Montag, 25. April 2016

Auf heiligem Boden

Gerade eben las ich in der Nachbarschaft einige Erwägung zu einer rubrizistischen Frage rund um das Hochgebet der Messe: Ob Gesten und Worte beim Te igitur, also beim anhebenden Vollzug des Canon romanus, synchron zu verrichten seien, oder ob zuerst der Gestus (Aufblick, Hände auf den Altar legen, Verneigung) zu vollziehen und danach das Gebetswort zu sprechen sei. Aus den Rubriken des ehrwürdigen Römischen Ritus geht das - incredibile dictu - nicht eindeutig hervor, woran sich unter Fachleuten einst eine Debatte entzündete; auf dem blog, der das Thema nunmehr erneut zur Sprache bringt, liegen die Sympathien bei jenen, die Wort und Geste zusammengehörig erachten.
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Wenn ich diese - für viele Zeitgenossen gewiss etwas randständige Diskussion - nun aufgreife, dann liegt der Verdacht natürlich nahe, daß ich eher zur anderen Sichtweise tendiere. Bei der Lektüre des Beitrages auf Iuxtacrucem kam mir die Epiphaneia Gottes im brennenden Dornbusch in den Sinn. Da lesen wir von Moses (Ex 3, 2 ff):
Da erschien ihm der Engel des Herrn
mitten im Feuer aus dem Dornbusch heraus.
Er sah hin: Der Dornbusch brannte in Feuer.
Aber der Dornbusch ward nicht verzehrt.
Da sprach Moses: Ich will doch hingegen,
diese großartige Erscheinung zu betrachten,
warum der Dornbusch nicht verbrennt.
Als der Herr sah, daß er zur Schau herüberkam,
rief ihn Gott aus dem Dornbusch an und sprach:
Moses! Moses!
Er sprach: Hier bin ich.
Er sprach: Komm nicht näher!
Streife deine Schuhe von den Füßen!
Denn der Ort, worauf du stehst, ist heiliger Boden.
Und er sprach: Ich bin
der Schutzgott deiner Väter,
der Gott Abrahams, der Gott Isaaks
und der Gott Jakobs.
Da verbarg Moses sein Antlitz;
denn er scheute sich, auf Gott zu blicken.
Vielleicht mag man darin eine synchrone Fügung der Heilsökonomie sehen? ... Im Aufschauen des Priester am Altar zu Gott, im Niederlegen der bloßen Hände auf den heiligen Boden des Altarsteins und in der Verneigung, im Sich-Verbergen angesichts des brennenden und doch sich nie verzehrenden Mysteriums der Eucharistia ... aus der Geste steigt der Gedanke empor, aus der aufbrechenden Epiphaneia des Neuen Bundes das Gebet: Te igitur, clementissime Pater ... "So bitten wir tiefgebeugt nun dich, allgütiger Vater, durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Kyrios: Nimm an und segne diese Gaben ..."
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Der Beitrag auf Iuxtacrucem ist hier zu finden.

Kommentare:

clamormeus hat gesagt…

Meines Erachtens müßte je eine Geste den Worten vorausgehen, das heißt pro Geste bzw. Gestenfolge nur ein Teil des Textes. Zumindest muß sich die Geste zuerst begonnen werden. Die Geste, die ja intentional ist, schafft sozusagen den inspiratorischen Impuls für den expiratorischen Wortakt. (In etwa so, wie ein Dirigent vor dem Einsatz des Orchesters z. B. durch Heben des Taktstockes erst die Sammlung und den Raum schafft, bevor er den tatsächlichen ¨Einsatzbefehl¨ gibt).
Das ist jetzt aber eher aus meiner beruflichen Praxis hergeleitet, denn liturgisch . Aber eine Messe ist ja auch ein ¨heiliges Theater¨ und es wäre noch viel dazu zu sagen :)

iuxtacrucem hat gesagt…

Sozusagen ein Mittelding aus beidem...Das würde zwar durchaus noch den Rubriken entsprechen und der Gedanke dazu ist auch ganz sinnvoll. Nur...ich denke, die Ausführung wäre nicht ganz einfach. Der Text soll ja nicht "zerrissen" werden. Die Hände könnten zwar etwas länger erhoben bleiben, sodass man hier etwas warten könnte, die Augen aber wiederum müssen sofort wieder gesenkt werden. Für den Beginn des Gebets wäre das aber sicherlich machbar. Auf jeden Fall ein schöner Gedanke!

clamormeus hat gesagt…

Du hast schon Recht, bei diesem kurzen Gebet wie dem Te igitur wäre ein Auseinanderreißen des Textes nicht angebracht. Hab da allgemeiner rumfabuliert.

Aber in der Gestenfolge vorher sollten die folgenden Worte schon mitgedacht werden vom Zelebranten, damit die Gestik nicht ¨künstlich¨und ¨abgespalten oder als Selbstzweck¨ wirkt, sondern den Sinn der Worte transportiert, zumal man sie ja in der alten Messe nicht hört. Heißt: ein guter Zelebrant ist schon vor den Worten mit der Konzentration beim Text.