Mittwoch, 9. März 2016

Tagessplitter

In der aktuellen Flüchtlingsfrage beziehen die Kirchen halbwegs klare Positionen und reihen sich damit geschmeidig in einen sachbezogenen zivilgesellschaftlichen Diskurs ein. Zuweilen läuft "einreihen" ganz praktisch auf ein Mitlaufen bei Demos hinaus - so geschehen am letzten Samstag in Freiburg bei einer Veranstaltung des DGB Südbaden. Da marschierten das katholische und evangelische Stadtdekanat und einige kirchliche Verbände Seit' an Seit' mit Vertretern allerhand anderer Gruppen, die tendenzweise einem eher linken und teilweise einem links-antikirchlichen Spektrum zuordnen sind.

Ich gebe zu: Mir ist die Haltung der Kirchen in der Flüchtlingsfrage zu undifferenziert, zu blauäugig, zu sehr Nachplappern der Merkelschen "Wir schaffen das"-Weltformel - halt aufgehübscht mit ein paar Bibelzitaten, bei denen im Hintergrund nicht selten eine eher säkulare Hoffnung wabert, daß einem der Laden nicht irgendwann um die Ohren fliege (weil zum Beispiel so mancher Flüchtling die Bringschuld an Integration seinerseits gar nicht schaffen will und / oder die Maßnahmen zwecks Integration so laufen wie bislang immer wieder der Fall: nicht besonders dolle nämlich). Fakt aber ist: Es kommen Menschen, die unsere Hilfe brauchen und denen man sie um Gottes Willen nicht verwehren darf. Doch es kommen auch Menschen, die das Mitleid ausnutzen. Beide voneinander zu unterscheiden ist schwer; sich darob die Birne im totalen Altruismus zu umnebeln, dient und nutzt aber niemandem.

Zurück zur DGB-Demo - die lief für die Kirchen nicht ganz streßfrei. Ich selbst bin mir noch unsicher, was ich nun schmählicher finden soll: Daß sich die Kirchen in fragwürdige Koalitionen einreihen, um sich dann im Redebeitrag des schwulen Christopher-Street-Day-Teams den heftigen Vorwurf anhören zu dürfen, sie seien ja selbst zumindest teilweise homophob und zudem heuchlerisch ... oder daß gewisse Lobbygruppen selbst auf einer Demo für Flüchtlinge nicht davon ablassen können, auf Kosten des gemeinen Anliegens ihre eigene Opferrolle zu zelebrieren?

Sei's drum. Da war dann noch der Beitrag des evangelischen Stadtdekans Markus Engelhardt, der laut Badischer Zeitung sagte, wer immer meine, "das christliche Abendland mit Gewalt gegen islamische Flüchtlinge verteidigen zu müssen, habe selbst keinerlei Ahnung davon, was das christliche Abendland eigentlich bedeute". Da drängt sich mir als weitere Frage auf, inwiefern die Kirchen an der Unkenntnis dessen, was christliches Abendland eigentlich bedeute, ihren Anteil haben mögen? 

Kommentare:

Arminius hat gesagt…

Wenn Du am Sonntag zur Wahl gehst, wird Dir niemand über die Schulter schauen. Du hast also die Möglichkeit, Merkel und ihrem bunten Klientel die rote Karte zu zeigen.

Andreas hat gesagt…

Rote Karte? Frau Wagenknecht, ich komme ... ;-)