Sonntag, 30. Oktober 2016

Er muß König sein!

Christus als König: Am Ende der Zeit und in der Menschwerdung - Colmar, Collégiale Saint-Martin, Hauptportal
... Im übrigen würde einem schändlichen Irrtum verfallen,
wer dem Menschen Christus die Herrschaft
über die staatliche Ordnung absprechen würde ...
... schrieb Papst Pius XI. 1925 in seinem Rundschreiben Quas primas zur Einsetzung des Christkönigsfestes, das gemäß den Vorgaben des Papstes im klassischen römischen Ritus am heutigen letzten Sonntag im Oktober gefeiert wird. Die Liturgiereform verschob es auf den letzten Sonntag des Kirchenjahres und verengte den Festgedanken auf die Erwartung der zweiten Ankunft des Kyrios Christus am Ende der Zeit, und dies mit Konsequenz und mit Methode: Vor allem im Stundengebet wird nunmehr deutlich, daß man bei der Neuordnung eifrig bestrebt war, jeden Hinweis auf die Herrschaft Christi über alle staatliche Gewalt, über Recht und Gesetz, über Wissenschaft und Kunst zu tilgen. Die Welt ist davon keineswegs besser geworden, die "Kirchenpolitik" allerdings "geschmeidiger" (um das hier halbwegs neutral zu formulieren).

Aber hörten wir gerade heute nicht im Euangelion, daß das Reich Christi eben "nicht von dieser Welt", sein "Königtum" keineswegs "von hier" sei (Joh 18, 36)? Zuweilen wird das Herrenwort bemüht, um einen grundlegenden, letztlich nicht zu überbrückenden Unterschied zwischen dem Reich Gottes einerseits und weltlichen Herrschaftsstrukturen andererseits zu betonen. Falsch ist das nicht, aber nur die halbe Wahrheit: Denn nirgends ist gesagt, daß sich dieses von ganz anderswo her entfaltende Königtum Christi nicht auf Geschichte und Zeit auswirken solle. Gerade weil das Reich Christi nicht von dieser Welt ist, kann es zum Korrektiv der Reiche dieser Welt werden. Dabei gilt aber auch: Menschen müssen stets auf der Hut sein, eigenes Machtstreben oder - solch Ärgernis droht immer wieder - den Missbrauch von Macht mit dem Christkönigsidee zu dekorieren oder gar zu legitimieren.

Man darf sich keinen Illusionen hingeben: Immer wird menschliche Niedertracht eine volle Entfaltung des Reiches Christi in der Zeit zu verhindern wissen. Aber das ist kein Grund, vom Ideal zu lassen. In seiner vollkommenen Form kann es tatsächlich nur aus dem Ende aufstrahlen, aus der Verwandlung und Heilung der Schöpfung im Gericht - dies enthebt uns jedoch nicht der Aufgabe, Christus und seinem Reich, soweit wir dazu in der Lage sind, heute den Weg zu bereiten: Oportet illum regnare - Er muß König sein (1 Kor 15, 25).

Bild: Tympanon über dem Hauptportal des Martinsmünsters zu Colmar. Es zeigt Christus als König in zweifacher Weise: Am Ende der Zeit als Kyrios und Richter, in der Zeit als menschgewordener Gott, dem die Weisen huldigen.

1 Kommentar:

Brettenbacher hat gesagt…

"Er ist nicht m e i n Führer"
erwidert Helmuth James von Moltke Freisler vor dem Volksgerichtshof.

Ein impliziter Kommentar....