Freitag, 30. Oktober 2015

Tagessplitter

Vor guter Wochenfrist habe ich nebenbildendes opus aufgetan, nachdem ich es zuvor Woche um Woche gemieden hatte. Denn Hand auf's Herz: Welcher Alte-Messe-Molch springt auf sowas schon freudensprünglich an, zumal, wenn der Autor Deckers Daniel ist, dieser alte Fazke? Doch ach! Ich fand am Samstag jüngst so partout gar nix im diakonischen Trödelaufgebot und griff, um mich nicht ganz unbebucht verkrümeln zu müssen, zu dieser Karl-Lehmann-Biographie. Die 30 Prozent Samstagsrabatt auf den Einsfuchzig-Vademecum-Preis erleichterten die Entscheidung. Und sie war nicht so schlecht, wie man meinen können mag ... schließlich behaupte ich sonst zuweilen gerne, es sei kein Schaden, sich ein Bild zu machen, wie die Gegenseite tickt (manchmal auch austickt - allerdings hat man in diesen Zeiten für alle möglichen Taktspiele und Taktiererey reichlich Anschauungsmaterial: gedruckt, ungedruckt, drauf geschissen ungelogen.
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Während der Woche habe ich gelegentlich die Rübe reingehalten. Man erfährt doch manch interessant lehrreiches Detail. So sieht man sich irgendwie in (der eigenen) Blauäugigkeit vorgeführt, an der Konservative - dieser Tage wurde man dessen ja erneut gewahr - bis heute darben: Da vertraute der Jesuit Sebastian Tromp dem jungen Germaniker Lehmann kurz vor Daskonzil an, selbige Veranstaltung werde bald vorbei sein, denn die Theologische Vorbereitungskommission habe ganze Arbeit geleistet. Lehmann selbst erinnert Tromps Prognose:
Die Herren werden in Rom nicht so lange zu tun haben. Sie werden bald sehen, daß man die Vorlagen nicht besser machen kann, werden rasch unterschreiben und wieder nach Hause fahren. Die Kirche hat ja auch nichts anderes als einen Sack voller Wahrheiten. Den wird sie von Zeit zu Zeit schütteln. Dann wird manches wieder mehr nach oben kommen. Aber es ändert sich nichts (S. 98).
Leider hat sich dann doch einiges geändert, und sei es nur unter dem Einfluß des verfluchten Konzilsgeistes. Weswegen sich, das las ich dann mit einer Portion Erstaunen, der greise Kölner Kardinal Höffner 1987 mit einem Koffer voller Moraltheologie in den Urlaub verabschiedet hatte, um das Eröffnungsreferat zur anstehenden Herbstversammlung der Deutschen Bischofskonferenz vorzubereiten. Des Kardinals Absicht: Eine Revision der unsäglichen Königsteiner Erklärung. Leider kam es dazu nicht mehr: Höffner erkranke bald und verstarb.
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Wenn heute Theologen, wie jüngst geschehen, die "gesellschaftliche Wirklichkeit" zu einer Art Offenbarungsquelle (nebst Schrift und Tradition) hochjazzen, dann finden wir beim Biographierten bereits 1969 einen Vorhall davon, wenn Professor Karl Lehmann in seiner Mainzer Antrittsvorlesung sagt, der "normative Anspruch der christlichen Botschaft" vermittle sich dann "sach- und situationsgerecht" (!), wenn ...
... der bleibend-maßgebliche Ursprung der Schrift, die Geschichte der Überlieferung und die radikal-unerbittliche Konfrontation mit dem geschichtlichen Welt- und Daseinsverständnis des Menschen sich zu (...) der fälligen konkreten Gestalt des christlichen Glaubens zusammenfinden (S. 190 f.).
Fairerweise muß bemerkt werden, daß das Zusammenspiel der genannten Faktoren "nicht in jeder Hinsicht" gleichrangig sei und die Vorlesung ohnehin auf ein ganz anderes Thema zielt, als man nun denken könnte; aber Worte bereiten zuweilen Wege - und allein die Vorstellung, das "geschichtliche Welt- und Daseinsverständnis des Menschen" könne in einem Atemzug mit Schrift und Tradition zur "fälligen ... Gestalt des ... Glaubens" gerinnen, kann einem (je nach Deutungshorizont) ein wenig den Atem verschlagen.
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Immerhin hat Lehmann seine Hörer nicht vertrieben - wie das zuweilen seinem Mentor Karl Rahner SJ gelang, was durchaus süffisant und als Reminiszenz an den knorrigen Humor Rahners zuletzt erwähnt sei. Alldieweil diesem - wie zuvor in München, wo er als Nachfolger Romano Guardinis auf dem Lehrstuhl für Christliche Weltanschauung das Auditorium zunehmend vergraulte - auch in Münster die Studenten in den Vorlesungen abhanden kamen, knarzte er dem Mainzer Bischof Volk zu:
Ich lese mit fortlaufendem Erfolg (S. 143).

Donnerstag, 29. Oktober 2015

Daß nicht alle Wege zum Guten sich versperren

Zu leben mir Dir, o Herr, wie leicht fällt es mir.
Zu glauben an Dich, wie leicht!
Wenn mein Geist verwirrt ist, finster wird und schwankend,
wenn die Klügsten nicht mehr über den Tag hinaussehen,
nicht wissen, was morgen zu tun ist,
gibst Du mir die heitere Gewißheit ein:
Du bist und Du machst,
daß nicht alle Wege zum Guten sich versperren.
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Auf dem Gipfel des irdischen Ruhms betrachte ich staunend
den Weg durch die Verzweiflung hindurch.
Einen Widerschein Deines Lichtes versuchte,
ach, auch ich der Menschheit auf diesen Weg zu werfen.
Du wirst mir gewähren, wessen ich bedarf,
damit es weiterhin von mir widerstrahle.
Und wo mir der Widerschein nicht gelingt,
wird er ein Zeichen sein, daß Du andere dazu gerufen hast.
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Alexander Solschenizyn
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Chrysostomus Dahm OSB: Millionen in Rußland glauben an Gott. Jestetten (2) 1973. S. 214.

Dienstag, 27. Oktober 2015

Solschenizyn an Pimen und an ...

Die Worte ließen einst aufhorchen! Als "Fasten-" oder "Passionsbrief" sind jene von Glauben und Zeugnis durchtränkten Zeilen in die Geschichte der russischen Orthodoxie eingegangen, welche der sowjetische Schriftsteller Alexander Solschenizyn 1972 an den Moskauer Patriarchen Pimen richtete - eine Anklage des hohen Klerus seiner Heimat, erhoben ob des innigen Zusammenwirkens mit der atheistischen Staatsführung. 
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Blendet man den konkreten geschichtlichen Kontext jener Tage und den usprünglichen Adressaten aus, so lassen sich Solschenizyns Worte auch auf unsere Zeit hin lesen, etwa als Mahnung an diverse Bischöfe und deren Schnullipastoral aktuellen Zuschnitts ... diesem Gedanken konnte ich gestern jedenfalls nicht widerstehen, als ich folgenden Abschnitt las:
... Wir sind dabei, die letzten Merkmale eines christlichen Volkes zu verlieren. Sollte das nicht die Hauptsorge des russischen Patriarchen sein? Die russische Kirche äußert empört ihre Meinung zu jedem beliebigen Unrecht im fernen Asien oder Afrika, nie jedoch protestiert sie gegen die unglücklichen Verhältnisse im eigenen Land. Warum diese friedvollen Sendschreiben von kirchlichen Höhen herab? Warum sind alle kirchlichen Dokumente so sanftmütig, als wären sie an das allerchristlichste Volk der Erde gerichtet? Eine unbekümmerte Botschaft folgt der anderen. Wird es sich eines düsteren Tages nicht erübrigen, solche Botschaften zu verfassen, weil es außer der Kanzlei des Patriarchen überhaupt keine Adressaten und keine Herde mehr gibt? ...
Auszug aus Solschenizyns Brief zitiert nach: Chrysostomus Dahm OSB: Millionen in Rußland glauben an Gott. Jestetten (2) 1973. S. 211.

Montag, 26. Oktober 2015

Tagessplitter

Auf Fratzbuch hatte ich mir vor Zeiten eine dieser Gruppen ausgeguckt, in die man dort zuhauf eintreten kann, heißt Wir bleiben katholisch. Nicht, daß ich erwartet hätte, es handele sich dabei um eine exklusive Rottung glaubensverbissener Alter-Messe-Molche, doch lag es bei dem Titel nahe, hierin eine konservative Klientel zu vermuten ... also Menschen, die ihr Leben frei und gern an den kirchlichen Vorgaben auszurichten gewillt sind und so weiter.  Nun wundere ich mich hin und wieder über die Bandbreite dessen, was meine Schwestern und Brüder im (mehr oder minder gleichen) Glauben so alles für genuin und bleibend "katholisch" halten. 
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Ein Mitglied hat heute einen Zeitungsartikel gepostet und sich seines Bistums erfreut, alldieweil "unser verstorbener Bischof Josef Homeyer" (wir wandern im Geist nach Hildesheim) "vor 25 Jahren schon Bahnbrechendes" vertreten habe. Muß ich erwähnen, daß es um die Kommunionspendung an Menschen geht, die unter Bruch des ursprünglichen Ehebandes und gegen das ausdrückliche Wort Jesu mit einem anderen Partner zusammenleben? Und daß Homeyer samt einer Diözesansynode weiland den zu respektierenden Gewissensentscheid der "Betroffenen" in den Ring geworfen hat, als wäre das Gewissen nicht etwas, dessen mögliche Verirrung die Kirche zuvor stets beklagt, dessen Bildung sie umso intensiver angemahnt und zu ihrer Aufgabe gemacht hatte? Und dann lese ich zu als Quintessenz des Gruppenmitglieds: "Es mag also noch eine Generation dauern, bis klar ist, ob man über Papst Franziskus und die heutigen Bischöfe sagt, was man über Homeyer als Visionär, der weit nach vor gedacht hat, jetzt sagen kann!" Ach & Oho!
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Homeyer, dieser "Visionär, der weit nach vor gedacht hat", erscheint mir nach der Lektüre eher als ... ich verkneife mir das hier. Offenkundig gibts auch keinerlei Grund für ein finster Grollen, wie ich aus Kommentaren zu Lobgesang und Presseschnipsel herauslesen kann ... so ein lieber Bischof, "warmherzig", "menschlich großartig", "bescheiden", "sehr beliebt" ... und wenn ich schon - de mortuis nil nisi bene - über Homeyer schlecht nichts schreiben will, so doch wenigstens, daß mir der fette Schmalz seiner fans nicht schmeckt. Nicht die Bohne interessieren mich irgendwelche diffusen bischöflichen Sympathiewerte, die ohnehin von jedem mehr oder minder oder auch ganz anders empfunden werden. Was aber nutzt und frommt der ganze Schmus, wenn der also Beschmuste die Lehre der Kirche verwässert hat, statt sie seiner (unserer) Zeit verständlich zu machen?
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Das ist jetzt sicher kein optimum ... aber ein im Lehr- und Wächteramt sattelfester kleiner Kotzbrocken ist mir als Bischof weitaus lieber als ein visionärer Sympathiesepp mit Mitra ... so von wegen katholisch bleiben.

Sonntag, 25. Oktober 2015

Der Richter der Geschichte

Der Schuld entsteigend, offenbart Geschichte
Vererbten Fluch aus ersten Menschheitstagen;
Die Hochgerühmten haben Schuld zu tragen,
Und die Geringsten schleppen Schuldgewichte.
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Doch breitet sich ein Glanz vom Angesichte
Des Herrn auf alle, die vorüberjagen;
Er schreitet fordernd durch das Grau'n und Zagen
Und wird dereinst erscheinen zum Gerichte.
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Es werden alle schuldig, die geboren,
Und alle Schuldbelasteten gerichtet,
Und auch die Richter müssen schuldig werden.
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Entsühnt nur werden, die den Herrn erkoren,
Indes die Schuld der Welt sich selbst vernichtet
Und Christi Thron errichtet wird auf Erden.
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Reinhold Schneider
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Reinhold Schneider: Die Sonette von Leben und Zeit, dem Glauben und der Geschichte. Köln und Olten 1954. S. 204.

¡Viva Cristo Rey! (Das BamS!)

Angesichts des Titels (zum heutigen Christkönigsfest) erübrigen sich weitere Ansagen; bleibt allein die Mitteilung, daß es sich um ein Deckenbild in der Pfarrkirche St. Leodegar zu Schliengen handelt:
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Samstag, 24. Oktober 2015

Zu schauen deine Macht und deine Herrlichkeit

 Engel - Glasfenster in der Evangelischen Kirche zu Hinterzarten 
Mit einem Gruß betrat der heilige Erzengel Raphael Tobits Haus: "Freude sei dir immerdar"; dem blinden Vater des Tobias kam aber nur eine verbitterte Antwort über die Lippen: "Welche Freude soll mir sein, der ich in Finsternis sitze und das Licht des Himmels nicht sehe?" - richtig rund verläuft diese erste Begegnung, wie sie im fünften Kapitel des Buches Tobias (gemäß der Vulgata) berichtet wird, nicht. Dabei ist Tobit ein frommer Mann, doch der Verlust des Augenlichtes scheint auch einen Schleier über seine Seele geschlagen zu haben. So geht es uns vielleicht zuweilen auch: Das Auge unseres Glaubens ist trübe, vielleicht sogar blind geworden. Vielleicht verstellen die Erfordernisse, vielleicht auch Sorgen oder sogar Enttäuschungen des Alltag unseren Blick auf Gott, vielleicht auch der Zweifel an seiner Sorge um uns, vielleicht ist uns auch wie dem Psalmisten zumute, der betet: "Warum verbirgst du dein Antlitz vor mir?" (Ps 43, 25); der Gründe gibt es oft viele für unser Nicht-sehen-können.
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Der Engel antwortet, und die Ekklesia nimmt diese Antwort auf in der dritten Antiphon der Laudes heute am Fest des heiligen Erzengels:
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Forti animo esto, Tobia:
in proximo enim est, ut a Deo cureris.
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Sei stark im Herzen, Tobit,
denn nahe steht bevor, daß du geheilt wirst von Gott.
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Wir hören die Worte und kennen den Ausgang der Geschichte: Tobit wird sein Augenlicht wieder erlangen. Das gibt uns Hoffnung, und so beten wir mit der Ekklesia - aller Entmutigung entgegen - unter den Vorzeichen dieser Antiphon den dritten Psalm der heutigen Laudes, Psalm 62:
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Gott! Mein Gott bist du,
in meiner Verstörung suche ich nach dir,
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mein Geist dürstet nach dir,
mein Fleisch verlangt nach dir,
wie dürres und dürstendes Land, wie vertrocknete Erde.
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So schaue ich im Heiligtum nach dir aus,
zu schauen deine Macht und deine Herrlichkeit:
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Denn deine Gnade ist besser als das Leben,
es möchten dich preisen meine Lippen ...
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Gott sende uns seinen Engel und heile unter seinem Geleit unsere Blindheit: Sancte Raphael ... ora pro nobis!
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Bild: Darstellung eines Engels in den Glasfenstern der Evangelischen Kirche zu Hinterzarten im Schwarzwald.

Montag, 19. Oktober 2015

Tagessplitter

Heimwärts las ich das Vorwort zur deutschen Ausgabe von Georges Bernanos' Das Haus der Lebenden und der Toten ("Brasilianisches Tagebuch") - und plötzlich waren meine Gedanken bei Pegida
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Man muß diese "Spaziergänge" nicht mögen. Man muß auch nicht jeden Zeitgenossen mögen, der sich dort einreiht. Man kann gewiß kritisch fragen, was einige der Teilnehmer mit dem Begriff "Abendland" (welches es zu retten gelte) eigentlich assoziieren. Fragwürdiger aber, weitaus unsympathischer und verlogen deucht mich jedoch die Empörungsplärre und die schnaubenden Oberlehrer-Attitüden aus Politik und Medien zu diesem Phänomen - wenn ein zum establishment verkommenes Staatswesen die Werte, auf die es einst gegründet wurde, nur noch billig prostituiert (wobei sie als Schminke umso dicker aufgetragen werden), dann neigt man nicht mehr zu kritischen Fragen allein. Man ekelt sich.
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Ach ja, jetzt noch das Bernanos-Zitat, an dem sich das alles entzündete:
Das Leben war so mittelmäßig geworden, eure Lügen so wenig anziehend und eure betrügerischen Heuchler so langweilig, daß ganze Jugenden das Spiel vorgezogen haben, das man nur einmal spielt.

Sonntag, 18. Oktober 2015

Das BamS (lukanisch)!

Ein schönes Beispiel, daß man so manche Legende, die sich um die Gestalt eines Heiligen rankt, nicht einfach als fromm erfundenes Märlein vom Tisch wischen sollte, wird in der Überlieferung deutlich, nach welcher der hl. Evangelist Lukas ein Bild Unserer Lieben Frau gemalt habe. Manch ehrwürdige Ikone (wie etwa das römische Gnadenbild, welches seit Jahrhunderten Maria als Salus Populi Romani ehrt) wird dem hl. Lukas zugeschrieben - streng historisch-kritisch betrachtet ist das natürlich Unfug. Aber Hand auf's Herz: Der Eindruck, den wir uns von der Mutter des Herrn gewinnen können, wäre weitaus ärmer ohne jenes Bild, das Lukas - die Ekklesia gedenkt seiner heute - von ihr in seinem Evangelium zeichnet. Die Wahrheit der Legende hat ein anderer Maler im Nörber-Saal des Erzbischöflichen Ordinariats Freiburg festgehalten ...
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Freitag, 16. Oktober 2015

Tagessplitter

Gestern Abend, ich saß gerade auf dem Klo, rauschte mir aus dem Radio ein Name ins Ohr ... Schmidt-Salomon: das ist jener muntere Mensch, der so eifrig atheistisch ist wie andere fromm, aber das Kreuz tragen muß, Salomon zu heißen und Michael obendrein. Und weil's heute à la mode ist, alles irgendwie psychoanalytisch fleischzuverwolfen, dreht sich der Verdacht in den Napf, ob eine vornämlich-andauernde Konfrontation mit der Gottesfrage zuweilen auch Schaden anrichten könne ...?!?
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Aber darum geht's heute nicht. DRadio Kultur kam auf ein neues Buch von Schmidt-Salomon zu sprechen (und ich muß, das gebeut die fairness, einräumen, daß sich alles Folgende auf die Auskünfte der Rezensentin stützt und damit den Charakter des Hörensagen nicht überschreitet). 
Das Buch heißt Hoffnung Mensch und kommt wie eine Mischung aus Sachbuch zur Menschheitsgeschichte und Gegenentwurf zu genuin religiösen Hoffnungsszenarien und Heilsversprechen daher. Ein breites Grinsen zu verkneifen missriet mir bereits, als die Rezensentin bemängelte, Schmidt-Salomon verfalle immer wieder ins Dozieren und das klinge streckenweise wie eine Predigt von der Kanzel. Das passt irgendwie zu meinem Eindruck einer bestimmten Richtung aktueller Atheisterey: Selten gerierte sich Religionskritik so religiös wie heute.
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Spannend aber war die Frage, ob Salomon seinen Lesern einen säkularen Hoffnungshorizont zu erschließen suche - und wie dieser dann aussehe? Keine Bange: natürlich darf auch der Atheist Hoffnung hegen ... nur: worauf gründen? Was gibt dem Leben Hoffnung? Eine Kernthese lautet wohl, daß wir alle Teil eines großen Ganzes und auf dem beharrlichen Weg in eine immer schönere und großartige Zukunft seien. Der Einzelne könne sich dabei bewußt machen, daß er ein Teil dieser staunenswerten Geschichte des Menschen sei, er das Erbe der Altvorderen durch sein Leben tragen und weitergeben könne. Ein inständiger Appell an rechtes Handeln und gutes Tun fehlt dabei natürlich nicht, denn sonst wird einem das ganze humanistische Menschheitsprojekt bald um die Ohren fliegen (mancherorts und zu manchen Zeit tut es das ja auch).
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Gähn. Ich hätte da schon etwas mehr erwartet als die nächste Neuauflage dieser ausgelutschten Allerweltstheolo ... ähh ... theorie. Schließlich halten wir "ewiggestrigen" Religioten meines Dafürhaltens allein das Recht, immer wieder dieselbe Suppe anzurühren und abzulöffeln.
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Selten dämlich wurde der eben erwähnte Schnee von gestern im Radio in exemplo aufgetaut (ob das Schmidt-Salomon echt so geschrieben hat oder ob es sich nur um eine Vereinfachung seitens der Rezensentin handelt, bleibt allerdings offen): Da war nun von "Genen" die Rede, die man als Otto Durchschnittsmensch in sich tragen könnte und die Anlass geben würden, daß man sich als Teil eines wunderbaren Projektes fühlen dürfe und deshalb hoffnungsfroh gestimmt sein werden könnte - oder so. Also zum Beispiel das Jesus-Gen ... aber das lassen wir hier mal außen vor.
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Die muntere Plauderei im Radio schob mir ein anrührendes Bild ins erleichterte Gemüt: Da stirbt meinetwegen irgendwo in Königsberg der große Kant und wird zu Grab getragen. Gekehrt in Staub und Erde wächst draus ein Blümlein klein und treibt grüne Blätter aus, an denen vielleicht die Raupe nagt, welche danach von einem Vogel gefressen wird, ehe dieser wiederum einem Jäger ins Netz geht und in der Pfanne landet. Der Vogel wird goutiert samt einem Stückchen ("Gen") Kant. Der Jäger stirbt, das Spiel beginnt von neuem, und irgendwann kommen Du oder ich zur Welt - nichts ahnend, welch Erbgut wir mit uns herum tragen, schärfte uns nicht Schmidt-Salomon das Bewusstsein. Schön! Wenn ich mir vorstelle, ich trüge ein "Aquinaten"-Gen (na ja, das ist eher bei anderen gestrandet) oder ein "Casel"-Gen (vielleicht hat sich ein Vogel von der Weser an den Rhein verflattert?) in mir - davon werde ich total hoffnungsrallig! Ganz zu schweigen von der Idee, welch unerahntes Menschheitserbe ich just darauf und daran war, gleich das Klo runterzuspülen und somit dem immerwährend jungen Kreislauf des Lebens neu zu überantworten.
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Allerdings fällt mir hierzu die Mahnung ein, man solle sich auf Sachen, für die man ohnehin nichts könne, gefälligst auch nichts einbilden! Und was ist zudem mit jenen "Genen", auf deren Erbe man keinen gesteigerten Wert legt ("Führer"-Gen, "Jack-the-Ripper"-Gen etc.)? Was tun, wenn die in mir drinstecken? Alle Hoffnung begraben und den Strick nehmen?
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Ich will den Gedanken jetzt nicht überstrapazieren! Denn gewiss meint Schmidt-Salomon das alles sowieso nur irgendwie "metaphorisch". Sollte ich damit richtig liegen, dann unterscheidet es sich allerdings herzlich wenig von, sagen wir, jener unzählige Geschlechter verbindenden und geradezu mythischen Vorstellung eines "unauslöschlichen Zeichens", von dem ich glaube, es sei mir bei meiner Taufe in die Seele geprägt worden als Anwartschaft auf das Reich Gottes (den man fieser Weise so richtig auch nie wegbeweisen kann). Und ehrlich gesagt: Angesichts des seltsam herumwabernden Genetik-Geschwafels stimmt mich die Vorstellung, ein Priester habe mir in einer netten kleinen Zeremonie Wasser über den Kopf gegossen, weswegen meine Eltern alsdann ein schönes Familienfest veranstaltet haben, eindeutig und konkret hoffnungsfröhlicher.
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Während ich mit den Allerwertesten gewischt habe, zog plötzlich noch "Uriella" vor meinem geistigen Auge Kreise. Wer die Dame nicht kennt: Sie stand einer Sekte am Hochrhein vor, zu deren Credo die Vorstellung zählte, am Ende der Welt würden ihre Anhänger mit Raumschiffen ins All entrückt. Ich kam drauf, weil natürlich auch Schmidt-Salomon weiß, daß die Welt endlich ist und in der Sonne verglühen wird, wie Astrophysiker uns nahelegen. Beim Autor von Mensch Hoffnung werden die Menschen dann mit Raumschiffen neue Welten besiedeln. Wenn Sie bis dahin welche gefunden haben, die dazu taugen. Und wenn das nicht abgeht wie in Roland Emmerichs Maya-Kalender-Katastrophen-Kino 2012, wo das gros der Menschenheit absäuft oder vulkanisiert wird. Und wenn sich die Menschen nicht vorher schon gegenseitig kurz und klein gehauen haben.
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Oder wenn nicht bereits der Jüngste Tag das Urteil über die Menschen gesprochen und eine neue Welt heraufgeführt hat.

Donnerstag, 15. Oktober 2015

Aus der Parallelwelt zur Heiligkeit

 Teresa von Ávila - Darstellung von Matthias Faller, Klostermuseum St. Märgen 
Eigentlich wollte ich auf den Abend heute noch etwas Erbauliches über die hl. Teresa von Ávila schreiben. Nun ist es mit dem "Erbaulichen" stets so eine Sache; gewiss sind Heilige, die bereits in der Wiege Halleluja lallten, in einem gewissen - und weiland herzhaft strapazierten - Sinn dieses Begriffs "erbaulich". Nur hilft das wenig denen, die in entsprechender Altersklasse eher als Hosenscheißerle und Schreihälse erinnert werden. .
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Auch der kleinen heiligen Teresa wird ein stark ins Fromme weisender Zug zugeschrieben; sie selbst berichtet davon, verschweigt aber nicht, daß ihr selbiges in der Pubertät eher etwas abhanden kam, um sich hernach freilich der Heiligen erneut zu bemächtigen - worauf diese an die Pforte des Karmelitinnenkloster klopft und eintritt; keineswegs zur Freude ihres Vaters. Und was passiert alsdann im frommen Gemäuer? Aus der anfänglich sehr eifrigen Ordensfrau wird nach einer Weile eine Durchschnittsnonne, die jeden belanglosen Mist mitmacht, den ihre Co-Nonnen damals so mitgemacht haben: Hier ein Schwätzchen, da ein Schwätzchen, ein bisschen Beten, ein bisschen Bummeln und so weiter.
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Wir sehen die Heilige in all jene Banalitäten verstrickt, in denen auch wir uns immer wieder verhakeln. Keine, Gott bewahre! bösen und niederträchtigen Sünden ... aber auch Teresa lebte, ehe sie in Kraft und Gnade dieselbe hinter sich lassen konnte, in ihrer kleinen Parallelwelt neben dem Reich Gottes. So wie wir wohl überwiegend auch - und selbst wenn uns Gott nicht in die Radikalität der Nachfolge der großen Heiligen von Ávila ruft, so mag ihre Fürsprache an ihrem Festtag heute uns doch helfen, "unsere" Welt immer wieder zu überwinden: ora pro nobis!
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Bild: Die heilige Teresa von Ávila - Statuette von Matthias Faller im Heimatmuseum zu St. Märgen; in der benachbarten Klosterkirche befindet sich aus Sicherheitsgründen zwischenzeitlich eine Kopie.

Mittwoch, 14. Oktober 2015

Sententiæ CI

Die Wüsten müssen bestanden werden. Und ich weiß dies: ich bin nicht allein. Das Gesetz der Gnade gilt. Und ich weiß dies: ich bin nicht allein. Das Gesetz der Treue und der Liebe und des betenden Opfers gilt. Und ich weiß dies: der Stern wird über der Wüste stehen. Und ich muß den Strom des Heiles einströmen lassen. Und die Wasser unserer Bitternis werden gewandelt sein in den Wein der göttlichen Segnung und Weihung: Adoro et Suscipe.
P. Alfred Delp SJ, 6. Januar 1945

Montag, 12. Oktober 2015

Barock nachgelegt

Die bekundete Bitte Bellfrells bildfroh zu befolgen, barockisiere ich den blog noch ein wenig weiter ... zumal man des Hochaltars der Einsiedler Klosterkirche durch das Chorgitter in der Regel nicht recht gewahr wird:
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 Kloster Einsiedeln - Hochaltar 


  

Sonntag, 11. Oktober 2015

Die BamS (barock pontifiziert)!

Heute mag ich mich mal nicht mit einem Bild bescheiden; darum gibt es mehrere Bilder am Sonntag!, alle vom heutigen Pontifikalamt zum 20. Sonntag nach Pfingsten im althergebrachten Ritus mit dem Erzbischof von Lichtenstein, Exzellenz Wolfgang Haas, in Einsiedeln. Ich durfte ein paar Akkorde beisteuern; leider konnte ich mir dazu nicht die große französisch-romantische inspirierte Mauritius-Orgel angeln, sondern bekam die süddeutsch spätbarock ausgelegte Marienorgel ("unsere Gästeorgel") zugewiesen; freilich wäre man gewiß froh, auch andernorts eine "Gästeorgel" solcher Qualität vorzufinden. Und immerhin hatte ich geradezu einen echten Logenplatz und leider nur meine kleine Kamera dabei; ein paar Impressionen sind aber dennoch was geworden ...
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Samstag, 10. Oktober 2015

Wie ein Gewand werden allsamt sie zerfasern

 Astronomie - Erzbischöfliches Ordinariat Freiburg, Treppenhaus 
Zu den Anfechtungen meines Glaubens zählt immer wieder die Frage, ob es wirklich sein könne, daß über uns ein Gott walte, der sich unser annehme, ja ... jedem einzelnen von uns absichtsvoll das Leben und ein Ziel zugedacht habe, welches darin bestehe, nach diesem Leben in einer innigen Gemeinschaft der Liebe mit und vor ihm ewig zu leben.
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Dem steht mir zuweilen das Bild gegenüber, das die Wissenschaften von einem All zeichnet, welches sich stets weiter ausdehne, unvorstellbar in der ihm innewohnenden Dynamik und in vielen Fragen unverstanden, zweifelsohne jedoch eine Sammlung unzählbarer Gestirne, Sonnen, Monde, Planeten - eine black box, ein unsere Welt und unseren Horizont in jeder Hinsicht weit übersteigendes "Welt-All". Gewiß ist vorstellbar, es könne vielleicht etwas geben, was - größer wiederum und noch gewaltiger als dieses "All" selbst - dessen Urgrund sei, der "Schöpfer" ... schon regt sich der Verdacht, so ein Schöpfer könne an dieser schier mikrobischen Lebensform "Mensch" im Irgendwo des Alls wohl kaum Interesse haben, an der "Menschheit" so wenig wie am einzelnen Menschen. 
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Dann der nächste Zweifel: Welchem Wandel, welcher Entwicklung waren jene Wesen, die wir heute "Menschen" nennen, seit frühester Zeit unterworfen! Wo war Gott in den primitivsten Augenblicken der Evolution? Etwas Erde, zwei Knetmännchen, ein Morgen, ein Abend, und alles war gut? Womöglich ist die Erzählung von Kain und Abel das mythische Gedächtnis dessen, was später als survival of the fittest einen wesentlichen Aspekt der Evolutionsgeschichte beschreibt? Wo aber ist da Platz für Gott und Vorsehung und Glaube und Liebe und Hoffnung? Nicht minder schleicht alsdann die Vermutung herauf, daß alles, was wir von fremder Macht "geschaffen" glauben, letztlich über Jahrmilliarden hin keinen anderen Sinn als in sich selbst findet: wie es war im Anfang, so auch jetzt und allezeit kotzt die Erde ihre armseligen Menschen und sich selbst immer wieder aus - und allein da möchte man meinen, so werde es auch ewig bleiben. Manchmal ist mir danach, "Amen" darauf zu sagen.
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Und doch glaube ich an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer Himmels und der Erde, der sichtbaren und der unsichtbaren Welt. Und dieser Gott hat mir heute morgen einen Zuspruch in jene Waagschale geworfen, die dem Pfund des Zweifels entgegen gesetzt ist. Die abschließenden Verse des 101. Psalms habe ich schon oft gelesen; zumeist wanderte mir zuvor die Erniedrigung vor das Auge, in dem sich die Kirche - ihre Klage höre ich in diesem Lied - immer wieder, so auch in diesen Tagen, findet. Am Ende aber hebt der Psalmist Stimme und Auge aus aller Klage hinauf in einen sehr weiten Horizont:
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Ich spreche: 
Nimm nicht hinfort mich, Herr, in der Hälfte meiner Tage; *
deine Jahre währen durch alle Geschlechter.
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In einer ersten Ordnung hast du die Erde gegründet, *
und das Werk deiner Hände ist der Himmel.
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Beides vergeht. Du aber bleibst. *
Alles sonst veraltet wie ein Kleid.
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Wie ein Gewand wechselst du sie, und sie wandeln sich. *
Du aber bleibst derselbe; deine Jahre haben kein Ende.
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Deiner Knechte Söhne wohnen in Sicherheit,
und ihr Samen hat vor dir Bestand (Ps 101, 25-29).
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Zuerst war ich etwas irritiert durch das beschriebene Zeitgefüge: "Deine Jahre währen durch alle Geschlechter". Würde man nicht eher erwarten, daß die Geschlechter an die "Jahre" Gottes geknüpft werden und nicht die "Jahre" Gottes an die Geschlechter, wie es hier der Fall ist? Und was sind überhaupt die "Jahre" Gottes, die "Jahre" des Ewigen? Die bildhafte Sprache will ja nichts anderes sagen, als daß sich in aller Geschichte auch die Ewigkeit Gottes ("deine Jahre haben kein Ende") mitteilen möchte und mitteilt: in jeder Wendung, jedem Bruch, jeder neu aufgeschlagenen Seite der Geschichte der Menschen, in jeder Höhe und in jeder Tiefe, in jedem Augenblick, jeder Zeitspanne, selbst in jeder Dauer einer Klage oder einer jeden Träne, die aus dem Auge über das Gesicht zur Erde fließt, ist Gottes Ewigkeit, davon weiß dieser Psalm, gegenwärtig.
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Zumeist wird danach übersetzt, Gott habe die Erde "im Anfang" gegründet. Die lateinische Fassung des Psalterium Pianum bringt hier ein interessantes Wort ins Spiel: In primordiis terram fundasti. Der Begriff lässt den Hymnus der Sonntagsvesper im Ohr klingen, in welchem von den primordiis lucis novæ die Rede ist, vom Sich-Aufbrechen neuen Lichtes in der Schöpfung. Im Wort primordium begegnen sich hierbei die Begriffe primus: "der oder das Erste" und ordo: "die Ordnung" - in einer ersten Ordnung habe Gott die Erde gegründet, so betet der Psalm. Mit ausgesagt wird hier ebenfalls ein dynamisches Moment: denn die erste Ordnung, jene des Anfangs, ist numerisch offenbar von einer weiteren Entfaltung dieser Ordnung zu unterscheiden. Geht man dem Begriff primordium ein wenig nach, findet man ihn in der Biologie oder auch der Medizin aufgegriffen. Da bezeichnet er den Anfang einer Organentwicklung bei einem Embryo, dort das Pflanzengewebe, aus dem ein pflanzliches Organ, also ein Blatt oder beispielswegen eine Blüte, entwächst. Mir redet dieser Vers von der dauernden Bewegung und Entfaltung, in der sich alles Geschaffene bis heute befindet.
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Der Begriff primordium ist durch die Übersetzer des Pianum gut gewählt, denn er leitet das Bild vom Werden, vom Wechsel und vom Vergehen ein, welches die folgenden Verse prägt. Alle Geschichte seit ihrem Anfang ist nur Gewand Gottes, der sich in dieser Geschichte im wahrsten Sinn des Wortes bewegt. Wo der lateinische Text davon spricht, daß universa sicut vestis veterascent, es würde alles wie ein Kleid veralten, übersetzt Martin Buber: "Wie ein Gewand werden allsamt sie zerfasern", der Himmel und die Erde und was immer sich derweil dazwischen abspielt. Gott aber bleibt, versichert der Psalmist, welche Wendungen die Geschichte auch immer nimmt, wie irritierend ihre Phänomene auch immer auf uns einwirken, wie groß, gewaltig, unwirtlich und unüberschaubar auch alles sein mag, was unseren Geist in Beschlag nehmen möchte. Mit dem Psalm will ich rufen: "Herr, höre mein Gebet, mein Rufen dringe zu dir! Verbirg nicht dein Antlitz ..." (Ps 101, 2 f.): Lass es mir immer wieder aufleuchten, wie es mir heute aufgeleuchtet ist in den Worten deiner Schrift, in den Worten dieses Psalmes!
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Es ist versprochen: "Deiner Knechte Söhne wohnen in Sicherheit" - et semen eorum coram te durabit: Ihre Geschlechter - ihr Samen - haben Bestand vor Ihm, dem Ewigen, was immer gewesen, was ist und sein wird. Sie werden einmal allem unverstandenen Wandel und aller inneren und äußeren Not dieser und aller Zeit entrissen sein:
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So schuf die Seelenpein 
Der ausgeleerten Zeit
In mir den Edelstein
Der Ewigkeit.
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(Reinhold Schneider)
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Bild: Allegorische Darstellung der Astronomie - aus einem Bilderzyklus der Künste und Wissenschaften von Franz Schilling im Treppenhaus des Erzbischöflichen Ordinariats zu Freiburg.

Mittwoch, 7. Oktober 2015

Wann ich gerne zum Rosenkranz greife

 Die sog. "Rosenkranzmadonna" in der ehem. Klosterkirche St. Peter im Schwarzwald 
Um ehrlich zu sein ... ich bin kein großer Rosenkranzbeter. In Gemeinschaft fällt es mir nicht leicht, das vorgegebene Tempo, Murmeln und die Schau der fünfzehnfältigen "Geheimnisse" auf die Reihe zu bekommen. Allein mit mir und der Kette in meinen Händen döse ich mitunter weg. Aber es gibt immer wieder Augenblicke im Leben, da greife ich zum Rosenkranz wie nach einem Strohhalm - dann nämlich, wenn ich geistlich so richtig vor den Hund gekommen bin, wenn mir bewußt wird, wie sehr ich mich über einen gewissen Zeitraum hin von Gott entfernt habe, statt seine Nähe zu suchen ... dann plötzlich kommt es mir peinlich vor, etwa zum Stundengebet zu greifen und so zu tun, als sei nichts gewesen und alles in bester Ordnung: culpa rubet vultus meus. Dann führt mich der Rosenkranz zurück in die Spur: im Bekennen des Glaubens, in den Bitten um Hilfe in diesem Glauben und in der Hoffnung und in der Liebe, im Lob des Dreifaltigen Gottes, in der Näherung an das Leben Jesu - und alles das an der Hand der Mutter: Gegrüßt seist du, Maria, voll der Gnade ... bitte für uns Sünder, jetzt und in der Stunde unseres Todes. 
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Amen. 
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Bild: Die sog. "Rosenkranzmadonna" in der ehemaligen Klosterkirche zu St. Peter im Schwarzwald.

Sonntag, 4. Oktober 2015

Das BamS (nachklingend)!

Ein kleiner Nachklang mit der "kleinen" heiligen Theresia auf deren Fest gestern ... eine Aufnahme aus der Kirche St. Peter und Paul zu Lahr:
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Freitag, 2. Oktober 2015

Engel an unserer Seite

Engel mit Spruchband "Qui volunt mihi mala" - Straßburg, Saint-Pierre-le-Jeune prot., Kreuzgang 
Confundantur, et revereantur,
qui quærunt animam meam.
Avertantur retrorsum, et erubescant,
qui volunt mihi mala.
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Es sollen zu Schanden werden und weichen allzumal,
die nach meiner Seele trachten,
zurückweichen und in Scham erröten,
die mir übel wollen.
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(Psalm 69, 3 f.)
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Seine Engel sende uns Gott, auf daß sie uns behüten auf allen unseren Wegen und Sorge um uns tragen, daß unser Fuß sich nicht stoße an einem Stein: Sie mögen uns stärken angesichts der Verführungen durch alle, die uns übel wollen!
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Engel mit Spruchband im Gewölbe des Kreuzganges bei der Kirche Saint-Pierre-le-Jeune protestant zu Straßburg.

Donnerstag, 1. Oktober 2015

Die Taufe eines neuen Kontinents

 der hl. Remigius tauft Chlodwig - Altarbild, Kirche St. Remigius zu Heuweiler 
Der grimme Chlodwig, der aus Anlass seiner Taufe bei Bischof Remigius von Reims das Knie beugte, war ein Machtmensch. Es könnte mindestens ebenso soviel taktisches Kalkül in diesem Akt gelegen haben, wie er sich andererseits dem Gelöbnis verdanken mag, Christ zu werden, ginge er siegreich aus der Schlacht von Zülpich (496) hervor. Den Anteil, den Chlodwigs Gattin Chrodegild, eine burgundische Königstochter und eifrige Christin, an dieser Taufe aufnahm, darf aber nicht minder unterschlagen werden. Welche Faktoren auch immer ineinander gegriffen haben - die Taufe machte den König nicht frömmer; er blieb ein brutaler Haudegen, dem jedes Mittel recht war, seine Macht zu sichern.
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Die Taufe selbst aber - an einem Weihnachtstag kurz vor dem Jahr 500 herum vollzogen - markiert einen wichtigen Punkt in der Geschichte Europas: Sie gewann das heraufziehende Reich der Franken dem Christentum und dem katholischen Glauben - und besiegelte Abstieg und Verschwinden der arianischen Irrlehre, die in Germanien Wurzel geschlagen hatte. Chlodwigs Taufe festigte das christliche Fundament Europas auf dem Felsen Petri.
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Die Gnade nimmt zuweilen seltsame Wege: Ein wüster König wird Christ, ohne sich innerlich davon übermäßig bewegen zu lassen, ein Kontinent aber findet seinen Glauben und wird aus diesem heraus künftig bewegt und geprägt: Ich wage zu behaupten, daß sich im Bekenntnis Chlodwigs zu Christus jenes Europa, wie wir es heute (noch) kennen, zum ersten Mal ausgesprochen und sich seiner selbst zu vergewissern begonnen hat. Daß es - bei allen Höhenflügen und aller Abstürze seiner vielgestaltigen Vergangenheit zum Trotz - dieses Momentes, des Urgrunds seines Selbstverständnisses nicht endgültig vergesse, dazu helfe der heilige Bischof Remigius, dessen die Ekklesia heute gedenkt: ora pro nobis!
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Der hl. Remigius salbt König Chlodwig bei dessen Taufe - Hochaltarbild der Pfarrkirche St. Remigius zu Heuweiler im Breisgau.