Montag, 30. November 2015

Seelen bringt ihr Netz dem Nachen - zum Fest des hl. Apostels Andreas

 Der hl. Apostel Andreas - Offenburg, Kapelle St. Andreas 
Exsultemus et lætemur
Et Andreæ delectemur
Laudibus apostoli.
Huius fidem / dogma / mores
Et pro fide tot labores
Digne decet recoli.
Laßt uns jubeln, laßt uns singen,
Laßt Andreas' Lob erklingen,
Des Apostels, ruhmeswert;
Glaube, Lehre, edle Sitten,
Und was er um sie gelitten,
Sei erneuernd heut verehrt.
Hic ad lucem Petrum duxit /
Cui primum lux illuxit
Iohannis indicio;
Secus mare Galilaeæ
Petri simul et Andreæ
Sequitur electio.
Da er selbst das Licht gefunden,
Ließ ers Petrus auch erkunden,
Wie Johannes uns erzählt;
Am Gewässer Galiläas
Wurden Petrus und Andreas
So gemeinsam auserwählt.
Ambo prius piscatores
Verbi fiunt assertores
Et forma iustitiæ;
Rete laxant in capturam
Vigilemque gerunt curam
Nascentis ecclesiæ.
Sie, die Fischer dort am Ufer,
Werden Worts gewaltge Rufer,
Bilder der Gerechtigkeit;
Seelen bringt ihr Netz dem Nachen,
Da sie treu der Kirche wachen,
Die zu erstem Sein gedeiht.
Die Zeit fügt es in diesen Tagen, daß der Apostel Andreas den Reigen der Heiligenfeste dieses jungen Kirchenjahres eröffnet. Heilige sind - im Blick auf die Wiederkunft Christi das Jahr umgreifend - auch adventliche Gestalten. Gerade am Anfang des Advent lebt die leiturgía noch stark aus der Erwartung der zweiten Ankunft des Kyrios; vom Sonntag gestern klingt aus all dem die (dritte) Psalm-Antiphon der Tageshoren nach:
Ecce / Dominus veniet
et omnes Sancti eius cum eo:
et erit in die illa lux magna, alleluia.
Schaut aus! Der Herr wird kommen
und alle seine Heiligen mit ihm;
an jenem Tag wird großes Licht aufstrahlen: Alleluja!
Die Christen von Kolossä ermunterte Paulus, dem Vater zu danken, "der euch fähig gemacht hat zum Anteil am Erbe der Heiligen im Licht" (Kol 1, 12). Aus diesem Licht treten sie uns an der Seite des Kyrios entgegen.
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Und sie wollen uns einholen in dieses Licht - sie weisen uns auf den Kommenden hin und stehen uns ebenso zur Seite, wenn wir dem Kyrios entgegen gehen. Gerade bei den Aposteln als den ersten Boten der Erlösung wird das deutlich: "Seelen bringt ihr Netz", so dichtete Adam von Sankt Viktor in seiner Sequenz auf das Fest des hl. Apostels Andreas, "dem Nachen", der Kirche. Jeder von uns soll - auf seine Weise, in seinem Rahmen, in seinen Möglichkeiten - dieses Werk fortsetzen, soll (wie Andreas seinen Bruder Petrus) seine Mitmenschen durch das Zeugnis seines Lebens der Kirche zuführen (wie oft verdunkeln wir diesen Zugang!), bis die Ekklesia zum Reich Gottes vollendet ist und Christus dieses Reich dem Vater übergibt. Daß wir unseren Teil dazu tun, dazu helfe uns der heilige Andreas ... ora pro nobis!
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Die ersten drei Strophen der Sequenz zum Fest des hl. Andreas sind entnommen aus: Adam von Sankt Viktor: Sämtliche Sequenzen. Lateinisch und Deutsch. Formgetreue Übertragung von Franz Wellner. München 1955. S. 300 f. Bild: Apostelstatue des hl. Andreas - Kapelle St. Andreas zu Offenburg.

Sonntag, 29. November 2015

Bild vom Tag

Meinen Adventskranz habe ich heute (je nach Standpunkt: vor oder nach der Messe) wieder in Sankt Antonius erstanden. Die Sakristanin meinte zu mir, er sei bereits bei den drei Pfarreimessen zuvor jedesmal gesegnet worden; aber so ein Kranz hat ja vier Kerzen, also habe ich ihn wieder in die Ecke mit den anderen Kränzen gerückt, die unsere Gläubigen zwischenzeitlich herbeigetragen hatten - für den vierten Segen. Jetzt liegt es wohl vor allem an mir, daß sich all die Segnungen im Alltag der kommenden Wochen auch entfalten können ...
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Samstag, 28. November 2015

Aus der Ferne sein Glanz


Ecce / nomen Domini
venit de longinquo /
et claritas eius
replet orbem terrarum.
Da! Des Kyrios Name
kommt aus der Ferne,
sein Glanz
erfüllt den Erdkreis!
(Magnificat-Antiphon zur ersten Vesper am ersten Sonntag im Advent)
Eine frohe, lichte und gesegnete Adventszeit!

Freitag, 27. November 2015

Gaudi statt Gaudete

Discomusik, Veitstänze, Pappnasen ... kurz: Narrengottesdienste aller Arten, dem Zeitgeschmack zugeschnitten, nach irgendwelchen Moden hingeschustert: Tanzen und Springen, Ringelpiez, Bohei und Oho und Applaus, Applaus, Applaus ... bis bei der Muppet-Messe auch der letzte Rest eines mysterium tremendum et fascinosum in der schalen Brühe des Zeitgeistes aufgelöst, im beat zerstampft, in Witzischkeit ersoffen worden ist: Und immer, wenn du meinst, das geht jetzt echt nicht schlimmer mehr, raunt von irgendwo ein Stimmchen her, die Kirche habe kulturelle Zeitphänomene stets und immer und früher auch schon in die leiturgía einfließen lassen. Vor Tagen lief ich auf Fratzbuch so einem Fall und Filmchen über den Weg: Ich kann es nicht mehr hören, mag es noch sehen oder riechen und schmecken!
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Ja, es stimmt: Die Kirche hat - vor allem, nachdem sie dem Untergrund der ersten Jahrhunderte entwachsen war - äußere kulturelle Phänomene aufgegriffen und in ihr opus Dei integriert. Über Jahrhunderte wuchs sie überdies - teils aus sich selbst, teils aus fruchttragendem Austausch mit "profaner" Kultur - zu einer starken, ja: originär kulturstiftenden Kraft heran. Hierbei wird aber auch deutlich: Das Streben, die gloria Dei zu steigern, begnügte sich nicht mit einer unverwandelter Übernahme, sondern suchte zugleich die Veredelung, die Über-Steigerung, das plus ultra zu den äußeren Kulturkräften.
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Und sie wahrte dabei das Heilige! Was zum Beispiel so weit ging, daß die Väter des Konzils von Trient ernsthaft erwogen, für die leiturgía nur noch den gregorianischen Choral zu gestatten. Oder was dazu führte, daß der hl. Pius X. den Gebrauch der damals in Italien hoch populären, aber ebenso hoch weltlichen Opernmelodien in den Kirchen verbot.
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Wem das nicht reicht, der höre sich an, wie im späten Mittelalter der flämische Komponist Guillaume Dufay auf der Grundlage des Gassenhauer L’homme armé die gleichnamige Messe komponierte. Plus ultra! Danach kann man sein Ohr ja wieder dem senfseichten Popgelulle unserer Tage (samt dazu herumhampelnder Klerisei) zuwenden und sich dran freuen wie ein Hampelmann. Gaudi statt Gaudete - viel Spaß!

Donnerstag, 26. November 2015

Typisch deutsch(e Kirchensprache)

Wir haben auf pastorale Weise das Leid des Betroffenen anerkannt und ihm deshalb 10.000 Euro zukommen lassen.
Mal ganz abseits des vertrackten  - und, sollte sich der Verdacht erhärten, sehr beschämenden - Bezugsrahmens dieser bischöflichen Aussage: Der Satz ist extrem typisch für die katholische Apparatschik-Kirche in Deutschland. Daß er in besagtem Kontext gefallen ist, macht ihn auch nicht besser.
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 Quelle: Meine 10.000 mal fettgeliebte Kirchenseite (hier).

Mittwoch, 25. November 2015

Tagessplitter

Jesus habe, so hört man es seit DasKonzil zuweilen auch von katholischen Theologen, die Menschen aus der Enge einer kultorientierten Religiosität befreit. Was allerdings nicht recht erklärt, warum er aus dem Tempel, dem "Haus seines Vaters", das er sich zugleich als ein "Haus des Gebetes" vorstellt, zwar Händler und Geldwechsler jagt, nicht aber die Priester.

Dienstag, 24. November 2015

Sententiæ CIV

Du warst mir Führer, Nacht.
Nacht, süßer als der Morgen,
hast Herz zu Herz gebracht,
hast uns in Lieb' geborgen:
mich im Geliebten, Ihn in mir verborgen. 
hl. Johannes vom Kreuz

Sonntag, 22. November 2015

Bild zum Tag

Unzweifelhaft zählt es zu den Glücksmomenten des improvisierenden Tradi-Organisten, wenn das Kirchenvolk dann auch mal nachvollzieht, was musikalisch gesagt (oder sagen wir ruhig: "verkündigt") werden soll. Ziemlich offenkundig hat heute jeder das Eingangsspiel vor dem Asperges als Gerichtsphantasie gehört (die spontane Idee mit den Klangblitzen aus Cornett, Mixturen und Bombarde 16' im Hauptwerk über der brodelnden Restorgel hatte wohl was). Die hernach befürchteten Proteste ob solch ungewöhnlich' Neugetön blieben aus - es gab sogar positive Reaktionen. 
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Ein Dank nicht zuletzt an jene Heilige, deren Fest zwar heute hinter dem Sonntag abtauchte, die aber für dieses Thema besonders zuständig und hier in einem Kirchenfenster der Église Saint-Étienne zu Mulhouse zu sehen ist: Sancta Cæcilia - ora pro nobis!
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Hl. Cäcilia - Église Saint-Étienne zu Mulhouse

Letzter Sonntag nach Pfingsten - Komm, Herr Jesus, komm zur Erde!

 Christus als Richter - Buchenbach, Pfarrkirche St. Blasius 
Komm, Herr Jesus, komm zur Erde
und erfülle dein Gericht,
daß die Zeit beendet werde
und die Ewigkeit anbricht;
sprich dein Urteil voll Erbarmen,
richte in Barmherzigkeit,
rette uns mit starken Armen
in die lichte Ewigkeit!
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Komm, Herr Jesus, komm zur Erde
und erlöse uns vom Tod,
daß dies Leben ewig werde
und befreit von jeder Not;
nimm uns all in deine Hände,
unser Leben bist nur du,
du bist unser Trost am Ende,
führe uns dem Himmel zu!
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Komm, Herr Jesus, komm zur Erde,
stoß das Böse aus der Welt,
daß die Liebe sichtbar werde,
die uns schuf und uns erhält;
laß das Irdische vergehen
vor dem Glanz der Ewigkeit,
laß die neue Welt erstehen,
göttlich und voll Herrlichkeit.
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(Thomas Klausner).
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 Gedicht ist entnommen aus: Johannes Cramer (Hg.): Das Jahr des Heils im deutschen Gedicht. Leipzig 1955. S. 232. Im Bild: Deësis - Christus als Richter zwischen Maria und Johannes dem Täufer als Fürbittern. Fresko über dem Chorportal in der Kirche St. Blasius zu Buchenbach.

Samstag, 21. November 2015

Tagessplitter

Wenn auf der Rückseite ein Verweis auf "ISO 9001:2000" klebt, der wohl auf irgendein "Qualitätsmanagment" verweisen soll, dann stärkt das nicht zwingend meinen Glauben an den originären Charakter frommer Kunst. Ein nächster Aufkleber mit Stempel (nicht mehr lesbar) und Prägesiegel (nicht deutbar) lässt mich aber wissen, es handele sich um Handarbeit, die auf "die alte traditionelle Weise der byzantinischen Kunst gearbeitet" sei: "Sie ist mit Eiltempera und Gold gemalt. Der Malgrund ist altes Holz. Die Ikone" sei " ein Werk der zeitgenössischen Kunst von vorzüglicher Qualität", deren Ausfuhr gestattet sei. Schön anzusehen ist sie allemal.
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Bei rund vier Euro konnte ich den Erzengel dann auch nicht im diakonischen Trödelladen belassen. Morgen werde ich die Ikone segnen lassen und den hl. Michael bitten, er möge mit den anderen heiligen Engel in meinem Hause wohnen und uns alle in Frieden behüten: Sein Bild aber öffne mir den Blick auf das Reich des kommenden Kyrios.
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Donnerstag, 19. November 2015

Zur Höchstform auflaufen

 Die hl. Elisabeth von Thüringen - Eschbach, Pfarrkirche St. Agnes 
Mächtig sei der Zug der Gnade in der Seele der heiligen Elisabeth gewesen, so schrieb einst die heilige Teresia Benedicta a Cruce OCD - damals noch unter ihrem bürgerlichen Namen Edith Stein - in der Benediktinischen Monatsschrift im Jahr 1931.Und ...
... hell stieg die Flamme der Gottesliebe empor, alle Hüllen und Schranken durchbrechend. Da legte sich dieses Menschenkind in die Hände des göttlichen Bildners. Ihr Wille wurde ein gefügiges Werkzeug des göttlichen Willens, und von ihm geleitet konnte er daran gehen, die eigene Natur zu zähmen und zu beschneiden, der inneren Form freie Bahn zu schaffen, konnte auch eine äußere Form finden, die der inneren gemäß war, in die sie hineinwachsen konnte, ohne ihre natürliche Richtung zu verlieren.
Zuvor hatte Edith Stein einige Gedanken an Leben und Charakter der hl. Elisabeth entfaltet, die sie zu einer Überlegung über Fragen der "inneren" und der "äußeren Form" führen; diese wiederum gelten nicht nur für die Heilige, derer die Ekklesia heute gedenkt, sondern sie sind auch für unsere eigene christliche Existenz von großem Belang - wenn es darum geht, daß wir sozusagen unsere Mitte finden: jenes In-der-Welt- und doch Nicht-von-der-Welt-Sein, welches uns als Christen im rechten Spiel von Spannung und Gelassenheit Gott entgegen gehen läßt im Glauben, in der Hoffnung und in der Liebe. Im Bekenntnis zur ...
... "unverbildeten menschlichen Natur" lebt der Glaube an eine formende Kraft im Menschen, die von innen heraus wirkend, ungestört durch Druck und Zug von außen, den Menschen und sein Leben zu einem harmonischen, formvollendeten Gebilde gestaltet. Aber die Erfahrung bestätigt diesen Glauben nicht. Wohl ist die Form im Inneren verborgen, aber verstrickt in wuchernde Gewebe, die eine reine Auswirkung hemmen. Wer seine Natur sich selbst überlässt, den treibt es bald dahin, bald dorthin, er kommt nicht zu klarer Formung und Gestaltung. Und Formlosigkeit ist nicht Natürlichkeit. Wer nun die eigene Natur in Zucht nimmt, wuchernde Triebe beschneidet und ihr die Form zu geben sucht, die ihm gut dünkt, vielleicht eine Form, die er draußen fertig vorgefunden hat, der mag wohl hier und da der inneren Form Raum schaffen zu freier Auswirkung, aber es kann auch sein, dass er ihr Gewalt antut, und an Stelle der frei entfalteten Natur tritt Unnatur und Machwerk. Und so reckt sich jene innere Formkraft, die in Banden liegt, einem Licht entgegen, das sicherer leitet, und einer Kraft, die sie frei macht und ihr Raum schafft. Das ist das Licht und die Kraft der göttlichen Gnade ...
Nach dieser Gnade müssen wir Ausschau halten und um sie bitten; gerade auch, wenn wir den Eindruck haben, daß uns der Glaube - nicht zuletzt auf dem Hintergrund unserer Zeit - mehr bedrückt als frei macht, mehr verbittert als froh stimmt, mehr Wunden reißt als Wunden heilt. Mit der Fürsprache der hl. Elisabeth und mit der Stimme der Ekklesia bitten wir Gott um das Licht der Gnade - auch zur Unterscheidung dessen, was unsere innere Form hemmt und was ihr zur Entfaltung frommt, damit wir unverkrümmt und gerade am Ziel im wahrsten Sinn des Wortes "zur Höchstform" auflaufen können: 
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Tuorum corda fidelium, Deus miserator, illustra ...
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Mache hell, du erbarmender Gott, die Herzen deiner Gläubigen!
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Zitate aus: Edith Stein: Lebensgestaltung im Geist der hl. Elisabeth. Hier entnommen aus: Jakobus Kaffanke OSB / Katharina Oost (Hg.): "Wie der Vorhof des Himmels" - Edith Stein und Beuron. Beuron (2) 2009. S. 74 f. Bild: Darstellung der hl. Elisabeth in der Pfarrkirche St. Agnes zu Eschbach im Markgräflerland.

Mittwoch, 18. November 2015

Der Glotze abgelauscht

Religion ist bei Dr. House ja eine sehr ambivalente Sache. Aber gerade weil man es in diesem Rahmen wenig erwartet, kommt einem ein Schriftwort plötzlich geradezu neu an - mir ging es vorhin allemal ein wenig unter die Haut, als Dr. Chase am Bett einer sterbenskranken Ordensfrau die Bibel zitierte:
Laßt euch die Feuersglut der Leiden nicht befremden, die zur Prüfung über euch ergeht. Damit widerfährt euch nichts Seltsames. Freut euch vielmehr in dem Maße, als ihr an dem Leiden Christi teilnehmt. Dann könnt ihr euch auch bei der Offenbarung seiner Herrlichkeit freuen und frohlocken. 
Selig seid ihr, wenn ihr um des Namens Christi willen geschmäht werdet. Denn der Geist der Herrlichkeit, der Geist Gottes, ruht auf euch (1 Petr 4, 12 ff.). 

Montag, 16. November 2015

Tagessplitter

Dieser Tage habe ich mich wieder mal über Katrin Göring-Eckardt geärgert. Weniger, weil sie in Bremen vor der Synode der EKD den Segen beschworen hat, der uns in Gestalt unzähliger Flüchtlinge überkäme; angesichts ausdauernder Schönrednerei der Lage spürt man längst die Absicht der Beschwichtigungsrhetorik und ist darob zunehmend (weniger) verstimmt - all dem Geschwätz zum Trotz ahnt man freilich, dass die Integration tausender Neubürger oft so grandios gelingen dürfte wie die Integration so mancher, die schon länger eingewandert sind: Den Parolen der Politik stehen in der Vergangenheit diverse Erfahrungen und in der Gegenwart Namen wie Molenbeek gegenüber, man könnte aber auch einige deutsche Quartiere benennen ... all das ... geschenkt!
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Geärgert hat mich folgende Einlassung: "Wir kriegen jetzt plötzlich Menschen geschenkt". Der verschmuste und die Herzen mutmaßlich aufwärmen sollende Satz ist pastorales Blabla übler Sorte, derweil sich die Dame am Zauber des Gedankens wohl selbst so verzückt und besoffen hat, daß weder ihr noch sonst jemandem im Auditorium aufgefallen ist, welch zynischer Blödsinn da eigentlich verzapft wurde. 
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Unter den "geschenkten Menschen" sind schließlich auch jede Menge Kriegsopfer, die gewiß gern darauf verzichtet hätten, als "Geschenke" auf abenteuerlichen Wegen in ein fremdes Land "verschenkt" zu werden ...

Sonntag, 15. November 2015

Bilder vom Tag

Sic transit gloria fontis - vor dem Badischen Bahnhof zu Basel stehen zwei Brunnen; genauer: Was von ihnen und dem Aufgang dazwischen noch übrig ist. Die Treppe ward einer (spr)öden Straße geopfert, die Schalen hat man mit Erde befüllt und pflegeleicht bepflanzt. Allein die beiden großen Brunnenskulpturen sind noch vorhanden. Eine zeigt ein nackig' Weib, das von einem Stier geschoben wird - eine etwas handfeste Allegorie der nahen Wiese, eines Flüssleins, das aus dem bäuerlichen Wiesental bei Basel in den Rhein mündet. 
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Nun mag man bei (allegorisch) bestierten Damen (in Bahnhofsnähe) eher an jene Maid Europa denken, die von Zeus, so raunt die Mythe, quasi auf die Hörner genommen wurde, als an Feld-, Wald- oder Wiesenflüsse ... Und schaut man sich unseren Kontinent aktuell an, dann passt die Skulptur samt reichlich derangiertem Gestus recht gut in die Zeit:
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Das Motiv gibt es wahlweise auch mit verdorrtem Grünzeug vornweg ...
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Samstag, 14. November 2015

Die Geschlagenen

Statt in diesen Stunden danach um kluge oder fromme, das Unerhörte (das so unerhört nicht ist) fassende und den Schrecken mithin bannende Worte oder Wörter zu ringen ... nach den Ereignissen der vergangenen Nacht in Paris ... 
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Die Geschlagenen
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Geh' weiter nicht! Hier halt dein Herz in Händen,
Inbrünstig suche dich und werde dein!
Und brechen alle Mächte auf dich ein:
In deinem Herzen muß die Not sich wenden.
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Umschließe dich, eh' dich Verführer blenden!
Dich spricht vor dir doch keine Stimme rein.
Du bist dein Richter, und du bist's allein
Und mußt an dir den Richterspruch vollenden.
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Sieh, es ist Zeit, zu knien. Ein läuternd Feuer
Ist mehr als Untergang. In dir verbrenne
Die tiefen Wurzeln weltverzweigter Schuld!
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Der Dämon droht, die Zeit schwillt ungeheuer;
Du aber kniee, wandle dich, erkenne
Die mächtige Gnade sühnender Geduld.
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Reinhold Schneider
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Weiteres werden spätere Tage weisen: müssen, ohne Ab- und Ausreden. 
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Der dreifaltige Gott berge alle Opfer in seiner Liebe, stärke die Hinterbliebenen in deren Trauer und schenke uns allen sein Licht, aus diesem Terror dann die rechten Schlüsse zu ziehen.

Freitag, 13. November 2015

Sententiæ CIII

Ich könnte nicht an die Kirche glauben, wenn mir in ihr und durch sie nicht auch der Mensch als solcher hoffnungsvoll werden würde.
Karl Barth

Donnerstag, 12. November 2015

Sententiæ CII

Vergessen Sie nie: der Widerspruch zu einem Zeitgeist ist oftmals in Wahrheit das Modernste und ein unerläßlicher Dienst, den man seiner Zeit leisten muß.
Karl Rahner SJ

Mittwoch, 11. November 2015

Der Martinsumzug

 Der hl. Martin - St. Bartholomäus, Ettenheim 
Womöglich lächeln selbst wir ein wenig, wenn wir heute einen Martinszug sehen? Ich meine hier nicht das heitere Lächeln frommer Erhebung, welches Zeichen einer stillen Freude ist, sondern eher jenes (Be-) Lächeln, das sich aus nostalgischen Gefühlen speisen kann, aber auch leichter Überhebung über den zweifelsohne herzigen Kinderkram (samt herzhaft schräg singenden Kindern) geschuldet sein mag?
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Abseits aller Nostalgie und diverser "erwachsener" Gefühlslagen ... der Martinsumzug kann auch ein anderes Bild in uns wachrufen, gerade jetzt in der Neige des Kirchenjahres, in dieser Zeit, in der die heilige leiturgía uns den Kyrios als den Kommenden verkündet: "Ihr wißt je selber genau: Der Tag des Herrn, wie ein Dieb in der Nacht, so kommt er" (1 Thess 5, 2). Und: "Mitten in der Nacht aber erscholl ein Schrei: Da - der Bräutigam! Hinaus - ihm entgegen!" (Mt 25, 6).
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Die Kinder mit ihren Laternen: Sie sind auch ein Bild unserer Seelen, die ihr armseliges Licht dem Kommenden entgegen tragen durch die Nacht. Die schwache Flamme ist verletzlich: Wir müssen sie hüten. Unsere Lieder, unser Lob - wie verkehrt klingt all das zuweilen, nicht zuletzt durch den "frommen" Dünkel, den wir immer wieder kultivieren. 
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Die Nacht mag dunkel sein, rau das Wetter, kalt der Wind, krächzend unsere Kehlen, gefährdet unser Licht: Der heilige Martin helfe uns, daß wir das Ziel nicht aus dem Blick verlieren: jenen Augenblick, an dem wir Ihm, Christus, gegenüber stehen in der Ewigkeit: ora pro nobis!
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Der heilige Bischof Martin - dargestellt am Hochaltar der Pfarrkirche St. Bartholomäus zu Ettenheim.

Dienstag, 10. November 2015

Tagessplitter

Erinnerlich, als wäre es erst gestern gewesen - da wurde bei allen möglichen Gelegenheiten das Hohelied der Aufklärung intoniert: Man solle den Mut aufbringen, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen. Man müsse sich aus aller Unmündigkeit radikal befreien. Solle sich emanzipieren, kritisch sein. O tönet fort, ihr süßen Himmelslieder, ...
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Und heute? Klärt einem ein Kulturwissenschaftler morgens auf DRadio Kultur auf, man solle sich angesichts gewisser aktuell heranflüchtend einwandernder Wertvorstellungen vor "Aufklärungsfundamentalismus" hüten ... die Träne quillt, die Erde hat mich wieder! Aber echt.

Montag, 9. November 2015

Tradition, die überspringt

Vor einigen Tagen hatte ich ein Wort von Hans Urs von Balthasar über die Heiligen zitiert, welches einem kleinen essay zum Thema "Tradition" entnommen war. Eine weitere Stelle hat es mit darinnen angetan ... 
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Tradition ist nicht etwas, was irgendwo und irgendwie kirchlicherseits über uns waltet, ohne daß wir selbst daran Anteil nähmen. Balthasar schärft den Blick dafür, daß wir Träger und Vermittler der Tradition sind - und er weist darauf hin, daß die Weitergabe des Glaubens nicht aus Krise oder Rebellion gegen Bisheriges (freilich auch nicht, möchte man heute hinzufügen, aus der Abwehr zeitgeistlicher Marotten allein) wachsen kann, sondern allein aus der Begegnung mit dem Kyrios:
Kirchliche Tradition ist eine Kette von weitergereichter christlicher Erfahrung, deshalb auch von erfolgten Unterscheidungen - Bewährung oder Entlarvung - im Ernstfall.
Diesen gibt es sowohl im verborgenen Alltag wie im öffentlichen Bekenntnis wie schließlich im Blutzeugnis. Der verborgene Ernstfall ist für die lebendige Tradition nicht weniger wichtig als das spektakuläre Martyrium, er ereignet sich täglich, wo Eltern ihren Kindern ihre christliche Erfahrung vorleben und sie mit oder ohne Worte überliefern, wo ein christliches Beispiel bewußt oder unbewußt zündet und der Funke des Glaubens, der Hoffnung, der Liebe überspringt, wo aus gelebtem Christsein (und nicht nur am grünen Tisch der Pastoralsoziologen!) christliche Phantasie schöpferisch neue Wege der Kirche zu den Menschen ausdenkt.
Die Wege werden nicht primär aufgrund von Enttäuschungen mit den alten ungangbar gewordenen entdeckt, sondern aus geheimnisvollen gelebten Erfahrungen der Wirklichkeit Jesu Christi.
Hans Urs von Balthasar: Klarstellungen. Zur Prüfung der Geister. Freiburg 1971. S. 78.

Sonntag, 8. November 2015

Bilder vom Tag

Unterwegs ein paar Herbstmomente eingefangen und zuletzt auf den Speicher gesprungen und das Abendrot beknippst ... 
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Samstag, 7. November 2015

Schon verschenkt ... ;-)

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Geradezu druckfrisch und unberührt (sprich: in Folie verschweißt) stand heute der erste Band (Von der Taufe im Jordan bis zur Verklärung) von Benedikts Jesus-Trilogie bei der Diakonie herum - fest gebunden samt Lesezeichen in gelb und weiß ... wie immer für'n Appel un'Ei. 
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War nun das Jagen glücklich, so ist es dennoch wenig sinnvoll, so ein Buch als Dublette im Regal zu sammeln. Also mag ichs verschenken - selbst wenn Gefahr besteht, damit Eulen nach Athen zu tragen. Wer diesen ersten Band also gerne haben möchte, schreibe einen kurzen Kommentar und schaue - bei mehreren Interessenten entscheide ein Los - am Sonntagabend hier wieder vorbei: Den Empfänger werde ich dann benennen mit der Bitte, mir die Adresse zukommen zu lassen.
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Im Vorwort schreibt Papst Benedikt, das Werk sei Ausdruck seines "persönlichen Suchens nach dem Angesicht des Herrn (vgl. Ps 27, 8)" - es würde mich natürlich freuen, wenn der nächste Besitzer den Band nicht einstauben lässt, sondern lesend jenes "Angesicht des Herrn" mit-sucht ...
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Update: Die Interessentin wurde per Kommentar auf ihrem blog informiert ...

Freitag, 6. November 2015

Enteignung in die absolute Liebe

In einigen Erwägungen über Wesen und Wert der Tradition kommt Hans Urs von Balthasar auf die Heiligen zu sprechen; und da wir uns sozusagen noch in der Oktav von Allerheiligen befinden, möchte ich diese wenigen Zeilen, auf die ich heute stieß, hier einfach weiterreichen ...
... Kirchengeschichte ist doch wohl vor allem Geschichte der Heiligen. Der bekannten und unbekannten. Sie, die alles auf eine Karte gesetzt haben und durch ihr Wagnis zu lauteren Spiegeln wurden, haben in reichem Spektrum das Licht von innen in unser dunkles Außen geworfen. 
Sie sind die große Auslegungsgeschichte des Evangeliums, echter und beweiskräftiger als alle Exegese. Sie sind Beweis sowohl der Fülle wie der Präsenz. Man sollte sich hüten, Dinge, die sie von Jahrhundert zu Jahrhundert immer neu erfuhren, als überholt abzutun (etwa ihre Begegnung mit den Engeln Gottes und mit dem Dämon: bis hin zu Vianney und Don Bosco). Oder den reinen Spiegel Bernadettes und was er von der Wahrheit Marias aufstrahlen läßt, geringzuachten neben irgendwelchen exegetischen Fündlein.
Es wird heute viel über die Zeitbedingtheit des Weltbilds der Heiligen gesagt und geschrieben, und manches davon ist richtig. Das enthebt uns nicht der Aufgabe, uns ihrem zentralen Anliegen zu stellen: ihrem unbedingten Ernstmachen mit der Liebe zu Gott in Christus und - aus dieser Enteignung in die absoluten Liebe - ihrem Sich-übereignenlassen an die Mitmenschen. So, in dieser Reihenfolge, nicht umgekehrt. Nächstenliebe war bei ihnen nie ein Ersatz für die Gottes- und Christusliebe. Ihre Liebe entzündet sich daran, daß sie sich absolut geliebt wissen und der absoluten Liebe mit ihrer gesamten Existenz antworten möchten ...
Hans Urs von Balthasar: Klarstellungen. Zur Prüfung der Geister. Freiburg 1971. S. 79.

Donnerstag, 5. November 2015

Vom raubgeilen Rabentier

 Rabe zu Füßen des hl. Benedikt 
Treuere Leser erinnern vielleicht früherer lamentationis, nachdem sich aus dem Plan, ein paar Spatzen durch den Winter zu füttern, am Küchenfenster eine kleine Taubenplage entwickelt hatte - zumal sich das gurrende Gelichter übers Futter für die Singvögel hermachte und binnen kurzer Zeit in wachsender Zahl zum Wegfressen anrottete. Mithin galt es nun, angesichts eines Mansardendachs das Futter in Form und Art zu deponieren, die es den Tauben nicht erlaubt, sich drüber her zu machen; was bisher auch zu funktionieren schien. Auch vor den Katzenviechern, die unten im Hof rumschleichen, sind die Vögel hier oben behütet und sicher. 
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Meisenknödel und irgendein Nusskram im Netz fanden beim Zielpublikum rasch Anklang ... leider aber auch bei einem neuen und ungebetenen Gast. Am Samstag, vom Frühstückstisch war es nicht zu übersehen, zerrte eine Krähe hektisch am Knödel, gerade erst frisch aufgehangen, bis das Netz riss und der Inhalt über die Dachkante zum Teufel ging (und das raubgeile Rabentier hoffentlich gleich mit). Nicht von ungefähr suchte der Leibhaftige dem heiligen Vater Benedikt in Gestalt eines Raben einen ordentlichen Schrecken einzujagen (allerdings habe ihn auch ein Rabe vor dem Verzehr vergifteten Brots gewarnt).
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Was nun soll man von diesen unangenehmen Gestalten auch erwarten? Deren Ruf ist ohnehin ruiniert. Wer kennt nicht das Wort von den Rabeneltern, das auf die Vorstellung zurückgeht, Raben würden ihre Kinder nicht erkennen und sich selbst überlassen, bis diesen rabenschwarze Federn wachsen würden, derweil Gott die Brut bis dahin mit Tau ernähren müsse? Oder man denke an Noah - der entließ am Ende der Sintflut zuerst einen Raben aus der Arche, damit dieser die Lage erkunde (vgl. Gen 8, 6) - das Vieh flattere davon und ließ sich nicht mehr blicken. Da waren selbst die Tauben treuer, wie sich hernach zeigen sollte.
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Für die Kirchenväter war die Sache alsdann klar: Der Rabe sei ein Bild des Sünders, der nicht zur Ekklesia zurückkehren wolle. Im Rabenruf ("cras cras") hört der hl. Augustinus das lateinische Wort für "morgen" heraus - der Rabe wird ihm zum Symbol der Sünders, der seine Bekehrung stets vor sich herschiebt. Nun gut ... es gibt andererseits den Bericht von jenem Raben, der den Propheten Elias mit Nahrung versorgte (vgl. 1 Kg 17, 6). Auch manche Heiligenlegende trägt ein wenig zur Ehrenrettung bei - Benedikt wurde bereits erwähnt, beim hl. Meinrad verfolgte ein Rabe dessen Mörder (vielleicht gehörte er aber auch nur zur Bande?), den Leichnam des hl. Vinzenz Diakonus soll ein Rabe verteidigt haben (vielleicht wollte der Aasfresser ihn einfach nur für sich?) und beim hl. Oswald spielt der Rabe den Brautwerber mit Ring im Schnabel (vielleicht hat er nur Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen sabotiert?).
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Trotzdem: Gegen weiteres Plündern vor meinem Fenster habe ich eine neue Strategie. Da man Meisenknödel schlecht in Nato-Draht verpacken kann und die Nachbarschaft gewiß nicht begeistert wäre, würde man ungebetene Gäste einfach vom Wäschedings runterschießen, probiere ich es jetzt mit gut verdrahteten Meisenringen. Das sollte (dies nun in Gottes Ohr gezwitschert) tauben- und raben- und also narrensicher sein.
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Bild oben: Rabe zu Füßen des hl. Benedikt von Nursia - dargestellt in einem Glasfenster in der Pfarrkirche St. Stephan zu Oberwinden im Elztal.

Mittwoch, 4. November 2015

Widerspenstig leben

 Der hl. Karl Borromäus - Glasfenster in der Kirche St. Gallus zu Ebringen 
Der heilige Karl Borromäus sei ein "tridentinischer" Heiliger - so schreibt es uns die einschlägige Fachliteratur weit überwiegend jüngeren Datums hier und da zu zweifelhaftem Angedenken; denn zuweilen glaubt man die Kneifzange im Hintergrund knirschen zu hören, die den Griffel dabei geführt hat. Schließlich markiert das das Konzil von Trient (also das mit dieser furchterbaren "tridentinischen Murmelmesse") für Katholiken à jour nicht nur einen kirchlichen Aufbruch aus der Luderei des sich auflösenden Mittelalters und der frühen Neuzeit ("Reform an Haupt und Gliedern"), sondern steht auch für eine radikale Konfessionalisierung der römischen Kirche, die Absicht inbegriffen, alles Katholische in ein enges römisches Korsett zu zwingen. Zweiteres klingt, übernimmt man diese Sicht, natürlich irgendwie "unsympathisch" - daß nun der Heilige, dessen Fest die Ekklesia heute feiert, daran regen Anteil hatte, steigert dann keineswegs dessen Beliebtheit.
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Ohnehin scheint dieser Bischof - Adelsspross und Kardinal - der heutigen Lebenswelt eher fern. Seine Sorgen samt Möglichkeit und durchgesetzter Strategie, sich ihrer zu entledigen, sind - schon rein geschichtlich bedingt - anders gelagert als unsere Nöte heute. Sein "Vorbild" (Selbstkasteiung eingeschlossen) kommt für die wenigsten unserer Zeitgenossen in Frage.
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So stellte denn auch - anlässlich der Vierhunderjahrfeier von Karls Heiligsprechung 2010 - Diogini Kardinal Tettamanzi, damals Nachfolger des Heiligen auf dem Bischofsstuhl zu Mailand, die Frage nach der "Aktualität" dieses Mannes. Im Blick auf den Zeitgeist - Tettamanzi spricht von "der augenblicklichen Mode entsprechend" - mag der hl. Karl Borromäus in der Tat erst einmal wenig hergeben; so gesehen sei Karl also ziemlich "inaktuell" ... aber, so der Kardinal:
Wenn man auf der anderen Seite unter „inaktuell“ das versteht, was in den grundlegenden Werten der christlichen Tradition verwurzelt ist, wenn „inaktuell“ bedeutet, noch an jenen Fels gebunden zu sein, der Jesus Christus ist und der der ge­samten Struktur des Hauses ihren wahren Halt gibt, wenn all das als „inaktuell“ eingestuft wird, nur weil es nicht zu dem passt, was heute als "politically correct" gilt, dann müssen wir uns fragen, ob die Inaktualität des hl. Karl nicht zu einem einzigartigen und dringlichen Erfordernis des Umdenkens, der Neubewertung unserer Urteilsmaßstäbe, der Umstellung der Form unseres Lebens und unseres Zusammenlebens wird.
Es gilt also, sich das Beispiel des hl. Karl Borromäus für unsere Zeit anzuverwandeln: Fest und unverzagt angesichts aller Umbrüche (auch aller Niederlagen) zu glauben und die Kirche zu lieben, aus der Feier der leiturgía zu leben und im Gebet das Gespräch mit Gott zu suchen, einander zu stärken und Kraft zu geben, in Widerspenstigkeit zum Geist der Zeit zu leben - und all das konsequent zu tun: dazu helfe uns Gott auf die Fürsprache des heiligen Karl Borromäus ... ora pro nobis!
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Bild: Der hl. Karl Borromäus - Glasfenster in der Pfarrkirche St. Gallus zu Ebringen bei Freiburg. Die Ausführungen von Kardinal Tettamenzi sind hier nachzulesen.

Montag, 2. November 2015

Am Allerseelentag

 Die Armen Seelen - Reute, Pfarrkirche St. Felix und Regula 
Gütiger Vater!
Dein heiliger Engel
trage das Opfer deines geliebten Sohnes
empor zu deinem himmlischen Altar
 und vor dein Angesicht.
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Schaue dann auch
auf die Seelen im Feuer sehrender Liebe
und sende deinen Engel zu ihnen,
um sie mit aller Gnade 
und allem Segen des Himmels
zu erfüllen,
damit ihre brennende Liebe
sich in der Hingabe deines Sohnes
erfülle und vollende.
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Amen
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 Ein Engel erquickt die Armen Seelen - Darstellung in der Pfarrkirche St. Felix und Regula zu Reute im Breisgau.

Sonntag, 1. November 2015

Bild zum Tag

Zurück vom Friedhof ... wie jedes Jahr brennen in der kleinen Kapelle zum Gedächtnis der Opfer vergangener Kriege unzählige Kerzen zu Füßen des Gekreuzigten. Was mag die Menschen umtreiben, die in diesen Tagen dort ein Licht entzünden? Wer mögen sie sein? Noch die Hinterbliebenen derer, deren Grab im Felde ungenannt geblieben? Sind es Lichter für die Seelen, deren Gedenken weiter reicht als die Frist eines Grabes? Sind wir selbst die Seelen, die sich dem im Leiden verborgenen Gott entzünden wollen, brennend anempfehlen aus dem Maß, der Not unserer Tage?
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Durch Todesschatten nähert sich die Stunde,
Da heilige Wahrheit spricht zu Schuld und Wahn
Und unterm Licht, das strahlend aufgetan,
Die Quellen brechen aus erstorbnem Grunde.
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Dann steht kein Thron mehr auf dem Erdenrunde
Als höchster Liebe lodernder Altan,
Der Dämon stürzt aus nachtverhangner Bahn
Und Friede kommt aus einem heiligen Munde.
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Und wie der Schuld entsetzensvolle Male
Noch immer in der dunklen Erde bleichen,
Daß alle schaudern, die an Gräbern knien,
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Da krönt das Leid mit unentweihtem Strahle
Des Dulders Stirn, dem unter Christi Zeichen
Des Weltversöhners heilig Amt verliehn.
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Reinhold Schneider
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Reinhold Schneider: Durch Todesschatten in: Die Sonette von Leben und Zeit, dem Glauben und der Geschichte. Köln und Olten 1954. S. 106.

Die Heiligen: Bilder Christi, die von seinem Glanze leuchten

 Basel, Pfarrkirche St. Antonius 
In den Heiligen verehren wir den Gottmenschen Jesus Christus, den Sohn Gottes, den Kyrios. Er, der Mittler zwischen Gott und den Menschen, ist die Quelle aller Heiligkeit, weil der Vater nur durch seinen geliebten Sohn des Heil verleiht. Alle Heiligkeit der Menschen ist Gottes Gabe, Gottes Pneuma, Gottes Same im Menschen.
So hat Gott in Christus sich seine Heiligen geschaffen aus seiner Einheit heraus als eine Einheit im Pneuma. Aus der Menge des Volkes bildet er sich eine auserwählte Schar, seine Ekklesia. Sie wird wegen dieser Einheit und der gnadengeschenkten, empfangenen Heiligkeit die eine heilige Braut genannt, die Una Sancta Ecclesia.
Odo Casel OSB
In den Heiligen verehren wir also auch die Ekklesia, in ihr aber wiederum ihren Herrn und Bräutigam Christus. Denn Christus und die Kirche sind zusammen der eine Christus. Christus aber wiederum ist da für den Vater, und wenn alle Heiligen zum Leibe Christi gesammelt sind, dann übergibt der Sohn sein Reich dem Vater, so daß Gott alles in allem ist. So mündet alle Heiligkeit wieder in die Quelle ein: in den ewigen Vatergott. (...)
Die Heiligen trennen uns also nicht, wie man wohl gesagt hat, von Gott und Christus; nein, richtig verehrt, führen sie uns hin zur Ekklesia, zu Christus, zum Vater. Sie sind ja Bilder Christi, die von seinem Glanze leuchten. Klemens von Alexandreia sagt von den Christen, das heißt den Heiligen: "Wir sind es, die das Bild Gottes herumtragen in diesem lebendigen, sich bewegenden Standbilde, dem Menschen, ein Bild, das mit uns wohnt, sich mit uns berät, mit uns verkehrt, mit uns haust, mit uns leidet, das über die Leidenschaften erhaben ist. Wir sind ein Weihebild an Gott für Christus ... (Protreptikòs 59, 21). 
Gemeinschaft mit den Heiligen pflegen heißt also Gemeinschaft mit Christus pflegen. Er ist ihr Königsdiadem, ihre Krone und ihr Kranz; ohne ihn sind sie nichts. Durch ihn sind die heilig; denn nur "einer ist heilig, einer der Herr, einer der Allerhöchste - Jesus Christus".
¶ Aus einer Ansprache am Fest der hl. Apostel Petrus und Paulus - in: Odo Casel OSB: Mysterium der Ekklesia. Von der Gemeinschaft aller Erlösten in Christus Jesus. Aus Schriften und Vorträgen. Mainz 1961. S. 171. Bild: Lichterspiel in der Pfarrkirche St. Antonius zu Basel.