Mittwoch, 2. November 2016

Ein Schwert in unserer Seele

Maria als Fürbitterin für die Seelen im Fegfeuer - Deckengemälde in der Wallfahrtkirche Maria Namen, Melchtal
Was könnte Unsere Liebe Frau mit den armen Seelen im Fegfeuer besonders verbinden? Keine Frage, daß der "Mutter der Barmherzigkeit" das Los ihrer Kinder nicht gleichgültig sein kann; aber finden wir im Leben Mariens einen Anhaltspunkt, der sie in eine besondere Beziehung zu den zwar geretteten, aber noch nicht der Anschauung Gottes fähigen Seelen setzen könnte? Mir fällt die Prophezeiung des alten Simeon ein: Maria werde "ein Schwert durch die Seele dringen, auf daß die Gedanken vieler Herzen offenbar" würden (Lk 2, 35).

Schauen wir zunächst auf die Armen Seelen: Im persönlichen Gericht unter die Wahrheit gestellt, wird diese Wahrheit mit all der Hässlichkeit, die sich ein Leben lang auch angesammelt hat, für die Seele des Sünders zum Schwert - ein Schwert, das die Seele durchdringt. Wir können übrigens einen gewissen Teil dieses Schmerzes aus unserem Lebenskreis ein wenig, glaube ich, nachvollziehen: Es ist zum Beispiel das Gefühl, etwas nicht mehr gut machen zu können - etwa, wenn wir an das Grab eines Menschen treten und ein ungelöstes Unrecht im Raum steht oder wir uns bewusst werden, wie oft wir lieblos waren oder undankbar. Nun bleibt nur der Schmerz und die Reue, um die offene Wunde zu heilen - ein Schwert in unserer Seele.

Nun war das in ihre heilige Seele gestoßene Schwert, welches der alte Simeon Unserer Lieben Frau weissagte, von anderer Art: Es bohrte der Gottesmutter nicht die unangenehme Wahrheit eines so oft nicht gelingenden Lebens in die Seele - zumindest nicht im Blick auf das Leben derer, die wir als die Allheilige ehren. Die Schmerzen Mariens sind die Reaktion einer Mutter, die im Rahmen der Erlösungswerkes den Schmerz um ihren Sohn empfindet - dessen Schmerzen wiederum von unseren Sünden rühren: auch das eine Art "Offenbarung" der Gedanken vieler Herzen. Vielleicht läßt sich daher sagen: Im Schwert, das die Seele der Jungfrau durchdringt, fühlt Maria auch jene Schmerzen mit, unter denen sich die Seelen in der Läuterung krümmen. Unsere so oft verhärteten Herzen härteten hierbei die Klinge jenes Schwertes im Herzen Mariens, unsere Schuld fühlte die Jungfrau an der Seite ihres Sohnes am eigenen Leib mit.

So ist sie den Seelen im Fegfeuer besonders nahe - zumal diese Seelen auch als Zeichen aufstrahlen, daß all diese Schmerzen nicht vergebens erlitten worden sind: die Erlösung ist ihnen gewiß. Daß sie ihnen bald zuteil werde, dazu helfe Ihnen Unsere Liebe Frau durch Ihre Fürsprache ... ora pro nobis!

Bild: Unsere Liebe Frau als Fürsprecherin für die armen Seelen - Deckengemälde in der Wallfahrtskirche Maria Namen zu Melchtal / OW.

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