Samstag, 19. März 2016

Der Gerechte

Ein Engel erscheint Joseph im Traum - Pfarrkirche Heiligkreuz, Offenburg
Ioseph autem vir eius
cum esset iustus ...
Weil aber ihr Mann Joseph
ein Gerechter war ... (Mt 1, 19)
... habe er beschlossen, Maria - die ein Kind unter ihrem Herzen trug, das er nicht gezeugt hatte - fortzuschicken. Ohne Aufhebens freilich, um sie nicht der Schande preiszugeben. Der Grund für diese Absicht verdient Aufmerksamkeit: Weil Joseph ein Gerechter war: cum esset iustus.
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Wir hören diesen Satz heute am Fest des heiligen Joseph im Euangelion verkündet. Und es steckt mehr in diesem Satz, als wir hierbei vielleicht heraus hören: Daß dieser Joseph eine Art fairer Typ gewesen sei, der zwar vor Gott und der Welt nicht als gehörnter Bräutigam dastehen, dabei Maria die Zukunft aber nicht ganz verbauen wollte, indem er ihre vermeintliche Untreue offenkundig machte. Nein, der Satz verrät tiefer greifendes, denn er birgt einen Schlüsselbegriff im Glauben Israels, wenn er von Joseph als gerechtem Mann spricht. Der Gerechte Israels - dessen Lob und Eigenschaften etwa die Weisheitsliteratur des Alten Bundes immer wieder besingt - ist Spiegel des gerechten Gottes; im Handeln des Gerechten wird Gott sichtbar: "Er strahlt auf im Dunkel als Licht allen Redlichen: Der Milde, der Barmherzige, der Gerechte" (Ps 111, 4).
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Wir erfahren im Neuen Testament wenig über Joseph. Dieses Wenige reicht aber, in ihm den Abschluss der Väter-Reihe des Alten Bundes zu sehen, so wie Johannes, die Stimme des Rufenden in der Ödnis (Mk 1, 3), die Prophetie Israels beschließt. Beide ... Väter wie Propheten hören Gott, sind Empfänger von Botschaften. Einer der Unterschiede zwischen diesen beiden Gruppen (die Chronologie kann man hier vernachlässigen, da alles letztlich der Vorbereitung auf Christus dient) scheint mir darin zu liegen, daß die Propheten eher Prediger sind, die Väter hingegen mehr Vollbringer jeweils ganz konkreter Aufträge. Aus dem (Mahn-) Wort der Propheten und in der Tat der Väter entfaltet sich das Schicksal Israels in Treue (oder auch Untreue) zu jenem Bund, den Gott mit seinem Volk geschlossen hat - auf den Messias hin: Christus.
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Dem "Vater" Joseph trägt Gott einiges auf: Er solle Maria nicht verstoßen, denn ihr Kind sei aus Pneuma, dem Heiligen. Bald darauf solle er Maria und dieses Kind nehmen und nach Ägypten fliehen. Dann wird ihm aufgetragen, wieder in das Land Israel zurück zu kehren; er wird geheißen, sich in Nazareth niederzulassen. Ein Engel erscheint Joseph jeweils im Traum und legt ihm offen, was zu tun ist - Joseph, der Gerechte, hört das Wort und tut, was Gott ihm sagt: "Zeige mir Herr, deiner Weisungen Weg, treulich will ich ihm folgen" betet der Gerechte in Psalm 118, der großen Besinnung auf das Gesetz des Herrn: "Dein Wort, Herr, spendet Leben".
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In Joseph, dem Träumenden und Hörenden, der den Willen Gottes vollbringt, steigen all jene wieder herauf, die vor ihm träumten und hörten und den Willen Gottes taten - die sich auf den Weg machten in das Land der Verheißung wie Abraham, die die Engel zwischen Himmel und Erde auf- und niedersteigen sahen wie Jakob, die ermattet in der Ödnis sterben wollten, bis ein Engel sie stärkte, wie es dem Elias geschah. Was ihnen widerfuhr, deutete auf Christus, den Joseph väterlich behütete, wie ihm heute die Kirche anempfohlen ist. Durch seine Fürsprache wende sich die Gefangenschaft Sions, auf daß wir werden wie Träumende - und Hörende seien und Täter von Gottes Willen ... ora pro nobis!
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Bild: Ein Engel erscheint Joseph im Traum. Motivfenster, Pfarrkirche Heiligkreuz zu Offenburg.

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