Donnerstag, 24. Dezember 2015

Advent (24): Mane videbitis

Hodie scietis,
quia veniet Dominus:
Et mane videbitis
gloriam eius.
Heute wisst ihr,
daß der Herr kommen wird.
Morgen werdet ihr schauen
seine Herrlichkeit.
(Aus der Leiturgía dieses Tages frei nach Dt 16, 6 f.)
Es wäre zu kurz gesprungen, wollte man sagen, Gottes Herrlichkeit ist nur etwas fürs Auge. Andererseits kann man nun fragen, was man an Weihnachten wirklich alles zu sehen bekommt, schmeckt und hört und spürt und erlebt? Eine hübsche Krippe? Der Zauber der Heiligen Nacht? Ein gutes Essen? Geschenke? Ein frommes Erinnern und Erleben? Aber alles das ist nicht Gottes, ist nicht "seine Herrlichkeit". Wo ist die abgeblieben, da sie uns hier doch nachdrücklich in Aussicht gestellt wird und im Zentrum aller Feier stehen soll?
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Die "Herrlichkeit" Gottes, seine gloria, zeigt sich - in der Geschichte, in jener "Fülle der Zeiten" - in einem wimmernden Kind, das in einem unbequemen Futtertrog liegt inmitten einer wenig wirtlichen Höhle, in der es stinkt, weil sie als Stall dient. Die Herrlichkeit besteht nicht in äußerem Glanz, sondern in der Liebe, welche das schier Unaufhebbare aufhebt: Die eherne Grenze zwischen Gott und Mensch. Gott nimmt die Natur seines Geschöpfes an. Aber damit nicht genug! Er steigt - dies habt zum Zeichen: ein Kind, Windeln, eine Krippe - in jene Erbärmlichkeit herab, die mit der Armut einher geht. Gute drei Jahrzehnte später wird diesem Kind Leid widerfahren, Unrecht, Folter und der Tod am Kreuz. Und auch das sollen wir zum Zeichen haben: Selbst unsere bittersten Stunden wird dieses Kind mit uns durchleben, weil es selbst seine bittersten Stunden erleben wird und erlebt hat. Welche Herrlichkeit könnte größer sein, könnte uns tiefer beeindrucken (wenn wir uns nur von ihr beeindrucken ließen, sie nur erfassen könnten!) als diese Liebe?
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Und doch gibt es noch einen Ort, wo wir vielleicht auch die Herrlichkeit Gottes schauen können - die Ekklesia singt heute davon in der Mette:
Sanctificamini hodie,
et estote parati:
quia die crastina videbitis
maiestatem Dei in vobis.
Heiligt euch heute
und steht bereit:
denn morgen werdet ihr
Gottes hohe Würde in euch sehen!
Oder mit den Worten des hl. Papstes Leo: "Erkenne, Christ, deine Würde!" Das Mysterium der Geburt unseres Kyrios Jesus erneuere in seiner Feier an uns das Geschenk der Herrlichkeit Gottes!

Kommentare:

Tarquinius hat gesagt…

Es sei Dir - besonders für den letzten Gedanken, der mich noch einmal herausgerissen hat aus den Oberflächlichkeiten und Falschheiten der weltlichen Weihnachtsbereitung - gedankt!

Andreas hat gesagt…

Danke für die Rückmeldung - Oremus pro invicem.