Dienstag, 1. November 2016

Die wir Irdische nicht reden und raunen können

Gemeinschaft der Heiligen - Allerheiligen - Communio Sanctorum - Klosterkirche Muri, Kuppel
Betrachte ich die Situation der Kirche in diesen Tagen, so möchte ich manchmal an ihr verzweifeln - vor allem das ebenso widersprüchliche, aber in Tendenz und Intention absehbare Geschwätz des amtierenden Papstes, der seine Machtpolitik mit billigen Demutsgesten ummäntelt und wie keiner seiner Vorgänger jüngerer Zeit einen geistigen Nepotismus betreibt, droht den Glauben und die Freude daran zu zerknirschen. Gewiß: Unruhe, die rechte Unruhe, tut dem dem Glauben gut. Wir kennen alle Augustinus' Wort vom ruhelosen Herzen ... ruhelos auf Gott hin! Ein Glaube, der am warmen Ofen die Glieder streckt und schnarcht, nie angefochten ist und keine Fragen stellt an Gott und an sich selbst, scheint mir eine eher scheintote Sache. Petrus aber, auch das steht außer Frage, soll den Glauben der Brüder stärken (Lk 22, 32).

Dem Zweifel (gleich nun, welchen Herkommens) stellt Gott immer wieder Taten, Zeichen und Bilder entgegen, die mich aufatmen lassen - dazu zählt das heutige Fest Allerheiligen. Es erinnert mich daran, daß die Kirche mehr ist als nur der ... sagen wir: römische Außenposten unserer Zeit, oder in den Worten des Katechismus: daß die Kirche mehr ist als die Ecclesia militans, jene streitende Kirche in diesem Aion, welche es in der Unzulänglichkeit ihrer Hirten und ihrer Herde zuweilen auch fertig bringt, sich selbst zu "bestreiten".
Kirche - das ist ebenso die Kirche der Verherrlichung (Ecclesia triumphans) und die Kirche, deren (gar nicht so "arme") Seelen Gott läutert; morgen werden wir ihrer am Allerseelentag gedenken (Ecclesia patiens).

Also strahlt über aller Erbärmlichkeit unserer Tage, der eigenen und jener der anderen, die Ekklesia auf als Communio Sanctorum, leuchtet in der Gemeinschaft der Heiligen, die das Beste verbürgt und in die das Beste eingebürgert ist, das die Gnade in den Menschen hervorgebracht hat und auch künftig hervorbringen wird:
Die Kirche ist der große Tempel,
den der Logos, des Weltalls erhabener Schöpfer,
über den ganzen Erdkreis hin unter der Sonne aufgebaut hat.
Gestaltet aber hat er sie so,
daß sie werde ein geistiges Abbild hienieden jener Geheimnisse,
die jenseits der himmlischen Gewölbe ruhen.
In ihr sollte angebetet und verehrt werden sein Vater
durch alle Geschöpfe und jegliches Wesen, das Geist hat.
Wo aber ist der Sterbliche,
der würdige Hymnen sänge von jenem Land über den Himmeln?
Von den Urbildern irdischer Dinge, die dort ruhen?
Von dem Jerusalem, das droben ist,
von Sion, dem himmlischen Berg,
von der überirdischen Stadt des lebendigen Gottes?
Myriaden von Engeln lobsingen dort oben,
und die Kirche der Erstgeborenen,
die im Himmel geschrieben sind,
jubelt dem Schöpfer der Engel und Menschen,
dem Herrscher des Alls
in Theologien, die wir Irdische nicht reden und raunen können ...
Und doch haben auch wir hienieden stückweise
Teilhabe an diesen Mysterien.
... Drum denkt dieser Gnaden jetzt und in künftigen Tagen,
laßt es allezeit in euch wie lebendiges Feuer auflodern!
Bei Tag und bei Nacht, ja bei jedem Atemzug behaltet Gott im Herzen,
den Spender und Chorführer dieses freudigen, glanzvollen Festes!
Ihn allein habet lieb, ihn allein betet an mit der ganzen Gewalt der Seele.
Und nun steht auf zum Gebet, ruft es laut mit der Stimme des Herzens:
"Hüte und hege uns allzeit in der Hürde der Kirche,
gib uns als göttlichen Preis des irdischen Kämpfens
Frieden in Jesus Christus dem Herrn und Erlöser,
Frieden, der nimmer zerreißt oder wankt oder endet.
Dir sei durch ihn die Ehre für ewige Zeiten". Amen.
(Eusebius von Cäsarea)
Die Worte des Eusebius stammen aus der Weihepredigt für die von Kaiser Konstantin errichtete Basilika zu Tyrus (Kirchengeschichte X, 4); entnommen aus: Hugo Rahner SJ: Mater Ecclesia. Lobpreis der Kirche aus dem ersten Jahrtausend christlicher Literatur. Einsiedeln / Köln 1944, S. 20 f. Bild: Die Gemeinschaft der Heiligen - Kuppelfresko von Francesco Antonio Giorgioli in der Klosterkirche Muri / AG.

Kommentare:

KH hat gesagt…

" Musste nicht der Christus dies erleiden und in seine Herrlichkeit eingehen? "Lukas 24,13-33

Christus wurde verfolgt, verspottet, bespuckt, gegeißelt, mit Dornen gekrönt. Er musste das schwere Kreuz tragen, starb am Kreuz, sein Herz wurde durchbohrt.
Ist die Kirche nicht der Leib Christi und muss sie nicht all das auch erleiden??

Andreas hat gesagt…

Der Einwand ist ebenso berechtigt wie - je nach Blickwinkel - kaum in Abrede zu stellen. Nur kann dies nicht bedeuten, daß man in einer Art "mystischen Mitleiden" Ärgernisse schlicht toleriert oder Entwicklungen ausblendet, die das Heil der Seelen eher gefährden als befördern - wie das etwa bei dem Konzept "Vergebung ohne echte Umkehr" (die dann "Barmherzigkeit" genannt wird) der Fall ist.

KH hat gesagt…

Sie haben recht. Man soll immer bei der Wahrheit bleiben und Ärgernisse, Dummschwätz und Häresien nicht tolerieren, sondern als solche bezeichnen.

Lehrer Lämpel hat gesagt…

Der mystische Leib Christi - die gesamte Christenheit mit Christus als ihrem Haupt [Eph5,23 u. 30] - leidet auch heute noch.
Nach Kol 1,24 ergänzt der einzelne Christ quasi als Glied oder Zelle dieses mystischen Leibes im eigenen Leiden das "noch an der Passion fehlende Leid".

Andreas hat gesagt…

Gewiß ... aber nochmals: das heißt nicht, daß man das Leiden "intern" erst heraufbeschwören und danach einfach "hinnehmen" soll. Sonst hätte es nie eine Reform (eine echt, wohlgemerkt) in der Kirche gegeben ...

Lehrer Lämpel hat gesagt…

Ist meine Antwort nicht angekommen oder warum wurde sie bislang nicht veröffentlicht?

Andreas hat gesagt…

Da bin ich nun etwas überfragt - also absichtlich unterschlagen oder gar zensiert habe ich hier nichts ...

Lehrer Lämpel hat gesagt…

Schade, ich habe mir die Mühe gemacht und meinen umfangreichen Beitrag nochmals neu formuliert und erneut abgesandt.
War auch alles lt. Meldung nach der Absendung ok. Er scheint aber auch diesmal verloren gegangen zu sein, oder?

Lehrer Lämpel hat gesagt…

Schade, ich habe mir die Mühe gemacht und meinen umfangreichen Beitrag nochmals neu formuliert und erneut abgesandt.
War auch alles lt. Meldung nach der Absendung ok. Er scheint aber auch diesmal verloren gegangen zu sein, oder?

Andreas hat gesagt…

So schaut's aus und ist natürlich ärgerlich - und all' Ungemach wird auch nicht weniger, wenn dafür diese Rückmeldung, wie zu ersehen, gleich doppelt eingegangen ist ...

Lehrer Lämpel hat gesagt…

Tja, nochmal mag ich mir die Mühe nicht machen. Ich hatte das Bild der Christenheit als mystischer Leib Christi mit modernen medizinischen Erkenntnissen verknüpft und darin aufzuzeigen versucht, welche unterschiedlichen Verletzungen, letztlich von außen kommend, die Bestandteile des Leibes (Zellen) schädigen und den mystischen Leib quälen.
Nun, sei's drum - nochmal mache ich mir die Mühe dieser Ausführungen nicht.
Aber ich habe auf dem Blog "katholisch-logisch" in einem Kommentar einen interessanten Link entdeckt, der zu einem Sketch, einem Dialog zweier Blutzellen über ihre Aufgaben und den Sinn derselben führt. Es ist zwar als Metapher des Dialogs des Gottesgläubigen mit dem Atheisten über das Leben, dessen Sinn und die [Nicht-]Existenz Gottes gedacht, führt aber ein wenig auch zu meiner o.g. Betrachtung:

http://www.pulchra-ut-luna.de/2016/10/und-jetzt-gott-in-sicht-53-jahre-gagarin-in-erfurt/

Lehrer Lämpel hat gesagt…

Heh; ich habe doch noch meinen bereits verloren geglaubten Text wiedergefunden. Hier ist er noch einmal:

Das Bild des hl. Paulus von der Kirche als mystischer Leib ist auch für unsere heutige Zeit mit ihrem vertieften medizinischem Wissen geradezu genial.

Die Kirche als mystischer Leib Christi mit dem Herrn als Haupt.

In der Welt ist sie mit ihren einzelnen Zellen/Gliedern/Bestandteilen wie der Leib eines Lebewesens vielfältigen Leiden ausgesetzt:

Manche Leiden kommen eindeutig durch Gewalt von außen wie z.B. Christenverfolgungen in manchen Weltgegenden - die betroffenen Teile des Leibes können sich das meist nicht aussuchen, sondern müssen das durchstehen: Schmerzen durch geschlagene Wunden, Entzündungen an den Wundstellen, Untergang zerstörter Zellen und ganzer Gewebe aber auch wiederum z.T. Heilungsprozesse in den betreffenden Regionen des Leibes und vielleicht sogar Bildung neuen frischen oder auch vernarbten Gewebes.

Neben äußerer Gewalt dringen auch krankmachende Erreger in den Leib der Kirche ein und beginnen dort ihr zerstörerisches Werk oft im Kleinen auf Zellebene.

Sie tarnen sich z.T. geschickt, um nicht von den Abwehrzellen des leibeigenen Immunsystems erkannt, bekämpft und eliminiert zu werden; ein Kampf auf Zellebene.
Entspricht im Kirchlichen dem Kampf einzelner Gläubiger gegen Häretiker, Irrlehrer und Schwarmgeister.

Noch gefährlicher als diese Krankheitserreger sind für den Leib krankmachende [Umwelt]gifte, die durch scheinbar angenehme und süchtigmachende Verhaltensweisen wie das Rauchen den Körper belasten können und die Erbsubstanz einzelner Körperzellen entarten lassen können.

Normalerweise kann das zelleigene Reparatursystem die Schäden an der Erbsubstanz der Zelle wieder beheben, ohne dass die betr. Zelle mutiert und bleibend geschädigt wird. Aber je öfter und je länger und in je höherer Konzentration Zellen solchen gefährlichen Giften ausgesetzt sind, umso höher ist das Risiko einer bleibenden Schädigung:
Die körpereigene ursprünglich gesunde Zelle entartet/mutiert zu einer Krebszelle, wuchert im Körper, bildet sogar Metastasen und schädigt ihn.

Die krebsauslösenden Umweltgifte vergleiche ich auf der geistig-kirchlichen Ebene mit gefährlichen Irrlehren, die zunächst harmlos und vielleicht sogar verlockend erscheinen mögen, aber für den mystischen Leib der Kirche höchst verderblich sein können. Es ist wichtig, über sie aufzuklären und sie zu meiden.

Ich könnte meine Vergleiche noch weiter ausführen, will es aber mit diesen wenigen bildhaften Anregungen bewenden lassen und es dem kundigen Leser überlassen, selbst die betr. Gedanken aufzugreifen und weiter zu entwickeln.

Lehrer Lämpel hat gesagt…

Heh; ich habe doch noch meinen bereits verloren geglaubten Text wiedergefunden. Hier ist er noch einmal:

Das Bild des hl. Paulus von der Kirche als mystischer Leib ist auch für unsere heutige Zeit mit ihrem vertieften medizinischem Wissen geradezu genial.

Die Kirche als mystischer Leib Christi mit dem Herrn als Haupt.

In der Welt ist sie mit ihren einzelnen Zellen/Gliedern/Bestandteilen wie der Leib eines Lebewesens vielfältigen Leiden ausgesetzt:

Manche Leiden kommen eindeutig durch Gewalt von außen wie z.B. Christenverfolgungen in manchen Weltgegenden - die betroffenen Teile des Leibes können sich das meist nicht aussuchen, sondern müssen das durchstehen: Schmerzen durch geschlagene Wunden, Entzündungen an den Wundstellen, Untergang zerstörter Zellen und ganzer Gewebe aber auch wiederum z.T. Heilungsprozesse in den betreffenden Regionen des Leibes und vielleicht sogar Bildung neuen frischen oder auch vernarbten Gewebes.

Neben äußerer Gewalt dringen auch krankmachende Erreger in den Leib der Kirche ein und beginnen dort ihr zerstörerisches Werk oft im Kleinen auf Zellebene.

Sie tarnen sich z.T. geschickt, um nicht von den Abwehrzellen des leibeigenen Immunsystems erkannt, bekämpft und eliminiert zu werden; ein Kampf auf Zellebene.
Entspricht im Kirchlichen dem Kampf einzelner Gläubiger gegen Häretiker, Irrlehrer und Schwarmgeister.

Noch gefährlicher als diese Krankheitserreger sind für den Leib krankmachende [Umwelt]gifte, die durch scheinbar angenehme und süchtigmachende Verhaltensweisen wie das Rauchen den Körper belasten können und die Erbsubstanz einzelner Körperzellen entarten lassen können.

Normalerweise kann das zelleigene Reparatursystem die Schäden an der Erbsubstanz der Zelle wieder beheben, ohne dass die betr. Zelle mutiert und bleibend geschädigt wird. Aber je öfter und je länger und in je höherer Konzentration Zellen solchen gefährlichen Giften ausgesetzt sind, umso höher ist das Risiko einer bleibenden Schädigung:
Die körpereigene ursprünglich gesunde Zelle entartet/mutiert zu einer Krebszelle, wuchert im Körper, bildet sogar Metastasen und schädigt ihn.

Die krebsauslösenden Umweltgifte vergleiche ich auf der geistig-kirchlichen Ebene mit gefährlichen Irrlehren, die zunächst harmlos und vielleicht sogar verlockend erscheinen mögen, aber für den mystischen Leib der Kirche höchst verderblich sein können. Es ist wichtig, über sie aufzuklären und sie zu meiden.

Ich könnte meine Vergleiche noch weiter ausführen, will es aber mit diesen wenigen bildhaften Anregungen bewenden lassen und es dem kundigen Leser überlassen, selbst die betr. Gedanken aufzugreifen und weiter zu entwickeln.