Mittwoch, 11. November 2015

Der Martinsumzug

 Der hl. Martin - St. Bartholomäus, Ettenheim 
Womöglich lächeln selbst wir ein wenig, wenn wir heute einen Martinszug sehen? Ich meine hier nicht das heitere Lächeln frommer Erhebung, welches Zeichen einer stillen Freude ist, sondern eher jenes (Be-) Lächeln, das sich aus nostalgischen Gefühlen speisen kann, aber auch leichter Überhebung über den zweifelsohne herzigen Kinderkram (samt herzhaft schräg singenden Kindern) geschuldet sein mag?
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Abseits aller Nostalgie und diverser "erwachsener" Gefühlslagen ... der Martinsumzug kann auch ein anderes Bild in uns wachrufen, gerade jetzt in der Neige des Kirchenjahres, in dieser Zeit, in der die heilige leiturgía uns den Kyrios als den Kommenden verkündet: "Ihr wißt je selber genau: Der Tag des Herrn, wie ein Dieb in der Nacht, so kommt er" (1 Thess 5, 2). Und: "Mitten in der Nacht aber erscholl ein Schrei: Da - der Bräutigam! Hinaus - ihm entgegen!" (Mt 25, 6).
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Die Kinder mit ihren Laternen: Sie sind auch ein Bild unserer Seelen, die ihr armseliges Licht dem Kommenden entgegen tragen durch die Nacht. Die schwache Flamme ist verletzlich: Wir müssen sie hüten. Unsere Lieder, unser Lob - wie verkehrt klingt all das zuweilen, nicht zuletzt durch den "frommen" Dünkel, den wir immer wieder kultivieren. 
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Die Nacht mag dunkel sein, rau das Wetter, kalt der Wind, krächzend unsere Kehlen, gefährdet unser Licht: Der heilige Martin helfe uns, daß wir das Ziel nicht aus dem Blick verlieren: jenen Augenblick, an dem wir Ihm, Christus, gegenüber stehen in der Ewigkeit: ora pro nobis!
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Der heilige Bischof Martin - dargestellt am Hochaltar der Pfarrkirche St. Bartholomäus zu Ettenheim.

Kommentare:

Tarquinius hat gesagt…

Aus irgendeinem Grunde dachte ich heute Morgen an den Schwester-Robusta-Preis. Gäb's den jedenfalls auch für einzelne Beiträge, wäre hier wohl die Goldmedaille in der Kategorie Spiritualität drin!

iuxtacrucem hat gesagt…

Ich muss gestehen, als ich gestern einem solchen Umzug begegnete, habe ich mich vorallem gefragt, ob es sich dabei tatsächlich um einen Martins Umzug oder vielmehr um einen Laternenumzug eines diffuses, inhaltsleeren "Lichterfest" handelte... Ich wollte ja schon fragen, meine Mutter hat mich dann aber davon abgehalten...

Andreas hat gesagt…

Das, Tarquinius, ehrt natürlich, allerdings beschleicht mich manchmal der Verdacht, die ganze Preiserey läuft auch Gefahr, in frommes Dünkel abzudriften.

Der Verlust, Iuxtacrucem, christlicher Inhalte ist beklagenswert (und vielleicht schauen wir in der Tat zu oft tatenlos zu). Freilich mag auch noch bei uns auch bei "Lichterfesten" ein Wort von Irenäus helfen: "Bei Gott ist nichts leer, alles ist Zeichen" (fragt sich im konkreten Fall nur: wofür?) ...

Tarquinius hat gesagt…

Keine Banke, lieber Andreas, der Frater-Tarquinius-Award für treue Traditionstüchtigkeit wurde Dir nach dem jüngsten Beitrag schon wieder aberkannt ... ;))

Andreas hat gesagt…

Mist, jetzt habe ich nicht mal mehr eine Chance auf das Blogozesen-Bambi für (die) Arme(n) ... ;-)