Samstag, 6. Februar 2016

... das Feuer herabrufen - Einstimmung auf den Sonntag Quinquagesima


Pater fidei nostræ
Abraham sumus
obtulit holocaustum
super altare pro filio.
Der erhabene Vater unseres Glaubens
Abraham
brachte ein Brandopfer dar
auf dem Altar anstelle seines Sohnes.
(Antiphon zur ersten Vesper am Sonntag Quinquagesima)
... und dabei erinnerte ich mich einiger in dunkler Glut funkelnder Worte von Pierre Teilhard de Chardin SJ. Wir sind ja alle (zwischen Herrlichkeit und Schmerz gespannt) 'Söhne der Erde' und gerufen, uns mit und in der Schöpfung Gott als "Brandopfer" darzubringen, hinein genommen und geeint in Christus, der sich im Herzen der Schöpfung, in seiner reinen und heiligen Menschheit ganz dem Vater dargebracht hat ...
... Ehedem schleppte man in Deinen Tempel die Erstlinge der Ernten und die besten Stücke der Herden. Das Opfer, das Du wirklich erwartest, das Opfer, dessen Du in geheimnisvoller Weise jeden Tag bedarfst, um Deinen Hunger, um Deinen Durst zu stillen, ist nichts weniger als das Wachsen der Welt, die vom universellen Werden mitgerissen wird.
Empfange, Herr, diese totale Hostie, die die von Deiner Anziehung bewegte Schöpfung Dir im neuen Sonnenaufgang darbietet. Dieses Brot unserer Mühen, ist aus sich selbst, ich weiß es, nur ein unermeßlicher Zerfall. Dieser Wein, unser Schmerz, ist erst, leider, nur ein auflösender Trank. Doch in der Tiefe dieser urförmigen Masse hast Du - dessen bin ich sicher, weil ich es fühle - ein unwiderstehliches und heiligendes Verlangen gelegt, das uns alle, vom Ungläubigen bis zum Gläubigen, schreien läßt: "Herr, mache uns eins!"
Weil Du, mein Gott, mir mangels des spirituellen Eifers und der sublimen Reinheit Deiner Heiligen eine unwiderstehliche Zuneigung zu allem gegeben hast, was sich in der dunklen Materie bewegt - weil ich unheilbar in mir stärker als ein Kind des Himmels einen Sohn der Erde erkenne - , werde ich heute morgen in Gedanken zu den hohen Orten emporsteigen, beladen mit den Hoffnungen und dem Elend meiner Mutter; und dort - in der Kraft eines Priestertums, das Du allein, so glaube ich, mir gegeben hast - werde ich auf alles, was im menschlichen Fleisch sich unter der aufgehenden Sonne zu entstehen und vergehen anschickt, das Feuer herabrufen.
Der Text stammt aus dem Kapitel Die Opferung aus der Meditation Die Messe über die Welt; entnommen aus: Pierre Teilhard de Chardin: Lobgesang des Alls. Übersetzt von Karl Schmitz-Moormann. Olten und Freiburg 1964. S. 15 f. - Bild: Das Opfer Abrahams - Ausschnitt aus einem Kirchenfenster im Münster St. Stephan zu Breisach am Rhein.

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