Donnerstag, 7. Januar 2016

Sententiæ CVI

"Verstehen Sie mich, Herr Kanonikus", setzte er fort, seine langen, mageren Hände bewegend, "wir sind so unglücklich ... daß es vorkommt, daß unser ganzes Leben - ohne unser Wissen - gleichsam ... irgendwie von Gott zum Teufel abgelenkt wird. Ich drücke mich schlecht aus: Stellen wir uns lieber eine Quelle vor, die in dürrem, schmutzigen Erdreich versickert. Das Kostbarste, was der Herr uns auferlegt, körperliche und geistige Leiden, kann durch den Gebrauch, den wir von ihnen machen, auf die Dauer verdorben werden. Ja, der Mensch hat selbst das Wesen des göttlichen Herzens, den Schmerz, besudelt. Das Blut, das vom Kreuze rinnt, kann uns töten".
Er atmete schwer.
(Abbé Chevance zu Abbé Cénabre in Georges Bernanos' "Der Betrug")

1 Kommentar:

Tarquinius hat gesagt…

Am Siebenten diesen Monats lag wohl Bernanos in der Luft ... ;-)