Mittwoch, 31. August 2016

Der Glaube an Gott sichert uns. Das ist unleugbar ...

Zu den Argumenten, die gerne gegen Religion allgemein und den gläubigen Menschen insonders vorgebracht werden, zählt die geradezu "klassische" Unterstellung, Religiosität sei einer psychischen Schwäche geschuldet; sozusagen der Versuch, die nicht vorab zu kontrollierenden Herausforderungen, das Unabsehbare des Lebens mittels einer Gottesprojektion zu unterlaufen - anstatt das Leben selbst in die Hand zu nehmen, um es zu bewältigen. Dieser Tage las ich dazu einige Gedanken von Henri du Lubac SJ, über die nachzudenken kein Fehler ist ...
Man kann die Auffassung vertreten, die Religion - und zunächst der Glaube an Gott - sei ein System, das von der Natur erfunden wurde, um den Menschen zu sichern, der angesichts des feindseligen Mysteriums ohne sie in Verwirrung und Schrecken überwältigt würde.
Es gibt aber auch eine andere Art der Sicherung: die des Rationalisten, die des kurzsichtigen Optimisten, der sich nicht einmal bis zum Ende dieses Geheimnisses erhebt und stolz erklärt, nichts davon wissen zu brauchen.
Welche von beiden entspricht dem Wahren am meisten?
Der Glaube an Gott sichert uns. Das ist unleugbar, und man braucht darüber nicht zu erröten, als sei es vernünftiger, nicht die Angst empfunden zu haben, oder edler, davon nicht befreit werden zu wollen. Er sichert uns. aber nicht auf unserer Ebene; nicht um uns eine lähmende Illusion oder eine selige Befriedigung zu verschaffen, sondern um uns das Handeln zu ermöglichen. Er gibt dem Menschen Vertrauen, damit er seiner selbst würdig sei, damit er nicht beim Herauswachsen aus dem Animalischen der furchtbaren Wachstumskrise des erwachenden Gewissens erliege. Er sichert ihn, indem er ihn in der Wahrheit festlegt, um ihm eine höhere Unruhe mitzuteilen.
aus: Henri du Lubac: Über die Wege Gottes. Freiburg 1958. S. 172 f.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Vielen Dank für Vermittlung der wunderbaren worte von Henri du Lubac. Sie helfen sehr.