Montag, 14. Dezember 2015

Vom vollkommenen Ablass

Angesichts des Vollkommenen Ablasses, der im laufenden Heiligen Jahr gewährt wird, wurde in der Blogozese heute die Frage nach der Ablass-Praxis aufgeworfen. Ich habe das kommentiert; als der Kommentar geschrieben, war fast ein kleiner Artikel draus geworden. Nun dachte ich mir, ich könnte das - etwas ergänzt und angepasst - auch hier einstellen:
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Was also hat es mit dem "Gewinnen" von Ablässen, beim vollkommenen Ablass zumal, auf sich?
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Ein Ablass ist, auch wenn sich der Eindruck leicht einstellen mag, kein Automatismus. Die Ekklesia kann ihn aus der Fülle der ihr anvertrauten Gnadenschätze erteilen. Er ist an ein Tun des "Empfängers" gebunden. Dieses Tun sollte man nun nicht nach einer Kosten-Nutzen-Rechnung beurteilen, sondern es wächst aus einer inneren Haltung heraus. 
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Man geht nicht zur Beichte, um den vollkommenen Ablass zu gewinnen - man geht, um "vollkommen", dem Kyrios gleichförmig zu werden. Man empfängt den Heiland nicht in der Kommunion, um einen Ablass zu erhalten. Man empfängt ihn, um Christus gleichförmig zu werden. Man tut das Ablasswerk nicht, um einen Ablass zu kassieren. Man setzt damit ein (äußeres) Zeichen des Willens, Jesus immer gleichförmiger zu werden.
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So ist die Liebe zu Gott der tragende Grund, auf dem der Ablass aufbaut. Wir wollen mit einem Ablass nicht dem Purgatorium "entkommen", sondern Gott direkter entgegeneilen können. Man sieht, denke ich, die etwas andere Perspektive, die - im Gegensatz zu einer allzu menschlichen Werkgerechtigkeit - hier eingenommen ist.
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Solche Werkgerechtigkeit wird dem Wesen des Ablass nicht gerecht und läuft Gefahr, in den Bereich jener Bedingung zu gehören, welche zum Empfang eines vollkommenen Ablasses (nebst Buße und Beichte, Kommunion und Ablasswerk) zwingend notwendig ist: Das "Vermeiden jeder (!) Anhänglichkeit an die Sünde" ... denn Gott kann und darf man nichts vermessen vorrechnen, bei ihm gar etwas einklagen. Gott will unser Vertrauen, nicht einen spröden Wechsel samt Pochen auf den Erlass von Sündenstrafen. Er sieht in unser Herz - und was er da sieht, entscheidet, wie - in jeder Hinsicht - "vollkommen" der Ablass wirklich ist.
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Die Frage kam hier bei Carina auf.

1 Kommentar:

viasvitae hat gesagt…

Ich bin immer wieder begeistert von diesem Blog :)