des blogozösanen Adventskalenders 2016, in dem sich hier bis Heiligabend noch manch weiteres Türchen öffnen läßt. Gestern füllte Claudia von Katholisch? Logisch! hier ein Fenster, morgen geht es bei Heike auf Heikes Blog hier weiter.

Samstag, 10. Dezember 2016

Advent zehn - Jede Gnade ist Vorbereitung

Vielleicht ist auch die Spannung zu schwer, in der ein Christenleben steht: erlöst zu sein und doch die Erlösung (die endgültige Verherrlichung) zu erwarten.
Sicher aber ist dazu alljährlich wieder Advent, daß wir diese gefährliche Sicherheit des Besitzes verlieren, auf die Behaglichkeit der scheinbaren Vollendung verzichten und wieder Raum haben für den kommenden Herrn.
Denn auch das Höchste, was uns geschenkt ist, ist eine Verheißung. Und jede Gnade, die wir empfangen, ist Vorbereitung.
Alfred Kardinal Bengsch: In Erwartung der Wiederkunft. Berlin 1966. S. 16 f.

Freitag, 9. Dezember 2016

Advent neun - Fehlt uns was?

Wenn der Herr morgen käme, dann wäre das nicht nur ein Schrecken für die Christen, die sich gerade irgendwo in den allgemeinen Vergnügungstaumel eingelassen haben ... Es wäre auch für jene eine fremde und programmwidrige Störung, die gerade mitten im vollen christlichen Betrieb sind. Wir sind nämlich so sehr und so sicher im "wahren Christentum", daß uns nichts mehr fehlt. Wir haben doch den menschgewordenen Heiland, wir haben die Sakramente, wir haben die wahre Lehre, wir sind geborgen in der wahren Kirche - wo ist da noch Raum für die Erwartung? Freilich, es gibt den Tod und das Leben nach dem Tode. Aber steht das nicht für unser Gefühl "auf einem anderen Blatt"?
... So machen wir das Vorläufige zum Endgültigen, das Rasten auf dem Weg zu einem Daueraufenthalt, das Zelt zum festen Wohnsitz, den Anfang zum Ziel - und dies alles mit dem guten Gewissen, christlich zu leben. 
Alfred Kardinal Bengsch: In Erwartung der Wiederkunft. Berlin 1966. S. 16 f.

Donnerstag, 8. Dezember 2016

Advent acht - Durch die Schau der Schönheit mache mich schön

Maria Immaculata - Hochaltarbild (Ausschnitt) in der Pfarrkirche St. Pankratius, March-Holzhausen
Jungfrau,
überaus Schöne,
strahlend in Gott,
durch die Schau der Schönheit mache mich schön,
strahlend mache mich, daß ich rufe:
Preiset in Hymnen den Herrn
und erhebet ihn über alles in allen Äonen!
Tor du des Lichtes,
schlage mir auf der Reue lichtstrahlendes Tor,
und jenen geraden Weg der Gerechtigkeit zeige mir,
der da führt zu den Vorhöfen göttlichen Willens.
Überheilige,
Reine,
Ihn, den heiligen Logos,
der die Gläubigen heiligt,
hast du unsagbar geboren.
Flehe zu ihm,
daß er heilige jetzt meine elende Seele,
die durch Sünde befleckte.
Lichtdurchfluteter Strom,
aus dir ist hervorgegangen der Unsterblichkeit Quelle,
heilige Herrin.
Drum rufe ich dir zu:
Meiner Sünden Ströme,
trockne sie aus durch den Born deiner Fürbitte,
Reine!
(St. Johannes von Damaskus)
Der Marienpreis ist entnommen: Otto Karrer: Maria in Dichtung und Deutung. S. 314. - Bild: Maria Immaculata - Hochaltarbild (Ausschnitt) in der Pfarrkirche St. Pankratius zu March-Neuershausen.

Mittwoch, 7. Dezember 2016

Advent sieben - Selig auch ihr

Selig aber auch ihr, die ihr gehört und geglaubt habt! Denn jede Seele, die glaubt, empfängt und gebiert den Logos Gottes und schaut seine Werke. In euch allen sei Mariens Seele, um groß zu machen den Herrn; in allen sei Mariens Geist, in Gott zu frohlocken. Und wenn es auch nur eine leibliche Mutter Christi gibt, so ist doch in der Ordnung der Glaubens Christus die Frucht aller.
Der hl. Ambrosius von Mailand in der Expositio in Lucam I, II

Dienstag, 6. Dezember 2016

Advent sechs - Mystagoge der Gnade

Der hl. Nikolaus von Myra - Tympanon am Portal des südlichen Querschiffes, Münster St. Martin, Colmar
Heiliger von Myra,
als Priester hast du dich erwiesen.
Nachdem du, Gottseliger,
das Euangelion Christi erfüllt hattest,
gabst du deine Seele für dein Volk
und hast errettet Unschuldige vom Tod.
So bist du heilig geworden,
großer Mystagoge der Gottesgnade.
Kontakion der morgenländischen Leiturgia zum Gedächtnis des hl. Bischofs Nikolaus
Bild: St. Nikolaus von Myra - Tympanon am Portal des südlichen Querschiffs, Münster St. Martin, Colmar.

Montag, 5. Dezember 2016

Advent fünf - Jetzt ist es Zeit

Es gibt auch eine Frömmigkeit, die Schlaf ist, gefährlicher Schlaf, denn sie hat ein gutes Gewissen. -
Es ist Zeit, sagt Gottes Wort, vom Schlafe aufzustehen! Noch ist Advent - wahrlich nicht kraft unserer glühenden Erwartung! Aber Er, der kommen will, gibt es nicht auf, Er ist wach, Er ist jetzt schon unser Heil und unser Helfer.
Und darum ist noch Zeit (gibt es eine frohere Botschaft?), noch immer Zeit, vom Schlafe aufzustehen -- aber:
Jetzt ist es Zeit.
Alfred Kardinal Bengsch: In Erwartung der Wiederkunft. Berlin 1966. S. 15.

Sonntag, 4. Dezember 2016

Advent vier - In den Garten geworfen

Christus ist der König, weil er ist die Quelle aller Herrschaft! Christus ist das Reich, weil in ihm besteht die ganze Herrlichkeit des Reiches! Christus ist der Mensch, weil die ganze Menschheit erneuert wird in Christo!
Christus ist das Senfkörnlein, an dem die ganze Größe Gottes so klein erscheint in der ganzen Kleinheit des Menschen ... Er warf es in seinen Garten, das heißt in die Ekklesia, seine Braut ... Tief eingelegt wurde es in die Patriarchen, in den Propheten ging es auf, empor trieb es in den Aposteln, zu einem großen Baume wurde es in der Ekklesia, durch seine Gnadengeschenke trieb es viele Zweige.
Der hl. Petrus Chrysologos in einer Predigt über das Gleichnis vom Senfkorn (Lk 13, 18 f.) - Sermo 98

Samstag, 3. Dezember 2016

Tagessplitter

Eine Unterredung kam mir heute in den Sinn, die bereits eine Weile zurückliegt. Sie nahm ihren Ausgang von meiner Klage über die zuweilen höchst zurückhaltende Beteiligung der Gläubigen am gregorianischen Choral. Nun meinte mein Gesprächspartner, die Raumsituation in der Antoniuskirche sei nun einmal problematisch: die (zahlenmäßig überschaubare) Gemeinde verliere sich in diesem nach allen Seiten sehr großen und weiten Raum. Man müsste eigentlich, so die Quintessenz, eine "kleinere" Kirche haben; dies würde die zur Eucharistia versammelte Herde besser zusammenführen, was gewiß auch positive Auswirkungen auf den Gesang nach sich ziehen könnte.

Ich lasse die Tatsache hier beiseite, daß die "verstreute" Gemeinde durchaus kräftig una voce zu singen vermag, wenn nur das Programm "stimmt", wobei die Stimmigkeit allein auf die Beliebtheit bestimmter (und im Grundsatz vertrauter) Gesänge gemünzt ist. Rein praktisch und zweckmäßig gesehen läßt sich gegen das Argument kaum etwas ausrichten. Recht schmecken wollte es mir aber damals trotzdem nicht. Mich irritiert der Ansatz, und das aus mehrfachem Grund.

So steht etwa der Rückzug ins Kleine(re) konträr zur Sendung des Kyrios, zu Auftrag und Sendung - es geht um Ausbreitung und nicht darum, sich der aktuellen Lage im wahrsten Sinn des Wortes "anzubequemen". Die vielen Plätze, die unbesetzt bleiben, der irgendwie etwas "leer" wirkende Raum ... all das kann und soll uns ein Stachel im Fleisch sein. Vielleicht erinnern wir uns an den Abschluss des Gleichnisses vom großen Gastmahl, den Lukas uns überliefert:
"Schnell, geh hinaus auf die Straßen und Gassen der Stadt und führ die Armen und Krüppel und die Blinden und Lahmen hier herein. Dann sprach der Knecht: Herr, es ist geschehen, was du angeordnet hast - aber noch ist Platz. Und der Herr sprach zu seinem Knecht: Geh hinaus, die Wege und Zäune entlang, und nötige hereinzukommen, damit mein Haus gesteckt voll werde. So sage ich euch denn: Keiner von jenen Männern, die geladen waren, wird mein Mahl kosten" (Lk 14, 21-24).
Und weiter: Ist dieser Raum, diese Antoniuskirche - wir reden hier über das Haus Gottes - überhaupt "leer"? Gewiß nicht: die Herrlichkeit des Kyrios erfüllt die Höhen, die Tiefen und die Weiten. Das uns in diesem Aion fast jeglicher sensus fehlt, diese Herrlichkeit wahrzunehmen, steht auf einem anderen Blatt. Doch meistens vergegenwärtigen wir uns die Gegenwart des Höchsten auch nicht hinreichend in Geist und Gemüt. 

Jedenfalls gilt: Es gibt zweifelsohne die Versuchung, es sich in der Reduktion gemütlich oder sich zumindest das Vordergründige gefügig zu machen ... Aber! Es gibt kein zu "großes" Kirchengebäude, zumal alles Menschenwerk hinter dem darin geborgenen Allerheiligsten immer zurückbleibt. Eine Kirche kann überhaupt nicht groß genug sein! Nicht umsonst investierten die Altvorderen nach Möglichkeit stets weit mehr, als praktisch oder zweckmäßig notwendig gewesen wäre, in ihre Gotteshäuser. Wir müssen uns nicht künstlich verkleinern, sondern Sorge tragen, daß Gottes Haus, die Wohnung seiner Herrlichkeit, "gesteckt voll wird".

Zugegeben: Das ist ein höchst anspruchsvolles Programm, das wir ohne den Herrn des Hauses nicht bewältigen können. Ebensowenig werden wir aber etwas erreichen, wenn wir einfach alles so laufen lassen, wie es halt läuft (oder auch nicht). Jedenfalls konnte einst Paulus von Abraham sagen:
Bar der Hoffnung hat er doch voll Hoffnung geglaubt, daß er zum Vater vieler Völker werde (Röm 4, 18).

Advent drei - Die geschändete Braut

Weil der Bräutigam auf sich warten ließ, so sagt es die Schrift im Bilde, wurden jene zehn Jungfrauen müde (die törichten und die klugen) und schliefen ein ... Der schlafende Christ hat keinen Advent, darum ist er harmlos für die Welt. Sie spart sich den Ärger der Verfolgung. Sie braucht ihn nicht mehr ernst zu nehmen, er gehört schon zu ihr. Sie braucht nur noch ein paar Schlafmittel, und die sind billig. Man gibt ihm ein bißchen Macht, ein bißchen Anerkennung, meistens tut es auch schon das Geld oder der Genuß.
Und es ist ein erlesener Triumph, wenn die Bekenner des Reiches Gottes dies gierig aus der Hand fressen.
Denn eine verfolgte, eine arme und blutende Kirche hat immer noch etwas Großes, die Würde des Unbeugbaren. Aber eine satte, müde und reiche Christenheit, eine weltangepaßte und schlafende, ist degradiert. Sie ist eine Organisation unter anderen geworden. Selbst wenn sie der größte Machtfaktor der Erde wäre - was wäre sie anders als eine geschändete Braut?
Alfred Kardinal Bengsch: In Erwartung der Wiederkunft. Berlin 1966. S. 11.

Freitag, 2. Dezember 2016

Advent zwei - Mit fordernden Augen

Denn der Christ ist kein Weltverneiner. Er wird es nie wagen, die Schöpfung Gottes zu schmähen, er betet Ihn ja an als den Schöpfer der Welt.
Er entflieht auch nicht seinem Weltauftrag, denn sein Ideal ist keineswegs die tatenlose Sehnsucht.
Aber das Bild von der Wiederkunft sagt ihm: Diese Welt, so wie sie jetzt ist, einschließlich all ihrer Herrlichkeit, ist noch nicht deine ewige Wohnung. Es ist noch die unerlöste Welt, genauer: die noch nicht endgültig erlöste Welt. Es ist noch nicht der neue Himmel und (was nicht vergessen werden darf) die neue Erde, die Gott verheißen hat.
Und diese Erwartung ist ein Protest gegen die Gestalt dieser Welt. Der Christ blickt sie gleichsam mit fordernden Augen an.
Alfred Kardinal Bengsch: In Erwartung der Wiederkunft. Berlin 1966. S. 11 f.

Donnerstag, 1. Dezember 2016

Advent eins - Erwartung und Bereitschaft

"Erheben" ist ein Schlüsselwort, ein Grundmotiv in der Liturgie des ersten Adventsonntags. Gleich im Eingangslied heißt es: "Zu Dir erheb' ich meine Seele, mein Gott ..." Und wieder im Evangelium, nach den Schreckensbildern vom Weltende: "Erhebet eure Häupter, denn sehet, eure Erlösung naht!" Noch einmal, aber in anderem Sinne, treffen wir das Bild in der Lesung: "Es ist Zeit, vom Schlafe aufzustehen".
Das erhobene Antlitz als Sinnbild der vertrauenden und zuversichtlichen Erwartung und das Sicherheben vom Schlaf als Bild der Bereitschaft, so zeichnet die Kirche den Menschen, der dem kommenden Herrn entgegen geht; denn das erste Christusbild des Advents ist für sie ja der Kommende am Ende der Zeiten ...
Alfred Kardinal Bengsch: In Erwartung der Wiederkunft. Berlin 1966. S. 11.