Mittwoch, 9. Dezember 2015

Advent (9): In lætitia cordis

Populus Sion /
ecce / Dominus veniet
ad salvandas gentes;
et auditam faciet Dominus
gloriam vocis suæ
in lætitia cordis vestri.
Du Volk von Jerusalem -
Da! Es kommt der Kyrios,
um die Völker zu erretten.
Er wird die Herrlichkeit seiner Stimme hören lassen
in der Freude eures Herzen.
(Jes 30, 30 - Introitus am zweiten Sonntag im Advent)
Der zweite Teil dieser Introitus-Antiphon wird meistens etwas anders übersetzt: Gott werde seine herrliche Stimme vernehmen lassen zur Freude unserer Herzen - so verdeutscht, zumindest sinngemäß, der Schott diesen Satz. Gedanklich scheint das auch sehr eingängig und ist gewiss nicht falsch. Die Übertragung oben setzt einen etwas anderen gedanklichen Schwerpunkt ... hier ist die "Freude des Herzens" eine wesentliche Maßgabe, inwiefern die "Herrlichkeit" der Stimme Gottes vernommen werden kann. 
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Gott kommt und spricht zu verschiedenen Zeiten auf verschiedene Weisen zu den Menschen: Zu Moses sprach er aus dem brennenden Dornbusch. Elias hört Gott in einem sanften Säuseln. In der Fülle der Zeit wurde Gott in Jesus Christus Mensch und sprach zu uns - von Mensch zu Mensch sozusagen. Am Ende der Zeit wird er als der Kyrios kommen, zu richten die Lebenden und die Toten - sein Wort wird das endgültige Machtwort sein, das niemand überhören werden kann. Aber in der Zeit zwischen jenem ersten und letzten Advent kommt und spricht Gott durch die Ekklesia - auch durch die streitende Kirche: durch uns zu den Menschen.
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Um es einfach hier als Frage in den Raum zu stellen, die jeder für sich selbst klären mag ... könnte es an der Freude unserer Herzen hängen, wie "herrlich" die Menschen um uns herum die Stimme Gottes hören ...?

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