Mittwoch, 2. Dezember 2015

Advent (2): Contra Dominum

Ruit enim Ierusalem, et Iudas concidit: quia lingua eorum et adinventiones eorum contra Dominum, ut provocarent oculos maiestatis eius. Agnitio vultus respondit eis: et peccatum suum quasi Sodoma prædicaverunt, nec absconderunt: væ animæ eorum, quoniam reddita sunt eis mala.
In Trümmer wird Jerusalem sinken, stürzen wird Juda. Denn ihr Reden und Ihre Pläne sind gegen den Herrn gerichtet, um die Augen seiner Majestät zu provozieren. Ihre Gesichtszüge verraten es! Wie in Sodom geben sie mit ihrer Sünde an und verbergen sie nicht: Wehe ihren Seelen, denn schlimm wird es ihnen vergolten!
(aus den Lesungen des Propheten Jesaja (3, 8 f.) in der Mette am Mittwoch nach dem ersten Adventssonntag)
Nein, Jesaja "sagt" nicht nur von dem "Blümlein, das ich meine", wie wir bald wieder singen werden. Jesaja ist auch nicht nur der Prophet eines messianischen Friedensreiches, von dem wir noch hören werden. Jesaja ist auch Ankläger und Künder des Gerichtes.
.
Die zitierte Stelle lässt uns heute vielleicht rasch an "die anderen" denken. An jene, die im Namen künstlerischer Freiheit oder in Satiren mit Hohn und Spott alles, was heilig ist, mit Dreck überschütten. Die sich für ihr asoziales Verhalten als "Macher-Typen" feiern lassen. Die im Hochmut ihr Geld und ihren Besitz und einen Reichtum herumzeigen, den sie nie und nimmer selbst, mit rechten Dingen oder zurecht verdient haben können. Die in Talkshows ihre sexuellen Obsessionen genüsslich ausbreiten und sich ob ihrer "Freizügigkeit" feiern lassen. All die, all diese anderen ...
.
Das tun "wir" natürlich nicht! Wir suhlen uns höchstens hin und wieder (und offen oder insgeheim) in der "Verkommenheit" jener anderen, über die wir uns sodann wunderbar erhaben, geradezu "erwählt" wähnen (und im schlimmsten Fall trösten wir uns mit also eingewähnter "Erwählung" irgendwie darüber hinweg, daß wir so ein durchgeknalltes Leben ja leider nicht führen können; es juckt uns nämlich selbst in den Fingerspitzen).
.
Das Reich Gottes aber - um auf diese ganz andere Realität zurück zu kommen - das Reich Gottes kommt nicht dadurch, daß "die anderen" (zu unserer insgeheimen Genugtuung womöglich) einer schlimmen Strafe, gar der ewigen Verdammnis verfallen sollen; das Reich Gottes kommt durch uns - auch zu den "anderen", die nicht weniger einzutreten berufen, als wir es sind. Bereiten wir Ihm den Weg? Zu uns und zu "den anderen"?

Kommentare:

Carina hat gesagt…

Mit erhobenen Zeigefinger und doch gleichzeitig zutreffend und ansprechend geschrieben. So bleibt es im Gedächtnis.

martina hat gesagt…

Gesegneten Adventszeit!

Andreas hat gesagt…

Das mit dem erhobenen Zeigefinger ist natürlich immer so eine Sache, Carina; zu meiner Verteidigung könnte ich höchstens anbringen, daß ich all das nicht zuletzt - Bloggen birgt wie viele andere Schreiberey ja stets unterschiedliche Motivationen - mir auch selbst ins Stammbuch schreibe (n muss). ;-)