Montag, 21. Dezember 2015

Advent (21): Adveniat regnum tuum

Wir leben in den Fesseln der Zeit, die doch nur die Fesseln unserer eigenen Schuld sind. Ein Schatten liegt auf der Welt, und wir wissen doch, ihre verheißungsvolle Schönheit hat sich nicht gewandelt. Auch über die Freude heiliger Feste ist ein Schatten gekommen; er sollte nicht sein; unsere Freude sollte tiefer, reiner werden; aber der Schatten ist da. Die Sorge zehrt an einer jeden Stunde; wir leben nicht mehr als Deine Kinder; der Bergsturz der Geschichte schüttet den Raum unseres Daseins zu, und dem Menschen sind alle Zeichen seiner Würde, seiner Freiheit genommen.
Wir haben das Wort verloren, das Dich bezeugt; wir haben die Freude verloren, die das Siegel der Erlösung ist; unsere Liebe wird immerfort versucht vom Haß; seit die Bilder der Gerechtigkeit alle gefallen sind, versündigen wir uns fort und fort gehen das Recht und gegen die Heiligkeit Deines unerforschlichen Waltens. Und doch ist keine Schranke, die dem herabbrausenden Geiste wehren könnte. Er kann uns frei machen für den Frieden der Kinder Gottes, für die Gerechtigkeit und die Freude Deines Reiches; an seine Macht rührt die Geschichte nicht ... (Reinhold Schneider in seiner Schrift "Das Vaterunser" im Jahr 1941).

Kommentare:

Tarquinius hat gesagt…

Mutet reichlich duster an, wo man gerade vom Oriens singt ... ;-)

Andreas hat gesagt…

Noch manche Nacht wird fallen
auf Menschenleid und Schuld,
doch wandelt mit uns allen
der Stern der Gotteshuld ...

(Jochen Klepper)