Samstag, 24. Dezember 2016

Advent vierundzwanzig - Es bleibt Advent

Aber solange die Erde steht, werden immer wieder die Herbergen dieser Welt für uns geschlossen sein. Zusammen mit den Menschen, die wir vielleicht zu Christus führen konnten, werden wir ausgestoßen sein. Die Spielregeln der bürgerlichen Toleranz ändern höchstens die Methoden, nicht die Sache. Und auch die mildeste Form der Ablehnung ändert nichts daran, daß Christus radikal abgelehnt wird.
Das bleibt so, bis der Herr wiederkommt, um uns heimzuholen. Die Herbergen dieser Erde bleiben geschlossen, damit wir nicht vergessen, wo unsere ewige Heimat ist. Die Kirche bleibt in der Knechtsgestalt, damit sie nicht vergißt, daß ihre Verherrlichung noch aussteht. Es bleibt Advent, weil Christus noch einmal kommen muß, das Werk der Erlösung zu vollenden ...
Wir beobachten das langsame Sterben der Gemeinden, wir hören von Priestermangel und von immer seltenerem Sakramentenempfang. Wir spüren die Ohnmacht unserer christlichen Verkündigung in der Öffentlichkeit. Ach, und noch tausend andere Sorgen drücken uns, nicht zuletzt die um die eigene Unzulänglichkeit.
Es ist ein Trost, zu wissen, daß dies alles Gesetz unserer Pilgerschaft ist, nicht der Anfang vom Ende, oder vielmehr: Es ist der kümmerliche Anfang des herrlichen Endes, es ist die schmerzliche Zeit der Saat für den großen Erntetag. Es macht nichts, wenn man uns auf die Straßen weist. Wer den Herrn trägt, für den führen alle Straßen heimwärts in das ewige Vaterhaus. Und es mögen noch so verlassene Straßen sein: Wir sind niemals allein.
Alfred Kardinal Bengsch: In Erwartung der Wiederkunft. Berlin 1966. S. 45.

Kommentare:

KH hat gesagt…

Wie treffend und trostreich ist dieser letzte Abschnitt!

Gesegnete Weihnachten!

Eugenie Roth hat gesagt…

... und da sage jemand, Weihnachten mit seiner Süßlichkeit paßt nicht in die heutige Welt?

Vergelt's Gott für diesen Adventskalender!!!