Donnerstag, 29. Dezember 2016

Ich steh' an deiner Krippe hier ...

Früher war mehr Lametta ... oder in diesem Fall: mehr Moos, mehr Detailfreude, mehr bespielte Fläche, mehr action rund um Bethlehems Stall. Trotzdem habe ich mich gefreut, heute - nach nicht wenigen Jahren - wieder einmal die Krippe in der Pfarrkirche Heilige Familie besucht zu haben; sie gilt, obschon im Vergleich zu früher weniger ausladend, noch immer als Freiburgs größte Weihnachtskrippe. Und sie erinnerte mich an eine liebe und herzensgute Frau, von der ich früher bereits einmal geschrieben hatte, Frau Magda Sennerich. Sie, schon so lange verstorben, daß ich ihr Grab vor Zeiten bereits nicht mehr fand, zählte zu den hilfreichen Geistern der Pfarrei und gehörte zu jenen Persönlichkeiten im Gesichtskreis eines kleinen Buben, die den Glauben hegten und wachsen ließen: Gott vergelte es ihr! Sie führte mich einst an diese Krippe ...

Freiburg - Pfarrkirche Heilige Familie - Weihnachtskrippe 
Freiburg - Pfarrkirche Heilige Familie - Weihnachtskrippe
Weihnachtskrippe
Freiburg - Pfarrkirche Heilige Familie - Chorraum

Samstag, 24. Dezember 2016

Gesegnete Weihnachten!

Verkündigung an die Hirten - aus dem Biblia-Pauperum-Fensterzyklus im Münster Unserer Lieben Frau, Straßburg
Bis zur Wiederkunft Christi werden keine Engel mehr kommen, um die Menschen zu Christus zu führen wie damals die Hirten von Bethlehem. Bis dahin sind wir seine Boten, und dies nicht zuerst mit Worten, sondern mit Taten der Liebe. Wir wollen nicht zuerst fragen, ob der andere auch hört, sondern ob wir durch unser Leben verkünden; nicht zuerst, ob er das Licht von Bethlehem sehen will, sondern zuerst, ob auf unserem Leben ein Abglanz dieses Lichtes ruht.
Alfred Kardinal Bengsch 
Euch allen frohe und gesegnete Weihnachten!

Advent vierundzwanzig - Es bleibt Advent

Aber solange die Erde steht, werden immer wieder die Herbergen dieser Welt für uns geschlossen sein. Zusammen mit den Menschen, die wir vielleicht zu Christus führen konnten, werden wir ausgestoßen sein. Die Spielregeln der bürgerlichen Toleranz ändern höchstens die Methoden, nicht die Sache. Und auch die mildeste Form der Ablehnung ändert nichts daran, daß Christus radikal abgelehnt wird.
Das bleibt so, bis der Herr wiederkommt, um uns heimzuholen. Die Herbergen dieser Erde bleiben geschlossen, damit wir nicht vergessen, wo unsere ewige Heimat ist. Die Kirche bleibt in der Knechtsgestalt, damit sie nicht vergißt, daß ihre Verherrlichung noch aussteht. Es bleibt Advent, weil Christus noch einmal kommen muß, das Werk der Erlösung zu vollenden ...
Wir beobachten das langsame Sterben der Gemeinden, wir hören von Priestermangel und von immer seltenerem Sakramentenempfang. Wir spüren die Ohnmacht unserer christlichen Verkündigung in der Öffentlichkeit. Ach, und noch tausend andere Sorgen drücken uns, nicht zuletzt die um die eigene Unzulänglichkeit.
Es ist ein Trost, zu wissen, daß dies alles Gesetz unserer Pilgerschaft ist, nicht der Anfang vom Ende, oder vielmehr: Es ist der kümmerliche Anfang des herrlichen Endes, es ist die schmerzliche Zeit der Saat für den großen Erntetag. Es macht nichts, wenn man uns auf die Straßen weist. Wer den Herrn trägt, für den führen alle Straßen heimwärts in das ewige Vaterhaus. Und es mögen noch so verlassene Straßen sein: Wir sind niemals allein.
Alfred Kardinal Bengsch: In Erwartung der Wiederkunft. Berlin 1966. S. 45.

Freitag, 23. Dezember 2016

Advent dreiundzwanzig - Advent Mariens

Als der Engel zu ihr trat, war Maria allein, nicht nur zufällig und nicht nur äußerlich, sondern als die aus allen Menschen erwählte einsame Partnerin des Wortes Gottes.
Seit Adams Fall hat der Geist Gottes auf vielfache Weise diese Stunde herbeigeführt, er hat eine Tochter Adams auf diese einsame Höhe geführt, wo nun die Engel des Himmels dem Zwiegespräch lauschen und die Antwort aus dem Munde der Jungfrau vernehmen, die Gottes Geist ermöglicht hat: "Siehe, ich bin die Magd des Herrn. Mir geschehe nach deinem Wort". Dann aber führte der Geist Gottes Maria zu den Menschen, und sie eilt über die Berge.
Jetzt, da sie den Herrn trägt, darf und muß sie heraus aus der einsamen Kammer. 
Es ist fast, als wollte der Heilige Geist nicht abwarten, bis der menschgewordene Sohn selbst die frohe Botschaft den Armen verkündet, nicht einmal, bis die Engel an der Krippe die Botschaft von der Geburt des Heilands verkünden. Er sucht einen Mund, der den Herrn begrüßt noch im Mutterschoße. Darum ist der Advent Mariens beides: Einsamkeit im Heiligen Geist und Gemeinschaft im Heiligen Geist.
Alfred Kardinal Bengsch: In Erwartung der Wiederkunft. Berlin 1966. S. 38.

Donnerstag, 22. Dezember 2016

Advent zweiundzwanzig - Führung und Formung

Maria eilt über das Gebirge zu ihrer Base Elisabeth. Und Elisabeth begrüßt sie als die Mutter des Herrn. Danach singt Maria ihr Magnifikat.
Man kann manches anführen, um sich diese Szene zu erklären ... Aber die Hauptsache bei der Erklärung muß doch wohl ... sein: Die Heilige Schrift sagt, daß Elisabeth vom Heiligen Geiste erfüllt wurde. Nur so erkennt sie in ihrer jungen Verwandten die Mutter des Messias. Und aus diesem Geiste ergänzt sie den Gruß des Engels: "Du bist gebenedeit unter den Weibern, und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes".
Wir verstehen diese Adventsszene erst, wenn wir betrachten, wie der Geist Gottes in ihr wirkt: Alles Nahekommen Gottes wird vorbereitet, bewirkt und fruchtbar gemacht durch den Heiligen Geist. Jeder Advent ist eine Zeit, in der Gottes Geist führt und formt.
Alfred Kardinal Bengsch: In Erwartung der Wiederkunft. Berlin 1966. S. 36 f.

Mittwoch, 21. Dezember 2016

Advent einundzwanzig - Dies ist die Stunde

Von der hl. Elisabeth wird berichtet, sie habe kurz vor ihrem Tode die geheimnisvollen Worte gesprochen: "Dies ist die Stunde, da die Jungfrau gebar". Ein rätselhaftes Wort aus dem Munde einer Sterbenden, aber in ihm ist ... das Geheimnis von Bethlehem so tief erfaßt, daß wir es zunächst garnicht verstehen. Was hat die Sterbende mit Maria zu tun? Welche Ähnlichkeit könnte zwischen der Geburt Christi in Bethlehem und der Sterbestunde der hl. Elisabeth bestehen? ...
Es will sagen: Ich habe mich hingegeben als ein Werkzeug der Liebe Christi. Ich habe sein Wort in mein Herz aufgenommen. Ich habe mich darin verzehrt, die Liebe Christi an die arme Welt zu schenken. Ich habe nach meinen Kräften und in meiner Zeit getan, was ich konnte, damit der Herr kommt.
Nun fühle ich mich der reinen Magd Gottes ganz nahe, die uns den Herrn geschenkt hat. Und mit ihr bin ich dem nahe, der mich heimholen wird: "Dies ist die Stunde, da die Jungfrau gebar".
Alfred Kardinal Bengsch: In Erwartung der Wiederkunft. Berlin 1966. S. 33 ff.

Dienstag, 20. Dezember 2016

Advent zwanzig - Fortfahren

... Mit unserer Nächstenliebe wird es nicht anders sein. Wer ist denn frei von Zuneigung und Abneigung? Und wieviel ist bürokratisierte Pflicht oder oberflächlicher Betrieb oder einfach schmähliche Flucht, mit schönen Phrasen kümmerlich getarnt?
Und so müßten wir fortfahren: Der Reine muß sich von seinem Stolz bekehren, der Gehorsame von seiner Beamtengesinnung, der Demütige von seiner Drückebergerei, der Strebsame von seinem Programm, der Kluge von seinen Problemen.
Denn Reinheit, Gehorsam und Demut sind gut; aber sie stehen noch unter unserer Rechenkunst, und sie müssen unter das Maß der Liebe, die sich in der Krippe gezeigt hat. Das Kind von Bethlehem stellt uns ein hohes Maß ...
Alfred Kardinal Bengsch: In Erwartung der Wiederkunft. Berlin 1966. S. 29 f.

Montag, 19. Dezember 2016

Advent neunzehn - denket um!

Der Bußprediger Johannes begleitet uns durch den ganzen Advent, damit wir nie vergessen, daß wir uns vom Bösen abwenden müssen. Aber je näher wir dem Fest der schenkenden Liebe Gottes kommen, desto mehr begreifen wir, daß auch alles Gute, das wir haben, Stückwerk ist. Weihnachten fordert auch die Buße der Frommen. Wir sparen uns hier den billigen Spott über die Scheinfrommen, über die Pharisäer und Betschwestern; wir meinen den guten Menschen, den gewissenhaften, den begeisterten, den gütigen. Aber auch diesem ist gesagt: "Metanoeite, denket um!" Auf dem Wegweiser nach Bethlehem steht kein anderes Wort.
Denn auch der innerlich Reichste steht vor der Krippe noch mit leeren Händen. Auch wer alles getan hat, bleibt noch ein unnützer Knecht.
Alfred Kardinal Bengsch: In Erwartung der Wiederkunft. Berlin 1966. S. 25.

Sonntag, 18. Dezember 2016

Advent achtzehn - das Gegenbild

Und so gibt es eine stille und demütige Freude, in der sich doch das kommende Reich am herrlichsten bezeugt: die Freude eines Menschen, der sich aufmacht und heimkehrt zu seinem Gott. Wo immer einer umkehrt (und wer von uns brauchte es nicht?), da zeichnet der Herr selbst ein adventliches Gegenbild: den wartenden Vater, der dem verlorenen Sohn entgegengeht mit ausgebreiteten Armen.
Alfred Kardinal Bengsch: In Erwartung der Wiederkunft. Berlin 1966. S. 25.

Samstag, 17. Dezember 2016

Advent siebzehn - Wir lieben in Hoffnung

Nun, es ist Advent. Die Gestalt dieser Welt vergeht, auch die Gestalt der Kirche samt allem Allzumenschlichen und Ärgerlichen und Bürokratischen. Der Herr wird seinen Leib erlösen. Aber: wie wir bei der Kirche glauben, daß sie trotzdem die Braut ist, so müssen wir auch bei dem unsympathischen, dem unmöglichen Mitchristen an die kostbare Möglichkeit glauben, die Gott meint und sie Er sich formen wird.
Wir können sie nicht ahnen, manchmal auch mit der besten Phantasie nicht, und wir wollen es uns auch nicht gewaltsam einreden. Wir lieben in Hoffnung - und gerade dies kann ein Werkzeug Gottes werden, mit dem er jenen Menschen aus seiner Enge und Schwäche befreit.
¶ Alfred Kardinal Bengsch: In Erwartung der Wiederkunft. Berlin 1966. S. 24 f.

Freitag, 16. Dezember 2016

Advent sechzehn - die uns auf die Nerven gehen

Der Herr ist nahe, wo zwei oder drei in Seinem Namen versammelt sind. Es gibt eine Gemeinschaft in Christus, die kein Tod löst. Der Leib Christi bleibt, freilich verwandelt und verherrlicht ...
Seien wir doch ehrlich: Es kann auch ein bedrückender Gedanke sein, daß unsere Gemeinschaft schon das Reich sein soll, das ewig dauert. Ist sie nicht oft so erbärmlich und deutlich von dieser Welt, mit allem Zank und Ärger? Schockiert uns nicht manchmal der Gedanke an die ewige Gemeinschaft mit Menschen, an deren Frömmigkeit wir nicht zweifeln, die uns aber heillos auf die Nerven gehen?
Alfred Kardinal Bengsch: In Erwartung der Wiederkunft. Berlin 1966. S. 24.

Donnerstag, 15. Dezember 2016

Advent fünfzehn - Wo niemand es ahnt

Der Herr ist nahe, denn Seine Gnade ist in uns. Nicht bloß wie eine kostbare Perle, die wir scheu behüten, sondern als die königliche Kraft, die unseren Taten Gültigkeit für morgen gibt. Wir handeln schon in der Vollmacht der Bürger des Gottesreiches ...
Denn nichts, was ein Christ tut, hat nur Sinn und Wirkung für diese Erde, alle seine Werke reichen in die Ewigkeit, wenn sie in der Gnade getan sind. Er hat eine herrscherliche Verfügungsgewalt, die auch das Unbedeutendste wertvoll machen kann vor Gott. Mitten in der Welt und mit dem kümmerlichsten Werkzeug baut er am kommenden Reich, gerade da, wo niemand es ahnt, wo er scheinbar nichts anderes tut als alle andern.
Alfred Kardinal Bengsch: In Erwartung der Wiederkunft. Berlin 1966. S. 22 f.

Mittwoch, 14. Dezember 2016

Advent vierzehn - Tief zugehörig

So tief gehört der Advent in das christliche Leben, und so groß sind die Aufgaben, die er uns stellt: Erstarrtes lösen, falsche Sicherheit und Endgültigkeit durchschauen, die Tore weit machen, daß der König der Herrlichkeit einziehen kann.
Alfred Kardinal Bengsch: In Erwartung der Wiederkunft. Berlin 1966. S. 20 f.

Dienstag, 13. Dezember 2016

Advent dreizehn - Dem König bereitet

Aber auch das Gute, was wir tun, bekommt seinen eigentlichen Wert und seine christliche Schönheit erst im Blick auf den kommenden Herrn. Denn der Christ tut das Gute nicht, um etwa eine vollendete Persönlichkeit zu sein und seinen Tugendbesitz zu genießen, er will reif werden für den, der ihn zu Seinem Reich berief. Er ist nicht arm, um seine Überlegenheit zu demonstrieren; er ist nicht keusch aus natürlichem Stolz; er leidet nicht aus fatalistischer Tapferkeit, sondern in alldem bereitet und bewahrt er sich seinem kommenden König.
Alfred Kardinal Bengsch: In Erwartung der Wiederkunft. Berlin 1966. S. 19 f.

Montag, 12. Dezember 2016

Advent zwölf - Das Höchste nur Anfang

Da sagt ein altes Eucharistiegebet: "O heiliges Gastmahl, in dem Christus empfangen, das Andenken Seines Leidens erneuert und uns ein Unterpfand der künftigen Herrlichkeit gegeben wird".
Die ersten beiden Gedanken finden wir vertraut: Mahl und Opfer. Aber den dritten kennen wir kaum. Und doch gehört er dazu. Um es grob zu sagen: Die heilige Kommunion ist uns nicht zuerst gegeben, damit wir innerlich satt werden, sondern damit wir mehr Hunger haben. Sie ist wohl das Kostbarste, was uns der Herr hinterlassen hat, denn sie ist ja Sein Fleisch und Blut. Aber sie weist über sich hinaus auf jenes Beisammensein mit Christus, das "kein Auge geschaut hat" ...
Wenn so das Höchste nur Anfang ist (freilich: was für ein herrlicher Anfang!), wieviel mehr gilt das von allem anderen! Es kann in unserem christlichen Leben nichts Endgültiges geben, weil wir dem Kommenden immer entgegen reifen müssen.
Alfred Kardinal Bengsch: In Erwartung der Wiederkunft. Berlin 1966. S. 18 f.

Sonntag, 11. Dezember 2016

Advent elf - Freude. Im Herrn.

Nach altem Herkommen steht der dritte Sonntag im Advent im Zeichen der Freude: Gaudete! "Freut euch!" Dieser Aufruf zur Freude geht auf Worte zurück, die der hl. Paulus an die Gemeinde von Philippi schrieb; Paulus befand sich zu jener Zeit in römischer Untersuchungshaft und blickte einer ungewissen Zukunft entgegen ... und schrieb dennoch:
Freut euch im Herrn allezeit! Nochmals will ich es sagen: Freut euch. Eure Freundlichkeit werde allen Menschen bekannt: Der Herr ist nah. Sorgt euch nicht. Nein: In allem sollen durch das Gebet und das Flehen unter Danksagung eure Bitten vor Gott sich bekunden. Und der alles Denken übersteigende Friede Gottes wird in Eins mit dem Messias Jesus eure Herzen und eure Gedanken schirmen (Phil 4, 4-7).
Wenn wir diese Worte heute hören, dann scheint mir eine Wendung deswegen besonders bemerkenswert, weil wir sie in religiöser Routine vielleicht rasch überlesen. Es ist die Rede von der Freude ... im Herrn!

Die Freude des Christen ist kein rein weltlich Ding', keine nur vom zeitverhafteten Grund eines glückvollen Augenblicks abgeleitete Gemütsbewegung. Die Freude des Christen hat immer einen Bezugspunkt, aus dem sie sich speist und zu dem sie zurückkehrt: Christus, den Retter, den Herrn: Freut euch im Herrn allezeit!

Die Freude des Christen steht daher im Gefolge der Tugenden des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe. Sie helfen uns, Gottes in unserem Alltag gewahr zu werden und unser Leben unter seinen Willen zu stellen - im Vertrauen darauf, daß Gott alles zu einem guten Ende führen wird, selbst noch unser Versagen, wenn wir nur von ihm nicht lassen ... "Sattwerden oder hungern, in Fülle leben und darben. Alles verkrafte ich in dem, der mich stärkt" schreibt Paulus einige Verse später an die Christen von Philippi (Phil 4, 12 f.).

Daraus ergibt sich, daß Freude eine Grundhaltung des Christen ist. Sie hilft ihm, sich seine Welt und sein Schicksal zu erschließen und zu gestalten. Als Grundhaltung kann sich diese Freude, und auch dies scheint mir zu bemerken wichtig, sehr unterschiedlich äußern, vom stillen in sich hinein Lächeln bis zum Ausflippen; ein introvertierter Christ kann ebenso von Freude erfüllt sein wie sein extrovertierter Banknachbar.

Wenn nun Paulus schreibt "Eure Freundlichkeit werde allen Menschen bekannt", dann meint er hier die sichtbare Seite unsere Freude: Freundlichkeit unseren Mitmenschen gegenüber. Keine hölzerne Benimmbuch-Etikette, kein dauernd überzogenes Chichi, keine Bussi links, Bussi rechts-Kumpanei, keine Ich-umarm-die-ganze-Welt-Attitüde, sondern ein wohlmeinendes Herz für den Nächsten, das das Gute sieht und das Böse nicht ausblendet, das mit den Frohen froh sein und mit den Trauernden weinen kann, das für die Sünder betet und weiß, daß jeder Mensch ein Kind Gottes ist: Freut euch ... im Herrn ... allezeit!

 Der heutige Beitrag ist Teil des blogozösanen Adventskalenders 2016, in dem sich hier bis Heiligabend noch manch weiteres Türchen öffnen läßt. Gestern füllte Claudia von Katholisch? Logisch! hier ein Fenster, morgen geht es bei Heike auf Heikes Blog hier weiter.

Samstag, 10. Dezember 2016

Advent zehn - Jede Gnade ist Vorbereitung

Vielleicht ist auch die Spannung zu schwer, in der ein Christenleben steht: erlöst zu sein und doch die Erlösung (die endgültige Verherrlichung) zu erwarten.
Sicher aber ist dazu alljährlich wieder Advent, daß wir diese gefährliche Sicherheit des Besitzes verlieren, auf die Behaglichkeit der scheinbaren Vollendung verzichten und wieder Raum haben für den kommenden Herrn.
Denn auch das Höchste, was uns geschenkt ist, ist eine Verheißung. Und jede Gnade, die wir empfangen, ist Vorbereitung.
Alfred Kardinal Bengsch: In Erwartung der Wiederkunft. Berlin 1966. S. 16 f.

Freitag, 9. Dezember 2016

Advent neun - Fehlt uns was?

Wenn der Herr morgen käme, dann wäre das nicht nur ein Schrecken für die Christen, die sich gerade irgendwo in den allgemeinen Vergnügungstaumel eingelassen haben ... Es wäre auch für jene eine fremde und programmwidrige Störung, die gerade mitten im vollen christlichen Betrieb sind. Wir sind nämlich so sehr und so sicher im "wahren Christentum", daß uns nichts mehr fehlt. Wir haben doch den menschgewordenen Heiland, wir haben die Sakramente, wir haben die wahre Lehre, wir sind geborgen in der wahren Kirche - wo ist da noch Raum für die Erwartung? Freilich, es gibt den Tod und das Leben nach dem Tode. Aber steht das nicht für unser Gefühl "auf einem anderen Blatt"?
... So machen wir das Vorläufige zum Endgültigen, das Rasten auf dem Weg zu einem Daueraufenthalt, das Zelt zum festen Wohnsitz, den Anfang zum Ziel - und dies alles mit dem guten Gewissen, christlich zu leben. 
Alfred Kardinal Bengsch: In Erwartung der Wiederkunft. Berlin 1966. S. 16 f.

Donnerstag, 8. Dezember 2016

Advent acht - Durch die Schau der Schönheit mache mich schön

Maria Immaculata - Hochaltarbild (Ausschnitt) in der Pfarrkirche St. Pankratius, March-Holzhausen
Jungfrau,
überaus Schöne,
strahlend in Gott,
durch die Schau der Schönheit mache mich schön,
strahlend mache mich, daß ich rufe:
Preiset in Hymnen den Herrn
und erhebet ihn über alles in allen Äonen!
Tor du des Lichtes,
schlage mir auf der Reue lichtstrahlendes Tor,
und jenen geraden Weg der Gerechtigkeit zeige mir,
der da führt zu den Vorhöfen göttlichen Willens.
Überheilige,
Reine,
Ihn, den heiligen Logos,
der die Gläubigen heiligt,
hast du unsagbar geboren.
Flehe zu ihm,
daß er heilige jetzt meine elende Seele,
die durch Sünde befleckte.
Lichtdurchfluteter Strom,
aus dir ist hervorgegangen der Unsterblichkeit Quelle,
heilige Herrin.
Drum rufe ich dir zu:
Meiner Sünden Ströme,
trockne sie aus durch den Born deiner Fürbitte,
Reine!
(St. Johannes von Damaskus)
Der Marienpreis ist entnommen: Otto Karrer: Maria in Dichtung und Deutung. S. 314. - Bild: Maria Immaculata - Hochaltarbild (Ausschnitt) in der Pfarrkirche St. Pankratius zu March-Neuershausen.

Mittwoch, 7. Dezember 2016

Advent sieben - Selig auch ihr

Selig aber auch ihr, die ihr gehört und geglaubt habt! Denn jede Seele, die glaubt, empfängt und gebiert den Logos Gottes und schaut seine Werke. In euch allen sei Mariens Seele, um groß zu machen den Herrn; in allen sei Mariens Geist, in Gott zu frohlocken. Und wenn es auch nur eine leibliche Mutter Christi gibt, so ist doch in der Ordnung der Glaubens Christus die Frucht aller.
Der hl. Ambrosius von Mailand in der Expositio in Lucam I, II

Dienstag, 6. Dezember 2016

Advent sechs - Mystagoge der Gnade

Der hl. Nikolaus von Myra - Tympanon am Portal des südlichen Querschiffes, Münster St. Martin, Colmar
Heiliger von Myra,
als Priester hast du dich erwiesen.
Nachdem du, Gottseliger,
das Euangelion Christi erfüllt hattest,
gabst du deine Seele für dein Volk
und hast errettet Unschuldige vom Tod.
So bist du heilig geworden,
großer Mystagoge der Gottesgnade.
Kontakion der morgenländischen Leiturgia zum Gedächtnis des hl. Bischofs Nikolaus
Bild: St. Nikolaus von Myra - Tympanon am Portal des südlichen Querschiffs, Münster St. Martin, Colmar.

Montag, 5. Dezember 2016

Advent fünf - Jetzt ist es Zeit

Es gibt auch eine Frömmigkeit, die Schlaf ist, gefährlicher Schlaf, denn sie hat ein gutes Gewissen. -
Es ist Zeit, sagt Gottes Wort, vom Schlafe aufzustehen! Noch ist Advent - wahrlich nicht kraft unserer glühenden Erwartung! Aber Er, der kommen will, gibt es nicht auf, Er ist wach, Er ist jetzt schon unser Heil und unser Helfer.
Und darum ist noch Zeit (gibt es eine frohere Botschaft?), noch immer Zeit, vom Schlafe aufzustehen -- aber:
Jetzt ist es Zeit.
Alfred Kardinal Bengsch: In Erwartung der Wiederkunft. Berlin 1966. S. 15.

Sonntag, 4. Dezember 2016

Advent vier - In den Garten geworfen

Christus ist der König, weil er ist die Quelle aller Herrschaft! Christus ist das Reich, weil in ihm besteht die ganze Herrlichkeit des Reiches! Christus ist der Mensch, weil die ganze Menschheit erneuert wird in Christo!
Christus ist das Senfkörnlein, an dem die ganze Größe Gottes so klein erscheint in der ganzen Kleinheit des Menschen ... Er warf es in seinen Garten, das heißt in die Ekklesia, seine Braut ... Tief eingelegt wurde es in die Patriarchen, in den Propheten ging es auf, empor trieb es in den Aposteln, zu einem großen Baume wurde es in der Ekklesia, durch seine Gnadengeschenke trieb es viele Zweige.
Der hl. Petrus Chrysologos in einer Predigt über das Gleichnis vom Senfkorn (Lk 13, 18 f.) - Sermo 98

Samstag, 3. Dezember 2016

Tagessplitter

Eine Unterredung kam mir heute in den Sinn, die bereits eine Weile zurückliegt. Sie nahm ihren Ausgang von meiner Klage über die zuweilen höchst zurückhaltende Beteiligung der Gläubigen am gregorianischen Choral. Nun meinte mein Gesprächspartner, die Raumsituation in der Antoniuskirche sei nun einmal problematisch: die (zahlenmäßig überschaubare) Gemeinde verliere sich in diesem nach allen Seiten sehr großen und weiten Raum. Man müsste eigentlich, so die Quintessenz, eine "kleinere" Kirche haben; dies würde die zur Eucharistia versammelte Herde besser zusammenführen, was gewiß auch positive Auswirkungen auf den Gesang nach sich ziehen könnte.

Ich lasse die Tatsache hier beiseite, daß die "verstreute" Gemeinde durchaus kräftig una voce zu singen vermag, wenn nur das Programm "stimmt", wobei die Stimmigkeit allein auf die Beliebtheit bestimmter (und im Grundsatz vertrauter) Gesänge gemünzt ist. Rein praktisch und zweckmäßig gesehen läßt sich gegen das Argument kaum etwas ausrichten. Recht schmecken wollte es mir aber damals trotzdem nicht. Mich irritiert der Ansatz, und das aus mehrfachem Grund.

So steht etwa der Rückzug ins Kleine(re) konträr zur Sendung des Kyrios, zu Auftrag und Sendung - es geht um Ausbreitung und nicht darum, sich der aktuellen Lage im wahrsten Sinn des Wortes "anzubequemen". Die vielen Plätze, die unbesetzt bleiben, der irgendwie etwas "leer" wirkende Raum ... all das kann und soll uns ein Stachel im Fleisch sein. Vielleicht erinnern wir uns an den Abschluss des Gleichnisses vom großen Gastmahl, den Lukas uns überliefert:
"Schnell, geh hinaus auf die Straßen und Gassen der Stadt und führ die Armen und Krüppel und die Blinden und Lahmen hier herein. Dann sprach der Knecht: Herr, es ist geschehen, was du angeordnet hast - aber noch ist Platz. Und der Herr sprach zu seinem Knecht: Geh hinaus, die Wege und Zäune entlang, und nötige hereinzukommen, damit mein Haus gesteckt voll werde. So sage ich euch denn: Keiner von jenen Männern, die geladen waren, wird mein Mahl kosten" (Lk 14, 21-24).
Und weiter: Ist dieser Raum, diese Antoniuskirche - wir reden hier über das Haus Gottes - überhaupt "leer"? Gewiß nicht: die Herrlichkeit des Kyrios erfüllt die Höhen, die Tiefen und die Weiten. Das uns in diesem Aion fast jeglicher sensus fehlt, diese Herrlichkeit wahrzunehmen, steht auf einem anderen Blatt. Doch meistens vergegenwärtigen wir uns die Gegenwart des Höchsten auch nicht hinreichend in Geist und Gemüt. 

Jedenfalls gilt: Es gibt zweifelsohne die Versuchung, es sich in der Reduktion gemütlich oder sich zumindest das Vordergründige gefügig zu machen ... Aber! Es gibt kein zu "großes" Kirchengebäude, zumal alles Menschenwerk hinter dem darin geborgenen Allerheiligsten immer zurückbleibt. Eine Kirche kann überhaupt nicht groß genug sein! Nicht umsonst investierten die Altvorderen nach Möglichkeit stets weit mehr, als praktisch oder zweckmäßig notwendig gewesen wäre, in ihre Gotteshäuser. Wir müssen uns nicht künstlich verkleinern, sondern Sorge tragen, daß Gottes Haus, die Wohnung seiner Herrlichkeit, "gesteckt voll wird".

Zugegeben: Das ist ein höchst anspruchsvolles Programm, das wir ohne den Herrn des Hauses nicht bewältigen können. Ebensowenig werden wir aber etwas erreichen, wenn wir einfach alles so laufen lassen, wie es halt läuft (oder auch nicht). Jedenfalls konnte einst Paulus von Abraham sagen:
Bar der Hoffnung hat er doch voll Hoffnung geglaubt, daß er zum Vater vieler Völker werde (Röm 4, 18).

Advent drei - Die geschändete Braut

Weil der Bräutigam auf sich warten ließ, so sagt es die Schrift im Bilde, wurden jene zehn Jungfrauen müde (die törichten und die klugen) und schliefen ein ... Der schlafende Christ hat keinen Advent, darum ist er harmlos für die Welt. Sie spart sich den Ärger der Verfolgung. Sie braucht ihn nicht mehr ernst zu nehmen, er gehört schon zu ihr. Sie braucht nur noch ein paar Schlafmittel, und die sind billig. Man gibt ihm ein bißchen Macht, ein bißchen Anerkennung, meistens tut es auch schon das Geld oder der Genuß.
Und es ist ein erlesener Triumph, wenn die Bekenner des Reiches Gottes dies gierig aus der Hand fressen.
Denn eine verfolgte, eine arme und blutende Kirche hat immer noch etwas Großes, die Würde des Unbeugbaren. Aber eine satte, müde und reiche Christenheit, eine weltangepaßte und schlafende, ist degradiert. Sie ist eine Organisation unter anderen geworden. Selbst wenn sie der größte Machtfaktor der Erde wäre - was wäre sie anders als eine geschändete Braut?
Alfred Kardinal Bengsch: In Erwartung der Wiederkunft. Berlin 1966. S. 11.

Freitag, 2. Dezember 2016

Advent zwei - Mit fordernden Augen

Denn der Christ ist kein Weltverneiner. Er wird es nie wagen, die Schöpfung Gottes zu schmähen, er betet Ihn ja an als den Schöpfer der Welt.
Er entflieht auch nicht seinem Weltauftrag, denn sein Ideal ist keineswegs die tatenlose Sehnsucht.
Aber das Bild von der Wiederkunft sagt ihm: Diese Welt, so wie sie jetzt ist, einschließlich all ihrer Herrlichkeit, ist noch nicht deine ewige Wohnung. Es ist noch die unerlöste Welt, genauer: die noch nicht endgültig erlöste Welt. Es ist noch nicht der neue Himmel und (was nicht vergessen werden darf) die neue Erde, die Gott verheißen hat.
Und diese Erwartung ist ein Protest gegen die Gestalt dieser Welt. Der Christ blickt sie gleichsam mit fordernden Augen an.
Alfred Kardinal Bengsch: In Erwartung der Wiederkunft. Berlin 1966. S. 11 f.

Donnerstag, 1. Dezember 2016

Advent eins - Erwartung und Bereitschaft

"Erheben" ist ein Schlüsselwort, ein Grundmotiv in der Liturgie des ersten Adventsonntags. Gleich im Eingangslied heißt es: "Zu Dir erheb' ich meine Seele, mein Gott ..." Und wieder im Evangelium, nach den Schreckensbildern vom Weltende: "Erhebet eure Häupter, denn sehet, eure Erlösung naht!" Noch einmal, aber in anderem Sinne, treffen wir das Bild in der Lesung: "Es ist Zeit, vom Schlafe aufzustehen".
Das erhobene Antlitz als Sinnbild der vertrauenden und zuversichtlichen Erwartung und das Sicherheben vom Schlaf als Bild der Bereitschaft, so zeichnet die Kirche den Menschen, der dem kommenden Herrn entgegen geht; denn das erste Christusbild des Advents ist für sie ja der Kommende am Ende der Zeiten ...
Alfred Kardinal Bengsch: In Erwartung der Wiederkunft. Berlin 1966. S. 11.

Sonntag, 27. November 2016

Erster Adventssonntag - Verheißung

.
Erst wenn der Menschen Stirnen wieder rein
Das Leuchten einer höhern Welt empfangen,
Und ihre Augen, die von Nacht verhangen,
Sich füllen mit der Seele Widerschein;
Wenn Herzen, müde eigner Pein,
Nach allen Schmerzen dieser Welt verlangen:
Dann wird der Friede kommen in das Bangen
Und dieser Zeit ersehntes Ende sein.
Die Liebe nur, die sich verzehrt um Gnade
Für ihrer Feinde Seelen, wird das Kommen
Der andern Zeit, der heiligen, bereiten;
Wenn Herzen brennen an dem Pfade,
Wo lange schon geduldig stehn die Frommen,
Wird segensmächtig ihn der Herr beschreiten.
Reinhold Schneider
Einen gesegneten Pfad durch den Advent!

Montag, 7. November 2016

Adventskalender der Blogozese - wer schreibt in diesem Jahr mit?

In den vergangenen beiden Jahren ist es der Blogozese gelungen, einen Adventskalender auf die Beine zu stellen - ein, wie ich finde, schöner Gedanke, um Leser (und durch das Schreiben nicht zuletzt sich selbst) auf die Heilige Nacht vorzubereiten und Blogbesucher mit ganz unterschiedlichen Sichtweisen auf den bald anstehenden adventlichen Weg zu überraschen.

Es wäre schön, wenn wir auch in diesem Jahr wieder einen Adventskalender auf die Beine stellten. Heike von Weihrausch und Gnadenvergiftung hat sich der Sache organisatorisch angenommen - alle notwendigen Informationen und die Möglichkeit, sich verbindlich für einen Tag in ein Doodle einzutragen, sind auf der Seite von Heike hier zu finden: Ecce, completa sint omnia!

Bild: Posaunenengel vom Engelspfeiler des Straßburger Münsters. Und zu alledem einige Verse von Rudolf Alexander Schröder:

... Du weißt, dein König kommt;
so eil auf allen Wegen
ihm recht mit Fleiß entgegen,
dann tust du, was dir frommt.
Gib ihm dein Haus zur Wohne;
und wär's ein schlechter Stall,
er wird durch ihn zum Throne,
glänzt wie des Himmels Saal.
Er wird durchaus erneun
dein Herz samt seinen Mängeln:
Dann darfst du mit den Engeln
dich seiner Weihnacht freun.

Mittwoch, 2. November 2016

Ein Schwert in unserer Seele

Maria als Fürbitterin für die Seelen im Fegfeuer - Deckengemälde in der Wallfahrtkirche Maria Namen, Melchtal
Was könnte Unsere Liebe Frau mit den armen Seelen im Fegfeuer besonders verbinden? Keine Frage, daß der "Mutter der Barmherzigkeit" das Los ihrer Kinder nicht gleichgültig sein kann; aber finden wir im Leben Mariens einen Anhaltspunkt, der sie in eine besondere Beziehung zu den zwar geretteten, aber noch nicht der Anschauung Gottes fähigen Seelen setzen könnte? Mir fällt die Prophezeiung des alten Simeon ein: Maria werde "ein Schwert durch die Seele dringen, auf daß die Gedanken vieler Herzen offenbar" würden (Lk 2, 35).

Schauen wir zunächst auf die Armen Seelen: Im persönlichen Gericht unter die Wahrheit gestellt, wird diese Wahrheit mit all der Hässlichkeit, die sich ein Leben lang auch angesammelt hat, für die Seele des Sünders zum Schwert - ein Schwert, das die Seele durchdringt. Wir können übrigens einen gewissen Teil dieses Schmerzes aus unserem Lebenskreis ein wenig, glaube ich, nachvollziehen: Es ist zum Beispiel das Gefühl, etwas nicht mehr gut machen zu können - etwa, wenn wir an das Grab eines Menschen treten und ein ungelöstes Unrecht im Raum steht oder wir uns bewusst werden, wie oft wir lieblos waren oder undankbar. Nun bleibt nur der Schmerz und die Reue, um die offene Wunde zu heilen - ein Schwert in unserer Seele.

Nun war das in ihre heilige Seele gestoßene Schwert, welches der alte Simeon Unserer Lieben Frau weissagte, von anderer Art: Es bohrte der Gottesmutter nicht die unangenehme Wahrheit eines so oft nicht gelingenden Lebens in die Seele - zumindest nicht im Blick auf das Leben derer, die wir als die Allheilige ehren. Die Schmerzen Mariens sind die Reaktion einer Mutter, die im Rahmen der Erlösungswerkes den Schmerz um ihren Sohn empfindet - dessen Schmerzen wiederum von unseren Sünden rühren: auch das eine Art "Offenbarung" der Gedanken vieler Herzen. Vielleicht läßt sich daher sagen: Im Schwert, das die Seele der Jungfrau durchdringt, fühlt Maria auch jene Schmerzen mit, unter denen sich die Seelen in der Läuterung krümmen. Unsere so oft verhärteten Herzen härteten hierbei die Klinge jenes Schwertes im Herzen Mariens, unsere Schuld fühlte die Jungfrau an der Seite ihres Sohnes am eigenen Leib mit.

So ist sie den Seelen im Fegfeuer besonders nahe - zumal diese Seelen auch als Zeichen aufstrahlen, daß all diese Schmerzen nicht vergebens erlitten worden sind: die Erlösung ist ihnen gewiß. Daß sie ihnen bald zuteil werde, dazu helfe Ihnen Unsere Liebe Frau durch Ihre Fürsprache ... ora pro nobis!

Bild: Unsere Liebe Frau als Fürsprecherin für die armen Seelen - Deckengemälde in der Wallfahrtskirche Maria Namen zu Melchtal / OW.

Dienstag, 1. November 2016

Die wir Irdische nicht reden und raunen können

Gemeinschaft der Heiligen - Allerheiligen - Communio Sanctorum - Klosterkirche Muri, Kuppel
Betrachte ich die Situation der Kirche in diesen Tagen, so möchte ich manchmal an ihr verzweifeln - vor allem das ebenso widersprüchliche, aber in Tendenz und Intention absehbare Geschwätz des amtierenden Papstes, der seine Machtpolitik mit billigen Demutsgesten ummäntelt und wie keiner seiner Vorgänger jüngerer Zeit einen geistigen Nepotismus betreibt, droht den Glauben und die Freude daran zu zerknirschen. Gewiß: Unruhe, die rechte Unruhe, tut dem dem Glauben gut. Wir kennen alle Augustinus' Wort vom ruhelosen Herzen ... ruhelos auf Gott hin! Ein Glaube, der am warmen Ofen die Glieder streckt und schnarcht, nie angefochten ist und keine Fragen stellt an Gott und an sich selbst, scheint mir eine eher scheintote Sache. Petrus aber, auch das steht außer Frage, soll den Glauben der Brüder stärken (Lk 22, 32).

Dem Zweifel (gleich nun, welchen Herkommens) stellt Gott immer wieder Taten, Zeichen und Bilder entgegen, die mich aufatmen lassen - dazu zählt das heutige Fest Allerheiligen. Es erinnert mich daran, daß die Kirche mehr ist als nur der ... sagen wir: römische Außenposten unserer Zeit, oder in den Worten des Katechismus: daß die Kirche mehr ist als die Ecclesia militans, jene streitende Kirche in diesem Aion, welche es in der Unzulänglichkeit ihrer Hirten und ihrer Herde zuweilen auch fertig bringt, sich selbst zu "bestreiten".
Kirche - das ist ebenso die Kirche der Verherrlichung (Ecclesia triumphans) und die Kirche, deren (gar nicht so "arme") Seelen Gott läutert; morgen werden wir ihrer am Allerseelentag gedenken (Ecclesia patiens).

Also strahlt über aller Erbärmlichkeit unserer Tage, der eigenen und jener der anderen, die Ekklesia auf als Communio Sanctorum, leuchtet in der Gemeinschaft der Heiligen, die das Beste verbürgt und in die das Beste eingebürgert ist, das die Gnade in den Menschen hervorgebracht hat und auch künftig hervorbringen wird:
Die Kirche ist der große Tempel,
den der Logos, des Weltalls erhabener Schöpfer,
über den ganzen Erdkreis hin unter der Sonne aufgebaut hat.
Gestaltet aber hat er sie so,
daß sie werde ein geistiges Abbild hienieden jener Geheimnisse,
die jenseits der himmlischen Gewölbe ruhen.
In ihr sollte angebetet und verehrt werden sein Vater
durch alle Geschöpfe und jegliches Wesen, das Geist hat.
Wo aber ist der Sterbliche,
der würdige Hymnen sänge von jenem Land über den Himmeln?
Von den Urbildern irdischer Dinge, die dort ruhen?
Von dem Jerusalem, das droben ist,
von Sion, dem himmlischen Berg,
von der überirdischen Stadt des lebendigen Gottes?
Myriaden von Engeln lobsingen dort oben,
und die Kirche der Erstgeborenen,
die im Himmel geschrieben sind,
jubelt dem Schöpfer der Engel und Menschen,
dem Herrscher des Alls
in Theologien, die wir Irdische nicht reden und raunen können ...
Und doch haben auch wir hienieden stückweise
Teilhabe an diesen Mysterien.
... Drum denkt dieser Gnaden jetzt und in künftigen Tagen,
laßt es allezeit in euch wie lebendiges Feuer auflodern!
Bei Tag und bei Nacht, ja bei jedem Atemzug behaltet Gott im Herzen,
den Spender und Chorführer dieses freudigen, glanzvollen Festes!
Ihn allein habet lieb, ihn allein betet an mit der ganzen Gewalt der Seele.
Und nun steht auf zum Gebet, ruft es laut mit der Stimme des Herzens:
"Hüte und hege uns allzeit in der Hürde der Kirche,
gib uns als göttlichen Preis des irdischen Kämpfens
Frieden in Jesus Christus dem Herrn und Erlöser,
Frieden, der nimmer zerreißt oder wankt oder endet.
Dir sei durch ihn die Ehre für ewige Zeiten". Amen.
(Eusebius von Cäsarea)
Die Worte des Eusebius stammen aus der Weihepredigt für die von Kaiser Konstantin errichtete Basilika zu Tyrus (Kirchengeschichte X, 4); entnommen aus: Hugo Rahner SJ: Mater Ecclesia. Lobpreis der Kirche aus dem ersten Jahrtausend christlicher Literatur. Einsiedeln / Köln 1944, S. 20 f. Bild: Die Gemeinschaft der Heiligen - Kuppelfresko von Francesco Antonio Giorgioli in der Klosterkirche Muri / AG.

Sonntag, 30. Oktober 2016

Er muß König sein!

Christus als König: Am Ende der Zeit und in der Menschwerdung - Colmar, Collégiale Saint-Martin, Hauptportal
... Im übrigen würde einem schändlichen Irrtum verfallen,
wer dem Menschen Christus die Herrschaft
über die staatliche Ordnung absprechen würde ...
... schrieb Papst Pius XI. 1925 in seinem Rundschreiben Quas primas zur Einsetzung des Christkönigsfestes, das gemäß den Vorgaben des Papstes im klassischen römischen Ritus am heutigen letzten Sonntag im Oktober gefeiert wird. Die Liturgiereform verschob es auf den letzten Sonntag des Kirchenjahres und verengte den Festgedanken auf die Erwartung der zweiten Ankunft des Kyrios Christus am Ende der Zeit, und dies mit Konsequenz und mit Methode: Vor allem im Stundengebet wird nunmehr deutlich, daß man bei der Neuordnung eifrig bestrebt war, jeden Hinweis auf die Herrschaft Christi über alle staatliche Gewalt, über Recht und Gesetz, über Wissenschaft und Kunst zu tilgen. Die Welt ist davon keineswegs besser geworden, die "Kirchenpolitik" allerdings "geschmeidiger" (um das hier halbwegs neutral zu formulieren).

Aber hörten wir gerade heute nicht im Euangelion, daß das Reich Christi eben "nicht von dieser Welt", sein "Königtum" keineswegs "von hier" sei (Joh 18, 36)? Zuweilen wird das Herrenwort bemüht, um einen grundlegenden, letztlich nicht zu überbrückenden Unterschied zwischen dem Reich Gottes einerseits und weltlichen Herrschaftsstrukturen andererseits zu betonen. Falsch ist das nicht, aber nur die halbe Wahrheit: Denn nirgends ist gesagt, daß sich dieses von ganz anderswo her entfaltende Königtum Christi nicht auf Geschichte und Zeit auswirken solle. Gerade weil das Reich Christi nicht von dieser Welt ist, kann es zum Korrektiv der Reiche dieser Welt werden. Dabei gilt aber auch: Menschen müssen stets auf der Hut sein, eigenes Machtstreben oder - solch Ärgernis droht immer wieder - den Missbrauch von Macht mit dem Christkönigsidee zu dekorieren oder gar zu legitimieren.

Man darf sich keinen Illusionen hingeben: Immer wird menschliche Niedertracht eine volle Entfaltung des Reiches Christi in der Zeit zu verhindern wissen. Aber das ist kein Grund, vom Ideal zu lassen. In seiner vollkommenen Form kann es tatsächlich nur aus dem Ende aufstrahlen, aus der Verwandlung und Heilung der Schöpfung im Gericht - dies enthebt uns jedoch nicht der Aufgabe, Christus und seinem Reich, soweit wir dazu in der Lage sind, heute den Weg zu bereiten: Oportet illum regnare - Er muß König sein (1 Kor 15, 25).

Bild: Tympanon über dem Hauptportal des Martinsmünsters zu Colmar. Es zeigt Christus als König in zweifacher Weise: Am Ende der Zeit als Kyrios und Richter, in der Zeit als menschgewordener Gott, dem die Weisen huldigen.

Sonntag, 9. Oktober 2016

Wallfahrtsmesse der Petrusbruderschaft in Einsiedeln

Einige Eindrücke von der Wallfahrt mit der Priesterbruderschaft St. Petrus zu Unserer Lieben Frau von Einsiedeln - das abschließende Hochamt feierte Bischof Vitus Huonder von Chur. Als Organist hat man einen Logenplatz (von dem aus allerdings weite Teile der heiligen Leiturgia nur über einen Bildschirm zu sehen sind - doch sofern man vom Orgelbock runterrutscht, bieten sich einige schöne Momentaufnahmen dar):

Einsiedeln - Bogen über dem Chorportal
Einsiedeln - Marienorgel
Einsiedeln - Predigt Bischof Vitus Huonder
Einsiedeln - Pilgeramt Pertrusbruderschaft 2016
Einsiedeln - Pilgeramt Pertrusbruderschaft 2016
Einsiedeln - Pilgeramt Pertrusbruderschaft 2016
Einsiedeln - Hochaltar
Einsiedeln - Hochaltar

Mittwoch, 5. Oktober 2016

Tagessplitter

Die ganze Nouvelle Théologie mit ihrer Hinwendung zur Heiligen Schrift und dem Erbe der Kirchenväter, die gemeinhin zu jenen Bewegungen gezählt wird, die das Zweite Vatikanische Konzil geistig vorbereitet haben, ist aufgrund ihrer unleugbar tiefen Spiritualität heute bei uns "Traditionösen" weit besser aufgehoben ... als bei den ziemlich desinteressierten Erben des (flatterhaften) Konzilsgeistes: fast ein Treppenwitz!

Dienstag, 4. Oktober 2016

Guide me, O thou great Redeemer

Vor einigen Tagen kam eine Anfrage einer evangelischen Freikirche herein, die auf dem alten blog meine deutsche Nachdichtung der englischen Kirchenhymne Guide me, o thou great Redeemer aufgetan hatte und diese wohl nachsingen will. Da ich diese Fassung selbst nicht mehr recht auf dem Schirm hatte, werde ich sie hier einfach "wiederverwerten" - zumal ich das Lied nach wie vor ungemein schätze ...
1. Guide me, O thou great Redeemer,
pilgrim though this barren land;
I am weak, but thou art mighty;
hold me with thy powerful hand;
Bread of heaven, Bread of heaven,
feed me now and evermore,
feed me now and evermore.
Führe, lenke, großer Erlöser,
meinen Schritt durch Wüstenland.
Bin ich schwach, bist Du doch mächtig,
leite mich mit starker Hand.
Brot vom Himmel, Brot vom Himmel,
stärk’ mich jetzt und allezeit,
Stärk’ mich jetzt und allezeit!
2. Open now the crystal fountain,
whence the healing stream doth flow;
let the fiery cloudy pillar
lead me all my journey through;
strong Deliverer, strong Deliverer,
be thou still my Strength and Shield,
be thou still my Strength and Shield.
Lass’ aus Fels und Stein die Quelle
sprudeln, die mir Heilung bringt.
Scheine mir als Feuersäule,
dass mein Mut empor sich schwingt.
Treuer Hüter, treuer Hüter,
sei Du Stärke mir und Schild.
Sei Du Stärke mir und Schild!
3. When I tread the verge of Jordan,
bid my anxious fears subside;
bear me through the swelling current,
land me safe on Canaan's side;
songs of praises, songs of praises,
I will ever give to thee,
I will ever give to thee.
Tret’ ich einst an Jordans Gestade,
nimm all’ Angst, all’ Furcht von mir.
Mag der Tod, selbst Teufel toben,
Deinem Sieg vertrau’ ich hier.
Licht vom Lichte, Licht vom Lichte,
brich mir an in neuem Tag!
Brich mir an in neuem Tag!
Lass’ mich schaun’ in heil’gem Strahlen
ewig Dein Jerusalem.
Hebe Deinem Volk die Tore,
dass sie weit und offen stehn.
Preis und Ehre, Preis und Ehre,
steig’ empor zu Deinem Thron,
steig’ empor zu Deinem Thron.
Wie man unschwer merkt, wurden die letzten Verse ein wenig "ausgebaut" und auf zwei Strophen verteilt - man hat dann einfach etwas noch mehr zu singen, was in diesem Fall eine Freude ist, wie man dem Original hier ablauschen kann.

Montag, 3. Oktober 2016

Kind sein ...

Unsere Liebe Frau und die hl. Theresia von Lisieux - Église Saint-Pierre-le-Vieux, Straßburg
... Je ne crains plus l’éclat de ta gloire suprême
Avec toi j’ai souffert et je veux maintenant
Chanter sur tes genoux, Marie, pourquoi je t’aime
Et redire à jamais que je suis ton enfant!
... Nicht fürchte ich, Maria, deiner Glorie Schimmer,
Dein Leid war auch mein Teil. Zu deinen Füßen, Königin,
Will ich von meines Herzens Liebe singen immer,
Um ewig dir zu sagen, daß dein Kind ich bin
(hl. Theresia von Lisieux).
Bild: Unsere Liebe Frau und die hl. Theresia von Lisieux; Église Saint-Pierre-le-Vieux, Straßburg.

Donnerstag, 29. September 2016

Wann wird ein Engel kühn durch Wolken dringen?

Erzengel Michael - Straßburg, St. Pierre Vieux
DER ENGEL・ADVENT
Wann wird ein Engel kühn durch Wolken dringen,
Die auf die Erde todesträchtig hangen,
Und wird den Dämon, dessen Frist vergangen,
Vor dem gestürzten Throne niederzwingen?
Denn nur ein Engel wird das Reich erringen,
Den Abgrund schließen und das Recht erlangen.
Er wird die neue Herrlichkeit empfangen
Und sie bewachen mit erglühten Schwingen.
Wann sind die Herzen rein? Wann wird das Feuer,
In dem das Kreuz des Siegers strahlend steht,
Die Gier verbrennen, die verwirkte Macht?
Der Himmel wogt und neigt sich ungeheuer,
Ob sich ein Volk verwandle im Gebet
Und ihm zum Zeichen werde in der Nacht.
Reinhold Schneider
"Der Himmel wogt und neigt sich ungeheuer" ... als stockte dem Leser bei diesen Zeilen nicht bereits der Atem, bricht das Bild zu weiterer Steigerung auf: Im Wogen und Neigen wartet der Himmel zu, ob "sich ein Volk verwandle im Gebet" und so "zum Zeichen werde in der Nacht" - wohlgemerkt: nicht der Himmel ist das Zeichen, sondern das Volk: das im Gebet verwandelte Volk.

Und doch gilt: Nur "ein Engel wird das Reich erringen", wird "den Abgrund schließen", wird "die neue Herrlichkeit empfangen", wird also den Morgen des Gottesreiches heraufziehen sehen ... und wird dieses Gottesreich bewachen mit "erglühten Schwingen" - und das Glühen, das legen Schneiders Verse nahe, wird von jenem "Feuer" rühren, "in dem das Kreuz des Siegers strahlend steht" - das Triumphzeichen des zum Kyrios erhobenen Christus. Es ist das Feuer, welches aus der Erde zum Himmel durch das Holz dieses Kreuzes empor loht, und das bereits, wie uns der hl. Klemens von Alexandreia nahelegt, im brennenden Dornbusch und in der Feuersäule des Alten Bundes vorgebildet war.

Es ist das Feuer, das die Herzen durchglüht, damit sie rein würden. Doch kann dies nur geschehen im Volk, das, durch das Gebet verwandelt, dem Himmel zum Zeichen wird: zum Zeichen der Bereitschaft für Gottes Königtum, sein Recht, seine Gerechtigkeit. Der Kampf des Engels findet nicht sein Ziel, wenn wir in uns selbst - mit dem Engel an unserer Seite - das Böse nicht nach Kräften niederringen. Das Reich Gottes wird nicht errungen. solange wir dem Bösen in uns Raum geben und solange wir leichtfertig den Abgrund offen stehen lassen, aus dem das Böse in uns und durch uns in die Welt heraufkriechen kann.

Wann wird ein Engel, wann wird der Engel kühn durch Wolken dringen?

Sancte Michaele Archangele, defende nos in prælio - verteidige uns im Angesicht des Bösen in diesem Aion ebenso mächtig, wie im Angesicht des Bösen in den Abgründen unserer versehrten Seelen ... und laß uns zum Zeichen werden für Gottes Reich!

Reinhold Schneider: Die Sonette von Leben und Zeit, dem Glauben und der Geschichte. Köln und Olten 1954. S. 121. Bild: Der hl. Erzengel Michael. Glasfenster im Chor der Église Saint-Pierre-le-Vieux zu Straßburg.

Dienstag, 27. September 2016

Gedenkblatt

Zum 130. Geburtstag von Odo Casel OSB -
Mystagogus et Pater
 - 
Nicht die Wissenschaft und nicht die Weisheit,
nicht Sophia und Mysteriengnosis, wohl aber die Kreuzesagape
schenkt uns in Christus den vollkommenen Spiegel des Vaters
und damit das Unterpfand, daß wir schon jetzt im Glauben
den Vater schauen und einst die ewige Agape
von Angesicht zu Angesicht schauen dürfen.
Wir würden es nicht glauben,
wenn nicht Christus selbst uns Kunde davon gebracht hätte.
Da wir Spiegelbilder Gottes sind, sind wir auch dazu berufen,
Gott selbst in uns vollkommen abzuspiegeln.
Notwendig ist aber, daß unser Spiegel aus sich leer ist,
damit das wahre Bild sich uns schenke, in uns eindringe,
und daß anderseits unsere Seele nicht schon von anderen falschen Bildern,
vor allem nicht von denen des Bösen
oder des isolierten eigenen Ich, erfüllt ist.
Odo Casel OSB: Vom Spiegel als Symbol. Aus nachgelassenen Schriften zusammengestellt von Julia Platz. Maria Laach 1961. S. 43.

Montag, 26. September 2016

Vom Bruder-Klausen-Fest

Noch einige gestern im Flüeli gesammelte Eindrücke ...

Flüeli - Ranft - Wegweiser
Flüeli - Blick in den Ranft
Flüeli - Ranft - Untere Ranftkapelle
Flüeli - Ranft - Katze am Weg