Sonntag, 20. März 2016

Im Hafen angekommen - am Beginn der Heiligen Woche

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Der heutige Tag ist Ende und Anfang.
Die Quadragesima hat ihre Zeit durchlaufen,
das Pascha beginnt.
"Das Schiff ist im Hafen angekommen", heißt es in der syrisch-jakobitischen Karwochliturgie. "Am Hafen des Lebens sind wir angelangt, die wir vom Fasten zum Leiden gekommen sind ... Das Fasten ist zu Ende, das Leiden des Eingeborenen Gottes ist gekommen".
Diese Worte der Benediktinerin und Casel-Schülerin Ämiliana Löhr OSB haben mich am Vorabend des Palmsonntags in die Heilige Woche geführt.
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Auch die römische Leiturgia kennt das Bild des Hafens in der Feier des Herrenleidens. Wir hören davon in den letzten Strophe des Hymnus Pange lingua gloriosi prælium certaminis, den der Dichter Venantius Fortunatus zur Mitte des ersten Jahrtausends anstimmte. Der Hymnus mündet in einen Preisgesang auf das heilige Kreuz, den die Ekklesia in den Laudes der Passionszeit singt und in dessen vorletzter Strophe das Kreuz als jenes Zeichen aufscheint, das einer schiffbrüchigen Welt den Port bereitet, ihr den Weg in den Hafen weist: 
Sola digna tu fuisti
ferre pretium sæculi
Atque portum præparare
nauta mundo naufrago,
Quem sacer cruor perunxit
fusus agni corpore.
Du warst wert nur, ihn zu tragen,
Draus der Schöpfung Heil entsproß.
Der dem Weltschiff, noch vorm Scheitern,
Lotsenhaft den Port erschloß,
Du, gesalbt vom heilgen Balsam,
Der des Lammes Brust entfloß.
Das Kreuz also leitet uns in den rettenden Hafen. Wir kommen an, ankern fest - konkret aus der zurückliegenden Quadragesima, in einem geweiteten Blick aus unserem hin und her wogenden Leben. Letztes Sinnbild dieses Weges, dieser Bewegung ist die Palmprozession, in der wir Christus entgegen und an seiner Seite in die Heilige Woche eingetreten, eingegangen sind. Was wir aus uns heraus tun können, ist bezeichnet in den Zweigen, die wir dabei getragen haben: portantes palmas et ramos olivarum, bonis actibus occuramus obviam Christo, wie es in einer der alten Segensbitten über die Palmzweige heißt: "indem wir Palmen und Ölzweige tragen, gehen wir mit guten Werken Christus entgegen".
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Was jetzt zu tun bleibt, kann nur Christus vollbringen: Das mysterium paschale hat begonnen, das große und einzigartige Pascha, in dem der Kyrios durch das Leiden eingeht in den Tod des Menschen, fortschreitend zu Leben und Herrlichkeit:
Christi Ehre ist das Kreuz,
sind seine Leiden,
die er unseretwegen auf sich nahm,
um uns mit Ehre zu bekleiden
(hl. Ephräm der Syrer, 37. Hymne).

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