Dienstag, 1. März 2016

In der Falle

 hl. Agnes - Pfarrkirche St. Georg, Bleibach im Elztal 
Oculi mei
semper ad Dominum,
quia ipse evellet
de laqueo pedes meos ...
Meine Augen
schauen alle Zeit auf den Herrn,
denn er ist es,
der meine Füße aus der Schlinge reißen wird ...
(Ps 24, 15 - Introitus am dritten Fastensonntag)
Tut er das? Reißt er unsere Füße aus der Schlinge? All die kläglichen Verstrickungen, die unser Leben begleiten, wollen das Psalmwort Lügen strafen. Oder, auf Messers Schneide gesprochen: Nach dem Krieg - und angesichts der Soldaten, die hinein getrieben wurden - stand für Reinhold Schneider die Frage im Raum, ob man nicht zwangsläufig schuldig werden mußte, ganz gleich, zu welcher Entscheidung sich alles zugespitzt habe: Die Füße lagen in den Fesseln der Schlinge, so oder so. Und selbst wenn uns die Entscheidung bleibt, das Böse zu meiden und das Gute zu wählen, so gewahren wir, wie rasch unsereins sich in der Schlinge verheddert: daß sie sich immer wieder zuzieht, daß wir stürzen und fallen.
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Aber verspricht uns das Psalmwort die Rettung aus der Falle, ehe sie zuschnappt? Gott reißt uns heraus ... vor dem Fall oder auch erst danach, wenn wir seinen Blick - denn er schaut unablässig nach uns - erwidern: Meine Augen schauen allezeit auf den Herrn ...
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Bild: Die heilige Agnes - Beinhauskapelle bei der Pfarrkirche St. Georg zu Bleibach im Elztal.

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