Samstag, 5. Dezember 2015

Advent (5): Virgo pariet

Ecce /
virgo concipiet et pariet filium:
et vocabitur nomen eius
Emmanuel.
Da!
Die Jungfrau wird empfangen und einen Sohn gebären.
Sein Name wird gerufen:
Emmanuel - Gott mit uns.
(aus den Lesungen des Propheten Jesaja (7, 14) in der Mette am heutigen Samstag - Communio der Rorate-Messe)
Erfüllt Gott seine Verheißungen, dann eher nicht so, wie wir es uns erwarten. In den Verheißungen Gottes steckt oft eine merkwürdige Kombination aus Mehr und Weniger, so auch hier: Der Sohn, den die Jungfrau empfängt und gebiert, ist in einem viel umfassenderen und existenzielleren Sinn "Gott mit uns", als man glauben mag. Dieser Emmanuel ist mehr als personifizierte Solidarität, mehr als besondere Gegenwärtigkeit eines ansonsten transzendenten Wesens, mehr als begleitende Hilfe "von oben" oder gar ein zum "Kameraden" umdeklinierter Gott, dessen renommée im Glanz der Koppelschlösser preußischer Armeen strahlte. Er ist auch nicht, um noch einen Blick in die Religionsgeschichte zu werfen, ein vergöttlichter, zur Gotteswürde aufgestiegener Mensch oder ein Halbgott oder ein Gott, der sich hin und wieder menschlich maskiert, wenn er auf die Erde niedersteigt.
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Emmanuel - Gott mit uns! Gott, der Mensch geworden, der Mensch ist. Voll und ganz! Gott, der die Menschheit angenommen hat, um sie nie mehr abzulegen. Gewiss, dies glauben und beten und bekennen wir hoch und runter, an Weihnachten erst recht - das Wunder, das Mehr der erfüllten Verheißung, droht dennoch in einem Bekenntnis business as usual zuweilen nicht mehr recht wahrgenommen zu werden. Dabei müsste die Botschaft, Gott sei (geradezu "total") Mensch geworden, jedes normale religiöse Empfinden erschüttern und provozieren - ein Gott ... wie wir? Spottet das nicht jeder Vorstellung, daß Gott nicht zuletzt gerade darob Gott sei, weil er menschlicher Armseligkeit und all den damit verknüpften Grenzen und Einschränkungen nicht unterworfen ist?
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Religiös "vernünftiges" oder gar "gesundes" Empfinden könnte sich allenfalls mit der Vorstellung anfreunden, dieser Gott-Mensch walte in entsprechender Würde unter seinen Mit-Menschen: ein Gottkönig vom ersten Atemzug an. Doch wie erfüllt Gott seine Verheißung weiter? Jetzt mit dem Weniger gegenüber menschlicher Erwartung und Berechnung! Der Sohn der Jungfrau ist ein schwaches Kind, das - wie alle Kinder - auf Gedeih und Verderb von elterlicher Sorge abhängig ist, ein verletzliches Kind, dessen Schlaf in einem Futtertrog seinen Ort findet, ein kleines Kind, das man wie alle kleinen Kinder in Windeln wickelt - wickeln muss.
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Ehe der Herr die Geburt des Emmanuel aus der Jungfrau verheißen hatte, forderte er Achas auf, selbst nach einem Zeichen zu verlangen: "sei es in der Tiefe unten oder oben in der Höhe" (Jes 7, 11). Achas verweigerte sich; Gott aber gab ein Zeichen, das sowohl aus der Tiefe empor- wie aus der Höhe herabstieg: das Weniger und das Mehr seiner Verheißung.
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Das Zeichen aber währt bis heute in diesen aion hinein: der Gott, der sich vor zweitausend Jahren zum Menschen entäußert hat, entäußert sich heute in einem kleinen und armseligen Stückchen Brot, das die Jungfrau Ekklesia empfängt und gebiert. Ecce!

Kommentare:

Keltischer Mystiker hat gesagt…

Viele religiöse Vorstellungen sind veraltet. Zum Beispiel wurde die Welt nicht “erschaffen”, sondern existiert von Natur aus (und seit ewig). Nach jetzigem Stand der Erkenntnis ist das Unbewusste göttlich. Ein Mensch sollte u. a. seine Willenskraft und Liebe vergrößern. Es ist wichtig, gesundheitsbewusst zu leben und sich unegoistisch zu verhalten. Es ist sinnvoll, viel Sport zu machen, berufliche und andere Herausforderungen zu meistern, immer mehr für den Naturschutz zu tun usw. Und dann sollte man Autosuggestion anwenden, Ereignisse (z. B. Träume) deuten und die Halbträume der Aufwachphase beeinflussen. Dies gehört zur ersten Stufe. Dann kommt die zweite Stufe, die dritte Stufe und so weiter. Künstliche Bewusstseinsveränderung (z. B. Hypnose), Präkognition usw. sind gefährlich. Bestimmte Yoga-Techniken und luzides Träumen können schädlich sein, wenn man die nötige Reife nicht hat. Im Übrigen können die Techniken nur Hilfsmittel sein; das Wesentliche ist das Wirken Gottes.

Die Wissenschaft darf nicht alles erforschen. Es ist z. B. unter Umständen gefährlich, wenn ein Mensch erforscht, ob er einen freien Willen hat. Es ist denkbar, dass ein Mensch gerade durch die Erforschung der Beschaffenheit des Willens seinen freien Willen verliert. Zudem müssen die Gefahren der Technologie immer weiter verringert werden. Es ist z. B. falsch, Hochgeschwindigkeitszüge zu bauen. Es ist sinnvoll, Faktor-X-Technologien (z. B. 0,3-Liter-Einsitzer-Autos, Linsermethode gegen Krampfadern) zu fördern. Die Verkehrsprobleme werden wesentlich reduziert, wenn fast jeder Mensch mit einem Motorrad o. ä. fährt, anstatt mit einem Viersitzer-Auto. Man sollte in einer Region ohne Kälte leben. Es ist sinnvoll, in einem Mobilheim (Höhe ca. 3 m; Wandstärke ca. 4 cm; für zwei Personen 3 Räume) zu wohnen. Man sollte sich so weit wie möglich von (pflanzlicher) Urkost ernähren, sofern dies gesundheitsverträglich ist. Die vorgenannten Maßnahmen gehören zur ersten Stufe. Dann kommt die zweite Stufe, die dritte Stufe usw.

Andreas hat gesagt…

Nun ja, das wäre jetzt reichhaltig Stoff ... z.B. für eine Technologie-Debatte, auf die ich aber jetzt nicht weiter einsteigen möchte. Auf den Satz am Ende des ersten Abschnitts können wir uns aber einigen ... :-)