Montag, 21. März 2016

An Christus zerschmettern

 Tod des hl. Benedikt - Altarblatt, St. Johannes Baptist, Friedenweiler 
Cogitationes malas
cordi suo advenientes
mox ad Christum alidere ...
Böse Gedanken,
die im Herzen aufsteigen,
sogleich an Christus zerschmettern ...
So lautet eines der "Instrumente", die der hl. Benedikt im vierten Kapitel seiner Regula empfiehlt, um gute Werke zu vollbringen. Im Hintergrund steht ein Wort, das Psalm 136 beschließt; dort heißt es im Anschluss an die Klage Israels ob der Gefangenschaft zu Babel:
Babylon, Verwüsterin du:
selig, der dir vergelten darf
das Böse, das du uns angetan.
Selig, der deine Kinder packt
und sie am Felsen zerschmettert.
Das Wort der Regel und das Wort des Psalmes erklären sich gegenseitig. Kinder Babels sind sie bösen Gedanken, die uns heimsuchen - und wenn wir sie nicht am Felsen, der Christus ist, zerschlagen, so verwüsten sie zuerst unser Denken und - nach und nach - auch unser Handeln.
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Vielgestaltig sind diese Gedanken - von purer Lust am Bösen über blanken Hass (den man, hätte das Psalmwort nicht mehr als wörtlichen Sinn, auch dem Psalmisten unterstellen könnte), von Missgunst auf Mitmenschen bis hin zu selbstgerechter Egozentrik ... für jeden ist, so steht zu befürchten, etwas dabei. Sie an Christus, dem Felsen, zu zerschmettern, heißt aber meines Dafürhaltens nicht, sie einfach zu verdrängen, sondern sie mit Gottes Hilfe und unter Anrufung seines Namens einerseits aus dem Augenblick zu bannen, andererseits aber auch geistig und geistlich dahin zu arbeiten, mit seinen Gedanken ins Reine zu kommen: durch die Erforschung des Gewissens, durch den Versuch, die Quelle und den persönlichen Grund böser Gedanken namhaft und damit (an-) greifbar zu machen - und durch Bekennen im Mysterium der Vergebung, der Beichte.
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Der heilige Benedikt, dessen Pascha in das Reich Gottes die Ekklesia heute gedenkt, helfe uns dazu mit seiner Fürsprache ... ora pro nobis!
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Bild: Der Tod des heiligen Benedikt - Altarblatt (Auschnitt) in der ehemaligen Klosterkirche St. Johannes Baptist zu Friedenweiler.

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