Samstag, 24. Oktober 2015

Zu schauen deine Macht und deine Herrlichkeit

 Engel - Glasfenster in der Evangelischen Kirche zu Hinterzarten 
Mit einem Gruß betrat der heilige Erzengel Raphael Tobits Haus: "Freude sei dir immerdar"; dem blinden Vater des Tobias kam aber nur eine verbitterte Antwort über die Lippen: "Welche Freude soll mir sein, der ich in Finsternis sitze und das Licht des Himmels nicht sehe?" - richtig rund verläuft diese erste Begegnung, wie sie im fünften Kapitel des Buches Tobias (gemäß der Vulgata) berichtet wird, nicht. Dabei ist Tobit ein frommer Mann, doch der Verlust des Augenlichtes scheint auch einen Schleier über seine Seele geschlagen zu haben. So geht es uns vielleicht zuweilen auch: Das Auge unseres Glaubens ist trübe, vielleicht sogar blind geworden. Vielleicht verstellen die Erfordernisse, vielleicht auch Sorgen oder sogar Enttäuschungen des Alltag unseren Blick auf Gott, vielleicht auch der Zweifel an seiner Sorge um uns, vielleicht ist uns auch wie dem Psalmisten zumute, der betet: "Warum verbirgst du dein Antlitz vor mir?" (Ps 43, 25); der Gründe gibt es oft viele für unser Nicht-sehen-können.
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Der Engel antwortet, und die Ekklesia nimmt diese Antwort auf in der dritten Antiphon der Laudes heute am Fest des heiligen Erzengels:
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Forti animo esto, Tobia:
in proximo enim est, ut a Deo cureris.
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Sei stark im Herzen, Tobit,
denn nahe steht bevor, daß du geheilt wirst von Gott.
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Wir hören die Worte und kennen den Ausgang der Geschichte: Tobit wird sein Augenlicht wieder erlangen. Das gibt uns Hoffnung, und so beten wir mit der Ekklesia - aller Entmutigung entgegen - unter den Vorzeichen dieser Antiphon den dritten Psalm der heutigen Laudes, Psalm 62:
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Gott! Mein Gott bist du,
in meiner Verstörung suche ich nach dir,
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mein Geist dürstet nach dir,
mein Fleisch verlangt nach dir,
wie dürres und dürstendes Land, wie vertrocknete Erde.
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So schaue ich im Heiligtum nach dir aus,
zu schauen deine Macht und deine Herrlichkeit:
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Denn deine Gnade ist besser als das Leben,
es möchten dich preisen meine Lippen ...
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Gott sende uns seinen Engel und heile unter seinem Geleit unsere Blindheit: Sancte Raphael ... ora pro nobis!
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Bild: Darstellung eines Engels in den Glasfenstern der Evangelischen Kirche zu Hinterzarten im Schwarzwald.

Kommentare:

Tarquinius hat gesagt…

Vulgata? Dass ich das noch erleben darf ... ;-)

Carina hat gesagt…

Schön gesagt... Und ich merke mal wieder... Mehr in der Bibel lesen.

Andreas hat gesagt…

Das Buch Tobias ist da eine schöne und überschaubare Lektüre, ob mit oder ohne Vulgata-Version ... ;-)