Donnerstag, 4. Februar 2016

Burger unter Beobachtung

Wohlan: Es gilt, einem finstern Ruf gerecht zu werden, insofern man Teil der "ultrakonservativen christlichen Bloggerszene" sei. Wohlob: Ich habe keine Ahnung, ob die arme Seite hier solchem Club der dunklen Dichter überhaupt zuzurechnen ist (die frommfrotzige Randale hält sich hier, denke ich, doch eher in Grenzen). Wohlaber gilt es einräumen, daß ich mich lieber mit dieser "ultrakonservativen christlichen Bloggerszene" ins Kröpfchen gescholten sehe, als ins Töpfchen gesch(m)issen mit (Obacht, jetzt kommt fast das Unwort!) den Bessermenschen in Sachen Toleranz, Freiheit und Dialog, die dank durchtrainierter Nabelschau kaum noch wahrnehmen, wie intolerant, freiheitsabständig und wenig unterhaltsam sie eigentlich sind. Langer Rede kurzer Sinn: Lamentieren wir also - dem Ruf entsprechend - in drastischer Dunkelblogmanier lustvoll und froh ... nein, nicht über die Lückenpresse, aber über einen Artikel der Badischen Zeitung, dem ich das bereits erwähnte Bloggerverdikt danke.
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Wehe nun! Das Blatt schilt den Freiburger Erzbischof Stephan Burger, weil der dem Forum Deutscher Katholiken einen Vortrag zugesagt hat. Nebst Vorliebe für böse Blogger werfen "Kritiker" dem Forum vor, ...
... gegen Homosexuelle und "Genderwahnsinn" zu wettern und in der Flüchtlingskrise Ängste vor einer Islamisierung des Abendlandes zu schüren. Zudem pflege es eine Nähe zur rechtspopulistischen Pegida-Bewegung ...
Listig ist das Reporterleben! Mit 204 Tastenschlägen, Leerstellen inbegriffen, zum Aufstand der Anständigen geblasen, dabei sich wohlfeil und billig auf die Seite der Wohlgesinnten geschlagen! Dort warten die anderen guten Menschen, eine Frau Monika Schulz-Linkholt zum Beispiel, welche aus Sicht der "Laienorganisation Wir sind Kirche" dem Forum bescheinigt, eine "dezidierte Gegenorganisation des Zentralkomitees der deutschen Katholiken" zu sein. Schlimm! Sowas aber auch! Wo kommen wir denn hin, wenn jetzt jeder seinen eigenen Laienverein veranstaltet?
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Der gemeine Dunkelkatholik mag nun fragen, warum sich Frau Monika Schulz-Linkholt überhaupt in ihrem Verein engagiert ... ich nehme einfach mal an, daß das halbgebenedeite ZdK beim Promoten von allerhand Reformenschmonz incredibile dictu - viel zu lahmarschig sit venia verbo - agiert, zumindest aus Sicht von Frau Monika Schulz-Linkholt. Und darum ist es ebenso legitim, wenn sich Frau Monika Schulz-Linkholt mit Ihresgleichen zusammentut, wie es garnicht legitim ist, wenn sich die Gegenseite (um im Sprachdiskurs auszuharren) zusammenrottet.
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Wohlmehr! Die Badische bringt noch einen echten Theologen ins Spiel: Professor Magnus Striet, der sich an der Universität Freiburg mit Fundamentaltheologie beschäftigt. Dieser bescheinigt dem Erzbischof immerhin, daß ein Auftritt beim Forum der deutschen Katholiken "keine Grenzüberschreitung" darstelle, zumindest nicht aus seiner Sicht. Es ist natürlich aufschlussreich und beredt, daß in diesem Zusammenhang ein Begriff wie "Grenzüberschreitung" überhaupt ins Spiel gebracht wird.
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Was bedeutet das unterschwellig? Womöglich: Der Erzbischof kratzt gerade noch die Kurve, sollte sich aber zukünftig besser hüten und genau hinschauen, wozu und von wem er sich einladen lässt. Denn andere könnten das ganz anders sehen als er, Striet, der im übrigen nun erwartet, daß der Freiburger Erzbischof Organisationen wie der "katholischen Schwangerschaftskonfliktberatung Donum Vitae" eine vergleichbare Dialogbereitschaft entgegenbringe. Sehen wir einmal davon ab, daß Donum Vitae zuweilen auch ein donum mortis und überhaupt keine Veranstaltung der katholischen Kirche ist ... ich hege meinerseits auch so einige Erwartungen: Etwa an manche Theologen, daß sie ehrlicher Weise ihre missio canonica zurückgeben, wenn sie die Lehre der Kirche nicht vertreten wollen oder können, das aber nur am Rand bemerkt.
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Wohlendlich: Zwei Mutmaßungen lassen sich meines Ermessens aus dieser Geschichte ziehen. Erstere ist nicht unsympathisch; offenbar wird das Forum der deutschen Katholiken, obschon es laut Striet "nur ein sehr kleines Segment innerhalb des Katholizismus" vertrete (was vertreten dann eigentlich die WiSiKi-Kaffeefahrten?), offenbar also wird dieses Forum in gewissen Kreisen als zunehmend besorgniserregende Größe wahrgenommen, sonst hätte man sich diesen medialen kleinen Affentanz auch sparen können. Die andere Vermutung betrifft Erzbischof Burger und ist weniger wohlig; eben jener Affentanz legt nahe, wie eine gewisse - wohl überwiegend unterhalb des Radars offizieller Strukturen - agierende Diözesan-Nomenklatura die Aktivitäten Burgers beobachtet und wohl nicht zögert, unter Umständen zu skandalisieren, was ihr nicht passt. Alles natürlich völlig transparent im Geiste Jesu, versteht sich. 
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Es gibt diese reizvolle Anekdote vom heiteren Papst Johannes, der auf die Frage, warum er ein Konzil einberufen, ein paar Fenster aufgerissen habe, damit sich der Mief aus der Kirche verflüchtige. Vielleicht glückt das ja Erzbischof Burger ... oremus pro Antistite nostro Stephano!
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Der Artikel der Badischen Zeitung ist hier zu finden.

Kommentare:

Kirchfahrter Archangelus hat gesagt…

Ob in Kirche oder Gesellschaft: der Konformitätsdruck steigt unablässig. Wer nicht permanent seine Zugehörigkeit zur Masse der Gutdenker postuliert, wird bereits latent verdächtig und „steht im Abseits“. Offenkundig wird derzeit zur sorgfältig choreographierten Medienhatz auf alles geblasen, wass in unserer gelenkten Massendemokratie (hochinteressant: Pfarrer Milch https://www.youtube.com/watch?v=pxNEI9AiAyQ) nicht vor dem Zeitgeist das Knie beugt und die Mainstream-Meinung aller „Dazugehörigen“ teilt: kritische Menschen, die unverschämterweise selbst denken und dies nicht Petra Gerster & Consorten überlassen wollen; Menschen, die ihre religiöse Auffassung nicht als „einzubringenden“, unmaßgeblichen „Beitrag“, sondern als ihren eigenen innersten und heiligsten Bereich betrachten; Menschen, die „Familie“ abschließend als „Mann, Frau und Kind(er)“ definieren. Dies alles widerspricht dem zu einer neue gesellschaftlichen Zivilreligion pervertierten Toleranzgebot mit seinen aufklärerischen „Werten“ wie Abtreibung und Homo-“Ehe“.

Da die Machthabenden den Nationalsozialismus allein als das absolut abgrundtief Böse definiert haben (Abermillionen Tote in Kambodscha, Russland etc. zählen da offenbar nicht), wird folgerichtig alles unbotmäßig denkende Volk von den medialen Agenturen der Volks(um)erziehung in dessen komprimitierende Nähe geschrieben und gesendet - in der Regel wider besseres Wissen. Perfiderweise behilft man sich mit „rechtspopulistisch“, „ultrakonservativ“ oder „rechtskonservativ“, wenn das Verdikt “Nazi“ sogar von unserer systematisch verdummten Wohnbevölkerung als unzutreffend erkannt wird. Wer seine Kirche nicht als austauschbaren und One-World-kompatiblen Marktanbieter neben vielen anderen auf dem Spiritualitäts-Markt, sondern als die alleinige Wahrheit begreift, ist da logischerweise „intolerant“, „militant“ und „rechtskatholisch“.

Tarquinius hat gesagt…

Bessermenschen, Lückenpresse, Listig ist das Reporterleben, donum mortis u.a. ... dafür gibt's bei diesem Beitrag auf jeden Fall schon mal Extrapunkte! ;-)

Andreas hat gesagt…

Kirchfahrter, ...

... in der Tat verschiebt sich das "Meinungsklima" bedenklich. Man merkt's beim Schreiben an den eigenen Scheren im Kopf, sobald es um Meinungen geht, die vielleicht nicht jedem gefallen, aber in einem vernunftgeleiteten Diskurs vertretbar sein sollten und vertretbar sind; Sie erwähnen es selbst, wenn Sie etwa auf den Familienbegriff rekurieren. Doch was erlebt man? Da geht die Reise über die Prädikate "genderkritisch" rasch zu "homophob" und weiter zu "rechtspopulistisch", um am Ende irgendwo beim Dritten Reich zu landen. Die Begriffe sind entsprechend schmiegsam und werden so eingesetzt. In Kern scheint es mir nur eine "elegantere" Diskursform als das gemeine "Hassposting" - letztlich zielt aber beides auf die rhetorische Exekution der Gegenseite, die Schlimmerem den Weg bahnen hilft.

Tarquinius, ...

... habe Dank für die Punktwertung. Die "Lückenpresse" ist freilich bei Klonovsky abgekupfert. ;-)

einfachentfachend hat gesagt…

Und allein, daß sich ein Erzbischof (oder sonstjemand) für einen Vortrag vor Katholiken (oder sonstjemand)überhaupt rechtfertigt,einen,den er ja noch gar nicht gehalten hat (!!!),also das Stöckchen wegen eines solchen Artikelchens sogleich apportiert,anstatt die Unterstellungen gegenüber seinen Zuhörern zurückzuweisen, spricht Bände.

Andreas hat gesagt…

Den erstgenannten Aspekt hätte ich vielleicht auch hervorheben sollen; er fiel mir aber, ehrlich gesagt, überhaupt nicht recht auf, so sehr ist man offenkundig selbst schon konditioniert, sich für Selbstverständlichkeiten bereits im Vorfeld rechtfertigen zu müssen. Danke für den Hinweis!

Das Katzbuckeln ist mir auch sauer aufgestoßen; aber ich denke, Burger ist sich ziemlich bewusst, welchen Spielraum er hat und wo es geboten ist, gewissen Geiern nicht noch mehr Futter zu geben. Nach wie vor ist er jener Bischof von der römischen Liste, der bei der Wahl überhaupt in Frage kam (auf dem Freiburger Wunschzettel stand er ja nicht drauf) - und weit davon entfernt, der Wunschkandidat jenes Regiments zu sein, das sich vor allem unter Saier und Zollitsch in Freiburg festgefressen hat.