Samstag, 31. Januar 2015

Vom sel. Dom Columba Marmion

Zu spät ist mir aufgefallen, daß ich gestern nicht nur an Dom Prosper Guéranger erinnern, sondern auch des sel. Dom Columba Marmion hätte gedenken können, des Abt der Benediktiner von Maredsous (Belgien). Er verstarb am 30. Januar 1923 - sein liturgischer Gedenktag ist freilich der 3. Oktober. Zwischen 1917 und 1923 erschienen als bedeutendste bleibende Frucht eines tiefen geistlichen Lebens drei Bücher, von denen auch deutsche Übersetzungen vorliegen: Le Christ, vie de l'âme (Christus, das Leben der Seele), Le Christ dans ses Mystères (Christus in seinen Geheimnissen) und Le Christ, idéal du moine (Christus, unser Ideal). Der Tod von Dom Columba verhinderte vorerst ein viertes Werk, welches diesen Zyklus abrunden sollte; aus den Aufzeichnungen des Abtes wurde es postum herausgegeben: Le Christ, idéal du prêtre (Christus- Das Ideal des Priesters). Aus diesem letztgenannten Werk soll der sel. Dom Columba Marmion nun selbst zu Wort kommen mit einigen Gedanken, die auch heute nichts von ihrer Gültigkeit verloren haben:
... Das Brot und der Wein des eucharistischen Opfers stellen die Vereinigung der Glieder der Kirche untereinander und mit ihrem Haupt dar, wie der hl. Augustinus erklärt. "Ist das Brot aus einem einzigen Korn gemacht? Stammt es nicht vielmehr aus zahlreichen Weizenkörnern? Und der Wein wurde aus mehreren Trauben gekeltert ... die, nachdem sie zusammen in der Weinpresse waren, einen einzigen Trank in der Lieblichkeit des Kelches bilden" (Sermones 227 und 229; PL 38, 1100 und 1103). Folglich "seid ihr auf dem Altartisch gegenwärtig, ihr seid im Kelch", "Ibi vos estis in mensa, et ibi vos estis in calice". Die Wirklichkeit, die der Glaube bei der Messe schaut, ist - wiederum nach Augustinus - diese: die Kirche lernt durch die Darbringung des unter den heiligen Gestalten geopferten Christus täglich neu, sich selbst in ihm und mit ihm zu opfern: "In ea re quam offert, ipsa offeratur" (De civitate Dei X, 6; PL 41, 284).
Die Liturgie unserer Zeit wiederholt treulich die gleiche Lehre: "Gewähre uns, o Herr, die Gaben der Einheit und des Friedens, die unter den dargebrachten Gaben geheimnisvoll bezeichnet sind", "Unitatis et pacis propitius dona concede, quæ sub oblatis muneribus mystice designantur" (Sekret der Messe vom Fronleichnamsfest). Wenn also Brot und Wein zum Altar getragen werden, sind wir geheimnisvoll in ihnen verborgen, vereint mit Christus, mit ihm dargebracht.
Das Konzil von Trient spricht von diesem Geheimnis, wenn es die Mischung von Wasser und Wein beim Offertorium erklärt. Dieser Ritus "drückt die geheimnisvolle Einheit Jesu mit seinen Gliedern aus: "Ipsius populi fidelis cum capite Christo unio repræsentatur" (Sess. XXII, cap. 7) ...
Das Zitat ist entnommen aus: Dom Columba Marmion: Christus - Das Ideal des Priesters. Freiburg (Schweiz) 1954. S. 244.

Freitag, 30. Januar 2015

Dom Prosper Guéranger zum Gedächtnis


Zur Mitte des 19. Jahrhunderts niedergeschrieben, klingt dieser Satz, als habe ihn unsere Zeit formuliert: "Die Liturgie ist demnach nicht blos das Gebet, sondern vielmehr das Gebet in sozialer Beziehung" ... Mit diesen Zeilen sei eines bedeutenden Abtes gedacht; es ist dem Werk Geschichte der Liturgie von Dom Prosper Guéranger entnommen, dessen Todestag sich heute zum 140. Mal jährt. Der Gründungsabt der Abtei Saint Pierre zu Solesmes trug nicht wenig dazu bei, daß Priester, Ordensleute und Laien nach vielerlei Verflachungen vorangehender Jahrhunderte wieder einen Zugang zur Bedeutung und der sich darin entbergenden Größe der leiturgía fanden. Vor allem sein mehrbändiges Werk L'Année Liturgique (Das liturgische Jahr) öffnete in Frankreich wie auch in unseren Breiten geistig wie geistlich einen lange verschütteten Zugang zum Beten der Ekklesia. Auch die Wiederherstellung des gregorianischen Gesangs anhand alter Handschriften - untrennbar mit dem Namen Solesmes verbunden - geht auf seine Anregung zurück. Zudem zählte Dom Prosper Guéranger zu den eingeschworenen Verteidigern der Lehre von der Unbefleckten Empfängnis Unserer Lieben Frau anlässlich der 1854 erfolgten Dogmatisierung. All das spiegelt sich in einem Gebet, das die 2005 eingeleitete Seligsprechung begleitet:
Dieu notre Père, ton serviteur Dom Prosper Guéranger, abbé de Solesmes, attentifs à l’Esprit-Saint, a permis à une multitude de fidèles de redécouvrir le sens de la liturgie, source du véritable esprit chrétien. Que son dévouement à la Sainte Église et que son amour filial envers la Vierge immaculée, puisés dans le mystère du Verbe incarné, soient une lumière pour les chrétiens de notre temps. Daigne, Seigneur, nous accorder la faveur que nous demandons par son intercession, afin que sa sainteté soit reconnue de tous et que l’Église nous permette au plus tôt de l’invoquer comme l’un de tes bienheureux et de tes saints. Par Jésus, le Christ, notre Seigneur. Amen
Gott, unser Vater, dein Diener, der ehrwürdige Abt Prosper Guéranger von Solesmes vermochte es, im Hören auf dein Heiliges Pneuma einer großen Zahl von Gläubigen den Geist der Liturgie als Quelle eines wahrhaft christlichen Geistes zu erschließen. Seine Hingabe an die heilige Ekklesia und seine kindliche Liebe zur unbefleckt empfangenen Jungfrau, geschöpft aus dem Mysterium des fleischgewordenen Logos, sind ein Licht für die Christen unserer Zeit. So gewähre uns, die wir auf seine Fürsprache hin bitten, die Gnade, daß sein heiligmäßiges Leben von allen erkannt werde und die Ekklesia ihn bald als Fürsprecher unter die Schar deiner Seligen und Heiligen zähle - durch Jesus Christus, unseren Kyrios. Amen.
Das Zitat ist entnommen aus: Prosper Gueranger: Liturgische Unterweisungen. Erster Band: Geschichte der Liturgie. Aus dem Französischen übersetzt von Dr. Jakob Fluck. Regensburg 1854. S, 24 (bei google books hier zu finden). Das Gebet zur Seligsprechung stammt von der Seite www.domgueranger.net (hier).

Donnerstag, 29. Januar 2015

Erscheinen und Verhüllen

... So ist unser Auge geschärft, auch das Geheimnis des Hochzeitswunders von Kana von seiner anderen Seite her zu sehen. Gewiß ist es, wie der Evangelist sagt, die Offenbarung der Herrlichkeit des Herrn (Joh 2, 11). Aber es ist doch ebenso mit Händen zu greifen, wie sehr der Herr selbst bemüht ist, diese Offenbarung Seiner Herrlichkeit möglichst zu verhüllen. Er schlägt seiner Mutter zuerst die Bitte ab, und dann wirkt Er das Wunder so unauffällig, daß Speisemeister und Bräutigam nichts wissen.
Doch es ist nicht nur Unauffälligkeit, was Er will. Wasser wird in Wein gewandelt zum Hochzeitstrunk. Die Eine immerwährende Hochzeit des Herrn mit Seiner Kirche geschieht aber im Geheimnis des Meßopfers, - und der Hochzeitswein ist Wein, der Blut des Herrn ward. Es ist Hochzeit im Blute des Herrn. Und darum steht auch in der Mitte des Geschehnisses von Kana die schier anstößig schroffe Abweisung Mariens durch ihren Sohn: "Weib, was habe ich mit dir zu schaffen?" Durch Mariens Herz soll ein Schwert gehen, Ihr Sohn selber senkt es ein, - dasselbe Schwert, das zwei Herzen zu einem macht, - Blut in Blut.
Die Kirche ist das Fortleben der Erlöserschaft Christi und der Miterlöserschaft Mariens. Die Einheit Christi und Mariens lebt und wirkt fort in ihrer Einheit. Diese vollendete Einheit erscheint hier, - vollendete Fülle der Erscheinung des Herrn, - und sie ist Einheit in Schwert und Blut.
Erich Przywara SJ: Christliche Existenz. Leipzig 1934. S. 124 ff.

Dienstag, 27. Januar 2015

Tagessplitter

"Gott ist doof" murrt die Berliner Stadtillustrierte Zitty charliemäßig hebdoheftig auf dem Titelblatt. Nun ja ... ich kann den Verdruß wirklich gut verstehen und will die arme Redaktion darob nicht schelten. Denn ... Hand aufs Herz: Würde ich fortgesetzt versuchen, ein echt knackiges Metropolenmagazin zu machen, irgendwas mit esprit, mit geistreicher Satire, im trend zumal und doch mit einem Schuss Relevanz über eben jenen trend hinaus ... und nach aller Müh' und Plage flöge zu Elend und Ende wieder nur so ein Zitty-Heftchen aus der Druckmaschine, dann ...
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... fände ich Gott wahrscheinlich irgendwie auch doof.

Sonntag, 25. Januar 2015

Das BamS!

Nicht nur die Bekehrung des hl. Paulus, sondern auch das Gedenken an den seligen Heinrich Seuse steht heute an: Das Bild am Sonntag! zeigt eine Darstellung dieses Mystikers aus dem Predigerorden am Hochaltar der Liebfrauen-Kirche zu Freiburg-Günterstal. Dieser Hochaltar - Kernstück ist eine Mensa samt Tabernaculum aus dem ehemaligen Kloster Tennenbach - wurde übrigens erst vor einigen Jahren aus diversen historischen Versatzstücken "neu" geschaffen:
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Sei gelassen in Freud und Leid, 
denn ein gelassener Mensch 
bringt es in einem Jahr weiter 
als ein stürmischer in dreien.
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(sel. Heinrich Seuse)

Glaube kommt vom Hören

 Paulus vor Damaskus - Münster St. Fridolin, Bad Säckingen 
"Lasst uns lobpreisen unseren Gott ob der Bekehrung des Lehrers der Völker" - mit diesem Vers hätte die Ekklesia heute zum Stundengebet gerufen, würde das Fest der Bekehrung des hl. Paulus nicht hinter dem Dritten Sonntag nach Epiphanie zurückstehen.
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Paulus ist uns einerseits vertraut: Regelmäßig hören wir Abschnitte aus seinen Briefen. Zugleich bleibt er uns ein Rätsel: Nicht zuletzt seiner Briefe wegen, die heute für uns nicht immer leicht zu verstehen sind. So manches, was einer schreibt, wird ja zuweilen weit besser durchschaubar, wenn wir dem Schreiber nicht nur in den Buchstaben, sondern in Fleisch und Blut begegnen, wenn aus lebendiger Begegnung und Austausch, aus dem unmittelbaren Hören des Wortes ein Eindruck erwacht, der später hilft, selbst "nur" Geschriebenes zu verstehen und recht einzuordnen. 
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Diese lebendige Begegnung - man kann sie im Blick auf Paulus auch "Zeugnis" nennen - scheint mir auch eine der Voraussetzungen für jenen Prozess zu sein, den der Apostel in einen ebenso schlichten wie weitreichenden Satz gepackt hat: "Glaube kommt vom Hören" (Röm 10, 17): aus lebendiger Begegnung mit dem Wort Gottes in seinen Zeugen.
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Oder aus der direkten Begegnung mit dem erhöhten Kyrios ... daß nun der Glaube bei anderen erwache oder wachse und nicht verstellt und verdunkelt werde, wenn sie uns begegnen, dazu helfe uns der hl. Paulus durch seine Fürbitte ... ora pro nobis!
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Bild: Die Bekehrung des hl. Paulus vor den Toren von Damaskus - Münster St. Fridolin zu Bad Säckingen.

Freitag, 23. Januar 2015

Duruflé und das Paradies

Vor ein paar Tagen legte ich mir das Requiem von Maurice Duruflé (1902-1986) auf, komponiert in der zweiten Hälfte der 1940er-Jahre. Ich schätze die Musik von Duruflé, nicht zuletzt besagtes Requiem; der Komponist hüllt hierbei - nicht das einzige Mal in seinem Schaffen - Melodien gregorianischen Herkommens in ein spätromantisch-impressionistisches Gewand: Klänge, die mich im Schlußsatz an ein Wort aus Psalm 103 erinnern, sozusagen Musik "wie aus Licht" - es geht dabei um einen Text aus der Begräbnisliturgie, mit dem diese Totenmesse schließt:
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In paradisum deducant te angeli;
in tuo adventu suscipiant te martyres,
et perducant te in civitatem sanctam Ierusalem.

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Chorus angelorum te suscipiat,
et cum Lazaro, quondam paupere,
æternam habeas requiem.
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In das Paradies sollen empor dich führen die Engel,
bei deiner Ankunft die Martyrer dich aufnehmen
und dich hinein führen in die heilige Stadt Jerusalem.
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Der Chor der Engel nehme dich auf;
und mit Lazarus, der einst ein Armer war,
mögest du ewige Ruhe finden.
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Die beiden ursprünglich eigenständigen Antiphonen aus dem frühen Mittelalter wurden später zu obigem Text vereinigt, der heute eigentlich in jenem Augenblick gesungen werden soll, da ein Verstorbener der Erde übergeben wird.
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Duruflé übernahm diese gefügte Antiphon, um sein Requiem damit zu beschließen, und deutet die Zweiteilung an, indem er zuerst die einstimmig gesungene Choralmelodie über sanften Streicherakkorden schweben läßt, zuweilen behutsam koloriert durch das ein oder andere Soloinstrument. Dann werden die Rollen sozusagen getauscht: Die harmonische Grundlage wird im zweiten Teil vom Chor dominiert, während über dessen - weiterhin von den Streichern gestützten - Gesang die Orgel den weiteren Verlauf der gregorianischen Melodie intoniert.
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Dem, der glaubt, können die wenigen Worte eine atemberaubende Vision vor Augen stellen: Der Aufstieg in die heilige Stadt; Engel, die uns die Hand entgegen strecken; die Heiligen, die sich noch über die geringste Seele freuen, sie der Heimat im himmlischen Jerusalem versichern.
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Nicht zuletzt rührt das Wort vom Armen Lazarus an mir: Dieser Lazarus ist zuerst einmal nur eine Figur aus einer Beispielerzählung Christi (Lk 16, 19-31) und keine historische Persönlichkeit. Von diesem Lazarus nun wird gesagt, "daß der Bettler starb und hingetragen wurde von den Engeln in den Schoß Abrahams" (22): In der Antiphon In paradisum wird Abraham zwar nicht erwähnt, ist aber durch die Lazarus-Gestalt dennoch einbegriffen und präsent. Abraham ist zugleich die Urgestalt des Pilgers, des hominis viator: Er steht im Glauben am Anfang und am Ende unseres eigenen Weges hin zu Gott, in seinen Spuren sind auch wir mit und in aller Arm-Seligkeit auf dem Weg "in die heilige Stadt Jerusalem" ...


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Wanted: Windlicht und Braut des Lammes

Es scheint (leider) an der Zeit für zwei Suchmeldungen von sehr gern gelesenen Bloggern. die seit geraumer Weile wenig bis nichts mehr von sich haben hören lassen: Einmal Braut des Lammes (hier) und zum anderen Male Windlicht (hier). 
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Letzterer hatte ja bereits durchblicken lassen, er würde die Bloggerei zu diesem Jahr aufgeben, was ich sehr schade fände ... vielleicht ließe er - Wink vom Zaunpfahl - sich wenigstens überreden, mir per Kommentar eine Mailadresse anzuvertauen (die natürlich vertraulich behandelt wird).
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Braut des Lammes habe ich vor mehr als einer Woche bereits über Fratzbuch angeschrieben, doch ist die Nachricht bislang offenbar noch nicht einmal gelesen worden; das bereitet mir ein wenig Sorgen ...

Donnerstag, 22. Januar 2015

Seite eins (6)

In den Tagen, da der große Sturm ...
... der "Schwarmgeister und Rotten", der über Deutschland raste, auch an der Stadt Magdeburg vorüberstob - also in den Tagen, von denen die hochberühmte Chronik des Möllenvogts Sebastian Langmann berichtet -, wurde der Frau Äbtissin von Sankt Agneten, bei gemeinem Volk der Alt- und Neustadt nur die "große Äbtische" geheißen, ein Brief übergeben. In demselben stand geschrieben: Karsten Neßler, Lorenz Böttger, Öhlenschlägers liederlicher Sohn, dazu Hans Plockow, Klaas und Pankratius Kleinschmidt - kurz die ganze Schwefelbande Grewe Köppens, dieses gottverlassenen Münzerischen Prädikanten - sprenge nunmehr aus: Die Kleinodien der Kirche Sankt Agneten seien von der "großen Äbtischen" heimlich beiseite geschafft worden. Ein Wagen des Herrn Abts von Ammerschlebe habe sie bei Nacht und Nebel abgeholt ...
Gertrud von le Fort: Die Abberufung der Jungfrau von Barby. München 1940.

Mittwoch, 21. Januar 2015

Das Manifest der heiligen Agnes

 hl. Agnes - Glasfenster in der Herz-Jesu-Kirche, Zürich-Oerlikon 
Die Jungfrau, die dem Kyrios angetraut ist - bis hinein in das Zeugnis des eigenen Blutes, hinein in die furchtlose Hingabe des Lebens für Christus und, in letzter Konsequenz, an ihn:
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Agnes steht in der Schar jener heiligen Frauen, die wirklich Braut waren, unzertrennlich, unverbrüchlich, ungeschieden. So gesehen ist sexuelle Enthaltsamkeit, auf welche das Konzept der Jungfräulichkeit zu oft reduziert wird, nur ein Phänomen letztlich viel größerer Lebensentwürfe - wenngleich ein wesensprägendes, in welchem sich die völlige Hingabe an den Kyrios einen Ausdruck verschafft. Das Martyrium aber wird zum äußersten Manifest in der Konsequenz eines schon lang beschrittenen inneren Weges und zum erhöhten Zeichen der Freiheit.
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Der Geist, der in einem solchen Leben steckt, tut uns oft not, und so fürchten wir das Schwert. Gewiß: Nicht jedem ist dieses Manifest abverlangt, die innere Haltung aber, die ihm vorausgeht, kann uns stark machen gegen die Versuchung in diesem Aion. Die heilige Agnes helfe uns mit ihrer Fürsprache, uns aus ihrem Vorbild das zu gewinnen, was uns im Rahmen unseres Standes zum Heil dienen kann ... ora pro nobis!
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Bild: Die hl. Agnes - Fenster in der Herz-Jesu-Kirche, Zürich-Oerlikon.

Dienstag, 20. Januar 2015

Ein andrer König rief mich in sein Heer

 der hl. Sebastian - Altarblatt am Sebastiansaltar in St. Peter im Schwarzwald 
Der hl. Sebastian zählt zu meinen Lieblingsheiligen; aus mehrfachem Grund bin ich ihm verbunden - dazu zählt ganz aktuell, daß ich zum heutigen Festtag nach Wochenfrist zuhause wieder ins Netz komme, weil die Magenta-Mäuse zum kürzlich umgemodelten Anschluss nunmehr auch die passende Büchse geliefert haben. 
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Freilich verleitet der etwas fortgeschrittene Abend, mich in honorem Sancti Sebastiani eines bereits vor einem Jahr entbotenen Sonetts von Reinhold Schneider zu besinnen; doch es schadet nicht, es nochmals in Erinnerung zu rufen. Vielleicht gibt's in den kommenden Tagen einen weiteren Beitrag zum Fürsprecher waffenbenarrter Alte-Messe-Molche ... wie immer gelte: ora pro nobis!
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St. Sebastian
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Die Fessel löst sich nicht. Ich muß ertragen.
Doch steh' ich nicht im irdischen Streite mehr.
Ein andrer König rief mich in sein Heer
Und gab mir Macht, der Erde zu entsagen.
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Ich seh' sein Reich in heiliger Ferne tagen
Und bin sein Herold ohne Schutz und Wehr.
Schwer drückt die Schmach, und das Gebet drückt schwer
Um derer Frieden, die mir Wunden schlagen.
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Doch bin ich's kaum mehr, den die Pfeile brennen
Und den das Seil umschnürt. Ein andrer beugt
In mir sich schützend unterm Todesstreich.
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Mit allen Wunden will ich ihn bekennen,
Der Leidens stummes Bild, das ihn bezeugt.
Wo seine Zeugen sterben, ist sein Reich.
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¶ Reinhold Schneider: Die Sonette von Leben und Zeit, dem Glauben und der Geschichte. Köln und Olten 1954. S. 104. Bild: Christus nimmt den hl. Sebastian in Herrlichkeit auf - Altarblatt vom Sebastiansaltar der ehem. Klosterkirche zu St. Peter im Schwarzwald.

Montag, 19. Januar 2015

Vom Schwanzeinkneifen

Wieder eine Wortmeldung von Michael Klonovsky, nur leicht gekürzt:
"In den vergangenen zwei Jahren sind in Deutschland 94 Moscheen angegriffen worden, in der Türkei gibt es keine Angriffe auf Kirchen", sagt der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu in der FAZ. Nach der Quelle für dieses Aussage beziehungsweise der genauen Definition für "Angriff" fragt ihn niemand. Dem Interviewer fällt nichts Devoteres ein, als mit "Welche Solidarität vermissen Sie?" fortzufahren, statt auf die permanente ... Diskriminierung von Christen in der Türkei wenigstens hinzuweisen – vor wenigen Tagen genehmigte die Türkische Republik das erste Mal in ihrer 92jährigen Geschichte den Neubau einer christlichen Kirche. (...)
Wobei die Genehmigung zu besagtem Kirchenneubau ohnehin mehr als nur einen Pferdefuß hat, wie man hörte, nachdem dieser (nur) anfänglich geradezu staunenswerte Akt der Toleranz in die Welt posaunt worden war ... Doch weiter im Text bei Klonovsky: 
Jeder Angriff auf ein Gotteshaus ist barbarisch, abstoßend und soll in einem Land, das sich für zivilisiert hält, rigoros strafverfolgt werden. Eines kleinen Hinweises auf den permanenten Anstieg der Anschläge auf Kirchen in Westeuropa und namentlich hierzulande in den vergangenen Jahren, und zwar im Zusammenhang mit der Zuwanderung und Radikalisierung von Muslimen, hätte sich der Interviewer aber auch erkühnen können, wenn er Eier hätte wie zum Beispiel ein braver Türke. Weil aber niemals zurückmoralisiert wird und die meisten hiesigen Politiker und Öffentlichkeitsarbeiter mit der nationalen Selbstanklage voll ausgelastet sind, nimmt die deutsche Erpressbarkeit täglich zu.
Schwanzeinkneifen ist der eigentliche Volkssport der Bundesrepublik Deutschland. Übrigens auch bei den Kirchen. Als ich vor ein paar Monaten einmal summarisch über Kirchenschändungen hierzulande schreiben wollte, bedeutete man mir, man wolle das Thema lieber nicht an die große Glocke hängen.
Der Acta diurna vom 15. Januar - hier entnommen.

Sententiæ LXXXII

Und der Escorial war auch die Herausforderung an die Zeit, mit der ich im Streite lag; ich glaubte nicht, was Philipp glaubte, aber ich bejahte diese Herausforderung: Königtum und Tragik, das Leiden des wahrhaftig Mächtigen, Protest gegen den Aufruhr, rücksichtsloses Opfer, Adel.
Katholisches Erbe als Gehalt und Form hatte in mir den Glauben überlebt.
Reinhold Schneider, Verhüllter Tag

Sonntag, 18. Januar 2015

Das BamS!

... heute am zweiten Sonntag nach Epiphanie, näherhin zum Evangelium von der Hochzeit zu Kana - eine "Tanzszene" aus der Vorhalle der Michaelskapelle auf dem Alten Friedhof zu Freiburg:


Donnerstag, 15. Januar 2015

Wenn du die Wasser durchschreitest ...

 hll. Benedikt, Placidus und Maurus - Pfarrkirche St. Stephan, Oberwinden 
Ein beiläufiger Blick in das Breviarium Monasticum verriet mir, daß die Ekklesia heute auch des hl. Maurus gedenkt, eines Schülers und treuen Gehilfen des hl. Benedikt. Er soll, so überliefert es der hl. Gregor in seinen Dialogen, einen weiteren Schüler des Ordensgründers vor dem Ertrinken bewahrt haben, indem er über das Wasser schritt und den hl. Placidus so aus der drohenden Gefahr retten konnte. Eine Antiphon in den Laudes rückt uns diesen Moment und die sich hinter der Tat entbergende Kraft in den Blick: 
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Obœdientiӕ pennis elatus 
super aquas graditur,
nec fluctibus mergi potuit,
qui spiritu Dei ferebatur.
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Von den Gehorsams Flügeln erhoben
schritt er über die Wasser hinweg.
Nicht versank in den Fluten,
der vom Pneuma Gottes getragen wurde.
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Mit dem „Gehorsam“ ist es innerhalb kirchlicher Strukturen so eine Sache … es muß ein von Vertrauen getragener und wacher Gehorsam sein, wach gewiß zuerst einmal gegen sich selbst, denn hinter der Verweigerung, wo Gehorsam zurecht verlangt wird, stecken oft eigensinnige und eigensüchtige Motive. Wach aber auch gegen die erhobene Forderung ... Erfahrung und Zeiten lehren, daß man nicht zu allem Ja und Amen sagen sollte, was abgefordert wird. Wie weit man Forderungen nachzukommen hat, soll und muß im Licht Gottes betrachtet werden, denn von ihm rührt alle Gewalt, keineswegs aber Anmaßung. Mehr denn je sind wir heute auf seine Gnade angewiesen, um uns in den Wirren dieser Zeit zurecht zu finden: „Selig, die das Wort Gottes hören und es befolgen“ (Lk 11, 28).
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Man soll hören und das Ohr des Herzens den Worten des Meisters neigen, schreibt Benedikt am Anfang seiner Regel. Maurus folgte wach dieser Forderung; in der Regel und durch den Mund des hl. Ordensgründers sprach Gott zu ihm. Vielleicht können wir einen kleinen Widerhall von dem, was Maurus mit dem Ohr seines Herzens gehört hat, in der Lesung vernehmen, die sich an die Psalmodie der Laudes anschließt; die Worte sind uns vertraut, doch vielleicht hören wir diese Verse nochmals neu, indem wir sie auf das kleine Wunder hin abhören, das uns vom hl. Maurus berichtet wurde ...
Fürchte dich nicht, ich habe dich erlöst und bei deinem Namen dich gerufen: Du bist mein. Wenn du die Wasser durchschreitest, will ich bei dir sein, denn ich, dein Herr und Gott, der Heilige Israels, bin dein Erlöser (Jes 43, 1-3). 
Der hl. Maurus helfe uns durch seine Fürsprache, das Ohr unseres Herzens jenem Wort zu neigen, dessen Pneuma uns über die Wasser und Untiefen unseres Lebens helfen kann … ora pro nobis!
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Die Heiligen Benedikt, Placidus und Maurus - Glasfenster in der Pfarrkirche St. Stephan zu Oberwinden im Elztal.

Mittwoch, 14. Januar 2015

Stuhlkreis war gestern ...

Drei untrügliche Indizien, daß es sich bei diesem offenkundig total verkannten Prachtstück - heute in einem Gerümpelladen gesichtet - um einen Volxaltar auf der ästhetischen Höhe der Zeit handelt: es ist rund wie ein Stuhlkreis und damit perfekt als ungestalte Mitte, spottet jeder liturgischen Vorgabe und hat diesen gewissen reizvoll-sinnfrei röhrenden Unterbau, in den man allerhand meditativen Schmus hineininterpretieren kann ... und das alles für gerade mal Neunzicheurofurz!

Dienstag, 13. Januar 2015

Von seltsamer Sintflut, dem Feuer im Wasser und wie Erde und Meer sich Gnade teilen

 Taufe Jesu - Glasfenster in St. Gallus, Eichsel auf dem Rührberg 
Drei Festmysterien strahlen im Licht der Epiphanie des Kyrios auf: Die Anbetung der Weisen, das Wunder zu Kana und die Taufe Jesu im Jordan. Offenbar wird Jesus dabei nicht nur als der Sohn Gottes, offenbar wird auch die Ekklesia als Braut Christi; sie singt davon in der großartigen Antiphon zum Benedictus in den Laudes des Erscheinungstages, die heute nochmals wiederholt wird:
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Hodie 
cælesti sponso iuncta est Ecclesia,
quoniam in Iordane 
lavit Christus eius crimina;
currunt cum muneribus Magi 
ad regales nuptias,
et ex aqua facto vino 

lætantur convivæ,
alleluia.

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Heute 
wird dem himmlischen Bräutigam die Ekklesia vermählt:
Denn im Jordan abgewaschen 
hat Christus ihre Sünden;
es eilen mit Geschenken die Weisen 
zu königlicher Hochzeit
und durch den aus Wasser gewonnenen Wein
werden die Gäste erfreut.
Alleluia.
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Bis zum zweiten Sonntag nach Erscheinung holt die Ekklesia diese Mysterien durch die Liturgie in unsere Zeit ein und entfaltet sie - der ehemalige Oktavtag der Epiphanie steht heute im Zeichen der Taufe Jesu: 
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"Die Sonne der Gerechtigkeit", ruft der hl. Kirchenvater Proklos von Konstantinopel in seiner Siebten Predigt auf die Heilige Theophanie, "badet sich im Jordan, das Feuer läßt sich im Wasser untertauchen". So sollen wir nun kommen und "die seltsame Sintflut" betrachten, denn ...
... besser und gewaltiger ist sie anzuschauen als jene zur Zeit des Noah. Damals töteten die Wasser der Flut das Menschengeschlecht; hier aber erweckt das Wasser der Taufe durch den getauften Christus die Toten zum Leben.
... In Staunen versetzt mich das Übermaß der Demut des Herrn: Ihm, dem Vollkommenen aus dem vollkommenen Gott, genügte es nicht, von einer Frau als Kind geboren zu werden; ihm, der gemeinsam mit dem Vater herrscht, genügte es nicht, Knechtsgestalt anzunehmen; er kommt sogar wie ein Sünder zur Taufe. Doch ... Christus, der Herr aller Dinge, wurde nicht getauft, weil er der Reinigung bedurfte, sondern um uns in zweifacher Weise die Gabe des Heils zu gewähren: Den Wassern verlieh er die Gnade der Heiligung und alle Menschen ermunterte er, sich taufen zu lassen ...
Nicht streng ist er, der zu uns kommt; er ist der gütige Sohn aus dem gütigen Vater. Seine Güte offenbart er nicht nur für eine kurze Zeit, um sich dann plötzlich zu ändern, sondern "sein Erbarmen währt in Ewigkeit" (Ps 106,1).
Christus habe, wie Proklos bereits zuvor betont, in seiner Theophanie dem Kosmos Schönheit verliehen, in seiner Taufe die Wasser geheiligt ...
... und ihre Quellen und der Menschen Seelen erleuchtet. Wunder über Wunder reihte er aneinander. Heute teilen sich Erde und Meer des Erlösers Gnade, und die ganze Welt ist von Freude erfüllt.
Die Taufe Jesu, die wir im Mysterium mitvollziehen sollen, dient also unserer Heilung. Die den Wassern verliehene "Gnade der Heiligung" will uns zum Volk Gottes umbilden, dem Kyrios angetraut in der Gestalt der bräutlichen Ekklesia, berufen, dem Bräutigam zu folgen. Von der Herrlichkeit dieser Nachfolge sang eine weitere überschwängliche Antiphon zum Benedictus in den Laudes, gestern am 12. Januar:
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Manifeste 
magnum est pietatis sacramentum,
quod manifestatum est in carne,
iustificatum est in spiritu,
apparuit Angelis,
prædicatum est gentibus,
creditum est in mundo,
assumptum est in gloria,
alleluja.
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Greifbar ist der Erbarmung 
großes Mysterium:
offenbar im Fleisch,
errechtet im Pneuma,
erschienen den Engeln,
verkündet den Völkern,
geglaubt in der Welt,
aufgenommen in Herrlichkeit.
Alleluia.
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Das Zitat aus der Predigt des hl. Proklos ist entnommen: Lothar Heiser: Jesus Christus - Das Licht aus der Höhe: Verkündigung, Glaube, Feier des Herren-Mysteriums in der orthodoxen Kirche. St. Ottilien 1998. S. 178 f. - Bild: Taufe Jesu - Glasfenster in der Pfarrkirche St. Gallus zu Eichsel auf dem Rührberg.

Montag, 12. Januar 2015

Sententiæ LXXXI

Unter den Worten Christi verstehen wir nicht nur die, die er nach seiner Menschwerdung und Fleischesannahme gelehrt hat; denn schon vorher war Christus als Logos Gottes in Moses und den Propheten. Wie auch hätten diese ohne den Logos Gottes von Christus künden können?
Origenes, Über die Prinzipien 1,1

Sonntag, 11. Januar 2015

Das BamS!

... zum heutigen Fest der Heiligen Familie - original Neobarockes aus der Pfarrkirche St. Leodegar zu Schliengen im Markgräflerland:
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 Heilige Familie - Schliengen, St. Leodegar 

Samstag, 10. Januar 2015

Tagessplitter

1. Zuweilen ertappt sich der Alte-Messe-Molch dabei, wie er - angesichts von Das Konzil und der dort losgetretenen liturgischen Lamentabilien - wehmütig einen Blick auf jene Zeit wirft, als Glauben und Beten noch in Ordnung waren und der Heilige Vater Pius hieß, der Zwölfte dieses Namens: Das vorläufig letzte Aufblühen der römischen Liturgie, ehe bald darauf auch hier die anthropozentrische Harke geschlagen wurde und (pastorale) Bedürfnisse vom spröden Acker der Welt ausgerechnet das zu aggiornamentieren, zu dominieren und zu untergraben begannen, was zuvor vor allem von der Ehre Gottes bestimmt gewesen war.
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2. Allem Wehmut wohnt ein Zauber inne - der des Nostalgischen. Da ist natürlich manches (nicht zuletzt auch eine Gefahr) dran ... Pius XII. repräsentierte jedenfalls einen zentralen katholischen Lebenswert, dessen man danach kaum noch gewahr wurde: Der Asket in Samt und Seide ad majorem gloriam Dei, zu schauen von der kleinsten Furche auf der Stirn bis in die letzte Spitze der heiligen Albe (Johannes XXIII, Gott hat ihn mehr als nur selig, sah zu verfressen aus und hatte mithin nicht die Figur zu solch gegensatzbedingt vorwegahnender visio beatifica; ganz zu schweigen von seiner Idee zu Das Konzil).
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3. Jetzt ist das alles Pustekuchen. Dieser Tage nämlich klärte mich im Netz der renitenten Tradition irgendwo ein Kommentar auf, es sei dieser zu Unrecht gepriesene Pius XII. bereits ein fragwürdiger Geselle gewesen, sozusagen ein vorkonziliarer Präbugninianer, welcher an der zuvor geradezu ewig unveränderlich deuchenden Liturgie herumgeschraubt und damit alles in den räudigsten Ruch der Veränderlichkeit gebracht habe. Wahrscheinlich zielte das vor allem auf die Reorganisation der Karwoche, darunter die zweifelsohne höchst reformbewütete Verlegung der Osternachtsfeier vom Karsamstagmorgen (wohin sie im Lauf ewiger Unveränderlichkeit gewandert war) auf die Nacht zum Ostersonntag.
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4. Die Sache ist übrigens und obendrein noch viel schlimmer, als es besagter Kommentar, der sich ausschließlich auf Pius XII. kaprizierte, nahelegt. Denn kramt man ein wenig in der jüngeren Kirchengeschichte herum, fällt rasch ein weiterer Papst auf, der bereits Jahrzehnte zuvor am offenen Herzen der Liturgie herumoperierte und dessen Reformen die hoch ehrwürdige Einrichtung der Psalmen im Breviarium Romanum rigide zu Fall brachte, obschon diese Ordnung knapp anderthalb Jahrtausende bestanden hatte und von der 529 verfassten Regel des hl. Benedikt rührte. Dem Papst war's egal. Er ließ alles über den Haufen werfen, völlig neu konzipieren und gab seinen Segen drauf. Es war auch ein Pius, aber nicht der Zwölfte, sondern der Zehnte dieses Namens ...

Donnerstag, 8. Januar 2015

Tagessplitter

Die Tugend der pietas gebietet, Anteil zu nehmen und das Herz zu rühren ob der Opfer des Anschlags auf die Redaktion von Charlie Hebdo - Menschen aus verwandtem Lebenskreis wurden aus ihrem und dem Leben ihrer Angehörigen gerissen; ihr Tod rührt an, auch weil sie uns in der Gestalt ihrer Tage nahe waren. Darüber hinaus gebietet die pietas, nicht jener zu vergessen, die Tag um Tag in uns ferneren Ländern und Kulturen von Islamisten getötet und abgeschlachtet werden. 
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Zu den Entfaltungen der pietas zählt aber auch, daß man nicht schamlos höhnend und billig in den Dreck zieht, was anderen Menschen heilig ist und hehr (ganz gleich, was man selbst davon halten mag). Wie wenig die Bluttat von Paris eine Rechtfertigung finden kann, so wenig sollten wir der Gebote - aller Gebote - der pietas vergessen: sie sind abendländisches Erbe, das wir nicht leichtfertig der Barbarei opfern wollen.

Mittwoch, 7. Januar 2015

Sententiæ LXXX

Wohl gab es nach einem höheren, nicht von Menschen erdachten Plane einen Weg von der Antike zum Christentum im Sinne der Entfaltung erworbener Werte; aber es gibt keinen Weg von diesem in sein Gegenteil. Zwischen beiden klafft der Abgrund, und es ist noch heute, wo wir auch als Irrende, Zweifelnde, Abgefallene vom Brote leben, das der Herr ausgeteilt, schlechterdings nicht möglich, eine Welt oder gar eine Kultur zu sichten, die nun nicht mehr antichristlich wäre, sondern kraft eigener, neuer Werte sich jenseits des Christentums aufbauen und zu einem Ganzen zusammenschließen würde. Und nur in einer solchen nicht mehr im gegnerischen Sinne unchristlichen Welt wäre das Christentum tatsächlich überwunden.
Reinhold Schneider: Das Schweigen (in "Macht und Gnade")

Dienstag, 6. Januar 2015

Epiphanie in der Seele

 Krippe - Pfarrkirche St. Johannes Baptist, Laufenburg Aargau 
Bereits vor einigen Tagen, am Samstag, blieb ich in den Laudes an einem Kehrvers hängen:
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Ostende nobis, Domine, lucem miserationum tuarum.
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Zeige uns, Herr, das Licht deiner Erbarmungen.
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Die Antiphon rahmt das sog. Sirachlied (Sir 36, 1-16) ein, ein recht junger Text des Alten Bundes. Knapp 200 Jahre vor Christus artikuliert dieses Gebet die gedrückte Stimmung des jüdischen Volkes, das unter fremder und anmaßender Herrschaft steht und sich in dieser Situation an Gott wendet: Er möge Israel wieder zusammenführen und sich seiner heiligen Stadt Jerusalem erbarmen: "Erfülle Sion mit deinen Lobpreisungen und mit deiner Herrlichkeit deinen Tempel" (16).
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Im Kehrvers ist nun die Rede von einem "Licht der Erbarmungen": eine Wendung, die irgendwie vertraut daher kommt; sie taucht zuweilen als "Licht des Erbarmens" in frommer Rede und Gebet auf. Wie so manche andere Bitte geht sie rasch über die Lippen. Und wie so manche andere Bitte läuft sie Gefahr, zur frommen Floskel zu werden.
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Das Wort vom Licht aber ist eigentlich etwas, was wir mit dem Begriff "Erbarmen" eher weniger in Verbindung bringen. Was könnte uns Gottes "Licht der Erbarmungen" also bedeuten? Ich will zuerst ein geradezu gegensätzliches Bild in den Ring werfen: Je dunkler der Beichtstuhl, je undurchschaubarer das Gitter, desto mehr fühlt sich der ein oder andere halbwegs wohl, wenn er Gott seine Sünden bekennt und um Erbarmen und Verzeihung bittet - die Beichte ist eine Situation, in der die wenigsten allzu sehr im Licht stehen wollen. Und - wer weiß? - so manches Mal würde man sich angesichts des Bekenntnisses selbst noch zur Losprechung in die dunkelste Ecke verdrücken wollen, so sehr sieht man sich von der eigenen Schwäche beschämt (ob all das die besten Voraussetzungen sind, um sich einen positiven Zugang zum Bußsakrament zu gewinnen, steht auf einem anderen Blatt).

Zurecht wird man nun einwenden, es gehe hier nicht um ein irdisches Licht, sondern um das, was in und durch die Liebe Gottes in der Vergebung geschieht: Die Erleuchtung der Seele und die Durchlichtung des Leibes - und da scheint es in einem seiner wunderbarsten Spektren auf, jenes "Licht der Erbarmungen", das über uns auf- und in uns einstrahlt und uns durchdringt ... Erleuchtung der Seele, Durchlichtung des Leibes.
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Durch die Taufe und in der Gnade ist unsere Seele ein kleines Abbild Jerusalems, wird zur Stadt Gottes - Er, der einst das Allerheiligste des Tempels mit seiner Herrlichkeit erfüllte, will heute in uns wohnen:
Wißt ihr nicht, daß ihr Gottes Tempel seid und das Pneuma Gottes in euch wohnt? Wer den Tempel Gottes zum Verderben bringt, den wird Gott verderben. Denn der Tempel Gottes ist heilig: Und der seid ihr! (1 Kor 3, 16-17).
Die Epiphanie - das lichtvolle Heraufstrahlen - des Kyrios fand nicht nur vor 2000 Jahren in der Geschichte statt; sie ereignet sich nicht nur in den Mysterien des sakramentalen Lebens. Epiphanie soll auch immer wieder in der Seele sein und im Menschen durch das "Licht der Erbarmungen" Gottes. In diesem Sinn ist zum Beispiel auch das Sakrament der Buße Epiphanie, in diesem Sinn ist jede Gnade und jede gottgeschenkte Regung zum Guten und zur Wahrheit Epiphanie des Kyrios in der Seele im Licht und durch das Licht der Erbarmungen Gottes:
Erhebe dich, werde licht, denn dein Licht ist gekommen, SEIN Ehrenschein, über dir ist er erstrahlt (...) Siehst du dich dann um, schimmerst du auf, dein Herz ist noch verschreckt, aber es weitet sich schon ... (Jes 60, 1, 5).
Krippe in der Pfarrkirche St. Johannes Baptist zu Laufenburg (AG).

Montag, 5. Januar 2015

Kündung des Jeschajahu

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Erhebe dich, werde licht, denn dein Licht
ist gekommen, SEIN Ehrenschein,
über dir ist er erstrahlt.
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Denn da
hüllt die Finsternis noch die Erde,
Wetterdunkel die Nationen,
aber über dir strahlt ER auf,
sein Ehrenschein läßt über dir sich sehn.
Weltstämme gehen in deinem Licht,
Könige im Glanz deines Strahlens.
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Trage empor ringsum deine Augen,
sieh:
allsamt zuhauf sind dir sie gekommen,
deine Söhne kommen von der Ferne,
deine Töchter werden an der Seite gewartet.
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Siehst du dich dann um,
schimmerst du auf,
dein Herz ist noch verschreckt,
aber es weitet sich schon.
Denn ein Meeresgetöse
wälzt über dich sich heran:
ein Heer von Stämmen,
sie kommen zu dir.
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Der Schwall der Kamele überhüllt dich,
Dromedarfohlen Midjans und Efas,
von Saba her kommen sie alle,
tragen Gold und Weihrauch heran
und bringen SEINE Lobpreisungen aus.
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Die Lesung aus der Schrift des Propheten Isaias (Jeschajahu 60, 1-6) zum Fest der Epiphanie des Kyrios in der Übersetzung der Bücher der Kündung von Martin Buber und Franz Rosenzweig.

Sonntag, 4. Januar 2015

Sententiæ LXXIX

Auch wird man an die Geschichte des christlichen Abendlandes keine widerchristliche Geschichte anfügen können, ohne das gesamte Verhältnis der abendländischen Kultur: Architektur, Musik, Dichtung, Denken und alle Ausdrucksformen, in denen wir uns heute als Christen wie als Antichristen allein zu äußern vermögen, bis zur völligen Unverständlichkeit den Menschen zu entfremden.
Reinhold Schneider: Das Schweigen (in "Macht und Gnade")

Das BamS!

Die Könige sind noch im Anmarsch, die Geschenke aber schon mal da - zumindest in der gestern erspähten Auslage eines Freiburger Juweliers:
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Da der Juwelier - traditionsreicher Freiburger Familienbetrieb - den Besuch von Benedikt XVI. in Freiburg eigens auf seiner homepage vermerkt (hier) und überdies sein Haus jährlich zu Fronleichnam und auf Mariä Himmelfahrt herausputzt (hier), würde ich davon ausgehen, daß das "schmucke" Szenario keineswegs nur wohlfeile staffage ist.

Samstag, 3. Januar 2015

Haute Couture mit Vorsatz

Ich bin zu fett mit meinen bald 43 Jahren ... das flüstert mir - nebst dem Spiegel - vor allem meine Bandscheibe, zwischenzeitlich im Jahrestakt. Da ich Karteileiche in einem Fitness-Studio bin, hat mein Orthopäde signalisiert, mir nach einigen Terminen auf dem Schlingentisch (die sind jetzt rum) ein paar Termine geräteunterstützte Krankengymnastik zu verschreiben, auf daß ich danach auch ohne Ludmilla (meine russische Physiotherapeutin) effektiv und makellos an Muskeln bauen und den Leib züchtigen kann. Zu diesem Zweck habe ich mich heute eingekleidet, denn meine früheren Besuche im Studio litten allein schon darunter, daß ich mir in meinem schlecht sitzenden Deppen-Drillich deplaziert vorkam - dagegen ist das heute gekaufte Teil geradezu Haute Couture ... den Speiseplan muß ich dann auch noch reformieren: Orate, fratres!

Freitag, 2. Januar 2015

Sententiæ LXXVIII

Und es bedarf endlich einer merkwürdigen Art von Blindheit, um zu übersehen, daß ein jeder Hasser Knecht des Gehaßten ist. Die Feinde legen ein Zeugnis ab, das nicht minder gewichtig ist als das der Anhänger; und wie die Märtyrer des zwanzigstens Jahrhunderts in Rußland und Spanien, so triumphiert auch der Glaube auf dem Scheiterhaufen des Spottes.
Reinhold Schneider: Das Schweigen (in "Macht und Gnade")

Donnerstag, 1. Januar 2015

Alleluja! Wer hier so alles kommentiert ...

Zum heutigen Beitrag über die Beschneidung des Herrn habe ich soeben einen namenlosen Kommentar entdeckt:
Aha, aber es heißt doch (Hervorh.d.Verf.): „Das ist mein Bund zwischen mir und euch samt deinen Nachkommen, den ihr halten sollt: ALLES, was männlich ist unter euch, muss beschnitten werden. Am Fleisch eurer Vorhaut müsst ihr euch beschneiden lassen […] ALLE männlichen Kinder bei euch müssen, sobald sie acht Tage alt sind, beschnitten werden.“ - und ebe nicht nur "alles Erstgeborene".
Verwechselt die gute Schwester da das Fest des 1.1. nicht mit demjenigen des 2.2. ?
Wow! Jetzt kommentiert sogar Gott anonym auf dieser Seite (wen sonst sollte ich hinter dem "Verfasser" und dessen Hervorhebungen vermuten, zumal es sich um direkte Rede handelt?) ... Darauf zu antworten fällt natürlich schwer, denn wie käme meinereiner Menschenkind dazu, den Allmächtigen über seine eigenen Verlautbarungen belehren zu wollen?
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So bleibt mir nur die Möglichkeit, "die gute Schwester" zu entschuldigen, indem ich versuche, den Gedankengang nachzuzeichnen: Der Erstgeborene gehört Gott und sei Gott zu übereignen, wie aus der von Sr. Aemiliana Löhr zitierten Stelle Ex 13, 1 f. zu entnehmen ist, wobei die Beschneidungspraxis dort nicht erwähnt wird. Diese Übereignung aber findet im Fall des Kindes Jesus in der Beschneidung (gemäß der im Kommentar zitierten Stelle Gen 17, 10 ff. vorgenommen) einen über die Gepflogenheit hinaus besonders signifikanten Ausdruck: nämlich im Blick auf die spätere blutige Hingabe am Kreuz. So in etwa mag sich "die gute Schwester" das gedacht haben, und wenn man's so mitdenken möchte, könnte man den Gedanken womöglich durchwinken wollen ... ;-)

Fest der Beschneidung des Herrn

 Agnus Dei (Kirchenfahne) - Bleibach, St. Georg 
... Das Kind, dessen Füße noch gebunden sind, hat den Gehorsamsweg beschritten. Obwohl ohne Sünde geboren, unterwirft der Gottesknecht das freiwillig angenommene "Sündenfleisch" dem Gebote der Beschneidung.
Damit bekennt er sich öffentlich und feierlich als Mensch, Knecht Gottes und Eigentum seines Herrn. Denn so hatte Gott durch Moses geboten: "Weihe mir alles Erstgeborene! Alles, was unter den Israeliten bei Menschen und Vieh zuerst aus dem Mutterschoß kommt, gehört mir" (Ex 13, 1-2). Was die Beschneidung ganz allgemein und für den Israeliten im besonderen ausdrücken soll. ist die völlige Hörigkeit des Menschen, das absolute Eigentumsrecht Gottes auf ihn. Ich lebe von Gottes Gnaden, will der Mensch sagen, der sich der Beschneidung unterwirft. Gott hat das Recht auf mein Blut und Leben. Er kann es nehmen, wie er es gegeben hat. Ich gebe wenige Tropfen meines Blutes; Gott hat das Anrecht auf das ganze ... Denn was gebührt Gott als Gabe, wenn nicht das, was ich als Gabe von ihm empfangen habe: ich selbst?
... Niemals ist der Sinn der Beschneidung vollkommener verwirklicht worden als in der Beschneidung Jesu. Er, obwohl seiner ewigen Wesenheit nach selbst Gott, bekennt sich seiner menschlichen Natur nach im Namen und an Stelle aller lebendigen Kreatur als Eigentum und Knecht Gottes. Er bekennt, als Mensch sein Leben aus der Hand des Vaters empfangen zu haben und es ihm zu schulden: als Gabe der Liebe, in der das Geschöpf sich seinem Schöpfer zurückschenkt; als Sühne des Ungehorsams, durch die der Sünder Gott versöhnt.
Er vergießt das Blut der Beschneidung als Angeld und Erstlingsopfer und bekundet dadurch seinen Willen, in der Bluttaufe des Kreuzes den vollen Lösepreis zu zahlen und das Opfer zum Brand- und Ganzopfer zu vollenden. Mit der Beschneidung des Kindes Jesus beginnt der Gehorsamsweg des Gottesknechtes "hinauf nach Jerusalem", beginnt die Opferweihe des königlichen Hohenpriesters, der am Kreuze vollgeweiht wird. Als Erstgeborener eines neuen göttlichen Geschlechtes, der den Mutterschoß des neuen Lebens auf der Erde öffnet, weiht er sich in seinem Blute Gott dem Herrn, um alle Kommenden seines Geschlechtes vom Tode freizukaufen. In seinem Tode sind sie alle mitgeweiht; durch die Besprengung mit seinem Blute werden sie zur heiligen Weihegabe für Gott, zum "Eigenvolk" des Herrn, zur gottgeweihten "königlichen Priesterschaft" (Ex 19, 6; vgl. 1 Petr 2, 9). In diesem großen Zusammenhang mit dem Ganzopfer und der Vollweihe des Kreuzes sieht die Kirche in ihrer heutigen Liturgiefeier das erste Blutopfer des Kindes Jesus ... Das Blut des Kindes Jesus, das heute zum ersten Male fließt, ist das Blut des Gekreuzigten, das täglich den Heilskelch der Ekklesia füllt ...
Aemiliana Löhr OSB: Das Herrenjahr. Das Mysterium Christi im Jahreskreis der Kirche. Erster Band. Regensburg (4) o.J. [nach 1940]. S. 115 ff. - Bild: Kirchenfahne in der Kirche St. Georg zu Bleibach im Elztal.