Samstag, 3. Dezember 2016

Advent drei - Die geschändete Braut

Weil der Bräutigam auf sich warten ließ, so sagt es die Schrift im Bilde, wurden jene zehn Jungfrauen müde (die törichten und die klugen) und schliefen ein ... Der schlafende Christ hat keinen Advent, darum ist er harmlos für die Welt. Sie spart sich den Ärger der Verfolgung. Sie braucht ihn nicht mehr ernst zu nehmen, er gehört schon zu ihr. Sie braucht nur noch ein paar Schlafmittel, und die sind billig. Man gibt ihm ein bißchen Macht, ein bißchen Anerkennung, meistens tut es auch schon das Geld oder der Genuß.
Und es ist ein erlesener Triumph, wenn die Bekenner des Reiches Gottes dies gierig aus der Hand fressen.
Denn eine verfolgte, eine arme und blutende Kirche hat immer noch etwas Großes, die Würde des Unbeugbaren. Aber eine satte, müde und reiche Christenheit, eine weltangepaßte und schlafende, ist degradiert. Sie ist eine Organisation unter anderen geworden. Selbst wenn sie der größte Machtfaktor der Erde wäre - was wäre sie anders als eine geschändete Braut?
Alfred Kardinal Bengsch: In Erwartung der Wiederkunft. Berlin 1966. S. 11.

1 Kommentar:

Tarquinius hat gesagt…

Was sind wir reich adventskranzbeschenkt!