Dienstag, 31. Mai 2016

Die absolute Gewalt, die das Geschöpf besitzt

 Salve Regina - Maria Königin / Fridolinsmünster, Bad Säckingen 
Es wäre würdig und recht gewesen, hier in diesem Monat Unserer Lieben Frau Lob zu schreiben, ja: zu singen. Das soll wenigstens zum Ausklang und im Blick auf den heutigen Festtag Maria Königin geschehen - mit einigen Gedanken von Gertrud von Le Fort:
... Auch der Mann empfängt den Schöpfergeist im Zeichen Mariens, in Demut und Hingebung, oder er empfängt ihn überhaupt nicht, sondern er empfängt alsdann immer wieder nur den Geist, "den er begreift", und der im Grunde nichts zu begreifen vermag. Denn die Welt kann zwar durch die Kraft des Mannes bewegt werden, gesegnet aber im eigentlichen Sinne des Wortes wird sie immer nur im Zeichen der Frau.
Die Hingebung an Gott ist die einzige absolute Gewalt, die das Geschöpf besitzt: nur die "ancilla Domini" ist die "regina cœli". 
Wo immer die Kreatur in letzter Lauterkeit mitwirkt, da erscheint auch die "mater Creatoris", die "mater boni consilii"; wo immer das Geschöpf sich von sich selbst löst, da steht der gequälten Welt die "mater amabilis" bei, die "Mutter der schönen Liebe"; wo immer die Völker eines guten Willens sind, da bittet für sie die "regina pacis".
Das Zitat ist entnommen aus: Gertrud von Le Fort: Die ewige Frau - Die Frau in der Zeit - Die zeitlose Frau. München (12) 1934. S. 27 f. - Im Bild eine Darstellung Unserer Lieben Frau als Königin im Fridolinsmünster zu Bad Säckingen.

Donnerstag, 26. Mai 2016

Schreitende Ekklesia - deine Hände tragen eine großen Schatz

 Kirchenfahne - St. Blasius, Buchenbach im Schwarzwald 
Schauernd schreitest du.
Über alle Berge schreitest du
zum Berg der Berge,
zur Stätte der Begegnung,
zum Altar.
Zu hohem Liede ward dein Schreiten,
das dem Ewigen entgegen singt.
Und deine Hände tragen einen großen Schatz.
Ein weißer Schleier liegt dein Antlitz über ihm.
Und deine Augen schmücken ihn wie Perlen.
Selig trägst du den verborgenen Fund,
den du vom Acker deines Herrn gehoben hast,
der dunklen Erde lichten Schatz:
Das Brot.
Also gehst du in die andre Welt.
Das Fleisch tritt in den Glanz, der nicht geschaffen ist.
 
Brot trägst du hinein ...
Brot empfängst du wieder,
das im Abgrund dieses Glanzes
Brot des ewgen Lebens ward.
Verse aus dem Gedichtzyklus Ekklesia der Hersteller Ordensschwester Eulogia Wurz OSB. Bild: Prozessionsfahne in der Pfarrkirche St. Blasius zu Buchenbach im Schwarzwald.

Sonntag, 22. Mai 2016

Herr, ströme aus

 Dreifaltigkeit - Deckenbild in St. Alexius, Herbolzheim
O Herr,
wir sind vor Dir Wüste,
arm an Leben, arm an Kraft,
arm an Frucht!
Aber Du bist das Blühen und Fruchten,
bist das Aufstehen in dieser Wüste!
O Herr, wir bitte Dich, laß uns geöffnet sein zu Dir, daß wir uns nicht verschließen, daß wir blühen durch Dich, daß wir Frucht tragen durch Dich! Laß uns blühende Wüste sein in der Kraft und Herrlichkeit Deiner Liebe!
Wir liegen da als erstorbenes und unfruchtbares Leben und sollen sein ein Brautschoß, der Dich umfängt, der Dich gebiert, der Dich ausschenkt. Du, der Geist des Auferstehens, wehe über uns, überkomme uns, daß wir Dich empfangen, daß wir Dich tragen, daß wir Dich ausschenken,
Dich, o Gott,
alles in allem,
Dich, Christus,
alles in allem,
Dich, Heiliger Geist,
alles in allem!
Siehe, o Herr, wir liegen vor Dir als eine Unmündigkeit! Du hast ein größeres "Selig" gesprochen über das kleine unmündige Kind, das Gleichnis Deiner Evangelien!
Öffne ihm die Glorie des Vaters,
die Glorie des Sohnes,
die Glorie des Heiligen Geistes,
daß das Auge des Kindes strahle in die Welt Dein Licht, daß seine Hände ausschenken Deinen Reichtum! Laß sein sein Herz ein geöffnetes Herz, daraus strömen und sprudeln die Wasser Deines Reiches!
Herr, springe auf, Herr, ströme aus aus unserer Wüste, aus unserer Unfruchtbarkeit, aus unserer Unmündigkeit, daß Du seiest alles in allem. Amen.
Gebet unter dem Titel Wüste und Blühen von Erich Przywara SJ vom Februar 1944 im Anschluss an eine Predigt über den Propheten Jesaja - entnommen aus: Erich Przywara: Auferstehung im Tod. Gebete. Zürich o.J. S. 12 f. - Bild: Der dreifaltige Gott - Deckengemälde in der Pfarrkirche St. Alexius zu Herbolzheim in Baden.

Mittwoch, 18. Mai 2016

Sententiæ CXIV

... Die Vielzahl der Bilder dient nur noch der Befriedigung der Neugier, dem Zeitvertreib; das Bild ist abgesunken zu der bequemsten und billigsten Weise, ein Stück Welt - vermeintlich - zu haben. Die Berührung mit der Urwirklichkeit, die Erhebung zum Urbild, das Hinabtauchen in die Urgründe, die Befruchtung der Seele (anima) unterbleibt. Und doch kann die Möglichkeit dazu nicht völlig auslöschen, sie ist mit dem Wesen des Menschen gegeben, und sein Heil hängt daran.
Eugen Walter: Maria, Mutter der Glaubenden

Montag, 16. Mai 2016

Tagessplitter: Glückwunsch, Herr Kardinal!

Da hörte ich heute morgen auf DRadio Kultur die nicht ganz glücklich gewählte Schlagzeile "Abschied von Lehmann" ... Wie? Ist der gestorben? Keineswegs, aber er wird 80 Jahre alt und räumt seinen Bischofsstuhl - endlich, mag man hinzufügen. Jedenfalls singt und lacht man heute zu Mainz dem Kardinal, der dazu eine Messe feiert und sich anschließend in einem Festakt Lob aufs Brot schmieren lässt, wobei EU-Blökbärtchen und Blockwart Schulz eine Probe seines pan(n)egyrischen Talentes entbot. 
.
Der Schulz? Genau ... der Martin Schulz, der zum Beispiel Kreuze aus dem öffentlichen Raum räumen will und der für das "Recht" einsteht, Kinder abtreiben zu dürfen, genau der hält eine laudatio auf Lehmann. Weniges scheint mir deutlich peinlicher bezeichnend für das, was zuweilen “Lehmann-Kirche“ geheißen wird. Schulzens Rede, übliches EU-Blabla deutscher Provenienz von der Stange. gipfelte in einer ...
... Frage, die ich eben Ihnen, lieber Kardinal Lehmann, stellen möchte: Warum, so frage ich uns, warum haben wir unseren Glauben an uns selbst verloren?
Nun weiß ich nicht, ob der Kardinal darauf geantwortet hat ... aber wie ich diesen Kardinal einschätze, hätte er ohnehin nicht die Antwort gegeben, die ich von einem Kardinal erwarten würde. Und für Schulz ist Glaube an Gott sowieso reine Privatsache und gehört nicht in die Öffentlichkeit.
.
Der Festakt stand nur geladenem Gesocks, korrigiere ... geladenen Gästen offen. Ebenso wie die Messe vornweg. Was mich an die Unsitte erinnert, bei bestimmten Anlässen das heilige Mysterium nicht vor dem Volk Gottes zu feiern, sondern vor den üblichen Volksvertreten “aus Politik, Medien und Kultur“ und weiterer höchst wichtiger Pimmelprominenz. Diese Praxis stößt mir immer wieder auf, zuletzt auch bei der Weihe von Stephan Burger zum Freiburger Erzbischof; da bedurfte man aber wenigstens keiner Eintrittskarte für die Katzenplätze, die übrig waren, nachdem alle hochwichtigen Wichtigkeiten ohne Ansehen religiöser Bindungen ihren Hintern in den Münsterbänken parken konnten.
.
Ohne Eintrittskarte kam man in Mainz an den Türstehern nicht vorbei in den Dom. Was wohl Jesus dazu sagen würde? So eine Bäh-Frage verkneift man sich beim Hochamt des deutschen Systemkatholizismus besser, weil eh nur die Ewiggestrigen betrifft, was Jesus heute sagen würde. Sei's drum - meines Dafürhaltens reichte es jedenfalls völlig, den hundert Allerhöchstwichtigsten ein paar Bänke freizuhalten; die B-Promis können sich ebenso gut unters Volk mischen, statt wie im Theater Plätze zugeschanzt zu bekommen. Der Applaus schwoll jedenfalls kräftig bei der großen dernière zum Spielzeitende der Lehmann-Kirche, ausverkauft in jeder Hinsicht. Meinen Glückwunsch, Herr Kardinal!

Sonntag, 15. Mai 2016

Heiliger Geist ... willst Du diese Freiheit hinnehmen?

Heiliger Geist - Schalldeckel der Kanzel, St. Pankratius, March-Holzhausen
O heiliger Geist,
Du Geist der Freiheit und der Liebe,
Heiliger Geist,
wir knien vor Dir mit unserer Freiheit, wir schenken Dir unserer Freiheit in Deine Freiheit hinein; denn sie ist das Wehen Deines Wehens und sie ist nur frei in Deiner Freiheit!
Heiliger Geist,
willst Du diese Freiheit hinnehmen?
Diese Freiheit, die befleckt ist mit der Sünde unserer immer neuen Revolte, diese Freiheit, die befleckt ist mit dem Sklavensiegel des bösen Geistes, diese Freiheit, die wir Dir geben als einen armseligen, geschändeten Rest.
Aber, o Heiliger Geist,
darum bist Du herabgeweht
von den Höhen der göttlichen Majestät,
bist Du herabgeweht als die Unendlichkeit in das Nichts, als die Heiligkeit in die Sünde, als die Freiheit in das Sklaventum, als die Unsterblichkeit in den Tod, als der Himmel in die Hölle.
Heiliger Geist,
die Schande unserer Freiheit, die Armut unserer Freiheit, das Nichts unserer Freiheit, das trägt Dein Siegel,
das glühende Siegel Deiner Liebe.
O Heiliger Geist,
nimm das Nichts, nimm die Sünde, nimm den Tod, nimm die Hölle, nimm die Schmach unserer Freiheit und durchglühe uns, durchflamme uns mit Deiner Freiheit, Mit Deiner Freiheit, in der Du Dich frei verschwendest, in der Du Dich frei ausschüttest.
Amen.
Gebet von Erich Przywara SJ vom Februar 1945 im Anschluß an eine Predigt im Rahmen der Akademiker-Seelsorge - entnommen aus: Erich Przywara: Auferstehung im Tod. Gebete. Zürich o.J. S. 51 - Bild: Geisttaube im Schalldeckel der Kanzel; Pfarrkirche St. Pankratius zu March-Holzhausen.

Montag, 9. Mai 2016

Sententiæ CXIII

... καὶ μυστήριον ἓν μέγα, καὶ μέγιστον ...
ὁ Θεὸς, πρὸς ὃν βλέπει καὶ τὰ τῇδε μυστήρια.
... und unser einziges, großes und größtes Mysterium ...
Gott, das Ziel der Mysterien dieses Lebens.
(hl. Gregor von Nazianz, In Machabæorum laudem I, 5)

Donnerstag, 5. Mai 2016

Christus Apollon

Christi Himmelfahrt - Altarblatt in St, Urban, Rheinfelden-Herten
Salve, o Apollo vere,
Paen inclyte,
Pulsor draconis inferi!
Io triumphe nobilis!
Salve
beata sæculi victoria,
Parens beati temporis!
Sei gegrüßt, du wahrer Apoll,
herrlicher Päan,
Vernichter der höllischen Schlange!
Heil über den edlen Triumph!
Gegrüßt seist du,
seliger Sieg über diesen Aion,
heilige Neuzeit gebärest du!
Aus einem dem hl. Paulinus von Nola zugeschriebenen Osterhymnus - entnommen aus: Hugo Rahner SJ: Griechische Mythen in christlicher Deutung. Zürich 1957. S. 164. Im Bild das Altarblatt mit der Himmelfahrt des Kyrios am Hochaltar der Kirche St. Urban, Rheinfelden-Herten.

Sonntag, 1. Mai 2016

Tag der Arbeit

hl. Joseph - Christkönigskirche, Titisee-Neustadt
Wer in Tränen sät, wird in Freude ernten.
In diesem Leben, das voll Tränen ist, sollen wir säen.
Was werden wir säen? Gute Werke ...
Was verlangt ihr nach weiten Landgütern,
wo ihr viel Samen säen könnt?
Ein weiteres Saatfeld wird euch nicht,
als Christus,
der wollte, daß man in ihm säe.
Eure Erde ist die Kirche;
sät soviel ihr könnt.
Der heilige Joseph, Mann der Arbeit und Schutzherr der Ekklesia, helfe uns dabei: ora pro nobis!
.
 Das Zitat zu Psalm 125, 5 rührt aus den Enarrationes in Psalmos des hl. Augustinus; entnommen aus: Aurelius Augustinus: Über die Psalmen. Ausgewählt und übertragen von Hans Urs von Balthasar. Einsiedeln (2) 1983. S. 291. Das Bild zeigt den hl. Joseph als Zimmermann - Pfarrkirche Christkönig zu Titisee-Neustadt.