Mittwoch, 23. Dezember 2015

Advent (23): Rorate cæli

Rorate,
cæli,
desuper,
et nubes pluant iustum.
Taut,
ihr Himmel,
aus der Höhe,
regnen sollen die Wolken den Gerechten!
(Jes 45, 8)
Das Rorate klingt uns während der Adventszeit in den Messtexten und im Stundengebet immer wieder im Ohr - es ist geradezu die Adventsbitte der betenden Ekklesia; immer wieder schlossen wir uns diesem Ruf an.
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In den Laudes am Samstag für die Buß- und Fastenzeiten stimmten wir zudem in das Canticum Moysis (Dt 32, 1-18ein, eine Rede des Moses an das Volk Israel; sie beginnt mit den Worten:
Auscultate, cæli, et loquar; *
et terra audiat verba oris mei.
Descendat ut pluvia doctrina mea; *
stillet ut ros eloquium meum,
Sicut imber super herbam, *
et sicut pluvia super gramen.
Etenim nomen Domini prædicabo: *
tribuite gloriam Deo nostro.
Merkt auf, ihr Himmel, ich will künden, *
es höre die Erde meines Mundes Wort -
wie ein Regen komme nieder meine Lehre, *
meine Rede träufle auf wie der Tau,
wie ein kräftiger Schauer auf die Trift, *
ein Regenguss über das Gras -
denn den Namen des Herrn will ich künden: *
Erweist unserem Gott die Ehre!
Nicht Moses' Worte sind es, welche eine befruchtende Feuchte über das Erdreich ergießen könnten, sondern es ist der Inhalt der Rede, der die Worte träufeln macht - sie verkündet den "Namen des Herrn": im Alten Bund eines der großen Bilder, die Gegenwart Gottes zu bezeichnen. Gott selbst ist da, wo sein Name ausgerufen wird. Doch nicht nur in seinem Namen war Gott seinem Volk gegenwärtig, sondern auch unter anderen Zeichen: In Wolke und Feuersäule, die Israel auf dem Weg aus der Fron Ägyptens begleitete ... im Säuseln des Windes, welcher am Ohr des Elias strich ... im Allerheiligsten des Tempels. Und doch sollten alle diese Zeichen übersteigert werden - durch das Zeichen überhaupt, das Zeichen einer Jungfrau, die empfangen und einen Sohn gebären wird, dessen Name Emmanuel: Gott mit uns in einem Menschenkind (vgl. Jes 7, 14).
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Das Canticum des Alten Bundes umschränkt die betende Ekklesia am letzten Samstag vor dem Weihnachtsfest deshalb mit einer besonderen Antiphon, in welcher sie ihr Rorate nochmals tiefer entfaltet:
Exspectetur, sicut pluvia,
eloquium Domini:
et descendat, sicut ros,
super nos Deus noster.
Wie auf den Regen wollen wir warten
auf den Logos des Herrn:
es komme, gleich dem Tau,
auf uns hernieder unser Gott.

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