Sonntag, 6. Dezember 2015

Advent (6): Per patientiam et consolationem

Quæcumque scripta sunt, ad nostram doctrinam scripta sunt: ut per patientiam et consolationem Scriptarum spem habeamus.
Alles, was geschrieben worden ist, wurde zu unserer Unterweisung geschrieben, damit wir Hoffnung hegen durch Ausharren und durch den Trost in den Schriften.
(Röm 15, 4 - aus der Lesung am zweiten Sonntag im Advent)
Einerseits schadet es nichts, sich kurz bei der Frage aufzuhalten, welche "Schriften" hier eigentlich gemeint sind - denn rund 20 Jahre nach dem Tod und der Auferstehung des erhöhten Kyrios, als sich Paulus an die Gemeinde zu Rom wandte, gab es noch kein "Neues Testament", wie wir es kennen, war fast alles traditio: Überlieferung der Worte und Taten Christi. Paulus spricht also vor allem von der Schrift des Alten Bundes - der Thora, den Propheten, Psalmen ... und all den anderen Büchern.
.
Andererseits wird man der Ansage des Apostels nicht Gewalt antun, wenn man diese nicht allein auf das bezieht, "was geschrieben worden ist", sondern auch darauf, was damals noch aufzuschreiben blieb - und so heben diese Worte die gesamte Bibel in einen Deutungshorizont, den wir beim "Ausharren" im Wort Gottes (selbst da, wo es uns widerständig ist) nie aus dem Auge verlieren sollen: es geht darum, unsere Erwartung zu stärken - und zwar unter dem Vorzeichen der "Hoffnung".
.
Nicht zuletzt ist das in alle Krisensituationen unseres Lebens hinein gesprochen - bis hinein in die letzte Krise in hora mortis nostræ: Hoffnung hegen! Und selbst da, wo uns im Gericht die Welt um die Ohren fliegt, ist uns die Ankündigung als Trost und Hoffnungsgrund anheim gegeben; wir hörten von den Zeichen dieses Gerichtes am vergangenen ersten Adventssonntag - und wir hörten dabei auch:
Und dann werden sie sehen den Menschensohn - kommend in einer Wolke mit Kraft und viel Herrlichkeit. Beginnt aber das zu geschehen, richtet euch auf und hebt die Häupter! Denn es naht eure Erlösung ... erkennt, daß nahe ist das Reich Gottes! (Lk 21, 27 f., 31).

Keine Kommentare: