Sonntag, 1. November 2015

Die Heiligen: Bilder Christi, die von seinem Glanze leuchten

 Basel, Pfarrkirche St. Antonius 
In den Heiligen verehren wir den Gottmenschen Jesus Christus, den Sohn Gottes, den Kyrios. Er, der Mittler zwischen Gott und den Menschen, ist die Quelle aller Heiligkeit, weil der Vater nur durch seinen geliebten Sohn des Heil verleiht. Alle Heiligkeit der Menschen ist Gottes Gabe, Gottes Pneuma, Gottes Same im Menschen.
So hat Gott in Christus sich seine Heiligen geschaffen aus seiner Einheit heraus als eine Einheit im Pneuma. Aus der Menge des Volkes bildet er sich eine auserwählte Schar, seine Ekklesia. Sie wird wegen dieser Einheit und der gnadengeschenkten, empfangenen Heiligkeit die eine heilige Braut genannt, die Una Sancta Ecclesia.
Odo Casel OSB
In den Heiligen verehren wir also auch die Ekklesia, in ihr aber wiederum ihren Herrn und Bräutigam Christus. Denn Christus und die Kirche sind zusammen der eine Christus. Christus aber wiederum ist da für den Vater, und wenn alle Heiligen zum Leibe Christi gesammelt sind, dann übergibt der Sohn sein Reich dem Vater, so daß Gott alles in allem ist. So mündet alle Heiligkeit wieder in die Quelle ein: in den ewigen Vatergott. (...)
Die Heiligen trennen uns also nicht, wie man wohl gesagt hat, von Gott und Christus; nein, richtig verehrt, führen sie uns hin zur Ekklesia, zu Christus, zum Vater. Sie sind ja Bilder Christi, die von seinem Glanze leuchten. Klemens von Alexandreia sagt von den Christen, das heißt den Heiligen: "Wir sind es, die das Bild Gottes herumtragen in diesem lebendigen, sich bewegenden Standbilde, dem Menschen, ein Bild, das mit uns wohnt, sich mit uns berät, mit uns verkehrt, mit uns haust, mit uns leidet, das über die Leidenschaften erhaben ist. Wir sind ein Weihebild an Gott für Christus ... (Protreptikòs 59, 21). 
Gemeinschaft mit den Heiligen pflegen heißt also Gemeinschaft mit Christus pflegen. Er ist ihr Königsdiadem, ihre Krone und ihr Kranz; ohne ihn sind sie nichts. Durch ihn sind die heilig; denn nur "einer ist heilig, einer der Herr, einer der Allerhöchste - Jesus Christus".
¶ Aus einer Ansprache am Fest der hl. Apostel Petrus und Paulus - in: Odo Casel OSB: Mysterium der Ekklesia. Von der Gemeinschaft aller Erlösten in Christus Jesus. Aus Schriften und Vorträgen. Mainz 1961. S. 171. Bild: Lichterspiel in der Pfarrkirche St. Antonius zu Basel.

Kommentare:

Carina hat gesagt…

Das hat mir gut gefallen! :)

Andreas hat gesagt…

Was Caselfans wie meinereiner natürlich gerne hören! :-)

Tarquinius hat gesagt…

Frage an den Caselianer meines Vertrauens: Gilt es als Häresie, wenn man bei der Lektüre hier (im Geiste) Ecclésia statt Ekklesía liest?

Andreas hat gesagt…

Frag da lieber mal diesen Typ aus Alexandreia ...

Carina hat gesagt…

Es wird Zeit sich mal über diesen 'Casel' zu informieren... ;-)