Dienstag, 16. August 2016

Anstößiges

Am Rand habe ich dieser Tage mitbekommen, daß in der sogenannten "ordentlichen Form" des Römischen Ritus am vergangenen (20.) Sonntag (im Jahreskreis C) als Euangelion eine Perikope aus Lukas (12, 49 ff.) gelesen wurde:
Feuer auf die Erde zu werfen bin ich gekommen,
und wie sehr wünsche ich, es wäre schon entfacht.
Mit einer Taufe habe ich mich taufen lassen,
und wie drängt es mich, bis das ans Ziel gebracht ist.
Wähnt ihr, um Frieden auf der Erde zu stiften
sei ich aufgetreten? Mitnichten,
sage ich euch - sondern: Zwietracht.
Denn von jetzt an wird
unter fünf in einem Haus Zwietracht herrschen:
von dreien gegen zwei
und von zweien gegen drei.
Sehr anstößige Worte - sie zu deuten fällt nicht leicht, weil sie einerseits unserem Bild vom "lieben Heiland" und all den Verniedlichungen, mit denen wir Gott unserem Horizont immer wieder anzupassen suchen, harsch in die Parade fahren. Und weil jede Deutung andererseits der Gefahr unterliegt, das Wort auf einen bestimmten Aspekt zu verengen.
.
Vor einigen Tagen las ich ein Wort des Jesuiten Henri du Lubac - es bezieht sich nicht spezifisch auf dieses Euangelion, bringt aber dazu eine Konsequenz zur Sprache, über die nachzudenken sich lohnt:
Gäbe es mehr Heilige in der Welt, wäre der geistliche Kampf darin intensiver. Das Reich Gottes, das sich darin mit mehr Macht offenbarte, würde eine glühendere Liebe auslösen - aber auch entsprechend eine heftigere Feindschaft. Seine zunehmende Dringlichkeit würde eine Spannung hervorrufen, die die Konflikte zum Ausbruch brächte.
Und wenn wir inmitten der Menschen relativ in Frieden leben, so wohl deshalb, weil wir lau sind.
Ich denke, es geht dabei in einem ersten Schritt nicht darum, den eigenen Glauben auf eine Krawallschiene zu setzen oder Widerspruch absichtsvoll zu provozieren. Es reichte schon, würden wir aufhören, dauernd Konzessionen an den Zeitgeist zu machen, sowie dessen Einreden und Anwürfe beständig wegzulächeln oder zu beschweigen ...
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Zitat aus: Henri du Lubac: Über die Wege Gottes. Freiburg 1958. S. 154.

1 Kommentar:

viasvitae hat gesagt…

Spricht mir aus der Seele. Kein Krawall, aber Mut zum Bekenntnis.