Samstag, 28. Februar 2015

Tagessplitter

In der Regel rate ich dazu, bestimmte Seiten, Portale und blogs im Netz einfach zu meiden und deren Lektüre zu unterlassen, wenn danach die Gemütsruhe dahin ist. Nun ist das Erteilen guter (oder gut gemeinter) Ratschläge eine Sache, sich selbst daran zu halten eine andere. 
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Natürlich lese ich auch Seiten, Portale und blogs, die mir gemütsfüllig überhaupt nicht bekommen. Danach sehe ich nämlich nicht selten finstere Wolken (womöglich Ausläufer von jenem "Rauch Satans", den bereits der sel. Paul VI. thematisierte?) durch die Ekklesia wabern. Was nun tun? Alles ignorieren (und eben am besten garnicht erst zur Kenntnis nehmen) und den Kopf in den Sand stecken? Sich ins stille Kämmerlein verziehen und ein bißchen beten? Darauf vertrauen, daß der Kyrios seine Braut vor dem Ärgsten bewahren wird? 
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Gottvertrauen ist nie falsch, Gebet ohnehin nicht. Aber rechnen gewisse progressive Kräfte nicht seit Jahrzehnten darauf, ihre agenda nach und nach durchsetzen zu können, weil die Gegenseite über Vertrauen und Beten hinaus entweder keinen Widerstand organisiert oder ihn viel zu spät und viel zu wenig vernetzt auf die Beine stellt? Und: Erwartet Gott im Blick auf den öffentlichen Bereich (Stichworte: Sendung, Auftrag, Gehet hin ...) nicht doch etwas mehr von uns als nur Gebet und Vertrauen bei ansonsten fortwährender Passivität? Hat er nicht Talente verteilt und Gaben, damit wir diese nutzen und brauchen zum Einsatz für das Reich Gottes, das in der Ekklesia emporsteigen möchte?
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Konkret gefragt: Sollte man es dem fetten Kardinal und diesem dummen Bischof mit seiner frisch entdeckten "Offenbarungsquelle" wirklich so einfach machen? "Auch die Realität von Menschen und der Welt ist eine Quelle der Offenbarung" - als ich das dieser Tage gelesen habe, stand mir die Galle kurz vor dem Überlaufen. Wäre dem so, dann hätte entweder Karl Marx recht, wenn er Religion als das "Opium des Volkes" bezeichnet, oder in einigen Jahren mauserten sich Abtreibung und Sterbehilfe zu Bestandteilen der Offenbarung ...
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Herr im Himmel, was haben wir eigentlich verbrochen, daß sich solche Dumpfb***** auf Bischofssitzen den A**** plät*** ... nun ja ... sorry, Kyrie eléison ... aber das mußte jetzt mal raus; eingangs betonte ich schließlich, daß blogs eben auch eine Plattform sind, um individuelle Befindlichkeiten ausbreiten. Und mir ist, man sehe es nach, gerade nach bodelosen Zähneknirschen. Wem die Lektüre nun die Gemütsruhe raubt, der braucht ja nicht ... ja eben, siehe oben ...

Freitag, 27. Februar 2015

Tagessplitter

Es ist schon eine ganze Weile her, drei, vier, fünf Jahre oder mehr ... da saß ich - wie so oft - im Zug; im Vierersitz vor mir hatten sich einige linke Aktivisten niedergelassen. Einer prahlte mit seinen Erlebnissen beim Widerstand vor Ort gegen irgendein internationales Gipfeltreffen: "Die Bullen" hätten "gekesselt", aber die Stimmung im Kessel sei toll gewesen; aber das habe man danach natürlich ganz anders dargestellt. So viel Dreistigkeit und Freimut beim Offenlegen linker Propagandamethoden fand ich bereits damals besonders be- und merkenswert.
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Sich mittels gespielter Empörung und echtem Geplärre in der Opferrolle zu suhlen gehört zu den gängigen Tricks linker Stimmungsmache. Der doppelte Vorteil dieser Inszenierung liegt auf der Hand: Man kann Mitleid heischen und einen Täter denunzieren. In jenem Maße, in dem es gelingt, hierdurch Sympathiepunkte zu sammeln, entzieht man sie dem Gegner. Die Glaubwürdigkeit des Jammers wird zumeist durch die Lautstärke hergestellt, mit der coram publico gejammert wird.
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Die Fraktionschefin der Linken in der Bremischen Bürgerschaft hat laut eines Zeitungsberichts "jede Menge Hassmails" - teils geradezu exklusiver Qualität - erhalten, nachdem sie zur Predigt des Martini-Pastors Olaf Latzel kritisch Stellung bezogen hatte. Als Beweis wird auf Fratzbuch eine garstige Postkarte in die Menge gehalten. Mitgereicht wird ein üblich schwammiger Generalverdacht: Es sei wichtig, "dass die Öffentlichkeit weiß, was unter der Oberfläche bei vielen an Gedankengut vorhanden ist".
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Die Wahrscheinlichkeit, daß die Karte "echt" ist, scheint mir insgesamt so hoch wie die Möglichkeit realistisch sein mag, daß die Adressatin das Pamphlet selbst in die Post geworfen hat ... 

Mittwoch, 25. Februar 2015

Das Zeichen des Jona

 Jona - Münster St. Stephan, Breisach 
Aus dem Evangelium am heutigen Quatembermittwoch der Fasten:
Darauf hoben einige Schriftgelehrten und Pharisäer an und sagten: Lehrer, wir wollen von dir ein Zeichen sehen. 
Er aber hob an und sprach zu ihnen: Ein böses und ehebrechendes Geschlecht fordert ein Zeichen! Doch kein Zeichen wird ihm gegeben, es sei denn das Zeichen des Propheten Jona.  
Ja, wie Jona war: drei Tage und drei Nächte im Bauch des Seeungetüms - so wird auch der Menschensohn sein: drei Tage und drei Nächte im Herzen der Erde. Ninives Männer werden beim Gericht mit diesem Geschlecht aufstehen und werden es verurteilen. Denn: Sie kehrten um auf des Jona Verkündigung hin. Aber da! Mehr denn Jona ist hier. 
Des Südlands Königin wird beim Gericht mit diesem Geschlecht auferweckt werden und wird es verurteilen. Denn: Sie kam von den Enden der Erde, um Salomos Weisheit zu hören. Aber da! Mehr denn Salomo ist hier.
Bild: Das Zeichen des Jona - Ausschnitt aus einem Kirchenfenster von Valentin Peter Feuerstein im Münster St. Stephan zu Breisach am Rhein. Der Abschnitt aus dem Evangelium (Mt 12, 38-43) ist in der Übersetzung von Fridolin Stier wiedergegeben.

... parabolam hanc:

Wahrlich, ich sage euch ...
Der wahrhaft Barmherzige gleicht einem Arzt, der sieht, wie ein armer Schlucker - vom Weine berauscht - getröstet sich wähnt und die Leber sich wegsäuft und diesem doch nicht rät, vom Weine abzulassen, bis der gestorben ist und tot.

Dienstag, 24. Februar 2015

Sententiæ LXXXV

Ich habe meine monarchische Gesinnung niemals aufgegeben; sie ist später durch meine Wende zum Glauben nur vertieft, ja erst begründet worden, und es ist mir sehr schwer verständlich, daß Christen, die an das Weltkönigtum Gottes glauben, die eigens das Königsfest Christi feiern, das Königtum von Gottes Gnaden, als Bild und Zeichen ewigen Königtums nicht verstehen; daß sie das Amt am Amtsträger messen, während sie doch nicht daran denken, die Gültigkeit des Sakraments von seinem Spender abhängig zu machen. Und während sie doch glauben - und das ganz mit Recht -, daß der Mönch, der Priester umgeschmolzen werden von der Weihe, sehen sie die umformende Macht des geweihten irdischen Amtes nicht, die doch als geschichtliche Tatsache nicht angezweifelt werden kann, wenn sie auch freilich oftmals ausblieb.
Reinhold Schneider: Verhüllter Tag

Montag, 23. Februar 2015

Der Heilige mit der dienenden Magd

 hl. Petrus Damiani - Klosterkirche St. Trudpert im Münstertal 
Wäre ich vor einigen Tagen in meinem Photo-Fundus nicht zufällig auf das obige Bild mit einer Darstellung des hl. Petrus Damiani gestoßen, so hätte ich mich heute Abend wahrscheinlich kaum um diesen Heiligen gekümmert; in der Fastenzeit treten die Feste der Heiligen ohnehin in den Hintergrund. So aber war das Bild da - was nun dazu schreiben?
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Man könnte einige biographische Daten benennen: Im 11. Jahrhundert gelebt, Benediktiner kamaldulensischer Observanz, unermüdlicher Vorkämpfer für die Rechte der Kirche nach Außen ebenso wie für einen vorbildlichen und der Berufung angemessenen Lebenswandel ihrer Kleriker und Mönche nach Innen, Kirchenpolitiker und Kirchenlehrer, zudem Theologe, Prediger und Dichter; Dante gedenkt seiner in der Göttlichen Komödie im 21. Gesang des Paradiso. Der Gedanke, die Philosophie solle der Theologie dienende Magd sein, findet sich erstmals bei ihm formuliert: Ein überraschend vielseitiges Leben, wie die kleine Recherche ergab; auch nur einem dieser Aspekte näher nachzuspüren wäre in der verbleibenden Kürze seines heutigen Festtages unmöglich. 
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Der Hinweis auf Hymnen und Gesänge, die der hl. Petrus Damiani verfasste, ließen mich zu einer kleinen Anthologie greifen; tatsächlich fand sich eine Auswahl. Die beiden Schlußstrophen aus dem Rhythmus de gloria et gaudiis paradisi ("Gedicht auf die Herrlichkeit und die Freunden des Paradises") lassen uns - durchaus passend zur Feier der Fasten - mit den Worten des Heiligen und in seiner Fürsprache zum Kyrios rufen:
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Christe, palma bellatorum,
Hoc in municipium
Introduc me post solutum
Militare cingulum,
Fac consortem donativi
Beatorum civium.
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Præbes vires in infesto
Laboranti prœlio,
Nec quietem post certamen
Deneges emerito,
Teque merear potiri
Sine fine præmio!
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Christus, Palme deiner Kämpfer,
Gnädig meine Schritte lenk
Auf zu deiner Stadt, und löse
Mir des Kriegers Wehrgehenk,
Mach mir deiner seligen Bürger
Himmelsfreude zum Geschenk.
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Gabst du deinem Erdenkämpen
Mut und Stärke einst im Streit,
Nicht versag ihm die verdiente
Ruhe nach der Kriegeszeit,
Gib dich selbst zum höchsten Lohne
Dann mir hin in Ewigkeit!
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Die Strophen sind entnommen aus: Laudate Dominum - Lobet den Herrn. Altchristliche Kirchenlieder und geistliche Gedichte - lateinisch und deutsch von Richard Zoozmann. München 1928. S. 212 f. - Die Darstellung des hl. Petrus Damiani ist an einem Seitenaltar der Klosterkirche zu St. Trudpert im Münstertal zu sehen.

Sonntag, 22. Februar 2015

Vom rauhen Wort

Eine kleine Variation zu den gestern eingestellten Gedanken über Psalm 63 kam mir heute auf der Fahrt nach Basel unter die Augen, als ich einige Erläuterungen des hl. Augustinus zu Psalm 90 las (die Eigentexte der Meßgesänge sind heute ja ausschließlich diesem Psalm entnommen). Der dritte Vers läßt den Gerechten in der Lesart der Vulgata bekennen:
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Quoniam ipse liberavit me de laqueo venantium *
et a verbo aspero.
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Denn er hat mich befreit aus der Schlinge der Jäger *
und von dem rauhen Wort.
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Die Rede vom "rauhen Wort" wendet Augustinus auf  Vorwürfe, Wider-, Spott- und Scheltreden an - seien diese nun gesprochen oder zu Papier gebracht -, die jenen Christen, die authentisch aus dem Glauben leben möchten, zu Ohren kommen können. Zudem unterscheidet er auf der Gegenseite zwei Gruppen: die Heiden einerseits, aber auch eigene Glaubensgenossen, auf die zuweilen der Satz zutreffen könnte, daß einer, der solche Freunde habe, aber echt keine Feinde mehr brauche ...
Viele schickte der Teufel durch das "rauhe Wort" in die Falle, zum Beispiel solche, die unter Heiden Christen sein wollten; sie leiden die Beschimpfungen der Heiden, sie erröten unter den Beschimpfern, und vor dem "rauhen Worte" weichen sie vom Weg ab, fallen sie in die Schlingen der Jäger ...
... Ebenso unter den Christen; die eifriger und besser sein wollen, werden von den Christen selbst Beschimpfungen hören. Und was nützte es, Bruder, wenn du einmal eine Stadt findest, wo kein Heide ist?
Das Augustinus-Zitat ist entnommen: Aurelius Augustinus: Über die Psalmen. Ausgewählt und übertragen von Hans Urs von Balthasar. Einsiedeln (2) 1983. S. 188.

Das BamS!

Der hl. Missionar Fridolin in seinem Münster zu Bad Säckingen mit ein paar mahnenden Worten:
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 hl. Fridolin, Münster St. Fridolin zu Bad Säckingen 

Samstag, 21. Februar 2015

Psalm 63, die Schreibtischtäter und unsere Furcht

Zu den Psalmen der Laudes nach der Ordnung des Breviarium Romanum zählt an Samstagen Psalm 63 - ein Gebet, das vom Gericht Gottes über hinterlistige Verfolger spricht. Dieser Psalm ist sowohl der gewöhnlichen Psalmodie unter dem Jahr eingeschrieben als auch jener zweiten Psalmfolge für Bußzeiten, die derzeit das Stundengebet prägt. Die begleitenden Antiphonen, die dem Beten eine gedankliche Richtung mit auf den Weg geben, unterscheiden sich aber in den beiden Ordnungen. 
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Im üblichen Jahreslauf kontrastiert der "Leitvers" den Gedankengang des Psalms; ist darin nicht wenig von den Nachstellungen und Verfolgungen die Rede, denen sich der Gerechte von feindlicher Seite ausgesetzt sieht, so spricht die Antiphon - sozusagen aller Anfechtung zum Trotz - von der Freude des Gerechten, die dieser vertauensvoll von Gott empfängt: "Freuen wird sich der Gerechte im Herrn, auf ihn wird er vertrauen".
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In Bußzeiten aber, die ja auch den Blick für Grenzsituationen schärfen, in denen wir hinter unseren Möglichkeiten bleiben, umrahmt ein ernsterer Ton den Psalm; die Worte sind dem zweiten Vers entnommen:
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A timore inimici * eripe, Domine, animam meam.
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Der timor inimici kann nun auf zwei Arten übersetzt werden: Der Herr möge den Beter dem "Feindesschrecken" entreißen, ihn mithin vor den Feinden schützen. Das wäre eine - und wahrlich nicht unübliche - Lesart. Möglich wäre aber auch, und das begleitete mich heute in der Frühe:
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Aus der Furcht vor dem Feind * reiße, Herr, mich heraus.
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Nun sehen wir uns hierzulande nicht jenen Gefahren gegenüber, wie sie zum Beispiel vielen Christen in islamisch geprägten Regionen drohen. Aber auch in unseren Breiten ist es eine, wie ich denke, sehr wichtige und notwendige Bitte - in unserem Lebenskreis zielt sie auf den Kleinmut (die Altvorderen sprachen in diesem Zusammenhang zuweilen auch von "Menschenfurcht"), den Glauben in einer Umwelt zu bekennen, die diesen Glauben entweder gleichgültig und desinteressiert zur Kenntnis nimmt oder die den Glauben gar verspottet, ins Lächerliche zieht, den Gläubigen als "Religioten" diffamiert und ihm womöglich grundlegende Rechte in einer demokratischen Gesellschaft bestreitet (deutlich wird dies etwa bei den lautstarken Protesten gegen den "Marsch für das Leben"). 
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Denn bei Anfechtungen aus letztgenannter Richtung ducken wir uns im Alltag gerne weg, um nicht zu sehr im Abseits zu landen, und sind oft geneigt, unseren Glauben und das Zeugnis für Gott unter den Teppich zu kehren. Je lauter nun die Gegenseite (von "wissenschaftlichen" Atheisten bis hin zu "emanzipatorischen" Autonomen) brüllt und schreit oder agitiert (und man brüllt, schreit, agitiert, spottet und höhnt zunehmend intensiver), desto mehr zieht sich auf unserer Seite die Schweigespirale zusammen, desto mehr werden wir kleinlaut, bis hin zu endgültigem Verstummen und faktischer Unsichtbarkeit.
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Es ist übrigens interessant, sich in Psalm 63 die Charakterisierung der Feinde näher anzuschauen. Übersetzt man das beschriebene "Feind-Bild" in die Gegenwart, dann zeigt sich uns weniger die Fratze eines eine Kalaschnikow schwingenden und den Kopf eines "Ungläubigen" in eine Kamera haltenden Islamisten (passende Bilder zu diesem Szenario finden sich andernorts in der Schrift). Der Feind kommt hier eher jenem Typus nahe, den wir mit dem Begriff des "Schreibtischtäters" bezeichnen ...
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... die wie ein Schwert ihre Zunge wetzen, 
ihre giftigen Worte gleich Pfeilen anlegen, 
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um aus dem Versteck den Schuldlosen zu treffen,
jählings auf ihn zu schießen - sie scheuen sich vor nichts.
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Fest fassen sie den bösen Beschluß,
bereden, wie heimlich sie wollen Schlingen legen,
und sagen dabei: "Wer wird uns bemerken?"
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Sie ersinnen Frevles, verbergen die Pläne, die sie ausgedacht,
und Sinn und Herz eines jeden sind abgründig (Ps 63, 4-7).
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Doch fürchten wir sie nicht und rufen wir einander zu, daß wir uns vor nichts fürchten müssen! Fürchten wir nichts und niemanden aus diesem Aion, nicht den Nachbarn mit seinen schalen Witzen über Heiliges, nicht den Kollegen mit seinen Tiraden über die Religion, nicht die Heerschar giftender Kommentatoren in den Medien und nicht jene Medienleute, die sie mit Nahrung versorgen, nicht die johlende Menge am Straßenrand und nicht die nackten Weiber auf den Altären, sondern bekennen wir Christus, den Kyrios, in unseren Worten und - ebenso wichtig - beglaubigen wir diese Worte und Gottes ewiges Wort in Leben, Tun und Liebe! Stärken wir einander im Glauben, lassen wir uns nicht einschüchtern ... und eines ist am Ende gewiß:
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Doch trifft sie Gott mit dem Pfeil,
unversehens sind sie mit Wunden geschlagen.
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Und den Sturz bereitet ihnen ihre Zunge:
das Haupt schütteln alle, die sie sehen (Ps 63, 8 f.).

Freitag, 20. Februar 2015

Sententiæ LXXXIV

Der Übergang von einem guten Menschen zum Heiligen ist eine Art Umwälzung, durch welche ein Mensch, für den alle Dinge Gott bezeugen und verherrlichen, zu einem Menschen wird, für den Gott alle Dinge bezeugt und verherrlicht.
Gilbert Keith Chesterton: Franziskus 

Donnerstag, 19. Februar 2015

Tagessplitter

Fastenzeit ist Mist. Das ist gewiß kein Gedanke, um fromm zu reüssieren, aber er schoß mir heute plötzlich durch den Kopf, als ich in einem Supermarkt zwischen den Regalen herumstapfte. Was immer ich besonders gerne schlucke, schlürfe und schnappe - auffällig viel davon kreuzt gerade jetzt, einen Tag nach Aschermittwoch, als "Angebot" den Weg: "Kauf das", "Nimm's mit", "Greif zu" ... und ich kenne mich gut genug, um zu wissen, daß die verbleibende Lebenszeit diverser Fressalien sehr rasch abnimmt, sobald sie die Kasse passiert haben. Den Rest gaben mir drei Rübli-Kuchen beim Bäckerstand: Gefühlt gibts die immer nur einen Tag lang und dann erst wieder im nächsten Weltzeitalter ... 
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Soviel nun zum Thema "Fastenzeit in der Überflußgesellschaft" - den Rübli-Kuchen läßt sich mit nicht minder gefühlter Müh und Not irgendwie auch noch entkommen. Anderswo freilich halten derweil die Christen für ihren Glauben den Kopf hin ...

Mittwoch, 18. Februar 2015

Aschermittwoch


unter den Steinen
Bruchstücke unseres Lebens
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unter dem Hahnenschrei
Widerhall unseres Verrates
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unter der Hand
Tränen der Reue und Buße
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Gott segne uns alle und heilige uns
in der Übung der vierzigtägigen Fasten!
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Bild: Petrus bereut, den Kyrios verleugnet zu haben - Detail aus dem Kreuzweg in der Pfarrkiche St. Wendelin zu Yach.

Dienstag, 17. Februar 2015

Regenbogen über der Flut (Teil 4 - Ende)

Fortsetzung von hier.
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Odo Casel OSB
Maria war die reinste Jungfrau, weil sie die demütigste Jungfrau war. Das heilige Pneuma konnte nur ein Gefäß überschatten und erfüllen, das sich ihm ganz rein darbot, ihm ganz geöffnet war. In Maria sammelt sich die demütige Hoffnung des Alten Bundes auf den Messias, all jener, die das Heil nicht in eigener Kraft, sondern in Gott erwarteten. In ihr war die Kirche vorgebildet, die aus der Wüste dieser Welt emporsteigt, gestützt auf ihren Geliebten. So war keine Faser an ihr, die nicht Gott ausschließlich gehörte. "Ich bin meinem Geliebten zu eigen, und seine Zuneigung gilt mir" (Hld 7, 10). Wo solch ungeteilte Hingabe herrscht, da kann das Pneuma Gottes seine ganze Fülle entfalten. Da kann es freigebig und verschwenderisch sich verschenken, da kann es das Wunderwerk seiner Gnade bewirken, ohne gehemmt zu werden.
So herrlich war die göttliche Erfüllung, daß die leibliche Mutterschaft "matris integritatem non minuit, sed sacravit" - die Unversehrtheit der Mutter nicht verringerte, sondern weihte" (Sekret am Feste der Geburt Mariens). Diese Mutterschaft aber war nicht das Erste, Hauptsächlichste. "Prius mente concepit quam corpore - sie empfing eher im Pneuma als im Leibe", sagte der heilige Leo (Sermo 21, 1). Für uns ist die leibliche Mutterschaft Mariens ein wunderbares Symbol, ein Mysterium dessen, was an der ganzen heiligen Kirche geschieht. Sichtbar wurde da das Wirken des Pneumas, wie im heiligen Sakramente das Wirken des Gottesgeistes sichtbar uns vor Augen tritt. Hier zeigte es sich, daß die heilige Jungfräulichkeit ihrem Wesen nach nicht in unfruchtbarer äußerer Reinheit besteht, sondern in fruchtbarer Hingabe an die göttliche, reine, pneumatische Liebe. Alles an Maria geschah im Dienste des großen Ur-Mysteriums, der Menschwerdung. Deren Ziel aber war, Gott die Braut zu bereiten, die in reinster und demütigster Hingabe ihm auf ewig anhangen sollte, ganz rein von dieser Welt, Jungfrau, aber in Liebe hingegeben Gott als Gattin des Lammes, und ganz fruchtbar als pneumatische Mutter.
Maria wurde nach ihrem Heimgang in die Seligkeit und ewige Lebensfülle der heiligsten Dreifaltigkeit hineingenommen. Das Weib, demütig und sich seiner Niedrigkeit bewußt, steigt durch Demut und Liebe hinauf zum Throne neben der ewigen Gottheit. So soll die ganze Kirche und besonders die gottgeweihte Jungfrau durch Demut und Liebe teilnehmen an der Natur der unendlich lichtstrahlenden Gottheit, soll ewig leuchten am Himmel und, wie der Regenbogen über der Flut, in sich spiegeln die weiße Lichtglut des heiligen Pneumas Gottes.
Aus einer Ansprache am Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel 1929 - entnommen aus: Odo Casel OSB: Mysterium der Ekklesia. Von der Gemeinschaft aller Erlösten in Christus Jesus. Mainz 1961. S. 408 f.

Montag, 16. Februar 2015

A la Büttenpredigt

Einmal im Joor sind mir ganz doll
gar luschtig druff und haue' voll
im liebe' Gott eins in die Fresse,
denn dann gehts ab zur Narrenmesse.

Jetzt kumme g'wiß die fromme' Seckel
und haue' uns eins uf'de Deckel ...
Doch nämme mir nur d' Schrift bim Wort:
Ganz fürchterlich wird dieser Ort!

Denn d' Kirch, die brucht meh' Täterä
un' Spaß plus Stimmung, bisses weh
tät wirklich all dem fromme' Rotz
und jedem heil'ge Obermotz.

G'wiß: Früher war des furchtbar krass
und alles andre als e' Spass,
mit vierzig Stund uf'de Knie rumrobbe'
zur Sühne für de' Himmel obbe
und andres G'schiss: des war nit heiter;
doch heut' sin mir modern und weiter.
Anstelle vu' dem Büßerg'schwätz
verzählet mir de' Leutle jetz':
Sie kämet alle in de Himmel,
sei's no' de ärgschte' Sündelümmel,

Wer drum' zur Mess' jetzt kömmt des Wegs
kriegt au 'uf jeden Fall ä Keks!
Was kümmert uns s' Müschterium,
heiligs Bimbam, Brimborium
und Kreuz-Repräsentatio ...
des macht doch keinen Narren froh!
Mit sowas bruch'sch heut' nieme komme', 
des isch jo nur was für die Fromme'.
Doch mit moderner Paschtoral
vertreibe mir die überall!
S' isch Wurscht! Dann häm'ma eh meh' Platz
für jeden blöden Pipifax ...

(Doch leider sind die Bänke sehr
nach Fasnet wieder allzu leer ...)

 vgl. hier.

Regenbogen über der Flut (Teil 3)

Fortsetzung von hier.
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Odo Casel OSB
Nicht aus eigenem kann die Frau sich erheben. Will sie über sich selbst hinausschreiten aus eigener Kraft, dann sinkt sie tatsächlich unter sich selbst hinab. So erging es Eva, die gottgleich werden wollte durch Ungehorsam: sie sank hinab in das Elend des Fleisches. Maria aber, die sich in Demut unter sich selbst erniedrigte, wurde erhöht durch Gottes Pneuma. "Er schaute auf die Niedrigkeit seiner Magd" (Lk 1, 48). Eva sank also durch ihren Stolz hinab zum Fleische, zu Verwesung und zum Tode dieser Welt. Maria aber stieg durch Demut hinauf zum Pneuma, zur Unverweslichkeit, zum ewigen Leben, zur Jungfräulichkeit.
Demut und Jungfräulichkeit gehören wesentlich zusammen. Das ist ein Gesetz, das aus der Natur Gottes selber fließt. Denn Gott kann nur jenes Geschöpf zur Teilnahme an sich selbst, das heißt zur Geistigkeit und Reinheit, berufen, das von sich selber frei geworden ist. Wer in sich selber ruht und von sich ausgefüllt ist, der bleibt auch in sich befangen, kann nicht über sich selbst hinaussteigen. Wer aber rein von sich selber ist, der wird zum köstlichen Gefäße des Pneumas. Den Stolzen kann Gott nicht erfüllen. "Gott widersteht den Stolzen, den Demütigen aber gibt er seine Gnade" (Jak 4, 6).
Jungfräulichkeit ist also in erster Linie Hingabe an das göttliche Pneuma, ungeteilt und ohne Abstrich, ist Brautschaft des Logos. Eine solche pneumatische Brautschaft muß ganz rein sein. Deshalb fließt aus der ungeteilten Hingabe die Reinheit der Seele und des Leibes. "Du läßt deine Frommen nicht schauen die Verwesung" (Ps 15, 10). Aber die Jungfräulichkeit ist nicht etwa in erster Linie körperliche Reinheit. Nein, sie ist in erster Linie Demut und völliger Gehorsam gegen Gottes Pneuma. Alles andere fließt nur daraus.
Jede Sünde gegen die Demut, jeder Stolz, jeder Ungehorsam, jede Selbstsucht, jede Lieblosigkeit richtet sich auch gegen die jungfräuliche Reinheit, gegen die Gemeinschaft mit Gott. Deshalb nennt die Heilige Schrift den Hochmut gegen Gott "fornicatio" - Unzucht, Ehebruch -, weil ja die Schöpfung sich dadurch von ihrem Herrn und Bräutigam trennt und fremden Buhlen nachläuft. Durch diese Unzucht aber, durch ihre Gottesvergessenheit und Gottlosigkeit fielen die Menschen in die Verwesung und in den Tod.
Aus einer Ansprache am Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel 1929 - entnommen aus: Odo Casel OSB: Mysterium der Ekklesia. Von der Gemeinschaft aller Erlösten in Christus Jesus. Mainz 1961. S. 407 f.

Sonntag, 15. Februar 2015

Tagessplitter

1. Eigentlich wollte ich heute etwas über eine Oratio schreiben, mit der man es derzeit am Ende der Komplet zu tun bekommt: das Schlußgebet nach Unserer Lieben Frauen Lob Ave, Regina cælorum. Nach zwei sehr interessanten und bemerkenswerten Beiträgen andernorts über das Tagesgebet des heutigen Sonntags Quinquagesima (das eine Mal hier, das andere Mal dann da) lasse ich lieber die Finger davon, derweil ich fürchte, die Philologen könnten sich auch noch darauf stürzen. Auch scheint es mir gerade nicht ratsam, nach diesen sehr in die Tiefe greifenden Erwägung einfach nur einigen Gedanken nachzuhängen.
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2. Hängen wir uns also an anderen Dingen auf! Als Freund einer zuweilen (ich nennen das jetzt mal:) schlichten und aus natürlichem Fluß atmenden Diskretion in der Liturgie klingen mir manchmal die Wandlungs-Glöcklein zu lang und schrill im Ohr. Mir scheint, das verhält sich ein wenig wie die Sache mit den Engelszungen heute aus der Lesung - auch auf ausuferndes Gebimmel sub elevatione mag des heiligen Paulus Eindruck gelten: factus (...) velut æs sonans aut cymbalum tinniens (1 Kor 13, 1). Wohlan denn: Glöcklein muß man mit Liebe läuten. Das zu erinnern heißt aber auch ...
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3. ... zu sehen, wo man selbst als krachendes Erz und schrillende Schelle aufschlägt. Quid vis, ut faciam tibi? fragt der Kyrios heute im Evangelium den blinden Bettler am Wegesrand. Der antwortet: Domine, ut videam.

Das BamS!

Solange draußen keine blumigen Blüten behuflich einer Behübschung dieses blogs erblühen mögen, muß man einige Pflänzlein eben am Fenster heraufpäppeln; so gelte denn: Florete flores quasi lilium et date odorem (für die odeur ist vornehmlich die Hyazinthe zuständig)!
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Samstag, 14. Februar 2015

Regenbogen über der Flut (Teil 2)

Fortsetzung von hier.
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Odo Casel OSB
Welch ein Gegensatz! Auf der einen Seite Eva, die lockende Verführerin, die den Mann hinabzieht in Sinnlichkeit und Sünde und deshalb selbst "Fleisch" wird und die Last des Fleisches tragen muß! Auf der anderen Seite Maria, voll pneumatischer reinster Schönheit, die alle über sich selbst hinaus emporreißt zur Ur-Reinheit, die in allen Herzen Sehnsucht erweckt nach der Erfüllung mit dem Pneuma, nach vollendeter Jungfräulichkeit; vor deren Auge die Sünde und alle Gemeinheit fliehen und sich schämen. 
Wie ist es möglich, daß ein Wesen derselben Art so grundverschiedene Gestalt annehmen kann?
Wollen wir das tiefer verstehen, so müssen wir die Idee betrachten, die Gott mit der Erschaffung des Weibes verwirklichte. Gott nennt in der Heiligen Schrift das Volk Gottes - zunächst Israel, dann die Ekklesia - sein Weib, seine Braut. Da aber die Gottesgemeinde die Blüte der Schöpfung ist, ergibt sich, daß er in dem Weibe die Schöpfung symbolisieren wollte. Gott spricht zu uns durch Taten und Bilder. Er hat den Menschen männlich und weiblich erschaffen, um sein Verhältnis zur Kreatur auszudrücken. Wie der Mann um das Weib, so wirbt Gott im Gesetz, in den Propheten und im Evangelium um seine Braut, die Ekklesia, die erlöste Schöpfung.
Die freie, geistige Schöpfung - denn nur um freie Wesen kann man werben - ist also das, was das Weib sinnbildet. Auch hier finden wir wieder die geheimnisvolle Verwandtschaft zwischen Weib und Wasser. Die erste Schöpfung war ein gewaltiger Abgrund von Wassern. Finster und ungeordnet lag das Urmeer da. Denn das Wasser ist aus sich dunkel und zerfließend, ohne Licht und Gestalt. Wenn aber das Licht über ihm leuchtet, wird es selber voll Licht und unendlicher Schönheit der Harmonie. So ließ Gott auch das Licht von oben herabstrahlen über die Urwasser: "Er sprach: Er werde Licht, und es ward Licht!" (Gen 1, 3). Das Licht ist immer licht, weil es das Göttliche darstellt. Das Wasser aber wird erst licht, wenn es das Licht aufnimmt.
Auch jetzt noch hat das Wasser eine doppelte Natur. Es ist verführerisch, lockt zur Sinnlichkeit und zieht in den Tod hinein, aber es reinigt auch, wäscht den Schmutz ab, wird zum Taufwasser, zur Mutter neuen Lebens.
Weil das Weib die Schöpfung, die Natur darstellt, hat es auch diese beiden Seiten: eine dunkle, die zur Materie hinabzieht, aber auch eine helle, lichte, die das Himmlische abspiegelt in vollendeter Klarheit und Reinheit. So verstehen wir: Eva - Maria. Eva ist die Natur, die dem Gewichte der Materie nachgibt, die sich nicht dem Gebote Gottes unterwirft, die sich vielmehr auf sich selbst stellt und dadurch erst recht hinabsinkt. Maria ist die gottzugewandte Schöpfung, die Ekklesia, die sich vergißt und sich dem göttlichen Lichte ganz übergibt und so selbst zur Lichtträgerin, zum Regenbogen des Friedens- und Gottesbundes wird.
Aus einer Ansprache am Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel 1929 - entnommen aus: Odo Casel OSB: Mysterium der Ekklesia. Von der Gemeinschaft aller Erlösten in Christus Jesus. Mainz 1961. S. 406 f.

Marienlob am Samstag: Ianua cæli

 Sinnbild der Ianua Caeli - Kartusche im Deckenornat in St. Jakobus, Eschbach 
Ein kurzer Auszug aus der Lesung für den Monat Februar im Offizium Unserer Lieben Frau für die Samstage, entnommen "dem Buch des heiligen Presbyters Hieronymus gegen Jovinian":
Christus ist ein jungfräuliches Wesen, die Mutter des zu uns gehörenden jungfräulichen Wesens ist stets Jungfrau, Mutter und Jungfrau. (...) Sie ist das nach Sonnenaufgang gerichtete Tor, wie Ezechiel sagt, das immer geschlossen und und immer leuchtend ist, das in sich einschließt oder immer hervorgehen läßt das Allerheiligste, durch das die richtige Sonne und unser Hohepriester gemäß dem Vorbild Melchisedechs ein- und ausgeht.
In Worten einer Hymnenstrophe der Laudes:
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Tu Regis alti ianua
et aula lucis fulgida:
vitam datam per Virginem,
gentes redemptæ, plaudite.
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Du des Königs erhabene Pforte
und glanzüberströmter Thronsaal des Lichtes:
Das Leben ward gegeben durch eine Jungfrau -
aufjauchze nun, erlöstes Geschlecht!
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Bild: Ianua cæli ("Pforte des Himmels") - Enblem zum Ruf in den Lauretanischen Litanei in einer Deckenkartusche der Pfarrkirche St. Jakobus zu Eschbach im Schwarzwald.

Freitag, 13. Februar 2015

Tagessplitter

... wie das Katholische dort oben sich
in verschimmelsten französischen
Devotionsformen wie aus
Töchterpensionaten und Seminaren
der Jahrhundertwende zeigt.
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Ida Friederike Görres, Nocturnen
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Eher zufällig kam mir heute Kardinal Burke in den Sinn samt dessen Erwägung, bekasperte Gottesdienste nach Hausfrauenart würden Männer kaum für Kirche und Glauben gewinnen, sondern eher in die Flucht schlagen (so hat's der Kardinal jüngst natürlich nicht gesagt). Da ist was dran, obgleich man den Problemkreis auch weiter schlagen könnte: Ich erinnere mich zum Beispiel an haarsträubende Mitmach-"Angebote" (sprich: gruppendynamisch unterstützte Nötigung) im Rahmen von (zumeist kleingrüppigen) "Gottesdiensten" ... so was wie Bibelarbeit (in Kleingruppen), Fürbitten-Formulieren (in Kleingruppen), sich sonstwie irgendwie einbringen (mittels Kleingruppe). 
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Es geht derzeit à la mode ein Wort herum: "übergriffig", und das trifft's ganz gut: Denn in der Tat empfand ich solche "Einladungen", zumindest einen sozioreligiösen Furz beizutragen, genau so: übergriffig. Wie mag es mithin erst jenen gehen - ob Frau nun oder Mann- , die aus einer gewissen Distanz zu den aufgetischten Inhalten heraus in diese spezielle Art der participatio actuosa "eingeladen" werden? Von dilettantischen Animationen, Einlagen und Ringelpiezeleien bei Gottesdiensten ganz zu schweigen; man muß keineswegs beteiligt "werden" - es reicht, vor Ort gewesen zu sein, um sich cum grano salis "seines Glaubens zu schämen".
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Nun soll man nicht immer nur auf den Schwächen der anderen Seite herumreiten: Die Fairness gebeut hier beispielswegen anzumerken, daß mich auch einige Phänomene in der "alten" römischen Liturgie etwas befremden, etwa das Beknutschen diverser Gegenstände im Pontifikalamt, sobald man diese aus der Hand des Bischofs zurück bekommt. Und ohnehin habe ich bereits früher durchblicken lassen, daß mich zuweilen diverse Akzidentien "außerordentlicher" Gottesdienste schütteln machen (die Verwandlung von Altären in botanische Gärten etwa oder das übermäßige Bebömmeln, Bequasten und Bespitzeln von allerhand gut betuchtem Web- und Stickzeug). Daß Zeitgenossen vom Schlag eines David Berger das wohlgefällig schwul finden, kann ich bis zu einem bestimmten Punkt nachvollziehen: Symbole wirken keineswegs stets zeitenthoben allein aus sich heraus (und ein style schon garnicht), sondern unter Umständen auch auf dem Negativ der Rezeption; es schadet daher nicht, das Nebensächliche auf den Prüfstand zu stellen.
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Nun gibt es im traditionsgeneigten Lager (übrigens keineswegs nur im Umfeld der "alten" Messe) eine weitere Gefährdung, die mitunter ahnungslose Interessenten das Weite suchen lassen: Die Weiber, die Frommen und ähnlich gelagertes Gesochs. Wen meine ich damit?
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Natürlich weder alle Frauen noch alle Frommen. Ich meine damit zum Beispiel die witches-in-residence bestimmter Kirchengebäude: Kein Rosenkranz, dem sie nicht vorstehen, kein Blumentopf, den nicht sie an den von ihnen bestimmten Platz rücken, kein Rabimmel und Rabummel ohne ihre Mitwirkung, keine frische Initiative ohne ihren Segen und keine chance gegen sie. Unter "Frommen" verstehe ich jene religiös überhitzten Gemüter, die gerne (und zuweilen klandestin, weil es der Geistliche eigentlich untersagt hat) jedem, der sich nicht rasch genug aus dem Staub machen kann, irgendwelche Botschaften von Sehern und Sühneseelen aufs Auge drücken und ins Ohr jammern oder das fortwährende Blabla der Gospa bepreisen.
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Derweil eher typisch für altrituelle Gemeinden sind alsdann noch jene, denen das rechte Maß für Distanz und Nähe fehlt und die sich an jedes neue Gesicht heranwanzen; man glaubt sie dauernd im Rücken, stets sprungbereit oder bereits im Sprung, "helfend" einzugreifen. Man kann keine zwei Seiten im Schott blättern, ohne daß sie nicht sofort mitblättern kommen. Allzeit raunen sie irgendwelche Hilfestellungen, flüstern Kommentare, deuten bedeutungsschwanger auf das Geschehen - gut Gemeintes ist aber manchmal noch besser, wenn man es unterläßt ... 

Donnerstag, 12. Februar 2015

Soirée: Lied an den Mond

... weil vor Tagen auf Fratzbuch nach dem (deutschen) Text von Měsíčku na nebi hlubokém, dem "Lied an den Mond" der Seejungfrau Rusalka aus der gleichnamigen Oper von Antonín Dvořák gefragt wurde (und es ein Anreiz obendrein ist, unter dem Begriff Ganz große Oper zuweilen Arien und Ensembles einzustellen, die mich besonders, sagen wir: betören) ...
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Silberner Mond du am Himmelszelt,
schenkst uns dein Strahlen voll Liebe,
schwebest still über uns're Welt,
blickst auf der Menschen Getriebe.
O Mond, doch nicht so eile,
sage mir, wo mein Schatz weile!
Sage ihm, Wand'rer im Himmelsraum,
wie ich ihn herze und küsse,
daß er, umsponnen vom Morgentraum,
meiner gedenken auch müsse.
O leucht' ihm aus weiter Fern',
sag ihm, wer ihn hat so gern!
Sieht mein Schatz mich im Traumgesicht,
wach' er auf meiner gedenkend!
O Mond, erlisch mir nicht,
erlisch mir nicht!
O Mond, erlisch mir nicht!
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Hier zu hören:

Mittwoch, 11. Februar 2015

Regenbogen über der Flut (Teil 1)

Odo Casel OSB
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Unsere Zeit erinnert an die Tage vor der Sintflut. Ob es nicht ein Zeichen ist, daß der Herr bald kommt? "Wie in den Tagen Noes, so wird es bei der Parusie des Menschensohnes sein. Denn wie sie in den Tagen vor der Sintflut aßen und tranken, heirateten und verheiratet wurden, bis zu dem Tag, da Noe in die Arche ging - sie aber verstanden nichts, bis die Flut kam und alles wegriß -, so wird es auch bei der Parusie des Menschensohnes sein" (Mt 24, 37-39).
Die Menschen vor der Sintflut versanken in fleischlicher Lust - "Sie sind Fleisch", heißt es in der Genesis (6, 3). -, sie vergaßen des Geistes. Ebenso ist es auch vor der Parusie. Das Pneuma ist vergessen; nur die Lust der Welt: die Begierde des Fleisches und der Augen und die Hoffart dieser Welt herrschen. Der Heiland selbst hat das charakterisiert durch die oben zitierten Worte.
Aber die Schuld der Menschheit ist am Ende der Tage noch viel größer als die der Menschen vor der Sintflut. Jene galten bei den Juden als die größten Sünder, und deshalb bezeichnet auch Petrus sie in seinem ersten Briefe als die, die "ungehorsam waren, als die Langmut Gottes auf sie wartete" (1 Petr 3, 20). Aber ihnen war Christus noch nicht erschienen, sie hatten noch nicht das Pneuma, die Gottesgabe des Neuen Bundes, empfangen. Wie groß ist dann erst die Schuld derer, die nach Christi Erscheinen, nach der Aussendung des Pneumas dem Fleische allein dienen!
Mehr noch als der Mann leidet das Weib, wenn Fleisch und Sünde regieren. Das Weib wird dann ganz in den Strudel hinabgezogen, wird entwürdigt und entwürdigt sich selbst. (...) Vielleicht hat das Weib noch nie die Gesetze der Schamhaftigkeit und Sitte so mit Füßen getreten wie heute.
Über der Sintflut aber strahlte in den Tagen Noes der Regenbogen auf, voll wundersamer, himmlischer Harmonie, ein trostvolles, erhabenes Himmelszeichen. Es war das Wasser, das eben noch die Sünde der ganzen Welt bedeckt und alles Fleisch ertränkt hatte. Jetzt war es emporgestiegen zum Himmel, ließ sich vom Lichte durchglänzen und wurde zum Unterpfand der göttlichen Versöhnung. Das weibliche Element, das Wasser, wurde zum göttlichen Lichtträger. Dasselbe Wesen, das der Sünde und dem Fleische diente, es strahlte vom Himmel herab voll Licht und Harmonie, als Labsal für die durstigen, nach der Reinheit verlangenden Seelen, als Friedenszeichen über den Wassern des Gotteszornes. Die sündige Welt sehnt sich nach nichts so sehr wie nach dem reinen Weibe.
In Maria, der reinen Frau, der Jungfrau im Pneuma ist der Regenbogen des Neuen Bundes über uns aufgegangen. Seit Eva im Paradiese verdorben wurde, ist sie die erste Frau, die wieder ganz rein, das heißt von Gott ganz und gar erfüllt ist. Deshalb schaut die Welt nach ihr aus. "Nach deinem Antlitz sehnen sich alle Reichen des Volkes" (Ps 44, 13).
Aus einer Ansprache am Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel 1929 - entnommen aus: Odo Casel OSB: Mysterium der Ekklesia. Von der Gemeinschaft aller Erlösten in Christus Jesus. Mainz 1961. S. 404 ff.

Wo die Vorzeichen der Erlösung aufscheinen, dort schauen wir Maria

 Das Opfer des Noah - Münster Saint Thiébaut zu Thann im Elsass 
Eine schöne Fügung führt am heutigen Tag das Fest der Erscheinung Unserer Lieben Frau zu Lourdes mit Lesungen aus dem Buch Genesis zusammen, die vom Opfer Noës nach der verheerenden Flut und dem Bund berichten, den Gott daraufhin mit den Menschen schließt - diese Erzählungen finden wir heute und morgen in den Metten des Breviarium Romanum, mithin unter anderem die folgenden Sätze:
Und Noë baute dem Herrn einen Altar und nahm von allen reinen Tieren und reinen Vögeln einige und brachte auf dem Altare Brandopfer dar. Da roch der Herr den süßen Duft. Und der Herr sprach bei sich: Nicht will ich hinfort dem Boden mehr fluchen um des Menschen willen (Gen 8, 20 f.).
Und Gott sprach zu Noë und zu seinen Söhnen bei ihm also: Ich schließe meinen Bund mit euch und euren Nachkommen und mit allen Lebewesen bei euch an Vögeln, Vieh und allen anderen Tieren auf Erden bei euch, von allen, die aus der Arche gingen, von all den Tieren auf Erden. Ja, meinen Bund errichte ich mit euch; kein Geschöpf werde mehr durch der Flut Gewässer vernichtet und nie wieder komme eine Flut, die Erde zu verheeren. Und Gott sprach: Dies sei das Zeichen des Bundes, den ich schließe zwischen mir und euch und allen Lebewesen bei euch für ewige Zeiten! Ich stelle meinen Bogen in die Wolken. Er sei das Bundeszeichen zwischen mir und dieser Erde! (Gen 9, 8-13).
Ein Relief an einem Unserer Lieben Frau zugewidmeten Altar im Münster zu Thann zeigt dieses Szenario: Noë am Altar des Brandopfers stehend, im Hintergrund die Arche, über beidem spannt sich ein Regenbogen als Bundeszeichen. Aus dem Rauchwerk des Opfers erscheint in diesem Bild jedoch noch eine weitere Gestalt: jener - aus reinen Opfergaben der Natur - abgewonnene süße "Duft", den der Herr riecht, hat gleichsam einen Namen und Gestalt: Maria - sie, unbefleckt empfangen, frei von dem Makel der Ursünde, steht am Anfang einer neuen Schöpfung. Als "angenehmer Weihrauch bei der Fürbitte" und "Gottes Wohlgefallen an den Sterblichen" preist sie der orientalische Hymnos Akathistos.
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"Gottes Wohlgefallen an den Sterblichen": Wie anders - und beinahe sinnerfüllter - liest sich der bereits zitierte Satz aus der Genesis, bezöge man in einem geistlichen Verständnis den Vers "um des Menschen willen" nicht auf das sündige Geschlecht, dem auch Noë zugehört, sondern auf Maria: "Nicht will ich hinfort dem Boden mehr fluchen um des Menschen willen" - um dieser Jungfrau willen, die im Heilsplan den Weg Gottes zur Erlösung aus der Sünde bereiten wird.
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Der Regenbogen nun, unter dem Unsere Liebe Frau erscheint, gewinnt ab dem Mittelalter auch als Symbol für Maria Bedeutung. Sein schier aus der Erde sich aufschwingender Bogen in den Himmel wird als Zeichen der Mittlerschaft Mariens gedeutet, die frohen Farben aber bedeuten die Tugenden der Gottesmutter: Im Regenbogen ist sie das Zeichen des Bundes, den Gott mit den Menschen schließt.
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So ist Maria die "Arche des Bundes", die fœderis arca - der Begriff begegnet uns zumeist in der Lauretanischen Litanei und erinnert vor allem an die Bundeslade im Allerheiligsten des Tempels. Aber bereits die Noë-Erzählung wird uns auf Maria hin transparent, wie bereits zuvor der Urgrund all dieser Deutungen, das Protoevangelium Gen 3, 15. Wo die Vorzeichen der Erlösung aufscheinen, dort schauen wir auch Maria!
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Die Wasser aber, die ehedem die Erde verheerten, entspringen heute einer Quelle, welche die hl. Bernadette einst aus eben dieser Erde grub auf Weisung jener Dame, die sich der Seherin von Lourdes als die Unbefleckt Empfangene zu erkennen gab. Nicht mehr Verderben und Tod bringen sie über die Schöpfung, sondern Segen und Heil für Leib und Seele - dieser Gedanke klingt auch in einer Strophe aus dem Hymnus zu den Laudes des heutigen Festes an:
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Torrens nefastis fluctibus
Cunctos trahens voragine,
Leni residit æquore
Cum transit Arca fœderis.
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Als alle des Verderbens Flut
In ihren Wogen jäh verschlang,
Blieb sanft sie stehn, als sie bemerkt,
O Bundeslade, deinen Gang.

Nun also ... gehe zu der Quelle und wasche dich darin!
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Bilder: Das Opfer des Noë - Relief an einem Marienaltar im Münster Saint Thiébaut zu Thann im Elsass (oben) - Lourdesgrotte im Fridolinsmünster zu Bad Säckingen (unten). Die deutsche Übersetzung der Hymnenstrophe ist entnommen aus: Das kirchliche Stundengebet. Übersetzt und erklärt von Erzpriester Stephan. Band 1. München 1926.

Dienstag, 10. Februar 2015

Tagessplitter

"... und andere babies könnten natürlich genauso süß lächeln, wenn man sie nicht vorher abgetrieben hätte. Na ja, wenigstens hat dieses hier Ihre Meinung überlebt!"
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(Lag mir heute auf der Zunge, als eine Mein-Bauch-gehört-mir-Emanze geradezu mütterlichst beglückt ein Kleinkind herzte).

Columba Virginum

 hl. Scholastika - Kirchzarten, St. Gallus 
Unter allen geistlichen Gemeinschaften fühle ich mich den Söhnen und Töchtern des hl. Benedikt am meisten verbunden; ein wunderbarer Hymnus klingt heute zum Fest der hl. Scholastika im Vespergottesdienst dieses Ordens auf. Das Wort von der Taube bezieht sich hierbei auf die Überlieferung, der hl. Benedikt habe Scholastikens Seele bei deren Tod in Gestalt einer Taube zum Himmel aufsteigen sehen. Angespielt wird auch auf ein Begegnung des Geschwisterpaares, bei welcher Scholastika den Himmel mit ihren Tränen so sehr rührte, daß ein starker Regen die Rückkehr des hl. Benedikt in dessen Kloster unterband, damit die Heilige seiner geistlichen Unterweisung länger das Ohr neigen konnte ...
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Te, beata sponsa Christi,
Te, columba virginum,
Siderum tollunt coloni
Laudibus, Scholastica:
Nostra te lætis salutant
Vocibus præcordia.
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Christusbraut in sel'gem Glanze,
Himmelstaube, Jungfrau rein,
Dir, Scholastika, will heute
Lobgesang der Himmel weih'n,
Wir auch frohen Herzens stimmen
In die Jubellieder ein.
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Sceptra mundi cum coronis
Docta quondam spernere,
Dogma Fratris insecuta
Atque sanctæ Regulæ,
Ex odore gratiarum
Astra nosti quærere.
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Früh schon lerntest du verachten
Kron' und Szepter dieser Welt,
Hast des Bruders Wort und Regel
Dir zu Lebensnorm bestellt,
Und es wies der Gnaden Wohlduft
Dir den Weg zum Himmelszelt.
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O potens virtus amoris!
O decus victoriæ!
Dum fluentis lacrimarum
Cogis imbres currere,
Ore Nursini parentis
Verba cæli suscipis.
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O gewalt'ge Macht der Minne,
Sieg der Liebe, hold verklärt,
Während du durch Tränenströme
Regengüsse ziehst zur Erd',
Hat Nursiens Patriarch dich
Himmelsworte fromm gelehrt.
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Luce fulges expetita
In polorum vertice
Clara flammis caritatis
Cum nitore gratiæ:
Juncta sponso conquiescis
In decore gloriæ.
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Über dich ist hoch im Himmel
Lichtesfülle ausgestreut,
Mit der Liebe Feuergluten
Eint sich Gnadenlieblichkeit,
Und, dem Bräutigam verbunden,
Ruhest du in Seligkeit.
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Nunc, benigna, pelle nubes
Cordibus fidelium,
Et serena fronte splendens
Sol perennis luminis,
Sempiternæ claritatis
Impleat nos gaudiis.
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Von den frommen Herzen banne
Nun die Wolken, Jungfrau mild,
Daß die ew'ge Sonne strahle
Von der Stirne unverhüllt,
Und uns mit der lichten Wonne
Ew'ger Herrlichkeit erfüllt.
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Gloriam Patri canamus
Unicoque Filio:
Par tributum proferamus
Inclyto Paraclito,
Nutibus cujus creantur
Et reguntur sæcula.
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Bringt dem Vater und dem Sohne
Ewig Ruhm und Herrlichkeit,
Auch dem Heil'gen Geist, dem Beistand
Sei ein gleiches Lob geweiht,
Dessen Wink die Welt gegründet
Und regiert in Ewigkeit.
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Amen.
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Der Text und die (leicht retuschierte) Übersetzung sind entnommen aus: Das Tagzeitenbuch des monastischen Breviers (Diurnale monasticum). Herausgegeben von der Erzabtei Beuron. Regensburg (2) 1949. Bild: Skulptur der hl. Scholastika in der Parrkirche St. Gallus zu Kirchzarten im Dreisamtal.