Freitag, 27. November 2015

Gaudi statt Gaudete

Discomusik, Veitstänze, Pappnasen ... kurz: Narrengottesdienste aller Arten, dem Zeitgeschmack zugeschnitten, nach irgendwelchen Moden hingeschustert: Tanzen und Springen, Ringelpiez, Bohei und Oho und Applaus, Applaus, Applaus ... bis bei der Muppet-Messe auch der letzte Rest eines mysterium tremendum et fascinosum in der schalen Brühe des Zeitgeistes aufgelöst, im beat zerstampft, in Witzischkeit ersoffen worden ist: Und immer, wenn du meinst, das geht jetzt echt nicht schlimmer mehr, raunt von irgendwo ein Stimmchen her, die Kirche habe kulturelle Zeitphänomene stets und immer und früher auch schon in die leiturgía einfließen lassen. Vor Tagen lief ich auf Fratzbuch so einem Fall und Filmchen über den Weg: Ich kann es nicht mehr hören, mag es noch sehen oder riechen und schmecken!
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Ja, es stimmt: Die Kirche hat - vor allem, nachdem sie dem Untergrund der ersten Jahrhunderte entwachsen war - äußere kulturelle Phänomene aufgegriffen und in ihr opus Dei integriert. Über Jahrhunderte wuchs sie überdies - teils aus sich selbst, teils aus fruchttragendem Austausch mit "profaner" Kultur - zu einer starken, ja: originär kulturstiftenden Kraft heran. Hierbei wird aber auch deutlich: Das Streben, die gloria Dei zu steigern, begnügte sich nicht mit einer unverwandelter Übernahme, sondern suchte zugleich die Veredelung, die Über-Steigerung, das plus ultra zu den äußeren Kulturkräften.
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Und sie wahrte dabei das Heilige! Was zum Beispiel so weit ging, daß die Väter des Konzils von Trient ernsthaft erwogen, für die leiturgía nur noch den gregorianischen Choral zu gestatten. Oder was dazu führte, daß der hl. Pius X. den Gebrauch der damals in Italien hoch populären, aber ebenso hoch weltlichen Opernmelodien in den Kirchen verbot.
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Wem das nicht reicht, der höre sich an, wie im späten Mittelalter der flämische Komponist Guillaume Dufay auf der Grundlage des Gassenhauer L’homme armé die gleichnamige Messe komponierte. Plus ultra! Danach kann man sein Ohr ja wieder dem senfseichten Popgelulle unserer Tage (samt dazu herumhampelnder Klerisei) zuwenden und sich dran freuen wie ein Hampelmann. Gaudi statt Gaudete - viel Spaß!

1 Kommentar:

Kirchfahrter Archangelus hat gesagt…

Ich habe vor vielen Jahren das Gelübde des häufigen Messbesuchs abgelegt und daher öfter Messen außerhalb meiner Pfarrei besucht. Dabei war nicht zu übersehen, dass würdig zelebrierte Messen in der ordentlichen Form des römischen Ritus – zumindest im Rhein-Main-Gebiet - selten zu werden beginnen. Damit meine ich solide Messfeiern, die sich nicht als ein "kreativ gestalteter" Gemeinschaftskult entpuppen, bei denen man fortwährend den spontanen liturgischen Einfällen der Pfarrer und dem Selbstdarstellungsdrang ambitionierter Laien ausgesetzt ist. Andacht und Sammlung sind (zumindest für mich) extrem schwierig, wenn es beispielsweise beim Friedensgruß zu veritablen Laienspiel-Aufführungen kommt, da sieht man angestrengte Rumpfbeugen über mehrere Bänke und meistens unverbindlich- allgemeines Herumwinken. Auch Applaus für Organisten, Messdiener oder sonstige "Mitwirkende"halte ich dem Ernst der Messe gegenüber für abträglich. An private Andachtsübungen vor oder nach der sonntäglichen Gemeinde-Messe ist in der üblichen geräuschvollen Bushaltestellen-Atmosphäre schon gar nicht zu denken.