Mittwoch, 6. Januar 2016

Epiphanie - Dein Reich komme

 Anbetung der Könige - Titisee, Pfarrkirche Christkönig 
Epiphanie des Kyrios! Wir werden aus dem Stall, aus den gemütvoll gar seligen Bildern herausgeführt, mit denen wir uns zu schnell und schön begnügen wollen, werden aus der "stillen Nacht" mit ihren Hirten und Öchslein und Eselein und Krippelein und Kindelein herausgenötigt in die Sendung des Christen: Gott als den Kommenden zu erwarten, indem wir am Kommen seines Reiches mitarbeiten; ihn anbeten, ihm die Ehre geben im Vollbringen: aurem, thus et myrrham deferentes!
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Gloria Domini super te orta est! Die Herrlichkeit des Kyrios ist über Jerusalem aufgegangen, aufgegangen über der Ekklesia, aufgegangen über unseren Seelen - doch was nützte es, wenn wir den Ruf nicht hören: Surge, illuminare, Ierusalem - Stehe auf, Jerusalem, und werde licht! Wenn wir uns im Dunkel unserer Schatten verkriechen? Gott brachte uns die Erlösung, indem er Mensch wurde - und er bringt uns sein Reich: durch uns! Gott liebt, handelt, befreit nie am Menschen vorbei, sondern durch den Menschen, durch uns, durch jeden einzelnen.
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Vor einigen Tagen las ich einen Beitrag von Reinhold Schneider über Jeremias Gotthelfs Novelle Die schwarze Spinne - ein Übel beschwört in Gotthelfs Buch das andere herauf, die Menschen verstricken sich immer tiefer in Schuld, gerade auch dann, da sie sich tückisch bis skrupellos der Schuld entledigen wollen - nur wenige haben den Mut, sich dem Bösen und der Schuld zu stellen und sie zu überwinden, indem sie aus ihren Kreisen treten. Schneider schreibt in seiner Betrachtung dazu:
In keiner Seele kann etwas geschehen, das nicht alle Seelen angeht; denn Gottes Reich ist eins und besteht durch seine Einheit, die Seelen aber sind Gottes. Fällt eine Seele mit völliger, gleichsam sichtbarer Gewißheit in die Hand des Feindes, so ist Gottes Reich zerrissen, und niemand vermag zu ermessen, was dieser Vorgang für das ewige, aber auch für das irdische Leben bedeutet.
Darum ist eine jede Neigung, Ewiges für Irdisches zu geben, nicht allein Sünde wider Gott, sondern auch Sünde an den Menschen allen; der Mensch, der sein Gewissen einer solchen Neigung bezichtigt, ist schuldig an der Gemeinde, verpflichtet zum sühnenden Bekenntnis, angewiesen auf das Gebet aller, und er darf sich auch getrösten dieses Gebets. Die einige Gebetsmacht der Gemeinde allein kann das Tal, das Land, die Welt beschützen.
Denn Gemeinde ist endlich das Volk Christi, die Menschheit; sie ist Christi verborgener Leib, in dem wir vereinigt auferstehen werden zum ewigen Leben.
Es ist vielleicht nicht der nebensächlichste Aspekt der Selbstentäußerung Gottes, die wir in seiner Menschwerdung bestaunen, daß er in diesem aión selbst noch die Ehre seines Namens und das Kommen seines Reiches in unsere schwachen und zitternden Hände gelegt hat, wissend, wie gefährdet "beides" (man kann es eigentlich nicht trennen) darin gehalten wird, welch armselige Verwalter er hierfür bestimmt hat.
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Und doch bricht - trotz aller Schwäche Anlass zuversichtlicher Hoffnung - herein, worum wir beten: Adveniat regnum tuum - Dein Reich komme! Es bricht überall dort in die Welt, wo wir uns dem Bösen und der Schuld stellen und beides überwinden. Auch hier gilt, um Schneiders Wort erneut aufzugreifen: "... niemand vermag zu ermessen, was dieser Vorgang für das ewige, aber auch für das irdische Leben bedeutet"!
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Vermag es wirklich niemand zu ermessen? Hören wir nicht im Introitus heute Worte, die künden, was das heiße für das Ewige und das Irdische?
Ecce,
advenit dominator dominus:
et regnum in manu eius
et potestas et imperium.
Schaut!
Es kommt der Kyrios, der Herrscher,
in seiner Hand königliche Gewalt,
die Macht und das Reich!
Wer aber sollte das ermessen können, wenn selbst unsere Herzen so oft blind und taub dafür sind?
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Und vergib uns unsere Schuld - Jeremias Gotthelf, Die Schwarze Spinne - in: Reinhold Schneider: Dämonie und Verklärung. Freiburg 1965. S. 222. Das Bild zeigt die Anbetung der heiligen drei Könige - Glasfenster in der Pfarrkirche Christkönig zu Titisee im Schwarzwald.

Kommentare:

Tarquinius hat gesagt…

Hast Du schon mal drüber nachgedacht, über so eine Buchveröffentlichung? "Pro Spe Salutis - Das Jahr des Heils mit Andreas Molch" oder so? Inzwischen dürfte was zusammengekommen sein.

martina hat gesagt…

Adveniat Regnum Tuum, adveniat per Mariam!

Andreas hat gesagt…

Ich wäre mir nicht sehr sicher, Frater Tarquinius, ob ein Jahr des Heils "mit Andreas Molch" den Seele Gewinn eintrüge ...

Unsere Liebe Frau, Martina, steht uns zur Seite und hat für das Reich Gottes schon mehr getan als wir alle bislang zusammen - aber wir dürfen die Sorge um den Advent nicht einfach an sie abgeben; da würden wir es uns zu einfach machen - aber wir sollten sie immer um ihre Hilfe bitten.