Sonntag, 27. November 2016

Erster Adventssonntag - Verheißung

.
Erst wenn der Menschen Stirnen wieder rein
Das Leuchten einer höhern Welt empfangen,
Und ihre Augen, die von Nacht verhangen,
Sich füllen mit der Seele Widerschein;
Wenn Herzen, müde eigner Pein,
Nach allen Schmerzen dieser Welt verlangen:
Dann wird der Friede kommen in das Bangen
Und dieser Zeit ersehntes Ende sein.
Die Liebe nur, die sich verzehrt um Gnade
Für ihrer Feinde Seelen, wird das Kommen
Der andern Zeit, der heiligen, bereiten;
Wenn Herzen brennen an dem Pfade,
Wo lange schon geduldig stehn die Frommen,
Wird segensmächtig ihn der Herr beschreiten.
Reinhold Schneider
Einen gesegneten Pfad durch den Advent!

Montag, 7. November 2016

Adventskalender der Blogozese - wer schreibt in diesem Jahr mit?

In den vergangenen beiden Jahren ist es der Blogozese gelungen, einen Adventskalender auf die Beine zu stellen - ein, wie ich finde, schöner Gedanke, um Leser (und durch das Schreiben nicht zuletzt sich selbst) auf die Heilige Nacht vorzubereiten und Blogbesucher mit ganz unterschiedlichen Sichtweisen auf den bald anstehenden adventlichen Weg zu überraschen.

Es wäre schön, wenn wir auch in diesem Jahr wieder einen Adventskalender auf die Beine stellten. Heike von Weihrausch und Gnadenvergiftung hat sich der Sache organisatorisch angenommen - alle notwendigen Informationen und die Möglichkeit, sich verbindlich für einen Tag in ein Doodle einzutragen, sind auf der Seite von Heike hier zu finden: Ecce, completa sint omnia!

Bild: Posaunenengel vom Engelspfeiler des Straßburger Münsters. Und zu alledem einige Verse von Rudolf Alexander Schröder:

... Du weißt, dein König kommt;
so eil auf allen Wegen
ihm recht mit Fleiß entgegen,
dann tust du, was dir frommt.
Gib ihm dein Haus zur Wohne;
und wär's ein schlechter Stall,
er wird durch ihn zum Throne,
glänzt wie des Himmels Saal.
Er wird durchaus erneun
dein Herz samt seinen Mängeln:
Dann darfst du mit den Engeln
dich seiner Weihnacht freun.

Mittwoch, 2. November 2016

Ein Schwert in unserer Seele

Maria als Fürbitterin für die Seelen im Fegfeuer - Deckengemälde in der Wallfahrtkirche Maria Namen, Melchtal
Was könnte Unsere Liebe Frau mit den armen Seelen im Fegfeuer besonders verbinden? Keine Frage, daß der "Mutter der Barmherzigkeit" das Los ihrer Kinder nicht gleichgültig sein kann; aber finden wir im Leben Mariens einen Anhaltspunkt, der sie in eine besondere Beziehung zu den zwar geretteten, aber noch nicht der Anschauung Gottes fähigen Seelen setzen könnte? Mir fällt die Prophezeiung des alten Simeon ein: Maria werde "ein Schwert durch die Seele dringen, auf daß die Gedanken vieler Herzen offenbar" würden (Lk 2, 35).

Schauen wir zunächst auf die Armen Seelen: Im persönlichen Gericht unter die Wahrheit gestellt, wird diese Wahrheit mit all der Hässlichkeit, die sich ein Leben lang auch angesammelt hat, für die Seele des Sünders zum Schwert - ein Schwert, das die Seele durchdringt. Wir können übrigens einen gewissen Teil dieses Schmerzes aus unserem Lebenskreis ein wenig, glaube ich, nachvollziehen: Es ist zum Beispiel das Gefühl, etwas nicht mehr gut machen zu können - etwa, wenn wir an das Grab eines Menschen treten und ein ungelöstes Unrecht im Raum steht oder wir uns bewusst werden, wie oft wir lieblos waren oder undankbar. Nun bleibt nur der Schmerz und die Reue, um die offene Wunde zu heilen - ein Schwert in unserer Seele.

Nun war das in ihre heilige Seele gestoßene Schwert, welches der alte Simeon Unserer Lieben Frau weissagte, von anderer Art: Es bohrte der Gottesmutter nicht die unangenehme Wahrheit eines so oft nicht gelingenden Lebens in die Seele - zumindest nicht im Blick auf das Leben derer, die wir als die Allheilige ehren. Die Schmerzen Mariens sind die Reaktion einer Mutter, die im Rahmen der Erlösungswerkes den Schmerz um ihren Sohn empfindet - dessen Schmerzen wiederum von unseren Sünden rühren: auch das eine Art "Offenbarung" der Gedanken vieler Herzen. Vielleicht läßt sich daher sagen: Im Schwert, das die Seele der Jungfrau durchdringt, fühlt Maria auch jene Schmerzen mit, unter denen sich die Seelen in der Läuterung krümmen. Unsere so oft verhärteten Herzen härteten hierbei die Klinge jenes Schwertes im Herzen Mariens, unsere Schuld fühlte die Jungfrau an der Seite ihres Sohnes am eigenen Leib mit.

So ist sie den Seelen im Fegfeuer besonders nahe - zumal diese Seelen auch als Zeichen aufstrahlen, daß all diese Schmerzen nicht vergebens erlitten worden sind: die Erlösung ist ihnen gewiß. Daß sie ihnen bald zuteil werde, dazu helfe Ihnen Unsere Liebe Frau durch Ihre Fürsprache ... ora pro nobis!

Bild: Unsere Liebe Frau als Fürsprecherin für die armen Seelen - Deckengemälde in der Wallfahrtskirche Maria Namen zu Melchtal / OW.

Dienstag, 1. November 2016

Die wir Irdische nicht reden und raunen können

Gemeinschaft der Heiligen - Allerheiligen - Communio Sanctorum - Klosterkirche Muri, Kuppel
Betrachte ich die Situation der Kirche in diesen Tagen, so möchte ich manchmal an ihr verzweifeln - vor allem das ebenso widersprüchliche, aber in Tendenz und Intention absehbare Geschwätz des amtierenden Papstes, der seine Machtpolitik mit billigen Demutsgesten ummäntelt und wie keiner seiner Vorgänger jüngerer Zeit einen geistigen Nepotismus betreibt, droht den Glauben und die Freude daran zu zerknirschen. Gewiß: Unruhe, die rechte Unruhe, tut dem dem Glauben gut. Wir kennen alle Augustinus' Wort vom ruhelosen Herzen ... ruhelos auf Gott hin! Ein Glaube, der am warmen Ofen die Glieder streckt und schnarcht, nie angefochten ist und keine Fragen stellt an Gott und an sich selbst, scheint mir eine eher scheintote Sache. Petrus aber, auch das steht außer Frage, soll den Glauben der Brüder stärken (Lk 22, 32).

Dem Zweifel (gleich nun, welchen Herkommens) stellt Gott immer wieder Taten, Zeichen und Bilder entgegen, die mich aufatmen lassen - dazu zählt das heutige Fest Allerheiligen. Es erinnert mich daran, daß die Kirche mehr ist als nur der ... sagen wir: römische Außenposten unserer Zeit, oder in den Worten des Katechismus: daß die Kirche mehr ist als die Ecclesia militans, jene streitende Kirche in diesem Aion, welche es in der Unzulänglichkeit ihrer Hirten und ihrer Herde zuweilen auch fertig bringt, sich selbst zu "bestreiten".
Kirche - das ist ebenso die Kirche der Verherrlichung (Ecclesia triumphans) und die Kirche, deren (gar nicht so "arme") Seelen Gott läutert; morgen werden wir ihrer am Allerseelentag gedenken (Ecclesia patiens).

Also strahlt über aller Erbärmlichkeit unserer Tage, der eigenen und jener der anderen, die Ekklesia auf als Communio Sanctorum, leuchtet in der Gemeinschaft der Heiligen, die das Beste verbürgt und in die das Beste eingebürgert ist, das die Gnade in den Menschen hervorgebracht hat und auch künftig hervorbringen wird:
Die Kirche ist der große Tempel,
den der Logos, des Weltalls erhabener Schöpfer,
über den ganzen Erdkreis hin unter der Sonne aufgebaut hat.
Gestaltet aber hat er sie so,
daß sie werde ein geistiges Abbild hienieden jener Geheimnisse,
die jenseits der himmlischen Gewölbe ruhen.
In ihr sollte angebetet und verehrt werden sein Vater
durch alle Geschöpfe und jegliches Wesen, das Geist hat.
Wo aber ist der Sterbliche,
der würdige Hymnen sänge von jenem Land über den Himmeln?
Von den Urbildern irdischer Dinge, die dort ruhen?
Von dem Jerusalem, das droben ist,
von Sion, dem himmlischen Berg,
von der überirdischen Stadt des lebendigen Gottes?
Myriaden von Engeln lobsingen dort oben,
und die Kirche der Erstgeborenen,
die im Himmel geschrieben sind,
jubelt dem Schöpfer der Engel und Menschen,
dem Herrscher des Alls
in Theologien, die wir Irdische nicht reden und raunen können ...
Und doch haben auch wir hienieden stückweise
Teilhabe an diesen Mysterien.
... Drum denkt dieser Gnaden jetzt und in künftigen Tagen,
laßt es allezeit in euch wie lebendiges Feuer auflodern!
Bei Tag und bei Nacht, ja bei jedem Atemzug behaltet Gott im Herzen,
den Spender und Chorführer dieses freudigen, glanzvollen Festes!
Ihn allein habet lieb, ihn allein betet an mit der ganzen Gewalt der Seele.
Und nun steht auf zum Gebet, ruft es laut mit der Stimme des Herzens:
"Hüte und hege uns allzeit in der Hürde der Kirche,
gib uns als göttlichen Preis des irdischen Kämpfens
Frieden in Jesus Christus dem Herrn und Erlöser,
Frieden, der nimmer zerreißt oder wankt oder endet.
Dir sei durch ihn die Ehre für ewige Zeiten". Amen.
(Eusebius von Cäsarea)
Die Worte des Eusebius stammen aus der Weihepredigt für die von Kaiser Konstantin errichtete Basilika zu Tyrus (Kirchengeschichte X, 4); entnommen aus: Hugo Rahner SJ: Mater Ecclesia. Lobpreis der Kirche aus dem ersten Jahrtausend christlicher Literatur. Einsiedeln / Köln 1944, S. 20 f. Bild: Die Gemeinschaft der Heiligen - Kuppelfresko von Francesco Antonio Giorgioli in der Klosterkirche Muri / AG.