Sonntag, 31. Mai 2015

Grübeleien zur Dreifaltigkeit

Es gebe, so der jüdische Religionsphilosoph Martin Buber, "kein Ich an sich, sondern nur das Ich des Grundworts Ich-Du und das Ich des Grundworts Ich-Es" - der Mensch existiere in Bezügen zu seiner Umwelt, mag man sagen. So bergen nicht zuletzt alle höheren Eigenschaften des humanum nur dann einen erfüllenden Sinn, wenn sie auf Augenhöhe einem Gegenüber begegnen: Was nützte alle Sprache, könnte man am Ende doch nur Steine bereden? Mehr noch: Wo nur taube und stumme Steine den Weg säumen, wird keine Sprache sich jemals entfalten.
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Kann Vergleichbares auch im Blick auf Gott gesagt werden, von dem wir glauben, er habe den Menschen nach seinem Bild geschaffen? Anders gefragt: Wie ist's um "Gott" bestellt und was wären all die an Gott ins Absolute gewendeten Begriffe (Geist, Größe, Macht, Liebe und so weiter - was immer an Zuschreibungen den Religionen gemeinsam scheint) ... was also wäre all das wert, was von Bedeutung, wenn sich dies alles nicht an einem Gegenüber mitteilend verdeutlichen könnte? Und woran, um weiter zu fragen, soll es sich alsdann verdeutlichen? In einer Schöpfung?
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Das würde Gott von (s)einer Schöpfung abhängig machen, das Wesen Gottes mithin ad absurdum führen: ein abhängiger Gott ist überhaupt kein Gott. Das Gegenüber, das "Du", kann nur in Gott selbst zu finden sein: In der Mehrheit der Hypostasen in einem Wesen - wir bekennen diese Mehrheit in der uns offenbar gemachten Dreizahl: Der Vater, der Sohn, das Pneuma: drei Personen in einem Wesen: ein Gott.
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Das Gegenbeispiel mag die Tragik einer zu eng geführten göttlichen Monokultur veranschaulichen: Das Gottesbild des Islam, dem gerne eine "radikale Transzendenz" zugesprochen wird, ist alles andere als radikal transzendent. Diese eine Person in einem Wesen kann als Gott nur behauptet werden in Abhängigkeit von jenem Geschöpf, das sich vor ihm in den Staub wirft. Ein ihm ur-eigenes Gegenüber besitzt es nicht: "Groß" ist er nur vor einer Schöpfung, die auf ihn reagiert - ohne sie ist er kaum mehr als ein unreflexives Etwas, verloren und einsam im Nichts.

Maialtäre 2015 - Kirchzarten, St. Gallus

Einige Maialtäre sind in diesem Unserer Lieben Frau geweihten Monat nun doch noch zusammengekommen ... zum Abschluß - auch als kleine Reminiszenz an das diesem Tag auch eingeschriebene Fest Maria Königin - ein Blick in die Pfarrkirche St. Gallus zu Kirchzarten im Dreisamtal:
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 Maialtar - St. Gallus, Kirchzarten 
Gegrüßt sei, Königin,
Mutter der Barmherzigkeit,
Unsres Lebens Süßigkeit
Und einzige Hoffnung, sei gegrüßt!
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Zu dir rufen wir, Evas verbannte Kinder,
Zu dir seufzen und schmachten wir
In diesem Tal der Tränen hier.
Ach du, die unsre Fürsprecherin,
Richte, im Erbarmen groß,
Deine Augen zu uns hin,
Und laß die Frucht aus deinem Schoß,
Die benedeite, Jesum, uns schauen,
Nach der Verbannung auf irdische Auen.
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O gnädige Maria, ich grüße,
O fromme Jungfrau dich Süße!
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(Salve Regina - nachgedichtet von Richard Zoozmann)

Das BamS! ... dreifaltig mißgelaunt?

Aus dem Blickwinkel dieser Dreifaltigkeit (im Auszug des Hochaltars der Pfarrkirche St. Stephan zu Gottenheim) würde ich lieber nicht zur "Linken" stehen wollen: Sieht ja fast danach aus, als brächen aus dem Szepter des Vaters in Kürze grollende Blitze, derweil der Sohn sämtlichen Böcken sein Kreuz um die Hörner zu hauen gedenkt; selbst mit der Heiliggeist-Taube samt ausgefahrenen Krallen scheint nicht zu spaßen ...
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 Dreifaltigkeit - Pfarrkirche St. Stephan, Gottenheim 

Samstag, 30. Mai 2015

Maialtäre 2015 - Buchenbach, St. Blasius

Einen Maialtar gab's gestern natürlich auch in Buchenbach ...
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Freue dich, Jungfrau Maria,
Flügel meiner Erde,
Krone meiner Seele,
freue dich,
du Freude meiner Freude:
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Selig preis' ich, die dich selig preisen!
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(Gertrud von Le Fort)
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 Maialtar - Buchenbach, St. Blasius 

Freitag, 29. Mai 2015

Das Konzil, dessen Folgen und die Folgen davon (mit Kuh!)

"Kreuze, Lilien, Tauben" zu verstreuen und bzw. oder "Spitzbögen und Kreuzblumen" zu vermehren, wie im vorigen Eintrag anhand einer Wortmeldung des französischen Dominikaners und Das Konzil-Protagonisten Yves Congar verhandelt, mögen einer Kirche gewiß nicht zwangsläufig eine sakrale Anmutung verschaffen; das Übertünchen, Entstucken und Herausbrechen allen Zierrats aber auch nicht - deutlich wird das etwa an der Kirche St. Blasius zu Buchenbach im Schwarzwald. 
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Während des Konzilsrummels wurde die neugotische Landpfarrkirche (erbaut um 1900 nach Plänen des diözesanen Baudirektors Max Meckel) radikal abgemäht: Alle Wandmalereien abgeklopft oder übertüncht, die Höhe des Kirchenschiffs durch eine abgehängte Zwischendecke reduziert (um im Winter besser heizen zu können), die Altäre auf Eiche rustikal abgelaugt (sie hätten völlig verschwinden sollen, hätte der Stiftungsrat nicht ein Veto eingelegt; von den Seitenaltären blieben aber nur die Figurengruppen übrig). Als neuen Hingucker gab es einen fetten Volxaltar klobigen Zuschnitts. 
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Rund 40 Jahre später hatte man von all der Ärmlichkeit die Nase voll und fand, so stehts im Kirchenführer, das Gotteshaus sei "ohne Atmosphäre" (vgl. hier). Der weiße Putz wurde entfernt, die Zwischendecke entsorgt, Wandbilder und Dekor restauriert oder neu nachgeschaffen; die Altäre bekamen ihre Farbe wieder und andeutenden Ersatz für verlorene Rahmen, derweil der Volxaltar durch ein etwas grazileres Gebilde ersetzt wurde. Et voilà - heute sieht es fast wieder so aus wie früher ...
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Yeah ... ähh Muh!

Sententiæ XCIII

... Darin besteht auch der Sakralcharakter der Kirchen und nicht, wie einige manchmal zu glauben schienen, in äußerlichen, hinzugefügten Einzelheiten. Ein Gebäude wird nicht dadurch sakral, daß man Kreuze, Lilien, Tauben ... verstreut oder die Spitzbögen und Kreuzblumen vermehrt. Es ist vielmehr sakral, wenn es einen Menschen zur Ehrfurcht, zum Gebet und zur Vereinigung im Gebet anleitet.
Yves-Marie-Joseph Congar OP: Überlegungen über den geistigen Aspekt der Erbauung des Hauses Gottes

Donnerstag, 28. Mai 2015

Maialtäre 2015 - March-Holzhausen, St. Pankratius

Ein Maialtar, der mir besonders gut gefallen hat ... gerade, weil er nicht so gestriegelt scheint wie viele andere (mit den unverwüstlich alles andere Grünzeug ausschließenden Hortensien in Reih und Glied) - ein wenig anarchisch und mit der künstlerisch nicht eben umwerfenden, aber blütenreich umwucherten Lourdes-Madonna herzerfrischend volksnah!
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Du, der du nimmer glaubst an sie,
Kalt vor ihrem Bilde stehst
Und nimmer beugen willst dein Knie -
Sie hilft dir doch! Wenn du nicht flehst,
So fleht dein Jammer, fleht dein Leid;
Das sieht sie, die Gebendeit',
Die Mutter Sankt Marie.
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(Inschrift an einem Vorarlberger Bildstock)
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Mittwoch, 27. Mai 2015

Jesus und Mohammed

Beim Scharmützel mittels Kommentaren, von welchem zuletzt die Rede war, ging es unter anderem über den Islam, über Islamkritik und über eine mutmaßliche Affinität unter Muslimen (vielleicht nicht in der Mehrheit, aber immerhin in nennenswerter Zahl), ihren Glauben zuweilen mittels härterer Gangart zum Durchbruch zu verhelfen.
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In diesem Zusammenhang scheint mir beachtenswert, daß kein Stifter einer Weltreligion seine jeweilige Lehre mit dem Schwert in der Hand propagiert hat - mit einer Ausnahme: Mohammed. Dieser flüchtete, nachdem erste Missionsansätze in Mekka erfolglos geblieben waren und Mohammeds Leben darüber hinaus durch die herrschenden Eliten zunehmend in Gefahr geraten war, 622 ins heutige Medina. Von dort aus wurden wiederholt diverse Waffengänge unternommen, die Mohammed nicht nur in der Rolle eines Propheten zeigen, sondern zunehmend auch als politischen Führer und Feldherren. Auf dem Höhepunkt dieser Entwicklung setzt sich 630 - zwei Jahre vor dem Tod Mohammeds - eine straff organisierte muslimische Armee in Richtung Mekka in Bewegung und erobert die Stadt (unblutig, wohlgemerkt, da kein Widerstand geleistet wird); Mekka wird so zum Zentrum der Religion Mohammeds.
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Soweit ein grober geschichtlicher Abriss; all das läßt sich in der Wikipedia nachlesen. Zwischen den beschriebenen Fakten scheint bereits ein deutlicher Unterschied zwischen den Verhaltensmustern Mohammeds und denen Jesu durch. Mein Widerpart in besagter Debatte - katholischer Theologe - glaubte dies mit einem Hinweis auf die "gewalttätige Tempelreinigung" (Mk 11, 15-17) relativieren zu können; was natürlich weitestgehend Humbug ist, denn dieser Akt läßt sich - auch bei psychologischer Betrachtung - wohl kaum ernsthaft mit organisiertem Kriegshandwerk vergleichen. Methodisch nicht minder fragwürdig war zudem der Versuch, die geschichtlichen Missetaten der Christen in diesen Aspekt irgendwie hineinzumengen.
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Vor allem ist verwunderlich, daß dem Theologen zu dieser Frage außer der "gewalttätigen Tempelreinigung" keine weiteren - und vor allem passenderen - Inhalte aus dem Neuen Testament in den Sinn gekommen sind. Es gibt nämlich derer mindestens drei, in denen Jesus in einem verwandten situativen Kontext (Vertreibung, Lebensbedrohung, Verweigerung der Aufnahme) ganz anders handelt als Mohammed:
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Erstens: Das Schicksal, welches Jesus in Nazareth ereilt, nachdem er der Synagogengemeinde seine Sendung enthüllt hat: "Da wurden alle in der Synagoge, die das hörten, von Zorn erfüllt, standen auf, stießen ihn zur Stadt hinaus und führten ihn bis zum Rande des Berges, an dem ihre Stadt erbaut war, um ihn hinabzustürzen. Er aber schritt mitten durch sie hindurch und ging von dannen" (Lk 4, 28-30).
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Zweitens: Die Antwort Jesu auf das Ansinnen von Jakobus und Johannes, verzehrendes Feuer vom Himmel über ein samaritanisches Dorf herab zu rufen, welches Jesus das Gastrecht verweigerte: "Er aber wandte sich um und verwies es ihnen streng und sprach: Ihr wißt nicht, wessen Geistes ihr seid. Der Menschensohn ist nicht gekommen, Menschenleben zu vernichten, sondern zu retten" (Lk 9 55 f.).
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Drittens: Die Zurückweisungen Jesu beim Versuch, seine Hinrichtung unter Einsatz von Waffen zu verhindern. Stellvertretend für diverse Belege ein weiteres Wort nach Lukas: "Als seine Gefährten sahen, was bevorstand, sagten sie: Herr, sollen wir mit dem Schwert dreinschlagen? Und einer von ihnen schlug nach dem Knecht des Hohenpriesters und hieb ihm das rechte Ohr ab. Jesus aber entgegnete: Laß ab! Nicht weiter! Und er berührte das Ohr und heilte ihn" (Lk 22, 52 f.).
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Diese drei Stellen mögen hier reichen, um die deutlich verschiedenen Verhaltensmuster von Jesus und Mohammed in einander verwandten Situationen aufzuzeigen: Jesus organisiert keinen Stoßtrupp, keine Miliz und erst recht keine Armee, um die Feste seiner Gegner zu erobern, seine Verächter zu bekriegen und seiner Lehre zum Durchbruch zu verhelfen, obschon es im brodelnden Palästina der Zeitenwende ein leichtes Unterfangen gewesen wäre. Doch im Gegenteil: Entsprechende Gedanken aus seinem Umfeld werden von Jesus bereits im Ansatz zurückgewiesen. Mohammed hingegen verfolgt bereits zu Lebzeiten diverse Kampftaktiken - vom anfänglichen Einsatz einer Guerilla bis später zum organisierten Heer - und nimmt dabei auch selbst das Schwert in die Hand.
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In religionssoziologischer Betrachtung hielte ich es übrigens für töricht zu glauben, die Verhaltensmuster Mohammeds blieben auf seine Anhänger ohne Wirkung. Sie scheinen sogar eindeutiger als einige Suren des Koran, die deutungsoffener bleiben mögen, aber durch das militante Verhalten Mohammeds eine Richtung im Verständnis gewiesen bekommen. Immerhin ist die gewaltsame Expansion des Islam mit dem Tod seines Stifters längst nicht zu Ende, sondern nimmt erst richtig an Fahrt auf: hundert Jahre sind seit Mohammeds Tod noch nicht verstrichen, als bereits weiteste Teile des Nahen Ostens unter islamischer Herrschaft stehen, derweil Muslime im Mittelmeer Eroberungszüge starten, Konstantinopel belagern, Spanien besetzen und in Frankreich einfallen.
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Ein Wort zuletzt ... daß später auch Christen in die Rolle von Aggressoren geschlüpft sind und zum Schwert gegriffen haben, gehört gewiß zu den traurigsten Kapiteln des Christentums - daran ist nichts zu beschönigen. Im Namen Christi und nach dessen Vorbild konnten Christen in diesem Fall aber niemals handeln. Bei aller Kritik am Islam und an diversen muslimischen Gruppen - auf ein Wort des hl. Gregors des Großen stets horchend, müssen wir uns nicht zuletzt selbst allzeit kritisch im Auge behalten, denn Corruptio optimi pessima: die Verderbnis der Besten ist das Schlimmste überhaupt.

Dienstag, 26. Mai 2015

Tagessplitter

Dann und wann flüstert mir das Teufelchen der Frustration ins Ohr, diese Seite interessiere eigentlich niemanden und es sei ein Elend mit Aufwand und Ertrag und überhaupt sei all die Schreiberey und Bilderey vor allem für die Katz. Gefährlich wird's, wenn sich diesen Gedanken schleichender Trübsinn zugesellt mit dem Teufelchen der Eitelkeit im Schlepptau ... das zeigt dann auf die Kommentare: Schau mal, immer Dieselben (oder sollte man sagen: Derselbe?), die, gar wenig an der Zahl, Servus und Sermon hinterlassen. Tut der Geistbraus aber einen Furz, so das Teufelchen weiter, dann kommentieren selbst das noch der Vielen viel mehr.
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Solche Anmutungen sind freilich wie weggeblasen, wenn man sich auf einem anderen blog mit dem Inhaber der Seite ein Scharmützel im Kommentarbereich liefert (wie ich es über das Pfingstwochenende getan habe); es mag nämlich passieren, daß man irgendwann leicht entnervt das Handtuch wirft - weil einem der Eindruck nicht mehr von der Pelle rückt, der bloggende Zeitgenosse verfüge über das Talent, in der dazugehörigen Kommentarspalte zugleich als Troll in eigener Sache zu reüssieren.
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In solchen Momenten ist man durchaus froh, wenn die Kommentare auf der eigenen Seite an Zahl und Maß überschaubar bleiben. Man muß weit weniger Mühe darauf verwenden, selbst wenn einmal die Klingen gekreuzt werden ... und man entgeht mangels Masse obendrein der Gefahr, im eigenen Hause zum Troll zu werden.

Maialtäre 2015 - Rheinfelden-Herten, St. Urban

Zur Kanzel von gestern gibt es natürlich auch einen Maialtar - und ein Zitat des heute besonders gefeierten Heiligen ...
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Die Andacht zur seligsten Jungfrau ist wirklich
 notwendig, weil es kein besseres Mittel gibt,
von  Gott Gnaden zu erlangen, als 
durch seine heiligste Mutter.
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(hl. Philipp Neri)
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Maialtar - Pfarrkirche St. Urban, Rheinfelden-Herten 

Montag, 25. Mai 2015

Die vier Erdteile lassen grüßen

 Kanzel - Pfarrkirche St. Urban zu Rheinfelden-Herten 
Das Pneuma des Kyrios erfüllt den Erdkreis und kennt jede Sprache - was der Introitus vom Pfingstsonntag feiert, begegnete mir gestern an der Kanzel in der Pfarrkirche St. Urban zu Rheinfelden-Herten. Vom Kanzelkorb des 1765 vom Schwarzwälder Barock-Bildhauer geschaffenen Möbels grüßen hier nicht die üblichen Evangelisten oder Kirchenlehrer, sondern Personifikationen der damals in einer Vierzahl (Die Vier gilt aufgrund der Himmelsrichtungen nach altem Herkommen als Zahl der Welt) angenommenen Kontinente Afrika, Amerika, Asien und Europa:
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Darüber wölbt sich ein eindrucksvoller Schalldeckel, bekrönt von einem Posaunenengel mit den Tafeln des Zehnwortes samt einer Menorah:
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Daß die Kanzel ursprünglich wohl kaum für diese ländliche Pfarrkirche geschaffen worden war, legt bereits der Vergleich mit der restlichen Ausstattung nahe. Ein Detail am Kanzelfuß verrät die Herkunft; mit einem etwas grimmen Hund, der eine brennende Fackel im Maul trägt, wird ein Attribut des hl. Dominikus aufgegriffen; die Vermutung liegt nahe, daß die Kanzel von Dominikanern rührt. Eine kleine Recherche hat das bestätigt - sie entstammt dem 1794 aufgelassenen Freiburger Konvent, woher sie von den Hertenern erworben wurde ... am Rande bemerkt: das Kloster fiel nicht der erst später einsetzenden Säkularisation zum Opfer (was mancher Dorfkirche klösterliche Schätze einbrachte), sondern wurde mangels Nachwuchs aufgehoben (kam schon damals zuweilen vor).
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Sonntag, 24. Mai 2015

Maialtäre 2015 - Unterreute, Unsere Liebe Frau vom Rosenkranz

Zum Pfingsttag der zweite Maialtar aus Reute, diesmal aus der Kirche Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz in Unterreute; im Zentrum eine Darstellung der Immaculata, dem Schwarzwälder Barock-Bildhauer Johann Michael Winterhalter zugeschrieben, im Auszug darüber eine Heilig-Geist-Taube (der Schmuck scheint etwas mau, aber die unteren Blumengebinde sind nicht im Bild; die Geisttaube war mir wichtiger).
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 Maria Immaculata - Kirche Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz, Unterreute 
Heiliger Geist,
wir wollen an Dich glauben, wir wollen Dich empfangen,
wir wollen Dich tragen,
wie sie an Dich geglaubt hat,
sich Dir anvertraut hat, Dich empfangen hat,
die das Gefäß Deiner Liebe ist,
"vas spirituale", Gefäß des Geistes: sie,
aus dem Stamme Davids ...

Erich Przywara SJ

Im Schoß Deines Feuers - zum hohen Pfingsttag

 Das Pfingstwunder - Deckenbild in St. Maria zu Gengenbac
O heiliger Geist,
in dieser Stunde, in der 
alles Reich des Vaters uns wie in Trümmern erscheint,
in dieser Stunde, wo aller Leib des Sohnes
uns wie zerfleischt, zerstückt und verblutet erscheint,
in dieser Stunde laß uns wissen,
daß Du in Wunde, Tod und Moder das Reich
neu gründen willst,
den Leib neu erwecken willst.
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Darum, Heiliger Geist,
laß uns allein Heimat haben in Deinem Wehen,
laß uns allein ruhen im Schoß Deines Feuers,
laß uns allein sein in Dir,
aber laß uns sein in Dir, daß wir Werkzeuge seien
Deines Schöpfertums zu einem neuen Reich,
Deiner Fruchtbarkeit zu einem neuen Leben.
Laß uns Liebe sein in Dir,
die alles vermag, die alles glaubt, die alles hofft,
die alles erwartet - Amen.
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Erich Przywara SJ
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Das Zitat ist einem Gebet vom November 1944 entnommen - in: Erich Przywara: Auferstehung im Tod. Gebete. Zürich o.J. S. 41 - im Bild eine Darstellung des Pfingstwunders; Deckenbild in der Kirche St. Maria zu Gengenbach.

Samstag, 23. Mai 2015

Tagessplitter

Na bitte, geht doch ... einen Shopping-Sonntag brauche ich trotzdem nicht; die Rennerei in der vergangenen Woche und heute am Samstag würde ich mir am ersten Tag der Woche sowieso nicht geben wollen.
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Maialtäre 2015 - Reute, St. Felix und Regula

Da drumherum jedes Nest strunzprotestanisch ist, hatte ich das nördlich von Freiburg gelegene Dorf Reute bislang nicht auf dem "Fahrplan". Nun las ich kürzlich, daß Reute einst (wie Freiburg) zu Vorderösterreich gehört habe und in den beiden Ortsteilen gleich zwei sehenswerte Kirchen mithin darauf warten, abgelichtet zu werden. Das bringt meine kleine Reihe mit Maialtären wieder etwas voran ... hier also jener aus der neugotischen Pfarrkirche St. Felix und Regula zu (Ober-) Reute:
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 Maialtar - St. Felix und Regula, Reute im Breisgau 
Placatam Subolem fac, petimus, tuam,
Sublimi solio proxima cui sedes,
Prosit dulcisono gutture psallere:
Salve, digna Dei Parens!
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Höre unser Gebet, mach uns den Sohn geneigt,
Dem du sitzest zunächst auf dem erhabnen Thron,
Höre süßen Gesangs preisen dich unser Lied:
Heil dir, Gottesgebärerin!
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aus dem Hymnus De Beata Virgine
"Virgo transsuperans" des Adam Wernher von Themar

Freitag, 22. Mai 2015

Rückbesinnung

... Aus Ritas letzten Lebensjahren ist noch ein Ereignis berichtet, das in der Weihe der "Rita-Rosen" fortlebt. Nachdem sie viele Sieche gepflegt, erkrankte sie selbst auf den Tod. Die Verwandten eilten herbei, um einen letzten Segen von ihr zu erhalten. Rita, die immer Tätige, die nun Zeit hat auszuruhen, läßt die Gedanken zurückwandern in das Land der Kindheit, und er erwacht in ihr der Wunsch, sich noch einmal am Duft einer Rose aus dem Gärtlein des elterlichen Hauses zu Rocca Porena zu laben. Eine Rose mitten im Januar? Die Verwandten sehen sich fragend an; sie glauben an den Fieberwahn einer Sterbenden. Da Rita aber eindringlich bittet, geht einer von ihnen zurück, und als er wiederkehrt, hält er in den Händen eine prachtvolle, eben erst erblühte Rose, einen Dank des Himmels für ein Leben des Opfers. Rita lebt noch ein paar Jahre. Drei Tage vor ihrem Tode erfährt sie durch eine Erscheinung die Stunde ihres Ablebens. Sie stirbt im Alter von sechsundsiebzig Jahren am 22. Mai 1457. Seit ihrer Heiligsprechung am 24. Mai 1900 hat ihre Verehrung überall in der Welt zugenommen. Besonders wird sie als Helferin in aussichtslosen Nöten angerufen. Ihr Geist wirkt weiter in den Organisationen der katholischen Krankenfürsorge, die die ... Heilige von Cascia zu ihrer Patronin erkoren haben.
Nach einem bewegten und an Opfern reichen Leben als Mutter, Witwe und Ordensfrau besinnt sich die heilige Rita von Cascia, so erzählt die Legende, eines Tages ihrer Kindheit - eine sympathische und zutiefst menschliche Regung. Je älter man wird, desto mehr leuchten zuweilen die frühen Tage wieder auf: zuweilen glaube ich unterschwellig darin auch eine auf Größeres verweisende Sehnsucht zu sehen, denn mit der Kindheit verbinden viele einen Glauben, der von keiner Anfechtung weiß, Vertrauen, Geborgenheit in der Liebe der Eltern. Es mag sein, daß wir - geprägt durch die Narben, die sich unserem Herzen nach und nach im Leben eingeschnitten haben - in dieser Rückschau manches verklären. Ist das schlimm? Ich denke nicht - denn auch das wird Vorhall eines Letzt-Ewigen: der Kindschaft in der Liebe und im Licht des dreifaltigen Gottes. Die heilige Rita helfe uns dahin durch ihre Fürsprache ... ora pro nobis!
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Das Zitat ist entnommen: Hans Hümmeler: Helden und Heilige. Erweiterte Neuausgabe. Siegburg 1964. S. 282.

Donnerstag, 21. Mai 2015

Tradis fiese Rachegelüste

... und so brauche ich, verehrte Vertreter des hiesigen Einzelhandels, weder eure Mega-Samstage samt Midnight Sale bis zum Umfallen (quasi in den Folgetag rein), noch verkaufsoffene Sonntage. Es würde reichen, fände ich für meine etwas groß geratenen Plattfüße zu den ganz normalen Öffnungszeiten ein Paar Sportschuhe (neudeutsch: Sneakers) meiner Lieblingsmarke (New Balance) in konservativer Ausführung (schwarz oder zumindest von dunkler Tönung) und in passender Größe (12 1/2, besser noch 13). Ich habe nicht erwartet, es könnten alle diese Wünsche in Erfüllung gehen; aber da ich gefühlt ein Paar Schuhe durchlatschen muß, um ein weiteres Paar erwerben zu können (ich wollte Schuhe kaufen, nicht zu Sankt Jakob pilgern!), ohne etwas halbwegs Akzeptables zu finden, werde ich jetzt bei Zalando und anderen fiesen Läden im Netz forschen. 
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Sollte alsdannen aber der berüchtigte "Schrei vor Glück" erschallen, so möge er euch in den Ohren gellen wie weiland die Posaunen Israels den Jerichonesen und sämtliche Regale mit den vielen ätzend-strunzbunt ausgelegten Zwerge-Tretern in euren Geschäften zum Einsturz bringen: So wahr der Herr lebt, vor dem ich (hoffentlich bald nicht barfuß) stehe!

Mittwoch, 20. Mai 2015

Sententiæ XCII

Die Verheißung zu stehen, gab der Herr der Weltkirche. Die Weltkirche zerbricht nie. Sie krampft sich gelegentlich in einen Länderkonzern zusammen und überlebt den Völkerwinter. Sie wandert gelegentlich, wie ein Stück Flora oder Fauna, über die fünf Kontinente, und die heiße Flamme der Zerstörung jagt hinter ihr her. Ohne sie zu fassen. Aber nirgends steht geschrieben, daß sie hier unzerstörbar sei. Ausgerechnet in Berlin!
Carl Sonnenschein: Notizen aus den Weltstadtbetrachtungen

Dienstag, 19. Mai 2015

Tradis fiese Ketzergedanken

Nicht neu, aber gewohnt gruselig: Der Kreuzknappe hat einmal mehr eine allzu vertraute Pastoral-Vision aus dem Netz gefischt, aktuell in der Variante eines Münsteraner Kirchenrechtlers. Kern der Ausführungen scheint die bereits etwas angeschimmelte These, man müsse, wo es der Priester genug nicht mehr gebe, Laien in die Leitung von Gemeinden berufen, derweil sich die noch verbleibende Geistlichkeit auf eine Kernkompetenz zurückziehen solle: die Feier der Heiligen Messe.
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In der Deutsch-Schweiz wird dieses Modell zunehmend praktiziert, wobei die leitenden Laien auch ohne priesterlichen Beistand gottesdienstliche Aufgaben übernehmen. Mancherorts wird dabei feinsinnig zwischen "Wort-Gottes-Feier mit Eucharistiefeier" (sprich: Messe) und "Wort-Gottes-Feier mit Kommunionfeier" (sprich: Laientheater) unterschieden (interessant am Rande: Meßstipendien feiert man hier und da im einen wie im anderen Fall dennoch ab). Auch das ist nichts Neues mehr. 
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Eine Organistin im Basler Hinterland klagte mir kürzlich ihr Leid: Die Leute beschwerten sich, sie begleite die Lieder zu laut. Meine übliche Antwort ("Sagen Sie dem maulfaulen Volk, die sollen einfach lauter singen") half nicht weiter; wenn sich am Sonntag unterhalb der Orgel sechs Gläubige von einer Laientheologin bespaßen lassen, stoßen solche phontechnischen Ermunterungen tatsächlich sehr rasch an die Grenzen dessen, was so ein verschrecktes Häuflein singend leisten kann.
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Der mangelnden Attraktivität solcher Gottesdienste (obschon jede Menge Energie in die "Gestaltung" verschwendet wird) kann man eigentlich nur mit einer fortgesetzten Ent-Eucharistisierung der Gemeinden begegnen: Wenn kaum einer mehr so richtig weiß, was eine Messe ist, erscheint das priesterfreie Tralala irgendwann nicht mehr wie eine Notlösung, sondern als die Regel des Betens. Erste Schritte dahin hat man erfolgreich getan, sobald der Priester zum "priesterlichen Mitarbeiter" der Gemeindeleitung degradiert worden ist - also: zur Randfigur mit passend peripherem Leistungsportfolio, welches dann und wann abgerufen wird. Die Das Konzil-Aussage, die Eucharistie sei "Quelle und Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens" (LG 11), läßt sich hernach mit Hilfe des Konzilsgeistes getrost entsorgen: Herrlichen Pleiten wurden wir entgegen geführt!
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Zum Schluß: Angesichts der atemberaubenden Berufspastoral unserer Zeit werde ich zu diesem Eintrag keine Kommentare (falls überhaupt welche kommen) freischalten, die mit Verweis auf den "Priestermangel" das Heran- und Herumwabern von "Gemeindeleitern" oder "priesterlosen Gottesdiensten" verteidigen, fordern oder gar bejubeln. Sorry!
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Der eingangs erwähnte Beitrag vom Kreuzknappen ist hier zu finden.

Das Kreuz als Tor zum Leben beim Vater - Die selige Pentekoste (Schlußteil)

Seit dem vierten Jahrhundert hat die Kirche sich mehr der Einzelbetrachtung der geschichtlichen Gottestaten zugewandt. Aber der tiefere theologische Sinn des Osterfestes wurde dadurch nicht aufgehoben. Die heilige Pentekoste, die aus dem Pascha, dem Kreuz hervorblüht, ist für immer das Kultmysterium der Erlösung und Erhöhung. In ihr wird nicht gefastet und nicht gekniet, sondern es ist eine Zeit beständigen Jubels und heiliger Freude, ein ununterbrochenes Alleluja. Die Pentekoste ist das liturgische Symbol der Vollendung der Kirche im Reiche Christi, ihrer ewigen Ruhe in Gott, die dann vollkommen wird, wenn alle Auserwählten durch das Kreuz hindurch sich zum Leben in Gott durchgekämpft haben werden. Im Mysterium ist die Pentekoste schon der dem Volke Gottes versprochene Sabbat, die Verklärung in der ewigen Agape, wenn die ganze erlöste Gottesgemeinde ein Opfer für Gott geworden ist und, von der Sünde gereinigt, von aller Unruhe befreit, ewig in den Armen des Vaters ruht und das Loblied der heiligen Dreifaltigkeit singt.
Odo Casel OSB
Es ist dies aber nicht bloß ein Zukunftsbild, nicht bloß eine leuchtende Hoffnung, sondern auch schon Wahrheit und Wirklichkeit: "Wenn ihr mit Christus auferweckt seid, so sucht das Droben, wo Christus zur Rechten Gottes sitzt; denket das Droben, nicht das Irdische. Ihr starbet ja, und euer Leben ist mit Christus in Gott verborgen" (Kol 3, 1-3). Dies gilt schon jetzt für uns, und auch der folgende Vers wird sich erfüllen: "Wenn Christus, unser Leben, offenbar wird, dann werdet auch ihr mit ihm offenbar in Herrlichkeit" (ebd. 4).
Die Pentekoste ist das Leben in der gegenwärtigen Gotteskraft Christi, die uns zum Heroismus im sittlichen Leben befähigt. Unser Leben im Fleische ist noch Pascha, d. h. Durchgang, steht noch unter dem Kreuze. Wir befinden uns noch im Torbogen zwischen der Wüste der Welt und der Heimat. Der Blick voraus zur Heimat hin, den uns die Pentekoste vergönnt, gibt uns Kraft, zunächst mit Jesus dem Gekreuzigten noch den Weg des Pascha zu gehen, d. h. den Kreuzweg. Zugleich aber gibt uns die heilige Pentekoste die Sicherheit, daß wir schon jetzt als Christen in einem neuen Leben wandeln, das sich einst in der ewigen seligen Pentekoste siegreich durchsetzen und allein herrschen wird.
Odo Casel: Mysterium des Kreuzes. Paderborn o.J. [n. 1954]. S. 232 f.

Montag, 18. Mai 2015

Fragwürdiges bei katholisch.de (1)

Um die gestern begonnene Schelte "katholischer" Medien ein Stück weit fortzuschreiben: In den Redaktionsstuben von katholisch.de wird man kaum fürchten müssen, es könne dieses Internetportal ein ähnlich unbequemes Schicksal ereilen wie weiland jene progressive Zeitschrift, welche die deutschen Bischöfe 1968 aus der Taufe hoben, um ihr drei Jahre später die Unterstützung zu entziehen. Das Magazin Publik-Forum hat seither auch ohne eine bischöfliche Finanzspritze überlebt. Mit verlässlich angewiesenem Geld in der Tasche ist es allerdings schlicht einfacher, die Lehre der Ekklesia zu unterlaufen oder auch zu diffamieren; die Bischöfe bekümmert das, am Rand bemerkt, offenkundig kaum noch.
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Ein Musterbeispiel für Strategien, die bei katholisch.de zuweilen gepflegt werden, ist ein Beitrag des Redakteurs Felix Neumann mit dem Titel Kein Skandal, nur Liebe: ein Lobpreis für die Stellungnahme des "ZdK" zu homosexuell lebenden Menschen, zugleich Stimmungsmache gegen jene Katholiken, die in das rosafarbene Hosanna nicht einstimmen wollen.
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Ehe ich - in den nächsten Tagen, so Gott will - auf die haarsträubenden Inhalte eingehe, die Neumann präsentiert, lohnt es sich, die eine oder andere formale Fragwürdigkeit zu thematisieren:
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Kommentare und Meinungen werden auf katholisch.de - ohne jedwede Unterscheidung der Herkunft - vor allem in der Rubrik Standpunkte hinterlegt; auch Neumanns Text ist dort aufgeschlagen. "S'het", wie man hierzulande sagt, aber "ä Gschmäckle", wenn Redakteure (!) dieses bischöflichen Portals ihre zur kirchlichen Auffassung deutlich konträren Ansichten im Schutz eines "pural" ausgerichteten "Meinungsforums" (Obacht: Feigenblatt-Alarm!) propagieren können - zumal die Rubrik Standpunkte faktisch, eigentlich und überwiegend eher mit Gastbeiträgen aufwartet (die, wie ein grober Blick auf aktuell einsehbare Standpunkte nahelegt, allerdings auffallend gerne - und leicht inzestuös - bei Vertretern verwandter Kirchenmedien eingesammelt werden).
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Einst zählte es zu den Markenzeichen der deutschen Medienlandschaft, daß sie nicht nur eine konsequente Trennung von Text (Nachricht) und Kommentar (einordnende Meinung) bot, sondern auch verschiedene Arten von Kommentaren klar auseinander hielt. Auf katholisch.de (aber nicht nur dort) werden hingegen alle möglichen Meinungen in einem Brei, soll heißen: in ein und derselben Rubrik verrührt samt Aberwitz am Ende, daß gegebenfalls ein Redakteur aus dem eigenen Stall für einen Standpunkt verantwortlich zeichnet, nichtsdestotrotz aber der übliche Hinweis erfolgt, der betreffende Standpunkt spiegele "nicht unbedingt die Meinung der Redaktion von katholisch.de wider" - als könne sich ein Redaktionsangehöriger auf Seiten, die er redaktionell bewirtschaftet, wie ein unbeleckter Gastautor bewegen! Das mag man erstaunlich unprofessionell nennen - oder vermuten, es stecke Methode dahinter.
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Befremdlich ist bei der Standpunkte-Rubrik zudem, daß sich - Neumanns Beitrag ist geradezu ein Musterbeispiel - die krudesten unkirchlichen Anwandlungen verbreiten lassen (man hält heute schließlich viel auf Meinungsvielfalt!), ohne daß zumindest eine Debatte ermöglicht wird. Der inkriminierte Text läßt sich auf Fratzbuch teilen oder durch die Gegend twittern, am Ursprung kritisch hinterfragen läßt er sich nicht. So steht alsdann völlig unkritisch und scheinbar unbeirrlich auf einer Seite der Deutschen Bischofskonferenz der "Standpunkt" eines katholisch.de-Redakteurs, in welchem andersmeinenden Katholiken "Verwirrung" unterstellt wird, sofern diese eine aktive homosexuelle Lebenspraxis (wohlgemerkt im Einklang mit dem Katechismus der Katholischen Kirche) als "objektiv ungeordnet" erachten.
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Eine letzte formale Überlegung sei gestattet; sie entzündete sich ebenfalls an Neumanns Beitrag, geht aber über diesen hinaus und betrifft letztlich die Vertreter des konservativen Lagers, die zuweilen Standpunkte auf katholisch.de vortragen können (ich denke etwa an den Prälaten Wilhelm Imkamp von Maria Vesperbild oder auch an Monika Gräfin Metternich). So sehr man es begrüßen möchte, daß auch katholische Inhalte über die Plattform katholisch.de kommuniziert werden können, so sehr erfüllt es mich zunehmend mit Unbehagen, wenn sich an einem Tag verbindliche Glaubensinhalte und katholische Sichtweisen auf gleicher Fallhöhe durch eine synkretistische Meinungsarena spazieren führen lassen, wie am Tag danach gegenteilige und restlos unkirchliche Thesen. Es soll damit nicht der Forderung das Wort gesprochen sein, eine Mitarbeit bei katholisch.de zu unterlassen (was schließlich auch bedeuteten kann, daß man sich hierdurch selbst ins Bein schießt), aber die genannten Bedenken über den unbefriedigenden Rahmen entsprechender Mitarbeit bedürften zumindest meines Dafürhaltens des Versuchs einer Klärung.
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Einige Erwägungen zum Inhalt des genannten Artikels sollen demnächst folgen. Ich darf hierfür aber auch auf die Ausführungen von Mathias von Gersdorff hier hinweisen; durch diese wurde ich auf den Einlassungen auf katholisch.de überhaupt erst aufmerksam gemacht.

Sonntag, 17. Mai 2015

Weisheiten aus Wald und Wiese

Daß der Gründe wenige sind, der Arbeit katholischer Medienstellen aktuell über den Weg zu trauen, ist mir in den vergangenen Tagen wieder aufgegangen - an einer Geschichte, über die ich bei Fratzbuch gestolpert bin. Von Mitblogger KingBear, der die Sache an der Quelle, dem Profil des Bistums Münster, zuerst aufgegriffen hatte, wurde der Fall bereits gestern auf Huhn meets Ei thematisiert: Dem Bistum fiel nämlich zum Himmelfahrtstag offenbar nichts anderes ein, als der FB-Gemeinde einige Wald- und Wiesen-Weisheiten zu präsentieren, wie man sie alle Tage im Jahr vom Stapel lassen kann, ohne auch nur einen Zeitgenossen mit dem gerade gefeierten Festmysterium oder sonstigem spezifisch-christlichen Gehalt zu behelligen. Warum auch sollte man die Menschen - ob sie nun glauben oder nicht - beispielswegen mit Gedanken aus dem Kontext der Himmelfahrt konfrontieren, in denen jede Menge Sprengstoff steckt ...
Ihr werdet jedoch Dynamis empfangen, wenn das Heilige Pneuma über euch kommt; und so werdet ihr meine Martyres sein in Jerusalem, in ganz Judäa und in Samaria; ja: bis an die Eschata der Erde (Apg 1, 8).
... wenn eine wohlige Variante von "Seid ein bisschen netter zueinander" für Münsteraner Medienschaffende den Anspruch ausfüllen kann, Nächstenliebe so zu verkünden, wie es der Ekklesia aufgetragen ist?
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Vielleicht würde ich weniger mit den Zähnen knirschen, wenn diese unverbindlich gehaltenen Appelle an Mitmenschlichkeit (je inflationärer im Gebrauch, desto belangloser übrigens in der Wirkung) nicht so symptomatisch wären für das, was heute als kirchliche "Verkündigung" auf die Menschen los- und abgelassen wird. Der Pfarrbrief meiner Seelsorgeeinheit beliefert mich in ähnlicher Weise regelmäßig mit Sprüchen, die man genauso gut im Greenpeace Magazin, im amnesty journal, in der Apotheken Rundschau oder zuweilen auch in der ADAC Motorwelt zu lesen kriegen könnte (womöglich werden sie irgendwo dort auch abgeschrieben, weiß man's?).
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Führt man sich dann noch vor's Gemüt, was der deutsche Katholizismus (man ist ja nicht bei armen Leuten) aufwendet, um seinen gewaltigen Print-Online-Funk-und-Fernsehen-Medienladen durchzufüttern (von der Bischofskonferenz über die Diözesen, Akademien und Verbände bis zum Kirchenblättchen vor Ort) ... und nimmt man alsdann Wirkung und Effizienz ins Visier ... und fragt man sich zu allem Übel, warum die Gottesdienste immer schlechter besucht werden ... und warum selbst vielen Christen die basics des Glaubens völlig unbekannt sind ... und warum die Relevanz der Kirche in der Öffentlichkeit immer weiter abnimmt ... dann mag man sich entweder ein messerscharfes controlling wünschen - oder einfach nur den Kopf schütteln und K... gehen.
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Der Beitrag von KingBear ist hier zu finden.

Das BamS (mit Fahne)!

Da ich mit den Maialtären aktuell nicht in die Gänge komme, muß heute eine Kirchenfahne zu Unserer Lieben Frauen Preis herhalten - aus der Pfarrkirche St. Agnes zu Eschbach im Breisgau:
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Marienfahne - Eschbach, Pfarrkirche St. Agnes 

Samstag, 16. Mai 2015

Den Mund halten

 Die Heiligen Erasmus und Joh. Nepomuk - Eisenbach, Kirche St. Benedikt 
Es passiert nun nicht selten, daß man über Mitmenschen schlecht redet. Zuweilen ist das verständlich, weil eine vorangegangene Verärgerung nach einem Ventil sucht - fragwürdig bleibt es unter Christen aber allemal, denn man befriedet vorübergehend vielleicht das eigene Ego, aber Frieden schafft man hierdurch nicht. Noch fragwürdiger ist's freilich, wenn man - ich habe mich kürzlich dabei ertappt - versucht, ein Gespräch absichtsvoll auf einen bestimmten Menschen zu lenken, nur um über diesen ablästern zu können. Denn es steht geschrieben:
... vergeltet Böses nicht mit Bösem, nicht Schmähungen mit Schmähungen. Im Gegenteil: Segnet! Denn dazu seid ihr ja berufen: Segen zu erben. Wer seines Lebens froh sein will und glückliche Tage sehen möchte, der halte vom Bösen seine Zunge fern, von trügerischer Rede seine Lippen, der lasse das Böse und vollbringe das Gute, der suche den Frieden und jage ihm nach! (1 Petr 3, 9-11; vgl. Ps 33, 13 f.).
Was die echten oder vermeintlichen Missetaten unserer Mitmenschen betrifft, so sind wir nicht an ein Beichtgeheimnis gebunden wie der hl. Johannes Nepomuk, der diesem Siegel der Verschwiegenheit sein Leben opferte. Uns verpflichtet aber die Weisung Gottes, der durch die Schrift zu uns spricht: Vergelte nicht Schmähung mit Schmähung! Halte vom Bösen deine Zunge fern! Und doch bräuchten wir zuweilen einen Engel (so einen wie im Bild rechts am Rand), der uns bedeuten mag, hier und da besser den Mund zu halten. Der heilige Johannes Nepomuk, dessen die Ekklesia heute gedenkt, helfe uns dazu ... ora pro nobis!
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Die Heiligen Erasmus (links) und Johannes Nepomuk (rechts) - Pfarrkirche St. Benedikt zu Eisenbach im Schwarzwald.

Freitag, 15. Mai 2015

Vorsicht bei Volxaltären

... das kann man nicht oft genug wiederholen! Diese neumodischen Zelebrationstheken sind zuweilen erstaunlich kurzlebig und mitunter geradezu eine Gefahr für Leib und Leben - zumindest legt das die Beschreibung einer aus dem Geist von Das Konzil ausgestatteten Altenheimkapelle zweifelsohne nahe:
... Namhafte Künstler hatten bei der Innengestaltung mitgewirkt. So schuf z.B. Bildhauer Franz Gutmann, Münstertal-Stohren, den Tabernakel, die Leuchter, den Kruzifixus, das Portal und den Altar, welchen er aus einem einzigen Baumstamm heraus schnitzte. Leider wurde dieser allzu rissig, so daß der Kirchzartener Bildhauer Gerhard von Ruckteschell einen neuen Altar herstellte, an welchem der 73jährige Pfr. Franz Simon ... an Weihnachten 1981 tot zusammenbrach.
 Franz Kern: Das Dreisamtal mit seinen Kapellen und Wallfahrten. Freiburg (2) 1985. S. 56.

Sententiæ XCI

... zum 44. Todestag der Autorin ...
Man hat dem Christen (oder, wie der Unglaube sagt: dem Christentum) sein Ernstnehmen des Kranken oft genug mit Hohn und Ekel vorgeworfen, als sähe er dort einen Wert, wo das natürliche Empfinden sich widerwillig abwendet. Vielleicht weiß nur der Christ mit seinem Wissen um das gottgewollte "Heil-Sein", um den Adam der ersten Schöpfung und um den Auferstehungsleib, was für Erniedrigung die Krankheit und die Qual des Fleisches bedeuten; wie sehr sie nicht allein Folgeketten chemischer, physikalischer, physiologischer Ursachen sind, sondern mystische Strafen und Zeichen des Falles.
Ida Friederike Görres: Das verborgene Antlitz

Donnerstag, 14. Mai 2015

Du, Dessen Hände die Sterne gefangen halten - zur Himmelfahrt des Kyrios

Glorreicher Christus;
verborgen im Schoß der Materie
ausgebreiteter Einfluß und blendendes Zentrum,
in dem die zahllosen Fasern der Vielheit
verbunden sind;
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Macht,
unbarmherzig wie die Welt
und warm wie das Leben;
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Du, Dessen Stirn wie Schnee,
Dessen Auge wie Feuer,
Dessen Füße strahlender sind
als schmelzendes Gold;
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Du, Dessen Hände die Sterne gefangenhalten;
Du, Der Du der Erste und der Letzte,
der Lebendige, der Tote und der Auferstandene bist;
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Du, Der Du in Deiner überströmenden Einheit
allen Zauber, alle Lust,
alle Kräfte, alle Zustände sammelst;
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Dich rief mein Sein
mit einem ebenso großen Verlangen wie das Universum:
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Du bist wahrhaft
mein Herr und mein Gott.
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Pierre Teilhard de Chardin SJ:
Die Messe über die Welt
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Bild: Seraphischer Christus - Friedhof um die Pfarrkirche St. Peter und Paul zu Freiburg-Kappel.

Mittwoch, 13. Mai 2015

Das Kreuz als Tor zum Leben beim Vater - Die selige Pentekoste (7)

Odo Casel OSB
Die alte Kirche, überwältigt von dieser Schau des Mysteriums Gottes, sah in dem Auferstandenen zugleich den Erhöhten, Verklärten, zur Rechten Gottes Sitzenden, seine himmlische Gabe Spendenden. Sie sah auch in dem Parakleten, den der Herr verheißen hatte und den er am 50. Tag seiner Kirche sandte, nicht den vom Vater und Sohn etwa getrennten Heiligen Geist, sondern sie schaute in ihm das Pneuma Christi selbst, den pneumatischen Herrn, der ja das Pneuma ist (2 Kor 3, 17) und uns daher das Leben des dreifaltigen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des heiligen Pneumas, vermittelt. Christus selbst, der auch seiner Menschheit nach durch das Kreuz zum Pneuma geworden ist, ist es, der uns die Gotteskraft und den Gotteshauch sendet, der ja sein Leben ist. Das heilige Pneuma kommt durch Christus mit dem Vater und dem Sohne zu uns, wie uns wiederum Johannes klar sagt: "Ich werde den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Anwalt geben, daß er mit euch in Ewigkeit bleibe, das Pneuma der Wahrheit ... Ich werde euch nicht als Waisen zurücklassen, ich komme zu euch. Noch eine kleine Weile, und die Welt sieht mich nicht mehr, ihr aber seht mich, weil ich lebe und auch ihr leben werdet. An jenem Tage werdet ihr erkennen, daß ich in meinem Vater bin und ihr in mir und ich in euch. Wer meine Gebote hat und sie bewahrt, der ist es, der mich liebt; wer aber mich liebt, wird von meinem Vater geliebt werden, und ich werde ihn lieben und mich selber ihm offenbaren ... Wenn jemand mich liebt, wird er mein Wort bewahren, und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und bei ihm Wohnung nehmen ... Der Anwalt, das heilige Pneuma, den der Vater in meinem Namen senden wird, er wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe" (Joh 14, 16 ff.).
In seiner geheimnisvollen und doch so klaren Art zeigt uns hier Johannes, daß das Pneuma, die Gabe der Pentekoste, nicht von Christus getrennt ist, daß es vielmehr seine Gabe, sein Lebenspneuma ist. Auch die Kirchenväter betonen immer wieder, daß es der Kyrios ist, der uns das Pneuma sendet und im Pneuma selbst zu uns kommt. So sagt Augustinus: "Den Jüngern gab er durch Anhauchung das heilige Pneuma,, damit man nicht meine, das Pneuma, das der Dreifaltigkeit gleich wesentlich und gleich ewig ist, sei nur das Pneuma des Vaters, nicht auch des Sohnes" (De consensu Evangelistarum IV 10, 19). Wie aber der Herr uns das Pneuma sendet, so erkennen wir auch umgekehrt nur im Pneuma Jesus als den Gottessohn: "Keiner kann sagen: 'Jesus ist Kyrios' außer im heiligen Pneuma" (1 Kor 12, 3).
Odo Casel: Mysterium des Kreuzes. Paderborn o.J. [n. 1954]. S. 231 f.