Dienstag, 30. Juni 2015

Vom Herzensgeheimnis in der Stunde am Kreuz

 Herz Jesu - Pfarrkirche St. Remigius zu Heuweiler 
Eine erschütternde Seite habe ich in diesen Tagen aufgeschlagen. Ich fand es in dem zuweilen bereits erwähnten Bändchen mit Gebeten von Erich Przywara SJ - der Text zeichnet ein Bild unseres Glaubens, dem wir vielleicht lieber ausweichen würden, das uns aber immer wieder in die Quere kommt und bei dem wir ahnen, wie arm und schwach und zweifelnd wir im Bekenntnis stehen. Przywara beschloß seine - damals zumeist in München gehaltenen - Predigten mit solchen Gebeten; dieses hier stammt aus dem Januar 1945. Es soll auf seine Art diesen dem Herzen Jesu geweihten Monat beschließen:
O Heiland, wir knien vor Dir nicht nur mit einem schwachen Glauben, nicht nur mit einem armseligen Glauben, sondern wir knien vor Dir eigentlich mit keinem Glauben: mit einem nur angelernten Glauben, aber verzweifelten Glauben: mit dem Wunsch, glauben zu können, und doch mit dem Wissen, daß wir es eigentlich nicht können.
O Heiland, es ist noch schlimmer: wir glauben eigentlich nicht, daß wir einmal glauben könnten! Wir möchten, daß diese Finsternis uns ganz überdecke! Was wir möchten, ist fast dies, daß das ewige Leben nichts sei als ein ewiger Schlaf und ewiges Vergessen.
Heiland, wir bitten dich, laß uns in dieser Stunde erkennen, welch' Geheimnis Du mit uns tust: daß Du uns hinein nimmst in Dein Herzensgeheimnis, in Dein Liebesgeheimnis der Stunde am Kreuz, wo Du selber gesagt hast: "Gott, mein Gott, wozuhin hast Du mich verlassen?!" Wo Du selber, der Sohn des Ewigen Vaters, der in der Schau Gottes steht, wo Du einen verfinsterten, ausgeleerten, vernichteten Glauben bekannt hast.
Heiland, laß uns ein wenig spüren, daß wir hierin Deine Gnade und Liebe haben, daß wir in diesem Glauben bei Dir sind wie noch nie.
Erich Przywara: Auferstehung im Tod. Gebete. Zürich o.J. S. 47 f. Im Bild eine Herz-Jesu-Darstellung in der Pfarrkirche St. Remigius zu Heuweiler im Breisgau.

Montag, 29. Juni 2015

So kehren sie wieder und kommen unter dem Jubel der ganzen Ekklesia

Die heiligen Apostel Petrus und Paulus; Deckenfresko in der Klosterkirche zu St. Peter im Schwarzwald
Quoniam beatus Petrus et Paulus Apostoli tui,
quod in lacrymis seminarunt,
in gaudio metere nunc probantur.
Et qui euntes ibant et flebant,
non morte perterriti,
sed ut beatæ perciperent plenitudinem passionis,
gloriosi sanguinis semina pretiosa mittendo,
venientes ecce nunc veniunt
in exsultatione totius Ecclesiæ,
fructum victoriæ sempiternæ
et præsentibus referentes præmiis et futuris.
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Denn nun werden beglaubigt
der selige Petrus und Paulus, deine Apostel,
da sie in Freuden ernten, was sie unter Tränen gesät.
Die auszogen und gingen unter Klagen,
sie schreckte der Tod nicht ab,
vielmehr nahmen sie auf sich die Fülle seligen Leidens,
zu säen den kostbaren Samen ihres hoch zu rühmenden Blutes,
seht: so kehren sie wieder und kommen
unter dem Jubel der ganzen Ekklesia
und tragen herbei die Frucht ewigen Sieges,
den Lohn dieser und der kommenden Welt.
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Diese wunderbaren Worte einer alten præfatio zum Fest der hl. Apostel Petrus und Paulus sind dem Sacramentarium Leonianum entnommen, einer Handschrift des 7. Jahrhunderts, welche uns, so nimmt man heute an, einen Einblick in die leiturgía Roms des 5. Jahrhunders gewährt: ein kleiner Schatz der betenden Ekklesia jener alten Zeit.
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Jenseits solch liturgiegeschichtlicher Erwägung deutet uns der Text aber auch Psalm 125, dessen letzte Verse unüberhörbar paraphrasiert werden: Unter Jubel tragen die Apostel die Frucht ihrer Klagen und Tränen herbei - wir aber, die der Kyrios aus der Gefangenschaft der Sünde und des Todes befreit hat, können beim Psalmisten einstimmen: "Der Herr hat Großes an ihnen getan! - Wahrlich, der Herr hat Großes an uns getan!" (Ps 125, 2 f.). Nun helfe uns die Fürsprache der heiligen Apostel, daß ihre Leiden und Mühen auch an uns fruchtbar, mächtig und groß werden ... ora pro nobis!
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Bild: Petrus und Paulus begegnen einander in der Gefangenschaft zu Rom; Deckenfresko von Franz Joseph Spiegler in der Klosterkirche zu St. Peter im Schwarzwald.

Sonntag, 28. Juni 2015

Tagessplitter

Aus dem Mitte-Sixties erschienenen Artikel der Schweizerischen Kirchenzeitung, welcher Äußerungen von Giacomo Kardinal Lercaro aus dem Gefechtsfeld liturgischer Rumreform reportiert, hat konzilsblog.ch am Freitag einen Beitrag nachgeschaufelt: "zu Übertreibungen in der Liturgiereform". Das klingt dem Alte-Messe-Molch beinahe versöhnlich im Ohr, schwenkt aber bei genauerem Hinlesen - was Wunder auch! - ein fettes Bocksbein. Der Kardinal beklagt zwar das (im Jahr 1965 noch nicht erlaubte) laute Beten des Canon Romanus und die damals noch illegal um sich greifende Praxis der Pfotenkommunion; wer aber glaubt, Lercaro hätte das für unziemlich, der Ehrfurcht zuwider und nicht angemessen gehalten, stellt fest, daß den Kardinal weniger die Sache an sich, sondern vor allem die Eigenmächtigkeit einzelner Priester gegrätzt hat. Und das war erst der Anfang liturgischer Inkulturation in den Geschmack der Zelebranten. Pappnasen und Karnevalsmessen kannte da noch keiner.
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Nach dem ersten Tagessplitter zu diesem Thema (hier) streifte übrigens ein Kommentar das Alter der Nachgeborenen - was mich erstens an Lercaros Vermutung erinnerte, die "Macht der Überlieferung, der Gewohnheit" könne bei manchen ("älteren Leuten") Widerstände gegen die neue Liturgie wecken, und mich dann zweitens etwas grinsen ließ. Denn für mich war das "Gewohnte" ausgerechnet jene "neue" Liturgie, mit der ich aufgewachsen bin, und auf die ich heute so garnichts halten mag. Meine "persönliche" Liturgiereform äußerte sich mithin in der restlos widerstandsfreien Hinwendung zur "alten Messe" und zum Stundengebet vorkonziliaren Zuschnitts ... und ich danke Gott, daß er mir derzeit die Möglichkeit schenkt, regelmäßig daran Teil haben und in diesen Ozean abtauchen zu dürfen, in den die Jahrhunderte ihre ganz unterschiedlichen Quellen und Wasser ergossen haben.

Das BamS (like the Sixties)!

Eins muß man der Grütze des ... wollte sagen: dem Geist des Konzils lassen: Man wird allenthalben dran erinnert (wie jüngst in Heuweiler) ...
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Samstag, 27. Juni 2015

Unserer Lieben Frauen von der immerwährenden Hilfe Bild und Botschaft

 ULF von der immerwährenden Hilfe - Bubenbach, Pfarrkirche St. Joseph 
Seit langer Zeit wird unter dem Titel Maria von der immerwährenden Hilfe zu Rom eine Ikone verehrt, die wahrscheinlich im 14. Jahrhundert auf Kreta geschaffen wurde. Sie zeigt uns Unsere Liebe Frau mit dem Jesusknaben. Während Maria den Betrachter unmittelbar anschaut, blickt das Kind auf ihrem Arm auf einen der beiden Engel (es handelt sich um Michael und Gabriel), die in ihren Händen die Leidenswerkzeuge tragen. Jesu Hand ist dabei in die Hand seiner Mutter gelegt. 
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Die "immerwährende Hilfe" Mariens ist, das scheint mir die Botschaft dieser Darstellung, keine Versicherung gegen irdische Not, gegen Elend und Bedrängung im Leben. Die Leidenswerkzeuge, die vom bitteren Los des Kindes zeugen, sind im Bild präsent; sie stehen auch für all das Leidvolle, das uns im Leben widerfährt und worauf wir womöglich so angstbesetzt schauen, daß wir für nichts anderes mehr Augen haben. Und doch dürfen wir uns in die Hand der Mutter bergen: Ihr offener und auf uns gerichteter Blick soll uns die Augen öffnen und weiten, daß wir bei ihr, was immer geschieht, geborgen sind: Maria sucht unser Antlitz - erwidern wir vertrauensvoll diesen Blick!
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Zum heutigen Gedächtnis Mariens von der immerwährenden Hilfe seien - zumal heute in einem Kommentar nach der Quelle gefragt wurde - die gestern vermerkten Verse Petrarcas vollständig wiedergeben:
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Du schöne Jungfrau, sonnenglanz-umkleidet,
von Sternepracht gekrönt, der höchsten Sonne
so lieb, daß sie in dir ihr Licht verbarg:
die Liebe drängt mich, Worte dir zu weihen,
doch ohne dich kann ich es nicht beginnen
und ohne Ihn, der liebend in dir weilt.
Dich ruf ich an, die immerdar erhörte,
wer gläubig zu dir rief.
Jungfrau, da zum Erbarmen
die Elendsfülle menschlicher Gebrechen
dich immer hat gerührt, o neige dich mir zu,
steh' mir im Kampfe bei,
bin ich auch Staub und du des Himmels Herrin!

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Jungfrau, so menschlich fühlend, feind dem Stolze,
laß dich von Liebe gleichen Ursprungs leiten,
erbarme dich des tiefzerknirschten Herzens!
Wenn ich ein wenig armen Erdenstaub
mit wunderbarer Treu' so sehr geliebt,
wie werd' ich dir begegnen, holdes Wesen?
Wenn ich aus meiner Armut und geringem Stand
durch deine Hand erhoben,
Jungfrau, deinem Namen
Gedanken, Geisteskraft und Stil,
Zunge und Herz, Tränen und Seufzer weihe,
leit' mich zu bess'rer Furt
und nimm in Gnade auf mein neues Sehnen!
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Es naht der Tag und kann nicht fern mehr sein,
es eilt und fliegt die Zeit,
Jungfrau, einzig Erwählte,
und Herz, Gewissen und der Tod mich drängen.
Empfiehl mich deinem Sohn, der wahrer Mensch
und wahrer Gott,
daß Er aufnehme meinen letzten Hauch im Frieden.
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Die Canzone von Francesco Petrarca wurde von Alexander Baumgartner ins Deutsche übertragen. Entnommen dem Band: Das große Marienbuch. Vaduz 1965. S. 208 mit Verweis auf den Manesse-Band von Otto Karrer: Maria in Dichtung und Deutung. Das Abbild Unserer Lieben Frau von der immerwährenden Hilfe hängt in der Pfarrkirche St. Joseph zu Bubenbach im Schwarzwald.

Freitag, 26. Juni 2015

Madonna mia!

Südbaden wird hin und wieder die "Toskana Deutschlands" genannt. Und in der Tat verströmte mir - Madonna mia! - die Lourdes-Grotte auf dem Kirchhof von Heuweiler heute ein wenig italianità  ...
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Du schöne Jungfrau, sonnenglanz-umkleidet,
von Sternepracht gekrönt, der höchsten Sonne
so lieb, daß sie in dir ihr Licht verbarg:
die Liebe drängt mich, Worte dir zu weihen,
doch ohne dich kann ich es nicht beginnen
und ohne Ihn, der liebend in dir weilt.
Dich ruf ich an, die immerdar erhörte,
wer gläubig zu dir rief.
Jungfrau, da zum Erbarmen
die Elendsfülle menschlicher Gebrechen
dich immer hat gerührt, o neige dich mir zu,
steh' mir im Kampfe bei,
bin ich auch Staub und du des Himmels Herrin!
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(Francesco Petrarca: Canzone).

Donnerstag, 25. Juni 2015

Tagesplitter

Keine Ahnung, ob es anderen ähnlich geht - ich selbst lese gerne Tendenztexte aus der Zeit von Das Konzil ... also weniger hochgelehrtes V2-Fachchinesisch jener Tage, sondern eher die damals brühwarm servierte Anwenderplörre fürs Kirchenvolk. Den bereits erwähnten Roman Das Konzil kommt in ein Dorf zähle ich etwa zu diesen literarischen Großtaten, aber auch Zeitungsartikel von Anno und Dunnemal oder den pathosschwangeren Bildband Die Welt aber soll erkennen - also allsamt den Intellekt eher wenig überfordernder Lesekram von recht geringer Halbwertszeit; interessant all das jedoch allzumal, um einen Eindruck zu gewinnen, wie "die" damals so "tickten".
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Der Schweizer konzilsblog.ch liefert heute wieder so eine abgesoffene Perle in Form einiger Zitate von Giacomo Kardinal Lercaro (aus einem Text, der 1965 in der Scheizerischen Kirchenzeitung erschienen war). Lercaro zählte zu den vier Moderatoren in der Konzilsarena, leitete alsbald den "Rat zur Durchführung der Liturgiereform" und verbreitete zuweilen blühenden Unsinn:
In den Widerständen gegen die Liturgiereform sah Lercaro ungenügendes Wissen, "eine Unkenntnis dessen, was Kirche ist", auch eine "Unkenntnis über die Teilnahme des christlichen Laien an der priesterlichen, prophetischen und königlichen Sendung Christi". Zu diesem ungenügenden Wissen geselle sich besonders bei älteren Leuten die Macht der Überlieferung, der Gewohnheit.
Heute wissen die Laien, um das kardinaleske Blabla ein wenig zu kastrier... ähh kontrastieren, natürlich rundum Bescheid, was "Kirche" ist (nämlich irgendwas renitentes "von unten") und halten in Teilnahme ihrer priesterlichen, prophetischen und königlichen Sendung der Fronleichnamsprozession, wie jüngst in München geschehen, kirchenvölkische Protestplakate entgegen ...

Mittwoch, 24. Juni 2015

Auf Umkehr hin

St. Johannes der Täufer - Straßburg, St. Pierre le Jeune
Kehrt um!
Denn genaht ist das Königtum der Himmel
(Mt 3, 2).
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Den in der Wüste Rufenden feiert heute die Ekklesia. Er ist "der geliebte Wegbereiter, das vor dem Kyrios leuchtende Licht. Er ist Johannes, der dem Kyrios den Weg bereitet in der Unwirtlichkeit ... er geht ihm voran im Pneuma und in der Kraft des Elias" (Responsorium der zweiten Nachtwache).
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Wer in das Königtum der Himmel eintreten möchte, muß umkehren. Denn dieses Reich nimmt seinen Weg durch uns; es kann nicht wachsen, wenn wir uns sperren, wenn wir unserem alten Trott weiter folgen und meinen, man könne auf Dauer beides unter einen Hut bringen, es sich in einer gottfernen Welt gemütlich machen und in der Nähe des Königtums der Himmel auf dessen Hereinbrechen harren. Das Königtum der Himmel ist Gegenwart in Christus, aber es zwingt sich nicht von selbst in die Welt, bricht nicht von sich aus an in dieser Zeit - es kommt in uns und durch uns. Wir müssen uns entscheiden, Tag um Tag neu, Anfechtung um Anfechtung, allen Versuchungen und allen damit verbundenen Niederlagen zum Trotz: Kehrt um!
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Den Ernst der Botschaft unterstreicht die Radikalität des Boten: Ein Sohn der Wüste ist dieser Johannes, "hatte sein Gewand aus Kamelhaar und einen ledernen Gurt um seine Hüfte; seine Zehr waren Heuschrecken und wilder Honig" (Mt 3, 4). Seine Botschaft ist hart und undiplomatisch. Sie sticht alle Versuche aus, eine Existenz aus dem Glauben am Anspruch, den dieser Glaube an unsere Existenz stellt, vorbei zu leben: "Schon ist die Axt an die Wurzel der Bäume gelegt: Ein jeder Baum also, der nicht gute Frucht bringt, wird herausgehauen uns ins Feuer geworfen. Ich taufe euch zwar im Wasser ...
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... auf Umkehr hin" (Mt 3, 10 f.).
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In heiligem Pneuma und Feuer tauft jener, dem Johannes den Weg zu uns bereitete und dessen Weg nun wir bereiten sollen bis in die letzte Tiefe dieser Welt hinein. Die Fürsprache des Täufers bei Christus, dem Kommenden, helfe uns dazu: ora pro nobis!

Bild: Der hl. Johannes der Täufer - Wandmalerei in der Kirche Saint-Pierre-le-Jeune zu Straßburg.

Dienstag, 23. Juni 2015

Tagessplitter

Da erkunden Opa und Enkel (oder Vater und Sohn) gemeinsam die Berge und den Wald und den Bach und die Wiese und den Zauber der Tage und den der Nacht und überhaupt all die schöne Natur. Am Ende dieser das Herz erwärmenden Beschwörung generationenübergreifender Harmonie, deren Bilder gestern Abend im Schweizer Fernsehen als Werbespot über meine Mattscheibe wanderten, bekommt der Junge vom Älteren ein Geschenk, auf daß er künftig "die ganze Welt entdecken" könne:
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... ein smartphone
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Derweil entdeckte ich die Erinnerung an unzählige Jugendliche - es sei am Tage wie zur Nacht -, die von Berg, Wald, Bach, Wiese und Natur kaum noch etwas mitbekommen, weil der Menschenkinder allzu viele vor allem ihre "mobilen Endgeräte" beglotzen. Schöne neue Welt!

Montag, 22. Juni 2015

Das Netz auswerfen

... in verbo autem tuo laxabo rete (Lk 5, 5).
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Auf Dein Wort hin will ich mein Netz auswerfen!
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Ich weiß nicht, Kyrie Christe, was mir ins Netz gehen wird.
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Vielleicht nur wieder Abfall,
der meinen Geist und das Gemüt kitzelnde Dreck aus der Zeit,
der mich immer wieder von Dir wegführt?
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Er beschwert mich,
er zieht mich hinab mit meinem Netz,
hinein in die dunklen Wasser
aus dem er kommt.
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Libera me
de ore leonis,
ne absorbeat me tartarus,
ne cadam in obscurum.
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Du aber willst, das ich das Netz auswerfe,
mich der Anfechtung stelle,
jede Niederlage überwinde,
wieder neu beginne ...
Dir zeige, was ich auch gefangen habe:
mein Versagen,
meine Armseligkeiten,
die arme Beute meiner Schwachheit.
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Du nimmst sie an und verwandelst sie.
Ich muß sie nur Dir in die Hand vertrauen:
alles, was ich habe,
und mich selbst.

Sonntag, 21. Juni 2015

Das BamS (mit Beute machen)!

An der Altarwand der Kirche St. Joseph in Freiburg zu sehen ... laxabo rete (mag im übertragenen Sinn auch für angefaulte Blogger gelten).
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Freiburg, Pfarrkirche St. Joseph 

Sonntag, 14. Juni 2015

Das BamS (mit Schlamper-Toni)!

Sein Fest war bereits gestern, doch heute erfolgt in Basel die Feier des Patroziniums. Der bei den Altvorderen beliebte Begriff "Schlamper-Toni" klingt despektierlich, ist es aber nicht; es handelt sich sozusagen um ein augenzwinkerndes epitheton ornans und betont die Hilfsbereitschaft des Heiligen allen gegenüber, die öfters etwas verlegen, vergessen oder verlieren. Dem steht, am Rande bemerkt, ein Namensvetter gegenüber, des Herkommens ein großer Wüstenheiliger, dem man Wachsen und Gedeih der Schweine anempfiehlt: drum "Sau-Toni" geheißen. Heute aber gilt's dem heiligen Antonius von Padua (hier eine Darstellung aus der Pfarrkirche St. Blasius im Glottertal) ... ora pro nobis!
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 hl. Antonius von Padua - Pfarrkirche St. Blasius, Glottertal im Schwarzwald 

Freitag, 12. Juni 2015

Du unauslöschliches Herz

 Herz Jesu - Pfarrkirche St. Benedikt, Eisenbach im Schwarzwald 
Deine Stimme spricht:
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Nun will ich die Glut der Seele beten,
wie man eine große Litanei betet,
ich will anstimmen den Preisgesang, den man
nicht singet, sondern liebt!
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Heiliges Herz,
göttliches Herz,
allmächtiges Herz,
Purpurnes Geheimnis aller Dinge:
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Sei geliebt, Liebe,
ewige Liebe, sei ewiglich geliebt!
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Du Feuerherd mitten im Dunkel der eisigen Weltnis:
Sei geliebt, Liebe!
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Du Flammenschatten über allem falschen Leuchten der Weltnis:
Sei geliebt, Liebe!
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Du brennendes Mal in aller falschen Ruhe der Weltnis:
Sei geliebt, Liebe!
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Du einsames Herz,
du loderndes Herz,
du unauslöschliches Herz:
Sei geliebt, Liebe!
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Du Herz, tief wie die Nächte, die kein Antlitz mehr haben:
Sei geliebt!
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Du Herz, stark wie die Wogen, die keine Ufer mehr haben:
Sei geliebt!
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Du Herz, sanft wie die Kindlein, die noch keine Bitterkeit haben:
Sei ewiglich geliebt!
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Du Rose aus den Beeten des Unsichtbaren,
Du Rose aus dem Kelch der demütigen Jungfrau,
Du blühender Rosenstrauch,
in dem sich Himmel und Erde umrankt halten:
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Sei geliebt, ewige Liebe!
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Du Königsherz im fließenden Mantel deines Blutes:
Sei geliebt, Liebe!
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Du Bruderherz im wilden Hohn der Dornenkrone:
Sei geliebt, Liebe!
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Du brechendes Herz im starren Schmuck deiner Todeswunden;
Du vom Thron gestoßenes Herz,
du verratenes Herz,
du grausam gemartertes Herz:
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Sei geliebt, Liebe,
ewige Liebe, sei ewiglich geliebt!
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Du Herz, an dem die Gewaltigen ihre Knie finden:
Wir bitten dich um deine Liebe!
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Du Herz, an dem die Kalten ihre Tränen finden:
Wir bitten dich um deine Liebe!
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Du Herz, an dem noch die Diebe und Mörder Verzeihung finden:
Wir bitten dich um deine Liebe!
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Du Scharlachtuch, vor dem die Sünde totenbleich wird:
Wir bitten dich um deine Liebe!
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Du rubinener Quell, nach dem alle kranken Seelen dürsten:
Wir bitten dich um deine Liebe!
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Du leises Nah, in dem sich die getrennten Freunde begegnen:
Wir bitten dich um deine Liebe!
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Du allwissendes Herz,
du allrichtendes Herz,
du letztes Herz:
Wir bitten dich um deine Liebe!
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Daß dein Tag anbrenne:
Wir weihen uns deiner Liebe!
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Daß dein Tag unser aller Herzen aufbrenne:
Wir weihen uns deiner Liebe!
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Daß dein Tag unser aller Herzen in dein Herz verbrenne:
Wir weihen uns deiner Liebe!
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Du gewaltiges Herz,
du unentrinnbares Herz,
du alles verzehrendes Herz -
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Du Herz,
von dem die Himmel ihre Glorie nehmen,
Du Herz,
von dem alle Sonnen und Sterne Anfang und Ende nehmen,
Du Herz,
von dem die seligen Geister ihr Seligtum nehmen;
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Du weltgebietendes Herz,
du weltüberwindendes Herz,
du alleiniges Herz:
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Amen. Amen.
Es brenne herein der Tag deiner ewigen Liebe.

Worte, der Litanei zum Fest des Allerheiligsten Herzens entnommen - aus: Gertrud von le Fort: Hymnen an die Kirche. Volksausgabe. München 1924. S. 52 f. - Bild: Herz-Jesu-Darstellung in der Pfarrkirche St. Benedikt zu Eisenbach im Schwarzwald.

Donnerstag, 11. Juni 2015

Tagessplitter

Hin und wieder hört man von sehr frommen Zeitgenossen, die sich im Vertrauen auf irgendwelche Bibelverse irgendeinem Unbill aussetzen, sich dabei um rein garnichts kümmern und am Ende schlimmstenfalls ins Gras beißen. Meist wird vergessen, daß auch in Punkto "Gottvertrauen" die Gnade auf der Natur aufbaut; und wer immer seine Sorge allein auf den Herrn werfen mag, muß vorab zumindest eines tun: erstmal Werfen.
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"Am Tage versehrt dich die Sonne nicht, und nicht der Mond bei Nacht": Bleichgesichtigen Glatzköpfen (wie meinereiner) bringt es zum Beispiel eher wenig, sich auschließlich auf diesen Vers aus Psalm 120 zu verlassen, um dann einen Sonnenstich zu kassieren. Die Natur lässt schließlich Baumwolle wachsen, derweil irgendwo auf Gottes weiter Erde (in diesem Fall: Made in China) daraus Mützen werden. Die zieht man sich über die Rübe und vermeidet - Deo gratias! - sehrenden Unbill stechender Sonne.
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Beim Einkaufen kam mir heute so eine Mütze in die Finger. Sie erinnerte mich nicht nur an Ps 120, 6, sondern auch an Ps 143, 1 ... Und da sage nun einer, man verursachte in Oberndorf am Neckar aktuell nur Streuverluste (mir scheint ohnehin, daß die Sache von einigen profilgierigen Politikern, Politessen und Pressefritzen reichlich aufgeblasen wird) ... 
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Mittwoch, 10. Juni 2015

Seite eins (8)

I.
Heute kam ein seltsamer Besuch zu mir. Ein großer Kerl, der sich angeblich für mich und meine Schwierigkeiten interessierte.
Ich habe den Herrn aber ziemlich von oben herab behandelt. Ich danke Ihnen sehr, lieber Herr, für Ihre freundliche Anteilnahme, aber mein Leben ist wirklich nicht so bedeutend, daß man darüber spricht.
Ja, so sagt man. Und jetzt, wo ich wieder allein bin mit meinem kahlen Zimmer, das so trostlos nach erkalteter Asche riecht, jetzt frage ich mich.
Ich möchte doch ein Tagebuch führen. Vielleicht entdecke ich so, ob mein Leben merkwürdig ist, mein so alltägliches Landleben ...
Warum habe ich den Mann so angefahren?
***
Lächerlicher Beginn für mein Tagebuch - denn es ist ein Tagebuch -. Was für einen Grund habe ich, diesen Versuch zu unternehmen? Ganze drei Wochen habe ich in meinem schönen Heft nicht eine Zeile geschrieben. Vielleicht habe ich das Lächerliche eines so unnatürlichen Unternehmens gefühlt: steckt doch nur ein eigenmächtiges Wollen, wenn nicht gar Stolz dahinter. Ich habe nicht zu wissen, ob mein Leben merkwürdig ist.
Nein. Aber vielleicht brauche ich einen Kameraden. Wie lieb wäre mir in einer meiner Pfarren ein gleichaltriger Freund, der alle meine Sorgen anhört und mir mit seinen Ratschlägen beisteht. Ein jüngerer oder junger Mensch, am liebsten ein einfacher Mensch vom Lande, mit einem freien und offenen Sinn. So kann ich mich auf niemanden verlassen; aber - wer weiß? - vielleicht zwingt mich meine Pflicht, von Einsamkeit umgeben zu sein?
Ich bin ohne den Freund mit den hellen Augen, der es nicht verschmäht hätte, die Freuden und Sorgen eines Landpfarrers zu teilen. So greife ich zu dir, kleines Heft, und erzähle dir meine eintönigen Erlebnisse, die freudigen und traurigen Begebenheiten meiner Erdenfahrt und meines Strebens. Du sollst das Fahrtenbuch meiner Pfarre sein.
Henri Queffélec: Unter leerem Himmel. Roman eines gottlosen Dorfes. [Originaltitel: Les chemins de terre]. Deutsche Übersetzung von Georg Rabuse. Graz - Wien - Köln 1953.

Dienstag, 9. Juni 2015

In liebe Mutterhände gelegt

 Madonna - Kirche St. Johannes Baptist, Forchheim 
Unserer Lieben Frau gedenkt die Ekklesia heute besonders unter dem Titel Mutter der Gnaden. Gott habe, so ein Wort des Münchner Kardinals Michael Faulhaber, "seine Gnaden nicht an die Sterne gebunden, noch in die Tiefen des Meeres versenkt, sondern sie in liebe Mutterhände gelegt" - diese Hände strecke uns die Hochbegnadete entgegen ... ora pro nobis!
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Bild: Madonna in der Pfarrkirche St. Johannes Baptist zu Forchheim.

Montag, 8. Juni 2015

Kommentarsplitter

Zu den perfidesten Praktiken "wohlmeinender" Abtreibungsbefürworter zählt die Strategie, Opfer gegeneinander auszuspielen. Im Nachgang des gestrigen Beitrages wurde mir mit vorwurfsvollem Unterton das Los eines minderjährigen Mädchens um die Ohren gehauen, welches nach einer Vergewaltigung mit Zwillingen schwanger ging und dem Tod ins Auge sehen mußte. Diese "wohlmeinenden" Zeitgenossen wissen offenbar und zweifelsfrei ganz genau, was zu tun ist: Abtreiben! Es mag schön sein für diese "wohlmeinenden" Mitmenschen, daß sie sich klar und deutlich zur einen Seite hin solidarisieren und zur anderen entsolidarisieren können. Ich kann es leider nicht, denn es gibt keine "Lösung", die eines Menschen Herz in so einem Fall nicht grämen und kümmern würde.
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Die schwangere Minderjährige ist aber nicht in erster Linie Opfer Ihrer Zwillinge, sondern das Opfer eines Vergewaltigers. Damit ist der kaum zu widerlegende Eindruck verknüpft, daß nach einem halben Jahrhundert sexueller Revolution, Befreiung und Freizügigkeit die Dinge ärger stehen als zu den muffigst-altvorderen Zeiten einer "repressiven" Sexualmoral. 
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Überraschung? Von wegen ... wenn nämlich der trotz aller Zivilisation bis heute archaisch funktionierende Sexualtrieb nahezu rund um die Uhr und fast allerorten immer wieder genährt, gar befeuert wird, dann muß man sich nicht wundern, daß eine wachsende Zahl von Menschen auf der dauernden Suche nach dem noch geileren Kick jene Tabus suchen, welche nach umfänglicher Enttabuisierung noch Grenzen sprengen können.
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Warum etwa gerät ein mieses Buch, das zwischenzeitlich nicht minder mies verfilmt worden ist (ich verlasse mich hier auf Urteile der Literatur- und Filmkritik), zum bestseller im Buchladen und zum blockbuster auf der Leinwand? Womöglich, weil Fifty Shades of Grey ein noch bestehendes Tabu bricht? Mithin also an die dunkle Seite des Sexualtriebs appelliert, derweil die Menschen mit ihrem "Blümchen-Sex" zwischenzeitlich sowas von durch sind, daß schlicht der nächste Kick her müßte? Und glaube keiner, man könne diese Entwicklung in den Griff bekommen, indem man den Kindern im Kindergarten einen Dildo in die Hand drückt und sie anleitet, wie man sich befingert und befriedigt ... linke Narretei!
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Zurück zum Thema "Abtreibung" - als wichtiger Bestandteil, um ein Klima der sexuellen "Selbstverwirklichung" und "Freiheit" aufrecht erhalten zu können, ist sie nicht eine Lösung, sondern Teil eines gewaltigen Problems. Die Opfer dieses Klimas sind nicht zuletzt unzählige Kinder - ob im Mutterleib oder doch später im Leben: Opfer einer in letzter Konsequenz enthemmten Sexualität.

Sonntag, 7. Juni 2015

Kleine Frage-Antwort-Spekulation zum Thema Abtreibung

Man könnte mal wieder eine Frage in den Raum stellen. Etwa die hier:
Stellen Sie sich vor, es hätte nicht irgendeine Mutter irgendein Kind, sondern ihre Mutter hätte Sie abgetrieben (natürlich könnten Sie sich dann heute nicht für Abtreibung aussprechen, aber das vernachlässigen wir an dieser Stelle). Also: Wie würden Sie das finden, wenn Ihre Mutter von dem "Recht", das Sie fordern, bei Ihnen selbst Gebrauch gemacht hätte? 
Was mag ein Abtreibungs-Befürworter darauf antworten? Bitte keine Ausflüchte ... daß man dann vielleicht anderweitig zur Welt gekommen wäre, in fernem Land, unnahbar solchen Fragen, mit anderen Eltern, unter anderem Karma ... Nix da Karma! Wir wollen ja streng sachlich bleiben und naturwissenschaftlich verantwortet argumentieren, oder nicht? Die Macht der Gene läßt sich also keineswegs ins Nirvana karamellisieren; andere Mütter bekommen andere Kinder, basta!
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Was könnte unser Gegenüber sonst noch erwidern? Die Egomanen-Variante ("Meine Mutter hat mich aber nicht abgetrieben und alles andere ist mir total schnuppe") wirkt nicht gerade von überbordender Humanität durchtränkt. Noch gruseliger scheint mir aber eine dritte Alternative, wobei der Befragte - ehrlicher Weise - einräumen müßte, daß es ihn dann niemals gegeben hätte. Sofern sich gegen diese Vorstellung dann nicht doch zumindest eine kleine Rebellion regt, kann man sich fragen, wie traurig und wie wenig lebenswert das Leben dieses Menschen mutmaßlich sein muß, wenn die verweigerte Existenz - zumindest als Denkfigur - klaglos und ohne Widerspruch hingenommen würde, ja: akzeptiert wird.
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Und wie dann weiter? Warum sollte man in diesem Fall den Ansichten von Menschen noch geneigt bleiben, welche von der Schönheit zu leben - der Eindruck liegt ja nahe - kaum etwas mitbekommen haben?

Das BamS (mit Ninja-Jesus)!

Den des Lesens nicht Kundigen halfen im Mittelalter vor allem die Bilder und Fenster in den Kirchen,  das Leben Jesu kennenzulernen. So eine biblia pauperum - eine "Heilige Schrift für die Armen" zieht sich über einige Fenster im südlichen Seitenschiff des Straßburger Münsters. Unter den zahlreichen Motiven ist mir bei den österlichen Szenen nicht zuletzt der Abstieg Christi in die Unterwelt aufgefallen, wo die Gerechten des Alten Bundes der Erlösung harrten. Ein Schriftzug unter dem Bild erläutert das Geschehen: "got brach der helle tur" - irgendwie sieht es aber eher danach aus, als hätte Jesus die Tür ninjamäßig eingetreten:
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Christus befreit die Seelen aus dem Totenreich - Fenster (Detail) im Straßburger Münster

Freitag, 5. Juni 2015

Tagessplitter

Diesmal eher schreibfaulen Herkommens - die Bilder mögen selbst verraten, was ich heute mit dem Brückentag angefangen habe ...

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Dann waren da freilich noch die Massen, die sich durch diese Kathedrale geschoben haben, derweil die Orgel unter den Stimmhämmern kundiger Meister jaulte, sich im vorderen Teil ein Orchesterpodium in den Blick nötigte und zu alldem eine lightshow geprobt wurde - so richtig auf sich wirken lassen konnte man weder den Raum, noch all das, was er bezeugen will - aber dieses seit tausend Jahren Gott geweihte Fleckchen Erde hat schon manches er- und überlebt ... die Reformation ... die Revolution ... Das Konzil ... und es wird auch unsere Zeit überleben ...
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Kleine Nachbemerkung: Den ebenfalls entdeckten ultimativen Ninja-Jesus hebe ich mir als Bild am Sonntag! auf.

Donnerstag, 4. Juni 2015

Seines Leibs und seines Bluts teilhaftig

 Monstranz - Fronleichnams-Traghimmel, St. Michael zu Gündlingen  
Das Manna ja,
das man der Engel Brot und Nahrung nennt,
das die Hebräer in der Wüste aßen,
nahm ab und ging zugrunde,
und alle sind gestorben,
und alle, die von ihm sich nährten,
haben dadurch das Leben nicht erworben.
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Doch meines Herren Fleisch,
da es vergöttlicht, voll des Lebens ist,
macht alle, die es essen,
teilhaft des Lebens,
beglückt sie mit Unsterblichkeit.
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Sodann läßt er sie nicht
die Tiefen des Meeres überqueren,
führt nicht sie aus Ägypten in ein ander Land,
daß er den Menschen wieder
Früchte der Vergänglichkeit biete.
Doch auch nicht heißet uns
der Welterlöser
vierzig Jahre lang
umherwandern, damit wir dann
in der Verheißung Lande landen.
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Nein, die mit einem Glauben,
der nicht im geringsten zweifelhaft,
getauft sind,
die macht er seines Leibs
und seines Bluts teilhaftig, führt sie alsbald
zugleich empor
aus Untergang zu Leben,
empor von Finsternis
zum Licht
und von der Erde
himmelwärts.
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(Symeon der Jüngere, der Theologe - aus der 36. Hymne)
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Symeon der Theologe: Licht vom Licht. Hymnen. Deutsch von Kilian Kirchhoff. München (2) 1951. S. 239. Im Bild zwei Stickmotive eines Traghimmels in der Pfarrkirche St. Michael zu Breisach-Gündlingen.

Mittwoch, 3. Juni 2015

De Cathedra

Wenn wieder mal Erfreuliches wohlfeil in die Finger fällt, dann muß sowas verbloggt werden: Dieses in der Nachkriegszeit erschienene Buch steht gewiß nicht auf der Höhe der heutigen Forschung, aber oft werden in solchen Wälzern viele Quellen und Quellenverweise aufgeboten, anhand derer man in den Glaubensgeist und die Vorstellungswelt der Altvorderen ganz zeitlos abtauchen kann. Der Autor selbst erfreut sich in traditionstrunkenen Kreisen ob seiner konservativen Kunstkritik (Verlust der Mitte, erschienen 1948) ohnehin gewisser Beliebtheit ...
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Schon mal Stimmung machen ...

 Traghimmel (Detail) - Pfarrkirche St. Pankratius, March-Holzhausen 
Im Bild: Detail an einem Traghimmel in der Pfarrkirche St. Pankratius zu March-Holzhausen.

Dienstag, 2. Juni 2015

Tagessplitter

In diesen Wochen malträtieren mich wieder die Plakate der Mach's mit-Kampagne zum Gebrauch von Kondomen. Es ist mir, das gleich vornweg gesagt, strunzwurscht, ob man mich für prüde, verklemmt oder sonstwie anderweitig gestört hält, nur weil ich die dämlich bis schamlosen Sprüche auf den Plakaten als affront gegen jene Schamhaftigkeit erachte, die man durchaus einen Mehrwert der Zivilisation nennen kann. 
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Der Erfolg solcher auf den boulevard geschickten Stop-Aids-Events scheint ohnehin fragwürdig, denn zwischenzeitlich ist nicht nur Aids ein Thema - sogenannte Sexually Transmitted Infections (STI) sind es derweilen plötzlich auch, allda heute (nach langer Zeit) wieder auf dem Vormarsch. Komisch: Genau vor allerhand "sexuell übertragbaren Infektionen" sollten doch genau jene Kondome schützen, die man zuvor bereits jahrein und jahraus als Lösung aller Luderei empfohlen hat.
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Das Problem liegt darin, daß einer Gesellschaft eingeflüstert wird, sie könne ausdauernd und allezeit problemlos "Sex haben" und "Liebe machen", sofern man(n) zum Kondom greife. Daß der sexuelle Akt eine geradezu archaische Angelegenheit ist, die sich vorheriger Abrede und Planung am liebsten entzieht und sich im entfesselten Rausch nicht von Vernunftappellen bestutzen lassen möchte, wird schlicht übersehen. Ein Kind auf der Randkante eines tiefen Brunnens spielen zu lassen und es erst dann davor zu warnen, in den Brunnen zu fallen, wenn es bereits dabei ist, das Gleichgewicht zu verlieren, dürfte ähnlich erfolgreich sein wie die unterhalb der Gürtellinie angesiedelte Kondompropaganda.
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Daß es Wege gibt, die beim Schutz vor Aids und verwandten Infektionen weitaus zuverlässiger sind, wird geflissentlich völlig verschwiegen - was angesichts der Infektionszahlen ohne Zweifel weit skandalöser und verantwortungsloser ist, als es jede (prüd-verklemmt-gestörte) Kritik an aktuellen "Präventions"-Maßnahmen jemals sein könnte.

Zum 180. Geburtstag

 Wappen des hl. Pius X. - Reute, Pfarrkirche St. Felix und Regula 
Die These, der hl. Pius X. sei für die Kirche in dieser Zeit ein hoch aktueller Heiliger, kommt in dieser Zeit bestenfalls als minority report daher; doch wer sich umschaut und sieht, wie das depositum fidei umgedeutet und geleugnet, derweil in gewissen Kreisen ein Gegensatz von Orthodoxie und Orthopraxie konstruiert und herbeigeredet wird, kommt nicht umhin, sich heute so einen Heiligen zu wünschen. Einer, der fest im Glauben steht und diesen verteidigt, aber ebenso unverbrüchlich Christus nachfolgt in Geduld und Zuneigung zu den Menschen. Einer, der den richtigen Riecher hat ... sowohl für eine ecclesia semper reformanda, für Reformen, derer die Ekklesia stets bedarf, wie auch für irrlichternde Gefahren, die stets lauern, wenn Überkommen-Vertrautes aus dem Weg geschafft wird, um neuen Ansätzen Raum zu geben: Spätere Päpste hatten diesen Riecher leider nicht immer. Heute vor 180 Jahren wurde der hl. Pius X. geboren; seine Fürbitte helfe der Ekklesia - nach seiner zweiten Geburt zur Gemeinschaft der Heiligen - durch die Zeit ... ora pro nobis!
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Im Bild das Wappen des hl. Pius X. an einer Kniebank in der Pfarrkirche St. Felix und Regula zu Reute im Breisgau.

Montag, 1. Juni 2015

Sententiæ XCIV

... Auch ist es das Wesen der Geschichte, daß in ihr Sendungen aufeinanderstoßen, die einander schneidend widersprechen; indem sie sich aufheben wollen, formen sich Schicksale, werden Willenskräfte zersplittert, Herzen überfordert; in allem kommt es darauf an, daß der Mensch wisse, was er soll, nicht, was er bewirkt.
Reinhold Schneider: Die Hohenzollern